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            <title type="main">Montag, der 20. September 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band07_1971-09-20</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_01">Montag, 20. September 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_02">Die Belangsendung der Handelskammer am Montag, 6.00 früh, über<lb break="no"/>raschte mich sehr angenehm. Natürlich griffen sie das Thema<lb/>
"Angriffe des Handels durch die Belangsendung der SPÖ auf" und<lb/>
kritisierten, daß ich mich zu wenig schützend vor den Handel<lb/>
gestellt habe. Hier bewahrheitet sich aber, daß ein<lb/>
gutes Verhältnis zu Journalisten sich immer positiv letzten<lb/>
Endes auswirkt. Der Angriff war weder gehässig, noch mit voller<lb/>
Wucht geführt. Ich habe mir ausgemalt, was <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> im umgekehrten<lb/>
Fall, was sicherlich auch nicht gehässig, aber für eine harte<lb/>
Breitseite gegen den Handelsminister geschossen hätte. In der<lb/>
Ministerratssitzung berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und die anderen Regierungs<lb break="no"/>mitglieder, soweit sie nicht auf Versammlungstournee sind, daß<lb/>
derzeit keine gelenkten Aktion von Anfragen oder Kritiken in<lb/>
unseren Versammlungen festzustellen sind. Ich erwiderte sofort, daß<lb/>
die Aktion gegen diese Belangsendung von allen Handelskammer und<lb/>
auch von allen ÖVP-Institutionen aufgegriffen und ganz systematisch<lb/>
und gelenkt durchgeführt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_03">Die Eröffnung des Kongresses des ÖGB kam sowohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> als auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings auf die Lohnsteuerprogressionsmilderung zu<lb/>
sprechen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bot auch hier wieder seine Vermittlungsrolle an<lb/>
und beharrt in der Öffentlichkeit noch immer auf seinem<lb/>
Prinzip, daß im Jahre 1972 kein Steuerausfall akzeptiert werden<lb/>
kann, da ansonsten das Budget nicht eingehalten werden könnte.<lb/>
Vielleicht hat diese Taktik einen Vorteil, daß nämlich die<lb/>
Öffentliche Meinung erkennt, daß der Finanzminister selbst gegen<lb/>
den mächtigen Gewerkschaftsbund sein Budget mit allen ihm zur<lb/>
Verfügung stehenden Mitteln verteidigt. Vielleicht allerdings<lb/>
hat es den Eindruck, daß unser Kernwähler, die natürlich eine<lb/>
Progressionsmilderung erwarten, erklären, hier gibt es eine starke<lb/>
Differenz zwischen Gewerkschaftsbund und Regierung und deshalb<lb/>
vereinzelt sich entweder der Stimmen enthalten, oder gar vielleicht<lb/>
gegen uns am 10. Oktober <choice><choice><sic>modieren</sic><corr>votieren?</corr></choice></choice>. Da für mich gar kein Zweifel<lb/>
besteht, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nachgehen muß, verstehe ich nicht, warum er<lb/>
nicht doch in irgendeiner Weise einen Rückzieher zeitgerecht anbringt<lb/>
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Erklärung, daß ich unter allen Umständen auf die seinerzeitigen<lb/>
Forderungen, die ich ich immer vertreten habe, daß die Inter<lb break="no"/>essensvertretungen entsprechend in den Organen zu berücksichtigen<lb/>
sind. Von mir bindet zugesichert. Abgesehen, daß ich dies ohne<lb/>
Details zu kennen sowieso nicht gemacht hätte, hat sich, das ist<lb/>
hoch anzuerkennen, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat sofort eingeschaltet und erklärt,<lb/>
er sollte mich nicht hier irgendwie binden, ohne daß ich die Details<lb/>
kenne. <rs type="person" ref="#per__137480">Zeilinger</rs>, früher beim Finanzminister im Sekretariat, jetzt<lb/>
wieder in der Investitionskredit AG, erwiderte, warum <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
bis jetzt nur die Banken und Ministerialvertreter in die Organe<lb/>
delegiert haben will. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> meinte mit Recht, daß die Bankenver<lb break="no"/>treter, egal ob schwarz oder rot, primär Bankenvertreter in diesen<lb/>
Organen sein werden. Ich teile diese Meinung und glaube es ist<lb/>
gar nicht so wichtig ob man dort die politischen Verhältnisse 9:2<lb/>
hätten, sondern wirklich nur gegen die Macht der Banken und teil<lb break="no"/>weise der mit ihnen arbeitenden Bürokratie einen Gegenpol setzen<lb/>
sollte. Es kam wieder sehr deutlich zum Ausdruck, daß jeder Finanz<lb break="no"/>minister mit den Banken sich so gut stellen muß und deshalb natürlich<lb/>
ihre Wünsche besonders berücksichtigt. Aus diesem Grund hatten wir<lb/>
auch in unserem Wirtschaftsprogramm vorgesehen, da. eine Art Schatz<lb break="no"/>amtregelung auch bei uns eingeführt werden sollte. Dabei muß ich<lb/>
aber anerkennen, daß ich wahrscheinlich auch als Finanzminister<lb/>
sicher gegen eine solche kompetenzmäßige <choice><choice><sic>Abgrätung</sic><corr>Abgrenzung?</corr></choice></choice> eines großen<lb/>
Teiles einer guten Bürokratie an z.B. an Wirtschaftsministerium<lb/>
gewährt hätte. Ein neu zu errichtendes Ministerium halte ich des<lb break="no"/>halb in Hinkunft für sehr unglücklich und unzweckmäßig, weil ich<lb/>
jetzt erkenne, wie viel zusätzliche Bürokratie entstehen würde.<lb/>
Außerdem bezweifle ich, ob hier dann eine wesentliche Änderung in<lb/>
unserer Finanzpolitik eintreten würde. Ich glaube eher, daß es<lb/>
notwendig wäre, Kontrollorgane, die dem Staat nichts kosten, zu<lb/>
schaffen. Dies müßte eigentlich Aufgabe des Parlamentes sein.<lb/>
Immer mehr komme ich zu meiner ursprünglichen Konzept, daß ich<lb/>
Jahrzehnte jetzt schon fast vertrete, daß nämlich nicht das Parlament<lb/>
nicht entscheiden sollte, ob der Minister ein ÖVPler oder ein SPÖler<lb/>
oder ein Freiheitlicher ist, sondern daß das Parlament geschlossen<lb/>
<pb n="07-1072" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-20_1072.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gegen die Regierung auftreten müßte. Wenn man hier eine zweck<lb break="no"/>mäßige Kontrollform findet, dann glaube ich wäre auch die lange<lb/>
Budgetdebatte und deren sinnlose stundenlange Diskussion nicht<lb/>
mehr notwendig.und würde sich von selbst erübrigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_04">VMin. <rs type="person" ref="#per__137485">Göri Nagy</rs> kam mit einer sehr großen Delegation, um über die<lb/>
Kooperationsmöglichkeiten auf dem chem. und Ölsektor mit unseren<lb/>
Herren zu besprechen. Er schilderte mir die Möglichkeiten einer<lb/>
großzügigen Kooperation, die bis zu einer Ethylenpipeline zwischen<lb/>
Ungarn und Österreich ging. Ich wies sofort darauf hin, daß die<lb/>
Wirtschaftssysteme zwischen Ungarn und Österreich sehr verschie<lb break="no"/>den sind und deshalb die Kooperationen bei uns nur auf Firmen<lb break="no"/>basis abgeschlossen werden könnten, wobei ich selbstverständlich<lb/>
jedwede Unterstützung zusagte, was mich aber am meisten impo<lb break="no"/>nierte, war, daß er z.B. sagte, daß die ungarische Produktion <choice><choice><sic>am</sic><corr>im</corr></choice></choice><lb/>
chem.<add>[Sektor]</add> 100 Mio. Dollar, unsere dagegen nur 40 Mio. Dollar beträgt<lb/>
und daß unser Handel in diesen Produkten nur 0,3 % der Produktion<lb/>
beträgt. Nicht an und für sich, daß wir einen so geringen Handel<lb/>
haben, aber daß er die Ziffern so parat hatte, hat mich sehr be<lb break="no"/>eindruckt. Da ich keinerlei Unterlagen besitze hatte ich überhaupt<lb/>
auch hier passen müssen. Ich hoffe, daß in Hinkunft das Branchen<lb break="no"/>referat oder <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> als Kooperationsreferent notwendige Infor<lb break="no"/>mationen zusammenstellen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte dies in Angriff zu nehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_06">Da der ungar. Botschafter und der Handelsrat bei dem Besuch an<lb break="no"/>wesend waren, habe ich auch die Frage der Schilling-Fakturierung<lb/>
zur Sprache gebracht. Ich erklärte zwar einleitend, daß sicherlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137485">Nagy</rs> dafür nicht zuständig sei, doch ersuchte ich ihn er möge in<lb/>
Budapest bei seiner Rückkehr dieses Problem mit den zuständigen<lb/>
Stellen besprechen. Ich ging davon aus, daß die Werte ab<lb/>
1.1.1972 werden wir ja die Multilateralisierung haben und da<lb break="no"/>mit die Schilling-Fakturierung oder die Fakturierung in einer an<lb break="no"/>deren <choice><choice><sic>konverditen</sic><corr>konvertiblen?</corr></choice></choice> Währung möglich sein. strittig sei nach meinen<lb/>
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daß dieser taktische Zug von mir bei den Ungarn entweder nicht<lb/>
ankam, oder sie sich nicht äußern möchten. Es haben zwar durch<lb/>
allgemeines Kopfnicken die deutsch-sprechenden und deutsch ver<lb break="no"/>stehenden Delegationsmitglieder zu erkennen gegeben, daß wir mit<lb/>
1.1.1972 die Multilateralisierung einführen wollen, aber dezi<lb break="no"/>diert hat niemand erklärt, daß damit auch wirklich das Problem der<lb/>
Schilling Fakturierung endgültig gelöst sei. Die Ungarn dürften<lb/>
denselben Standpunkt einnehmen, wie derzeit noch immer die UdSSR.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137485">Nagy</rs> erklärte, daß dieses Problem in der ungarischen Hauptstadt<lb/>
Budapest zwischen den Zentralstellen sehr eingehend diskutiert<lb/>
wird und zuständig dafür ist ausschließlich der Finanzminister.<lb/>
Er werde sich aber dafür nach seiner Rückkehr einsetzen. Den Über<lb break="no"/>setzer, der sich dann gleichzeitig als der ungarische Gegenpart<lb/>
von MR. <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> bei mir vorstellte ersuchte ob ich etwas dagegen<lb/>
hätte, daß er <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> einige Tage nach Budapest einladen will.<lb/>
Ich erklärte meine Zustimmung, wenn dadurch die Kooperations<lb break="no"/>tätigkeit zwischen Ungarn und Österreich gefördert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_07">Bei der Ministerratsvorbesprechung kam <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf die Gemüsepreise<lb/>
zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erklärte sofort, daß alles in bester Ordnung<lb/>
sei und daß man im Ausland überhaupt nichts billiger bekommen<lb/>
könnte. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> dürfte ausnahmsweise einmal am Naschmarkt<lb/>
gewesen sein und bestätigte, daß dort die Paradeiser dort auch<lb/>
S 14,–– kosten und daß sie im Ausland alles Preise ebenfalls sehr<lb/>
hoch wäre. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, was ich nun zu dieser ganzen Problematik<lb/>
zu sagen habe. Ich habe das Gefühl, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr unglücklich<lb/>
darüber ist, daß diese Preisentwicklung eingetreten ist und meint,<lb/>
wenn er mich nun stärker in dieser Frage konsultiert, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> würde<lb/>
sagen, wenn er mich gegen <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ausspielt, daß wir dann<lb/>
doch zu einem besseren Ergebnis für die Verbraucher kommen könnten,<lb/>
d.h. daß ich doch durchsetzen könnte, daß mehr Gemüse und Obst<lb/>
eingeführt wird. Wenn wir einmal die gesamten Preisagenden bei<lb/>
uns kompetenzmäßig vereint haben, wird es sehr notwendig sein,<lb/>
einen Mann nicht nur für die Preisbeobachtung, sondern auch für<lb/>
die Preisentwicklung der ausl. Märkte einzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_08">Solange dies aber nicht ist, glaube ich, sollte sich <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
mit diesem Problem eingehend beschäftigen. Er müßte durch einen<lb/>
Kontakt mit mehreren potenten Importeuren im Stande sein, so<lb break="no"/>fort zu reagieren wo und zu welchen Preisen größere Mengen im<lb break="no"/>portiert werden können. Nur so kann man gegen die hinhaltende<lb/>
Einfuhrpolitik des Landwirtschaftsministeriums für die von<lb/>
seinem Standpunkt aus volles Verständnis habe, gezielte Angriffe<lb/>
führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte Entsprechendes mit <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> besprechen und veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_10">Positives über die Erhebung hörte ich nun zumindestens nun in<lb/>
kleineren Nuancen verschieden den dritten Bericht. Natürlich<lb/>
ist jede Wiedergabe irgendwie von subjektiver Einstellung des<lb/>
Betreffenden gefärbt. Ich glaube aber, daß es notwendig und ziel<lb break="no"/>führend wäre, wenn <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der jetzt in der zentralen Propaganda<lb break="no"/>leitung sitzt, mit <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> einen Direktkontakt aufnimmt, um hier<lb/>
wirklich aus erster Hand und objektivster Berichtet eine weitest<lb break="no"/>gehend echtes Ergebnis bei uns zur Diskussion stellt. Wenn außer<lb break="no"/>dem noch eine gewisse rechte Beziehung auch zum Meinungsapparat<lb/>
zum Gewerkschaftsbund, d.h. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> gelegt wird, dann glaube ich<lb/>
würden wir eine einigermaßen objektive Beurteilung unserer Mei<lb break="no"/>nungsergebnisse durchführen können. Bis jetzt hat der offizielle<lb/>
koordinierende Aussprache niemals stattgefunden. Nur die persönl.<lb/>
guten Beziehungen zwischen <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> führen gelegent<lb break="no"/>lich zu Diskussionen zwischen den beiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_11">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">K O P P E</rs><lb/>
Ohne einem perfektionistischen System das Wort zu reden, müßtest<lb/>
Du doch versuchen, hier koordinierend und informierend die not<lb break="no"/>wendigen Unterlagen zu erfahren und dann stichwortartig für uns<lb/>
zu Papier zu bringen. Immerhin haben wir zwar vielleicht eine<lb/>
zwar subjektiv gefärbte, aber von <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> die erste Information<lb/>
erhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_12">Bei Verabschiedung des Budgets zeigte mir neuerdings den<lb/>
monolithischen Charakter dieser Regierung. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war mit<lb/>
seiner Zusammenstellung nicht zeitgerecht fertig geworden<lb/>
und er hat deshalb die Absicht erst morgen im Ministerrat<lb/>
uns das Unterlagenmaterial, d.h. das Budgetgesetz zu geben.<lb/>
Während früher im Ministerrat manchmal die Leerformel nur<lb/>
der Umschlag des Budgets beschlossen wurde, war durch Streitereien<lb/>
jeder Minister ganz genau wissen wollte, wie die einzelnen<lb/>
Positionen scheinbar auch bei den anderen Gruppen insbesondere<lb/>
den blinden Vertretern ausschauen würde, hat diese Regierung<lb/>
so viel Vertrauen zum Finanzminister, daß sie Vorweg akzeptiert,<lb/>
was er letzten Endes mit den einzelnen Ressorts ausgehandelt hat.<lb/>
Ich wundere mich immer, wie lange ein solcher Zustand in einer<lb/>
Regierung anhalten kann. Wenn dies wirklich die Folge einer<lb/>
Minderheitsregierung ist, dann würde ich fast sagen, sollte man<lb/>
diesen Zustand aufrecht erhalten. Ich weiß, daß dies aus anderen<lb/>
Gründen nicht möglich ist, aber die derzeitige Notwendigkeit<lb/>
einer engen Zusammenrückens der Bundesregierung kann wahrschein<lb break="no"/>lich unter gar keinen anderen Form erzwungen werden, wie bei<lb/>
einer Minderheitsregierung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_13">Eine lange Diskussion gab das Problem, ob wir dieses Budget,<lb/>
wenn wir es morgen beschließen unverzüglich dem Parlament zu<lb break="no"/>leiten sollen. Bisher war dies gang und gebe, daß nach Beschluß<lb/>
des Ministerrates der Präsident des Nationalrates das Budget<lb/>
übermittelt bekommen hat und er es bis zur Budgetrede des Finanz<lb break="no"/>ministers in seinem Panzerschrank verwahrte. War eine Rechts<lb break="no"/>auffassung besagt, daß wenn das Parlament aufgelöst ist und dann<lb/>
ein neues Parlament gewählt, auf alle Fälle der Budgetentwurf<lb/>
neuerdings von der Regierung beschlossen werden muß und dann<lb/>
dem Parlament neuerdings zugeleitet wird, haben wir den Wunsch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunners</rs> Rechnung getragen und werden das Budget nicht dem<lb/>
Parlament übermitteln. Dadurch kann auch das Prinzip der Ver<lb break="no"/>traulichkeit Art. 51, 1 leichter bewahrt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_14">Einen Dienstpostenplanbeschluß konnte ich überprüfen, ohne daß<lb/>
ich mich zu Wort meldete, daß das Handelsministerium den ge<lb break="no"/><pb n="07-1076" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-20_1076.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ringsten Beamtenstand aufweist und daß eigentlich nur wenige<lb/>
Ministerien ihre Dienstposten gesenkt haben. Nur die Bundes<lb break="no"/>bahn hat 2000 Dienstposten weniger, Verteidigungsministerium<lb/>
600, Soziale 39, Inneres 29, Land- und Forstwirtschaft 7 und<lb/>
dann schon das Handelsministerium mit l. Alle anderen Ministerien<lb/>
und Dienststellen haben mehr. Unterrichtsministerium sogar 1.273<lb/>
Zu mehr ergibt sich deshalb ein Dienstposten von 361. Sie sind<lb/>
das einzige Ressort das mit 976 Dienstposten unter der Tausender<lb break="no"/>grenze liegt. Vertragsbediensteten des Wohnungsschemas 1 ist<lb/>
eine Fußnote, wozu die Zentralleitung 163 Mann noch 5 Dienstposten<lb/>
für den vorübergehenden Bedarf kommen. Ich nehme an, daß es sich<lb/>
hier um die Bindung der Dienstposten für das Ministerbüro handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_15">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">H E I N D L</rs><lb/>
Bitte feststellen und in Hinkunft solche Details mich bei der<lb/>
Erstellung des Dienstpostenplanes genau zu informieren. Ich hätte,<lb/>
wenn ich gefragt worden wäre, keine richtige Antwort geben können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_16">Der Freie Wirtschaftsverband hat eine wirtschaftspolitische Tagung<lb/>
nach Wien einberufen. Die Spitzenfunktionäre des Verbandes waren<lb/>
aus ganz Österreich gekommen. Dr. <rs type="person" ref="#per__137661">Schachtschabel</rs>, ein Mitglied des<lb/>
Bundestages und des Europaparlamentes, sollte über die sozialdemokr.<lb/>
Zielsetzung für Gewerbe und Handel innerhalb der europ. Wirtschaft<lb/>
sprechen. Er hielt ein sehr umfangreiches Referat und primär auf<lb/>
die Struktursituation und die Maßnahmen der Regierung in Bonn ein.<lb/>
Da er, wie er mir erklärte, die Wettbewerbs- und Struktur<lb break="no"/>programm der Sozialdemokratie gearbeitet hatte, hat er sich na<lb break="no"/>türlich hauptsächlich mit diesen Problemen beschäftigt und weniger<lb/>
über die konkreten sozialdemokratischen Zielsetzung. Er meinte<lb/>
nur, und dieser Gedanke war sehr interessant, daß die kleineren<lb/>
Unternehmungen, oder wie er sich ausdrückte, die mittelständischen<lb/>
Betriebe keine Möglichkeit haben, durch Anschaffung von EDV-<lb/>
Marketing, Fachleuten, Steuern- und Finanzberatern, Werbemanagern<lb/>
und Einkauf von Beschaffungswesen, den Nachteil gegenüber den<lb/>
Großbetrieben zu kompensieren. Deshalb schlägt er vor, man müßte<lb/>
eine Kooperation für diese betriebsnotwendigen Aufgaben zustande<lb/>
<pb n="07-1077" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-20_1077.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bringen. Ihm schwebt also vor, daß EDV-Anlagen oder Marketing<lb/>
und Steuer- und Finanzberater für die gesamte Branche ausge<lb break="no"/>bildet werden sollen, die dann für die einzelnen Betriebe in<lb/>
Kooperation zur Verfügung stehen. Auf konkreten Maßnahmen richtete<lb/>
er vier Punkte.<lb/>
1. Finanzierungsmöglichkeiten durch Errichtung von Beteiligungs<lb break="no"/>kapitalgesellschaften, die erleichtert werden soll.Diese<lb/>
kapitalen Beteiligungsgesellschaften sollten entweder auf<lb/>
ERP-Mittel zurückgreifen können, durch Haftungsübernahme<lb/>
oder Rückgabe, die durch den Bund erhalten. Weiters sollten<lb/>
zinsgünstige Kredite gegeben werden, um Existenzgründungen für<lb/>
die Nachwuchskräfte zu schaffen. Insbesondere aber müßte durch<lb/>
die Zonenrandgebiete z.B. Bayern, aber auch Oderwald und sonstige<lb/>
unterentwickelte Gebiete, wesentlich mehr Hilfe gegeben werden.<lb/>
Weiters müßte die Leistung in den mittelständischen Betrieben<lb/>
durch Forschung, Entwicklung, Innovation und durch praxisnahe<lb/>
Wirtschaftsforschung ergänzt werden. Der Zweckforschung und der<lb/>
Rationalisierung legen sie größten Augenmerk bei. Ähnlich wie<lb/>
für die Landwirtschaft im grünen Plan, sollte auch Beratung und<lb/>
Kooperation für Handel und Gewerbe eingeführt werden. Die Bil<lb break="no"/>dungsfrage sollte durch überbetriebliche Ausbildungsstätten<lb/>
durch eine weitere Aus- und Fortbildung und insbesondere durch<lb/>
Ausbildungsberater gefördert werden. 4. Wäre die mittelstands<lb break="no"/>mäßige Überprüfung der Gesetzgebung und der Verwaltungspraxis<lb/>
durchzuführen. Die Reform der Steuer, aber auch des Wettbewerbs<lb break="no"/>rechtes müßte kontinuierlich und wird in der der BRD kontinuierlich<lb/>
durchgeführt. Unter anderem verhandeln sie jetzt über ein neues<lb/>
Kartellgesetz, wo die Kooperationen eingebaut werden sollten.<lb/>
Die Reform des Steuerrechtes ist für sie auf das Jahr 1974 fest<lb break="no"/>gesetzt. Derzeit haben sie auch nichts anderes getan, als einige<lb/>
Freibeträge in der Gewerbesteuer erhöht. Ebenso erscheint es not<lb break="no"/>wendig die soziale Gesetzgebung der Unternehmer zu verbessern und<lb/>
was mich am meisten frappiert hat, möchten sie auch eine Vermögens<lb break="no"/>bildung für die Selbstständigen im größeren Umfang in Angriff nehmen.<lb/>
Innerhalb der europ. Wirtschaft und daß war seine einzig konkrete<lb/>
Aussage, gibt es jetzt zwischen Bonn und Brüssel große Differenzen.<lb/>
Die EWG steht auf dem Standpunkt, daß die Genossenschaften Kartelle<lb/>
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Genossenschaften, nicht nur für die landwirtschaftlichen sondern<lb/>
auch für die gewerblichen Genossenschaften eingesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_17">In diesem umfangreichen und theoretisch sehr fundierten und<lb/>
professoral aufgebauten Vortrag habe ich durch sehr konkrete<lb/>
Maßnahmen unseres Slogans Service statt Bürokratie,<lb/>
Service für die Wirtschaft, aufgelockerter referiert und auch<lb/>
entsprechenden Anklang gefunden. Nur bei der Erklärung der<lb/>
Preissituation und insbesondere unseres Abwehrkampfes gegen<lb/>
den Angriff der Bundeshandelskammer wegen der Handelsdiskriminierung<lb/>
habe ich das Gefühl, daß die dort Versammelten nicht absolut meiner<lb/>
Meinung gewesen sind. Diskussion hat es leider keine gegeben.<lb/>
Der Vorsitzende Dr. <rs type="person" ref="#per__97308">Abt</rs>, der gleichzeitig auch Vorsitzender<lb/>
des wirtschaftspolitischen Ausschusses des Feien Wirtschaftsver<lb break="no"/>bandes, und hat zu diesem Tagesordnungspunkten den Vorsitz geführt,<lb/>
meinte zum Schluß es käme dadurch die Zufriedenheit und insbeson<lb break="no"/>dere die Geschlossenheit, des Freien Wirtschaftsverbandes<lb/>
mit der Bundesregierung zum Ausdruck. Ich bin zwar nicht dieser<lb/>
Meinung und mir wäre eine Diskussion viel lieber gewesen, auch dann<lb/>
wenn man sie halt hätte organisieren müssen, hätte ein einziger<lb/>
das Wort ergriffen, wäre es sicher zu einer interessanten Aussprache<lb/>
gekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-09-20_18">Vorher wurde ich schon gefragt, was mit unserer Fremdenverkehrs<lb break="no"/>konzept, insbesondere mit der Komfortzimmer-Aktion sein wird. Ich<lb/>
habe das Gefühl, wenn wir diese Aktion starten, werden sehr viele<lb/>
Leute sich dafür interessieren. Ich teile daher nicht die Meinung<lb/>
von Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> der meint, ein Anlaufen dieser Aktion ist nicht<lb/>
sehr bald zu erwarten. Wir müssen unbedingt Vorsorge treffen, daß<lb/>
es uns nicht so ergeht wie Soz.-Minister <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>. Der hat in der<lb/>
aktiven Arbeitsmarktförderung den Bauarbeitern Gutscheine ausge<lb break="no"/>geben, wofür sie Winterkleider kaufen konnten. Diese Gutscheine<lb/>
wurden nun aus mir unerklärlicher Weise in einem solchen großen<lb/>
Ausmaß wie <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> mir berichtete, verteilt, daß nun finanziell<lb/>
keine Bedeckung mehr vorliegt und deshalb die Unternehmer auf<lb/>
das nächste Jahr vertröstet werden. Jetzt verstehe ich auch die<lb/>
heftige Reaktion von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> auf meine Bitte doch zu überprüfen,<lb/>
<pb n="07-1079" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-09-20_1079.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>daß man den Unternehmern für ihre Gutscheine auch jetzt das<lb/>
Geld geben sollte. Ich hatte zuerst angenommen, daß es sich<lb/>
hier um eine bürokratische Schlamperei handelt und in Wirklich<lb break="no"/>keit dürften wir tatsächlich die Mittel, die er dafür auf<lb break="no"/>bringen kann, nicht ausreichen. So etwas dürfte uns bei der<lb/>
<choice><choice><sic>Vorzimmeraktion</sic><corr>Komfortzimmeraktion</corr></choice></choice> unter gar keinen Umständen passieren. Ich hoffe,<lb/>
daß unsere Aktionen bei den Gewerbetreibenden besser ankommen<lb/>
und besser durchgeführt werden. In diesem Sinne habe ich der<lb/>
Konferenz auch berichtet. Auf alle Fälle war mir diese Konferenz<lb/>
lieber als wie der Gala-Empfang für die belg. Königin und deren<lb/>
Gemahl, wodurch ich mit Anstand den blöden Protokoll ausgewichen<lb/>
bin.<lb/>
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               <occupation>ung. Vizemin.; Vorname falsch geschrieben</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Sekretariat Androsch, Investitionskredit AG;
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