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            <title type="main">Freitag, der 23. Juli 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band07_1971-07-23</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_01">Freitag, 23. Juli 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_02">Der österreichische Botschafter, der nach Caracas geht, wollte<lb/>
zuerst bei mir einen Abschiedsbesuch machen. Ich habe ihm wissen<lb/>
lassen, dass es viel zielführender ist, wenn er nach unserer<lb/>
Botschafterrunde mich telefonisch verständigt, wie es ihm gefallen<lb/>
hat. Diese vom handelspolitischen und wirtschaftspolitischen Stand<lb break="no"/>punkt durchgeführte Information für die ins Ausland gehenden Botschaf<lb break="no"/>ter hat sich bestens bewährt. An Stelle eines nichtssagend Blablas<lb/>
beim Minister versuchen jetzt die Referenten dem Botschafter alle<lb/>
Detailinformationen zu geben, die er in seinem Lande dringend benötigen<lb/>
wird. Als noch zielführender – wie mir mitgeteilt wurde – wäre, wenn<lb/>
die Besuche bei den wichtigsten Exporteure ausgedehnt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte im Aussenamt erfragen, wann ein Botschaf<lb break="no"/>terwechsel ungefähr beabsichtigt ist und bereits etliche Wochen vorher<lb/>
das Programm mit ihm abstimmen. Der Besuch von <rs type="person" ref="#per__134822">Reichard</rs> bei der letzten<lb/>
Botschafterbesprechung hat sich als sehr gut erwiesen. Durch solche Fir<lb break="no"/>menbesuche würde das Image des Handelsministerium entsprechend gehoben<lb/>
werden, weil die Firmenleitung sicher weitererzählt, dass es erstmals<lb/>
ist, dass sich Botschafter für Spezialprobleme der Wirtschaft interes<lb break="no"/>sieren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_04">Der Personalvertreter vom Verkehrsministerium, Sektion Elektrizität<lb break="no"/>swirtschaft, <rs type="person" ref="#per__137378">Felfernig</rs>, wollte mit mir Kontakt aufnehmen und ich habe<lb/>
ihn deshalb gleich <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vorgestellt. <rs type="person" ref="#per__137378">Felfernig</rs> befürchtet, weil sich<lb/>
der Sektionsleiter Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs> überhaupt nicht mehr um die Sektion<lb/>
kümmert – er geht in zwei Jahren in Pension – dass das Verkehrsmini<lb break="no"/>sterium alle tüchtigen Beamten aus der Sektion abzieht. Insgesamt<lb/>
hat die Sektion noch 45 Mitarbeiter und die sich eigentlich – wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137378">Felfernig</rs> sich selbst ausdrückte – kaum geeignet, eine Elite darzu<lb break="no"/>stellen. Einige fühlen sich natürlich in der Sektion zur Sektions<lb break="no"/>leitung berufen, aber in Wirklichkeit wäre nach seiner Meinung der<lb/>
einzig tüchtige <rs type="person" ref="#per__137379">Walter Demuth</rs> gewesen. <rs type="person" ref="#per__137379">Demuth</rs> hofft er kommt wieder<lb/>
zurück, wenn er den Sektionsleiterposten angeboten erhält. Von Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, der seinerzeit in der Energiesektion war und als KP-Mann gilt,<lb/>
nimmt er nicht an, dass dieser vom Bautenministerium bei einer Berufung<lb/>
zurückkommen würde. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__123164">Zimmernmann</rs> von der ÖIAG interessiert sich<lb/>
nach seinen Mitteilungen sehr für diesen Sektionschefposten. Die ganze<lb/>
Diskussion ist aber – wie er selbst sich ausdrückt – noch verfrüht,<lb/>
<pb n="07-0912" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-07-23_0912.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>da <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs> sicherlich mit herübergeht, wenn das grosse Kompetenzgesetz<lb/>
beschlossen wird, er uns sicherlich nicht den Gefallen macht, vorzei<lb break="no"/>tig in Pension zu gehen. Da sich derzeit um die Sektion überhaupt<lb/>
niemand kümmert und der Sektionsleiter auch zu sozusagen den Posten<lb/>
versitzt, reissen – wie sich der Personalvertreter ausdrückte – un<lb break="no"/>haltbare Zustände ein. Verständlich dass die Leute sehr ungern daran<lb/>
denken, dass sie in ein anderes Ministerium kommen. Ausserdem haben<lb/>
sie noch gewisse Privilegien, wie z.B. Jahresfreikarten auf der Bahn<lb/>
einen Wirtschaftstag und nachts Remunerationen, die keine Leistungs<lb break="no"/>prämien sind, sondern alle umfassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_05">Mit dem Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__137381">Fischer</rs>, dem Präsidialisten, dürfte er sich sehr schwer<lb/>
reden. Aber auch mit dem Minister <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, der so wie er ein Kärntner<lb/>
ist und den er jahrzehntelang sehr gut kennt, hat er bis jetzt nur<lb/>
sehr wenig Kontakt gefunden. Unter anderem wurde ihm mitgeteilt, dass<lb/>
ein anderer jetzt Personalvertreter sein sollte und für die Fraktion<lb/>
verantwortlich, obwohl er gewählt wurde. Er sagt, es gibt jetzt viele<lb/>
sogenannte Genossen, die erst seit März 1970 sich wieder an die SPÖ<lb/>
erinnern. Von 1966 bis 1970 wären sie eine Stütze vom seinerzeitigen<lb/>
Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, der ebenfalls ein Kärntner war, gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: <rs type="person" ref="#per__137378">Felfernig</rs> rechnet damit, dass die Elektrizitäts<lb break="no"/>wirtschaftssektion in unser Haus übersiedeln. Bitte, beim Organisations<lb break="no"/>aufbau heute bereits berücksichtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, bei der Zimmererstellung resp. bei der<lb/>
Umsiedlung der Sektion Strassenverkehr zu bedenken, dass man für diese<lb/>
paar Leute im Hause irgendwo ein Domizil finden müsste. Eine Trennung<lb/>
der Sektion räumlich kommt nicht in Frage, weil damit der Schlendrian<lb/>
dort überhaupt nicht abgestellt wird. Ich bin allerdings nicht ganz<lb/>
überzeugt, ob es bei uns im Haus nicht auch solche Abteilungen gibt,<lb/>
die sich dann nur ergänzen werden mit den Schlendrian am Schwarzenberg<lb break="no"/>platz der Sektion E-Wirtschaft scheinbar gang und gäbe ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_08">Mir war am Montag, als ich mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nach Lofer fuhr,<lb/>
vollkommen unerklärlich, warum sie darauf drängten, dass wir uns diese<lb/>
Woche noch einmal sehen müssten. Wir hätten bei dieser Fahrt reichlich<lb/>
Zeit gehabt. über alle Probleme zu sprechen. Bei der heutigen Aus<lb break="no"/>sprache musste sich nun <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> entschuldigen, da er in der Partei<lb/>
wichtige Besprechungen hatte und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist mit <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs>,<lb/>
das ist der neue Mann im Stabe <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, und Dkfm. <rs type="person" ref="#per__114105">Wratschko</rs><add>[ev. Falschidentifikation]</add>, der<lb/>
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jetzt erkennen. Scheinbar hat <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> an <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
die Forderung gestellt, man müsste doch einige Probleme mit dem<lb/>
Handelsminister besprechen und Kontakte aufnehmen. Da nun <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
die Details überhaupt nicht wissen wollte oder informiert wurde<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> scheinbar auch nicht mehr die Zeit hat, sich in alle<lb/>
Details hineinzuknien, waren sie der Meinung, dass es zielführend<lb/>
ist, dass man gleich mit ihren Referenten gemeinsam eine solche Be<lb break="no"/>sprechung abführen sollte. Sie gingen nämlich auf alle meine Tages<lb break="no"/>ordnungspunkte, die ich bereits auf der Fahrt nach Lofer mit ihnen<lb/>
besprochen hatte im Detail ein. Von unserer Seite war Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> anwesend. Beide sind auf ihrem Gebiet aus<lb break="no"/>gesprochene Spezialisten und deshalb entwickelte sich eine sehr<lb/>
fruchtbare Diskussion. Zu meiner grössten Freude bemerkte ich,<lb/>
dass ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> in sachlichem Wissen wesentlich überlegen bin.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> muss heute doch auch in der Sozialpolitik und in der Partei<lb break="no"/>politik so viel Zeit aufwenden und Wissen speichern, dass er<lb/>
dies kaum mehr imstande ist, zu bewältigen. Das Bulgarien-Problem,<lb/>
schlug die Handelskammer vor, dass Bulgarien sich im Rahmen der<lb/>
UNIDO mit Hilfe der <choice><choice><sic>selfselektion</sic><corr>?</corr></choice></choice> einer 30 %-igen Zollsenkung er<lb break="no"/>reichen könnte. Da die Bulgaren aber auch Prestigegründen sich nicht<lb/>
als Entwicklungsstaat bezeichnen wollen und sie ausserdem auf dem<lb/>
Standpunkt stehen, auch eine 30 %-ige Zollsenkung würde ihnen nicht<lb/>
helfen, wünschen sie die Zollfreiheit und wünschen besser gestellt<lb/>
zu werden als derzeit die EFTA- und GATT-Staaten, um ihr Zahlungs<lb break="no"/>bilanzdefizit auszugleichen. Nach dem letzten Stand befinden sie<lb/>
sich in einer noch trostloseren Lage als wir angenommen haben. Sie<lb/>
haben als Swing 57 Mill., für Swap-Operation 575 Mill., Exportför<lb break="no"/>derungskredite 1,056 Mia., wovon der Bund 1 Mia. haftet und Über<lb break="no"/>ziehungsgkredite bei den Banken von 400 Mill. ausständig. Insgesamt<lb/>
ergibt dies mehr als 2 Mia. S mehr oder minder bald fällige Kredite.<lb/>
Die Bulgaren glauben nach wie vor, dass sie den 70-Mill.-$-Kredit,<lb/>
den sie so dringend bräuchten, dadurch hereinwirtschaften könnten,<lb/>
dass sie von ihrem Standpunkt die österr. Importe mit 30 Mill. pro<lb/>
Jahr einfrieren lassen und die bulg. Exporte nach Österreich von<lb/>
18 Mio $ auf 45 Mill. $ erhöhen. Dass dies vollkommen unmöglich er<lb break="no"/>gibt sich daraus, dass wenn alle ihre Forderungen bezüglich der Waren<lb break="no"/><pb n="07-0914" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-07-23_0914.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>listen, die sie immer im Laufe der Jahre gestellt haben, erfüllt<lb/>
werden, sie maximal um 5 Mill. $ mehr nach Österreich exportieren<lb/>
könnten. Zugegebenermassen wird von Bulgarien alles Erdenkliche ge<lb break="no"/>macht, um mehr Waren nach Österreich exportieren zu können. So<lb/>
haben sie in der letzten Zeit Paradeiser um 80 Groschen das Kilo<lb/>
geliefert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_09">Die Möglichkeit, die Jugoslawien nützt, indem es Gastarbeiter nach<lb/>
Österreich schickt wird von den Bulgaren entschieden abgelehnt,<lb/>
da sie angeblich selbst Arbeitskräftemangel haben. Eine weitere<lb/>
Möglichkeit, den Fremdenverkehr entsprechend auszubauen, wird zwar<lb/>
auch genützt, doch wird von den 22.000 Besuchern des Vorjahres nur<lb/>
6.800 mit Chartermaschinen, d.h. längerfristige Besucher gewesen.<lb/>
Da sie für diese Besucher nur 1.900 S für 14 Tage Aufenthalt incl.<lb/>
Flug verlangen und ab 17.10. sogar 3 Wochen um diesen Betrag in Bulga<lb break="no"/>rien an der Küste gelebt werden kann, ergibt dies, dass ein nur ge<lb break="no"/>ringer Devisenerlös zu verzeichnen ist. Der Normalflug nach Bulgarien<lb/>
allein kostet schon 3.600 S. Der Hinweis der Handelskammer, ob man nicht<lb/>
gegebenenfalls die Öl-Importe verstärken könnte – derzeit könnte<lb/>
Bulgarien 300.000 t Rohöl liefern, allerdings verlangen sie dafür einen<lb/>
Preis von 20.– $, den die ÖMV nicht bereit ist zu bezahlen – kann eben<lb break="no"/>falls <choice><choice><sic>sie</sic><corr>die?</corr></choice></choice> Zahlungsbilanz nicht schliessen, da auch hier nur gewisse<lb/>
Liefermöglichkeiten existieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_10">Als einzige Ausweg erklärte ich, dass – und damit kamen wir zum<lb/>
zweiten Punkt – eine passive Veredlung mit den Oststaaten angestrebt<lb/>
werden müsste. Die Handelskammer hat erklärt, sie könnte unter gar<lb/>
keinen Umständen in der jetzigen Phase ohne im Präsidium die Frage<lb/>
noch neuerdings besprochen zu diskutiert zu haben, zustimmen. Die<lb/>
Handelskammer wird aber bis zum 10. September eine diesbezügliche Mit<lb break="no"/>teilung dem Handelsministerium zukommen lassen.Auf all Fälle er<lb break="no"/>wartet <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass er auf diesem Sektor Zugeständnisse machen muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_11">Als drittes und wichtigstes Problem wurden die EWG-Verhandlungen er<lb break="no"/>örtert. Die Handelskammer möchte, dass für die Agrarprodukte, ins<lb break="no"/>besondere für die Verarbeitungsprodukte, eine Lösung gefunden wird.<lb/>
Ähnlich wie beim österr. Stärkegesetz sollte auch für Zucker und an<lb break="no"/>dere Produkte ein Abschöpfungsverfahren errichtet werden. Bei diesem<lb/>
Abschöpfungsverfahren möchte dann die Bundeshandelskammer die Mittel<lb/>
für die weiterverarbeitende Industrie bekommen, um sie gegenüber den<lb/>
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Süsswarenindustrie den Zucker zum Weltmarktpreis erhält, sie mit<lb/>
ihren Produkten im Export konkurrenzfähig bleibt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte nun<lb/>
er müsste bei erst gar nicht viel Aufhebens machen, dass die österr.<lb/>
Süsswarenindustrie geschützt werden muss, sondern nur dann überhaupt<lb/>
existieren kann, wenn man ein ähnliches System in Österreich aufbaut.<lb/>
Ich selbst erklärte sofort, dass ich kaum Chancen sehe, dass die österr.<lb/>
Süsswarenindustrie ausser zwei oder drei Unternehmungen in Hinkunft wird<lb/>
existieren wird können. Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht so sehr darin,<lb/>
dass wenn die Zölle dann wegfallen die österr. Süsswarenindustrie<lb/>
durch Abschöpfung und Zuschüsse aufrechterhalten bleibt, sondern dass man<lb/>
mit der Zuckerindustrie ein Arrangement finden muss, dass bereits jetzt<lb/>
entsprechende verbilligte Rohstoffzuckerpreise der Süsswarenindustrie<lb/>
verrechnet werden. Dabei müsste es egal sein, ob es sich jetzt um eine<lb/>
Lieferung für den Export oder für das Inland handelt. Dr. <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs> wies<lb/>
darauf hin, dass z.B. in der BRD die Zuckerindustrie für die Zitronen<lb break="no"/>säureproduktion ebenfalls verbilligten Zucker abgibt. Genau dieses Bei<lb break="no"/>spiel kam mir sehr gelegen, denn ich wies darauf hin, dass ich bereits<lb/>
seit Wochen mit der Zuckerindustrie Verhandlungen angeregt habe, damit<lb/>
sie auch unseren Zitronensäureproduzenten Zucker nicht nur für den Export<lb/>
verbilligt abgibt sondern zu Weltmarktpreisen auch für die Zitronensäure<lb break="no"/>produktion für den Inlandsabsatz. <choice><choice><sic>Dalani</sic><corr>?</corr></choice></choice> hat sich bekanntlich seit<lb/>
Monaten um eine solche Regelung bemüht. Ähnlich ist die Problematik<lb/>
bei der österr. Hefeindustrie. Die Handelskammer möchte nun, dass ohne<lb/>
auf dieser privatwirtschaftlich und privatrechtlichen Basis zwischen<lb/>
der weiterverarbeitenden Industrie und der Zuckerindustrie sowie der<lb/>
Stärkeindustrie doch Abschöpfungsregelungen in Aussicht genommen werden.<lb/>
Der Handelskammer schwebt sogar vor, dass man für Papier und Bekleidung<lb/>
z.B. durch Erstattung und Abschöpfungen die notwendigen Rohprodukte<lb/>
und Rohstoffe für ihre Verarbeitung manipulieren könnte. Ich äusserte<lb/>
gegen eine solche Politik meine grössten Bedenken und auch Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> meinte, man würde gar nichts anderes zu tun haben, als die Liste<lb/>
1059 zweckentsprechend zu adaptieren. Die Ankündigung der Kommission,<lb/>
dass man bei diesen Produkten nur den fixen Teil der Abschöpfung auf<lb/>
Null senken würde, der bewegliche Teil aber in vollem Umfang auf Weltmarkt<lb break="no"/>preisen aufrechterhalten bleibt, möchte die Handelskammer gerne auf<lb/>
nationales Preisniveau beschränkt wissen. Die Bundeskammer möchte<lb/>
also ähnlich wie die Landwirtschaft bei Rindern eine wesentliche Änderung<lb/>
bei der EWG-Systematik. Ich glaube nicht, dass dies gelingen wird, aber<lb/>
wir werden ja sehen, wie sich die Verhandlungen weiter gestalten werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_12">Ein weiterer Wunsch der BHK war, ob die Freihandelszonenregelung nicht von<lb/>
allen Neutralen multilateral verhandelt und vor allem auch dann ein Ver<lb break="no"/>trag mit allen Neutralen gleichzeitig geschlossen werden kann. Selbst<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> sprach sich ganz entschieden gegen eine solche Regelung aus,<lb/>
da er auf dem Standpunkt steht, dass wir bei bilateralen Verhandlungen<lb/>
aber vor allem auch bei bilateralen Abschlüssen- wie die EWG-Kommission<lb/>
jetzt vorsieht- günstiger und schneller zu einer Lösung kommen könnten. Der<lb/>
von der Bundeskammer gefürchtete geringe Einfluss der Gemischten Kommission<lb/>
auf die weitere Entwicklung in der EWG und den Beziehungen der Neutralen<lb/>
zur EWG, teilt <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> keinesfalls. Natürlich wird in dieser Gemischten<lb/>
Kommission dann auch die Schutzklausel, die immerhin von der EWG-Kommis<lb break="no"/>sion selbst verlangt wird, zu handhaben sein. Österreich wird – bevor eine<lb/>
Schutzklausel zur Anwendung kommt – immer darauf hinweisen, dass zuerst<lb/>
die Kausalität der Massnahme gegeben sein muss. Es geht nicht an, dass<lb/>
die Schutzklausel zur Anwendung kommt, ohne dass Verkehrsverlagerungen<lb/>
drohen und Wettbewerbsverzerrungen festzustellen sind. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> ist auch<lb/>
überzeugt, dass ein permanenter Rat der Gemischten Kommission vorgeschaltet<lb/>
sein wird. Die Gemischten Kommission wird doch höchstens ein paar Mal<lb/>
im Jahr zusammentreten, während der permanente Rat wahrscheinlich kontinu<lb break="no"/>ierlich und konstant in Brüssel tagen wird. Bei dieser Gelegenheit wies ich<lb/>
darauf hin, dass dies mit einer der Gründe ist, warum wir derzeit die<lb/>
Sektionsleiterstellvertreter der Sektion I regeln mussten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_13">Bei der Diskussion über das Interimsabkommen hat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> gemeint, dass kaum<lb/>
eine Chance besteht, dass dieses tatsächlich heuer noch abgeschlossen wird.<lb/>
Er meinte, ich würde sicherlich meinen Liter Milch, auf den ich hingewiesen<lb/>
habe, gewinnen. Die Bundeskammer wollte dann einen ständigen besseren Kon<lb break="no"/>takt mit dem Handelsministerium, wie sich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs> aus<lb break="no"/>drückten, erreichen. Sie meinen, dass wir im Büro für Integrationsfragen<lb/>
doch wesentliche Besprechungen oder Überlegungen anstellen, von denen<lb/>
sie nicht informiert sind. Ich erklärte sofort, dass ich dies für<lb/>
unmöglich halte und <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> selbst meinte, dass jede Neuerung sofort<lb/>
der Handelskammer mitgeteilt wird. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich sogar,<lb/>
dass die Handelskammer alle Fernschreiben, die von Bedeutung sind, im<lb/>
Wortlaut erhält. Da ich für einen engeren Kontakt bin, habe ich angeregt,<lb/>
dass auch dies anderen Interessenvertretungen mit dem Büro in einen ständi<lb break="no"/>gen Kontakt kommen sollen, ohne dass immer interministerielle Sitzungen<lb/>
deswegen einberufen werden müssen. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> meinte, dass er sowieso jede<lb/>
neue Nuance, jede neue Facette sofort den Interessensvertretungen mitteilt.<lb/>
So wird jetzt z.B. in einem Kabel angedeutet, dass gegebenenfalls, wenn<lb/>
<pb n="07-0917" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band07/07_1971-07-23_0917.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>es zu einem Interimsabkommen kommen sollte, bei de, Globalabkommen<lb/>
von 30 % abgesenkten Zöllen beim weiteren Zollabbau ausgegangen werden<lb/>
soll. Er hält diese angedeutete Mitteilung für vollkommen falsch, da<lb/>
sie bedingen würde, dass zwischen den anderen EFTA-Staaten und Öster<lb break="no"/>reich ein verschiedener Absenkungsterminplan erstellt werden müsste.<lb/>
An Hand dieses Beispiels wollte <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> demonstrieren, dass eben jede<lb/>
Andeutung aus Brüssel, die einen anderen Gesichtspunkt beinhaltet, als<lb/>
bis jetzt besprochen wurde, sofort Veranlassung gibt, die Interessen<lb break="no"/>vertretungen zu verständigen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war über diese Mitteilungen und<lb/>
Ausführungen sehr befriedigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Ich glaube aber, dass wir in Hinkunft auf den<lb/>
Wunsch der Handelskammer noch einen besseren Kontakt mit dem Integrati<lb break="no"/>onsbüro zu erhalten, unbedingt eingehen sollten. Dies ist eine Gelegen<lb break="no"/>heit, auch die AK und den ÖGB fester einzuschalten, und niemand kann,<lb/>
wenn sich einmal etwas ändern sollte, dies dann rückgängig machen. Si<lb break="no"/>cher ist jetzt, dass bereits die Handelskammer natürlich andere Detail<lb break="no"/>informationen bekommen hat und noch bekommen wird. Ich glaube, wenn wir<lb/>
daher eine richtige Institutionalisierung der Interessenvertretungen im<lb/>
Integrationsbüro erreichen, wir einen weiteren Schritt zum Einbau der<lb/>
Interessenvertretungen in dieses Ministerium festgelegt haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band07_1971-07-23_15">Bei einer Präsidiumsbesprechung von der SPÖ Landstrasse konnte nun end<lb break="no"/>gültig geklärt werden, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> an zweiter Stelle des Bezirks für<lb/>
den Nationalrat nominiert wird. Die Gewerkschaftsvertreter, nämlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137387">Kapaun</rs>, war damit einverstanden, dass der dritte Platz, der bis jetzt<lb/>
immer einem Arbeiter von der Gewerkschaftsfraktion vorbehalten blieb,<lb/>
auch weiterhin nur am dritten Platz dem Siemensbetriebsrat <rs type="person" ref="#per__137388">Schönbichler</rs><lb/>
bleiben soll. Damit wäre dieses Problem für den 3. Bezirk befriedigt<lb/>
gelöst. Allerdings ergibt sich daraus noch lange nicht, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
auch einen wählbaren Platz auf der Wiener Liste bekommen wird. Derzeit<lb/>
sind noch immer die Bestrebungen Liesings, Dr. <rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs>, der wahr<lb break="no"/>scheinlich nicht annähernd so tüchtig ist wie <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, auf eine wählbare<lb/>
Stelle zu bringen, sehr stark.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 23.7.1971</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Frühbauer, Erwin</persName>
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               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>öst. Handelsdelegierter in d. DDR</occupation>
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               <persName type="label">Cech, Franz</persName>
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               <occupation>SC Energiesektion HM bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Fleischmann, Franz</persName>
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               <occupation>ÖIAG, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Steiger, Paul</persName>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Kapaun, A</persName>
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               <occupation>[1971, SPÖ Landstraße, Gewerkschaftsvertreter, Tehma ist die
                  Nationalratsliste; wohl kaum Heinz Kapaun gemeint, der zu dieser Zeit im Bgld.?;
                  Vorname ev. Franz?]</occupation>
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               <persName type="label">Fälbl, Maximilian</persName>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <occupation>Verkehrsministerium, Sektion IV, Energie</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>BR/BRO Siemens, NR-Kandidat SPÖ Landstraße [Identifikation nicht 100%
                  sicher, der Name jedoch auf der NR-Liste 1971; am 9.11.1971 bei
                  Bezirksausschusssitzung als Ernstl bez., wohl derselbe?]</occupation>
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               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
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               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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               <occupation>HK</occupation>
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               <occupation>AK</occupation>
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               <occupation>Leiter Osteuropareferat BHK</occupation>
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               <occupation>SC Verkehrsministerium [1971; Präsidialist; vielleicht bereits als ein
                  anderer Fischer erfasst?]</occupation>
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               <occupation>ehem. ÖVP-Verkehrsminister, Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Zimmermann, Rupert</persName>
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               <occupation>AR ÖIAG; evtl. Falschidentifikation [Mai 1971 bereits ÖIAG?; auch am
                  21.7. gemeint?]</occupation>
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               <persName type="label">Demuth, Walter</persName>
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               <occupation>Beamter [Verkehrsministerium oder HM?; jedenfalls Bereich Energie;
                  1971]</occupation>
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