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            <title type="main">Montag, der 31. Jänner 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_01">Montag. 31. Jänner 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_02">Vizepräsident Dr. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> vom Patentamt kommt, um die Personalsituation<lb/>
mir zu erklären. Seit 8 Jahren ist ihr Technikerstand mit ca. 100<lb/>
unverändert. 1960 haben sie 150.000 Einlaufliteratur gehabt und bis<lb/>
1970 sind diese auf 260.000 gestiegen. Innerhalb der 10 Jahre wurde<lb/>
insgesamt eine Summe von 2,6 Mill. registriert und verarbeitet. Während<lb/>
sie bis jetzt Schwierigkeiten gehabt haben, Leute zu finden, haben sie<lb/>
in der letzten Kurier-Annonce sofort 6 Chemiker, 1 Physiker und ein<lb/>
halber Maschinenbauer, er kommt nämlich aus der Bodenkultur gemeldet.<lb/>
Da es meiner Meinung nach schwer sein würde, zusätzliche Dienst<lb break="no"/>posten zu bekommen, müssen in der Zentralverwaltungen Einsparungen<lb/>
erfolgen oder wir können durch das Weltdokumentationszentrum bereits<lb/>
jetzt einige zusätzliche Dienstposten erhalten. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> sagt, dass<lb/>
wir eines der letzten Patentämter sind, die <choice><choice><sic>Neuheitsresurche</sic><corr>?</corr></choice></choice> noch<lb/>
machen. Diese Vorprüfungen nehmen ungeheure Zeit in Anspruch. Doch<lb/>
wird damit der Industrie und dem Erfinder die Möglichkeit gegeben,<lb/>
zu überlegen, ob sie überhaupt ein Patent anmelden sollen. In der<lb/>
BRD ist man schon längst davon abgekommen und handhabt das System<lb/>
der Offenlegung. Ohne Überprüfung wird das Patent 18 Monate ausge<lb break="no"/>hängt und hat sozusagen dabei schon einen gewissen Schutz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Vielleicht müssen auch wir unser System<lb/>
ändern, bitte Überlegungen anstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_04">Da mir <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> von den Jahresgebühren falsche Angaben gemacht hat,<lb/>
hat er nachher ein Schreiben an <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> gerichtet, wo er die rich<lb break="no"/>tigen Ziffern bekanntgegeben hat, für einen Beamten beachtlich und<lb/>
spricht für Dr. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs>. Vielleicht allerdings hätte er sich nicht<lb/>
dazu entschlossen, wenn ich mir nicht von allen Aussprachen Aufzeich<lb break="no"/>nungen machen würde. Wenn die Gebühren geändert werden sollten, dann<lb/>
muss ebenfalls das Patentgesetz novelliert werden. Ich muss sagen,<lb/>
eine viel zu sehr gesetzlich verankerte Regelung für die Bestellung<lb/>
der Leute, für die Gebühren, die man erhebt, überall hat man in Wirk<lb break="no"/>lichkeit gesetzliche Bindungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte kontrolliere, ob im BKA unser Wunsch<lb/>
betreffend die Dienstpostenausschreibungen wegen des Patentamtes<lb/>
berücksichtigt wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_06">Der Werbebeirat der ÖFVW tagte im Ministerium. weshalb ich mir<lb/>
die Zeit nahm und eineinhalb Stunden mir dies anhörte. Er läuft<lb/>
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Absichten und vor allem seine Meinung kund und es entwickelt sich,<lb/>
obwohl dort potente Leute der Länder und des Fremdenverkehrs sitzen,<lb/>
nur eine sehr zögernde Diskussion. Wirkliche grundsätzliche Probleme,<lb/>
wie sie auch <rs type="person" ref="#per__134175">Schanovsky</rs> immer wieder verlangt, werden dort nicht bear<lb break="no"/>beitet. Wenn wir eine Reorganisation in der Fremdenverkehrswerbung<lb/>
wünschen, müssten wir unsere Ideen dort zur Diskussion stellen.<lb/>
Die Möglichkeit würde sich ohne weiteres erheben, weil z.B. auch die<lb/>
IFES, <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs>, dort vertreten ist und er könnte doch entsprechende<lb/>
Vorschläge, die wir doch zuerst fraktionell allerdings bei uns vorbe<lb break="no"/>sprechen müssten, bringen. Wenn die jungen Leute wirklich ein neues<lb/>
Werbekonzept haben, das wir durchsetzen sollten, dann müsste man über<lb/>
den Werbeausschuss dieses Problem zur Sprache bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_07">Die Generalversammlung der ÖFVW verlief fast kann ich jetzt schon<lb/>
sagen, routinemässig. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> hat ein Pressekommunique vorbereitet,<lb/>
es war wie eine Hofberichterstattung, zum Schluss war noch der Satz,<lb/>
dass mir die Generalversammlung Dank und Anerkennung für die Durchset<lb break="no"/>zung der grösseren Mittel aussprach, obwohl ich dies beim Kommunique<lb/>
vor ihm sofort durchgestrichen habe, weil für eine solche Hofbericht<lb break="no"/>erstattung überhaupt nichts übrig habe, hat er dann bei seinem Be<lb break="no"/>richt doch wieder dies erwähnt. Ich replizierte dort sofort indem<lb/>
ich erklärte, ich hätte nicht bestellt, dass er mir einen solchen<lb/>
Dank ausspricht, sondern meine Funktion als Obmann ist es ganz<lb/>
automatisch dafür zu sorgen, dass die notwendigen Mittel kommen und ich<lb/>
dankte den Bundesländern, der Bundeshandelskammer und vor allem aber<lb/>
dem Vertreter des Finanzministeriums für das Verständnis und den Be<lb break="no"/>schluss. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139694">Janisch</rs> vom Verkehrsministerium schnitt das Problem<lb/>
bei meinem Bericht des Direktoriums von der Zweigstelle New York<lb/>
Rockefeller-Center an. Übereinstimmend erklärte mir dann die General<lb break="no"/>versammlung, dass ich unter gar keinen Umständen die Zustimmung geben<lb/>
werde und könne, dass wir das Rockefeller-Center auch noch anmieten<lb/>
und dann drei Lokale in New York besitzen, ohne dass die Submieter<lb/>
sich rechtsverbindlich erklären, an diesem Rockefeller-Center mitzu<lb break="no"/>wirken. Jede Gruppe, die Handelskammer, die AUA, die CA, die BHL<add>[BHK?]</add>,<lb/>
geben nur vage Erklärungen, dass sie an einer Untermiete oder Mitmiete<lb/>
interessiert wären. Selbst <rs type="person" ref="#per__134288">Millwisch</rs> vom Verkehrsbüro, der diese<lb/>
Idee sehr forciert hat, schickte mir nur ein Schreiben, wo er eine<lb/>
Art Verwendungszusage abgibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ohne schriftliche verbindliche Zusage wird kein<lb/>
Vertrag abgeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_09">Nach der Generalversammlung konstituierte sich das Kuratorium für<lb/>
den Fremdenverkehr. Von Austrotour <rs type="person" ref="#per__115175">Norden</rs> und von der Gastwirtezeitung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115688">Feichtlbauer</rs> waren anwesend, ebenso ein Fotograf. Nur von unserem<lb/>
Haus war überhaupt niemand von der Pressestelle, sodass eigentlich auch<lb/>
keine pressemässige Vorbereitung getroffen war. Obwohl dies einen<lb/>
grossen Neuigkeitswert hat, haben wir vergessen oder versäumt, dies<lb/>
auch tatsächlich zu nützen. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wird jetzt<lb/>
im Fremdenverkehr mit Zustimmung der Länder, der Bundeskammer und des<lb/>
Ministeriums eine gemeinsame Fremdenverkehrspolitik in diesem Kuratorium<lb/>
besprochen. Der Städtebund schickte Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__137905">Wallner</rs> von Baden,<lb/>
der eigentlich gleichzeitig auch den Heilbäderverband vertritt, obwohl<lb/>
dieser extra noch ersucht hatte, in das Kuratorium aufgenommen zu werden.<lb/>
Das Kuratorium hat es aber abgelehnt, Selbst vom Gemeindebund hat<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__136475">Hammer</rs> sich dagegen aussprechen müssen, um das Kuratorium nicht zu<lb/>
gross werden zu lassen. Die Länder und die Bundeskammer wollte je einen<lb/>
Geschäftsführer in diesem Kuratorium, für diesen Fall habe ich erklärt,<lb/>
müsste auch das Handelsministerium einen Geschäftsführer stellen und<lb/>
an und für sich sei dies eine schlechte Lösung. Normalerweise ist ein<lb/>
Geschäftsführer genug und so schlugen die Länder dann vor, wir sollten<lb/>
uns auf Dr. <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> von der BHK einigen. Als Ausgleich wurde zum ersten<lb/>
Vorsitzenden des Kuratoriums, der jährlich wechselt, Dr. <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> vom<lb/>
Salzburg bestellt. <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> geht heuer in Pension und für ihn ist dies<lb/>
natürlich eine grosse Ehre. Er wird als Opponent der Länder, die bis<lb/>
jetzt sich ganz entschieden immer gegen eine Konzentration oder Koordina<lb break="no"/>tion des Fremdenverkehrs ausgesprochen haben, durch diese Funktion<lb/>
vielleicht im letzten Jahr noch kooperierend arbeiten. Die Gefahr, die<lb/>
ich nur für dieses Kuratorium sehe, ist, dass nur ausschliesslich die<lb/>
Wünsche der Bundeshandelskammer in der Fremdenverkehrsfrage diskutiert<lb/>
werden. Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__139695">Rainer</rs>, den Vertreter des<lb/>
Arbeiterkammertages, ersucht, wir müssten durch fraktionelle Vorbe<lb break="no"/>sprechungen ein eigenes Konzept entwickeln, was wir in diesem Kurato<lb break="no"/>rium zur Sprache bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte die Vorbereitung mit unserem fraktionellen<lb/>
Fremdenverkehrsausschuss einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_11">MR <rs type="person" ref="#per__136485">Renner</rs> hat von der deutschen Patentförderungsgesellschaft den<lb/>
Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__139696">Hlawatsch</rs> für einen Vortrag gewonnen. Bei der Vor<lb break="no"/>stellung hatte ich 20 Minuten Zeit um mir von ihm das System erklären<lb/>
zu lassen. <rs type="person" ref="#per__139696">Hlawatsch</rs> erklärte, es sei für ihn eine ungeheure Auszeich<lb break="no"/>nung, dass er den Minister kennenlernen darf und noch viel mehr glaube<lb/>
ich dass ich ihn angehört habe. Bei den Deutschen ist die Hierarchie<lb/>
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hat 300.000 DM Jahresbudget, um ihr Büro mit 7 qualifizierten Fach<lb break="no"/>leuten und 5 Schreibkräften zu finanzieren. 100.000 DM stehen ihnen<lb/>
zur Verfügung, um Patente fördern zu können. In den 17 Jahren ihres<lb/>
Bestehens haben sie 2,4 Mill. Umsatz gemacht. Ursprünglich haben sie<lb/>
Patente nur veröffentlicht und das Endergebnis war, es wurden Ausländer<lb/>
darauf aufmerksam und mit dieser subventionierten Tätigkeit haben sie<lb/>
der deutschen Industrie vielleicht noch geschadet. Jetzt schliesst sie<lb/>
Verwertungsverträge ab und geben zinsfreie Darlehen, die die Erfinder<lb/>
allerdings, wenn es zu einem Ertrag mit einer Industrie kommt, wieder<lb/>
zurückbezahlen müssen. Im Jahr fallen ca. 400 Fälle an. <rs type="person" ref="#per__139696">Hlawatsch</rs><lb/>
erklärte sich bereit, dass wenn wir eine Patentverwertungsgesell<lb break="no"/>schaft errichten wollen, dass er einen Mann durch etliche Wochen in<lb/>
seinem Institut aufnimmt, damit er sich über die Arbeitsweise und<lb/>
vor allem über die Erfahrungen, die sie gemacht haben, ein Bild ma<lb break="no"/>chen kann. Ich dankte für diese Bereitwilligkeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Man sollte Überlegungen anstellen, ob man nicht<lb/>
vor der Errichtung unserer Patentverwertungsgesellschaft auf dieses<lb/>
Angebot, einen Mann von uns, zurückkommen sollte. Ich denke hier an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs>, um ihn zu qualifizieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_13">Während die Galerie <rs type="person" ref="#per__135254">Scheer</rs>, der Besitzer, früher kaum einen Minister<lb/>
mobilisieren konnte, hat er jetzt zum 85. Geburtstag<add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__139697">Gütersloh</rs><lb/>
gleich den Unterrichtsminister und mich gewinnen können. Ich hatte<lb/>
keinerlei Unterlagen, wusste auch nicht, wer mit diesen Job vermittelt<lb/>
hat, doch mit dem Schmäh konnte ich mich so über die Runden retten.<lb/>
Es war nämlich sehr erstaunlich, dass auch Unterrichtsminister <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs><lb/>
anwesend war, der sogar die Festrede zu halten hatte. Er hielt sich<lb/>
nicht sklavisch an seine Unterlagen und es wurde deshalb eine sehr<lb/>
lustige Feier. Auch <rs type="person" ref="#per__135252">Hutter</rs> war anwesend und sprach einige Worte an<lb/>
Stelle des Jubilars, wo er mich zumindestens das erste Mal auf die<lb/>
verwandtschaftlichen Beziehungen, sprach von dem Lehrer und Vater<lb/>
Güterloh. <rs type="person" ref="#per__139697">Gütersloh</rs> wohnt im dritten Bezirk und vielleicht ist dies<lb/>
eine gute Abgrenzung nämlich <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> und <rs type="person" ref="#per__139697">Gütersloh</rs> als kultureller<lb/>
Aufputz für den Bezirksobmann und Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs>. Für zweck<lb break="no"/>mässig halte ich es allerdings nicht, wenn ich zu solchen Veran<lb break="no"/>staltungen beigezogen werde, da dies nicht nur ein Zeitaufwand für<lb/>
mich ist, sondern ich mir eigentlich dabei sehr unnötig vorgekommen<lb/>
bin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_14">Die Ministerratsvorbesprechung begann mit einer halbstündigen<lb/>
Verspätung, da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> mit den Hochschulvertretern<lb/>
den neuen ao. Professor vereinbarten. Hundert Assistenten sollen<lb/>
nun die Möglichkeit bekommen, unter gewissen Voraussetzungen eine<lb/>
solche Laufbahn einschlagen zu können. Sie müssen sich allerdings<lb/>
in einer gewissen Zeit habilitieren. Der Antrag aber muss vom<lb/>
Professorenkollegium behandelt werden, sonst besteht ein Berufungs<lb break="no"/>zug bis zum Bundesministerium für Wissenschaft. Hier sieht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dann auch noch die Möglichkeit, wenn dies unterbunden wird, dass<lb/>
der Volksanwalts sich einschaltet. Da er seine Idee jetzt überall<lb/>
popularisieren will, glaubte er, hier einen Ansatzpunkt zu haben.<lb/>
Er meinte, dass ach wenn die Stellenausschreibung kommt, dann für<lb/>
den gesamten öffentlichen Dienst ein grosses Betätigungsfeld<lb/>
des Volksanwaltes sich eröffnen wird. Ob er hier nicht eine Lawine<lb/>
losgetreten hat, kann ich derzeit noch nicht beurteilen. Möglich<lb/>
wäre es.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_15">Punkt 3, Verfassungsgesetznovelle 1972, soll im Prinzip beschlossen<lb/>
werden. Einzelne Ministerien wünschen noch einige Änderungen der<lb/>
Vorschläge. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat den Landeshauptleuten mitgeteilt, dass für<lb/>
die Opposition Verfassungsgesetze natürlich die grosse Stunde<lb/>
ist, da sie hier mitentscheiden können. Die Landeshauptleute<lb/>
werden deshalb eine Delegation zu den einzelnen Klubs schicken.<lb/>
Dass die ÖVP diese Situation nützt, ergibt sich daraus, dass sie<lb/>
das Kundmachungsgesetz bis jetzt abgelehnt hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint,<lb/>
dass man mit der Opposition über alles sprechen muss. Er wird<lb/>
keinesfalls den Fehler von <rs type="person" ref="#per__112564">Klaus</rs> machen, der in den Oppositions<lb break="no"/>gesprächen mit ihm immer nur über uninteressante Probleme wie z.B.<lb/>
über das Nationalinstitut verhandelt hat. Andererseits aber muss<lb/>
die ÖVP wissen, dass wir unsere Politik auf alle Fälle durchziehen<lb/>
wenn sie deshalb bei den Verfassungsgesetzen Schwierigkeiten macht,<lb/>
dann müssen die Länder eben schauen, ob sie dies bei der ÖVP<lb/>
aplanieren können. In den wichtigen, nämlich finanziellen Fragen,<lb/>
wird, denkt die Regierung, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, aber auch der<lb/>
Finanzminister, nicht daran, den Forderungen der Landeshauptleute<lb/>
Rechnung zu tragen. Was die Personalpolitik betrifft, so hat die<lb/>
Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes einstimmig beschlossen, die<lb/>
Länderrechte scheinbar hier zu stärken. Dies wird in Hinkunft grosse<lb/>
Schwierigkeiten geben, weil sich die Landesrechte dann anders ent<lb break="no"/><pb n="09-0115" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-31_0115.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wickeln werden, als das Bundesdienstrecht. Eine Lizitation der<lb/>
beiden Gruppen ist damit automatisch gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_16">In der ÖVP gibt es nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schon wieder grosse Span<lb break="no"/>nungen. Ausgelöst wurde dies durch die Diskussion, ob <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs><lb/>
jetzt neuerdings auf einem Parteitag gewählt werden muss, oder<lb/>
ob die seinerzeitige Wahl am ausserordentlichen Parteitag als<lb/>
normaler Parteitag gilt. In diesem Fall müsste <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> nicht<lb/>
wiedergewählt werden. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> möchte fast eine Art Koalitions<lb break="no"/>ausschuss jetzt wieder haben, um in allen Fragen mitreden zu kön<lb break="no"/>nen. Er braucht diesen persönlichen Erfolg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_17"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete über die Verhandlungen mit den Kreditapparat<lb/>
und der Nationalbank. Dieses Paket wünschte er als erste Mass<lb break="no"/>nahme. Er hofft, dass es auch gelingt, ohne einen konkreten<lb/>
Abschluss mit den Sozialpartnern zu einem Akkord zu kommen. Im<lb/>
Finanzausgleich sollen auf Kosten der Länder die Gemeinden, die<lb/>
das letzte Mal sehr benachteiligt wurden, bevorzugt werden. <rs type="person" ref="#per__137356">Has<lb break="no"/>linger</rs>, der Senior und gleichzeitiger LH-Stv. von Salzburg, erklärte,<lb/>
dann würde es keinen paktierten Finanzausgleich mehr geben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
betrachtet dies als eine Drohung, die ihn nicht sehr erschüttert,<lb/>
da sie nicht allzu wirkungsvoll sei. Über die Steuerreform berich<lb break="no"/>tet er, dass mit den Bausparkassen Besprechungen durchgeführt werden<lb/>
sollen und diese an einer Prämienregelung Interesse zeigen. Schwie<lb break="no"/>rig wird es mit der Kinderermässigung. Bis 1967 gab es eine eigene<lb/>
Steuergruppe, die die Kinderermässigung nur bis zu einem gewissen<lb/>
Einkommen gewährte. Dann hat <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> als Präsident von einem Familien<lb break="no"/>bund den Kinderabsetzbetrag eingeführt und damit auch den Höchst<lb break="no"/>verdienern steuerliche Ermässigung gewährt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> will nun als<lb/>
erste Etappe, da er selbst nicht glaubt, dass es möglich sein<lb/>
wird, alles auf die Kinderbeihilfe nach Wegfall der Kinderermässigung<lb/>
durch die Steuer umzulegen, einen Steuerabsetzbetrag, Steuerrabatt,<lb/>
gewähren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_18">Ich entschuldigte mich für die morgige Ministerratssitzung und<lb/>
kündigte gleichzeitig an, dass ich früher oder später das rum.-<lb/>
österreichische Zahlungsabkommen bezüglich der Schillingfakturierung<lb/>
ergänzen werde. Ich habe dieses Problem vorher mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> abgesprochen, die dem zustimmten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-31_19">Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> auch über die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
betreffend seine Reise in die Hauptstädte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will dort inter<lb break="no"/>venieren, damit die Verhandlungen EWG Brüssel besser laufen. Auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sieht darin primär eine innenpolitische Massnahme.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit teilte ich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> mit, dass er für<lb/>
den derzeitigen Missionsleiter in Brüssel eine andere Verwendung<lb/>
suchen sollte. Nach meiner Information sei <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs>, da das Interims<lb break="no"/>abkommen nicht positiv abschliessen konnte, über seine Leute sehr<lb/>
verärgert und möchte deshalb von Brüssel weg. Ich würde dann <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
auf diesen Posten schicken, da er ja dort erstens sehr gut gebraucht<lb/>
werden kann und zweitens die Sektionsleitung bei uns neu besetzt<lb/>
werden könnte. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wird sich diese Frage überlegen und<lb/>
mir sicherlich, wenn es geht, einen diesbezüglichen Vorschlag unter<lb break="no"/>breiten. Er meinte nur, die Besetzung würde dann natürlich eigent<lb break="no"/>lich von mir zu erfolgen haben.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 31.1.1972</head>
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               <persName type="label">Leitner, Franz Helmut</persName>
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               <occupation>öst. Botschafter EWG</occupation>
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               <persName type="label">Staribacher, Josef</persName>
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               <persName type="label">Gütersloh, Albert Paris</persName>
               <persName><surname>Gütersloh</surname><forename>Albert Paris</forename></persName>
               <occupation>Maler, Schriftsteller</occupation>
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               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Rainer, Karl</persName>
               <persName><surname>Rainer</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>AK Tirol</occupation>
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               <persName type="label">Scheer, Manfred</persName>
               <persName><surname>Scheer</surname><forename>Manfred</forename></persName>
               <occupation>Galerist [bei 1. Nennung unklar, wer gemeint ist; ist mit seiner Frau
                  1971 beim 3000. Auftritt der "Spitzbuben" anwesend; über ihn habe Erwin Klein
                  billige Drucke des ebenfalls anwesenden Helmut bekommen; im März als Besitzer der
                  Galerie 10 genannt, das würde auch zur Stelle im Jänner passen, deshalb so
                  ergänzt]</occupation>
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               <persName type="label">Feichtenberger, A</persName>
               <persName><surname>Feichtenberger</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Gastwirtezeitung; evtl. Falschschreibung</occupation>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Bgm. Baden, Präs. Heilbäderverband</occupation>
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               <occupation>Salzburger Landesverkehrsdir. [1971 als Gf. und Sprecher
                  Arbeitsgemeinschaft der Fremdenverkehrsdirektoren]</occupation>
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               <occupation>Herausgeber/Chefredakteur "Tourist Austria"</occupation>
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               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <persName type="label">Konecny, Albrecht</persName>
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               <occupation>GF dt. Patentförderungsgesellschaft; Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Hutter, Wolfgang</persName>
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               <occupation>Künstler [1971 bei 3000. Aufführung der "Spitzbuben" anwesend; genannt
                  mit Leherb ("von den Künstlern Hutter und Leherb"); Hinweis auf Wolfgang Hutter
                  aus Wikipedia-Artikel zu Leherb, könnte auch falsch sein]</occupation>
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               <occupation>Generaldir. Österr. Verkehrsbüro [?]</occupation>
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               <occupation>GS Gemeindebund</occupation>
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               <occupation>Beamter VM</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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