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            <title type="main">Montag, der 20. Dezember 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_02">Der Gasminister <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> hat bei der Vorsprache beim Bundespräsidenten<lb/>
wie er selbst sagte, zum ersten Mal klar und deutlich ausgedrückt,<lb/>
dass die SU grossen Wert darauf legt, die Lagermöglichkeiten Österreichs<lb/>
es sind ungefähr 6 Mia. m³ möglich, für ein europäisches Gasverbund<lb/>
zu nützen. Das Problem wird nur sein, wer die Kosten für eine solche<lb/>
Lagerung übernimmt. Im Prinzip dürfte aber die SU in den nächsten Jahren,<lb/>
zumindestens, was den Gasminster betrifft, sehr expansiv auf diesem Ge<lb break="no"/>biet sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_03">Der Bundeskanzler hatte die Sozialpartner zu einer Aussprache über<lb/>
das Preisregelungsgesetz eingeladen. Da dann von Seiten des Zehnerklubs<lb/>
eine Einigung über die zukünftige Währungspolitik erzielt wurde, hat<lb/>
der Bundeskanzler dann auch die Parteien eingeladen und die Nationalbank<lb/>
um über dieses Problem zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat nur die erste Ein<lb break="no"/>ladung erhalten und fragte deshalb an, ob und zu welchem Zweck sie jetzt<lb/>
eingeladen wurden. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> schloss sich sofort an und wollte die<lb/>
Grundeinstellung, die Gesinnung wissen, die jetzt hier bei diesen Bespre<lb break="no"/>chungen gelten sollte. Er sei zu Kooperationen jederzeit bereit, doch<lb/>
müsste er doch fragen, ob Interviews in den letzten Tagen dazu beitragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte, dass durch eine Erkrankung der Sekretärin eine ent<lb break="no"/>sprechende Einladung unterblieb und dass über die Währungssituation<lb/>
sowie bisher eine informative Besprechung erfolge. Was den Geist be<lb break="no"/>trifft, könnte er keine Zwang ausüben, aber ein Maximum der Zusammen<lb break="no"/>arbeit versuchen zu erreichen. Die Preisfrage, da seien es die Sozialpart<lb break="no"/>ner, die vorher zu einer Einigung kommen müsste, denn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sei ja<lb/>
nur in der Paritätischen Kommission der fünfte Mann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_04">Die schildere ich deshalb so genau, weil wirklich eine sehr gespannte<lb/>
Stimmung herrschte und ich eigentlich befürchtete, dass jeden Moment<lb/>
irgendwie das ganze noch einmal auseinandergehen könnte. Letzten Endes<lb/>
aber – und es wäre nicht Österreich – hat sich alles wieder in Wohlge<lb break="no"/>fallen aufgelöst. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete über die Währungssituation. Er<lb/>
will abwarten, wie sich die Kursentwicklung bei den anderen Nationen<lb/>
ergibt und dann erst eine endgültige Paritätsfestsetzung vornehmen.<lb/>
Vorher schon hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mir gesagt, dass wenn der Finanzminister die<lb/>
Absicht hat, über 2 % die Aufwertung zurückzuführen, er sich dagegen<lb/>
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also hier bei <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> entsprechende Vorarbeiten geleistet gehabt. Da<lb break="no"/>durch, dass das Floaten bei Aufwertung gegenüber dem Dollar 9,98 % be<lb break="no"/>trug, die DM aber mit 11,5 und der Schweizer Franken mit 10,8 derzeit<lb/>
notiert, hat eine Decalage<add>[?]</add> gegenüber den Hauptexportländern, die 50 %<lb/>
unseres Handelsvolumens ausmachten, bestanden und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärte,<lb/>
dies wird auch weiter bestehen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs>, <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wiesen<lb/>
auf die Preiserhöhungsgefahr hin, wenn es zu einer teilweisen Rücknahme<lb/>
dieser Aufwertung kommt. Andererseits verwies <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunt<lb break="no"/>hof</rs> besonders auf die Notwendigkeit der Exportindustrie hin, die eine<lb/>
Abwertung verlangten. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> schloss sich dann natürlich auch gleich<lb/>
wieder diesen Exportindustriewünschen auch an. Wichtig für uns als<lb/>
Fremdenverkehrsland war, dass Banken sich bereit erklärten, auf ihr<lb/>
Risiko, das letzte Mal nämlich war es auf Risiko der OeNB für die<lb/>
Fremden die Umtauschmöglichkeiten vollinhaltlich aufrechtzuerhalten.<lb/>
Da man keine endgültigen Beschlüsse fassen konnte und wollte, einigten<lb/>
man sich darauf, die Entwicklung abzuwarten und sich dann wieder zu<lb/>
treffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_05">Nun wurde bis knapp vor die Parlamentssitzung mit den Sozialpartnern –<lb/>
die anderen verabschiedeten sich – verhandelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte, das<lb/>
ein hinüberschieben dieses Problem auf die reine politische Seite nicht<lb/>
in Frage kommt, da der § 3a die Interessensvertretungen nennt und<lb/>
daher die Interessensvertretungen sich einigen müssten. Er stelle sich<lb/>
vor, dass im Gesetz vorgesehen wird, dass ein Wirtschaftspartner den<lb/>
§ 3a auslösen kann, dass aber ein Gentlemen's Agreement abgeschlossen<lb/>
wird, dass wenn die betreffende Firma sich dann bereiterklärt, zur<lb/>
Paritätischen Kommission zu gehen, die anderen sofort zustimmen, dass<lb/>
dann der § 3a nicht wirksam wird. Seine Juristen haben ihm sogar,<lb/>
er fürchtet den Verfassungsdienst, gefragt mit dem Vorschlag erklärt,<lb/>
dass dies eine tragbare Vereinbarung sein würde. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte,<lb/>
für die politischen Parteien gäbe es keine Gesetzesänderung und er<lb/>
selbst könnte auch einer Gesetzesänderung unter gar keinen Umständen<lb/>
zustimmen. Er hätte aber neuerdings in der BHK den seinerzeitigen Be<lb break="no"/>schluss bekräftigen lassen und würde in Hinkunft tatsächlich einer<lb/>
Anwendung des § 3a zustimmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> war sehr verärgert, dass alle<lb/>
anderen ihre Generalsekretäre zumindestens, <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> war sogar<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> gekommen, er aber, da er nicht wusste, um was<lb/>
es sich handelt, nur allein anwesend war. Er suchte deshalb auch<lb/>
Kollegen <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> als Vizepräsident des Gewerkschaftsbundes von der<lb/>
<pb n="08-1518" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-20_1518.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Regierungsseite zu ihm zu kommen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> machte nun sofort den Vorschlag<lb/>
dass es doch nicht zu erwarten sei, dass eine gesetzliche Änderung jetzt<lb/>
noch möglich sei, da diese lange Verhandlungen voraussetzen würden<lb/>
Andererseits müsste aber wirklich eine wirksame Regelung jetzt zwischen<lb/>
den Sozialpartnern vereinbart werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ging sofort darauf ein<lb/>
und meinte, sie könnten sich sehr vorstellen, dass eine Frist festgelegt<lb/>
wird, nach der die Unternehmer zur Paritätischen Kommission gehen müs<lb break="no"/>sen und im weiteren Verlauf der Verhandlungen werden auch bereit, dass<lb/>
der § 3a angewendet wird, wenn er nicht Preiserhöhung innerhalb einer<lb/>
kurzen Frist zurückführt. Es entwickelte sich dann eine lange Diskussion,<lb/>
was geschehen soll, wenn es sich um keine marktbeherrschende Unternehmung<lb/>
handelt. Die Argumentation von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass die Streichung nicht einmal<lb/>
in der Regierungsvorlage zur Begutachtung ausgesendet wurde, war, konnte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> jetzt endlich durch eine ganz gute Erklärung entgegentreten.<lb/>
Als er nämlich seinerzeit den Entwurf ausgesendet hat und eine entspreche<lb/>
de Änderung des § 3a vorschlug, hat man ihn in der Begutachtung mit<lb break="no"/>geteilt, dass die Sozialpartner auf der Freiwilligkeit und Ein<lb break="no"/>stimmigkeit aufgebaut sind und deshalb es diesen überlassen bleiben müsse,<lb/>
ob sie eine Änderung anstreben. Er hätte deshalb diese Argumentation<lb/>
bei der letzten Begutachtung aufgenommen und hätte eben dann gewartet,<lb/>
ob ihm ein Vorschlag von den Sozialpartnern kommt und den hätte er<lb/>
dann in die Regierungsvorlage, die dem Parlament zugeleitet wurde,<lb/>
aufgenommen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> beharrten in dieser Phase der<lb/>
Verhandlung noch immer sehr stark auf unbedingt eine entsprechend<lb/>
wirksame Änderung des Gesetzes und waren Falken. während der Falke<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, wie er bezeichnet wurde, jetzt endgültig zu einer Lösung<lb/>
kommen wollte und ein sehr taubenhaftes Verhalten an den Tag legte.<lb/>
Wenn man nicht Verhandlungsführer ist, glaube ich, kann man bei diesen<lb/>
ganzen Verhandlungen kaum einen Einfluss nehmen. Ich war deshalb sehr<lb/>
froh, als <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> vorschlug, die Sitzung zu unterbrechen. Die Sozialisten<lb/>
zogen sich zum Bundeskanzler zurück und dort erklärte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> rundheraus,<lb/>
ob man eine entsprechende Novelle wünsche, resp. ob man aus der<lb/>
starren Haltung herauskommen wolle. Alle waren froh, ich selbst war<lb/>
ja immer für die weiche Tour, als man nun eine Weg suchte, die Frage<lb/>
war nur, wieweit würde die Handelskammer gehen, einer gesetzlichen<lb/>
Änderung zuzustimmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, dass jede Novelle des § 3a kaum eine<lb/>
sachlich bessere Möglichkeit für die Beeinflussung der Preise bieten<lb/>
würde. Optisch aber müsste nun eine Novelle doch in Angriff genommen<lb/>
werden, um das Gesicht zu wahren, aber andererseits auch müsste man<lb/>
<pb n="08-1519" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-20_1519.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erkennen, dass die Handelskammer nicht bereit wäre, die marktbe<lb break="no"/>herrschenden Unternehmungen von dem derzeitigen § 3a zu streichen,<lb/>
d.h. in Hinkunft alle Unternehmungen, wenn sie nicht zur Paritätischen<lb/>
Kommission gehen, automatisch dem Preisverfahren zu unterwerfen. Selbst<lb/>
wenn die Einstimmigkeit aufrechterhalten bleibt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder be<lb break="no"/>stand darauf, dass unter allen Umständen eine zielführende Novelle<lb/>
des § 3a von der Regierung verlangt werden muss. Zum Schluss<lb/>
einigten sich die Sozialisten, dass aus der in § 3a gesehenen<lb/>
Preisregelungsmöglichkeit, die auch weiterhin einstimmig er<lb break="no"/>folgen sollte, nicht nur ganze Wirtschaftszweige oder marktbeherr<lb break="no"/>schende Unternehmungen sondern auch, wenn die Interessensvertretungen<lb/>
übereinstimmend feststellen, andere Unternehmungen dieser Prozedur unter<lb break="no"/>worfen werden können, wenn es gemeinsam als notwendig erachtet wird.<lb/>
Es solcher Vorschlag wurde <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs><lb/>
überreicht und gleichzeitig wurde festgehalten, dass man im Parlament<lb/>
weiter verhandeln wird. Da man um 2 Uhr im Parlament sein musste,<lb/>
der Finanzminister gab eine Erklärung zur Währungssituation ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_06">Die Erklärung des Finanzministeriums im Parlament lag auf derselben<lb/>
Linie wie die Besprechung, die vorher gerade geführt wurde.<lb/>
Insbesondere wies er auch drauf hin, dass der Importpreisindex<lb/>
im Jahre 1969 92,2 und bis Juni 1971 auf 105,5 gestiegen wäre, während<lb/>
der Exportindex von 91,8 nur auf 97,8 sich erhöht hat. Bei der Dis<lb break="no"/>kussion über diese Erklärung wird nach Ende der Debatte über das Kapitel<lb/>
Handel erfolgen, so war der Antrag von <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>. Vorher war interessanter<lb break="no"/>weise eine Besprechung zwischen <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> gewesen, die haupt<lb break="no"/>sächlich über die Frage ging, ob eine Debatte und wann diese Debatte<lb/>
über die Erklärung des Finanzministers erfolgt. Ich hatte seinerzeit,<lb/>
als ich beabsichtigte, über die Interimsverhandlungen eine Erklärung<lb/>
abzugeben, gar nicht daran gedacht, dass die Klubs ja vorher wirklich<lb/>
vereinbaren müssen, ob daraus eine Debatte sein wird oder nicht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> sagte nämlich bei diesem Gespräch mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, ich war zu<lb break="no"/>fällig anwesend, dass bei jeder Erklärung eines Ministers selbst<lb break="no"/>verständlich daran sich eine Debatte anknüpfen muss und ich in Hin<lb break="no"/>kunft wird. Ich hatte hier die Spielregeln des Parlaments hier wirklich<lb/>
damals fast missachtet, zumindestens habe ich nicht daran gedacht.<lb/>
Zuerst bestand der Glaube oder die Hoffnung, dass die Debatte über<lb/>
das Kapitel Handel nicht allzu lange dauern wird und deshalb noch<lb/>
die Möglichkeit besteht, heute das Kapitel abzuschliessen und sofort<lb/>
daran die Debatte über diese Erklärung aufzunehmen. Im Laufe des<lb/>
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aber auch der SPÖ, kannte ich schon, dass niemand daran denken wird,<lb/>
wirklich diese Debatte heute noch zu führen, sondern jeder auf den<lb/>
anderen Tag hinüberkommen wollte. Für mich bedeutete dies, dass ich<lb/>
auch erst am Schluss der Debattenredner mich zu Wort melden wolle.<lb/>
Die Opposition, so hatte ich zumindestens den Eindruck, war diesmal<lb/>
gegenüber dem Handelsressort wesentlich härter als das letzte Mal.<lb/>
Ich glaube, dass die Hauptschwierigkeit darin besteht, dass man auf<lb/>
konkrete Angriffe ja unmittelbar nach jedem Redner antworten müsste<lb/>
Dies geht aber nicht, wohl könnte man nach der Geschäftsordnung so vor<lb break="no"/>gehen, da der Minister jederzeit das Wort gekommen muss, aber dies<lb/>
würde sicherlich einen Aufstand des Hauses auslösen. Gegen Ende der<lb/>
Diskussion um ca. 8 Uhr wurde mir dann mitgeteilt, dass sich die Sozial<lb break="no"/>partner auf die von uns am Vormittag besprochene Formel geeinigt hatten<lb/>
und dass deshalb entsprechend der Antrag jetzt als Initiativantrag<lb/>
ins Plenum kommen wird. zu diesem Zweck wurde nun <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> ans Rednerpult<lb/>
geschickt, um durch einen Debattenbeitrag über die Strassenverkehrs<lb break="no"/>ordnung und über die Schulwegsicherung zu überbrücken. Hätte man mir<lb/>
diese Taktik gesagt, dann hätte ich erklärt, ich könnte auch jetzt<lb/>
bereits die Beantwortung beginnen und hätte dann reichlich Zeit gehabt,<lb/>
über die einzelnen Anfragen und Kritiken zu antworten. So stellte sich<lb/>
dann heraus, dass als die Anträge im Hause waren, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> kam und erklärte,<lb/>
ich sollte mich bitte kurz fassen, denn man möchte unbedingt heute noch<lb/>
das Kapitel Handel zur Abstimmung bringen. Auch der ÖVP-Ordner <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
kam und ersuchte um knappste Beantwortung, denn nach mir würde <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs><lb/>
noch reden und um 10 Uhr war ja vereinbart werden, dass die Sitzung unter<lb break="no"/>brochen wird. Ich stand jetzt vor der Frage, so wie schon oft, mich<lb/>
der Disziplin und den Plan des Klub, resp. in diesem Fall der beiden<lb/>
Klubs zu unterordnen oder eine ausführliche Beantwortung all der<lb/>
Angriffe vorzunehmen. Ich entschied mich – so wie ich es bisher<lb/>
immer getan habe – für die Disziplin. Sprach dafür aber umso schneller.<lb/>
Eine unbefriedigende Lösung. aber was soll's. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> sagte dann<lb/>
beim Nachhausefahren, dass es eigentlich erschütternd ist, ein ganzes<lb/>
Jahr wird in einem Ministerium gearbeitet, dann gibt es eine Budget<lb break="no"/>debatte und man erwartet, dass man bei dieser Debatte nicht nur kriti<lb break="no"/>siert wird, sondern vielleicht sich auch Leitlinien herauskristallisieren,<lb/>
wie und was das Ministerium in der nächsten Zeit in Angriff nehmen soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat scheinbar noch die Idealvorstellung, dass bei einer solchen<lb/>
Debatte jemals irgendwelche positiven Seiten herauskommen. Ich glaube<lb/>
überhaupt, dass hier eine dringendste Reform notwendig ist, denn dies<lb/>
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Effekt erzielt worden wäre, noch natürlich für die Debattenredner,<lb/>
die ihr Konzept haben und dies ganz einfach vortragen, manche sogar vor<lb break="no"/>lesen, ohne dass sie selbst das Gefühl haben, hier irgendetwas Posi<lb break="no"/>tives geleistet zu haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-20_07">Das Negativste war, dass – als ich in der Nacht schlafen ging, das<lb/>
Telefon läutete und meine Frau dann natürlich bereits schlief von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137898">Erna Kienzl</rs> angerufen wurde und mitgeteilt, wieso sie schlafen<lb/>
könne, wenn ihr Mann im Fernsehen so phantastisch – wie sie sich<lb/>
ausdrückte – gegen die Angriffe repliziert. Vielleicht stellt sich<lb/>
in den Massenmedien die unglückliche Art der Debatte wesentlich<lb/>
besser dar als ich sie empfinde.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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