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            <title type="main">Montag, der 27. September 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_02">Frau Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__137448">Bühn-Sendresen</rs> von der Austria Krankenversiche<lb break="no"/>rung wollte mich unbedingt davon überzeugen, dass sie für ihren<lb/>
Hotelbau ERP-Mittel benötigt. Sie wies darauf hin, dass wir in<lb/>
Wien mindestens zurzeit 4 Hotelprojekte haben, neben<add>[?]</add> Austria Kranken<lb break="no"/>versicherung am ehemaligen Karlstheater-Grund will Hilton, <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs>,<lb/>
der Wienerwaldbesitzer, in Oberlaa und am AEZ soll ein 4. Hotel<lb/>
errichtet werden. Sie meint, dass wir die ERP-Mittel für diese<lb/>
Hotelbauten, die alle A1–Hotels sind, bereit halten sollten.<lb/>
Ich erklärte ihr sofort, dass ich diese Möglichkeit nicht sehe,<lb/>
da die ERP-Mittel mit mittleren und kleineren Projekten bereits<lb/>
voll ausgelastet sind. Frau <rs type="person" ref="#per__137448">Bühn</rs> wird mit <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> von der Bundes<lb break="no"/>kammer, Sektion Fremdenverkehr – Syndikus – sprechen, um seine<lb/>
Zustimmung eventuell zu erreichen. Ich bezweifle, dass er dies<lb/>
in seinen Reihen durchsetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_03">Ein Argument von Frau <rs type="person" ref="#per__137448">Bühn</rs> war, dass wenn wir die Mittel- und<lb/>
Kleinprojekte fördern, damit insbesondere dem A1-Hotel entsprechende<lb/>
Konkurrenz machen. Aus eigener Erfahrung sagt sie, dass in den<lb/>
westlichen Bundesländern die kleinen Pensionen aber vor allem die<lb/>
Privatzimmervermietungen mit ihren Preisen von 80.–, 100.– bis<lb/>
maximal 120.– S für Frühstückspensionen den grossen Hotels<lb/>
Gruppenreisende wegnehmen und dadurch die Rentabilität der grossen<lb/>
Hotels gefährden. Ich erwiderte, dass ich im Gegenteil jetzt in<lb/>
den westlichen Bundesändern feststellen konnte, dass gerade die<lb/>
grossen Hotels alle noch vollkommen ausgebucht sind und die Nach<lb break="no"/>saison für diese einen sehr sehr guten Erfolg und Ertrag gebracht<lb/>
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Aussprache bei Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> verschaffen könnte. Sie selbst<lb/>
ist von den Versicherungen als Sprecherin für die Krankenver<lb break="no"/>sicherung sowie Direktor <rs type="person" ref="#per__137269">Hajek</rs> für die KFZ-Versicherung und<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__137450">Biedermann</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> für die Lebensversicherung gewählt. Die private<lb/>
Krankenversicherung hat derzeit fast 1,5 Mia. S Prämien und sie<lb/>
meint, sie könnte <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> einige Erfahrungen für seine Spital<lb break="no"/><pb n="07-1105" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-27_1105.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reformvorschläge unterbreiten. Ich habe im Ministerrat <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
aufmerksam gemacht und er wird sich hoffentlich mir ihr ins<lb/>
Einvernehmen setzen.<lb/>
ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte den Sekretär von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> über diesen Sach<lb break="no"/>verhalt informieren und trachten, dass diese Aussprache tatsächlich<lb/>
zustandekommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_06"><rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> müsste ja nicht die Vorschläge von <rs type="person" ref="#per__137448">Bühn</rs> akzeptieren, könnte<lb/>
sich aber auf alle Fälle von einer Fachfrau informieren lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_07">Bei der Bürges-Sitzung, wo der Beirat für das Gewerbestrukturver<lb break="no"/>besserungsgesetz tagte, überraschte ich <rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> mit der Mitteilung,<lb/>
er müsste nun entweder ein Schreiben an die Banken und Kredit<lb break="no"/>institute richten, wo er die Einstellung der Normalfälle ankündigt.<lb/>
Nach seinen Berechnungen würde, wenn alle Normalfälle heuer noch<lb/>
berücksichtigt werden, das nächstjährige Budget mit 45 Mill. S<lb/>
belastet werden. Heuer hat das Gewerbestrukturverbesserungsgesetz<lb/>
wo 3 % der Gewerbesteuer zur Verfügung gestellt werden, der Bürges<lb/>
ca. 72,5 Mill. S gegeben. Da wir mit diesen Mitteln nicht das Aus<lb break="no"/>langen finden konnten, habe ich besonders darauf gedrängt, dass<lb/>
die Schwerpunkte und die Richtlinien für diese Schwerpunktfälle<lb/>
entsprechend verschärft wurde. Dadurch haben wir die Klassifizierung<lb/>
nach sachlichen Gesichtspunkten vornehmen können. Bis zum März<lb/>
des Jahres haben wir aber auch noch Normalfälle behandelt. Seit<lb/>
dieser Zeit wurden.Hie Einreicher verständigt, dass ihre Normal<lb break="no"/>fälle nur dann Aussicht auf Zuteilung haben, wenn entsprechende<lb/>
Mittel nach Abwicklung der Schwerpunktfälle vorhanden sind. Nun hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> festgestellt, dass er auf gar keinen Fall weitere Normalfälle<lb/>
annehmen könnte. <rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> meinte nun, wenn es mir wegen der kommenden<lb/>
Wahl unangenehm sei, würde er gegebenenfalls diesen Brief auf 14 Tage<lb/>
oder drei Wochen hinausschieben. Ich erklärte sofort, dass ich das<lb/>
erste Mal jetzt mit dieser Frage von ihm konfrontiert werde. Einer<lb/>
Entscheidung des Beirates will ich in dieser Frage auf gar keinen Fall<lb/>
vorgreifen. Die Verantwortung für dieses Vorgehen liegt aber ausschliess<lb break="no"/>lich beim Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs>. Natürlich erwiderte er, dass er<lb/>
nur meine Wohlmeinung hören möchte, er möchte nicht gegen mich<lb/>
entscheiden und hoffe, dass dies alles als vertraulich kaum in<lb/>
die Öffentlichkeit kommt. Hätte er dies wirklich gewollt, dann<lb/>
hätte er mir mit unter vier Augen dieses Problem besprechen müssen<lb/>
und nicht sofort in eine Sitzung gehen, wo auch die Bundeshandels<lb break="no"/>kammer vertreten ist. Auch meine Ministerialbeamten, <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> z.B.,<lb/>
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einzuschenken, fragte ich ihn, was denn morgen jemandem erzählen<lb/>
würde, der ihn um Auskunft fragt, worauf <rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> zugeben musste,<lb/>
er könnte ihn kaum anlügen. Unter diesen Umständen erklärte ich,<lb/>
dass dies bedeute, dass morgen zumindestens die Kreditinstitute<lb/>
von dem heutigen Gespräch erfahren würden und damit natürlich<lb/>
im ÖVP-Pressedienst zu lesen sein wird, <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> sperrt die<lb/>
Kredite für Gewerbestrukturverbesserung. Um Zeit zu gewinnen, er<lb break="no"/>klärte ich, mit dem Finanzminister diesbezügliche Besprechungen<lb/>
noch abführen zu müssen, um gegebenenfalls mehr Mittel bereit<lb break="no"/>stellen zu können. Ausserdem glaubte ich mich erinnern zu können,<lb/>
dass zwischen unserer Budgetsektion Dr. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> und Min.Rat<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs>, dem derzeitigen Vorsitzenden des Beirates für die<lb/>
Gewerbestruktur, verschiedene Auffassungen über die Budgetierung<lb/>
und über die notwendigen Mittel existieren. Da ich derzeit den<lb/>
Finanzminister vertrete – er befindet sich auf der Weltbanktagung<lb/>
in Washington – konnte ich zwar in eigener Angelegenheit natür<lb break="no"/>lich keine Entscheidung treffen und erklärte, ich müsste unbedingt<lb/>
warten, bis er zurückkommt. Dadurch gewinne ich mindestens 1<lb/>
Woche Zeit und ich habe im Haus sofort <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> beauftragt, er soll<lb/>
sich mit <rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs> zusammensetzen und mir entsprechende Lösungs<lb break="no"/>vorschläge unterbreiten.<lb/>
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hat, dass genügend Mittel für das heurige Jahr für alle Kredite<lb/>
Aktionen vorhanden sind. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> hat immer die Meinung vertreten,<lb/>
dass in den letzten zwei Monaten überhaupt keine Mittel mehr zu<lb break="no"/>gewiesen werden müssten, da die Fälle leicht im nächsten Jahr<lb/>
dann behandelt werden können. Technisch ist es für die letzten<lb/>
Wochen vollkommen unmöglich, eingereichte Anträge noch abzuwickeln.<lb/>
Wir werden ja auf Grund des Angriffes der ÖVP sehen, ob es sich<lb/>
hier um ein abgekartetes Spiel gehandelt hat. Sicherlich hätte er –<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97649">Korinek</rs> – warten können oder mich vor allem zuerst unter vier Augen<lb/>
über diesen Tatbestand informieren.<lb/>
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ihre Preise hier übermässig erhöht, entkräften. Ich schlug ihnen<lb/>
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informiert wird, ausserdem hätte Ford die Möglichkeit in der<lb/>
Sonderkommission der PK ihre Unterlagen vorzulegen und den Be<lb break="no"/>weis zu erbringen, welche Preiserhöhung man tatsächlich vor<lb break="no"/>nehmen muss und sicherlich dann einen zwar verminderten Zuschlag<lb/>
aber immerhin eine auch dann in der Öffentlichkeit zu vertretende<lb/>
Preiserhöhung bestätigt bekommen wird. <rs type="person" ref="#per__137451">Christie</rs> erklärte, eine<lb/>
solche Ermächtigung derzeit noch nicht zu haben, aber mit den<lb/>
Mutterhäusern in Deutschland und Grossbritannien zu reden und<lb/>
mir dann unverzüglich Bescheid zu geben. Ich glaube, unsere<lb/>
Kampagne gegen den Autohandel beginnt sich schön langsam auszu<lb break="no"/>wirken. Nach VW und BMW dürfte nun auch Ford aus den stillschwei<lb break="no"/>genden Vereinbarungen, sich nicht in Einzelverhandlungen mit dem<lb/>
HM oder der PK einzulassen, auszubrechen. Ford wollte nämlich<lb/>
unbedingt auch wissen, ob er die Preiserhöhungen bis nach den<lb/>
Wahlen zurückstellen sollte. Ich wies darauf hin, dass dies<lb/>
ausschliesslich eine Entscheidung der Direktion ist und sie<lb/>
es sich eben überlegen müssen, wenn sie die Preise jetzt er<lb break="no"/>höhen, aber ich will ihnen weder davon ab- noch dazu zureden,<lb/>
im Wahlkampf dann natürlich in die Debatte hineingezogen werden.<lb/>
Die Vertreter erklärten sofort sie hätten als erstes Prinzip<lb/>
eine erhöhte Zulassung, d.h. einen grösseren Umsatz, als zweites<lb/>
womöglich einen guten Ertrag, aber keinesfalls die Absicht, in<lb/>
den politischen Wahlkampf und überhaupt in die politischen Ausein<lb break="no"/>andersetzungen hineingezogen zu werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_10"><rs type="person" ref="#per__137451">Christie</rs> erklärte dann auch noch, dass die Aussprachen, die<lb/>
wir seinerzeit geführt haben und die auch Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit<lb/>
ihnen führte, ob Ford nicht doch mehr in Österreich, zumindestens<lb/>
wenn er kein Teilwerk errichtet, österreichische Waren kaufen könnte,<lb/>
beginnen sich nun zu konkretisieren. Mit der VÖEST haben sie die<lb/>
Absicht, einen Blechliefervertrag von der ersten mit 1 Mio. $<lb/>
abzuschliessen. Ausserdem wünschen sie noch mit Semperit etliche<lb/>
Produkte zu kaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_11">Meine Ungeduld, um nicht zu sagen Nervosität, könnte ich an<lb/>
einem Fall wieder feststellen. Im Institut war Dr. <rs type="person" ref="#per__137453">Kardau</rs> zu<lb/>
einem Interview eingeteilt. Ich selbst wusste nicht, wer<lb/>
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einem umfangreichen Fragebogen und ich erkannte sofort bei<lb/>
flüchtiger Durchsicht, dass die Aufstellung dieses Fragebogens<lb/>
an dem Problem, nämlich wie die Paritätische Kommission arbeitet,<lb/>
ob mit Experten oder nur auf politische Entscheidungen aufbauend,<lb/>
danebenging. Zum Glück kam <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> dann und konnte mich aufklären,<lb/>
dass unser eigenes Institut für Gesellschaftspolitik diese Er<lb break="no"/>hebung macht. Wenn Doz. <rs type="person" ref="#per__111715">Pelinka</rs>, der derzeit ein Professur hat<lb/>
diese Erhebung leitet, so hätte er, um die Expertentätigkeit und<lb/>
den Unterschied zwischen einer politischen Entscheidung von<lb/>
Politikern und einer von Experten zu treffenden vorbereitenden<lb/>
Arbeit, damit die Politiker eine bessere Entscheidung treffen<lb/>
können. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> war über die Ausarbeitung des Fragebogens auch<lb/>
nicht sehr glücklich, ich glaube sogar er war ein bisschen zu<lb/>
stark erschüttert über das Vorgehen und über die Methode, ich glaube<lb/>
aber, dass es nicht notwendig ist, darüber jetzt ein grosses<lb/>
Lamento anzustimmen. In Hinkunft sollen wir uns nur vornehmen,<lb/>
bei Erstellung von Arbeiten keine Detailanweisungen zu geben,<lb/>
aber doch vielleicht Hinweise an die Projektausarbeiter, die<lb/>
Gegebenheiten, die sie erforschen wollen, vorher ein bisschen<lb/>
selbst durch persönliche Gespräche mit dem zu erwartenden Inter<lb break="no"/>viewerkreis eine richtige Background-Information zu verschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_12">Bei den EFTA-Neutralengespräch wollte ich unbedingt zumindestens<lb/>
zeitweise anwesend sein. Ich habe zwar auch das letzte Mal daran<lb/>
teilgenommen, aber ich bemerke sehr, dass die Beamten mit dieser<lb/>
Arbeitsmethode von mir nicht einverstanden sind. Ich glaube auch,<lb/>
dass Ges. <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs>, unser Delegationsleiter, mit meinem Auftauchen<lb/>
nicht sehr glücklich ist. Ich habe zwar bis jetzt noch nie das<lb/>
Wort dort genommen, sondern versucht, eine entsprechende direkte<lb/>
Information mir zu verschaffen. Doch ist diese Methode von keinem<lb/>
anderen Minister bis jetzt gehandhabt worden. Der finnische Bot<lb break="no"/>schafter hat mir auch beim Abendessen ganz unverblümt die Frage<lb/>
gestellt, ob ich mit meinen Beamten bei der heutigen Sitzung<lb/>
zufrieden sei. Ich repliziert sofort, dass es sich hier nicht<lb/>
darum handelt, dass ich die Beamten überprüfen möchte, oder gar,<lb/>
dass ich feststellen will, ob die gut arbeiten, sondern dass<lb/>
ich einen solchen Eindruck von den Verhandlungen mit selbst machen muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_13">Ich kann aus Akten oder Informationen eigentlich nur sehr<lb/>
bedingt eine entsprechende Entscheidung dann treffen. Zur Auf<lb break="no"/>klärung erzählte ich dann sofort mein verhalten bei der Ölfrage,<lb/>
wo ich auch ganz unangemeldet bei den Ölgesellschaften erschienen<lb/>
bin. Da ich bevor ich zu diesem Abendessen gefahren bin, mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
noch einmal das ganze Problem durchgesprochen habe und selbst Zweifel<lb/>
gehegt habe, ob es zielführend ist, dass ich diese Arbeitsmethode<lb/>
unseren Beamten aufzwinge, konnte ich aus der Anfrage des finni<lb break="no"/>schen Botschafters ersehen, dass meine Arbeitsmethode wirklich<lb/>
auf den Widerstand aller Beamten stösst. Bei dem Abendessen wurde<lb/>
dann über keinerlei entscheidende Details oder auch nur über die<lb/>
grosse Linie gesprochen. <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs> versuchte zwar immer wieder mit<lb/>
dem schwedischen Gesandten in Brüssel, den er als ausgesprochenen<lb/>
Fachmann bezeichnete, Gespräch die Position der Schweiz gegen<lb/>
über Schweden klar abzugrenzen. <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs> wollte vor allem erklärt<lb/>
haben, ob die Schweden bereit wären, von ihren Zollunionsplänen<lb/>
doch noch mehr abzurücken und sich mehr dem Schweizer und österrei<lb break="no"/>chischen Standpunkt zu nähern. Die Schweden haben aber genau wie in<lb/>
den Verhandlungen eine sehr ausweichende Antwort gegeben, haben durch<lb/>
keine einzige bindende Zusage für die Hinkunft binden lassen, sondern<lb/>
nur immer wieder erklärt, dass sie im Rahmen des Nordek insbesondere<lb/>
mit Dänemark, Norwegen einen Weg suchen müssen, der für die nordi<lb break="no"/>schen Staaten der optimalste ist. Ob die EWG auf diese Vorschläge<lb/>
eingeht, ist derzeit für sie nicht so entscheidend.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_14">Ministerratsvorbesprechungen sind nun verhältnismässig sehr kurz.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet nur, dass in Vorarlberg, wo <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> in den<lb/>
Orten 200 Zuhörer hatte, er auf das Sieben- bis Achtfache kommt.<lb/>
Man sieht ihm deutlich an, wie ihm diese Entwicklung nur nur behagt,<lb/>
sondern auch befriedigt. Die anderen Minister könnten meiner Meinung<lb/>
nach nur diese Entwicklung zur Kenntnis nehmen, denn die Behauptung, daß<lb/>
auch wir sehr gute Versammlungen haben, stimmt glaube ich auf gar keinen<lb/>
Fall. Mir zumindestens ergeht es so und ich habe auch bis jetzt immer<lb/>
darüber so berichtet, wenn ich gefragt wurde. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> glaube ich hat<lb/>
auch nach Rücksprache mit dem Propagandateam feststellen können, daß<lb/>
auch alle anderen Minister verhältnismäßig sehr schlecht besuchte<lb/>
Versammlungen haben. Zum Glück ist unser Spitzenmann derzeit sehr gut<lb/>
im Rennen und <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> halt sehr schlecht. Dies wirkt sich eben da<lb break="no"/>durch aus, daß die Leute Interesse haben den einen zu sehen und zu hören<lb/>
und für den anderen halt kaum Zeit erübrigen. Für mich ist diese Er<lb break="no"/><pb n="07-1110" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-27_1110.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kenntnis ein klarer Beweis dafür, daß die Kämpfe in Hinkunft<lb/>
immer nur zwischen den Spitzenkandidaten der beiden Parteien<lb/>
geführt wird. Der Versuch der ÖVP, ein Fünferteam hier an die<lb/>
Stelle eines einzelnen Mannes aufzubauen, ist meiner Meinung<lb/>
nach nicht möglich. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bringt auch von den Wahlreisen einzelne<lb/>
Wünsche mit, wie z. B. in Wörgl, daß das Bundesheer zwei Klassen<lb/>
für eine Schule abtreten sollte. Das Bundesheer hat dort eine<lb/>
Sammelstelle für Instruktionsdienst und <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> meinte, dann<lb/>
müßte er halt die Instruktionsdienste für das nächste halbe<lb/>
oder dreiviertel Jahr oder auch Jahr einschränken oder überhaupt<lb/>
fallen lassen. Da ihn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber ersuchte, die Wörgler auf ihn<lb/>
so gedrängt haben, er sollte doch unter allen Umständen versuchen<lb/>
ihnen zu helfen, erklärte sich <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> sich letzten Endes sich<lb/>
dazu bereit. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wurde wieder von ihm aufgefordert, doch endlich<lb/>
die Bundeskommission für die Verteilung der Subventionen einzu<lb break="no"/>setzen. Scheinbar hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den allgemeinen Bauernverband hier<lb/>
eine große Zusage gemacht und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat bis jetzt noch keine No<lb break="no"/>minierung von der Landwirtschaftskammer bekommen. Da er nun eine<lb/>
solche aber, wie er sich ausdrückt, braucht, hat er an <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> schon<lb/>
einige Male geschrieben. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> will nun<add>[, wie]</add> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückt,<lb/>
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und versucht vor allem Zeit zu gewinnen, in dem er ihm keine Vorschläge<lb/>
erstattet. Ich habe aus dieser Diskussion die Lehre gezogen, daß man<lb/>
keinerlei Kommissionen von vornherein ankündigen oder schaffen soll,<lb/>
wenn man nicht doch die Zustimmung von den zu delegierenden Stellen<lb/>
hat, daß sie zumindestens bereit sind, eben daran teilzunehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-27_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies dann bei einer Besprechung, wo nur die Minister an<lb break="no"/>wesend waren, darauf hin, daß die Politikerbesteuerung nächste Woche<lb/>
aussenden wird. Dieser Entwurf wird eine sehr harte Bestimmung gegen<lb/>
die Politikerprivilegien enthalten.<add>[Der]</add> Bundespräsident hätte ihm aber<lb/>
mitgeteilt, daß er ebenso bereit sei sich diesem Gesetz zu unter<lb break="no"/>werfen, wie die Minister <choice><choice><sic>untertroffen</sic><corr>unterworfen?</corr></choice></choice> werden. Auch hier hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
glaube ich im vorletzten Wahlkampf schon andeutend und im März 1970<lb/>
versprochene Regelung jetzt mit aller Gewalt durchgeboxt. Ob er<lb/>
letzten Endes aber wirklich wird zu einem positiven Abschluß dieser<lb/>
Materie in seinem Sinne kommen wird, bezweifle ich noch immer.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hofft, daß die begutachtenden Stellen, die die freien Be<lb break="no"/>rufe vertreten, ganz besonders sich gegen eine solche Regelung wenden<lb/>
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mehr bereit sind, politische Ämter anzunehmen. Taktisch ist dies<lb/>
äußerst geschickt, daß er die Leute, die bis jetzt immer auf die<lb/>
Politiker und deren Privilegien geschimpft haben, nun dafür ge<lb break="no"/>winnt, daß sie gegen die Einkommensverschlechterung der Politiker<lb/>
Stellung nehmen werden. Ob dieses Problem allein von taktischen Ge<lb break="no"/>sichtspunkt aus wirklich behandelt werden soll, bezweifle ich. Ich<lb/>
glaube, man hätte von allem Anfang an sollen die Einkommen der<lb/>
Politiker klar und deutlich der Bevölkerung sagen, dann wäre diese<lb/>
ganze Debatte wesentlich anders verlaufen. Ich selbst handhabe<lb/>
dies, seit dem ich <choice><choice><sic>der</sic><corr>mit einem?</corr></choice></choice> Politikereinkommen "gesegnet" bin.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 27.9.1981</head>
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