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            <title type="main">Montag, der 24. Jänner 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_01">Montag, 24. Jänner 1972<lb/>
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dass auch <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> bei dieser Besprechung anwesend war. Der Presse<lb break="no"/>dienst der ÖVP macht dann eine grosse Aussendung und sogar im Fern<lb break="no"/>sehen wird auf diese so wichtige Besprechung hingewiesen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> haben zwar erklärt, sie werden mich unverzüglich verstän<lb break="no"/>digen, haben dies aber dann nicht mehr gemacht. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> weist allerdings<lb/>
auf meinen Vorwurf, dass sie <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> die Namen gegeben haben, dies<lb/>
entschieden zurück, macht allerdings die Bemerkung, dass wenn <rs type="person" ref="#per__97917">Schlein<lb break="no"/>zer</rs> ihn oder die Handelskammer fragt, wer davon betroffen ist, dann<lb/>
müssten sie ihm unbedingt die Branchen sagen. So schuldlos an dieser<lb/>
Zusammenkunft dürfte also die Handelskammer auch nicht gewesen sein.<lb/>
Ich gebe allerdings zu, dass sie vielleicht konkret nicht geahnt<lb/>
haben, dass <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> auf eine Information, die sie ihm schein<lb break="no"/>bar gegeben haben, dann doch ein so grosses politisches Geschäft machen<lb/>
will. <rs type="person" ref="#per__97507">Walter Hacker</rs> von der SK wird von mir daher entsprechend infor<lb break="no"/>miert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_03">Die Bundeskammer weiss noch immer nicht, ob sie in den Iran wirklich <rs type="person" ref="#per__135640">Liss<lb break="no"/>bauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__111729">Skardarasy</rs> und <rs type="person" ref="#per__118737">Schimka</rs> schicken soll. Der Adjutant des Kaisers<lb/>
hat beim Bundespräsidenten angeblich interveniert, damit man eine<lb/>
Delegation von Fremdenverkehrsfachleuten nach Persien schickt. Dort<lb/>
gibt es 48 Staatshotels, die alle schwer passiv sind. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte nur<lb/>
jemanden schicken, wenn ich dies ausdrücklich wünsche. Ich erkläre so<lb break="no"/>fort, dass ich kein Interesse hätte, denn das kostet auch dem<lb/>
Handelsministerium viel Geld, wenn wir <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> schicken, sondern<lb/>
dass dies ausschliesslich ein Wunsch des Bundespräsidenten sein soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte feststellen, ob tatsächlich die Präsident<lb break="no"/>schaftskanzlei ein solches Verlangen an uns gerichtet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_05">Neuerdings will die Handelskammer, dass wir die Gemischte sowjetische<lb/>
Kommission mit einem entsprechen Pendant für <rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs>, in diesem<lb/>
Fall müsste dies <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> sein, mit der Vorsitzführung beauftragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_06">Die Bundeskammer würde nämlich dann Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> in diese<lb/>
Gemischte Kommission schicken. Ich erkläre neuerdings, dass ich diese<lb/>
Kommission für nicht so wichtig halte, dass die Sektionschef, die immer<lb break="no"/>hin die Vertreter des Ministers, bei mir zumindestens, sein sollen,<lb/>
nur die Tagesordnung und das Vorbereitungsprogramm treffen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_07">Endlich wird auch die schriftliche Forderung der Handelskammer, die<lb/>
europäischen Staaten nicht in die 30 %-ige Präferenz für die Entwick<lb break="no"/>lungsländer einzubeziehen vorgebracht. Da wir seit Monaten insbesondere<lb/>
Rumänien vom damaligen Staatsbesuch her, versprochen haben, dass wir<lb/>
diese Staaten ebenfalls in die Präferenz, wenn sie sich selbst wählen,<lb/>
das Prinzip der self selection soll ja aufrechterhalten bleiben, einbe<lb break="no"/>ziehen werden, können wir jetzt unmöglich zurückgehen. Ich setze dies<lb/>
der Handelskammer insbesondere was Jugoslawien betrifft, ganz besonders<lb/>
auseinander. Die Handelskammer stimmt dem zwar ganz bestimmt nicht zu,<lb/>
nimmt dies glaube ich aber zur Kenntnis.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_08">Die Bundeskammer hat jetzt eine grosse Diskussion, wer aller das<lb/>
Staatswappen führen darf. Ich verweise auf die 1961 festgelegten Richt<lb break="no"/>linien, wonach die Firma eine ausserordentliche Leistung erbracht<lb/>
werden muss. Selbstverständlich können darunter auch Handelsbetriebe fallen.<lb/>
Die konkrete Diskussion hat ein Handelsbetrieb ausgelöst, der nach Auf<lb break="no"/>fassung von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nichts anderes tut, als Fakturen für Armaturen und<lb/>
Sanitärkeramik ausstellt. Vor einigen Monaten war auch ein Häusermakler<lb/>
in Diskussion. Hier kamen wir überein, würde es unzweckmässig sein,<lb/>
nach § 58 Gew.O ihm das Staatswappen zu verleihen.<lb/>
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Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> über die Gewerbeordnungsabgrenzung gegenüber der Land<lb break="no"/>wirtschaft erscheinen soll. Ich berichte über meine Aussprache mit Präs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> vom Bauernbund und insbesondere die sture Haltung von<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> der Präsidentenkonferenz. Übereinstimmend bestätigen<lb/>
mir beide, dass <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> der radikalere Vertreter ist. Die Handels<lb break="no"/>kammer möchte, dass wir maximalst ein kleines Zugeständnis für die<lb/>
Maschinenringe machen, keinesfalls aber für die Maschinenstationen<lb/>
und vor allem keine Zugeständnisse auf dem Sektor der Nachbarschafts<lb break="no"/>hilfe bei Transportleistungen auf dem Druschgebiet. Das wirkliche Prob<lb break="no"/>lem erkläre ich, <choice><choice><sic>wären</sic><corr>werden</corr></choice></choice> die Molkereigenossenschaften sein und hier müssen<lb/>
wir doch auch bestrebt sein, eine gemeinsame Lösung zu finden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
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wir ja bereits mit den Genossenschaften im Vorjahr getroffen haben bzgl.<lb/>
der Lagerhaus- und Winzergenossenschaften wieder über den Haufen werfen<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> urgiert die Zuckerpreisregelung, da er behauptet, die Zuckerindustrie<lb/>
hätte 13,9 % Lohnerhöhung angeboten, die Zuckereiarbeiter würden aber<lb/>
noch 14,5 % verlangen und dann müsste man sich in Kürze über die Löhne<lb/>
einigen und dann müsste der Zuckerpreis unverzüglich in Kraft treten.<lb/>
Ich erwiderte, dass die Zuckerpreisangelegenheiten mit dem Löhnen<lb/>
keinesfalls verknüpft werden könnte weil die Gewerkschaftsvertreter keine<lb/>
wie immer geartete Möglichkeit haben, der Zuckerindustrie zu einem Zucker<lb break="no"/>preis zu verhelfen, der bekanntlicherweise von der Regierung derzeit<lb/>
abgelehnt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_11">Das Berufsforschungsinstitut, welches bekanntlich von der AK und ÖGB<lb/>
nach Aussage von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> allein geführt wird, möchte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> unbedingt durch<lb/>
einen Vertreter der Handelskammer ergänzt und er würde gegebenenfalls<lb/>
sogar finanzielle Leistungen erbringen. Ich erwidere, dass ich schon mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs> über das Berufspädagogische Institut gesprochen habe und dass<lb/>
aber hier scheinbar auf einer falschen Leiche gewesen bin. Die Aus<lb break="no"/>sprache mit <rs type="person" ref="#per__137217"><choice><choice><sic>Krwitschka</sic><corr>Mrkvicka</corr></choice></choice></rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>, die ich anschliessend und insbesondere auch<lb/>
mit der Arbeiterkammer führte, hat dann geklärt, dass tatsächlich es<lb/>
kein Berufsforschungsinstitut, wie das <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der die Details scheinbar<lb/>
auch nicht kennt, behauptet hat, sondern nur ein Berufspädagogisches<lb/>
Institut existiert, wo <rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs> tatsächlich der Leiter ist. Die Bundeskam<lb break="no"/>mer befürchtet nun, dass alle Aufträge, die dieses Institut vom Sozial<lb break="no"/>minister und vom Wissenschaftsminister bekommen haben, an ihnen spurlos<lb/>
vorübergehen wird und möchte deshalb sich an diesem Institut beteiligen.<lb/>
Ich ersuche die Genossen nur, sie sollten sich überlegen, ob man nicht<lb/>
mit der Handelskammer in Verhandlungen eintreten könnte. Wie immer dann<lb/>
das Ergebnis lautet, liegt natürlich dann ausschliesslich bei dem<lb/>
berufspädagogischen Institut, da sie ja jetzt eine feste Organisations<lb break="no"/>form haben und die Handelskammer eigentlich dazukommen möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_12"><choice><choice><sic>Die</sic><corr>In die?</corr></choice></choice> Arbeitsgemeinschaft Management sollen nach Wunsch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> auch die<lb/>
volkswirtschaftlichen Gesellschaften aufgenommen werden. Ich erklärte,<lb/>
dass ich darauf keinen Einfluss nehmen will, dass es aber bei der kon<lb break="no"/>stituierenden Sitzung schon gesagt wurde, es würde das nicht ein exklu<lb break="no"/>siver Verein sein, sondern es würden entsprechende Mitglieder neu aufge<lb break="no"/><pb n="09-0070" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-24_0070.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nommen, wenn sie die Qualifikation mitbringen. Dies entscheidet aus<lb break="no"/>schliesslich der Vorstand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_13">Das briefliche Verlangen sowohl der Handelskammer als auch der Präsidenten<lb break="no"/>konferenz, eine Lösung für die Verarbeitungsprodukte im Rahmen der Verhand<lb break="no"/>lungen mit Brüssel vorzubereiten, weise ich darauf hin, dass wir eine<lb/>
Arbeitsgruppe unter Führung von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> gründen. Dies befriedigt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sehr, da auch er mit bestätigt, dass das Verhalten der Beamten im<lb/>
Vorjahr, wo sie im letzten Moment einen Initiativantrag zu einem Zeitpunkt<lb/>
im Parlament anregten, wo es vollkommen unmöglich war, zumindestens auch<lb/>
so erschüttert hat wie mich. Ich weise darauf hin, dass wir hier<lb/>
gegebenenfalls mit den Beamten des LWM insbesondere Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97851">Pultar</rs> einen<lb/>
entsprechenden Krieg auslösen können. Die Arbeit dieser Arbeitsgruppe wurde<lb/>
bisher nämlich vom Landwirtschaftskomitee wahrgenommen, d.h. in dem Fall<lb/>
eigentlich nicht wahrgenommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_14">Direktor <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> von der Fa. Bauer Bewässerungsanlagen kommt neuerdings,<lb/>
um mir zu erklären, welche gute Beziehungen er zu den Oststaaten hat und<lb/>
er deshalb um Unterstützung, damit endlich seine Bewässerungsprojekte<lb/>
dort aktiviert resp. abgeschlossen werden könnten. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> behautet, er sei<lb/>
Berater der ungarischen Regierung und würde dafür sogar 40.000 Forint im<lb/>
Jahr bekommen und zur Jagd eingeladen werden. Er wäre auch am Sonntag bei<lb/>
einer Jagd in Ungarn gewesen und hätte dort versucht, ein 40-Mill.-$-Pro<lb break="no"/>jekt Bewässerungsanlagen zu starten. Die Schwierigkeit bereitet, dass<lb/>
die Österreichische Kontrollbank 7 5/8 % Zinsen für dieses Geld verlangt.<lb/>
In der CSSR hätte er ein 450-Mill.-S-Projekt derzeit laufen. Das rum.<lb/>
Projekt, wo ich ihm seinerzeit eine schriftliche Empfehlung für den rum.<lb/>
Aussenhandelsminister gegeben habe, dürfte eigentlich noch immer kein konkre<lb break="no"/>tes Ergebnis gezeitigt haben. Dieser Direktor <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> ist für mich eine<lb/>
vollkommen undurchsichtige Figur. Angeblich kennt er die <choice><choice><sic>Elat</sic><corr>?</corr></choice></choice>, sei<lb/>
es in Ungarn, in der CSSR oder in Rumänien sehr gut, er spricht auch fast<lb/>
alle Ostsprachen. Seine Consulting-Engineering-Firma arbeitet in angeb<lb break="no"/>lich 72 Staaten. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> hat in Erfahrung gebracht, dass Zentralkomitee<lb break="no"/>mitglied <rs type="person" ref="#per__139664">Nyers</rs>, der für Industrie und Landwirtschaft zuständig ist,<lb/>
die Kooperationen auf eine neue Basis stellen will. Nach ungarischem<lb/>
Vorschlag werden in Hinkunft gemischte Gesellschaften errichtet, zu 51 %<lb/>
im Besitz der Ungarn sein. Der Sitz dieser Gesellschaften soll in Wien<lb/>
sein. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> glaubt kaum und auch in teile diese Meinung, dass sich<lb/>
jemand finden wird, der solche Gesellschaften errichtet, die natürlich<lb/>
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Kooperation mit den Ungarn in Hinkunft schwieriger werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_15">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114573">Lenert</rs> vom Sozialministerium wird sich bemühen, ob er für<lb/>
die regionale Industriepolitik einen Mann aus der Arbeitsverwaltung<lb/>
der Bundesländer uns zur Verfügung stellen kann. Nur so könnten wir<lb/>
ein wirkliches Konzept für eine Umschulung der Bergarbeiter und an<lb break="no"/>derer strukturschwacher Betriebe aufstellen. Ich erfahre z.B. auch zum<lb/>
ersten Mal, dass unbegrenzte Mittel für diese Umschulung zur Verfügung<lb/>
stehen. Dem Arbeiter werden 80 % ihres Bruttolohnes bezahlt und das<lb/>
Sozialministerium übernimmt die entsprechenden Leistungen an die Sozial<lb break="no"/>versicherung. Da diese 80 % steuerfrei gegeben werden, müsste sogar<lb/>
noch ein kleines Geschäft für die Leute herausschauen, die sich um<lb break="no"/>schulen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_16">Hofrat <rs type="person" ref="#per__139666">Lackinger</rs> von der oö. Landesregierung, der in unserer Grundsatz<lb break="no"/>gruppe über die Abwanderung aus dem oö. Raum nach Bayern schon ein<lb break="no"/>mal referiert hat, hat diese Studie jetzt durch weitere Erhebungen<lb/>
ergänzt. Danach ergibt sich, dass keinesfalls 82.000 Österreicher<lb/>
in der BRD in den letzten Jahren arbeiten, sondern dass eigentlich<lb/>
seit dem Jahr 1945 82.000 Österreicher in die BRD gewandert sind.<lb/>
Dort wurden sie teilweise aus verschiedensten Gründen noch nicht als<lb/>
deutsche Staatsbürger anerkannt und erscheinen daher noch immer als<lb/>
Österreicher. Tatsächlich pendeln 8.100 aus Oberösterreich, 3.600<lb/>
auf Tirol, 3–4.000 aus Vorarlberg und 6.000 aus Salzburg, ins<lb break="no"/>gesamt also 22.000 Österreicher nach Bayern. Im Innviertel und dem<lb/>
Rohrbacher Bezirk, wo 10 % der Wirtschaftskapazität nur liegt, sind<lb/>
20 % Arbeitskräfte insgesamt 37. Dazu kommen 7.000 Pendler in der BRD,<lb/>
6.500 pendeln in innerösterreichischen, oberösterreichischen Zentral<lb break="no"/>räumen und 2.500 nach Salzburg. Zur Auffüllung der Arbeitskräfte-Lücke<lb/>
werden in diesem Raum 1.900 Fremdarbeiter verwendet. Meine Auffassung,<lb/>
dass wir daher in Westösterreich gegen diese Abwanderung gar<lb/>
nichts unternehmen können, vielleicht auch gar nichts unternehmen<lb/>
sollen, wird von <rs type="person" ref="#per__139666">Lackinger</rs> voll geteilt. Durch die Arbeit in der BRD<lb/>
haben die Gewerbebetriebe und sonstige Dienstleistungen nur gute Konsu<lb break="no"/>menten wenn sie wieder nach Österreich zurückkommen und hier ihr in<lb/>
Deutschland verdientes Geld ausgeben. Hier handelt es sich also nicht<lb/>
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z.B. in dem wirklichen Notstandsgebiet in der toten Grenze NÖ,<lb/>
teilweise auch im Burgenland der Fall ist. Ein Gesetz, welches<lb/>
des Unternehmungen in diesem Gebiet eine besondere steuerliche Be<lb break="no"/>günstigung gebe, ist daher von unserer Seite ganz entschieden abzu<lb break="no"/>lehnen. Kritisch wird es nur, wenn in dieser offenen Grenze dann<lb/>
die Abwanderung dazu führt, dass die betreffenden Arbeiter dann in<lb/>
Deutschland ansässig werden und dort sogar die Staatsbürgerschaft<lb/>
erlangen. Um die österreichischen Arbeitskräfte ansässig zu machen,<lb/>
wird jetzt die Wohnbauförderung im bayrischen Raum auch österreichischen<lb/>
Staatsbürgern gewährt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_17">Vertreter der Kitzbüheler Bergbahnen, die zu 37 % der Gemeinde und zu<lb/>
14 % dem Land gehören, sprechen vor, um sich gegen die Behauptung,<lb/>
dass die als Monopolbetrieb die kleinen Leute unterdrücken, dies<lb/>
bezieht sich auf den Bauer <rs type="person" ref="#per__139668">Schroll</rs>, wehren. Ich erkläre ihnen, dass<lb/>
ich mich ausschliesslich von Rechtsstandpunkt mit dieser Frage<lb/>
beschäftigt habe und weniger versuche, ob ein Monopolbetrieb oder<lb/>
ob ein Einzelner den Bedürfnissen des Fremdenverkehrs Rechnung trägt.<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> klärt sie dann über die rechtliche Situation im ein<lb break="no"/>zelnen auf.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_18">Im wirtschaftlichen Ministerkomitee frägt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zuerst, wer eigent<lb break="no"/>lich Probleme hat. Ich selbst bringe die Eier-Preisentwicklung zur Spra<lb break="no"/>che und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erklärt, dass er bereit sein wird, über den 31.1.<lb/>
hinaus eine Liberalisierung zu verlängern, allerdings wird er es<lb/>
sich noch überlegen, ob er wieder 50 % der Abschöpfung, die ca.<lb/>
10 Groschen je Ei bedeuten, wird dekretieren.<lb/>
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Unternehmern geeinigt haben und die Industrie jetzt 60–70 Groschen<lb/>
Zuckerpreiserhöhung erwartet. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> möchte 30 Groschen ihnen zuge<lb break="no"/>stehen, da allein die <choice><choice><sic>Wohlnbewegung</sic><corr>Lohnbewegung?</corr></choice></choice> 45 Mill. ausmacht, das wären<lb/>
34,5 Groschen je kg Zucker. 30 Groschen würden den Index um 0,03 %<lb/>
verteuern. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilt mit, dass <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> bei ihm war und ihn ersucht<lb/>
hätte, der Bundeskanzler möge doch 40 Groschen geben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint<lb/>
nun, dass wir in der Preispolitik sehr schlecht liegen. Ausser bei<lb/>
Benzin, wo es geglückt sei, zuerst 60 Groschen den Preiserwartungen<lb/>
der Unternehmer hinaufzuschrauben und dann mit 20 Groschen abzuschliessen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_20">und bei Margarine, wo wir anstelle der vorgesehenen Erhöhung die <choice><choice><sic>Umsatz</sic><corr>Umsatzsteuer?</corr></choice></choice><lb/>
von 5,5 auf 1,7 % gesenkt haben und deshalb keine Preiserhöhung haben,<lb/>
liegen wir bei allen anderen Produkten schlecht. Die Pensionisten würden<lb/>
zwar jetzt 7,4 % Pensionserhöhung kriegen, aber die Steuerprogression<lb/>
nimmt ihnen einen Teil weg und die argumentieren auch immer mit den<lb/>
steigenden Preisen. Bei der Mehrwertsteuer nehmen die Unternehmer jetzt<lb/>
schon die Verbilligungen durch Preiserhöhungen vorweg. Die Paritätische<lb/>
Kommission hätte früher die Preise im der unteren Hälfte beschlossen<lb/>
jetzt aber liegen sie oben. Sollte deshalb ein Ministerkomitee aus<lb/>
der Bundeskanzler, Land- u. Forstwirtschaft, Finanzen und Handelsmini<lb break="no"/>sterium gegründet werden, das sich mit der Preisbeobachtung und<lb/>
Preisinformation beschäftigt. Dieses Komitee würde dann auch z.B.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sagen, dass eben der Zuckerpreis nur um so und so viel steigen<lb/>
darf und er könnte dann gegenüber der Landwirtschaft erklären, selbst<lb/>
wenn er sich noch so eingesetzt hätte, es war eben nicht mehr zu be<lb break="no"/>kommen. Ich sprach mich nicht gegen das Komitee aus, hatte aber Bedenken,<lb/>
dass wir die Paritätische Kommission auf diese Art desavouieren. Ich<lb/>
meinte, dass man mit dem Gewerkschaftsbund über die einzelnen Preis<lb break="no"/>erhöhungen – sei es durch Vorbesprechungen oder selbst in der PK –<lb/>
ja versuchen könnte, entsprechende Reduzierungen der Preisanträge zu<lb/>
erreichen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, es könnte für den ÖGB auch angenehm sein,<lb/>
wenn in dem einen oder anderen Fall die Regierung halt erklärt, dass<lb/>
eine Preiserhöhung in diesem Ausmass nicht möglich ist. Überdies hätte<lb/>
er dies mit dem Gewerkschaftsbund abgesprochen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_21"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat mit der Mehrwertsteuer grosse Bedenken. Der elektrische<lb/>
Strom ist derzeit mit 4,3 % belastet und würde in Hinkunft auch<lb/>
mit dem halben Steuersatz 8 % bezahlen müssen. Scheinbar ist der Vor<lb break="no"/>steuerabzug nach <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauers</rs> Meinung nicht gross genug, um hier einen<lb/>
Ausgleich zu den derzeitigen Umsatzsteuerbelastungen von 4,3 % herzu<lb break="no"/>stellen. Bei Sozialtarifen hat er derzeit überhaupt keine Belastung<lb/>
und wird in Hinkunft ebenfalls 8 % (halber Mehrwertsteuersatz) bezahlen<lb/>
müssen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wieder weist darauf hin, dass die Grundzinse derzeit<lb/>
nicht belastet sind, dass aber in Hinkunft bei Neubauten 8 % Mehrwert<lb break="no"/>steuerbelastung eine grosse Belastung darstellt. Die Neubauten, wo 80 %<lb/>
der Grundzins ausmacht und nur 20 % Betriebskosten, kann der Vorsteuer<lb break="no"/>abzug aus Betriebskostenanteil nicht sehr gross sein. Besser sieht<lb/>
es bei Altbauten aus, wo bekanntlicherweise die Betriebskosten ein wesent<lb break="no"/><pb n="09-0074" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-24_0074.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>liches Vielfaches des Friedenskronenzinses, der derzeit 2.– S je<lb/>
Krone ist, ausmachen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> meint, dass bei Milch eine 10-Groschen-<lb/>
Verteuerung, Butter und Käse dagegen 8–10 % Verbilligung aus der<lb/>
Mehrwertsteuer kommen müsste. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sagt, dass es notwendig ist,<lb/>
ein solches Komitee zu gründen, denn jetzt hätte z.B. die letzte Kennedy-<lb/>
Runde, die mit 1.1.1972 in Kraft getreten ist, 200 Mill. S Zollausfall<lb/>
ihm gekostet und trotzdem seien keine Preissenkungen eingetreten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fasst zusammen, dass keinerlei Zugeständnisse der ÖVP – sei<lb/>
es beim Mehrwertsteuergesetz oder auch bei anderen Gesetzen im Parlament<lb/>
– gemacht werden dürften. Es müsste sich, wenn man jetzt wirklich nicht<lb/>
die Mehrwertsteueransätze ändern will, das nur auf Intervention des Ge<lb break="no"/>werkschaftsbundes oder der Mietervereinigung erfolgen. Wenn dies der<lb/>
Fall sein soll, erklärte ich, müsste man sofort den ÖGB und die Mieter<lb break="no"/>vereinigung auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Wenn erst die<lb/>
Diskussion im Parlament begonnen hat, dann wird natürlich die ÖVP<lb/>
erklären, dass es auf ihre Intervention zurückzuführen ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint nämlich, es wird sicherlich keinesfalls von der ÖVP eine Zu<lb break="no"/>stimmung zu diesem Gesetz zu erhalten sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_22"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> weist dann noch darauf hin, dass die Wirtschaftsgesetze novelliert<lb/>
werden müssen. Wir haben derzeit eine teure Agrarverwaltung und es werden<lb/>
von den Massnahmen nicht nur der Landwirtschaftsminister sondern auch<lb/>
das Budget und die Konsumentenpolitik berührt. Die Überbesetzung der<lb/>
Molkereien – <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erklärt seit 1955 wo 555 Molkereien waren sind<lb/>
jetzt nur mehr 296, aber auch die Beschäftigten in den Fonds, Milch<lb break="no"/>wirtschaftsfonds sagt <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, 120, Getreide 60–70, Vieh 12 Beschäftigte<lb/>
– sei keine allzu grosse Agrarverwaltung, wird von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> entschieden<lb/>
bestritten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlägt deshalb vor, es sollte ein Komitee aus<lb/>
Vorsitz <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, Finanzminister und Handelsminister, unverzüglich über<lb break="no"/>prüfen, ob auch im Hinblick die <choice><choice><sic>Förderung</sic><corr>?</corr></choice></choice> und die Agrarveraltung so<lb/>
bleiben sollte. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> meint, dass bei Getreide er sich jetzt überlegt,<lb/>
ob gewisse Mengen, die man im Inland als bedarfsdeckend annehmen<lb/>
kann, übernommen wird und alles andere dann eben als Futtergetreide<lb/>
Verwendung finden soll. Nur für diese Übernahmsmenge möchte er einen<lb/>
höheren Preis bezahlen. Bei Milch denkt er derzeit nicht daran, ihnen<lb/>
ein Zugeständnis zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_23"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> urgiert wieder, was mit der Subventionsüberwachung, die wie ich<lb/>
nun erfahre, mit den Freiheitlichen vereinbart wurde, in der Endausführung<lb/>
jetzt geschehen soll. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> meint, er hätte sie bereits in die Förderungs<lb break="no"/>richtlinien eingebaut. Danach würden die Vertreter des allgemeinen Bauern<lb break="no"/>verband oder der freiheitlichen Partei soweit sie in den Landwirtschafts<lb break="no"/>kammern vertreten ist, mit den Arbeitsbauernbündlern und dem Bauernbund ent<lb break="no"/>sprechende Kontrollmöglichkeiten haben. Schwierigkeiten ergeben sich nur,<lb/>
wo keinerlei Vertreter der Freiheitlichen oder des Allgemeinen Bauern<lb break="no"/>verbandes in Landwirtschaftskammern sind. Nach Behauptung von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
ist dies nur in Vorarlberg der Fall. Hier müssten noch Detailverhandlungen<lb/>
stattfinden, um den Wunsch und die Vereinbarung, die seinerzeit abgeschlos<lb break="no"/>sen wurde, zu erfüllen. Die jetzt dazu startende Bergbauernhilfe, wofür die<lb/>
Landeshauptleute verantwortlich sind, weil dies Landessache ist, würde<lb/>
dann bereits über diese Untergruppen, wo die Interessensvertretungen an<lb break="no"/>wesend sind und die Projekte vorgelegt und geprüft werden, abgewickelt<lb/>
werden. Auch das Landesarbeitsamt, sagt <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, würde in diesen Untergruppen<lb/>
wegen der entsprechenden Berufsumschulung zu Worte kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_24">Bei der Ministerratsvorbesprechung bringt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> diese beiden Arbeits<lb break="no"/>gruppen wobei er für die Wirtschaftsgesetz, LWM als Vorsitzenden, FM<lb/>
und HM und in diesem Fall auch den IM neu vorschlägt. Für den Preisaus<lb break="no"/>schuss schlägt er nun vor: HM, FM, SM, BK und IM und ergänzt durch den<lb/>
jeweiligen Sachminister, z.B. bei Wohnungsfragen den Bautenminister<lb/>
und bei Landwirtschaftsprodukten <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> teilt mit, dass er jetzt<lb/>
den § 3a neue Fassung modellartig durchexerziert hat und ihm dem FM<lb/>
und mir zur Stellungnahme übermittelt hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass die Freunde<lb/>
des ÖGB in der PK nicht desavouiert werden sollen. Andererseits wird<lb/>
es jetzt wahrscheinlich wieder beim ORF eine Erhöhung der Werbetarife<lb/>
geben. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> weist darauf hin, dass die Berichterstattung im Fernsehen<lb/>
skandalös ist. Z.B. sei unser Wunsch, dass wir keine Weihnachtsgrüsse<lb/>
schicken, verzerrt wiedergegeben werden. In Sapporo wird nicht die<lb/>
Stellungnahme <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> herausgearbeitet, sondern <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> seine Eskapade.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> erklärt, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Ich empfehle<lb/>
ihm Anschluss an die Sitzung, er sollte doch im Weissbuch dann ver<lb break="no"/>öffentlichen, womit <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> entsprechend blamiert erscheint. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will<lb/>
dass nun die wirtschaftspolitische ökonomische Konferenz und auch alle<lb/>
anderen Konferenzen ausgelöst durch eine Humankonferenz über Gesundheits<lb break="no"/>politik jetzt unsere seinerzeitigen Mitarbeiter wieder aktiviert. Man<lb/>
musste Bericht erstatten und vor allem unseren Genossen und sonstigen<lb/>
<pb n="09-0076" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-24_0076.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Mitarbeiter wieder fester an die Ministerien binden, damit sie nicht<lb/>
so sehr verärgert sind. Er meint, wir haben schöne Erfolge erzielt,<lb/>
nur das Strukturkonzept über die staatliche Verwaltung bei ihm sei<lb/>
nicht weitergekommen, weil er dafür keine Leute hat. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> meint,<lb/>
man müsste horizontale Koordinationen ähnlich wie die schwedische<lb/>
Regierung mit dem Gleichheitsreport gemacht hat, zwischen den einzelnen<lb/>
Ministerien in einem Sachproblem, eben z.B. Bekämpfung der Armut<lb/>
herbeiführen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dagegen nichts einzuwenden, fürchtet nur<lb/>
eine Gefahr der Isolierung der Bundesminister, die heute<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_25">Fortsetzung nächste Seite.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_26">die heute überhaupt mehr mit der Bürokratie arbeiten, als dies<lb/>
wahrscheinlich gut ist. Seiner Auffassung nach dürfte dies<lb/>
nie passieren, was den Schweden zugestoßen ist. Die haben sich<lb/>
untereinander nicht einigen können und haben deshalb jetzt<lb/>
mit Hilfe der Bürokratie in Wirklichkeit eine schlechte wirt<lb break="no"/>schaftliche Situation und politische seien sie unter 40 % ge<lb break="no"/>sunken. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will also scheinbar jetzt, daß doch wieder eine<lb/>
stärkere und breitere Mitarbeiterbasis in den einzelnen Ministerien<lb/>
gefunden wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_27"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> weist darauf hin, daß das Landeselektrizitätsgesetz<lb/>
von Niederösterreich nach Auffassung seiner Leute teilweise ver<lb break="no"/>fassungswidrig sei. Trotzdem müßte man dieses Gesetz jetzt ge<lb break="no"/>nehmigen, weil ansonsten ein Genehmigungsverfahren für das Kern<lb break="no"/>kraftwerk gar nicht möglich ist. In der Grundsatzgesetzgebung<lb/>
des Elektrizitätsgesetz, welches noch immer nicht erlassen ist, haben<lb/>
die Länder heute breiteren Spielraum.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_28"><rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> frägt, ob er außer dem Sanitätskontingent auch auf<lb/>
Wunsch der UNO eine Polizeitruppe in Höhe von <choice><choice><sic>270</sic><corr>?</corr></choice></choice> Mann stellen<lb/>
soll. Derzeit haben wir ein UNO-Bataillon mit 700 Mann in Reserve,<lb/>
das bereits fünf Instruktionen über sich ergehen hat lassen müssen.<lb/>
Er würde nun die einzelnen Mitglieder dieses Bataillons anschreiben<lb/>
ob sie bereit sind, ein 1/2 Jahr mindestens in Zypern als Polizei<lb break="no"/>truppe neben den Sanitätskontingent zu verbringen. Die Truppe kostet<lb/>
110.000 Dollar pro Monat, wird allerdings von der UNO bezahlt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-01-24_29">Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß ich auf Wunsch von <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> den griech.<lb/>
Industrieminister nach Österreich einladen werde. Die Einladung<lb/>
geht, so wie ich dies bei VÖEST und ÖMV gemacht habe, auf Kosten<lb/>
des Unternehmens. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, ich würde damit sicherlich einer<lb/>
entsprechenden Kritik in Österreich ausgesetzt sein. Insbe<lb break="no"/>sondere erkläre ich aber, daß <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> sicherlich dagegen pole<lb break="no"/>misieren wird, ich aber nicht mit einem Privatunternehmer schlechter<lb/>
behandeln kann auf einen Wunsch, als wie ein verstaatlichtes Unter<lb break="no"/>nehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, dann würde<add>[er?]</add> die Verantwortung übernehmen,<lb/>
worauf ich ihm sofort erklärte, daß die Verantwortung ausschließ<lb break="no"/><pb n="09-0078" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-01-24_0078.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lich ich zu tragen habe. Ich ihn nur informiere, damit er nicht<lb/>
dann erklärt, er hätte dies nicht gewußt.<lb/>
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und der Rundfunk ausgestrahlt hätten, daß die Regierung jetzt ein<lb/>
Ministerkomitee einberuft, weil die Paritätische Kommission zu lax die<lb/>
Preise behandelt hat. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sieht darin einen Vorwurf gegen die<lb/>
Tätigkeit der Paritätischen Kommission und insbesondere natürlich<lb/>
gegen den Gewerkschaftsbund. Ich versuchte ihn zu beruhigen,<lb/>
daß dies in der Regierungsbesprechung nicht so kraß ausgesagt wurde<lb/>
und daß er eigentlich hier vielleicht wieder zutrifft, was <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser<lb/>
Rudi</rs> erklärt hat, daß nämlich die Berichterstattung des ORF skan<lb break="no"/>dalös ist. Ich kann allerdings nicht erklären und weiß es auch nicht,<lb/>
wie weit die Informationen des Fernsehens auf Informationen vom<lb/>
Bundeskanzleramt zurückzuführen sind. Tatsächlich müßte sich hier<lb/>
eine schwache Nahtstelle in der Politik der Regierung und des Ge<lb break="no"/>werkschaftsbundes befinden, wenn hier die Gegner einstoßen. Ich<lb/>
glaube auch, daß es auf die Dauer für den Gewerkschaftsbund unerträg<lb break="no"/>lich wird, wenn die Regierung eine härtere Haltung in Preisfragen<lb/>
einnimmt, als dieser z.B. der Gewerkschaftsbund als Konsumentenver<lb break="no"/>treter tatsächlich in den vergangenen Monaten gemacht hat. Natürlich<lb/>
gibt <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> unumwunden zu, daß er oft aus Gründen, daß es zu einer<lb/>
Einigung kommen muß, in verschiedensten Preisfragen nachgeben mußte.<lb/>
Er befürchtet, daß nun Bundeskammerpräsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> anrufen<lb/>
wird um zu fragen, ob eine Zusammenarbeit in der Paritätischen Kommission<lb/>
in diesem Falle überhaupt noch möglich und zielführend ist. Ich glaube<lb/>
auch, daß es für die Paritätische Kommission und für die Interessen<lb break="no"/>vertretungen eine schwere Belastung darstellen würde, wenn die Bundes<lb break="no"/>regierung sich jetzt in ihre Politik, sei es auch nur indirekt, durch<lb/>
Kritik einschalten würde.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm 24.1. Rückseite)</head>
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               <occupation>KR, Hotelier, HK, 1971 Obmann Bundessektion Fremdenverkehr, [Schreibung
                  unsicher, es findet sich Lissbauer und Lißbauer]</occupation>
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               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
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               <persName type="label">Lütgendorf, Karl</persName>
               <persName><surname>Lütgendorf</surname><forename>Karl</forename></persName>
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               <persName type="label">Schimka, Paul</persName>
               <persName><surname>Schimka</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Minkowitsch, Roland</persName>
               <persName><surname>Minkowitsch</surname><forename>Roland</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bauernbund</occupation>
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               <persName type="label">Hacker, Walter</persName>
               <persName><surname>Hacker</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Sozialistische Korrespondenz (SK)</occupation>
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               <persName type="label">Skardarasy, Ernst</persName>
               <persName><surname>Skardarasy</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Präs. Hoteliervereinigung</occupation>
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               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Cifer, Emil</persName>
               <persName><surname>Cifer</surname><forename>Emil</forename></persName>
               <occupation>Fa. Bauer, Inhaber Dienstpass HM</occupation>
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               <persName type="label">Schroll, A</persName>
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               <occupation>Bauer in Kitzbühel (?), offenbar im Konflikt mit den dortigen Bergbahnen,
                  die bei JS vorsprechen [24.1.1972]</occupation>
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               <persName type="label">Ingrisch, Bernhard</persName>
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               <occupation>BFI</occupation>
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               <persName type="label">Schleinzer, Karl</persName>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Pultar, Erich</persName>
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               <occupation>MR HM/VM (Ministerienneuorganisation 1974)</occupation>
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               <persName type="label">Manschulo, Alexej N.</persName>
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               <occupation>stv. sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mrkwicka, Franz</persName>
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               <occupation>Sekr. ÖGJ</occupation>
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               <occupation>OÖ. Landesregierung, Statistischer Dienst</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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