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            <title type="main">Freitag, der 29. Oktober 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_01">Freitag, 29. Oktober 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_02">In der Fraktionssitzung der Gewerkschaft der Lebens- und<lb/>
Genussmittelarbeiter setzte ich unseren Genossinnen und Genossen<lb/>
auseinander, dass die Gefahr für diese Regierung nicht vom ÖAAB,<lb/>
sondern von der KPÖ kommen könnte. Die Arbeiterschaft, die nach<lb/>
wie vor der Stock unserer Organisation und unserer Wähler sind, könn<lb break="no"/>ten durch eine allzu schlechte Regierungspolitik, wo die Stand<lb break="no"/>ortbezeichnung rechts nicht sehr glücklich ist, nach links abge<lb break="no"/>trieben werden. Die KPÖ hätte dann die grosse Chance, bei den<lb/>
Betriebsratswahlen und auch bei den kommenden Landtagswahlen<lb/>
und Gemeindewahlen Stimmenzuwachs zu bekommen. Derzeit ist die<lb/>
KP für uns keine Gefahr, weil sie erstens aufgespalten ist und<lb/>
zweitens eine strebende Organisation. Die wirklich Apparatschiki<lb/>
und fanatischen KP-ler, aber auch die Genossen, die 1934 zur KP<lb/>
abgewandert sind und bisher diese nicht verlassen haben, sterben<lb/>
schön langsam aus. Der Jugend hat die KP kaum Chance, Nachwuchs<lb/>
zu bekommen. Wenn es daher uns gelingt, die Arbeiterschaft zu halten,<lb/>
dann wird die KP kaum stärker werden. Der Zuwachs der KP um 17.000<lb/>
Stimmen bei den letzten Wahlen und damit einer Summe von fast<lb/>
60.000 ist uninteressant. Dies waren Wähler, die bisher immer schon<lb/>
Kommunisten gewesen sind und nur jetzt wieder, weil sie der<lb/>
KP eine Chance gegeben haben, diese gewählt haben. 1966 und vor<lb/>
allem im März 1970 haben sie auch Verzweiflung, dass es doch eine<lb/>
weggeworfene Stimme wäre, vielleicht kommunistisch gewählt. Richtig<lb/>
ist, dass wie <rs type="person" ref="#per__97356">Charly Blecha</rs> errechnet hat, wahrscheinlich die<lb/>
Hälfte der Verluste die die Sozialistische Partei erlitten hat,<lb/>
von den KP abgewanderten Simmen herrührt. In Wien hat die KP 5.000<lb/>
Stimmen dazugewonnen und damit 23.000 erreicht. Wenn sie bei den<lb/>
nächsten Wahlen wieder 10 % stärker würde, dann hätte sie ein<lb/>
Grundmandat in Wien und damit automatisch, nachdem die Reststimmen<lb break="no"/>mandate billiger werden, ein mindestens zweites, wenn nicht sogar<lb/>
ein drittes. Dies ist allerdings noch lange hin und die Gefahr, oder<lb/>
besser gesagt, die Tendenz und den Trend werden wir ja bereits bei<lb/>
den Betriebsratswahlen sehen. Der ÖAAB will uns links überholen,<lb/>
da wird er aber innerhalb der ÖVP auf Widerstand stossen. Ein typi<lb break="no"/>sches Beispiel ist das Verhältnis zwischen <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> und der HK.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> die Frauenführerin der ÖVP in Wien, hat mich wegen<lb/>
der Koksankündigung angeschossen und die Handelskammer musste<lb/>
auf Intervention des <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> dann eine Richtigstellung herausgeben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat nämlich angedroht, dass wir jetzt verpflichtet wären,<lb/>
obwohl ich mich bei der Aussprache mit den Kohlehändlern verpflichtet<lb/>
habe, keine konkreten Meldungen der Presse zu geben, dass wir<lb/>
dieses jetzt auf Grund der Angriffe der Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs>, die frägt,<lb/>
wo man den billigen Koks bekommen kann und ob ein billiger Koks<lb/>
kommt, Einzelheiten bekanntgeben müssen. In diesem Fall hat die<lb/>
Handelskammer es vorgezogen, ihre eigene Angestellte, Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubi<lb break="no"/>nek</rs> ist nämlich bei der Kaufmannschaft beschäftigt, zu desavouieren.<lb/>
Man muss sich nur vorstellen, wenn so etwas in der SPÖ bei den<lb/>
Frauen von der Arbeiterkammer oder vom ÖGB <choice><choice><sic>zurückrechtgewiesen</sic><corr>zurückgewiesen/zurechtgewiesen?</corr></choice></choice><lb/>
werden. Solange die ÖVP in sich diese Probleme abstimmen muss,<lb/>
solange kann sie als Oppositionspartei gar nicht richtig in Er<lb break="no"/>scheinung treten und vor allem kann uns der ÖAAB kaum links über<lb break="no"/>holen und dabei noch glaubwürdig sein. Die Stärke unserer Partei<lb/>
war und ist wahrscheinlich auch in Zukunft, dass wir die Arbeiter<lb/>
und Angestellten und Kleine-Leute-Politik an die Spitze unserer<lb/>
Programme stellen und stellen müssen und dass wir dann darüber hinaus<lb/>
die anderen Wirtschaftsgruppen dieser Politik mehr oder minder an<lb break="no"/>passen müssen. Da die breite Masse auch letzten Endes als Konsumenten<lb/>
angesprochen werden können und vorn uns in den vergangenen Jahr<lb break="no"/>zehnten immer angesprochen wurden, haben wir eine glaubwürdige und<lb/>
in sich beschlossene Politik machen können. Ich glaube, dass wir<lb/>
daran unbedingt festhalten müssen. Aufgabe von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> z.B. auf dem<lb/>
Sektor der Landwirtschaft oder von mir am Sektor von Handel, Gewerbe<lb/>
und Industrie kann es nur sein, diese Gruppen zu neutralisieren und<lb/>
zu befrieden. Der grösste Fehler wäre, wenn wir uns einbilden könnten,<lb/>
für diese Gruppen eine ausgesprochene Gruppenpolitik machen zu können<lb/>
oder zu sollen, dies würde man uns erstens einmal selbst in diesen<lb/>
Gruppen nicht glauben und zweitens würde man unsere Stammwähler und<lb/>
unsere Kaderorganisation, d.h. die Partei und deren Funktionäre nur<lb/>
vor den Kopf stossen. Am meisten aber würde der ÖGB und die soz.<lb/>
Fraktion eine solche Politik nicht verstehen. In der Gesamtvorstands<lb break="no"/>sitzung wies ich dann natürlich auf die Überparteilichkeit unserer<lb/>
Organisation im besonderen hin und bekräftigte, dass wir so wie in<lb/>
der Koalitionsregierung und in der monochromen ÖVP-Regierung auch jetzt<lb/>
in der monochromen soz. Regierung natürlich unsere Lohn- und Kollek<lb break="no"/>tivvertragspolitik fortsetzen werden. Wir haben und werden niemals<lb/>
Rücksicht nehmen auf irgendwelche politischen Gesichtspunkte, sei<lb/>
<pb n="08-1270" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-10-29_1270.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>es der Bundesregierung oder sei es einer anderen Organisation,<lb/>
sondern werden uns ausschliesslich nach den Bedürfnissen und den<lb/>
wirtschaftlichen Gegebenheiten für unsere Kollegen anzusetzen haben.<lb/>
Während es bei meinem Referat in der Fraktion eine Diskussion ge<lb break="no"/>geben hat, wurde von den anderen Fraktionen, die allerdings bei uns<lb/>
kaum eine Rolle spielen in der Gesamtvorstandssitzung mein<lb/>
Bericht ohne Diskussion zur Kenntnis genommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_04">Voriges Jahr hatte ich keine Zeit und auch keinerlei Lust, am Weltspar<lb break="no"/>tag die Banken und Sparkassen zu besuchen. Heuer wurde ich neuer<lb break="no"/>dings dazu eingeladen und wollte zuerst nicht, da ich einen Fried<lb break="no"/>hofsbesuch vorgesehen hatte. Dann habe ich dieses Volksfest<lb/>
aber doch mitgemacht. Ich glaube wirklich, dass es sich hier um ein<lb/>
Volksfest handelt, denn ich hatte wahrlich nicht erwartet, dass<lb/>
ein solcher Andrang zu verzeichnen sein wird. Psychologisch kann<lb/>
ich mir das nur so erklären, dass die Bevölkerung, d.h. der Einleger<lb/>
in diesem Fall ein kleines Geschenk bekommt und die Kinder aber<lb/>
auch die Erwachsenen sicherlich in mehreren Kreditinstituten Einlagen<lb/>
tätigen. Sowohl die Länderbank als auch die Postparkasse ersuchten<lb/>
mich, ich solle eine Einlage tätigen und stellten mir selbstver<lb break="no"/>ständlich den Betrag zur Verfügung. In der Länderbank waren <choice><choice><sic>ein</sic><corr>es?</corr></choice></choice><lb/>
2.000 S, die für die Forschungsförderung verwendet werden soll<lb break="no"/>ten, in der Postsparkasse waren es 600.- S, ohne Zweckangabe. In beiden<lb/>
Fällen ersuchte ich und niemand konnte natürlich dagegen Einspruch er<lb break="no"/>heben, ich möchte dieses Geld lieber dem Betriebsrat für soziale<lb/>
Zwecke zur Verfügung stellen und das natürlich akzeptiert werden<lb/>
musste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_05">In der Bawag traf ich <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> bei Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__118662">Klenner</rs>, dieser meinte, er<lb/>
möge doch für das Preistreibereigesetz nicht nur eine Verlängerung<lb/>
auf ein Jahr im Ministerrat einbringen sondern doch die Änderungen,<lb/>
die er letztes Mal vornehmen wollte, diesmal wieder in seine Re<lb break="no"/>gierungsvorlage aufnehmen. Ich weiss nicht, ob es zielführend ist,<lb/>
wenn wir an Stelle einer kurzfristigen Verlängerung der derzeit be<lb break="no"/>stehenden Gesetzte vereinzelt versuchen, jetzt entsprechende Ver<lb break="no"/>besserungen durchzuführen. Auf der einen Seite erwartet natürlich die<lb/>
Bevölkerung, nicht zuletzt durch die Ankündigung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im Wahl<lb break="no"/>kampf bedingt, dass wir ein gutes Preisregelungsgesetz zumindests<lb/>
dem Nationalrat vorlegen werden. Auf der anderen Seite aber ist<lb/>
die Preisregelung eine Verfassungsbestimmung und bedeutet, dass<lb/>
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eine Mehrheit dafür zu kriegen. Die Bundeshandelskammer hat durch<lb/>
ihren Beschluss gegen unbotmässige Unternehmungen gegebenenfalls<lb/>
den § 3 a anwenden zu lassen, bei den Verhandlungen ein grosses<lb/>
Plus, dass sie nämlich erklärt, man hat es ja nicht einmal bei einem<lb/>
Produkt versucht. Meine diesbezüglichen Recherchen in der Arbei<lb break="no"/>terkammer und im ÖGB haben ergeben, dass <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> mir erklärte,<lb/>
er hätte bis jetzt noch niemals die Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> bekommen,<lb/>
ein Produkt dem § 3 a zu unterwerfen. Da es sich nach dem Gesetz<lb/>
aber um ein marktbeherrschendes Unternehmen oder um eine ganze<lb/>
Branche handelt, ist es wahrscheinlich gar nicht so einfach,<lb/>
ein rechtlich einwandfreies Produkt zu finden. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> wird jetzt<lb/>
versuchen, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> für die Autos zu gewinnen. Die Arbeiterkammer hat<lb/>
überhaupt noch keinerlei Initiative entwickelt, weil sie schein<lb break="no"/>bar mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> darüber nicht in einen Streit geraten will. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitsch<lb break="no"/>ka</rs> erzählte mir, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sowieso wegen eines Beschlusses des<lb/>
Beirates, wonach dieser in Hinkunft ohne einen Auftrag<lb/>
von den Präsidenten über gewisse Probleme Gutachten und Vorschläge<lb/>
ausarbeiten will, sehr verärgert ist. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ist heute mehr denn<lb/>
je der starke Mann innerhalb der Arbeiterbewegung und deshalb<lb/>
traut sich und soll auch gar nicht die Arbeiterkammer auch<lb/>
nur im entferntesten gegen Intentionen von ihm entscheiden.<lb/>
Seine Intention dürfte nach wie vor, unter allen Umständen die<lb/>
Einstimmigkeit und die Sozialpartner- und Wirtschaftspartnerschaft<lb/>
aufrecht zu erhalten. Da die Handelskammer nach wie vor erklärt,<lb/>
dass sie mit jedem Vorschlag einverstanden ist, solange er auf<lb/>
der Einstimmigkeit der Sozial- oder Wirtschaftspartner beruht,<lb/>
werden wir kaum in der Frage der Preisregelung wesentlich weiter<lb/>
kommen. Ich werde deshalb versuchen, wenn die grosse Kompetenz mir<lb/>
dazu die Möglichkeit gibt, im vorparlamentarischen Raum mit<lb/>
der Handelskammer – so wie ich dies im Vorjahr getan habe – zu<lb/>
einer Lösung zu kommen. Sicher ist andererseits, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
keinesfalls wird erstens solange warten wollen und zweitens<lb/>
er nicht wird Verständnis dafür aufbringen, dass ich noch immer<lb/>
mit der Handelskammer hier einvernehmlich vorgehen will. Wenn<lb/>
er daher auf diesem Standpunkt beharrt, dann ist es vielleicht<lb/>
besser, wenn jetzt noch die einzelnen Ministerien und die dafür<lb/>
zuständigen Minister Regierungsvorlagen ausarbeiten, die seinen<lb/>
Intentionen Rechnung tragen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> vorgeschlagen, dass<lb/>
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Problem eingehend erörtern sollen. Dort müsste sich ja <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
eingehend entweder für die weiteren Koordinationsversuche meiner<lb break="no"/>seits mit der Bundeshandelskammer oder für das Einbringen der<lb/>
Preisgesetze durch die dafür zuständigen Ministerien, die nicht<lb/>
nur eine Verlängerung sondern in dem Fall auch eine wesentliche<lb/>
materielle Änderung versehen, entscheiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_06">In der Zentralsparkasse war eine Druckerpresse ausgestellt und<lb/>
ich konnte natürlich nicht die Gelegenheit vorübergehen lassen,<lb/>
um meinen jetzt 30 Jahre nicht mehr ausgeübten Beruf zu frönen.<lb/>
Ich glaube, niemand von den Anwesenden hat angenommen, dass ich<lb/>
wirklich einen Druck noch machen könnte. Ich war selbst ein bisschen<lb/>
erstaunt, als er mir so gut gelungen ist. Ich habe in jedem<lb/>
Institut ein Geschenk bekommen und es tat mir leid, dass wir nicht<lb/>
schon im Vorjahr daran teilnahmen, denn dadurch hätte sich und<lb/>
hat sich heuer vor allem unser Weihnachtsbazar wesentlich ange<lb break="no"/>reichert.<lb/>
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hatte, wo insbesondere der NR-Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__98016">Tonn</rs> und der zweite<lb/>
Präsident des Landtages <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs> mich ersucht, ich sollte unbedingt<lb/>
daran teilnehmen, so konnten wir ein Abendessen mit den Botschaftern<lb/>
der EWG-Staaten nicht durchführen, sondern konnten nur einen Tee<lb/>
im Pallavicini veranstalten. Da ich für die EWG-Verhandlungen noch<lb/>
immer ausschliesslich zuständig bin, musste ich diese Einladung<lb/>
machen, obwohl das Aussenamt die gesamte Durchführung hatte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> hat also mit den entsprechenden Botschaftern gesprochen<lb/>
und ich glaube kaum, dass <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> auch nur einen bescheidenen Ein<lb break="no"/>fluss darauf genommen hat. Auf der einen Seite ist es ja meiner<lb/>
Meinung nach nur zu natürlich, dass man die Botschafter, die<lb/>
ja ausschliesslich mit dem Aussenamt verkehren von diesen auch<lb/>
einladen lässt, aber es würde mich doch interessiere, ob <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
unter früheren Ministern hier aktiver gewesen ist, oder ob es<lb/>
nicht doch auch immer das Aussenamt war, welches die Beziehungen<lb/>
zu den Botschaften aufrecht erhalten hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_08">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>: Bitte vielleicht kann man dies gelegentlich<lb/>
über <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> erfahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_09">Da die Strassen hoffnungslos verstopft waren, bin ich vom Schwarzen<lb break="no"/>bergplatz zu Fuss gelaufen zu Fuss gelaufen, sonst wäre ich noch<lb/>
als Gastgeber zu spät gekommen. So traf ich Punkt halb den Aussen<lb break="no"/>minister und <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> auf der Stiege. <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> erklärte sofort,<lb/>
er hätte eine Papier vorbereitet, das man den Botschaftern geben<lb/>
könnte und ich ersuchte natürlich, dass ich es vorher lesen kann.<lb/>
Auch hier hat <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> die Initiative scheinbar vollkommen <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs><lb/>
überlassen, denn er meinte nur später, dieses Papier sei mit ihm ab<lb break="no"/>gestimmt gewesen. Der franz. Botschafter liess sich durch den Ge<lb break="no"/>schäftsträger vertreten, ebenso der niederländische. Den luxem<lb break="no"/>burgischen hatten wir gar nicht eingeladen, hier handelt es sich<lb/>
ja nur um den Honorarkonsul Dr. <rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> von Österreich. Am nächsten<lb/>
Tag traf ich aber Dr. <rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs>, der über die Aussprache sich sehr<lb/>
informiert zeigte. Hier war ich wieder froh, dass nicht wir die<lb/>
Einladung ausgesprochen hatten, denn leicht wäre er sonst ein<lb/>
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Gegner vom Beitritt zur EWG und hat auch gegenüber den jetzigen<lb/>
Verhandlungen ein sehr reserviertes Verhalten an den Tag gelegt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> meint nämlich, dass wenn man heute in der Industriellen<lb break="no"/>vereinigung fragen würde, keine 5 % der Unternehmer sich mehr<lb/>
positiv für ein Arrangement mit der EWG aussprechen würden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> sieht in der EWG eine zentralistische Organisation, die<lb/>
die Selbständigkeit Österreichs gefährden könnte. Er war z.B.<lb/>
jetzt bei einer Tagung in Venedig, wo <rs type="person" ref="#per__137931">Spinelli</rs>, ein Kommissions<lb break="no"/>mitglied aus Brüssel einen Vortrag über die zukünftige Industrie<lb break="no"/>politik der EWG hielt. Nach dem Vortrag meinte er, er hätte ihm<lb/>
den Namen: "Spinnerelli" gegeben. Dem Mann wäre z.B. vorgeschwebt,<lb/>
dass in Hinkunft, die Atomenergie über Brüssel den einzelnen<lb/>
Staaten vergeben wird. Bei dieser Aussprache machte <rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> auch<lb/>
die Bemerkung, dass bezüglich des Kartellgesetzes er mit <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs><lb/>
weitestgehend schon Absprachen getätigt habe und auch im Prinzip<lb/>
bereits einig sei. Da das Gesetz 1972 auslauft, müsse man kleinere<lb/>
Modifikationen daran vornehmen.<lb/>
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in der letzten Zeit immer mehr zu erkennen gegeben hat, dass wenn<lb/>
die Kommission nicht doch ein Verhandlungsmandat kriegt, dass<lb/>
den österr. Wüschen entgegenkommt, man an den Verhandlungen nicht<lb/>
mehr so grosses Interesse zeigen sollte, von <rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> beeinflusst ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und ich kamen allerdings überein, dass wir auf<lb/>
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mit den Botschaftern hat deshalb <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ganz besonders darauf<lb/>
hingewiesen, dass die Kontinuität der Politik dadurch auch dokumentiert<lb/>
werden müsste, dass wir unter allen Umständen auf das Interimsab<lb break="no"/>kommen bestehen. Ich selbst hatte diesen Punkt, der im <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs>-<lb/>
Brief der dritte war, an die Spitze gestellt, da ich damit auch<lb/>
dokumentieren wollte, dass es für den Ministerrat das leichteste<lb/>
wäre, hier ein modifiziertes Mandat der Kommission zu geben. Da<lb/>
die Kommission je ein Mandat schon einmal gehabt hat und mit uns<lb/>
bereits Verhandlungen stattgefunden haben, müsste es doch möglich<lb/>
sein, in diesem Punkt eine Einigung oder eine Lösung zu erreichen.<lb/>
Was ich den Botschaftern nicht sagte, aber was mein Prinzip dabei ist,<lb/>
dies, dass ich hoffe, wenn wir ein Interimsabkommen abschliessen<lb/>
können, selbst wenn dies noch so ungünstig und nichtssagend ist,<lb/>
damit den Fuss in der Tür der EWG haben. Niemand weiss, was aus dem<lb/>
Globalabkommen wird. Ich glaube aber, dass selbst wenn die Präambel<lb/>
heute vorsieht, dass zuerst das Globalabkommen in den Grundzügen zu<lb/>
erkennen sein muss, bevor ein Interimsabkommen abgeschlossen werden<lb/>
kann, wir jeden Abschluss des Interimsabkommens akzeptieren sollten.<lb/>
Durch das Interimsabkommen haben wir dann die Möglichkeit immer<lb/>
wieder nicht nur Verhandlungen zu verlangen, sondern als Vertrags<lb break="no"/>partner der EWG dann tatsächlich auch irgendwelche Lösungen anzu<lb break="no"/>streben. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ersuchte deshalb die Botschafter, sie mögen<lb/>
alles daran setzen, damit am 9. November der Ministerrat ein Mandat<lb/>
der Kommission gibt und gegebenenfalls die ständigen Vertreter beauf<lb break="no"/>tragen, sie sollten eine selbständige Ermächtigung im Einvernehmen<lb/>
mit der Kommission finden. Da mir <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> die Vorsitz<lb break="no"/>führung übertragen hatte, war ich sehr froh, dass <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> ein solches<lb/>
Papier vorgelegt hat, das nebenbei bemerkt auch von den Botschaftern,<lb/>
der deutsche war der erste, der meinte, ob nicht irgendwelche Unterlagen<lb/>
zu bekommen seien, ebenfalls begierig verlangt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte das nächste Mal auf alle Fälle auch unserer<lb break="no"/>seits immer ein solches Papier zur Übergabe vorzubereiten, wann immer<lb/>
ich mit einem Botschafter oder einem Ausländer in solchen Fragen rede.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_12">Punkt 1) beinhaltete die Forderung, dass allergrösste Eile geboten ist<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wies darauf hin, dass er unbedingt am 9. November<lb/>
bereits eine Mandatserteilung erwartet. Da im Papier aber steht, im<lb/>
Laufe des Monats November meinte ich, bevor die Ausführungen <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schlägers</rs> folgten, dass wir auf alle Fälle wir gegen Ende November,<lb/>
<pb n="08-1275" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band08/08_1971-10-29_1275.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wo eine zweite Ministerratssitzung ist, eine solche Mandats<lb break="no"/>erteilung aber als allerletzten Termin betrachten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> führt<lb/>
dann aber aus, dass die Oststaaten immer triumphierend feststellen,<lb/>
wenn Österreich wieder bei einer Ministerratssitzung nicht behandelt<lb/>
wird. Der italienische Botschafter anerkannte dieses politische Ar<lb break="no"/>gument und wird ganz besonders glaube ich seinem Aussenamt da<lb break="no"/>rüber berichten. Die anderen waren sehr zurückhaltend, was die<lb/>
materiellen drei Punkte betraf, gab es kaum eine Diskussion. Über<lb/>
die sensiblen Produkte, die wir ersuchten, sie mögen nicht von vornhe<lb break="no"/>rein ausgeschlossen sein, wollten wir nur in der Mandatserteilung<lb/>
Verhandlungsmöglichkeiten. Betreffend die Landwirtschaft ersuchte nur<lb/>
der italienische Botschafter, ob es sich hier um einzelnen<lb/>
Verfahren handeln sollte, oder ob für einzelne Produkte Lösungen<lb/>
gefunden werden müssten. Wir wiesen darauf hin, dass selbstver<lb break="no"/>ständlich nur für einzelne Produkte Lösungen gefunden werden sollten.<lb/>
Über <choice><choice><sic>der</sic><corr>den?</corr></choice></choice> kumulativen Ursprung <choice><choice><sic>war</sic><corr>waren?</corr></choice></choice>, da es sich um eine reine tech<lb break="no"/>nische Frage handelt, die Botschafter natürlich überhaupt nicht<lb/>
informiert, sondern werden nur den Wortlaut sicherlich <choice><choice><sic>weitergegen</sic><corr>weitergeben?</corr></choice></choice>.<lb/>
Der belgische Botschafter ersuchte dann noch, ob <choice><choice><sic>diei</sic><corr>sie?</corr></choice></choice> eine Mög<lb break="no"/>lichkeit haben, noch weiter untereinander zu sprechen, was wir<lb/>
natürlich bejahten. Der Italiener meinte allerdings, er hätte nicht<lb/>
sehr viel Zeit, denn die Kurierpost sei noch zu erledigen,<lb/>
ich glaube aber eher, er hat noch einen anderen Termin gehabt.<lb/>
Auf alle Fälle liessen wir die Botschafter unter sich und wir hoffen,<lb/>
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sagte mehr spasshalber, aber ihm war sicherlich dabei ernst,<lb/>
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Vom Handelsministerium war es ein Verbrechen diesen Mann einmal<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_13"><rs type="person" ref="#per__137932">Gamperling</rs> hat im Eisenbahnerheim ein Abschiedsessen für<lb/>
16 Leute gegeben. Da sie an vier Tischen sassen, konnte ich,<lb/>
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einem Tisch zu anderen gehen, um ein paar Worte mit unseren<lb/>
seinerzeitigen Kolleginnen und Kollegen zu wechseln. Zum<lb/>
Schluss war auch noch <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> anwesend und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> erzählte<lb/>
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vertragen hat. Ich weiss nicht, ob das stimmt, oder ob er nicht<lb/>
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Fälle hätte ich erwartet, dass er sich in der Diskussion gemeldet<lb/>
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Gedankengang mehr in meinen Ausführungen mehr gefunden hat. Er<lb/>
meinte, er hätte doch die sozialistische Partei gewählt und er<lb/>
erfahre nun, dass wir vor der Bürokratie kapitulieren. Da <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs><lb/>
der Abgeordnete von seinem Wahlkreis resp. Bezirk ist, wies ich<lb/>
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um kein Mandat bei der Bevölkerung gebeten hat, die soz. Politik<lb/>
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oder auch nur dürfte. Unter soz. Politik verstehe ich hier nicht<lb/>
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Wählern vorgelegt, sondern unser Parteiprogramm. Mehr denn je<lb/>
bin ich heute davon überzeugt, dass es notwendig ist, mit unseren<lb/>
Experten und Fachleuten in den Institutionen einen engeren Kon<lb break="no"/>takt zu halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band08_1971-10-29_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte unbedingt jetzt darauf drängen, dass<lb/>
die wirtschaftspolitische Kommission zusammentritt. Nicht zuletzt<lb/>
aus der Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__137930">Kammler</rs> und auch unseren Leuten von der Ar<lb break="no"/>beiterkammer glaube ich, dass wir wirklich über die Kartellfrage<lb/>
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            <head>öst. Positionspapier Verhandlungen EG-Interims-/Globalabkommen</head>
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               <occupation>luxemb. Honorarkonsul in Wien [1971; ein Österreicher; viell. auch ident
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               <occupation>[AK, vmtl. Wirtschaftsabteilung; gibt 1971 ein Abschiedsessen im
                  Eisenbahnerheim, wo Lachs anwesend ist und JS von früheren KollegInnen spricht; zu
                  finden wären Hans G. und Rudolf G., jeweils von der AK, aber unsicher, welcher der
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