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            <title type="main">Dienstag, der  8. Februar 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_01">Dienstag, 8. Feber 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_02">Eine Delegation unter Führung von Präsident <rs type="person" ref="#per__114377">Fritsch</rs> von den Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhändern und auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, in diesem Fall aber als<lb/>
Berufskollege, wollte eine Tariferhöhung. Ihre Stundensätze betragen<lb/>
derzeit von 66.– S angefangen bis zu einem Tagessatz von 1.100 S.<lb/>
Sie wollen nun alles wesentlich erhöhen, da die Löhne um 30 % ge<lb break="no"/>stiegen sind. Die Kollektivverträge sind zwar wesentlich tiefer,<lb/>
doch ein leitender Assistent bekommt 15–20.000 S im Monat. Ein<lb/>
Prüfer 7–10.000 S. Von den 2.500 Wirtschaftstreuhändern hätten<lb/>
nur 50 Konsulentenverträge, d.h. mit grossen Firmen wie z.B.<lb/>
Philips. Dort soll der Jahresvertrag 300.000.– S betragen. Ich habe<lb/>
ihnen keinen Zweifel gelassen, dass ich nicht daran denke, die un<lb break="no"/>tere Grenze zu erhöhen, sondern nach eingehendster Überprüfung und<lb/>
Rücksprache mit der Bundeskammer und den anderen Interessensver<lb break="no"/>tretungen maximal mit einer Erhöhung von einzelnen Sätzen zu rech<lb break="no"/>nen ist. Ich habe ihnen erklärt, dass ich auf alle Fälle versuchen<lb/>
werde, eine einstimmige und einvernehmliche Lösung zu erzielen.<lb/>
Der zweite und wichtigere Punkt für sie war die Abgrenzung ihrer<lb/>
Aufgaben. Laut Gesetz haben sie gewisse Vorbehaltsaufgaben. In<lb/>
Salzburg hatten sie aber mit der Handelskammer vereinbart, dass<lb/>
die Lohnverrechnung durch ein Rechenzentrum erfolgen kann. Die<lb/>
Bundeskammer steht nun auf dem Standpunkt, dass selbstverständlich<lb/>
auch in ganz Österreich ihre Mitglieder nicht unbedingt nur Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder für diese Arbeit heranziehen müssen. IBM macht<lb/>
grosse Propaganda, dass sie natürlich die Buchhaltung auch machen<lb/>
können und dies wesentlich billiger kommt als wenn man ein Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänderbüro benützt. Seinerzeit haben sie mir erklärt,<lb/>
wurde im Handelsministerium mit 16 Punkten genau die Tätigkeit<lb/>
der Wirtschaftstreuhänder abgegrenzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte mir diese 16 Punkte zu verschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_04">Was sie befürchten, ist, dass in weiterer Folge, wenn die Programme<lb/>
von IBM dann ausgearbeitet sind, auch die Bilanzierung und vielleicht<lb/>
sogar in der letzten Phase auch die Steuerberatung EDV-mässig erfolgt.<lb/>
Sie selbst aber haben ein Werbeverbot und die anderen EDV-Produzenten,<lb/>
ob IBM, Olivetti usw., können aber werben. Ich bot ihnen sofort an,<lb/>
<pb n="09-0162" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-02-08_0162.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>das Werbeverbot könnte man ja durch eine gesetzliche Novelle aufheben.<lb/>
Ich wusste allerdings, dass sie diesen Weg nicht bestreiten wollten<lb/>
und sie haben deshalb auch diesen Vorschlag sofort abgelehnt. Derzeit<lb/>
wird sogar von der BRD her geworben und die Daten wertet die Ergebnisse<lb/>
sogar in der BRD aus. Hier wird es ganz schwer Auseinandersetzungen<lb/>
im Rahmen der Gewerbeordnung und der Abgrenzung geben. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat eine<lb/>
gute Idee gehabt. Die Rechenbüros waren früher freie Gewerbe und<lb/>
er meinte, die elektronische Datenverarbeitung müsste jetzt auch zuge<lb break="no"/>lassen werden, allerdings nur soweit es um die Eingabe der Daten handelt.<lb/>
Er wird ähnlich wie bei Ziviltechnikern oder Ärzten auch für die Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder eine generelle Abgrenzung versuchen. Die Erstellung<lb/>
des Programmes, die Aufwertung des Ergebnisses wird Angelegenheit der<lb/>
Ärzten Ziviltechniker und Wirtschaftstreuhänder sein. Das Eingeben von Da<lb break="no"/>ten aber müsste auf alle Fälle den einzelnen resp. der EDV-Gesellschaft<lb/>
überlassen bleiben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat hier als Berufskollege natürlich grösstes<lb/>
Interesse daran, dass die Abgrenzung so erfolgt, dass man wirklich die<lb/>
Wirtschaftstreuhänder nicht schädigt. Er meint, dass heute der Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder auf Grund von Unterlagen, die sehr unvollständig sind<lb/>
von den vielen tausenden Gewerbetreibenden dann eine entsprechende<lb/>
Bilanz erstellt werden muss. Das heisst, das Material wird eigentlich<lb/>
von den Wirtschaftstreuhändern so aufgearbeitet und von den Buchprüfern,<lb/>
dass man die Bilanz als glaubhaft dem Finanzbeamten vorlegt. Im<lb/>
Burgenland soll nun durch EDV-Anlagen Bilanzen vorgelegt worden sein,<lb/>
die hinten und vorne nicht gestimmt haben. Unter anderem hat es negative<lb/>
Kassen gegeben usw. Ich stehe allerdings auf dem Standpunkt, dass es<lb/>
doch viel zielführender für einen Finanzminister sein müsste, wenn er<lb/>
Rohmaterial von seiten der Gewerbetreibenden bekommt, welches viel<lb break="no"/>leicht in sich nicht geschlossen ist, dafür aber umso eher richtig ist<lb/>
als wenn ein Wirtschaftstreuhänder oder Buchprüfer dieses bereits<lb/>
bearbeitet hat. Natürlich steht im Gesetz, dass er – der Buchprüfer – die<lb/>
erste Vorprüfung damit durchführt und eigentlich manipuliert richtigere<lb/>
und in sich geschlossene Bilanz erbringt. Klarer wird sie aber dadurch<lb/>
keinesfalls. Derzeit ist es aber leider so und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> will scheinbar<lb/>
auf alle Fälle daran festhalten, dass wenn die Unterlagen zwar die<lb/>
wirklichen sind aber in sich nicht ganz stimmen, dass dann die Buch<lb break="no"/>haltung verworfen wird und dann entsprechende Satzungen erfolgen. Hier<lb/>
wird es noch im Parlament harte Auseinandersetzungen im Zuge der<lb/>
neuen Gewerbeordnung geben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, ich hätte den Handelskammer<lb break="no"/>leuten zu sagen, dass nicht richtig erstellte Bilanzen durch die<lb/>
<pb n="09-0163" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-02-08_0163.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>elektronische Datenverarbeitung dazu führen, dass seine Beamten,<lb/>
d.h. die Finanzbehörde dann die gesamte Buchhaltung verwirft und<lb/>
das Risiko der Haftung nicht von den elektronischen Datenverarbei<lb break="no"/>tungsfirmen übernommen wird, während der Wirtschaftstreuhänder<lb/>
haftet, er ist ja sogar meistens versichert, trifft ihn der Fall,<lb/>
dass der Gewerbetreibende sich einer elektronischen Datenverarbei<lb break="no"/>tungsfirma bedient, das Risiko ausschliesslich den Gewerbetreibenden.<lb/>
Die Haftung wird sowohl von IBM als auch von allen anderen Gesell<lb break="no"/>schaften abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_05">Im Ministerrat berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über das neue Komitee und den Heraus<lb break="no"/>geberverband, der Hilfe für die Zeitungen verlangt, mitzuteilen,<lb/>
dass sich die Bundesregierung mit allen materiellen Fragen beschäf<lb break="no"/>tigen wird. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> schlug das Ehrenzeichen für Verdienste um den<lb/>
Sport vor. Hie wird ein neues Bundesgesetz und ein neuer Orden ge<lb break="no"/>schaffen. Maximal 36 Inländer und 36 Ausländer sollen dieses Ehrenzei<lb break="no"/>chen bekommen können. Verliehen wird es durch den Bundespräsidenten<lb/>
auf Vorschlag der Bundesregierung und über Antrag des Unterrichts<lb break="no"/>ministeriums. Ein Kuratorium wird über die Verleihung <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> beraten<lb/>
In Wirklichkeit müsste man dieses Ehrenzeichen "<rs type="person" ref="#per__123824">Schranz</rs>-Orden" nennen.<lb/>
Der Gipfel wäre, wenn man für Verdienste um den Sport dann noch dem<lb/>
österreichischen Olympischen Komitee auch verleihen würde. Mit liegt<lb/>
jede Ordensproblematik vollkommen fern und ich habe dafür überhaupt<lb/>
nichts über. Es war nur typisch, dass <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> vorgeschlagen hätte<lb/>
man sollte <rs type="person" ref="#per__123824">Karl Schranz</rs> das Grosse Goldene Ehrenzeichen verleihen.<lb/>
Für mich typisch ist in der ganzen Angelegenheit, dass durch Massen<lb break="no"/>medien die Emotion der Bevölkerung, die sicherlich sowieso vorhanden<lb/>
war, noch wesentlich aufgepulvert wurde. Nicht zuletzt durch das<lb/>
Fernsehen haben sich Kreise der österreichischen Bevölkerung<lb/>
die mit Sport überhaupt nichts zu tun haben, und die wahrscheinlich<lb/>
niemals im Leben Ski gefahren sind, jetzt mit dem Idol <rs type="person" ref="#per__123824">Schranz</rs><lb/>
zu verbunden gefühlt, dass es für sie eine persönliche Kränkung, Be<lb break="no"/>leidigung und Zurücksetzung gewesen ist. Ich habe, als das Problem erst<lb/>
begonnen hat, <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> schon gesagt, der wird die schwierige Aufgabe<lb/>
haben, alle zu beschützen, die letzten Endes dabei unter die Räder<lb/>
kommen werden. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> mir erzählt<lb/>
hat, wie das Fernsehen z.B. im Prager Frühling damals die Politiker<lb/>
fertig gemacht hat, die sich gegen diese Entwicklung gestellt haben.<lb/>
Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie dies auch in Österreich sein<lb/>
könnte. seien nicht mit so extremen Auswüchsen, wie das in<lb/>
einer Diktatur möglich ist. Allerdings war damals im Prager Frühling<lb/>
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Österreich der Grundsatz gelten, schon am Anfang sich gegen eine solche<lb/>
Entwicklung zu stellen. Ein Massenmedium, wie das Fernsehen, dürfte<lb/>
einen einzelnen beim besten Willen nicht ausgeliefert werden. <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs><lb/>
hat hier als ehemaliger Fahrschüler von seinem Skilehrer <rs type="person" ref="#per__123824">Schranz</rs><lb/>
die Grenze des Erlaubten meiner Meinung nach wesentlich überschritten.<lb/>
Von einer objektiven Information und von einer werturteilsfreien Beurtei<lb break="no"/>lung des Falles und damit entsprechende Beruhigung der Bevölkerung kann<lb/>
wahrlich nicht geredet werden. Die Parteien wollten nun auf dieser Emo<lb break="no"/>tionswelle mitschwimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-08_06">Sowohl in der Fraktion des ÖGB, wo neben der Information des Steuerkomitees<lb/>
nur noch der Fall <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> verhandelt wurde, als auch in der Vorstands<lb break="no"/>sitzung im dritten Bezirk, zeigt sich für mich, dass es tatsächlich diesen<lb/>
Fall <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> gibt. Auch hier sagt die Bevölkerung und damit auch unsere<lb/>
Funktionäre, dass irgendetwas nicht in Ordnung sein kann. Der grosse<lb/>
Fehler war, dass <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> nicht sofort entsprechend hart in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit reagiert hat. Er hat zwar gegen die verleumderischen Behaup<lb break="no"/>tungen Anklagen erhoben, d.h. Anzeigen erstattet. Wahrscheinlich aber<lb/>
hätte müssen viel früher die Wiener Organisation und die anderen Funktio<lb break="no"/>näre sich mit ihm solidarisieren und klar und deutlich zu erkennen geben<lb/>
dass es sich hier um eine Verleumdung handelt. Da aber in der Wiener<lb/>
Organisation in diesem Fall leider keine geschlossene Gruppe der Spitzen<lb break="no"/>funktionäre ist, sondern viele dazu beitragen, dass sie sich jetzt schon<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> distanzieren, um später einmal die Chance haben eventuell<lb/>
selbst Bürgermeister zu werden oder zumindestens dadurch ihre Abneigung<lb/>
ihm gegenüber zu dokumentieren, ergibt sich das Bild einer nicht geschlos<lb break="no"/>senen Führungsspitze. Eine solche Entwicklung ist in einer politischen<lb/>
Partei aber verheerend. Die Funktionäre und insbesondere die kleineren<lb/>
haben ein gutes Gespür und ein gutes Gefühl für eine solche Situation.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> und ich konnte uns deshalb vergeblich bemühen, dies beson<lb break="no"/>ders aufzuzeigen, ohne natürlich Namen zu nennen. Die Genossen waren<lb/>
vielleicht mit den Auskünftigen befriedigt und zufrieden. Überzeugt<lb/>
glaube ich haben wir sie nicht.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 8.2.1972</head>
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            <head>Tagesordnung 13. Ministerratssitzung, 8.2.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>SL-Besprechung, 8.2.1972</head>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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