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            <title type="main">Mittwoch, der 15. Dezember 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-15_02">Die Parlamentsdebatte über die Wirtschaftsgesetze entwickelte sich<lb/>
genauso wie ich sie vermutet hatte. Die ÖVP erkannte ihre grosse<lb/>
Chance und schickte deshalb alle ihre besten Redner in die Schlacht.<lb/>
Ich wollte zuerst überhaupt nicht sprechen, denn die Debatte verlief<lb/>
so, dass insbesondere natürlich <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> und in weiterer Folge dann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> antworten mussten. Die ÖVP konzentrierte und auch die FPÖ war<lb/>
in dieser Hinsicht natürlich auf derselben Linie ihre Angriffe auf<lb/>
die Regierung als Preistreiber. Der Hauptsprecher der SPÖ, <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs>, versuch<lb break="no"/>te deshalb diesen Angriff abzuwehren, indem er erklärte, die Mehrein<lb break="no"/>nahmen aus der Tabakerhöhung dienten dazu, um den Gesundheitsschutz<lb/>
zu finanzieren. Natürlich replizierte die ÖVP sofort, dass hier ein<lb/>
Irrtum oder eine bewusste falsche Information von ihm vorliegt, denn<lb/>
es handelt sich nicht um gebundene Einnahmen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hätte bei der<lb/>
Erhöhung der Tabakpreise in irgendeiner Form die eingenommenen 500<lb/>
Mill. S Ausgaben für den Gesundheitsschutz gegenüberstellen sollen.<lb/>
Ich weiss, dass er ja dieses Geld dazu braucht, um überhaupt der Budget<lb/>
einigermassen im nächsten Jahr über die Runden zu bringen. Optisch aber<lb/>
ohne dass eine Zweckbindung deshalb hätte ausgesprochen werden müssen,<lb/>
wäre es gut gewesen, wenn man einzelnen Budgetposten und wenn nicht<lb/>
anders so z.B. für die Reinhaltung des Wassers oder ich weiss nicht<lb/>
irgendetwas als Gesundheitsschutz hätte deklarieren müssen, um zu<lb/>
zeigen, dass man dieses Geld in Summe für solche Massnahmen<lb/>
verwendet. Der Schilling hat ja kein Mascherl und deshalb wäre es<lb/>
doch möglich gewesen, eine solche Politik damit einzuleiten. Vielleicht<lb/>
wollte aber <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nicht und dafür habe ich auch Verständnis sich in<lb/>
irgendeiner Weise binden und hat deshalb immer nur von "auch für Gesund<lb break="no"/>heitsschutz" gesprochen. Insbesondere natürlich waren die härtesten<lb/>
Angriffe auf die Regierung wegen der gestern verkündeten Eisenbahntarif<lb break="no"/>erhöhungen. Ich hatte mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> schon vorher gesprochen und ihn<lb/>
gefragt, ob es denn unbedingt dieses Timing machen muss. Nachdem die<lb/>
Tarife erst im März in Kraft treten hätte man doch können wenigstens<lb/>
eine Woche oder vielleicht sogar bis Anfang nächsten Jahres zuwarten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> meinte, er hätte dies mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so besprochen und in seiner<lb/>
Wortmeldung drehte er den Spiess dann geschickt um, er erklärte, wenn<lb/>
die Regierung, insbesondere er zugewartet hätte, dann hätte man ihm<lb/>
den Vorwurf gemacht, er hätte das Haus zu spät und vor allem vor<lb/>
der entscheidenden Debatte nicht informiert und insbesondere griff er<lb/>
überhaupt an, dass sowohl der Finanzminister dem Haus bei einer Anfrage<lb break="no"/>beantwortung erklärt hat, dass im Jahre 1970 nicht beabsichtigt sei,<lb/>
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erklärt hatte, dass in diesem Jahr keine Erhöhung der Tarife geplant<lb/>
sei. Beide bezogen sich entweder auf das Vorjahr oder soweit sie<lb/>
gefragt wurden heuer auf dieses Jahr und in diesem Fall wurde tatsächlich<lb/>
eine genaue Auslegung dieser Auskunft ja die Preise nicht erhöht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> meldete sich sogar ein zweites Mal. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, der davon am meisten<lb/>
betroffene Minister, da er ja die Preisregelung in seiner Kompetenz<lb/>
hat, antwortete auf die diversen Angriffe sehr geschickt. Er sagte<lb/>
mir allerdings nachher, er hätte dann seine Antworten im Stenogra<lb break="no"/>phischen Protokoll gelesen und hier ergäbe sich also ein konfuses Bild.<lb/>
Ich beruhigte ihn und erklärte ihm, dass ich die Antworten resp. meine<lb/>
Debattenbeiträge aber auch seinerzeit als ich noch vom Pult sprechen<lb/>
konnte, meine Diskussionen nie las, denn ich weiss, dass wenn man frei<lb/>
spricht und wenn man vor allem einmal auf die einzelnen Zwischenrufe<lb/>
und Gedankengänge der Kritiker eingeht, dann sich eine richtige parla<lb break="no"/>mentarische Debatte aber ein furchtbares stenogr. Protokoll sich er<lb break="no"/>gibt. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, der wegen des Preistreibereigesetzes sehr hart angegriffen<lb/>
wurde, meldete sich zu meiner grössten Verwunderung nicht zu Wort.<lb/>
Ich glaube, dass dies hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass<lb/>
seine Verschärfungen, die er aufgenommen hat, vom juristischen<lb/>
gesetzgeberischen Standpunkt wahrscheinlich auch er nicht als sehr<lb/>
glücklich bezeichnet. Die Änderung, dass Preistreiberei vorliegt,<lb/>
wenn sie nicht nur erhebliche, sondern bereits die nicht nur ganz<lb/>
unerhebliche Überschreitung bereits bestraft werden soll, ist wirklich<lb/>
nicht sehr glücklich, sie dürfte übrigens von der Arbeiterkammer stammen.<lb/>
Noch härter war aber der berechtigte Angriff, dass wenn jemand Netto<lb break="no"/>preise auf Grund der Nettopreisverordnung erstellt, kann er sehr leicht,<lb/>
wenn nicht alle gleichmässig wieder dann den neuen Nettopreis in ein<lb/>
ähnliches Niveau kalkulieren und festsetzen, mit dem Preistreiberei<lb break="no"/>gesetz in Konflikt kommen. Wenn er nämlich seine Nettopreise nach<lb/>
seinen Kalkulationsgrundlagen erstellt und dieser differiert gegen die<lb/>
anderen ortsüblichen, dann wird er auf Grund des Preistreibereigesetzes<lb/>
bestraft. Wenn er dagegen sich abspricht, oder wenn er gar die Brutto<lb break="no"/>preise, wie er sie bis jetzt gehandhabt hat, weiter fortsetzt, dann<lb/>
verstösst er gegen das Nettopreissystem und wird hier straffällig. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
hat diese Schwäche natürlich schon längst erkannt und mich nach der<lb/>
Sitzung sofort ermächtigt, wenn ich nun in Verhandlungen mit der ÖVP-<lb/>
Seite, d.h. insbesondere mit der Handelskammer eintrete, dass ich<lb/>
für jedwede Änderung seiner Vorschläge freies Pouvoir habe. Ich<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> selbst meinte, am besten ist, wir stellen uns tot oder<lb/>
wenn ich einsteige, dass müsste ich dies mit der ganzen Kraft<lb/>
tun. Da die Debatte bereits 6 Stunden dauerte, wollte ich mich<lb/>
eigentlich überhaupt nicht melden. Zu meiner grössten Überraschung<lb/>
aber meldete sich dann sogar <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> und er griff insbesondere<lb/>
die Regierung auch an, dass sie die 10 Punkte der ÖVP, die sie zur<lb/>
Stabilisierung vorgeschlagen hat, negiert hat. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> kam<lb/>
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möchte. Durch diese Aufforderung und vor allem durch die Tatsache,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> behauptete und wieder der SPÖ vorwarf, dass sie kein<lb/>
einziges Mal die Möglichkeiten des Preisregelungsgesetzes versucht<lb/>
hat, veranlasste mich dann doch, mich in die Debatte einzuschalten.<lb/>
Der härteste Angriff war immer von Seiten der ÖVP, dass ja wir<lb/>
noch niemals versucht hätten, den § 3a der novelliert werden sollte,<lb/>
in der jetzigen Form anzuwenden. Nachdem ich das Verfahren in der<lb/>
Paritätischen sehr gut kenne, konnte ich darauf replizieren, dass<lb/>
die Handelskammer ja nach unseren Vereinbarungen, wenn ein Unter<lb break="no"/>nehmen sich nicht an die Spielregeln hält, diesem zuerst<lb/>
einen blauen Brief schicken müsste. Die Handelskammer hat dies aber<lb/>
nie getan. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meldete sich dann aber noch einmal zu Wort hat<lb/>
in keinem Satz diesen schweren Vorwurf entkräften können und über<lb break="no"/>haupt nicht einmal erwähnt. Die Behauptung <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzers</rs>, dass sich<lb/>
die Regierung mit den Vorschlägen der ÖVP nicht auseinandersetzt,<lb/>
konnte ich insofern entkräften, als er zuerst von den 10 Punkten<lb/>
sehr kurz auf 5 Punkte abgerückt sind, und diese 5 Punkte hatte ich<lb/>
schon im Wahlkampf durch hieb- und stichfeste Beweise entkräften<lb/>
können. Es war mir deshalb verhältnismässig leicht, dies auch im<lb/>
Nationalrat frei aus dem Gedächtnis zu wiederholen. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs>, der<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__137922">Rastelli</rs> dem Hohen Haus was vorgegaukelt. Er meinte hier aller<lb break="no"/>dings nicht Gaukeln im negativen Sinne, sondern im Sinne, dass<lb/>
ich hier als Akrobat aufgetreten bin, wie er mir nachher<lb/>
versicherte. Als wichtigsten Punkt meines Debattenbeitrages aber<lb/>
wollte ich andeuten, dass die Behauptung, dass die SPÖ nicht verhand<lb break="no"/>lungsbereit sei und wie <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> sich ausdrückte, nicht kooperieren<lb/>
will, durch meinen Hinweis auf monatelange Verhandlungen im Vorjahr<lb/>
mit der Handelskammer entkräftete. Ich liess auch durchblicken,<lb/>
dass das Klima dieser Debatte und vor allem die Erklärungen von allen<lb/>
Seiten doch erwarten lassen, dass wir in unverzüglichen Verhandlungen<lb/>
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lösen. Wäre ich im einzelnen durch einen Zwischenruf oder durch<lb/>
eine weitere Wortmeldung konkrete gezwungen worden Stellung zu nehmen,<lb/>
hätte ich auf die Besprechungen die ich im Auftrage von <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> und vor<lb/>
allem einmal im vorjährigen Auftrag im Namen der Bundesregierung mit der<lb/>
Handelskammer geführt habe, hingewiesen. Am Schluss der Debatte kam<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> zu mir und er ersuchte mich, nachdem wir ja irgendwie aus dem<lb/>
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und wollte ihn fragen, ob er mit mir diese Kontaktgespräche aufnehmen<lb/>
will. Er lehnte dies allerdings ab, nicht aus Böswilligkeit oder aus<lb/>
Desinteresse oder gar, um mich vielleicht irgendwie allein zu lassen<lb/>
sondern ausschliesslich deshalb, weil er so wie <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> vollstes Vertrauen<lb/>
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glaubten, die beste Lösung wäre, wenn wir dies auf die Sozialpartner<lb break="no"/>schaftsebene zurückspielen könnte. Die Voraussetzung dafür aber wäre, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> doch mit <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> über dieses Problem spricht. Ich berichtete<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> über dieses Problem ebenfalls diskutiert<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erzählt mir, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gemeint hat, na ja, jetzt müssen<lb/>
wir halt diesen Weg bis zu Ende durchstehen. Er erinnerte an die Aus<lb break="no"/>sprache, die wir seinerzeit im Gewerkschaftsbund zwischen Regierung<lb/>
und Gewerkschaftsfraktionspräsidium gehabt haben, wo die andere weiche<lb/>
Linie, die ich ja damals vorschlug, von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz entschieden abge<lb break="no"/>lehnt wurde. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> meinte, ihm imponiere das Verhalten von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
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den anderen Weg bis zum bitteren Ende gehen. Da ich keinerlei Wert auf<lb/>
Prestigegewinn und -verlust legte, habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über das<lb/>
Ergebnis meiner Besprechung eingehend diskutiert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint allerdings,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> Besprechungen aufnimmt, denn das würde sofort heissen, dass<lb/>
die SPÖ zu Kreuze gekrochen ist. Er hätte auch vorher bereits mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sal<lb break="no"/>linger</rs> geredet und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hätte übernommen mit <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> zu sprechen.<lb/>
Ich bin überzeugt davon, dass meine Aussprache nach dieser Aussprache<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>–<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> schon stattgefunden hat und deshalb eben von<lb/>
Sallinger erklärt wurde, wenn wir auf Sozialpartnerebene irgendetwas ver<lb break="no"/><pb n="08-1490" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-15_1490.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>handelt und herausbringen sollen, müsste eben vorher <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> sprechen. Da morgen eine Diskussion im Rahmen der<lb/>
Paritätischen möglich ist, wird sich zeigen, wie die weitere<lb/>
Vorgangsweise sich abzeichnet. Die Paritätische wurde nämlich<lb/>
von heute auf morgen verschoben, weil eben die Debatte über die<lb/>
Preise und Preistreiberei so lange gedauert hat. Dies war wieder<lb/>
ein positiver unbeabsichtigtes Ergebnis der langen Debatte, denn<lb/>
damit ergibt sich die Möglichkeit, im Rahmen der Paritätischen<lb/>
Kommission doch noch einmal den Faden aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> steht<lb/>
auf dem Standpunkt, wie er mir gegenüber ausdrückte, wir sind<lb/>
die Regierungspartei, wir sind die Regierung und wir müssten daher<lb/>
eine Lösung für dieses Problem suchen und finden. Die Opposition<lb/>
kann unter allen Umständen warten, denn sie braucht ja nicht dieses<lb/>
Problem zu lösen. Die harte Welle und das Pokerspiel geht also<lb/>
lustig weiter. Vielleicht ein treffender Vergleich: Ich hatte<lb/>
nie Poker gespielt, weil ich zwar die Regeln kenne und weiss,<lb/>
dass es ausschliesslich darauf ankommt, wieviel Geld man hat<lb/>
und einsetzen will. Ich kenne aber ein anderes Glücksspiel, näm<lb break="no"/>lich Die Rote gewinnt oder Kümmelblättchen, auch das habe ich natür<lb break="no"/>lich nie um Geld gespielt, aber es kommt dabei darauf an, den<lb/>
Gegner zu täuschen, durch eine ungeheure Geschicklichkeit, in<lb/>
meiner Jugend hat mir dies sehr imponiert und ich habe deshalb<lb/>
mich in stundenlangen Übungen in diesem Spiel zu einer Perfektion<lb/>
entwickelt, die alle, denen ich bis jetzt das zeigte, überraschte.<lb/>
Bei den letzten Wahlen habe ich nach einem System, wenn einer<lb/>
gewinnt, krieg er von mir den Einsatz in Schillingen ausbezahlt,<lb/>
wenn er verliert, kriegt er für seinen Einsatz Wahlfondsmarken,<lb/>
einer Frau die Sektionskasse sehr gut aufgefüllt. Der Vergleich<lb/>
soll sagen, wenn man schon hasardiert, dann aber bitte bei einem<lb/>
System, wo man wie bei Kümmelblättchen auch tatsächlich immer nur<lb/>
durch Übungen und Perfektion gewinnen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-15_03">Bei den anderen fünf Wirtschaftsgesetzes sollte die Marktordnung- und<lb/>
das Landwirtschaftsgesetz an den Ausschuss zurückverwiesen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> begründete den Zusammenhang zwischen der Preisregelung und<lb/>
diesen Marktordnungsgesetzen sehr geschickt, Die SPÖ lehnt<lb/>
also nicht die Marktordnungsgesetze und das Landwirtschaftsgesetz<lb/>
ab, muss nur auf die Verquickung mit dem Preisregelungsgesetz<lb/>
das jetzt abgelaufen ist, hinweisen und würde das im Landwirtschafts<lb break="no"/><pb n="08-1491" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-15_1491.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ausschuss noch im Detail tun und wahrscheinlich auch entsprechende<lb/>
Vorschläge unterbreiten. Bei der Abstimmung über die Rückverweisung,<lb/>
hatte <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> schriftlich den Präsidenten ersucht, auch die anderen<lb/>
Gesetze, Rohstofflenkung, Lastverteiler, Lebensmittelbewirtschaftung,<lb/>
zurückzuverweisen, um nicht eine Einseitigkeit, die sich insbesondere<lb/>
die Opposition scheinbar bei Besprechungen mit ihm ausgesprochen<lb/>
hat, zu dokumentieren. Ich hatte mir vorgenommen, bei allen<lb/>
Gesetzen, die mich betreffen, ganz besonders aufzupassen. Kroki<lb/>
war nur die Rückverweisung des Landwirtschaftsgesetzes und der<lb/>
Marktordnungsgesetze vorgesehen. Ich bin überzeugt und <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> be<lb break="no"/>stätigte mir dies sofort, dass die Rückverweisung vom Rohstoff<lb break="no"/>lenkungsgesetz nicht erfolgt ist. Ich meldete mich deshalb zur Geschäfts<lb break="no"/>ordnung und machte auf diesen Zustand aufmerksam. Die ÖVP rief aber,<lb/>
wir haben schon abgestimmt und der Präsident schritt in der Tages<lb break="no"/>ordnung weiter. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> als Klubobmann sagte mir nachher, er hätte<lb/>
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Das Protokoll wird nach dem verbesserten Kroki gemacht. Ich<lb/>
sollte nicht rechthaberisch auf meinem Standpunkt beharren. Selbst<lb break="no"/>verständlich akzeptierte ich diesen Vorschlag. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, dass<lb/>
die Presse jetzt erklärt, es würde hier von seiner Seite, resp.<lb/>
von den beiden Klubs aus manipuliert werden. Ich ärgerte mich deshalb<lb/>
nachher sehr, dass ich überhaupt dieses Problem aufgerollt habe.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte nämlich auch bei der Diskussion, die ich dann über<lb/>
die ganzen Gesetze mit ihm führte und wo ich erklärte, ich könnte<lb/>
auf meine unmittelbare Kompetenz nämlich das Rohstofflenkungs<lb break="no"/>gesetz leichter verzichten, warum ich dann mich so eingesetzt habe,<lb/>
dass es ebenfalls rückverwiesen wird. Vielleicht sollte ich wirklich<lb/>
in der grossen Politik mehr nach der grossen Linie mich richten und<lb/>
weniger auf Details und Detailinformationen auf die ich ganz be<lb break="no"/>sonderen Wert immer legen – ich mische mich sehr ungern in andere<lb/>
Kompetenzen ein und vor allem möchte ich nicht als der grosse<lb/>
Politiker gelten, der ich nebenbei bemerkt ja auch wirklich nicht bin,<lb/>
sondern kümmere mich um meinen Kleinkram. Aus den ganzen Diskussionen<lb/>
aber auch aus den Härten der beiderseitigen Angriffe der Klubs und<lb/>
insbesondere von gewissen Zwischenrufern aus beiden Seite sehe<lb/>
ich nämlich eine Entwicklung kommen, dass die Zusammenarbeit immer<lb/>
schwieriger werden wird. Vielleicht ist meine Koalitionsbereitschaft<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-15_04">Beim Aussenhandelsverkehrsgesetz gab ich das Statement ab. Es<lb/>
war das erste Mal, dass ich eine solche Erklärung im Hohen Haus<lb/>
abgegeben habe. Trotzdem konnte ich mich nicht dazu entschliessen,<lb/>
nebenbei bemerkt es wäre zeitlich auch gar nicht fertig geworden,<lb/>
eine Erklärung herunterzulesen. Ich sprach deshalb ohne irgendeine<lb/>
Aufzeichnung. Hoffentlich erklärt nicht jemand, dass dies die Über<lb break="no"/>heblichkeit des <rs type="person" ref="#per__97985">Staribachers</rs> ist. Der grosse Vorteil, der aus einer<lb/>
Freien Rede mich zumindest entspringt, dass ich jederzeit sagen kann,<lb/>
wenn ich wirklich einen Schnitzer mache, dass ich eben als frei<lb/>
Sprechender auf die Einzelheiten nicht so aufpassen konnte und ein<lb/>
diesbezüglicher Vorwurf einmal in der späteren Zeit durch diesen<lb/>
Umstand versuchen könnte, zu entkräften. Hoffentlich täusche ich<lb/>
mich da nicht und man wird mir sagen, dann hätten Sie eben eine<lb/>
andere Erklärung vorgelesen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war mit dieser Erklärung und<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, wie er mir nachher versicherte, sehr einverstanden und<lb/>
hat nur bemängelt, dass ich über die Details der Verhandlungen, näm<lb break="no"/>lich, dass die Bundeshandelskammer und die Industriellenvereinigung<lb/>
und die Landwirtschaftskammer gegen eine sofortigen Abschluss sich<lb/>
ausgesprochen hatten, protestiert. Er meinte allerdings erklärte es<lb/>
dies sehr vorsichtig in freundlicher lächelnder Miene, man dürfe doch<lb/>
nicht die Ergebnisse der Abstimmung aus einer Besprechung öffentlich<lb/>
mitteilen. Es war also klar ersichtlich, dass ihnen meine Aussage,<lb/>
dass sie an dem Scheitern des Interimsabkommens damit ausschliesslich<lb/>
die Verantwortung tragen, die aus meiner Erklärung doch irgendwie<lb/>
herauszuhören war, sehr unangenehm ist. Da ich aber ganz klar und deut<lb break="no"/>lich ihnen dies bei der Verhandlung zu verstehen gegeben habe, sehe ich<lb/>
nicht ein, warum nicht auch in der Öffentlichkeit diese mehr oder<lb/>
minder zum Ausdruck gebracht werden soll.Wenn ich schon, um nicht<lb/>
den Vorwurf zu kriegen, dass ich um einen persönlichen Erfolg zu haben,<lb/>
das Interimsabkommen durchgepeitscht habe, einen Prestigeverlust<lb/>
in Kauf nehme, ich glaube allerdings, dass dieser Prestigeverlust<lb/>
nicht sehr gross ist, dann muss wenigstens festgestellt werden, wer<lb/>
die Verantwortung dafür klar zu tragen hat. Ich werde vor allem<lb/>
die Exportindustrie in Hinkunft, wenn sie kommen wird, um sich<lb/>
über die mangelnde Unterstützung zu beschweren, wie sie es auch in<lb/>
der Vergangenheit gemacht hat, darauf hinweisen, dass sie ja selbst<lb/>
die Chance eines grösseres Exportes in die EWG durch die Ablehnung<lb/>
des Interimsabkommens vertan hat. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> hat sich überhaupt nicht zu<lb/>
Wort gemeldet, er dürfte sich scheinbar die ganze Angelegenheit für<lb/>
die Budgetdebatte Handel am Montag aufheben.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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