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            <title type="main">Freitag, der 28. Jänner 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_01">Freitag, 28. Jänner 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_02">Die Fraktionssitzung für den Gesamtvorstand der Lebens- und Genuss<lb break="no"/>mittelarbeiter wurde durch die Anwesenheit der Betriebsräte von OÖ und<lb/>
Salzburg der Brauerei AG empfindlich geändert. An Stelle dass wir die<lb/>
Fraktionssitzung abhalten konnte, mussten sowohl <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs><lb/>
und ich mich mit den Betriebsräten auseinandersetzen. Die Betriebsräte<lb/>
schilderten, wie die Unternehmer schuld waren, dass die Informations<lb break="no"/>versammlung so lange dauerte. Angeblich haben die Unternehmungsleitungen<lb/>
einzelne Direktoren zumindestens bereits nach kurzer Zeit der Informations<lb break="no"/>versammlung die Belegschaft wissen lassen, dass sie sie sofort von der<lb/>
Krankenkasse abmelden werden, ausserdem wurde angedroht, dass die Zeit<lb/>
wenn sie nicht unverzüglich wieder zur Arbeit gehen nicht mehr bezahlt<lb/>
wird. Zum Schluss haben noch die Angestellten angefangen, da kein Streik<lb/>
war, die Arbeit wie Ausführen und Verladen von Bier vorzunehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_03"><rs type="person" ref="#per__136623">Hedrich</rs> von der Privatangestelltengewerkschaft erzählte mir, dass er<lb/>
gefragt wurde und ausdrücklich seinen Leuten mitgeteilt hat, dass sie<lb/>
keinesfalls Arbeiten, die nicht in die Angestelltentätigkeit fallen, ver<lb break="no"/>richten sollen und vor allem müssten. Ich gebe zu, dass dies sicherlich<lb/>
ein Übergriff von einzelnen Gewerkschaften in gewissen Brauereien gewesen<lb/>
ist, auf alle Fälle aber war der Effekt, dass dadurch eine miese Stim<lb break="no"/>mung zwischen den Angestellten und den Arbeitern entstand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_04">Von Seiten der Direktion, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114051">Beurle</rs> rief mich dann später an,<lb/>
war wieder ausschliesslich die Betriebsräte schuld, da sie unverantwort<lb break="no"/>lich eine Informationssitzung machten, die dann in tagelangen Streik<lb/>
ausartete. Bevor die Gewerkschaft sich einschaltete, mussten wir die<lb/>
Betriebsräte davon erst überzeugen, dass sie es wünschten, dass wir uns<lb/>
jetzt in die Verhandlungen einschalten sollten. Die Betriebsräte wollten<lb/>
zuerst, dass wir einen Streik, den sie gerne sofort ausgerufen hätten,<lb/>
anerkennen. Dann glaubten sie, würde die Aktion unverzüglich zu Ende<lb/>
gehen. Ein solches Ansinnen konnten wir nicht akzeptieren. Wir hatten<lb/>
mit der Unternehmerschaft vor drei Wochen einen Vertrag abgeschlossen<lb/>
und musste unglaubwürdig werden, wenn wir anschliessend daran sofort ein<lb break="no"/>zelne Betriebe, die mit dem Abschluss nicht einverstanden sind, und<lb/>
streiken, unterstützen. Schon seinerzeit als um 2.– S Lohnanerkennung in<lb/>
den Betrieben verhandelt wurde, waren die Betriebsräte der Brauereien<lb/>
in der Meinung gespalten. Ausgelöst wurde die Aktion durch unseren Landes<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__118212">Suko</rs> in der Kaltenhauser Brauerei in Hallein. Da der Brauerei<lb break="no"/><pb n="09-0102" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-28_0102.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verband seine Mitglieder verhältnismässig gut in der Hand hat,<lb/>
haben sie damals zuerst versucht, eine generelle Regelung für<lb/>
alle Brauereien zu erreichen. Von unserem Verhandlungskomitee<lb/>
waren 6 Betriebsräte dafür, eine Lösung zu akzeptieren, nur 3<lb/>
Betriebsräte, <rs type="person" ref="#per__118212">Suko</rs>, <rs type="person" ref="#per__139689">Smager</rs> von der Gösser und <rs type="person" ref="#per__139690">Fellner</rs> von der<lb/>
Innsbrucker Brauerei waren dagegen und erklärten, sie seien stark<lb/>
genug, eine bessere Lösung zu erzielen. Damals erklärte der Brauerei<lb break="no"/>verband und das Verhandlungskomitee der Unternehmer, dann könnte<lb/>
es zu keiner generellen Lösung kommen. Ich warnte damals die Kollegen<lb/>
der Brauer, weil ich eine Spaltung der Betriebsräte im Verhand<lb break="no"/>lungskomitee befürchtete. Genau dies ist jetzt eingetreten. Bei<lb/>
der Gesamtvorstandssitzung beschwerten sich die anderen Betriebsräte,<lb/>
soweit sie dem Verhandlungskomitee angehören und auch Mitglieder des<lb/>
Gesamtvorstandes waren, ganz entschieden gegen die Vorgangsweise. Der<lb/>
Betriebsratsobmann von der Brauerei Schwechat, NR <rs type="person" ref="#per__98016">Tonn</rs>, meinte<lb/>
sogar, sie würden die einheitliche Lohnpolitik verlasen und für<lb/>
die grossen Brauereien, mit einem grösseren Ausstoss, einen eigenen<lb/>
Lohnvertrag abschliessen. Damit wäre die Gruppe endgültig aufge<lb break="no"/>spalten. Die Unternehmer kennen scheinbar unsere gespaltene Situation<lb/>
und haben durch Ehrenwort sich verpflichtet, dass kein einzelner<lb/>
Einzelabschlüsse mit Betriebsräte tätigt. Vom gewerkschaftlichen<lb/>
Standpunkt kann uns dies sogar teilweise recht sein, weil wir eine<lb/>
einheitliche Lohnpolitik machen wollen. Bis jetzt haben nämlich die<lb/>
starken Gruppen bei uns es verhindert, dass einzelne Unternehmungen<lb/>
ihren Leuten eine besonders Zuckerl in Form von höheren Löhnen<lb/>
geben. Wenn nämlich eine solidarische Lohnpolitik gemacht wird, dann<lb/>
muss man die schwächeren Betriebe mitnehmen und kann nicht auf ein<lb break="no"/>zelne Angebote von Unternehmungen eingehen. Die einzelnen Betriebe,<lb/>
die jetzt in streikähnlichem Zustand sich befinden, waren stark<lb/>
genug, zuerst angeblich eine Sonderregelung durchzusetzen. Angeb<lb break="no"/>lich deshalb, weil es in Wirklichkeit seinerzeit in der Vereinbarung<lb/>
keine fixe Zusage, dass die 2.– S dann bezahlt werden, hatten sondern<lb/>
nur, dass über diese 2.– S nach Abschluss des Lohnvertrags gespro<lb break="no"/>chen werden soll. Die Unternehmer stehen jetzt auf dem Standpunkt,<lb/>
sie haben gesprochen, allerdings erklärt, dass sie keinen Groschen<lb/>
bezahlen können und dann sofort aber einen neuen Verhandlungstermin<lb/>
angeboten. Die Betriebsräte empfanden dies als eine Frotzelei,<lb/>
haben die Belegschaftsmitglieder informiert und dann leicht gehabt<lb/>
zu veranlassen, dass sie eben nicht mehr arbeiteten. Nach stunden<lb break="no"/>langer Debatte und nachfolgenden Telefongesprächen von <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> mit<lb/>
<pb n="09-0103" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-28_0103.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dem Brauereiverband und mit dem Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__114051">Beurle</rs> wurde dann<lb/>
für Montag ein Verhandlungstermin vereinbart. Die Brauereien wünschen<lb/>
aber, wenn es irgendwie geht, einen Abschluss der für alle Brauereien<lb/>
gilt. Wie wir aus diesem Dilemma herauskommen, weiss ich noch nicht<lb/>
endgültig. Wahrscheinlich wird man versuchen, nachdem die Unternehmer<lb/>
sich bezüglich der Anrechnung der 2.– S äusserst unbeweglich zeigen,<lb/>
eine Vereinbarung anderer Posten und eventueller Geldzuwendungen eine<lb/>
Lösung zu erreichen. Die Betriebsräte haben erklärt, man hat sie förm<lb break="no"/>lich provoziert, indem man ihnen gesagt hat, man könnte über das Waschen<lb/>
der Unterwäsche reden. Anstelle dass sie diesen Verschlag aufgegriffen<lb/>
hätten und sofort erklärt, dass – da die Arbeitnehmer selbst für<lb/>
dieses Waschen vornehmen – eine Entschädigung von so und so viel be<lb break="no"/>zahlt wird, haben sie dies als Provokation empfunden und entsprechend<lb/>
abgelehnt und Konsequenzen gezogen. Für mich war diese ganze Aktion<lb/>
eine neuerliche Bestätigung, dass man alles daran setzen muss, um<lb/>
solche Aktionen in der Hand zu halten. Wenn es einmal als Gewerk<lb break="no"/>schaft dazu kommt, dass solche Aktionen einem entgleiten und vielleicht<lb/>
dann sogar einmal erfolgreich sind, dann ist man als Verhandlungspartner<lb/>
gegenüber den Unternehmungen sehr dubios und vor allem die Mitglieder<lb/>
sagen, wozu braucht man eine Gewerkschaft, wir setzen ja doch alles<lb/>
viel leichter und besser allein durch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> von der Partei Tirol, er ist jetzt doch Landessekretär, hat<lb/>
eine phantastische Idee. Da er die Minister nicht immer bei den Versamm<lb break="no"/>lungen anwesend haben kann, hat er mit einem Video-Rekorder Aufzeichnungen<lb/>
und Interviews gemacht. Diese gibt nun Referenten, die imstande sind,<lb/>
der Versammlung dann noch ganz kurz auch Stellungnahmen von den<lb/>
einzelnen Ministern zu aktuellen Problemen vorzuspielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte erkundige dich nach einiger Zeit, wie dies<lb/>
in den Versammlungen gewirkt hat, vielleicht sollte man das auch auf an<lb break="no"/>dere Bundesländer ausdehnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_07">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__114800">Michitsch</rs> haben in Brüssel glaube ich entschei<lb break="no"/>dende Vorverhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__127047">Caspari</rs>, dem Abteilungsleiterstellvertreter,<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__139693">Loy</rs>, dem Österreichreferenten geführt. Sie kamen zur Überzeugung,<lb/>
dass in der nächsten Verhandlungsrunde in den Arbeitsgruppen keine<lb/>
wesentlichen Zugeständnisse in der Frage der Ursprungsregelung gemacht<lb/>
wird. Brüssel hat bis jetzt den assoziierten Staaten aus Afrika, die<lb/>
<choice><choice><sic>Ja und E-Regelung</sic><corr>?</corr></choice></choice> geboten. Trotzdem gibt es aber differente Abschlüsse,<lb/>
so hat Marokko und Tunesien ein anderes System als Israel und Spanien<lb/>
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sich die Ursprungsregelungen nur unwesentlich aber doch versucht<lb/>
scheinbar die EG, immer wieder die verschiedensten Regelungen nur zu<lb/>
akzeptieren im Hinblick darauf, dass sie einen Durchbruch und Aufweichung<lb/>
ihres Kernes verhindern will. Am liebsten wäre ihr ja eine Zollunion<lb/>
doch ist dies auch für die neutralen anderen Staaten kaum akzeptabel.<lb/>
Jetzt gibt sie den 77 Entwicklungsländern, denen sie auch eine Präferenz<lb break="no"/>regelung ähnlich Österreichs nicht zugestehen will, eine eigene Ur<lb break="no"/>sprungsregelung. General System of Preference GSP wird in Hinkunft<lb/>
von allergrösster Bedeutung sein. Über das österreichische Ursprungs<lb break="no"/>system wird jetzt erst in Brüssel verhandelt werden, doch ergibt sich<lb/>
bereits jetzt zwischen der Auffassung der Schweiz und Österreich und<lb/>
teilweise auch Schweden ganz grosse Differenzen. Auf dem Textilsektor<lb/>
möchte die Schweiz, dass die Ursprungsregelung bereits von der Spinn<lb break="no"/>masse über die Garne, Webe und Konfektion kumuliert wird. Österreich,<lb/>
das Garne dazukaufen kann, ist erst bereit von der Garnstufe an<lb/>
zu akzeptieren. Bei dem Neutralentreffen in Zürich hat es deshalb<lb/>
über diese Frage eine grosse Verstimmung gegeben. Österreich hat für<lb/>
59 technische Gewebe und 62 Bekleidungskonfektion den Ausgang von der<lb/>
Garnstufe als unabänderlich verlangen müssen. Die Schweiz würde jetzt<lb/>
gegenüber den von Brüssel zu erwartenden Ursprungsregelungen in diesem<lb/>
Sektor eine noch restriktivere Haltung einnehmen. Zum Glück hat<lb/>
unsere Mission in Brüssel erreicht, dass die Schweiz und Schweden<lb/>
vor uns verhandeln, sodass sie ihre Vorschläge vortragen können und<lb/>
wir werden sehen, wie Brüssel darauf reagiert. Wir glauben, dass mit<lb/>
Sicherheit anzunehmen ist, dass die Schweiz mit ihrem Wunsch Schiff<lb break="no"/>bruch erleiden wird. Über diese differenten Auffassungen hat <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
bei der letzten Sektionsleitersitzung nicht berichtet. Dort hat er<lb/>
nur erzählt, dass es differente Auffassungen über das öffentliche Auf<lb break="no"/>tragswesen ergibt. Der Brüsseler Delegations- und Missionschef der<lb/>
Schweiz <rs type="person" ref="#per__139692">Languetin</rs> soll ein sehr sturer Verhandler in Zürich gewesen<lb/>
sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beabsichtigt aus politischen Gründen und weil er auf Grund<lb/>
seiner persönlichen Beziehungen und Bekanntschaften die wichtigsten<lb/>
Leute in den Hauptstädten kennt, eine Reise in alle sechs EWG-Staa<lb break="no"/>ten. Ich selbst habe mich solange nicht positiv zu dieser Frage<lb/>
geäussert, solange ich nicht Gelegenheit hatte, mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
über dieses Problem zu sprechen. Nach dem Bericht von <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> muss<lb/>
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im gegenwärtigen Zeitpunkt optimalst einsetzen kann, wenn er jetzt<lb/>
mit den politischen Faktoren in den Städten spricht. Ich will mich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> in dieser Frage noch abstimmen. Ich befürchte, dass<lb/>
in Brüssel im Prinzip kaum mehr grosse Zugeständnisse erreicht<lb/>
werden können. Das Maximum wird sein, dass wir in den sensiblen<lb/>
Produkten kürzere Übergangslösungen als dies Brüssel vorsieht er<lb break="no"/>reichen können. Ich war deshalb sehr erstaunt, als ich in den Nach<lb break="no"/>richten hörte, dass Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> in Berlin, wo<lb/>
er mit einigen anderen Landwirtschaftsministern Besprechungen schein<lb break="no"/>bar geführt hat, erklärte, dass auch für die Landwirtschaftlichen<lb/>
Probleme Lösungen zu erwarten sind und dass mit 1.1.1973 der Ver<lb break="no"/>trag stehen kann, wenn wir in absehbarer Zeit die Verhandlungen<lb/>
beginnen. Ich bin auch überzeugt, dass wir mit 1.1.1973 einen Ver<lb break="no"/>trag unter Dach und Fach haben werden, aber die bilateralen Bespre<lb break="no"/>chungen mit den einzelnen Staaten über die Landwirtschaftsfrage<lb/>
wird allerdings sehr schwierig sein und kaum grosse Erfolge erwarten<lb/>
lassen. Wenn ich Opposition wäre, würde ich die Integrationspolitik<lb/>
der Regierung folgendermassen attackieren. Die Kompetenz hat <rs type="person" ref="#per__97985">Stari<lb break="no"/>bacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> begibt sich in die Hauptstädte, er hat dies ja<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> bereits vertraulich wissen lassen, um die Verhandlungen<lb/>
flott zu kriegen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> als Aussenminister wird zwar in<lb/>
Hinkunft zuständig sein, handelt aber derzeit ohne Kompetenzen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dagegen als wichtiger Landwirtschaftsminister, der für die<lb/>
Agrarier die entscheidendsten Forderungen durchzusetzen hat, ist<lb/>
optimistisch und verspricht Lösungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte stelle Dich auf einen solchen Angriff,<lb/>
de sicherlich herkommen wird, ein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_10"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint und hofft, dass seine Information an <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> ver<lb break="no"/>traulich behandelt wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat vor Monaten diese Idee bereits<lb/>
gehabt, ich habe mich aber damals überhaupt nicht dazu geäussert.<lb/>
Auch <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> war mit dieser Reise nicht gerade sehr glücklich<lb/>
und meinte nur, man müsste noch darüber reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_11"><rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> war neuerdings sehr überrascht, dass wir ihn im Spital be<lb break="no"/>suchten. <rs type="person" ref="#per__127028">Martinek</rs> hat mir vor einigen Tagen berichtet, dass der<lb/>
Gesundungsprozess durch die vielen Besuche sehr gelitten hat. Jetzt<lb/>
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schnell am Freitag abends, was ihn sichtlich sehr freute. Wir<lb/>
sollten glaube ich überhaupt wesentlich mehr persönlichen Kontakt<lb/>
mit den Beamten versuchen zu gewinnen. Da wir Leistungen ja kaum<lb/>
mit höheren Gehältern oder sonstigen Benefizien ausgleichen<lb/>
können, müsste dies durch die persönliche Anteilnahme von unserer<lb/>
Seite den Betreffenden das Gefühl geben, das er wenigstens in eine<lb/>
Art innerer Kreis einbezogen wird. Ich halte allerdings gar nichts<lb/>
davon, wenn man jetzt vielleicht dazu übergehen, zu Geburtstagen<lb/>
Briefe zu schreiben, oder in irgendeiner andere Weise Glückwün<lb break="no"/>sche zu übermitteln. Dies wird eine reine Routineangelegenheit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_12">ANMERKUNG AN ALLE: Wer hat einen guten Vorschlag?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_13">Wenn man in einer Institution oder Organisation referieren soll,<lb/>
wo man bereits sehr gut bekannt ist, bin ich darauf gekommen, ist<lb/>
es zielführender erst gar kein anderes Einleitungsreferat zu halten,<lb/>
sondern gleich die Diskussion zu beginnen. In der Diskussion werden<lb/>
dann entsprechende wirklich heisse Eisen von den einzelnen Teil<lb break="no"/>nehmern sofort aufgegriffen. Ich habe dies z.B. bei unseren Orts<lb break="no"/>gruppenobmännern der Wiener Lebensmittelarbeiter feststellen können.<lb/>
Durch die Formulierung der Frage weiss man auch, weit weit<lb/>
der betreffende Kollege sich in der Materie auskennt und gibt<lb/>
dann niveau-entsprechende Antwort. Wenn diese Antwort zwar den<lb/>
betreffenden Anfragern entspricht und einen anderen aber<lb/>
nicht, dann wird wenn die Runde sich einigermassen schon längere<lb/>
Zeit kennt, der zweite Anfrager ein wahrscheinlich auf tieferem<lb/>
Niveau stehende Erklärung wünschen. Hier darf man nicht nervös<lb/>
werden oder unter Zeitdruck vielleicht nur ungeduldig antworten<lb/>
oder dem Betreffenden vielleicht gar Vorwürfe wegen der Frage, die<lb/>
man ja schon einmal beantwortet hat, kritisieren. Für mich ist es<lb/>
nur ein Zeichen, dass er die Antwort nicht verstanden hat und<lb/>
man muss eben auf einem noch tieferen Niveau versuchen, eine Er<lb break="no"/>klärung ihm zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-28_14">Am Sonntag konnte ich in Hornstein bei einer Diskussion mit der<lb/>
Jungen Generation unseres Bezirkes feststellen, dass es nichts<lb/>
Schlechteres gibt, als wenn man Anfragen von Genossen aggressiv<lb/>
beantwortet. Wie mir übereinstimmend mitgeteilt wurde, hat Frau<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> am Vortag diese Praktiken geübt. Das Endergebnis<lb/>
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muss man entsprechende Geduld haben, ob es sich um Gewerkschafts-<lb/>
oder Parteifunktionäre handelt. Hoffentlich haben die Leute auch<lb/>
ein wenig Geduld und Verständnis für die Spitzenfunktionäre.<lb/>
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               <persName><surname>Smager</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>BR Gösser Brauerei [1972; so nicht gefunden]</occupation>
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               <persName type="label">Languetin, Pierre</persName>
               <persName><surname>Languetin</surname><forename>Pierre</forename></persName>
               <occupation>Schweizer Botschafter/Delegationsleiter bei
                  EWG-Verhandlungen</occupation>
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               <persName type="label">Michitsch, Hugo</persName>
               <persName><surname>Michitsch</surname><forename>Hugo</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Suko, Herbert</persName>
               <persName><surname>Suko</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Sekr. ÖGB Sbg.</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Steiger, Paul</persName>
               <persName><surname>Steiger</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Caspari, Manfred</persName>
               <persName><surname>Caspari</surname><forename>Manfred</forename></persName>
               <occupation>GS-Stv. EG; evtl. Falschidentifikation [1972 stv. Leiter der Delegation
                  für die Beitrittsverhandlungen der EWG]</occupation>
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               <persName type="label">Fellner, A</persName>
               <persName><surname>Fellner</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>BR Innsbrucker Brauerei [1972; vorerst nicht gefunden]</occupation>
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               <persName type="label">Tonn, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Tonn</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Bgm. von Schwechat, Nationalratsabg. SPÖ, BRO Schwechater</occupation>
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               <persName type="label">Tieber, Herbert</persName>
               <persName><surname>Tieber</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, Tiroler SPÖ-Politiker</occupation>
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               <persName type="label">Schleinzer, Karl</persName>
               <persName><surname>Schleinzer</surname><forename>Karl</forename></persName>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Martinek, Oswin</persName>
               <persName><surname>Martinek</surname><forename>Oswin</forename></persName>
               <occupation>SC Sozialministerium</occupation>
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               <persName type="label">Beurle, Christian</persName>
               <persName><surname>Beurle</surname><forename>Christian</forename></persName>
               <occupation>Dir. Brau-AG</occupation>
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               <persName type="label">Deutsch, Josef</persName>
               <persName><surname>Deutsch</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>BV Wien-Favoriten, Wr. SPÖ-GR-Abg., stv. LUGA-Vors., BRO
                  Ankerbrot</occupation>
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               <persName type="label">Hedrich, Karl</persName>
               <persName><surname>Hedrich</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leitender Sekr. Sekt Ind. GPA, AR ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Schipper, Hans</persName>
               <persName><surname>Schipper</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Jacobi, Maria</persName>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Loy, A</persName>
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               <occupation>Österreichreferent der EWG [so nennt ihn JS 1972; in Google Books M. Loy
                  als Unterzeichner von Abkommen Österr.-EWG zu finden, aber Vorname nicht
                  geklärt]</occupation>
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