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            <title type="main">Freitag, der 16. Juli 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_01">Freitag, 16. Juli 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_02">Die letzte Nationalratssitzung stand natürlich im Zeichen des Nach<lb break="no"/>hausefahrenwollens. Trotzdem wurde am Anfang die Tagesordnung nur<lb/>
sehr schleppend abgewickelt. Vor allem konnte ich feststellen, dass<lb/>
die anderen Minister eigentlich nur sehr wenig bereit waren, Strei<lb break="no"/>chungen von Rednern zu ihren Punkten zuzulassen. Insbesondere bestand<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> darauf, dass durch eine Debatte doch die Bedeutung ihres<lb/>
Ressorts herausgestrichen wird. Die Diskussionsredner wären dabei<lb/>
gerne bereit gewesen, auf ihre Wortmeldungen zu verzichten. Ich be<lb break="no"/>schuldigte <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs>, dass er mit zweierlei Masstäben misst. Als vom<lb/>
Handelsausschuss ein ganzes Dutzend von Gesetzen zur Debatte und Be<lb break="no"/>schlussfassung stand, hat kein einziger Redner dazu sprechen können,<lb/>
weil wir ebenfalls unter Zeitdruck waren. Jetzt, wo es zum letzten<lb/>
Tag der Legislaturperiode hinkommt, konnte er sich nicht durchsetzen.<lb/>
Ich glaube, dass meine Taktik aber richtig ist. Ich habe bereits<lb/>
seinerzeit als ich noch Oppositionsredner war, ebenfalls nur dann ge<lb break="no"/>sprochen, wenn die übereinstimmende Meinung aller War, ich müsste<lb/>
dazu unbedingt Stellung nehmen. Wenn dann ich infolge Zeitmangels<lb/>
auf eine Rede verzichtet habe, waren alle froh und haben erklärt, was<lb/>
ich für ein klasser Bursch sei. Genauso handhabe ich es jetzt auch<lb/>
als Minister. Ich glaube nämlich wirklich, dass es gar keinen Sinn<lb/>
hat, wenn man sich einbildet, dass unbedingt irgendetwas herausge<lb break="no"/>strichen werden muss. In Wirklichkeit gehen die ganzen Reden doch<lb/>
unter. Ich glaube, dass vielmehr der Eindruck wichtig ist, dass man<lb/>
ein konzilianter und verständlicher Minister ist, der auf die Bedürf<lb break="no"/>nisse der einzelnen Volksvertreter Rücksicht nimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_03">Auf der Tagesordnung standen auch die terminisierten Gesetze. Jetzt<lb/>
zeigte sich erst, wie verheerend der Fehler gewesen ist, dass wir – als<lb/>
die FPÖ die Terminisierung ablehnte – wir mit der ÖVP trotzdem aus<lb/>
Versehen für eine Terminisierung der Gesetze stimmten. Hätten wir<lb/>
sie damals nicht terminisiert, wären sie alle im Ausschuss liegen ge<lb break="no"/>blieben und hätten in der neuen Legislaturperiode erst wieder einge<lb break="no"/>bracht werden müssen. So kam es zu gar keiner Ausschussberatung mehr<lb/>
sondern es wurde jetzt sofort im Plenum die zweite und dritte Lesung<lb/>
vorgenommen. Die FPÖ, die diesen Gesetzen sehr positiv gegenüberstand,<lb/>
stimmte mit der ÖVP, als gute Ausrede konnte dabei die FPÖ noch erklären,<lb/>
dass sie in Wirklichkeit ja nicht für.die Befristung gestimmt hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_04">Durch die Erhöhung der Freigrenze bei dem Gewerbesteuergesetz von<lb/>
24.000 auf 30.000, bei der Lohnsummensteuer von 5.000 auf 7.500.– S<lb/>
und ein Freitag von 1.500 auf 5.000 S werden die Unselbständigen wesent<lb break="no"/>lich entlastet. Die Gewerbesteuer bringt eine Ausfall von 200 Mio,<lb/>
100 Mio davon tragen die Gebietskörperschaften, die Lohnsummensteuer<lb/>
von 50 Mio, die nur die Gemeinden betreffen. Bei Aufhebung der Ruhens<lb break="no"/>bestimmungen § 94, wo in Hinkunft nicht mehr Ruhensbestimmungen ruhen,<lb/>
wenn er 540 Beitragsmonate, sondern bereits bei 540 Versicherungsmonate<lb/>
hat, kosten ca. 100 Mio S. Hier wurde der erste Grundstein bei der Budget<lb break="no"/>erstellung 1971 der FPÖ <choice><choice><sic>zugestattet</sic><corr>zugestanden</corr></choice></choice>. Damals wurde vereinbart, dass wenn<lb/>
540 Beitragsmonate der Betreffende nachweisen kann, ein Ruhen der Pen<lb break="no"/>sion wegfällt. Nun werden auch die Ersatzzeiten, das ist Arbeitslosigkeit,<lb/>
Krieg, Haft usw. angerechnet und damit können 2.000 Leute, die heute eine<lb/>
Pension ruhend haben, in Hinkunft arbeiten und kriegen ihre Pension auch<lb/>
ausbezahlt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> fürchtet, dass damit ein Weg eingeschlagen wird, dass<lb/>
in Hinkunft 10.000-e die Pension bekommen werden, incl. des Grundbe<lb break="no"/>trages und nebenbei noch arbeiten. Dadurch würden bei 10.650 Mio. S<lb/>
pro Jahr zusätzlich aufgebracht werden müssen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ist der Meinung,<lb/>
dass sich insbesondere die höheren Angestellten es sich leicht richten<lb/>
können, da er bei Einreichung der Pension versicherungsfrei, d.h. in<lb/>
keinem Arbeitsverhältnis stehen darf, können diese Angestellten mit ihren<lb/>
Chefs entsprechende Vereinbarungen treffen, dass sie nach einem Monat wie<lb break="no"/>der in ihrer alten Position beginnen können. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> stellte diesen höheren<lb/>
Verdienern, die jetzt in Hinkunft auch ihren Grundbetrag der Rente von<lb/>
30 % zusätzlich bekommen würden, die Steigerungsbeiträge haben sie ja<lb/>
bis jetzt auf alle Fälle erhalten, 310.000 Ausgleichszulagenempfänger<lb/>
mit 1.528.– S, die 50.000 GSPG-Ausgleichszulagenempfänger und die<lb/>
50.000 LZVG, d.h. die Gewerbetreibenden und Bauern, Mindestrentner<lb/>
gegenüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_05">In der Diskussion erregte sich <rs type="person" ref="#per__137037">Melter</rs> insbesondere, dass <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> höheren<lb/>
Angestellten hier ungesetzliche Manipulation unterschob, verstieg sich<lb/>
in der Behauptung, dass diese angeblich höheren Renten von 6–7.000 S noch<lb/>
immer wesentlich geringer seien als das Einkommen, das <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> bezieht.<lb/>
Und dass nicht er Demagogie betreibt, als ihm dies vorgeworfen wurde,<lb/>
sondern dass <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> noch sein Lehrmeister in der Demagogie sein könnte.<lb/>
Sehr geschickt ist ein solches Verhalten sicherlich nicht und <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> war<lb/>
ganz unglücklich, wie man ihm ansehen konnte. <rs type="person" ref="#per__137037">Melter</rs> ist jetzt vor einigen<lb/>
Monaten erst Mitglied einer Gewerkschaft geworden und mit solcher Methode<lb/>
wird er sich kaum Freunde im Gewerkschaftsbund schaffen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, mit<lb/>
<pb n="06-0883" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-16_0883.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dem ich gemeinsam mit <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> im Couloir über dieses Problem redete,<lb/>
war über die Entwicklung auch sehr beunruhigt. Er vertritt mit Recht<lb/>
auch unsere Meinung, dass ja die Pension auch dazu dienen soll, damit<lb/>
80 % des Aktiveinkommens ein Betreffender, wenn er eben ein Alter er<lb break="no"/>reicht hat, erhalten soll. Keinesfalls aber war jemals beabsichtigt,<lb/>
dass jemand 80 % seines Aktiveinkommens bekommt und dann noch zusätzlich<lb/>
ein Aktiveinkommen beziehen kann. Richtig ist, dass der öffentliche Dienst<lb/>
sich dieses Probleme bereits vor Jahren entsprechend geregelt hat, die<lb break="no"/>ses Präjudiz greift jetzt scheinbar auf die Unselbständigenversicherung<lb/>
über und wird früher oder später alle umfassen. Ob dann die jüngeren<lb/>
Leute, die die Pensionen ja dann irgendwie aufbringen müssen, sei es<lb/>
durch Sozialversicherungsbeiträge, sei es durch Bundeszuschuss durch<lb/>
die Steuern dies hinnehmen werden, möchte ich bezweifeln. Nur um ein<lb/>
paar tausend Angestellten Rechnung zu tragen, wird hier eine Politik<lb/>
eingeleitet, die wahrscheinlich finanziell wirklich katastrophale<lb/>
Folgen in der Sozialversicherung auslösen muss. Propagandistisch hatte<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und unseren Leuten vorgeschlagen, sollten wir uns gar nicht<lb/>
auf eine Debatte jetzt einlassen ob wir für oder gegen Ruhensbestimmungen<lb/>
sind, sondern sollte sagen, dass die ÖVP und die FPÖ für 2.000 Pen<lb break="no"/>sionisten kämpft, während die Sozialisten für 1,2 Mill. Pensionen kämpft.<lb/>
Natürlich ist das demagogisch, denn den 2.000 Pensionisten kann man<lb/>
finanzielle leichter die notwendigen Dutzende Millionen, die notwendig<lb/>
sind, zahlen, währenddem für 1,2 Mill. Pensionisten geht jeder Erhöhung<lb/>
sofort in die Milliarden. Wenn aber die ÖVP, es sprach Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaier</rs>,<lb/>
der aus der Sozialversicherung kommt und die Verhältnisse sehr gut<lb/>
kennt, der Antrag war von Vollmann, Direktor der Sozialversicherung,<lb/>
ebenfalls auf demagogisches Gebiet sich begibt, dann glaube ich kann<lb/>
man rein sachlich nicht mehr dagegen argumentieren. Wenn die Leute<lb/>
hören werden, dass sie Pension kriegen können, auch dann wenn sie<lb/>
älter sind und noch arbeiten, wird ein jeder glauben, er wird auch einmal<lb/>
davon betroffen und wird sich sehr positiv dazu einstellen.<lb/>
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868 Mill. S Kosten geschätzt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hofft noch immer, dass der<lb/>
Bundesrat gegen die Gesetzesbestimmungen Einspruch erheben wird. Ich<lb/>
erwiderte ihm, dass ich das für vollkommen falsch halten würde, denn<lb/>
wir würden dann nur provozieren, dass wahrscheinlich die ÖVP im<lb/>
September eine ao. Session verlangen würde, dort einen entsprechenden<lb/>
Beharrungsbeschluss fassen und dass wir dann neuerdings die Diskussion<lb/>
gerade im Wahlkampf abführen müssten. Sein Argument, dass wir auch im<lb/>
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sehr genau gesagt haben, welches Finanzierungskonzept wir haben,<lb/>
nämlich dass wir nicht bereit sind, alle Steuern sofort zu senken,<lb/>
ist ein schlechter Vergleich. Damals haben wir sogar und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> war<lb/>
der Initiator, eine Lohn- und Einkommenssteuerreform verlangt<lb/>
und darüber hinaus uns im grossen und ganzen über Detailsteuerfragen<lb/>
ausgeschwiegen. Ausserdem ist es meiner Meinung ein sehr grosser<lb/>
Unterschied, ob man in der Opposition sich durch Lizitieren sich<lb/>
nicht einen schlechten Ruf erwirtschaftet oder ob man als Regierungs<lb break="no"/>partei unpopuläre Massnahmen vertritt. Die Erhöhung des PFZ-Pauschales,<lb/>
welches der Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> von 260.– auf 280.– S vorsah und die ÖVP<lb/>
jetzt auf 325.– S hinaufgesetzt hat, wird bei 1 Mill. Kraftfahrer<lb/>
entsprechend positives Echo finden. Richtig ist, dass auch der<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-Vorschlag bereits eine Erhöhung des KFZ-Pauschales, wenn<lb/>
über 20 km gefahren wird, auf 350.– S vorsah, aber genauso richtig<lb/>
ist, dass die ÖVP jetzt mit der FPÖ diesen Betrag auf 487,50 S<lb/>
erhöht hat. Wenn man nun diese Diskussion im Herbst Mitte September<lb/>
vor den Wahlen noch einmal führt, dann wird dies den Wählern umso<lb/>
mehr zum Bewusstsein kommen. Ich stimme deshalb vollkommen überein,<lb/>
dass man dem Bundesrat die Gesetze nicht mehr zeitgerecht zuleitet<lb/>
und dann nach 8 Wochen die Gesetzes automatisch in Kraft treten<lb/>
da sie vom Bundesrat nicht mehr beeinsprucht sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_07">Bein Weingesetz passierte eine kleine Panne. Die ÖVP hat sich gegen<lb/>
die Einführung von Kontrollbüchern und verschärfter Aufzeichnungs<lb break="no"/>pflicht für die Weinbauer ausgesprochen. Ich verlangte deshalb, dass<lb/>
über den § 33, der dies beinhaltet, extra abgestimmt wird. Sowohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, der von der Regierungsbank herunterkam und sich neben <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs><lb/>
setzte, als auch <rs type="person" ref="#per__97809">Pfeifer</rs>, unser Agrarsprecher, hatte vorher <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs><lb/>
dem Ordner erklärt, dass bei dieser Abstimmung wir sitzenbleiben<lb/>
sollten. Im Kroki stand zwar, dass dieser Teil der Regierungsvorlage<lb/>
angenommen wird. Da <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs> aber sitzenblieb, hat sich die ÖVP<lb/>
durchgesetzt. Ihre Freude währte allerdings nicht lange, als ihnen<lb/>
die Bürokratie dann auseinandersetzte, das damit eine wichtige Be<lb break="no"/>stimmung gefallen ist, die insbesondere die EWG im österr. Weingesetz<lb/>
als dringend notwendig erachtet, damit die Weinexporte weiterhin<lb/>
aufrechterhalten werden können. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> wollte deshalb, dass<lb/>
man unverzüglich einen Initiativantrag einbringt, nach der Haussitzung<lb/>
sofort eine zweite Sitzung macht, wo er zugewiesen wird, dann unter<lb/>
Verzicht auf die 24-Stunden-Frist in einem Ausschuss 5 Minuten be<lb break="no"/><pb n="06-0885" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-16_0885.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>raten und dann in einer dritten Haussitzung am selben Tag endgültig<lb/>
saniert wird. Als ich mir den Gesetzestext ansah und bemerkte, dass<lb/>
diese Bestimmung sowieso erst mit 1. Juli 1972 in Kraft treten sollte,<lb/>
stand ich persönlich auf dem Standpunkt, da hätten wir im neuen Parlament<lb/>
Zeit genug, das zu sanieren. Typisch ist, wie nervös die Landwirt<lb break="no"/>schaft wurde, die zuerst triumphierend erklärt hat, sie lehnte eine<lb/>
Kontrolle auf alle Fälle ab. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> entschied wieder einmal<lb/>
souverän. Er führt zu diesem Zeitpunkt den Vorsitz und lehnte es –<lb/>
als <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> bei ihm diese Idee vertrat – ganz entschieden an, hier<lb/>
jetzt noch einmal zwei Haussitzungen unverzüglich einzuberufen.<lb/>
Auf alle Fälle werde ich, wenn einmal ein Gesetz nicht einstimmig vom<lb/>
Handelsausschuss beschlossen werden sollte, sehr genau aufpassen müssen,<lb/>
damit nicht solche Abstimmungsfehler passieren. Letzten Endes ist natür<lb break="no"/>lich immer der Minister dafür verantwortlich.<lb/>
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Benzinpreis vor Herbst keinesfalls erledigt wird, dass wir wenigstens<lb/>
die Vorprüfung über die Anträge einleiten. Ich erwiderte, dass die ganze<lb/>
Zeit von <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> entsprechendes Prüfungsverfahren abgewickelt wird<lb/>
und eine neuerliche Beschäftigung der Preiskommission als Vorprüfung<lb/>
nicht notwendig sei. Ich wies darauf hin, dass meine Entscheidung nicht<lb/>
durch die Oktober-Wahl bedingt ist, sondern dass ich tatsächlich abwarten<lb/>
muss, bis wir bezüglich des Bleigehaltes vollkommene Klarheit haben.<lb/>
In der BRD wurde das Gesetz mit 0,15 Gramm pro Liter erlassen. Dieses<lb/>
Gesetz soll 1976 wirksam werden. Wahrscheinlich werden jetzt in abseh<lb break="no"/>barer Zeit die Ausnahmegenehmigungen von 0,4 Gramm pro Liter, das ist<lb/>
die derzeitige Höchstgrenze, eingeschränkt werden. Sobald die ÖMV ihren<lb/>
Platformer fertig hat und 0,4 Gramm pro Liter erzeugen kann, wird eine<lb/>
diesbezügliche Verordnung bereits unverzüglich von mir erlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte Vorkehrungen treffen, damit der<lb/>
Verordnungsentwurf entsprechend vorbereitet wird, damit wir im Rahmen<lb/>
des Wahlkampfes nicht dann erst einen solchen Verordnungsentwurf aus<lb break="no"/>schicken müssen. Ebenso bitte dafür Vorsorge treffen, dass auch die<lb/>
anderen <choice><choice><sic>Angase</sic><corr>Abgase</corr></choice></choice> entsprechend durch VO, die bereits erlassen hätten sein<lb/>
können, soweit vorbereitet sind, dass wir spätestens Anfang September,<lb/>
wenn wir im Wahlkampf angeschossen werden, darauf hinweisen können,<lb/>
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technischen Möglichkeit sofort die Umweltverschmutzung aufhört.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_10">Die wichtigste Vorbereitung, die wir – nachdem das Parlament<lb/>
jetzt aufgelöst ist – treffen müssen, ist, dass im Wahlkampf<lb/>
die notwendigen Angriffe von uns abgewehrt werden können.<lb/>
Mit Sicherheit ist zu rechnen, dass einzelne Fachgruppen und<lb/>
einzelne Wirtschaftsbundabgeordnete den Entwurf der Gewerbeordnung<lb/>
angreifen werden. Weiters wird man sich auch die Untätigkeit be<lb break="no"/>treffend den Umweltschutz Herausstreichen. Ich hätte eigentlich in<lb/>
den vergangenen Monaten viel mehr darauf drängen müssen, dass die<lb/>
gesamten Verordnungsentwürfe – wie sie sich auf Grund des derzeitigen<lb/>
Kraftfahrgesetzes und der neuen Novelle jetzt ergeben – bereits<lb/>
vorbereitet sein müssten. Das kann man aber zweifelsohne jetzt<lb/>
sofort nachtragen. Ich beabsichtige dann mit diesen Verordnungsent<lb break="no"/>würfen den Kraftfahrbeirat zu beschäftigen, der dann natürlich eine<lb/>
entsprechende Publicity abgibt und sich besonders freuen wird, dass<lb/>
er auch in diesen Fragen eingeschaltet wird. Im Rahmen der Verhand<lb break="no"/>lungen der EWG hoffe ich, dass wir noch im September zur einer Ver<lb break="no"/>handlungsrunde mit dem Interimsabkommen kommen können. Diesbezüg<lb break="no"/>liche Angriffe, dass ich mich hier nicht entsprechend eingeschaltet<lb/>
habe, kann ich dann umso leichter zurückweisen, als selbst <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97613">Karasek</rs> sich an <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> gewendet haben und nicht an den<lb/>
zuständigen Ressortminister, um in Brüssel akkreditiert zu werden.<lb/>
Ich glaube aber, dass wir propagandistisch vor allem die notwendigen<lb/>
Vorkehrungen treffen müssen, indem wir immer mehr jetzt auch auf<lb/>
offizielle Aussendungen in dieser Frage wert legen müssen. In ge<lb break="no"/>ringerem Abstand folgt dann das Berggesetz, welches wenn es irgendwie<lb/>
gelänge, doch noch in die Begutachtung geschickt werden sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-16_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Vielleicht sollten wir uns doch wirklich über<lb break="no"/>legen, ob wir nicht doch eine Pressekonferenz mit einer Art Tätig<lb break="no"/>keitsbericht, den das Handelsministerium seit eh und je herausgegeben<lb/>
hat, veranstalten. Vielleicht sollte man – da ich seinerzeit erklärt<lb/>
habe, wir werden keinerlei schriftlichen Tätigkeitsbericht vorlegen –<lb/>
dort nur eine mündliche Darstellung von den einzelnen Sektionen ge<lb break="no"/>ben, gegebenenfalls könnte man vielleicht sogar den Abteilungsleitern<lb/>
eine Chance geben, sich der Presse vorzustellen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 16.7.1971</head>
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               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
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               <persName type="label">Weikhart, Eduard</persName>
               <persName><surname>Weikhart</surname><forename>Eduard</forename></persName>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Peter, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Peter</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>FPÖ-Obmann</occupation>
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               <persName><surname>Melter</surname><forename>Werner</forename></persName>
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               <persName type="label">Minkowitsch, Roland</persName>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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