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            <title type="main">Freitag, der 10. Dezember 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_01">Freitag, 10. Dezember 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_02">Das Pokerspiel um die Preisregelung geht weiter. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hatte mich<lb/>
ersucht, ich sollte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fragen, ob sie seinen Kompro<lb break="no"/>missvorschlag aus dem § 3a die Worte "marktbeherrschend" und "ganze Branchen"<lb/>
herauszustreichen, übernehmen würden. Wenn nämlich diese Bestimmung aus<lb/>
dem § 3a gestrichen wird, hätte <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> gemeint, könnte die FPÖ als<lb/>
Kompromiss und zur Wahrung des Gewichtes für eine einjährige Ver<lb break="no"/>längerung stimmen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollten zuerst die Wirtschafts<lb break="no"/>bundabgeordneten und dann aber vor allem die Parteiführung fragen.<lb/>
Sie teilten mir nun mit, dass kaum eine Chance besteht, dass dieses<lb/>
Kompromiss von der ÖVP akzeptiert wird, müssten aber noch montags<lb/>
im Klub darüber beraten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_03">Wie sehr es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht notwendig war, die Strom<lb break="no"/>preise zu fixieren, zeigt das Verhalten der SAFE. LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs><lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> und mich telefonisch dringend gebeten, denn die SAFE-Direk<lb break="no"/>toren haben grosse Angst, dass LH <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs> einer 14 % Preiserhöhung nicht<lb/>
zustimmen wird, obwohl er Aufsichtsratsvorsitzender der SAFE ist. <rs type="person" ref="#per__97461">Früh<lb break="no"/>bauer</rs> meinte, die Direktoren sollten eben darauf hinweisen, dass in<lb/>
Hinkunft die Netze ausgebaut werden müssen und deshalb höhere Preise<lb/>
für die zu erwartenden Investitionen brauchen. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs><lb/>
er sollte den Direktoren und insbesondere <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs> ausrichten, dass dies<lb/>
die letzte Preiserhöhung ist, denn wenn die Elektrizitätswirtschaft zu mir<lb/>
kommt, werden sie ja nach ganz anderen Gesichtspunkten beurteilt werden.<lb/>
Ich bin nämlich wirklich überzeugt, dass unsere ganze Energiepolitik falsch<lb/>
ist. Wir wollten die Tarife zwischen Westen und Osten – im Westen sind sie<lb/>
verhältnismässig sehr tief – nicht weiter auseinanderklaffen lassen.<lb/>
Deshalb werden auch dem Westen 14 % resp. der Tiwag 13 und der Vorarl<lb break="no"/>berger Gesellschaft 12 % zugestanden. Diese Landesgesellschaften haben einen<lb/>
verhältnismässig tiefen Groschenpreis für Strom und werden durch die per<lb break="no"/>zentuelle Erhöhung sowieso nicht zu einem hohen Erlös kommen wie die<lb/>
östlichen Landesgesellschaften. Alle werfen aber einen Gewinn ab,<lb/>
vielleicht, dass die KELAG durch ihre grossen Investitionen in Ausser<lb break="no"/>fragant sich verspekuliert hat und deshalb heute nicht so gut finanziell<lb/>
dasteht wie alle anderen Landesgesellschaften. Einen einheitlichen Strom<lb break="no"/>preis werden wir kaum zustandebringen, denn dann müssten man ja die Super<lb break="no"/>gewinne vom Westen abschöpfen. Andererseits aber werden die Stadtwerke<lb/>
jetzt an die Landesgesellschaften angeglichen, was eine weitere Be<lb break="no"/>lastung der Konsumenten in Graz, Salzburg und teilweise in Innsbruck<lb/>
<pb n="08-1464" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-10_1464.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bringen wird. Hier kommt es zu einer Vereinheitlichung der Strom<lb break="no"/>preise zumindestens in einem Land. Da ich aber nicht beabsichtige,<lb/>
den Strompreis wieder jahrelang vollkommen unverändert zu lassen,<lb/>
müsste doch ein System gefunden werden, wo wir auf der einen Seite die<lb/>
Investitionen der Landes- und insbesondere der Verbundgesellschaft<lb/>
sicherstellen, auf der andren Seite aber den Konsumenten für die Belastung<lb/>
irgendein Äquivalent und wenn es nicht anderes ist, eine Beteiligung<lb/>
der Konsumenten an der Mehrleistung zu gewähren. Wenn in der E-Wirtschaft<lb/>
der freie Markt spielen würde, d.h. wenn Unternehmungen tatsächlich<lb/>
investieren und Strom verkaufen könnten, hätten sich wahrscheinlich<lb/>
schon die entsprechenden Kapitalien gefunden, inländische oder auslän<lb break="no"/>dische, die die Versorgung der Bevölkerung übernommen hätten. Auf der<lb/>
anderen Seite aber ist Österreich so klein und leistet sich den Luxus<lb/>
monopolartiger Gesellschaften in den Ländern und darüber noch die Ver<lb break="no"/>bundgesellschaft zu haben. Wenn schon diese Verbundgesellschaft und<lb/>
die Landesgesellschaften eine solche Macht und abgegrenzte Versorgungs<lb break="no"/>gebiete haben, dann müsste man sie eigentlich zu einer einheitlichen Ge<lb break="no"/>sellschaft zusammenfassen, die Verwaltungsapparate wesentlich reduzieren<lb/>
und vor allem dann eine einheitliche Energiepolitik betreiben. Die<lb/>
Monopolgewinne müssten dann allerdings sehr genau und gewissenhaft<lb/>
geprüft und vor allem verteilt werden. Unser österreichisches System<lb/>
ist eine Mischung zwischen den beiden Extremen und wahrscheinlich<lb/>
hat es auch alle nachteiligen Bestandteile jeden Systems.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wir sollten versuchen, ohne als Auftraggeber auf<lb break="no"/>zuscheinen, Fachleute<add>[zu]</add> finden, die entsprechende Überlegungen anstellen,<lb/>
damit – wenn wir die Kompetenz bekommen – dieses neue System dann schön<lb/>
langsam von uns angepeilt werden könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_05">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> von Shell ist von den internationalen Gesellschaften<lb/>
beauftragt worden, mit der Regierung über die OPEC-Verhandlungen Kontakt<lb/>
zu halten. Seinerzeit, als die OPEC-Staaten die Ölpreise erhöhten, hat<lb/>
man mich bereits – ich glaube, damals war dies Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__137936">Russbach</rs><lb/>
von der Mobil – Samstag Sonntag aufgestöbert, um mir die Ergebnisse mitzu<lb break="no"/>teilen. Mysteriös hat man das zuerst angekündigt, mir dann gesagt, er<lb/>
liegt jetzt eine unvollständige Kabelmitteilung in Englisch vor und<lb/>
man wird mich dann in ein paar Stunden wieder<add>[ver-]</add> ständigen und man<lb/>
müsste mir das alles im Detail <choice><choice><sic>auftrags</sic><corr>im Auftrag?</corr></choice></choice> der internationalen Gesell<lb break="no"/>schaften als Regierungsmitglied mitteilen. In Wirklichkeit ist alles<lb/>
Stunden vorher bereits über die Agenturen gelaufen und im Fernsehen und<lb/>
<pb n="08-1465" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-10_1465.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Radio hat man alles bereits im Detail erfahren können. Ich bin mir<lb/>
noch nicht ganz klar, was die internationalen Gesellschaften mit diesen<lb/>
Methoden bezwecken <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> teilte mir nämlich wieder nur mit, dass<lb/>
sie derzeit in Verhandlungen mit den OPEC-Ländern stehen. Es wurden<lb/>
von 22.11. eine Woche mit Experten über die Währungsfragen mit den<lb/>
OPEC-Ländern verhandelt. Die OPEC-Länder wünschen nämlich für die Währungs<lb break="no"/>abwertung des Dollars eine entsprechende Erhöhung des Rohölpreises von<lb/>
7–8 %. Die nächste Preiserhöhung wurde nämlich auf Grund der Inflations<lb break="no"/>ratenvereinbarung mit 1.1.1973 5 % erst fällig. Die Verhandlungen werden<lb/>
derzeit noch weitergeführt. Weiters wollen die OPEC-Staaten eine Beteili<lb break="no"/>gung und zwar die Golfländer 20 % und Libyen sogar 50 % an dem inter<lb break="no"/>nationalen Gesellschaften, die in diesen Ländern entsprechende nationale<lb/>
Gesellschaften haben. Die internationalen Gesellschaften wären einverstan<lb break="no"/>den ausser den Royalities auch noch eine Beteiligung den Staaten<lb/>
zuzugestehen, wenn sie die Gewähr hätten, dass dann die Mittel, die die<lb/>
Gesellschaften erarbeiten und die natürlich dann auch dem Staate dort<lb/>
zufliessen, entsprechende Investitionen getätigt werden. Die internatio<lb break="no"/>nalen Gesellschaften fürchten, dass die Gelder sonst im Budget oder in der<lb/>
Privatschatulle von den dortigen Machthabern untergehen, und der<lb/>
weitere Ausbau der Ölproduktion in den nationalen Ländern dadurch zurück<lb break="no"/>gehen würde. Ausserdem gibt es noch den grossen Streit, in welchem Masse<lb/>
die Investitionen, die die internationalen Gesellschaften in diesen Ländern<lb/>
getätigt haben abgelöst werden. Die nationalen Staaten sind bereit, ihnen<lb/>
nur den Buchwert ihrer Investitionen als Ablöse zu bezahlen, während die<lb/>
internationalen Gesellschaften den Marktpreis verlangen. Das Detailproblem<lb/>
ist, dass die Konzessionen in Iran 1979 auslaufen und jetzt die internatio<lb break="no"/>nalen Gesellschaften jetzt mit dem Schah von Persien sich einigen müssen<lb/>
ob und wie sie weitere Konzessionen bekommen können. In Irak wieder ist<lb/>
das Nord-Rumaila-Feld enteignet wurde und die Iraq Petroleum Company<lb/>
wünscht nun, dass aus diesem Feld die ÖMV Öl kauft. Die ÖMV ist dazu<lb/>
auch bereit und <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> hat, ohne dass<add>[er]</add> dies irgendwo an die grosse<lb/>
Glocke hängen will, sich sehr bemüht, dass Shell, welche an der Irak PC<lb/>
beteiligt ist, aus diesem Kauf nicht aus Österreich beleidigt resp.<lb/>
Repressalien ergreift. Ich urgierte vor allem den Ausbauplan für<lb/>
österreichische Mineralöl- und -produkteversorgung und <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> erklärte,<lb/>
es müsste jetzt in den nächsten Wochen ein diesbezüglicher Plan fertig<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> meint, dass die SHELL sich nämlich jetzt entscheiden<lb/>
muss, nachdem Ingolstadt grösser ausgebaut wird, wie viel sie zusätzliche<lb/>
Produkte für Österreich beziehen kann. Dies würde eine Produktenpipeline<lb/>
<pb n="08-1466" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-10_1466.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Ingolstadt nach Westösterreich ermöglichen, wenn sich die anderen<lb/>
internationalen Gesellschaften daran beteiligen. Andererseits<lb/>
will ja die ÖMV eine Produktenleitung nach dem Westen bauen und diese<lb/>
Pläne müssten nun endgültig aufeinander abgestimmt werden. Auch der<lb/>
Ausbau des Tankstellennetzes, welchen ich neuerdings urgierte,<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> erklärt, würde in der nächsten Zeit in meinem Sinne durch<lb break="no"/>geführt werden. Es wird keine einzige Prestigetankstelle gebaut sondern<lb/>
im Saldo werden wahrscheinlich die Tankstellen nicht mehr zunehmen.<lb/>
Sein Verbindungsmann zwischen der SHELL als OPEC-Vertreter der inter<lb break="no"/>nationalen Gesellschaften und dem Handelsministerium habe ich Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs> von der OB und von der Abteilung 25 bestimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_06">Die Diskussion mit den Vertretern der Jugend – die 6., die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bis<lb/>
jetzt einberufen hat – war insofern ergiebig, als die Jugendorganisa<lb break="no"/>tionen Gelegenheit haben, mit Regierungsmitgliedern zu diskutieren. Natür<lb break="no"/>lich konzentriert sich eigentlich alles auf die Person des Bundeskanz<lb break="no"/>lers. Die Minister haben nur Gelegenheit auf Spezialfragen und Spe<lb break="no"/>zialwünsche Auskunft.zu geben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> versucht zwar sehr geschickt immer<lb/>
jeden Minister irgendwie ins Spiel zu bringen. So wurde er z.B. über<lb/>
die Filme gefragt und hat sofort gemeint, auch der Handelsminister<lb/>
wäre für die Filmförderung zuständig und er wird sicher Auskunft geben.<lb/>
Ich habe dort nicht im Zweifel gelassen, dass ich nur eine kommerzielle<lb/>
Filmförderung ins Auge fasse, denn für die kulturelle Seite sei der<lb/>
Unterrichtsminister zuständig, der bereits jetzt entsprechende Film<lb break="no"/>förderung betreibt. Interessant war für mich eigentlich nur die Frage<lb/>
der Gewerkschaftsjugend. Der Obmann dieser Organisation beschwerte sich,<lb/>
dass noch immer die Lehrberufe von der Gewerbeordnung abhängig seien<lb/>
und deshalb auch das Berufsausbildungsgesetz, welches nah jahrzehnte<lb break="no"/>langer Beratung vor etlichen Jahren beschlossen wurde, für sie sehr<lb/>
unbefriedigend ist. Da die Lehrberufe von der Gewerbeordnung abhängig<lb/>
sind, kann man immer wieder feststellen, dass noch immer wieder viele<lb/>
Lehrberufe es gibt, die vollkommen uninteressant sind und deshalb auch<lb/>
kaum einen Lehrling haben. Von den 303 Lehrberufen hatten im letzten Jahr<lb/>
67 überhaupt keinen Lehrling ausgebildet. 43 haben 1–5 Lehrlinge ausge<lb break="no"/>bildet und 27 haben nur 5–10 Lehrlinge ausgebildet. Man sieht also, das<lb/>
in Wirklichkeit ein Grossteil der Lehrberufe gar keine Lehrberufe sind.<lb/>
Ich habe zugesagt und möchte dies auch tatsächlich einhalten, dass ich<lb/>
bei der nächsten Sitzung des Beirates auf Grund des Berufsausbildungs<lb break="no"/>gesetzes anwesend sein werde, um über dieses Problem eine offene<lb/>
Aussprache zu führen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass aus diesem<lb/>
<pb n="08-1467" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-10_1467.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Beirat entsprechende gemeinsam Vorschläge zwischen den Handelskammer<lb break="no"/>vertretern und den Gewerkschaftsvertretern erarbeitet werden, die<lb/>
letzten Endes dann ihren Niederschlag – sei es in der Gewerbeordnung<lb/>
oder sei in einem neuen Berufsausbildungsgesetz – findet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diese Frage bei <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> deponieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_08">Dr. <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> vom Kuratorium für Verkehrssicherheit wollte als neuer<lb/>
Geschäftsführer sich erstens vorstellen und Zweitens nachdem ich ja<lb/>
dies immer gleich mit einer Arbeitssitzung verbinde, mir mitteilen, dass<lb/>
das Kuratorium grösste Bedenken hat, jetzt die Woche gegen den Alkohol<lb break="no"/>missbrauch am Steuer zu starten. Das Ergebnis ist nun ein Film, der<lb/>
in allen Fernsehanstalten Europas gesendet werden soll und ein Plakat.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> hat grösste Bedenken, so kurzfristig jetzt noch ein Plakat<lb/>
allein zu affichieren und einen Film <choice><choice><sic>in den</sic><corr>an das? im?</corr></choice></choice> Fernsehen zu senden, welche<lb/>
noch niemand gesehen hat. Ich erklärte ihm sofort, er möge sich mit<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> von uns ins Einvernehmen setzen, denn ich selbst habe mich<lb/>
nur verpflichtet, die Fernsehanhalt sowie alle anderen Minister zu<lb/>
ersuchen, dass dieser Film überhaupt gesendet wird. Wann und welcher<lb/>
Film es sein wird, bleibt natürlich den dafür zuständigen Stellen über<lb break="no"/>lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_09">Beim Schwerpunktprogramm ist er auch unserer Meinung, dass es unmög<lb break="no"/>lich ist, durch zwei Monate hindurch ein Programm wirklich durchzuziehen<lb/>
Da kann die Exekutive keinesfalls mitwirken, Er ist deshalb sehr ein<lb break="no"/>verstanden, dass wir nur 8 Tage einen wirklichen Exekutiveinsatz haben<lb/>
und während der anderen 7 Wochen eine neue Form gefunden werden muss.<lb/>
Vor allem meint er müsste es gelingen, alle Stellen, die dafür in<lb/>
Frage kommen und alle Institutionen, die sich mit Verkehrsfragen be<lb break="no"/>schäftigen, für dieses Schwerpunktprogramm Arbeit zu koordinieren.<lb/>
Er selbst wird mit seiner Institution entsprechend mitarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_10">Der wichtigste Punkt seiner Vorsprache war aber, dass Univ.Dozent<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114125">Knoflacher</rs>, der bei ihm im Kuratorium arbeitet und den wir bereits<lb/>
einige Male mit Freistellung vom Militär helfen konnten, die Chance hat,<lb/>
in Wien eine Lehrkanzel zu bekommen. Der derzeitige Inhaber beabsich<lb break="no"/>tigt Anfang nächsten Jahres nach Deutschland zu gehen. Ich habe des<lb break="no"/>halb <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> sofort versprochen, mit Minister <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> zu sprechen.<lb/>
Tatsächlich ist es gelungen, noch unmittelbar nach der Sitzung einen<lb/>
Termin zu vereinbaren und <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat uns zugesagt, alles zu unterneh<lb break="no"/>men, dass <rs type="person" ref="#per__114125">Knoflacher</rs> dieser Lehrstuhl bekommt. Damit würde gesichert<lb/>
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kann. Interessant ist die Bezahlung dieses Mannes vom Kuratorium.<lb/>
Da die entsprechenden Gehaltsschemata auch dort keine Möglichkeit<lb/>
geben, ihn befriedigend zu entlohnen, wird er durch Beteiligung<lb/>
an Projekten, die er mit anderen durchführt, er bekommt z.B. 25 %<lb/>
eines Projektes eigentlich als freier Mitarbeiter entlohnt. Daraus<lb/>
konnte ich entnehmen, dass wahrscheinlich nicht nur beim Staat und<lb/>
bei öffentlichen Körperschaften sondern heute schon auch bei allen<lb/>
anderen Institutionen irgendwelche krummen Touren und Wege gegangen<lb/>
werden, um Fachkräfte zu binden. Ich halte dieses verlogene System<lb/>
für erstens sehr gefährlich und zweitens auf die Dauer sicherlich<lb/>
nicht für haltbar. Ich glaube, es wäre höchste Zeit, wenn man sich<lb/>
aufschwingen könnte, eine wirklich normale und alle befriedigende<lb/>
oder einigermassen befriedigende Lösung zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-10_11">Beim Besuch des Bundespräsidenten, wo ich ihm über die Ergebnisse<lb/>
der Ungarnreise berichtete, teilte er mir mit, dass er grössten Wert<lb/>
darauf legen würde, wenn ich auch an dem Besuch in Frankreich teil<lb break="no"/>nehmen würde. Ich erklärte, dass ich natürlich diese Einladung zu<lb/>
schätzen weiss und mich darüber sehr freue, doch möchte ich dieses<lb/>
Problem mit dem Aussenminister besprechen. Ich erklärte zwar, dass<lb/>
mich mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und das darf ich mit ruhigem Gewissen<lb/>
sagen, freundschaftliche Beziehungen verbinden, doch glaubte ich<lb/>
es <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> schuldig zu sein, ihm von dieser Entwicklung Mittei<lb break="no"/>lung zu machen und vor allem seine Meinung einzuholen. Ich kann mit<lb/>
sehr gut vorstellen, dass in einer anderen Regierung ein Aussenminister<lb/>
über ein Mitglied, das ununterbrochen zu Staatsbesuchen mitfährt,<lb/>
empört ist, weil er darin eine Herabsetzung seiner Person sieht. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs>, mit dem ich über dieses Problem ganz offen gesprochen habe<lb/>
war aber – wie ich auch erwartete – ganz anderer Meinung. Er sagte,<lb/>
dass er sich sehr freut, wenn ich ebenfalls mitkomme und betrachtet<lb/>
dies nicht nur als einen Ausfluss der persönlichen Zuneigung des<lb/>
Bundespräsidenten zu mir, sondern er will damit auch dokumentieren,<lb/>
dass seine Staatsbesuche Arbeitsbesuche sind, wo wirklich über Probleme<lb/>
gesprochen wird. Wenn ich mir vorstelle, dass in der vorhergehenden<lb/>
Regierung <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> z.B. vom Präsidenten aufgefordert worden wäre,<lb/>
ebenfalls mitzukommen, dann hätte wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__137940">Toncic</rs> oder auch <rs type="person" ref="#per__114093">Wald<lb break="no"/>heim</rs> darüber nicht nur die Nase gerümpft, sondern sicherlich auch eine<lb/>
kleine Kabinettskrise veranlasst. Es ist nämlich in meinen Augen<lb/>
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Aussenminister an solchen Staatsbesuchen teilnimmt.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName type="label">Mayer, Ernst</persName>
               <persName><surname>Mayer</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>OB</occupation>
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               <persName type="label">Mitterer, Otto</persName>
               <persName><surname>Mitterer</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Mieling, Peter</persName>
               <persName><surname>Mieling</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>GD Shell</occupation>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <persName type="label">Steinocher, Karl</persName>
               <persName><surname>Steinocher</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>LH-Stv. Sbg., SPÖ</occupation>
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               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">Russbach, Georges</persName>
               <persName><surname>Russbach</surname><forename>Georges</forename></persName>
               <occupation>Mobil Oil</occupation>
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               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Lechner, Hans</persName>
               <persName><surname>Lechner</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>LH Sbg.</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Waldheim, Kurt</persName>
               <persName><surname>Waldheim</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>UNO-Generalsekretär</occupation>
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               <persName type="label">Tonci´c-Sorinj, Lujo</persName>
               <persName><surname>Tonci´c-Sorinj</surname><forename>Lujo</forename></persName>
               <occupation>ehem. Außenmin., ÖVP</occupation>
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               <persName type="label">Metzner, Herbert</persName>
               <persName><surname>Metzner</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>MR HM/VM (Ministerienneuorganisation 1974)</occupation>
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               <persName type="label">Knoflacher, Hermann</persName>
               <persName><surname>Knoflacher</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsplaner, Prof. TU Wien</occupation>
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               <persName type="label">Manhart, Peter</persName>
               <persName><surname>Manhart</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>Dir. Kuratorium f. Verkehrssicherheit</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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