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            <title type="main">Donnerstag, der  9. Dezember 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_01">Donnerstag, 9. Dezember 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_02">Der Klubvorstand hat beschlossen, dass im Parlament am Mittwoch<lb/>
die Preisdebatte von uns aggressiv geführt werden soll. Wir werden<lb/>
deshalb auch als Minister, die unmittelbar damit irgendwie zu<lb/>
tun haben, in die Debatte eingreifen. Sowohl <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> als auch<lb/>
ich wurden aufgefordert, uns entsprechend vorzubereiten. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
hat – wie er mir unter vier Augen mitteilte – ebenfalls eine<lb/>
schlechtes Gefühl und hat deshalb <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der ebenfalls jetzt<lb/>
sich nicht sehr glücklich fühlt, vorgeschlagen, man soll den Aus<lb break="no"/>gleichsrentenempfängern eine Zulage gewähren. Erhöht man die Aus<lb break="no"/>gleichsrente, die derzeit 1528.– S beträgt, um 10 S, so ergibt<lb/>
dies laut Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> 70 Mill. Mehrbelastung.<lb/>
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Gasministers <rs type="person" ref="#per__137889">Kortunow</rs> sehr interessiert. Er ist bereit, alle<lb/>
Kosten zu übernehmen, wenn nur das Handelsministerium und ins<lb break="no"/>besondere der Minister sich für den Gasminister bereithält.<lb/>
Da er auf alle Fälle entweder Freitag, Samstag, Sonntag oder<lb/>
Samstag, Sonntag, Montag, Dienstag kommen wird, ich aber am<lb/>
Freitag und Montag wegen Parlamentssitzungen mich nicht ihm widmen<lb/>
kann, wird sich das Programm insbesondere am Samstag, Sonntag<lb/>
den 17. u. 18.12. abspielen. Die ÖMV hat schon beabsichtigt, eine<lb/>
private Firma mit Hubschrauber zu chartern, damit er die Strecke<lb/>
wie gewünscht abfliegen kann. Dies würde weit über 100.000 S<lb/>
kosten. Ich vereinbarte mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, dass wir einen Gendarmerie-<lb/>
Hubschrauber bekommen, der maximal 20.000 S kosten wird. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
war damit sehr einverstanden. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat sogar noch <rs type="person" ref="#per__137941">Peterlunger</rs><lb/>
erklärt, dass dies für die Gendarmerie äusserst günstig ist und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137941">Peterlunger</rs> meinte sogar, man müsste gar nichts verrechnen, weil<lb/>
durch die Hubschaubereinsatz der Gendarmerie die Bewachung des<lb/>
russischen Ölministers wesentlich einfacher ist und damit viele<lb/>
Probleme der Bewachung und Sicherheit des Gastes wegfallen.<lb/>
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bereits in der Früh informiert und sie haben allerdings angenommen,<lb/>
dass ich davon nichts weiss. Ich hatte ihnen deshalb ebenfalls<lb/>
genau über die Verhandlungen in Brüssel einen Bericht gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_05">Als Endergebnis haben sie – wie ich erwartet habe – den Wunsch ge<lb break="no"/>äussert, dass <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> den Präsidenten eine Spezialinformation<lb/>
geben soll und deshalb einberufen werden sollte. Für Montag, 14 Uhr,<lb/>
wurde eine Besprechung im Parlament auf Präsidentenebene vereinbart.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_06">ANMERKUNG PUR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, den Saal im Parlament bestellen und vor<lb/>
allem die Präsidenten der Interessensvertretungen verständigen. Für<lb/>
16.00 Uhr dann die interministerielle Besprechung ins Parlament ein<lb break="no"/>laden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_07"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> haben grosse Bedenken, ob wir nicht doch den<lb/>
Japanern Zugeständnisse machen müssen für die Anwendung des Artikels<lb/>
XXXV, GATT. Da Botschafter <rs type="person" ref="#per__137943">Thomas</rs> aus Tokio derzeit auf Heimaturlaub<lb/>
ist, habe ich mit ihm eine Besprechung und er versicherte, dass ein<lb/>
weiterer Abbau der 58 Positionen, die noch nicht liberalisiert sind,<lb/>
im Jahre 1972 nicht nötig sein werden. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat nämlich mit den<lb/>
Japanern vereinbart, dass wir die Kontingente vereinzelt um 100 %<lb/>
erhöhen und dass auch andere Kontingente wesentlich erhöht werden.<lb/>
Damit sind die Japaner zufrieden und auch die BHK ist glücklich,<lb/>
dass wir nicht eine weitere Liberalisierung vornehmen. Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137943">Thomas</rs> hofft, dass es in den nächsten Jahren gelingen wird, wenn<lb/>
die Japaner eine gewisse Rezession in Amerika durch Einfuhrbeschrän<lb break="no"/>kungen zu spüren bekommen, den europäischen Markt doch mehr Augen<lb break="no"/>merk zuwenden müssen, bereit sein werden, eine Schutzklausel mit<lb/>
Österreich zu vereinbaren. Ich teile diese Meinung nicht, denn die<lb/>
Japaner haben mir dezidiert erklärt, dass sie auch nicht der<lb/>
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eine solche Schutzklausel<lb/>
zugestehen werden, d.h. auch wir Österreicher können nicht damit<lb/>
rechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_08">Direktor <rs type="person" ref="#per__137945">Manderla</rs> und der BRO <rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> von der Inzersdorfer wollten<lb/>
vom Handelsministerium wissen, wie sie die ca. 20 Mill. S, die sie<lb/>
investieren wollen, anlegen sollen. Derzeit hat die Inzersdorfer<lb/>
ca. einen Umsatz von 220 Mill. S, der sich in den letzten Jahren<lb/>
um ca. 10 % erhöht hat. 60 % davon entfällt auf Fleischkonserven<lb/>
35 % davon auf Obst- und Gemüsekonserven und nur 5 % auf Teigwaren.<lb/>
Die Teigwaren-Umsätze sind so uninteressant, dass sie mit der Ankerbrot<lb break="no"/>fabrik und dem grössten Teigwarenerzeuger Wolf versucht haben ein<lb/>
Arrangement, indem sie auf die Teigwarenproduktion kooperierend<lb/>
<pb n="08-1459" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-09_1459.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verzichtet hätten. Dieses Arrangement ist an Wolf gescheitert.<lb/>
Die Teigwarenindustrie und insbesondere auch die anderen Produktions<lb break="no"/>stätten wie Recheis und Fritsch sowie die EPA<add>[?]</add> in Innsbruck leiden<lb/>
ganz besonders an dem Preis für Hartweizengries. Direktor <rs type="person" ref="#per__137945">Manderla</rs><lb/>
war jetzt nur für Fleischkonserven zuständig, soll aber nach Ableben<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__137948">Petrusch</rs> auch jetzt für Obst und Gemüsekonserven zuständig werden<lb/>
Er wollte nun wissen, wie sich das Handelsministerium die weitere<lb/>
Politik auf diesem Sektor vorstellt. Die Bundesrepublik Deutschland<lb/>
hat durch ihre liberale Politik erreicht, dass 70 % heute der Im<lb break="no"/>porte in der BRD den ansässigen Konservenfirmen härteste Konkurrenz<lb/>
macht. Insbesondere ist die Obst- und Gemüsekonservenindustrie<lb/>
hart geschädigt worden. Aus Polen aber werden in der BRD jetzt sogar<lb/>
grosse Mengen von Fleischkonserven importiert. <rs type="person" ref="#per__137945">Manderla</rs> dürfte die<lb/>
Absicht gehabt haben, von mir irgendwelche Zusicherungen für einen<lb/>
Schutz in Zukunft zu erhalten. Er hat dies sehr geschickt aber in<lb/>
eine Frage gekleidet, wie er investieren soll. Er möchte 3,5 Mill.<lb/>
für einen Wohnblock für 74 Betten von Arbeitern aufwenden, die letzten<lb/>
Endes dazu dienen sollen, <choice><choice><sic>NÖ-er</sic><corr>Niederösterreicher</corr></choice></choice> nach Wien zu bringen. 8 Mill. muss<lb/>
er in Lager und insbesondere Expedit investieren. Für 11 Mill. möchte<lb/>
er ein Tiefkühlhaus für Fleischkonserven, um einen kontinuierlichen<lb/>
<choice><choice><sic>Autoglasen</sic><corr>?</corr></choice></choice> aufstellen zu können. Er wird von der Weissblechkonserve<lb/>
zur Alu-Aufreisskonserve übergehen. Vogl &amp; Noot hat deshalb eine<lb/>
eigene Maschinen angeschafft. <rs type="person" ref="#per__137945">Manderla</rs> sieht Möglichkeiten, dass<lb/>
in den Export diese Aufreissdose gut untergebracht werden kann.<lb/>
In Österreich ist er mit 85 % Brotaufstrichanteil marktbeherrschend.<lb/>
Da Weissblech importiert werden muss, Aluminium aber bei uns selbst<lb/>
erzeugt wird, sieht er darin eine grosse Leistung für die österreichi<lb break="no"/>sche Wirtschaft. Oetker hat sich von Inzersdorf wieder zurückgezogen.<lb/>
Der 10 %-ige Anteil wurde von Inzersdorf zurückgekauft. Die harte<lb/>
Konkurrenz besteht aber zwischen Felix, Mattersburg, und Scana.<lb/>
Matterburg hat nicht einen so günstigen Standortvorteil, wie man glaubt.<lb/>
Sie müssen auch in der Umgebung Wiens die Erbsen und Bohnen kaufen.<lb/>
Inzersdorf hat mit der Gemeinde Wien 35 ha Erbsen und 31 ha Bohnen<lb/>
abgeschlossen, Mit Dreher 60 ha Erbsen und 25 ha Bohnen. Felixdorf<lb/>
hat 35 ha Bohnen mit der Gemeinde Wien abgeschossen. Scana selbst<lb/>
kauft ebenfalls aus der Umgebung Wiens 150 ha Erben und 150 ha Bohnen.<lb/>
Der Vorteil dieser beiden Betriebe liegt nur darin, dass in der<lb/>
Vergangenheit mehr investiert haben und deshalb besser ausgerüstet<lb/>
d.h. moderner sind. <rs type="person" ref="#per__137945">Manderla</rs> ist einverstanden, dass alle Unterlagen,<lb/>
die wir von Inzersdorf brauchen, von ihm geliefert werden, damit er<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diese Informationen an <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> weiter<lb break="no"/>geben und eine diesbezügliche Studie sofort veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_10">Direktor <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs>, Metallwerk Plansee, und sein Direktor wollten<lb/>
über die weiteren Verhandlungen mit der EWG mit mir reden und vor<lb/>
allem ihre Stellungnahme deponieren. <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs> hat keine Angst<lb/>
vor der Integration, möchte aber nicht schlechter behandelt werden<lb/>
als sein französischer Konkurrent Firma <choice><choice><sic>Ussin Kollman</sic><corr>Usinor-Solmer?</corr></choice></choice>, die sich in<lb/>
der letzten Zeit mit Pechiney, einem grossen Chemiekonzern, zusammen<lb break="no"/>geschlossen haben, haben von Plansee scheinbar doch eine entsprechende<lb/>
Angst, denn die waren es, die erreicht haben, dass umschmelzende<lb/>
Metalle 81 01 bis 81 04 auf die sensible Liste gesetzt werden.<lb/>
In der Aufstellung, die mir vom Ministerium zur Verfügung gestellt<lb/>
wurde, ist die Ausfuhr mit 172 Mill. und die Einfuhr mit 120 Mill. S<lb/>
angegeben. Dies ergibt aber ein falsches Bild, wie mir <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs><lb/>
versicherte, da die Einfuhren sich ausschliesslich auf Rohstoffe für<lb/>
Treibach Wolfram erstreckt. Der Export dagegen beträgt von der<lb/>
im Profile Draht bei Wolfram ca. 20 % bei Molybdän ca. 40 % und<lb/>
Bei Tantal 10 %. Die Franzosen bemühen sich seit Jahrzehnten mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs>, d.h. dem Planseewerk in ein besseres Verhältnis zu<lb/>
kommen. Immer wieder bemühen sich neben anderen ausländischen Firmen<lb/>
insbesondere die Franzosen finanziell in dieses Werk einzudringen.<lb/>
Da ihnen dies bis jetzt nicht geglückt ist, versuchen sie auf diesem<lb/>
Weg jetzt die Konkurrenz und fast würde man sagen den europäischen<lb/>
Monopolbetrieb hart zu attackieren. Planseewerk hat derzeit<lb/>
1.600 Beschäftigte und entwickelt für diese Gegend eine einmalige<lb/>
Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeit. U.a. haben sie ein<lb/>
Kursprogramm, das sie mir zeigten, wo sie allen Beschäftigten freie<lb/>
Möglichkeit der Weiterbildung geben. Wenn einer z.B. im Sprachkurs<lb/>
seine Prüfungen macht, wird der Kursbeitrag von 1.000 S von der<lb/>
Firma übernommen. Die Firma hat in den letzten drei Jahren eine<lb/>
50 %-ige Steigerung des Umsatzes erreicht. Der Export beträgt der<lb break="no"/>zeit 90 % und mach 500 Mio. S aus. 40 % davon gehen in die EWG. Der<lb/>
Rückschlag der deutschen und insbesondere westeuropäischen und selbst<lb/>
der japanischen Industrie hat dazu geführt, daß sie von den 200 Gast<lb break="no"/>arbeitern 100 Gastarbeiter abgeben müßten. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> war sehr unglück<lb break="no"/><pb n="08-1461" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-12-09_1461.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lich, daß ich den <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs>-Leuten die Vorschläge der EWG-<lb/>
Kommission, nämlich vier Kategorien von sensiblen Gütern zu unter<lb break="no"/>scheiden, erzählte, <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> meinte, dies hätten wir nicht offi<lb break="no"/>ziell bekommen und es hätte bereits der Artikel von <rs type="person" ref="#per__97479">Graber</rs> in der<lb/>
Presse in Brüssel großes Unbehagen ausgelöst. Ich bin zwar nicht<lb/>
davon überzeugt, daß Brüssel wirklich deshalb sehr verärgert ist,<lb/>
aber es entspricht ja Reiterers Geheimpolitik, nichts immer weiter<lb/>
zu sagen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> meinte dagegen sehr richtig, man müßte doch die<lb/>
Firma über die Grundsätze der Politik der EWG informieren. <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarz<lb break="no"/>kopf</rs> wird nun bei seinen Abnehmern z. B. der Siemens in Deutschland<lb/>
intervenieren, damit man von dieser Seite versucht, die nötigen<lb/>
Schritte gegen die französische Absicht zu unternehmen. Er hofft,<lb/>
zwar daß es ihm gelingen wird noch andere Abnehmer gegen den franz.<lb/>
Plan Molybdän<add>[?]</add> und Wolfram auf die sensible Liste zu setzen, zu<lb/>
mobilisieren. Er wartet aber, daß wir uns doch bemühen, ihm aus<lb/>
diesem Dilemma herauszuhelfen. Er selbst gibt allerdings zu, daß<lb/>
er selbst wenn es nicht gelingen sollte, damit seine Abnehmer nicht<lb/>
schlechter gestellt werden als bis jetzt, daß aber die franz. Kon<lb break="no"/>kurrenz natürlich dann weiter ihren Vorteil auf dem europ. Markt<lb/>
ausbauen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_11">Die Aufwertung des Schillings, die 10 %ige Importabgabe von Amerika,<lb/>
die weitere Abwertung des Dollars, die Mehrwertsteuer die noch<lb/>
kommen wird und jetzt auch noch die Diskriminierung bei den EWG<lb/>
Arrangement vereinen ganze Palette von Maßnahmen, die ihn hart treffen<lb/>
Jede einzelne davon hätte er spielend überwinden könne. Selbst auch<lb/>
die jetzige Rezession der westeuropäischen Industrie, aber alle<lb/>
zusammen würden ihn doch einen schweren Schlag versetzen. Ich<lb/>
strich besonders hervor, daß <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> sich ja sehr bemühen wird<lb/>
in Brüssel, der die Verhandlungen führt, die Interessen der österr.<lb/>
Industrie zu wahren. <rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs> sagte, er sei dadurch sehr be<lb break="no"/>ruhigt. Bei dieser Gelegenheit erläuterte ich ihm, daß ich gleich<lb break="no"/>zeitig auf dem Standpunkt stehe, daß <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> als mein persönlicher<lb/>
Vertreter des Ministers überall auftritt und auftreten kann und<lb/>
daß eben durch die Arbeitsteilung bedingt entweder selbst zu Ver<lb break="no"/>handlungen gehe oder wenn ich nicht kann, dann eben mein Sektions<lb break="no"/>chef, der mich eben dann nicht überall hin begleiten kann, auftritt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125296">Schwarzkopf</rs> selbst sagte mir sofort, dies sei auch seine Methode<lb/>
und entspräche einer modernen Managementführung. Ich hoffe, daß<lb/>
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ich nicht immer den Sektionschef zu allen Auslandsreisen oder<lb/>
Besprechungen mitnehme, besonders wenn es zeitlich gar nicht<lb/>
möglich wäre und nur eine Repräsentationsangelegenheit ist.<lb/>
Vielleicht kann ich mit solchen Bemerkungen bei jeder Ge<lb break="no"/>legenheit <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> wieder neutraler oder uns wieder wohlge<lb break="no"/>fälliger stimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-12-09_12">Ich informierte die Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, über<lb/>
die Ergebnisse meiner Besprechung mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> waren über die Vorgangs<lb break="no"/>weise der Landwirtschaft einigermaßen empört. Insbesondere<lb/>
der Wunsch, hier eine Wirtschaftsordnung zu schaffen, die<lb/>
letzten Endes ja sozialistischen Zielsetzungen entsprechen<lb/>
würde, da die einhellige Ablehnung konnte beim Weggehen von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dann noch eine Bemerkung gegenüber <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> auf<lb break="no"/>schnappen, die ungefähr so gelautet hat "dies ist ein ein<lb break="no"/>maliger Skandal von diesen" nun folgte ein schweres Schimpf<lb break="no"/>wort. Diese Frage dürfte es noch zwischen den Bünden sowie<lb/>
in vielen anderen Fragen eine ungeheure Spannung und gegen<lb break="no"/>seitige Erbitterung geben. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ersuchte um eine Kopie des<lb/>
Briefes und ich habe ihn den selbstverständlich zugesagt und<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.12.1971</head>
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               <persName type="label">Leitner, Franz Helmut</persName>
               <persName><surname>Leitner</surname><forename>Franz Helmut</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter EWG</occupation>
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               <persName type="label">Kortunow, Alexei K.</persName>
               <persName><surname>Kortunow</surname><forename>Alexei K.</forename></persName>
               <occupation>sowj. Gasmin. bis 1972</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Thomas, Reginald</persName>
               <persName><surname>Thomas</surname><forename>Reginald</forename></persName>
               <occupation>Diplomat</occupation>
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               <persName type="label">Petrusch, Maximilian</persName>
               <persName><surname>Petrusch</surname><forename>Maximilian</forename></persName>
               <occupation>GD Fa. Inzersdorfer bis 1971</occupation>
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               <persName type="label">Minkowitsch, Roland</persName>
               <persName><surname>Minkowitsch</surname><forename>Roland</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bauernbund</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Peterlunger, Oswald</persName>
               <persName><surname>Peterlunger</surname><forename>Oswald</forename></persName>
               <occupation>GD f. öff. Sicherheit bis 1975</occupation>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Marsch, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <persName type="label">Graber, Karl</persName>
               <persName><surname>Graber</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Journalist "Die Presse"</occupation>
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               <persName type="label">Schuster, A</persName>
               <persName><surname>Schuster</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>BRO Fa. Inzersdorfer</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Marquet, Louis</persName>
               <persName><surname>Marquet</surname><forename>Louis</forename></persName>
               <occupation>IV</occupation>
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               <persName type="label">Schwarzkopf, Paul</persName>
               <persName><surname>Schwarzkopf</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Dir. Fa. Plansee, Reutte (Tirol)</occupation>
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