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            <title type="main">Dienstag, der 21. September 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_01">Dienstag, 21. September 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_02">Im ÖGB-Kongreß werden die Berichte als ein Block von Organisation<lb/>
bis Kontrolle gegeben. Zwischendurch nur aufgelockert durch einige<lb/>
Begrüßungsansprachen der ausl. Delegierten. Da sich sehr wenige<lb/>
dafür interessieren, aber doch im Saale bleiben, ergibt sich eine<lb/>
ungeheure Unruhe, die man im Präsidium ganz besonders stark merkt.<lb/>
Die Verhandlungen über die künftige Zusammensetzung des Präsidiums<lb/>
gestalten sich doch schwieriger als angenommen. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> ist<lb/>
nicht bereit, wahrscheinlich ist er auch nicht im Stande <choice><choice><sic>zu</sic><corr>in</corr></choice></choice> einer<lb/>
Fraktion dies durchzusetzen, das Präsidium um einen öffentl. Be<lb break="no"/>diensteten Vertreter, es soll dies Nationalrat <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> werden, zu<lb break="no"/>zustimmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat deshalb vorgeschlagen, man sollte ein Ver<lb break="no"/>handlungskomitee von soz. Seite bestimmen, welches mit einer größeren<lb/>
Anzahl von ÖVP-Funktionären verhandelt. Scheinbar kann <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs><lb/>
oder will er sich auch gar nicht in seiner Fraktion durchsetzen.<lb/>
Ich plädierte nur, daß man unter gar keinen Umständen wegen einer<lb/>
solchen Wahl die Zusammenarbeit auf dem Kongreß stören sollte und<lb/>
vielleicht durch Kampfabstimmungen oder gar durch einen Exodus<lb/>
der christl. Gewerkschafter das Klima vor den Wahlen verderben<lb/>
würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_03">Im Ministerrat wurde das Budget von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ausgeteilt. Jeder<lb/>
Minister erhielt nur ein Exemplar. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> mußte bei dem belg.<lb/>
Königspaar in der Hofreitschule sein, so daß ich sein Exemplar<lb/>
mitgenommen habe. Da <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> keines hat und zum Schluß beim<lb/>
Finanzminister natürlich auch eines verlangte, verdächtigte mich<lb/>
freundschaftlich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, ich hätte das zweite auch für mich<lb/>
genommen. Daraus kann ich entnehmen, daß er größten Wert darauf<lb/>
legt, daß nur wenige Exemplare im Verkehr, d.h. bei anderen<lb/>
Ministern sind. Ich weiß nicht, ob so eine Geheimnistuerei not<lb break="no"/>wendig ist, doch werde ich, da wir uns jetzt in einem Wahlkampf<lb/>
befinden, das Exemplar auch unter Verschluß halten. Ich werde<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97868">Reithofer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> nur Einblick nehmen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_04">Laut Dienstpostenplan werden wir um etliche 300 Leute mehr als<lb/>
1971 haben als 1972. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat aber eine Berechnung, wonach<lb/>
wir, da die Unterrichtsverwaltung 1.000 mehr benötigt und auch<lb/>
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Bundesverwaltung um 6.000 weniger haben, wodurch sich die Ein<lb break="no"/>sparung von 2 % ergibt, wie dies auch in der ÖVP-Zeit einige<lb/>
Jahre der Fall. Er wird uns diese Berechnung zur Verfügung<lb/>
stellen. Ich kann mir sie nicht genau vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_05"><rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> legte einen mündlichen Bericht vor, wo die Autobahntrassen<lb break="no"/>führung in Bregenz endgültig für die Tunneltrasse entschieden<lb/>
wurde. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> erklärte, daß die ÖBB bereit sei, eine Studie<lb/>
über die Freilegung der Ufertrasse im Prinzip zu machen. Die<lb/>
Realisierung müßte aber eine Sonderfinanzierung voraussetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_06"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete, daß er an der Weltbanktagung teilnehmen<lb/>
wird und dort für eine größte Brandbreite eintreten. Der freie<lb/>
Welthandel müßte garantiert werden und Österreich verlangt des<lb break="no"/>halb, daß wir bald wieder zu stabilen Wechselkursen zurückkehren,<lb/>
da dies für unsere Exporteure von größter Bedeutung ist. Ausein<lb break="no"/>andersetzung werden zwischen Amerika und den großen Wirtschafts<lb break="no"/>partnern stattfinden. Österreich wird sich nicht wesentlich ex<lb break="no"/>ponieren, doch wird es versuchen Amerika zu überzeugen, daß<lb/>
Österreich mit der 5 % Aufwertung des Schillings eine Vorleistung<lb/>
erbracht hat. Die schwierigste Situation hat die Bundesrepublik<lb/>
Deutschland. Nach der Aufwertung in 1969 und dem floating umfaßt<lb/>
bereits 10 % Aufwertung erreicht wurde, kommt die 10%ige Import<lb break="no"/>abgabe und eine neuerliche Forderung der USA für eine weitere Auf<lb break="no"/>wertung für die Exportindustrie, sehr ungelegen. Diesbezüglich<lb/>
glaube ich unmöglich, daß die BRD dies alles verkraften kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_07">Das olymp. Komitee hat für 1974 Wien mit 37 gegen 15 Stimmen für<lb/>
Barcelona entschieden. Österreich muß deshalb im Budget entsprechende<lb/>
Mittel bereitstellen, da zwischen Wien und dem Bund vereinbart<lb/>
wurde, daß je 50 % der Kosten getragen werden. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ist nur be<lb break="no"/>reit aus seinem Budget, auch dann wenn er es vom Finanzminister<lb/>
gedeckt bekommt, eine Finanzierung zu akzeptieren, wenn dies nicht<lb/>
unter Sportförderung geschieht. Seine Sportverbände haben 46 Sparten<lb/>
wehren sich ganz entschieden dagegen, daß die Sportförderung auf<lb break="no"/>gebläht wird und dann nur eine Funktionärsförderung daraus bezahlt<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_08">Bei der Sektionsleitersitzung kann man feststellen, daß die<lb/>
Sektionen der Sektionsleiter in der Hand hat, auch bei den<lb/>
Berichten entsprechend neues und bedeutendes sagen kann. Wenn<lb/>
wir deshalb in Hinkunft diese Sektionsleitersitzung zu einer<lb/>
wirklichen Arbeitssitzung machen wollen, müssen wird denen<lb/>
einzelnen Abteilungen vor allem aber den Sektionsleitern vorher<lb/>
mitteilen, welches Problem wir ganz kurz von ihm berichtet haben<lb/>
wollen. Das jetzige System, wo ich die Sektionsleiter oder deren<lb/>
Stellvertreter auffordere zu einem oder anderem Punkt ihre Meinung<lb/>
zu sagen, kann vielleicht wirklich für einen nichtinformierten<lb/>
Sektionschef sehr überraschend kommen. Die große Gefahr besteht<lb/>
allerdings dann, daß die Sektionsleitersitzung überlang dauern,<lb/>
wenn eine umfangreiche Information von Seiten Sektionsleiters<lb/>
gegeben wird. Wenn jemand wirklich jemand diese Institution<lb/>
boykottieren und sabotieren wollte, dann wäre er ja besser be<lb break="no"/>raten wenn er anstelle des Nichtsagen sehr umfangreiche Informationen<lb/>
gibt. Ich setze allerdings voraus, daß er die Probleme wirklich<lb/>
sehr genau kennt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_09">Das Frühstück des Bundeskanzler mußte diesmal im Schloß Belvedere<lb/>
stattfinden, da die Gästeanzahl glaube ich zu groß war. Der Rahmen<lb/>
ist auch dort wirklich festlicher. Ich mußte mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> früher<lb/>
weggehen und versäumte das beste Stück, nämlich die Sängerknaben<lb/>
die beim Kaffee einige Lieder sangen. Diesmal hat das Protokoll<lb/>
normale Kleidung vorgeschlagen und ich habe da so das Gefühl gehabt,<lb/>
daß sich alle sehr wohl gefühlt haben. Meine Tischdame, Frau<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, erzählte mir, ihr Mann hat sich im letzten Augenblick auch<lb/>
noch einen Frack machen lassen, daß gestern Abend sehr gestöhnt<lb/>
wurde, über die unbequeme Kleidung. Andererseits habe ich das 1.<lb/>
Mal erlebt, daß weil eben ein König kommt, mehrere Leute bei dem<lb/>
Empfang anwesend waren, die selbst mich mit Beifall begrüßten.<lb/>
Durch die Art der Berichterstattung der Massenmedien und insbe<lb break="no"/>sondere durch das Fernsehen und den Film ist zwar ein geringer<lb/>
Prozentsatz der österr. Bevölkerung, wie groß wäre direkt einmal<lb/>
interessant zu testen, daran sind doch sehr viele<lb/>
interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_10">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">K O P P E</rs><lb/>
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sollte versuchen zu erforschen, wie weit die Bevölkerung wirklich<lb/>
noch an diesem ganzen Kaiserrummel interessiert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_11">Bei der Miele-Eröffnung traf ich auch Abg. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>. Da mir<lb/>
die Herren des Hauses aus Deutschland früher vor<lb break="no"/>gestellt wurde, konnte ich jetzt andererseits, da niemand anderer<lb/>
hier war, ihm den Besitzern vorstellen. Auch in meiner Ansprache<lb/>
kam ich auf seine positiven Arbeiten, Investoren nach Österreich<lb/>
zu führen, zu sprechen. Ich glaube er wurde von Miele aber sehr<lb/>
schlecht behandelt, denn man setzte ihn in die 4. oder 5. Reihe<lb/>
und vor ihm waren Leute wie der Präsident des Statistischen Zen<lb break="no"/>tralamtes und andere. Hier hat das Protokoll vollkommen versagt<lb/>
und es wäre viel besser gewesen, man hätte die Leute hinsetzen<lb/>
lassen, wo sie sich eben gerade hinsetzen. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat mir einige<lb/>
Detailinformationen über Miele gegeben, wodurch es für mich leichter<lb/>
war eine einigermaßen erträgliche Ansprache zu halten. Was ich<lb/>
bei solchen Anlässen brauche, ist immer nur Detailinformation in<lb/>
Form von Stichworten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_12">Anmerkung an A L L E<lb/>
Bitte dies immer beachten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_13">Diskussion mit der International Advertising Association war<lb/>
glaube ich wirklich ein Erfolg. Die Werbeagenturen aber auch<lb/>
die Auftraggeber, die dort vereint sind, sowie die Motivforscher<lb/>
und teilweise auch die Meinungsforscher haben im Grund genommen<lb/>
das Bild des Konsumentenvertreter in mir noch immer nicht ganz<lb/>
abgebaut. Deshalb befürchten sie, daß ich die billige Argumentation<lb/>
der Konsumentenvertreter, wozu brauchen wir eine Werbung, die<lb/>
kostet nur Geld und zieht den Konsumenten durch höhere Preise<lb/>
dieses aus der Tasche, noch immer vertrete. Selbst wenn ich dies<lb/>
aber täte, würde ich schon deshalb eine andere Politik machen,<lb/>
weil niemand die Werbung einschränken oder vielleicht gar ver<lb break="no"/>bieten könnte. In Wirklichkeit entspricht es meiner Mentalität,<lb/>
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ich auf freiwilliger Basis eine entsprechende Beeinflussung in<lb/>
unserem Sinne. Das Handelsministerium würde sich und könnte sich<lb/>
gar nicht gegen die Werbemedien richten, der Werbeausschuß in<lb/>
unserem Konsumentenforum leistet deshalb auch für uns positive<lb/>
Arbeit und wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit<lb/>
ihn auch tatsächlich zu unterstützen. Ich glaube, daß wir mit<lb/>
der Idee einen Staatspreis für die gute Werbung auszusetzen,<lb/>
diese Branche für uns gewonnen haben. Bevor wir über die fach<lb break="no"/>lichen Fragen diskutieren, konnte ich feststellen, daß z.B.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116018">Karmasin</rs> vom Gallup-Instiut, aber auch andere der Meinung waren,<lb/>
daß die absolute Mehrheit der SPÖ nicht aufzuhalten ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-21_14">Ich habe auch bei unserer Sektionsleitersitzung im Bezirk den<lb/>
Eindruck gehabt, daß unsere Leute auch schon damit rechnen.<lb/>
Unerklärlich ist für mich nur, daß die ÖVP, die dies ja auch<lb/>
erkennen muß, keine entsprechenden Konsequenzen daraus zieht,<lb/>
während in der SPÖ von der kleinsten Organisation der Sektion<lb/>
über z.B. unseren Bezirks alle Differenzen wegen der Benach<lb break="no"/>teiligung der Landstraße bei der Mandatserstellung zurückge<lb break="no"/>stellt, wird scheinbar bei einer verlierenden Partei wie die<lb/>
ÖVP jetzt ist, alle differenten Auffassungen noch härter aus<lb break="no"/>getragen und sogar in die Öffentlichkeit gebracht. Das typischste<lb/>
Beispiel ist die Nominierung der drei unabhängigen Kandidaten.<lb/>
Ich habe das Gefühl, das stellt für die ÖVP wirklich eine Zerreiß<lb break="no"/>probe ihrer Funktionäre war. Dies soll uns als warnendes Beispiel<lb/>
dienen.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 69. Ministerratssitzung, 21.9.1971</head>
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            <head>Nachtrag TO 69. Ministerratssitzung, 21.9.1971</head>
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