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            <title type="main">Samstag, der 18. Dezember 1971 bis Sonntag, der 19. Dezember 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_01">Samstag, Sonntag, 18., 19. Dezember 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_02">Der russisches Gasminister <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> hatte durch den Botschafter<lb/>
mitteilen lassen, ihn interessiere die Trasse und Tiefbohrungen<lb/>
und einige andere rein technische Fragen. Trotzdem hat Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
von der ÖMV versucht, ein Programm zu erstellen, das auch einigermassen<lb/>
eine Unterhaltung darstellen sollte. Er meinte z.B. er wäre doch möglich,<lb/>
eventuell mit dem Auto nach Hartberg zu fahren und dann mit dem Auto<lb/>
über Mattersburg zurück im Schloss Mittag essen und am nächsten Tag<lb/>
am Sonntag einen Ausflug in den Wienerwald mit Besuch von Baden um <rs type="person" ref="#per__97940">Semjonow</rs><lb/>
zu treffen oder dann weiter nach Heiligenkreuz und wahrscheinlich auch noch<lb/>
bei Mayerling vorüber. Da die ÖMV die ganze Finanzierung des Aufenthal<lb break="no"/>tes vornahm, habe ich gegen diese Programmgestaltung zwar Bedenken<lb/>
gehabt, habe sie aber nicht mir aller mir zur Verfügung stehenden Macht<lb/>
revidiert. Ich bestand nur darauf, weil es mich selbst interessierte,<lb/>
dass wir auf alle Fälle mit dem Hubschrauber, auch dann wenn nur 4 Per<lb break="no"/>sonen mitfliegen könnten, die Trasse abfliegen könnten. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs><lb/>
war in Krieg ein Oberst gewesen und erklärte sofort, dass er wenn es<lb/>
keine Hubschrauber gäbe, in der Sowjetunion gar nicht die Gasleitungen<lb/>
und sein Amt damit wahrnehmen könnte. Er war natürlich von der Idee<lb/>
nicht nur begeistert, dass wir mit dem Hubschrauber die Trasse abfliegen,<lb/>
sondern wollte dann sogar noch von Mattersburg – wir assen im Schloss<lb/>
bei Drassburg zu Mittag – nach Wien zurückfliegen. Es trat aber plötzlich<lb/>
Nebel auf und mit mussten dieses letzte Stück mit dem Auto fahren.<lb/>
Die Schlossbesitzerin, die zweite Frau von dem Zuckerfabrikaten <rs type="person" ref="#per__137899">Patzenhofer</rs><lb/>
hat versucht, aus diesem alten Schloss ein Nobelhotel zu machen. Sie<lb/>
hat 20 Betten und will sich sogar jetzt noch ein Hallenbad dazu bauen.<lb/>
Ihre Küche – sie kocht selbst – ist wirklich vorzüglich, doch kann ich<lb/>
mir trotzdem nicht vorstellen, wie sie auch bei höchsten Preisen auf<lb/>
ihre Rechnung kommt. Die Saison kann sich doch dort maximalst auf drei<lb/>
bis vier Monate erstrecken. Die Patzenhofers dürften nur Geld genug haben,<lb/>
um immer wieder in dieses Schloss zu investieren. Auch wenn die Rentabili<lb break="no"/>tät vielleicht nicht gegeben ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_03">Am nächsten Tag hat <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dann seinen Plan, nicht zuletzt auf<lb/>
mein Drängen, mit den Russen abgeändert. Wir fuhren, da er<lb/>
eine Tiefbohrung sehen wollte, ins Ölfeld und anschliessend daran<lb/>
sollte das Jagdmuseum in Marchegg besucht werden. Auch dieser Plan<lb/>
scheiterte, weil sieh die sowjetischen Gäste auf alle Ölstationen<lb/>
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Wir fuhren bei der Entschwefelungsanlage in Aderklaa vorüber und<lb/>
sie beschlossen natürlich sofort, sie möchten dies sehr gerne sehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> war darüber nicht sehr glücklich, denn die Anlage war erst drei<lb/>
Tage in Betrieb und funktionierte noch nicht klaglos. Das konnte<lb/>
aber niemand bemerken. Das Jagdmuseum musste dann auch gestrichen werden.<lb/>
Ich fuhr dann mit einem PKW schnell zurück, um die Gäste, die bereits um<lb/>
13 Uhr im Bristol warteten, zu vertrösten, dass unsere Sowjetischen<lb/>
Gäste später kommen würden. Auf der Fahrt hatte ich nun Gelegenheit,<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> über die Ziele dieses Aufenthaltes zu sprechen. Er<lb/>
will sich ein Bild machen, warum die Pipeline noch nicht gebaut<lb/>
wird. Dies bereitet ihm grosse Sorgen. In Rom hat man ihm, wie er<lb/>
mir nachher erzählte, Erklärungen dafür gegeben, welche hat er mir<lb/>
allerdings nicht verraten, hat aber gleichzeitig dann zu verstehen<lb/>
gegeben, dass er ihnen sehr deutlich zu verstehen gegeben die Stellung<lb break="no"/>nahme der Sowjetunion. Er hofft, dass damit ein Baufortschritt jetzt zu<lb/>
erzielen ist. Da er mit den Italienern einen Kooperationsvertrag über<lb/>
technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen hat,<lb/>
schlug auch ich ihm eine solche Möglichkeit eines Kooperationsvertrages<lb/>
vor. Ich wollte, dass wir den womöglich am Montag noch abschliessen<lb/>
und paraphieren, doch meinte er, da müssten die Experten vorerst<lb/>
einen solchen ausarbeiten. Insbesondere trug ich aber immer wieder<lb/>
unseren Wunsch vor, dass wir unsere Gasbezugsmengen von 1,5 Mia. m³<lb/>
mindestens um 1,5 Mia. bis 3 Mia. in den nächsten Jahren aufstocken<lb/>
möchten. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> versicherte mir, dass wir mit einer Erhöhung der<lb/>
Gasmengen rechnen könnten, doch er wollte wissen, welche konkrete<lb/>
Menge wir in Aussicht nehmen würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_04">Bei der Besichtigung der Tiefbohranlage, sie waren bereits auf<lb/>
3.000 m und möchten aber bis auf 8.000 m Tiefe hinunterbohren,<lb/>
hatte ich Gelegenheit, mit den dortigen Arbeitern und insbesondere<lb/>
Schichtführern zu sprechen. Ich liess mir von ihnen einige Details er<lb break="no"/>klären. Man sollte wirklich viel mehr die Gelegenheit wahrnehmen,<lb/>
sich solche Betriebsstätten anzusehen. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> hat ein Sprichwort<lb/>
mir gesagt, es ist besser einmal etwas ansehen, als zehnmal darüber<lb/>
reden. Eine solche Tiefbohrung kostet 40–50 Mio. S, die bis jetzt<lb/>
durchgeführt echt waren glaube ich fünf erfolgreich. Trotzdem kann<lb/>
es passieren, dass das Geld rausgeschmissen ist und man nur eine<lb/>
geologische Information wieder bekommen hat. Die Frage, wieso<lb/>
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Bohrung durchgeführt wurde, erklären würden, dass etwas zu<lb/>
finden möglich ist, aber eher unwahrscheinlich.charakterisiert<lb/>
wird. Der Besuch der Kompressorenstation in Auerstahl, wo gleich<lb break="no"/>zeitig auch der Gas-Lastverteiler sitzt, war für mich sehr <choice><choice><sic>instruk<lb break="no"/>tiv</sic><corr>konstruktiv?</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_05">Die Arbeitssitzung begann mit einem Referat von <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der über<lb/>
die letzte Arbeitsgruppe Gas, wo ich ja den Sektionschef <rs type="person" ref="#per__137281">Lewit</rs><lb/>
ein bisschen damals noch auf unsere Wünsche angesprochen habe<lb/>
und der erklärte, er würde dies in der SU zur Sprache bringen.<lb/>
noch immer keine endgültige Entscheidung aber vorlag. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
berichtet, dass zusätzlicher Bedarf Österreichs an Gas war und<lb/>
die VÖEST die österreichischen Gegenlieferungen wissen will.<lb/>
2.) sollte über die Aufstockungen, ob 1,5 oder 3 Mia. geredet<lb/>
werden.<lb/>
3.) wurde die Pipeline zwischen CSSR und Italien besprochen.<lb/>
Die Verträge lauten, dass am 30.4.1974 die Pipeline betriebsbereit<lb/>
sein muss. Die Russen aber haben bereits mit dem Tschechen ihre<lb/>
Pipeline im Oktober 1972 in Baumgarten fertig und wünschen am<lb/>
1.1.1973 Gas zu übergeben. Die Pipeline wird auf 6 Mia. m³ drei<lb/>
Kompressoren angelegt und kann bis 10 Mia m³ ausgenützt werden.<lb/>
Die Dimensionierung könnte erst fixiert werden, wenn Österreich<lb/>
wieviel Gas es für sich durch diese Leitung transportieren kann<lb/>
Da die Leitung den Italienern gehört, will sich Österreich nur<lb/>
mit dem Anteil daran beteiligen, als es zusätzliches Gas von der SU<lb/>
bekommt. Er bittet deshalb, man sollte bis zum 31.1.1972 die<lb/>
Mengen mit der SU vereinbart haben, damit die Dimensionierung<lb/>
erfolgen könnte. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> repliziert dagegen sehr hart. Er meinte,<lb/>
man könnte sich nicht mehr länger an der Nase herumführen lassen.<lb/>
Er möchte daher, dass Österreich auf die grössere Dimensionierung<lb/>
das Projekt aufbaut. Dagegen polemisiert <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, dass dann die<lb/>
Kosten statt auf 3,6 Mia. auf ca. 4 Mia. steigen würden und das Risiko<lb/>
für diese ca. 15 %-ige Gasmenge, die Österreich hofft auf dieser<lb/>
Leitung transportieren zu können, ausschliesslich Österreich<lb/>
treffen würde. Die Italiener nämlich werden nur bereit sein, für<lb/>
ihre Gasmengen die Leitung auszulegen. Österreich ginge daher das<lb/>
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entsprechenden Investitionen sinnlos gemacht werden. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs><lb/>
wollte diese Argumentation aber nicht gelten lassen, er sagte, jedes<lb/>
Projekt hat eine technische Seite und eine kaufmännische und die<lb/>
technische Seite müsste eben jetzt abgeschlossen und unverzüglich in<lb/>
Angriff genommen werden. Wenn <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von ihm verlangt, dass bis 15.<lb/>
Jänner bereits Verkaufsverhandlungen konkret geführt werden, um<lb/>
1,5<add>[?]</add> Mia m³ Gas ab 1974 zu bekommen, dann könnte er heute noch nicht<lb/>
zusichern, dass zu diesem Zeitpunkt 15. Jänner bereits die bindende<lb/>
Verkaufsverpflichtung der SU vorliegt. Er wird sich aber bemühen,<lb/>
dass dies so schnell wie möglich geschieht. Ausserdem würden ja mit 15.<lb/>
Jänner noch nicht die Einrichtungen und Rohre und sonstige Bedarfsartikel<lb/>
für den Bau der Pipeline schon eingekauft sein. <rs type="person" ref="#per__137900">Maurer</rs>, der Projekt<lb break="no"/>leiter und Bauleiter von der ÖMV für diese Pipeline, berichtete, dass<lb/>
die Italiener nur einen einzigen Mann in ein gemeinsames Team, welches<lb/>
seit Monaten arbeiten sollte, geschickt haben und kaum bereits in<lb/>
irgendwelche Verantwortungen zu übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> berichtete, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139682">Sacchi</rs> von der ENI vor 14 Tagen hier war und das erste Mal ihm gegen<lb break="no"/>über den ersten Jänner 1973 als Liefertermin der Russen gesagt hat.<lb/>
Dies kann zwar stimmen, denn <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat offiziell vielleicht wirklich<lb/>
erst zu diesem Zeitpunkt erfahren, ich selbst aber habe bereits mit<lb/>
der ÖMV einige Male verhandelt und erklärt, was werden wir machen,<lb/>
wenn die SU gegenüber den Italienern darauf drängt, dass sie das Gas<lb/>
übernehmen. In diesem Fall, habe ich mich erkundigt, könnte ein Gross<lb break="no"/>teil des Gases für österreichische Abnehmer übernommen werden, doch<lb/>
müsste dann die ÖMV ihre Produktion einstellen und würde dadurch ent<lb break="no"/>sprechende Fixkosten haben. Die Italiener müssten dann entweder diese<lb/>
Fixkosten ersetzen oder das Gas müsste so billig an uns geliefert werden<lb/>
dass sie ÖMV dabei auf ihre Rechnung kommt. Kurzfristig könnte auch<lb/>
bis zu 200 Mill. m³ in österreichischen Gasgruben, die ausgeleert<lb/>
sind, gepumpt und gelagert werden. Insgesamt sieht die ÖMV überhaupt,<lb/>
nachdem die SU sich an einem europäischen Verbund sehr interessiert<lb/>
gezeigt hat. Lagermöglichkeiten von 6 Mia. m³. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> ist an einem<lb/>
solchen Verbund sehr interessiert und auch für die Lagermöglichkeit<lb/>
zeigte er grosses Interesse. Derzeit möchte er aber, dass primär die<lb/>
Leitung endgültig konkret in Angriff genommen werden soll. Durch<lb/>
den Flug konnte er sich aber ein gutes Bild über die schwierige<lb/>
Geländeführung über die Koralpe machen, was ihm als Techniker aber<lb/>
glaube ich nur so ärgert ist, dass natürlich für uns der kaufmännische<lb/>
Gesichtspunkt wesentlich wichtiger ist als die technische Frage,<lb/>
ob wir die Leitung mit 34 oder 38 Zoll auslegen sollen.<lb/>
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genommen wird. Eine Vorverlegung des Endtermins um 2–3 Monate<lb/>
ist möglich, doch wollen die Italiener und <rs type="person" ref="#per__139682">Sacchi</rs> keinerlei Ver<lb break="no"/>antwortung dafür übernehmen. <rs type="person" ref="#per__137902">Zauner</rs> berichtete dann, was die ÖMV<lb/>
bereits gemacht hat. Mit 1. Oktober wurde die Projektierung und<lb/>
Vermessung eingeleitet. Vorher hatte aber bereits die ÖMV die amerika<lb break="no"/>nische Firma Bechtel eingeschaltet um ein Projekt ausarbeiten zu lassen<lb/>
Mit 30 Mill. S ist die ÖMV in Vorlage getreten und hat bis jetzt noch<lb/>
keinen Groschen zurückbekommen. Es besteht nur ein Vertrag, dass<lb/>
die Rückzahlung mit Verzinsung erfolgen wird. Mit heutigem Datum<lb/>
sei 80 % des Projektes vermessen und die Wegerechtsverhandlungen würden<lb/>
mit Jänner 1972 beginnen. Mit den Landeslandwirtschaftskammern<add>[?]</add> sei man<lb/>
sich einig, doch müssten über 8.000 Eigentümer Verträge abge<lb break="no"/>schlossen werden. Man nimmt an, dass bis Juli 1972 80 % eingekauft<lb/>
sind und die restlichen 20 % würden ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen<lb/>
Eine <choice><choice><sic>Entwiegnung</sic><corr>Entwidmung? Enteignung?</corr></choice></choice> ist bei uns möglich, doch ist das ein<lb/>
furchtbar kompliziertes Verfahren und es kann vor allem nicht mit<lb/>
dem Bau begonnen werden und die Enteignung nachher erst rechtlich abge<lb break="no"/>wickelt werden. Die Behördenverhandlungen würden im Mai 1972 beginnen,<lb/>
doch sei das Baulos 1 nicht vor September 1972 in Angriff zu nehmen.<lb/>
Gleichzeitig werden aber die Kreuzungsarbeiten ebenfalls begonnen<lb/>
werden. Die Verlegung wird mit November 1973 abgeschlossen sein und<lb/>
die 380 km lange Pipeline trotzdem bei uns von November bis April<lb/>
Schnee liegt doch noch fertig waren. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> erklärte sofort, dass sie<lb/>
am Polarkreis 500 km-Leitungen in 8 Monaten fertiggestellt haben. denn<lb/>
sie würden z.B. auch bei 15 Grad schweissen. Bei uns ist durch eine<lb/>
Verordnung des Handelsministeriums Schweissen unter 5 Grad verboten.<lb/>
durch die Sprödigkeit, die dann entsteht, könnte es zu einem Gasaus<lb break="no"/>tritt in weiteren Jahren kommen. Ich erwiderte <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs>, er hätte,<lb/>
wie wir die Trasse abgeflogen sind, gesehen, dass dies durch besiedeltes<lb/>
Gebiet geht und nicht wie bei ihnen oben in der Tundra, weshalb von den<lb/>
Sicherheitsbestimmungen von mir nicht abgegangen werden kann. Die ÖMV<lb/>
wird aber sicherlich ebenfalls alles daransetzen, dass sie eben diese<lb/>
5 Grad in der Baustelle, sei es durch Zelte oder sonstige Wärme<lb break="no"/>möglichkeiten ermöglicht. Da die Italiener jetzt Abstand genommen<lb/>
haben, ob sie über diese Leitung auch noch Gas nach Frankreich transpor<lb break="no"/>tieren werden oder eventuell nach Jugoslawien, wird jetzt dieses Problem<lb/>
der weiteren Gasmengen, die eventuell noch über diese Pipeline trans<lb break="no"/><pb n="08-1513" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-18_1971-12-19_1513.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>portiert werden können, zurückgestellt. Wir brauchen nur zu<lb/>
wissen, wieviel wir österreichischerseits auf dieser Leitung<lb/>
transportieren können. Ob sich die Leitung dann 40 Zoll bis<lb/>
Graz und 36 Zoll von Graz bis Italien. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> stellte neuerlich<lb/>
fest, dass die SU keine Schuld trifft, wenn hier jetzt die Fertig<lb break="no"/>stellung der Leitung wesentlich später erfolgt als die sowj. Seite<lb/>
<choice><choice><sic>leut rErtrag</sic><corr>laut Vertrag?</corr></choice></choice> imstande ist, Gas in Baumgarten bereitzustellen. Da<lb/>
die Italiener, wie <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sagte, die Bauherren der Leitung sind,<lb/>
so liegt es ganz an den Italienern, über den Einsatz des Materials,<lb/>
die Firmenauswahl, die Trassenführung und so weiter zu entscheiden.<lb/>
Eine Kooperation ist mit Italien nicht leicht. <rs type="person" ref="#per__137070">Karmasin</rs> stellte<lb/>
fest, dass also scheinbar die Italiener die alleinige Verantwortung<lb/>
tragen. Ich selbst sekundierte der ÖMV, indem ich erklärte, als<lb/>
seinerzeit Schwierigkeiten über den Abschluss des Vertrages<lb/>
zwischen ÖMV und ENI entstanden, war auch der Botschafter und<lb/>
der ENI-Vertreter <rs type="person" ref="#per__134813">Ratti</rs> sofort bei mir, um zu intervenieren.<lb/>
Wir haben dann auch tatsächlich eine Lösung gefunden. Wenn jetzt<lb/>
wirklich Österreich eine Schuld träfe, wären sicherlich die Herren<lb/>
ebenfalls bereits bei mir gewesen, um sich zu beschweren und eine<lb/>
Unterstützung zu erbitten. Ich hoffe, dass wir <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> davon über<lb break="no"/>zeugt haben, dass es tatsächlich nicht an Österreich liegt. <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs><lb/>
hat allerdings auch sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er<lb/>
mit den Zusatzmengen erst mit <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> reden muss und wir<lb/>
aber so bald wir möglich Bescheid bekommen werden.<lb/>
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dass er zuerst wissen muss, welche zusätzliche Gasmengen Österreich<lb/>
beziehen kann. Derzeit wird ja noch das erste Geschäft, 25.000 t<lb/>
Rohre gegen die jetzt anlaufenden Gaslieferungen, abgewickelt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> meinte ebenfalls, man müsste dieses Problem mit der SU<lb/>
und vor allem einmal in Moskau selbst mit den einzelnen Firmen,<lb/>
die Einrichtungen für die Gasleitung kaufen wollen, besprechen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> wies darauf hin, dass ja nicht nur allein die VÖEST durch<lb/>
Blechlieferungen einen Teil davon abzahlt, sondern dass auch<lb/>
andere Firmen, Hübner-Vamag, Böhler usw., mit Armaturen und sonstiger<lb/>
Einrichtungen beteiligt sind. Mit dieser Erklärung war <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs><lb/>
einverstanden, er wird sich ja noch morgen einzelne Firmen an<lb break="no"/>sehen. Als dritten und letzten Punkt kam ich auf die Pipeline für<lb/>
Öl von Pressburg nach Wien zu sprechen. Ich hatte diesen Wunsch<lb/>
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Freundschaftsleitung bis Pressburg, ist in ihrer Kapazität voll<lb/>
ausgenützt. Die Sowjetunion projektiert aber eine weitere Ölleitung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> bestätigte dies und meinte er wird dieses Problem mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> besprechen. Ich nutzte aber die Gelegenheit um ihm zu sagen<lb/>
dass er doch bei der Besichtigung bereits erklärt hat, es sei nicht<lb/>
sehr sinnvoll, dass wir sowjetisches Öl mit Schiff bis Triest<lb/>
transportieren und dann über die AWP nach Schwechat hunderte Kilometer<lb/>
weit leiten müssen. In diesem Falle wäre es doch zielführender von Press<lb break="no"/>burg direkt nach Schwechat eine Pipeline zu legen. Ich erinnerte<lb/>
ihn an diese Ausführungen und konnte daraus entnehmen, dass er<lb/>
wahrscheinlich als Techniker unbedingt für die Stichleitung Press<lb break="no"/>burg-Wien ist, wenn wir eine entsprechende Ölmenge garantiert bekommen.<lb/>
Interessant war, dass er auch bei den Kompressorenstationen fragte, ob<lb/>
eine Umdrehung der Richtung, also nicht Triest-Wien, sondern Wien-<lb/>
Triest möglich sei. Dies ist aber deshalb nicht möglich, weil die<lb/>
Leitung nur nach einer Richtung angelegt wurde. Die Pumpstationen<lb/>
könnten zwar ohne weiters errichtet werden, doch wurde die Dimensio<lb break="no"/>nierung immer so vorgenommen, dass die eine Richtung automatisch<lb/>
damit gegeben ist. Technisch wäre es nur dann möglich, durch<lb/>
Errichtung von vielen Pumpstationen, die aber den Weg dann wesentlich<lb/>
verteuern.<lb/>
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besichtigten, die im Freien arbeitet und nur mit einem Flugdach<lb/>
abgedeckt ist, zu erfahren, dass die Bewohner sich über den ständigen<lb/>
Lärm beschweren. Aus diesem Grund muss nun die Situation vollkommen<lb/>
abgedeckt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte in Hinkunft müssen unsere Abteilungen<lb/>
diese Umweltschutzfrage Lärm grösseres Augenmerk zuwenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_10">Zum Abschluss wies ich darauf hin, dass wir übereingekommen sind,<lb/>
eine Kooperationsvertrag auszuarbeiten und dass die Experten mit diese<lb/>
Arbeit beginnen sollten, sodass wir bei der nächsten österr.-sowj.<lb/>
Gemischten Kommission, die im Spätsommer in Wien stattfinden wird,<lb/>
ein diesbezügliches Abkommen unterschrieben werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte, diese Frage in Evidenz halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-18_12">Zum Abschluss wies ich darauf hin, dass wir jetzt aus der SU wesentlich<lb/>
mehr Waren beziehen, insbesondere durch die Gaslieferung als unsere<lb/>
Exporte dorthin ausmachen. Ich hatte mit <rs type="person" ref="#per__137070">Karmasin</rs> dieses Problem<lb/>
sehr eingehend besprochen und <rs type="person" ref="#per__137070">Karmasin</rs> versicherte mir, dass sich<lb/>
dies in den nächsten Jahren wesentlich ändern wird. Es seien einige<lb/>
Grossaufträge bereits in Österreich untergebracht und weitere würden<lb/>
folgenden. Mein besonderer Hinweis, dass z.B. jetzt die Firma Voith<lb/>
grosse Produktionsschwierigkeiten bekommt, weil sie überhaupt keinen<lb/>
Auftrag hat, machte <rs type="person" ref="#per__137070">Karmasin</rs> mir die Mitteilung, dass er mit Gen.Direktor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> Verhandlungen geführt hat und auch in nächster Zeit ein<lb/>
grösserer Auftrag abgeschlossen wird. Ich bin überzeugt, wenn uns die<lb/>
Firma früher verständigt hätte, oder wenn unser Branchenreferat diese<lb/>
schlechte Entwicklung vorausgesehen hätte, dann wäre es möglich ge<lb break="no"/>wesen, durch Intervention bei den Oststaaten früher schon einen ent<lb break="no"/>sprechenden Auftrag zu bekommen.Wir haben hier das typische Beispiel<lb/>
einer Informationslücke. Wenn wir jetzt aus der SU zusätzliche Gas<lb break="no"/>mengen beziehen, so wies ich darauf hin, möchten wir natürlich auch<lb/>
entsprechende Gegenlieferungen tätigen. Ich bin überzeugt, dass sie<lb/>
sowjetische Seite und in dieser Beziehung nicht enttäuschen wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> zumindestens versicherte mir immer wieder, er wird alles<lb/>
daran setzen, um diese Entwicklung zu unterstützen.<lb/>
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               <occupation>Dir. SNAM (Tochterges. der ENI für Fernleitungsnetze)</occupation>
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               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <occupation>Besitzer Siegendorfer Zuckerfabrik</occupation>
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               <occupation>Bau-/Projektleiter ÖMV-SU-Pipeline</occupation>
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               <occupation>sowj. Gasmin. bis 1972</occupation>
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               <occupation>Dir. ÖMV, Leiter Bau-/Projektabteilung</occupation>
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               <occupation>[sowj. Funktionär/Minister; berichtet bei der Gem. Komm. in der SU 1971
                  über Entwicklung von Erdgaslieferungen und Rohren; 28.10.1971 in Österreich zu
                  Verhandlungen über diese Themen]</occupation>
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               <occupation>[sowj.?] Botschaftsrat</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <occupation>SChef HM</occupation>
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