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            <title type="main">Mittwoch, der 24. November 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band08_1971-11-24</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_02">Die Vertreter der Tankstellen wollten eine Bestätigung, dass ihre<lb/>
Forderung von 5 Groschen an die Mineralölindustrie berechtigt ist.<lb/>
Die Industrie wurde von 50.– resp. 40 Groschen auf 20 Groschen<lb/>
reduziert, sodass sie glaubten, dass auch ihre Tankstellenprovision<lb/>
von 10 Groschen halbiert auf 5 Groschen berechtigt wäre. Diese<lb/>
5 Groschen würden 130 Mill. S ausmachen und sagten, das sei für die<lb/>
Erdölindustrie leicht zu tragen. Sie behaupten, dass die Provision<lb/>
von derzeit 22–85 Groschen geht, wurde von ihnen bestritten,<lb/>
die höchsten Eigenanlagen-Provisionen betragen 50–55 Groschen<lb/>
pro Liter. Da ich ihnen seinerzeit versprochen hatte, ihre For<lb break="no"/>derung anzuerkennen und zu unterstützen, glaubten sie nun, mich auf<lb/>
einen bestimmten Betrag festlegen zu können. Ich erklärte, die For<lb break="no"/>derung hätte ich unterstützt, denn die Mineralölindustrie hätte<lb/>
mit gutem Recht sagen können – was sie auch getan hat – dass<lb/>
keinerlei irgendwie geartete Erhöhungen der Tankstellenprovisionen<lb/>
möglich sei, da allein die Senkung des Bleigehaltes ca. 14–15<lb/>
Groschen Kosten verursacht von der Verteuerung des Rohöl und son<lb break="no"/>stigen Kosten ganz zu schweigen, ergibt sich also eine mindestens<lb/>
20 Groschen Benzinpreiserhöhung für sie. Ich hätte aber verlangt,<lb/>
dass unbedingt auch mit den 20 Groschen die Forderungen der Tank<lb break="no"/>stellen abgegolten werden müssten, allerdings hatte ich auch<lb/>
seinerzeit keine wie immer geartete Ziffer gesagt. Zum Schluss<lb/>
wollten die Vertreter nur die Garantie haben, dass das was ausge<lb break="no"/>macht wird, dann auch tatsächlich von den Mineralölfirmen einge<lb break="no"/>halten werden muss. Hier konnte ich umso leichter eine Zusage<lb/>
geben, als sich mit der Handelskammer gemeinsam für die Einhal<lb break="no"/>tung der Verträge sorgen werde, als ich überzeugt bin, dass die<lb/>
Vereinbarung ja auch von der Mineralölfirma auf alle Fälle ge<lb break="no"/>halten werden muss. <rs type="person" ref="#per__134294">Zajicek</rs> ist jetzt momentan für diese Arbeit<lb/>
vom Generalsekretär aus seiner Funktion als Syndikus des Handels<lb/>
abgestellt und hat mir versichert, dass sie tatsächlich<add>[Rest des Satzes fehlt, Anm.]</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_03">Der Mineralölhandel, <rs type="person" ref="#per__134875">Mayerhofer</rs>, sein Vize und Dr. <rs type="person" ref="#per__134959">Widhalm</rs> sowie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134294">Zajicek</rs> waren mit der Lösung einverstanden und wollten nur, dass<lb/>
ich jetzt bereits die Gebietseinteilung für die Transportabgabe<lb/>
für Gasöl ändere. Im Zuge dieses Verfahrens, wo es zu keiner<lb/>
Erhöhung des Dieselpreises gekommen ist, erklärte ich mich ausser<lb break="no"/>stande. Ich ersuchte aber <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, der anwesend war, mit dem<lb/>
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besseres System vielleicht zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_04">Bei Petroleum dürfte sie derzeit 4.04 S pro Liter verlangen und<lb/>
das Marktamt hat nun festgestellt, dass in einigen Geschäften<lb/>
4.10 S verlangt wird. Sie ersuchten, ob man nicht überhaupt die<lb/>
Preisregelung für Petroleum sistieren könnte, ich erklärte mich<lb/>
dazu bereit, wenn in der Paritätischen Kommission eine diesbezüg<lb break="no"/>liche Übereinstimmung mit der Landwirtschaftskammer erzielt wird.<lb/>
In diesem Fall würde Petroleum aus der Preisregelung herauskommen<lb/>
und die Paritätische Kommission hätte die weiteren Verhandlungen<lb/>
dann zu führen. Ohne Zustimmung der Landwirtschaft erklärte ich mich<lb/>
aber ausserstande, eine solche Massnahme zu setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_05">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134811">Benischek</rs> hatte seit Jahrzehnten dafür gekämpft, dass er<lb/>
ähnlich wie die juristischen Gewebereferenten die technischen<lb/>
Amtssachverständigen zur einer Besprechung zusammenbringen könnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97502">Habel</rs> hat ihm dies bis jetzt immer untersagt gehabt. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> aber<lb/>
hat nicht nur dafür vollstes Verständnis sondern steht auf dem<lb/>
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juristischen Gewerbereferenten viel dazu beigetragen hat, um<lb/>
das Gewerberecht einigermassen, ohne dass Richtlinien gegeben<lb/>
werden mussten, in den Bundesländern gleichmässig gehandhabt wird,<lb/>
er glaubt und ist davon überzeugt, dass auch die Amtssachverständigen<lb/>
durch Aussprachen auf einheitliche Stellungnahmen festgelegt werden<lb/>
können. Ich eröffnete deshalb diese erste Konferenz. <rs type="person" ref="#per__134811">Benischek</rs><lb/>
ist ein lieber und wahrscheinlich auch seinerzeit einmal ein<lb/>
tüchtiger Beamter gewesen, nur derzeit ist er hat vollkommen ver<lb break="no"/>altet und kann kaum mehr eine solche Korona leiten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
erzählte mir auch, er hätte dann viel länger an dieser Tagung<lb/>
teilgenommen und auch einige Male nicht nur das Wort ergriffen,<lb/>
sondern ich bin überzeugt davon, die Richtung für die weitere<lb/>
Tätigkeit und für die Zusammenkunft dieser Amtssachverständigen,<lb/>
die sich einmal im Jahr treffen wollen, gelenkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_06">Zur Regierungserklärung des Bundeskanzlers im Bundesrat bin<lb/>
ich deshalb später gekommen, aber ich habe zumindestens noch Gelegen<lb break="no"/>heit gehabt, die letzten 10 Minuten daran teilzunehmen. Da ich nun<lb/>
die nächste Sitzung im Parlament mit der Fraktion der E-Wirtschaft<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> abführen musste, habe ich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> bei ihm war und auch <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> noch mit ihm gesprochen<lb/>
hatte und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> auf dem Standpunkt steht, an Stelle jetzt 10 %<lb/>
für Mitte des nächsten Jahres zu geben und eine weitere Abwicklung<lb/>
des Verfahrens zu machen, er gemeint hat, bis zu 15 % könnte<lb/>
die Regierung, wenn damit das Strompreisproblem auf einige Zeit ge<lb break="no"/>regelt ist, die Preise erhöhen. Die Verhandlungen mit der Frak<lb break="no"/>tion waren deshalb äusserst schwierig. <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> hat natürlich an<lb break="no"/>genommen, dass die Regierung damit automatisch 15 % akzeptieren<lb/>
wird, obwohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mir gesagt hat, wir sollten uns nur bemühen,<lb/>
etwas weniger zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> wollte dieses Problem auch<lb/>
so schnell wie möglich erledigen und hat ihnen daher die 15 %<lb/>
mit 1. Juli angeboten. Ich betrachte diese Forderung aber nicht<lb/>
nur als überhöht sondern vor allem aber auch als optisch äusserst<lb/>
ungünstig, ich kämpfte deshalb um jeden Groschen. Dadurch kam es zu<lb/>
heftigen Auseinandersetzungen insbesondere zwischen <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> und<lb/>
mir. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat dann als Vermittlungsvorschlag gemeint, 13,5 %<lb/>
wäre das Maximum, das er sich auf Grund einer ganz geschickten<lb/>
Berechnung mit Lebenshaltungskostenindexsteigerung usw. errechnet<lb/>
hat. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> wollte unbedingt für die stromintensive Industrie<lb/>
eine entsprechend günstigere Regelung. Ich erklärte, dass man über<lb/>
dieser Problem doch erst sprechen kann, bis man sich über das<lb/>
generelle Ausmass der Preiserhöhungen geeinigt hat. Ausserdem<lb/>
versicherte ich <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, dass die Abnehmer sich mit den Lieferan<lb break="no"/>ten, d.h. in dem Fall die Landesgesellschaften soweit nicht die Ver<lb break="no"/>bund direkt beliefert, sicherlich wird noch im Einzelnen ausein<lb break="no"/>andersetzen und die werden schon eine Lösung finden. Da die<lb/>
Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund eine Belastung der Kon<lb break="no"/>sumenten zugunsten der Industrie ablehnt, müsste doch eben die<lb/>
E-Gesellschaft selbst mit ihren Stromabnehmern eine Lösung auf<lb/>
diesem Sektor finden. Die Anträge der E-Unternehmungen insbe<lb break="no"/>sondere der Landesgesellschaften bewegen sich so um die 20 %<lb/>
meistens sind sie sogar ein bisschen höher. Seriöse Prüfungen<lb/>
und Kalkulationsunterlagen würden allerdings ergeben, dass einzelne<lb/>
Landesgesellschaften überhaupt keinen Grund haben, selbst wenn<lb/>
der Verbund seine Preise erhöht, ihre Abnehmer mit einer Preis<lb break="no"/>erhöhung zu belasten. Dies gilt besonders für die westlichen Landes<lb break="no"/>gesellschaften. Wirklich pleite soll nur die Kelag sein, die<lb/>
sich mit ihrem Kraftwerk Ausser- und Innerfragant so verspekuliert<lb/>
haben. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> kam wieder mit derselben Argumentation wie bei<lb/>
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Ausmass von 500 Mill. sperren mussten und damit die Stromver<lb break="no"/>sorgung Wiens gefährdet ist. Er vergass nur dazuzusagen, dass<lb/>
selbst wenn wir den Antrag 100 %-ig erfüllen, den Wien bestellt hat<lb/>
damit keine kWh mehr in den nächsten 2 oder 3 Jahren zur Verfügung<lb/>
steht, denn solange dauert es, bis ein Kraftwerk zusätzlich errichtet<lb/>
wird. Er wollte mir doch nicht ernstlich klarmachen, dass also<lb/>
das jetzige neue Kraftwerk in der Lobau eingestellt werden würde.<lb/>
Bei der Produktion und dem Verkauf von Strom verdient nämlich<lb/>
die Gemeinde Wien auf alle Fälle, selbst zu den jetzigen, scheinbar<lb/>
unzulänglichen Preisen. Ich bin neugierig, wie diese Auseinander<lb break="no"/>setzung über den Strompreis enden wird, nachdem der zuständige<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> nicht nur bereit ist, sondern froh ist, wenn die<lb/>
15 % gemacht werden, der Gewerkschaftsbundpräsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sich<lb/>
bereits gebunden hat, obwohl <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> auf dem Standpunkt steht, dass<lb/>
dies eine exorbitante Erhöhung ist und diese nur zustande kam, weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ein so guter Kerl ist. Andererseits aber der zuständige Innen<lb break="no"/>minister mit guter Begründung meint, 13,5 % wären genug. Da die einzel<lb break="no"/>nen Stadtwerke auf das Tarifniveau der Landesgesellschaften gebracht<lb/>
werden wollen, wird ausser bei Innsbruck alle anderen Städte noch<lb/>
eine zusätzliche Belastung erfahren. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat ihnen dann noch<lb/>
an geboten, nicht am 1. Juli sondern bereits am 1.6. die Strompreis<lb break="no"/>erhöhung vorzunehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_07">Die offizielle Vorbesprechung mit Vertretern des Verbandes der<lb/>
Elektrizitätsunternehmungen war deshalb nur eine erste Fühlungsnahme.<lb/>
Bei dieser Aussprache zeigte sich aber klar und deutlich, dass<lb/>
das Argument, dass man <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> immer wieder sagt, wenn er ihnen<lb/>
nicht eine befriedigende Lösung bietet, würden sie zum Verwaltungs<lb break="no"/>gerichtshof gehen, in Wirklichkeit nur ein Schreckschuss ist.<lb/>
Der STEWEAG-Vertreter <rs type="person" ref="#per__114463">Altziebler</rs> hat zugegeben, dass 1967 ihr Alleingang<lb/>
zum Verwaltungsgerichtshof zwar 16 % ihnen gebracht hat, aber<lb/>
sie diesen Weg unter gar keinen Umständen mehr gehen wollten. Ich<lb/>
glaube ja, dass die Elektrizitätsunternehmungen durch eine rigorose<lb/>
Prüfungsandrohung ohne weiteres zu einem Kompromiss immer wird<lb/>
bereit finden. Ähnlich wie das bei der Mineralölfirmen der Fall ge<lb break="no"/>wesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_08">In der Fraktion des Integrationsausschusses erläuterte ich<lb/>
ganz kurz unsere Integrationspolitikabsichten. Im Inte<lb break="no"/>grationsausschuss selbst lag nur eine Vorlage über ein<lb/>
EFTA-Durchführungsgesetz, welches formell die Anpassungen vornahm. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs><lb/>
fragte deshalb an, ob ich bereit wäre, trotzdem über die<lb/>
Integration Auskunft zu geben, was ich sofort bejahte.<lb/>
Die anschliessende Diskussion, an der sich <rs type="person" ref="#per__97613">Karasek</rs>, <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> und <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> beteiligten, zeigte mir, dass die Opposition,<lb/>
obwohl sie sicherlich beste Beziehungen zu unserem Haus hat,<lb/>
wirklich schwache Punkte bei mir noch nicht herausgefunden hat.<lb/>
Sie hätten mich mit Einzelfragen sehr piesacken können, wenn<lb/>
sie die richtige gewusst hätten. <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> verstieg sich in<lb/>
eine Kombination, dass nämlich die Amerikaner Schwierigkeiten<lb/>
jetzt uns bei der EWG machen wollen, um sich über die China<lb break="no"/>frage zu rächen. Hier konnte ich selbstverständlich darauf hin<lb break="no"/>weisen, dass das Aussenministerium erstens dafür zuständig<lb/>
sei und ich zweitens aber überzeugt bin, dass eine amerikanische<lb/>
Intervention von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus<lb/>
erfolgte keinesfalls ein politisches Tauschgeschäft wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_09">Da im Parlament in einem Ausschuss nur über eine Regierungs<lb break="no"/>vorlage oder über einen Bericht debattiert werden kann,<lb/>
der Ausschuss selbst gar nicht irgendwelche Besprechungen<lb/>
über die laufenden Integrationsprobleme erreichen könnte, er<lb break="no"/>klärte ich mich wieder bereit, dass unmittelbar nach jeder<lb/>
Diskussion im Ausschuss über eine Regierungsvorlage oder<lb/>
einen Bericht sofort von mir ein weiterer Bericht von mir dem<lb/>
Haus zugeleitet wird, um so kontinuierlich eine Diskussion<lb/>
im Integrationsausschuss zu ermöglichen. Die Hauptschwierigkeit<lb/>
liegt ja nur darin, dass die Präsidialkonferenz dann wieder<lb/>
einen Sitzungstermin für den Integrationsausschuss bestimmen<lb/>
muss. <rs type="person" ref="#per__97613">Karasek</rs> und <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> meinten deshalb nach der Sitzung,<lb/>
ich könnte ja gegebenenfalls bei jeder Haussitzung einer<lb/>
Erklärung abgeben, über die dann im Hause debattiert werden<lb/>
könnte. Vor dieser Vorgangsweise warnte ich, denn dies würde<lb/>
bedeuten, dass in Brüssel man eine solcher Erklärung ein wesent<lb break="no"/>lich grösseres Augenmerk zuwenden würde, als eigentlich wir<lb/>
damit bezwecken, nämlich dass überhaupt über Integrationsfrage<lb/>
geredet werden kann. Über die interministerielle Kommission<lb/>
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ich habe sowohl <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> als auch die anderen ÖVP-Abgeordneten, die<lb/>
der Handelskammer nahestehen, darauf aufmerksam gemacht, dass sie<lb/>
ja dadurch über alle Details laufend und ausführlichst informiert<lb/>
sind. Wenn <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> jetzt sagt, dass die Vorschläge, die bereits<lb/>
schon mein Amtsvorgänger aber letzten Endes sogar Landwirtschafts<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> erstattet hat, um die Agrarprobleme in der EWG<lb/>
auch zu lösen, unzureichend sind, so erklärte ich ihm, dass er doch<lb/>
kaum einen anderen Weg weiss. Ich versicherte ihm, dass wir uns<lb/>
gemeinsam weiter bemühen, die Landwirtschaftsinteressen bestmöglich<lb/>
zu vertreten. Ich glaube, dass er mit dieser Vorgangsweise – der<lb/>
starken Einschaltung der Interessenvertretungen, die insbesondere<lb/>
noch in dem ständigen Kontaktkomitee jetzt seinen Niederschlag ge<lb break="no"/>funden hat – der Opposition wirklich jedwede Angriffsmöglichkeit<lb/>
genommen wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_10">Da im Zollausschuss als letzter Tagesordnungspunkt ein GATT-<lb/>
Abkommen behandelt wurde, bin ich auch noch schnell hinübergelaufen<lb/>
und wirklich gerade zum letzten Tagesordnungspunkt zurechtgekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_11">Anmerkung für die Schreiberin: Ich fürchte, ich habe beim Integra<lb break="no"/>tionsausschuss diktiert, dass es sich um ein GATT-Abkommen gehandelt<lb/>
hat, in Wirklichkeit war dies eine EFTA-Regierungsvorlage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_12">Über dieses GATT-Abkommen gab es im Finanzausschuss keine Diskussion<lb/>
es hat nur Abg. <rs type="person" ref="#per__138944">Stohs</rs> angefragt, warum dies so spät erst im Parlament<lb/>
behandelt wird. Ich gebrauchte rundwegs heraus die Ausrede, dass<lb/>
eben das Parlament in der vorhergehenden Legislaturperiode nicht<lb/>
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Abkommen dem Ausschuss vorlegen konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_13">Durch eine Information von <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, dem ich dafür sehr zu Dank ver<lb break="no"/>pflichtet bin, wurde ich darauf aufmerksam, dass bei <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> ein<lb/>
Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__137904">Habermann</rs> über ein Ost-West-Haus liegt, in dem<lb/>
ich als Präsident des Aufsichtsrates vorgesehen bin. Dieser<lb/>
Vorschlag wird nun im BKA weiter behandelt und <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs>, den ich<lb/>
fragte, hat überhaupt keine Ahnung davon gehabt. <rs type="person" ref="#per__123329">Preglau</rs> bearbeitet<lb/>
den Akt und ich ersuchte, dass man unter allen Umständen festhält,<lb/>
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wäre, den Posten des Präsidenten des Aufsichtsrates anzunehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> soll angeblich als Geschäftsführer, d.h. als geschäfts<lb break="no"/>führender Vorstand vorgesehen sein. <rs type="person" ref="#per__137904">Habermann</rs> dürfte hier von folgender<lb/>
Überlegung ausgehen: Wenn er – und ich nehme an, diese hochdotierten<lb/>
Posten dem Minister resp. Bürgermeister anbietet, dann werden sich<lb/>
diese dafür einsetzen, dass es tatsächlich nicht nur zu diesem<lb/>
Projekt kommt, sondern dass auch die finanziellen Unterstützungen<lb/>
gesichert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich glaube, dass in diesem konkreten<lb/>
Fall sich zeigt, wie Projekte mit Personen verbunden werden, die da<lb break="no"/>von überhaupt nichts wissen. Der Projektant war zwar zweimal bei mir<lb/>
und ich habe ihm immer nur ideelle Unterstützung zugesagt und jetzt<lb/>
stellt sich heraus, dass er sehr schlau einfädeln will, dass wir,<lb/>
insbesondere ich mich durch die Aufsichtsratsfunktion binde.<lb/>
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hat mich angerufen und mitgeteilt, dass der Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139463">Schmidt</rs><add>[alternativ Anton Schmid; Anm.]</add>,<lb/>
der ehemalige Leiter der Abteilung 9, seinen Aufsichtsratsposten<lb/>
in Austroplan zur Verfügung stellt. Ich weiss nicht, ob er von<lb/>
Austroplan vorgesehen war, ihn abzuberufen oder ob er wirklich<lb/>
selbst darauf verzichtet hat. Auf alle Fälle hat <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> gemeint,<lb/>
er selbst möchte sich für diese Funktion vorschlagen. Ich kann<lb/>
nicht unterscheiden, ob es sich her um eine Überrumpelungstaktik<lb/>
oder wirklich nur ein Kurzverfahren handelt sollte. Auf alle<lb/>
Fälle erklärte ich sofort, dass ich doch zuerst wissen möchte,<lb/>
das Austroplan beabsichtigt, resp. wie die Gestion dieser Firma<lb/>
in Hinkunft sein wird, bevor ein Ministerialvertreter in eine<lb/>
Funktion eines wie ich glaube schon überholten Projektes einrückt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> machte mich anschliessend darauf aufmerksam, dass ja die Absicht<lb/>
bestanden hat, Austroplan überhaupt dahingehend zu reformieren,<lb/>
dass sich die öffentliche Hand so weit wie möglich herausziehen<lb/>
soll. In diesem Fall wird er mir den diesbezüglichen Akt noch aus<lb break="no"/>heben und wir werden dann hoffentlich eine sachliche Begründung<lb/>
haben, wenn wir den Wunsch <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterers</rs>, in den Aufsichtsrat kommen<lb/>
verhindern. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> hat allerdings erklärt, dass mit dieser<lb/>
Funktion keine finanziellen Zuwendungen verbunden sind. Ich bin<lb/>
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Sitzungsgelder in einem erklecklichen Ausmass gegeben werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Vielleicht könnte man dies ganz vertraulich,<lb/>
ohne dass <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> es weiss, eruieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_17">Die österr.-polnische Gesellschaft hat zu ihrer 25-jährigen Jubi<lb break="no"/>läumstagung mich auch zu einem Referat eingeladen. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs>, der Ehren<lb break="no"/>vorsitzende dieser Gesellschaft hat präsidiert und wir haben zuerst<lb/>
und bei <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> in seinem Zimmer getroffen. Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__131763">Pschorn</rs><lb/>
und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> waren ebenfalls anwesend. Von der Gesellschaft<lb/>
beauftragt Werbeagentur hat nun an die Zeitungen und den Rund<lb break="no"/>funk und das Fernsehen eine Mitteilung hinausgegeben, dass sie<lb/>
vom Ministerbüro erfahren hat, dass eine sensationelle bedeutende<lb/>
Erklärung von mir abgegeben wird. Diese unfaire Vorgangsweise sollte<lb/>
dazu führen, dass mehr Leute zu dieser Veranstaltung kommen.<lb/>
Trotz der Bedenken von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> habe ich dann in meiner Einleitung<lb/>
natürlich darauf hingewiesen, dass ich annehme, dass die Besucher<lb/>
doch wegen der 25-jährigen Feier und nicht wegen einer Falsch<lb break="no"/>meldung, dass heute Sensationsmeldungen hier abgegeben werden,<lb/>
gekommen sind. Ich führte aus, dass zwischen dem polnischen<lb/>
und österreichischen Staat so gute Beziehungen herrschen, dass<lb/>
man Sensationserklärungen gar nicht abgeben könnte, selbst wenn<lb/>
man es wollte. Ich glaube kaum, dass dort irgendjemand deswegen<lb/>
beleidigt war und ich habe doch eine Vorgangsweise richtiggestellt,<lb/>
die man beim besten Willen nicht einreissen lassen darf. Da der<lb/>
Handelsrat der polnischen Botschaft nur ca. 7 Minuten sprach,<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> mich ersucht, dass ich doch erst zum Schluss das Wort neh<lb break="no"/>men sollte. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> hat dann zusammengefasst und gemeint, er gratu<lb break="no"/>liert uns, wenn es jetzt endlich dazu kommt, dass eine Vereinbarung<lb/>
mit Brüssel zustandekommt. Über die Liberalisierung, die wir jetzt<lb/>
gerade mit dem Osten im neuen System vereinbaren, meinte<lb/>
er, dass er als er sein Geschäft damals als Minister begonnen<lb/>
hat, ebenfalls für die Liberalisierung eingetreten ist und<lb/>
dass man ihm immer versichert hat, das ist eine gute Sache,<lb/>
nur der Betreffende, der bei ihm gerade war, wollte ausgenommen<lb/>
werden. Dieses Problem ist mir in meiner vorhergehenden Funktion<lb/>
als Kammeramtsdirektor und Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen<lb/>
ebenfalls bekannt, denn auch dort sind die Betriebsräte meistens<lb/>
von den Unternehmern geschickt, gekommen und habe sich für eine<lb/>
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nicht auf ihrem Sektor. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> und <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> versuchen bei solchen<lb/>
Aussprachen immer ein sehr gutes Verhältnis mit mir zu zeigen und<lb/>
ich habe dafür eigentlich keine richtige Erklärung. Bei <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> kann<lb/>
es möglich sein, dass er Angst hat, dass er als Präsident der CA<lb/>
abberufen würde und deshalb jetzt ein gutes Einvernehmen dokumen<lb break="no"/>tieren will. Vielleicht bin ich ihnen aber wirklich menschlich<lb/>
einigermassen sympathisch und ist dies eine Erklärung. Vielleicht<lb/>
kann man wirklich mit dem Wiener Schmäh selbst Gegner dazu bringen,<lb/>
dass sie einem wohlwollend gegenübertreten. Zumindestens dem<lb/>
Äusseren nach.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-11-24_18">Beim Abendessen des Bundespräsidenten für die italienische Reise<lb break="no"/>gesellschaft und die Gesandtschaft erzählte mir <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>,<lb/>
dass er mit dem chinesischen Botschafter Besprechungen geführt hat.<lb/>
China selbst ist über den Auftrag von Taiwan an die VÖEST bezüg<lb break="no"/>lich des Stahlwekres informiert und hat auch angefragt, ob die<lb/>
Regierung hier Unterstützungen gewährt. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> musste ihm<lb/>
auseinandersetzen, dass bei uns auf die verstaatlichten Betriebe<lb/>
wie Privatbetriebe behandelt werden und in ihrer Gestion voll<lb break="no"/>kommen unabhängig sind. Der Botschafter hat zu erkennen gegeben,<lb/>
dass sie die Wirtschaftsbeziehungen, die derzeit zwischen der<lb/>
Bundeskammer und chinesischen Stellen wahrgenommen werden, in Hin<lb break="no"/>kunft auf eine staatliche Basis stellen wollen. Er hat meinem<lb/>
Vorschlag, dem ich ihm bei der Grazer Messe gemacht habe, nämlich<lb/>
dass es ganz im chinesischen Belieben liegt, ob wir und wie<lb/>
wir offiziell oder inoffiziell unsere ersten Besprechungen wegen<lb/>
eines Handelsvertrages aufbauen nach Peking gegeben. Er hofft, wie<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ausdrückt, dass ich sehr bald nach China reisen<lb/>
werde, auch der Aussenminister wurde von ihm eingeladen, doch<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sich sehr zurückgehalten. Ich selbst bin Gott<lb/>
sei Dank noch nicht persönlich eingeladen worden und musste mich<lb/>
dem Botschafter gegenüber auch noch nicht entscheiden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 24.11.1971</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>[Autor einer Studie über das internationale Haus (?) in Wien; offenbar
                  in/aus Düsseldorf; 24.11.1971 erneut erwähnt, hier von Ost-West-Haus die Rede; JS
                  habe ihn zweimal getroffen, aber höchstens ideelle Unterstützung
                  zugesagt]</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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