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            <title type="main">Samstag, der 29. Jänner 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band09_1972-01-29</idno>
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            <date when="1972-01-29">Samstag, 29. Januar 1972</date>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-29_01">Samstag, 29. Jänner 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-29_02">Das Interview mit <rs type="person" ref="#per__139698">Hofbauer</rs> gestaltete sich ganz anders, als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und ich erwartet hatten. <rs type="person" ref="#per__139698">Hofbauer</rs>, der uns aus der Zeit der<lb/>
ÖVP-Pressedienst-Tätigkeit sehr unangenehm in Erinnerung ist,<lb/>
hat derzeit seinen Job beim Sparkassenverband. Er erklärte mir<lb/>
gleich einleitend, dass er nicht mehr mit dem ÖVP-Pressedienst<lb/>
zu tun hat. Trotzdem wollte er seine alte Methode neuerdings<lb/>
anwenden. Er hat die Überzeugung, dass die neue Arbeitsgruppe für<lb/>
Preise des Ministerkomitees nur optische oder propagandistischen<lb/>
Zwecken dient. Immer wieder versuchte er deshalb auf verschiedensten<lb/>
Wegen zu diesem Ergebnis zu kommen. Fairer Weise bot er aber zum<lb/>
Schluss an, dass er das Interview gerne irgendjemandem zur Kenntnis<lb/>
bringen wird, bevor er es endgültig abdruckt Ich habe ihm sofort<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> vorgeschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte, wenn er Dich Montag nicht anrufen<lb/>
sollte, setze Dich mit ihm ins Einvernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-29_04">Im Vorstand der Wiener Arbeiterkammer, vor allem zuerst in der Fraktion<lb/>
habe ich mich verabschiedet. Ich erklärte, dass ich noch niemals einen<lb/>
Posten angestrebt habe, dass ich ab anderseits immer auf dem Stand<lb break="no"/>punkt gestanden bin, wenn man einen Posten nicht mehr ausfüllen<lb/>
kann, dann hat man ihn einem anderen zeitgerecht abzutreten. Durch<lb/>
die Bestellung von Dr. <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> zum Kammeramtsdirektor kann nun<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> als einziger Wirtschafter ins Direktorium endlich nachrücken.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ist zwar immer ein Querkopf gewesen, das wird sich sicher<lb/>
auch in Hinkunft nicht ändern, er macht entsprechende Schwierigkeiten<lb/>
jedermann, doch ist er zweifelsohne der fähigste für diesen Posten.<lb/>
In den vergangenen Jahren hat er immer heftigst kritisiert, dass<lb/>
die Arbeiterkammer drei Direktoren hat. Jetzt ist es selbst einer.<lb/>
Eine Lösung war aber dringendst notwendig, da über die wirtschafts<lb break="no"/>politische Seite in den Vorständen und Fraktionen viel zu wenig<lb/>
referiert wurde. Um diesem Übelstand abzuhelfen, hat <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
z.B. für diese Sitzung <rs type="person" ref="#per__97868">Reithofer</rs> eingeladen, damit er über die Steuer<lb break="no"/>probleme, Lohn- und Einkommensteuer und Mehrwertsteuer referiert.<lb/>
Aus der Diskussion konnte ich entnehmen, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nach wie vor auf<lb/>
dem Standpunkt steht, primär müsste sich der ÖGB um nicht zu sagen<lb/>
fast ausschliesslich um die Lohnsteuer kümmern. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> versucht hingegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> immer wieder zu erklären und ihn dafür zu gewinnen, dass sämtliche<lb/>
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dann zu Steuerausfall führt, den die Unselbständigen in irgendeiner<lb/>
Weise dann mitzahlen müssen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dagegen kennt genau seine<lb/>
Stärke, nämlich, dass er nur auf dem Lohnsteuersektor konkrete<lb/>
Forderungen stellen kann und sie auch durchsetzen wird. Wenn er<lb/>
sich dagegen allzu sehr, wie das z.B. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> gerne macht,<lb/>
in die anderen Gebiete einmischt, muss man mehr oder minder entweder<lb/>
dann in eine Kampfstellung mit dem Finanzminister geraten, wobei er<lb/>
nicht sicher ist, wie dieser Kampf dann innerhalb der Partei und<lb/>
des Parlamentes tatsächlich angeht. Für Forderungen, die der ÖGB<lb/>
unmittelbar zu vertreten hat, wird jedermann <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> recht geben und<lb/>
sagen, hier muss eine Lösung im Sinne <rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs> gefunden werde. Für<lb/>
Forderungen aber, die für andere Gruppen von Bedeutung sind, und<lb/>
vom Finanzminister genehmigt werden, wird natürlich primär das Gremium<lb/>
des Parteivorstandes, in Wirklichkeit der Exekutive zuständig sein.<lb/>
Hier entscheidet natürlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und der wird sich wahrschein<lb break="no"/>lich auf den Rat von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verlassen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> wieder und das<lb/>
zeigte die Aussprache, möchte in den allumfassenden Steuerproblemen,<lb/>
dass die Arbeiterkammer nicht nur ihre Stellungnahme abgibt, sondern<lb/>
letzten Endes auch sich womöglich durchsetzt, weshalb er sich ja<lb/>
sehr engagiert. So sehr er vom sachlichen Gesichtspunkt aus recht<lb/>
hat, so wird er politisch überbleiben. Ich komme immer mehr zu der<lb/>
Überzeugung, dass die Stärke eines Politikers hauptsächlich darin<lb/>
liegt, wie sehr er die Grenzen erkennt, innerhalb derer er agieren<lb/>
kann. Wenn man nämlich diese Grenzen überschreitet, dann besteht die<lb/>
grosse Gefahr, dass man nicht ernst genommen wird und letzten Endes<lb/>
sich selbst nicht einmal mehr im ureigensten Interessenbereich<lb/>
durchsetzen kann. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat hier ein ungeheuer gutes Gespür und be<lb break="no"/>gibt sich deshalb nur sehr selten aufs Glatteis.<lb/>
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               <occupation>[führt 1972 ein Interview mit JS und Koppe; ehem. ÖVP-Pressedienst, nun
                  Sparkassenverband; vorerst nicht gefunden]</occupation>
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