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            <title type="main">Montag, der 12. Juli 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band06_1971-07-12</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_01">Montag, 12. Juli 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_02">Direktor <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> von der Unilever muss entsprechend der Rapsgemeinschaft<lb/>
mit der Landwirtschaft ein neues Rapsübereinkommen abschliessen. Das<lb/>
zuletzt geschlossene war auf 3 Jahre befristet und läuft 1971 ab. Prä<lb break="no"/>sident <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> von der Landwirtschaftskammer OÖ und gleichzeitiger<lb/>
Präsident der Präsidentenkonferenz möchte den Vertrag dahingehend moti<lb break="no"/>vieren, dass in Hinkunft nicht mehr so wie jetzt 3.80 pro kg Raps<lb/>
von der Fettindustrie bezahlt wird, sondern dass der Betrag, der dafür<lb/>
aufgewendet wird, das sind ca. 30 Mill. S auf die abzuliefernde Menge<lb/>
aufgeteilt wird. Der jetzige Vertrag sieht vor, dass 8.000 t maximal<lb/>
plus oder minus 10 % von der Fettindustrie übernommen werden müssen.<lb/>
Die Fettindustrie verkauft diesen Raps nach Ungarn, erleidet dabei<lb/>
einen Verlust heuer – da nur 6.000 t abgeliefert wurden – von 5 Mio S.<lb/>
Wenn die Unilever ca. 61 % zu tragen hat. Bezüglich des Anteils für<lb/>
die GÖC von 3 % hat die Unilever also fast 2/3 zu tragen. Derzeit sind<lb/>
die Verluste nicht so hoch, da bereits auf dem Weltmarkt 121 $ pro to<lb/>
bezahlt werden. Der tiefste Preis war vor einigen Jahren 98.– $. Die<lb/>
Fettindustrie steht nun auf dem Standpunkt, dass ein neues Abkommen nur<lb/>
dann geschlossen werden kann, wenn die Paritätische Kommission eine Preis<lb break="no"/>erhöhung für Öl zustimmt. Ich habe Direktor <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> erklärt, dass doch<lb/>
verhältnismässig nur sehr wenige Bauern betroffen sind. Meiner Meinung<lb/>
nach kommen von 2000 Bauern, die Raps abliefern ein Drittel der Menge<lb/>
auf 5 Betriebe. Die Ölindustrie, die sehr drängt, dass die Ölpreise er<lb break="no"/>höht werden, hat seinerzeit allerdings, als die Umsatzsteuer 6,1 % auf<lb/>
1,7 % gesenkt wurde, die moralische Verpflichtung übernommen, die Preise<lb/>
stabil zu halten. Dadurch ist eine Kostenentlastung von 8,5 % einge<lb break="no"/>treten Gleichzeitig wurde zugegeben, dass auf meinen Hinweis die Schilling<lb break="no"/>aufwertung ebenfalls 3,5 % Kostenentlastung bei den Importen bringt.<lb/>
Den Verlust aus dem Rapsabkommen beziffert <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> mit 1,5 % auf den<lb/>
Ölpreis. Die Rohstoffkosten sind aber in den letzten Jahren ununter<lb break="no"/>brochen gestiegen und ziehen auch im jetzigen Zeitpunkt sehr an. Das<lb/>
Sonnenblumenöl mit 100 1963 bis 1969 beziffert, so war 1970 ca. 130<lb/>
der Index und steigt nun im Jänner auf 155, Feber 169 und März 177<lb/>
an-. Bei einer 70 %-igen Rohstoffanteil-Tangente würde der Verbraucher<lb break="no"/>preis um 50 % erhöht werden müssen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> nicht im Unklaren<lb/>
gelassen, dass eine solche Preiserhöhung überhaupt nicht in Erwägung<lb/>
gezogen werden kann. Die Unilever hat mit 28 % Ölproduktionsanteil, das<lb/>
sind 10.000 t, einen marktbeherrschenden Einfluss. Der Bona-Preis konnte<lb/>
von ihr deshalb gehalten werden, weil sie heute nicht 100 %-ig Sonnen<lb break="no"/><pb n="06-0858" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0858.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>blumenöl sondern nur 75 % und 25 % Sojaöl mischt. Eine weitere Bei<lb break="no"/>gabe von billigem Sojaöl ist nicht mehr möglich, da ansonsten die<lb/>
Qualität leidet. GÖC, als mit der Unilever entliiert, hat nur 3.800<lb/>
bis 4.000 t im Lohn kann noch dafür gewonnen werden, den Ölpreis<lb/>
nicht unverzüglich zu erhöhen. Ostermann dagegen, der zu 50 % Anteil<lb/>
aus dem BRD-Besitzer und zu 50 % Clio-Anteil kapitalmässig heute sich<lb/>
zusammensetzt, hat mir <choice><choice><sic>Vegetatbile</sic><corr>Vegetabile?</corr></choice></choice> und Olea-Rauch, Innsbruck, ca.<lb/>
40 % Anteil und drängt ganz besonders auf eine Preiserhöhung. Ebenso<lb/>
die Firma Meinl, Wiener Ölwerke. Flaschenöle wurden deshalb von all<lb/>
diesen Firmen bereits erhöht und ist eine weitere Erhöhung nicht mög<lb break="no"/>lich, da Bona einerseits den Preis erhöhen müsste. Im Oktober-November<lb/>
wird aber die Ölindustrie eine Erhöhung um unter 10 %, damit sie noch<lb/>
im Preisunterausschuss behandelt werden können, dort einbringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_03">Bei der Margarine sieht die Situation anders aus. Dort hat Unilever<lb/>
fast einen Monopol-Betrieb. Haushaltsware produziert sie 95 % und<lb/>
Ebhart &amp; Herout nur 5 %. Bei Industrieware, d.h. insbesondere für die<lb/>
Bäckereien produziert sie 80 % und Ebhart &amp; Herout 20 %. Unilever<lb/>
lässt bei Ebhart &amp; Herout ca. 1.000 t im Lohnverarbeiten. Für diese<lb/>
Industriemargarine wird Ebhart &amp; Herout überhaupt produktionsmässig,<lb/>
kostenmässig erhalten. Die Unilever möchte nämlich nicht einen hundert<lb break="no"/>prozentigen Monopolcharakter haben. Ausserdem dürfte Unilever grössten<lb/>
Wert darauf legen, mit der Landwirtschaft, der Ebhart &amp; Herout gehört,<lb/>
sich gutzustellen, d.h. dieses letzte bedeutende Konkurrenzunternehmen<lb/>
nicht auch noch aus dem Markt zu verdrängen. In der Preispolitik be<lb break="no"/>absichtigt Unilever, wenn es nicht anders geht, nur Rama erst im<lb/>
nächsten Jahr dem Preisunterausschuss einen Preiserhöhungsantrags zu<lb/>
stellen. Im Oktober wird Unilever mit einer neuen Margarine, und<lb/>
zwar einer Mittelsorte zwischen Thea und Rama, herauskommen. Nicht<lb/>
4 Mio. S für die Werbung, wie sie für Vita, der neuen Margarinesorte<lb/>
aufwenden musste, wird kein neuer Name geprägt werden, sondern wahr<lb break="no"/>scheinlich unter Feine Thea auf den Markt kommen. Der Preis, befürchte<lb/>
ich, wird sich zwischen 3.70 und 5.20 S, das sind die derzeitigen Li<lb break="no"/>stenpreise für Thea und Rama, bewegen. Die Marke Thea soll aber unter<lb/>
allen Umständen erhalten bleiben. Vita, die neue Marke mit einem<lb/>
Listenpreis von 6.20 S hat heute bereits einen Anteil von 5 %, 45 %<lb/>
ist Thea und 50 % ist Rama. Alle diese Informationen wurden mir streng<lb/>
vertraulich gegeben, dienen aber sicherlich dazu, mich darauf vorzu<lb break="no"/>bereiten, dass auch auf diesem Sektor Preisbewegungen im Herbst zu er<lb break="no"/>warten sind. Ich habe keinerlei Zusagen gemacht, sondern nur darauf hin<lb break="no"/><pb n="06-0859" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0859.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gewiesen, dass auch ich empfehle, mit dem Abschluss des Rapsabkommens<lb/>
sehr vorsichtig vorzugehen. Die Rapsproduktion betrifft nur einige<lb/>
wenige Bauern und bedingt immerhin nach ihren Berechnungen 1,5 %<lb/>
Verlust, die sie tragen müssen, solange nicht die Preise erhöht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_04">ANMERKUNG: Bitte, diese Ausführungen Dkfm. <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> zur Verfügung stellen<lb/>
und unbedingt auf den vertraulichen Charakter gegenüber jedermann hinzu<lb break="no"/>weisen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_05">Minister <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat gegen das Gutachten der drei Weisen, die die Auto<lb break="no"/>bahn am Bodenseeufer entlang führen wollen, selbst grosse Bedenken<lb/>
und hat mich ersucht, wir sollen einen Fremdenverkehrsfachmann nam<lb break="no"/>haft machen. Dr. <rs type="person" ref="#per__136685">Edelmann</rs>, den ich in Gastein kennengelernt habe und<lb/>
der bei der OECD arbeitet und insbesondere für die französische<lb/>
Regierung etliche Fremdenverkehrsgutachten ausarbeitet, hat sich<lb/>
bereiterklärt, eine solche Arbeit zu liefern. <rs type="person" ref="#per__136685">Edelmann</rs> erzählt mir,<lb/>
dass er sich immer wieder bemüht, in Frankreich die Beton-Lobby – wie<lb/>
er sie bezeichnet – zu bekämpfen, die in Gebieten, wo kaum ein so<lb/>
grosser Fremdenverkehr zu erwarten ist, bis zu 300.000 Betten, jetzt<lb/>
z.B. auf der Schweizerischen-französischen Grenze für den Wintersport<lb/>
hinstellen wollen, bekämpft. Ich hatte <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> ersucht, dass er nach<lb/>
der Aussprache mit ihm zu uns herüberkommen soll, weil ich ihm<lb/>
einige Wünsche, die wir haben, mitteilen wollte. Zu meiner grössten<lb/>
Verwunderung musste ich feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> ihm zwar den Auftrag<lb/>
gegeben hat, aber keinerlei Unterlagenmaterial. Selbst das Gutachten<lb/>
der drei Verkehrsfachleute, das sich <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> in Vorarlberg beschaffen<lb/>
konnte, soll er erst in 10 Tagen bekommen. Wir unsererseits stellten<lb/>
ihm sämtliche Unterlagen, die wir hatten, wie die Errichtung des Fest<lb break="no"/>spielhauses, die Untersuchungen Prof. <rs type="person" ref="#per__137214">Kaspar</rs> über den Bodenseeraum<lb/>
und div. andere Unterlagen zur Verfügung. Gleichzeitig ersuchten wir<lb/>
ihn, er sollte eine Fremdenverkehrsstudie über den gesamten Boden<lb break="no"/>seeraum, soweit er österreichisches Territorium betrifft, also von<lb/>
Lochau bis Hard, ausarbeiten. Mittel müssen wir ja dafür nicht auf<lb break="no"/>wenden, da die Untersuchung über die Autobahntrasse dies alles tragen<lb/>
kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_06">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, von Linzer Verhandlungen, die er mit der ÖSW in<lb/>
Anwesenheit von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> und <rs type="person" ref="#per__133641">Kirchweger</rs> von der<lb/>
ÖIAG geführt hat, kommend, kam zu mir über den Abschluss der italie<lb break="no"/>nischen Gasleitung zu berichten. Zuerst wollte er mir erst in weiterer<lb/>
<pb n="06-0860" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0860.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Folge, wenn ich einmal Zeit hätte, wie er sich ausdrückte, Bescheid<lb/>
sagen, aber war gleichzeitig auch bei <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> angemeldet, da<lb/>
dieser jetzt nach Italien fährt und informiert sein will, ob und<lb/>
inwieweit eine eventuelle Intervention möglich resp. von uns notwen<lb break="no"/>dig wäre. Ich erklärte deshalb Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sehr dezidiert, dass<lb/>
ich eigentlich erwarte, dass er mir ebenfalls zeitgerecht Informationen<lb/>
zukommen lasst. Auf Grund dieser dezidierten telefonischen Beschwerde<lb/>
meinerseits ist er wirklich dann sofort erschienen. Er meinte, bei<lb/>
den Linzer Besprechungen zeichnet sich nun für die ÖMV-ÖSW eine<lb/>
Tochterlösung endgültig ab. Eine Fusion, wie sie insbesondere die ÖVP<lb/>
verlangt und wie sie in der ÖIAG vertreten wird, wurde von der ÖMV<lb/>
einheitlich vom Vorstand ganz entschieden und auch <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> sowie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> von NÖ hätten dagegen schwerste Bedenken. Die beste Lösung<lb/>
nach <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wäre, das Aktionskapital der ÖMV von 1 Mia. auf 1,5 Mia. zu<lb/>
erhöhen, bei der ÖSW sollte das Aktienkapital von 385 Mio auf 500 Mio<lb/>
erhöht werden, hier würde dem inneren Wert entsprechend die Aufstockung<lb/>
mit 1:2,5 die Forderungen von ÖSW seien angeblich 1:4, von der ÖMV<lb/>
übernommen werden. Dadurch würde der ÖSW 600 Mio. nach Berechnungen der<lb/>
ÖSW zusätzlichen Investitionsmitteln von der ÖMV zur Verfügung gestellt<lb/>
werden und die ÖSW würde dann der ÖMV gehören. Der ÖMV schwebt hier<lb/>
eine Lösung vor ähnlich wie sie es bei Elan und Martha erreicht haben,<lb/>
sie würden aber und damit sollten sich die Linzer begnügen natürlich<lb/>
vollkommene Selbständigkeit d. Unternehmens der Österreichischen Stick<lb break="no"/>stoffwerke ÖSW belassen. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sofort, ich könnte mir nicht<lb/>
vorstellen, dass die Oberösterreicher einer solchen Lösung zustimmen<lb/>
würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_07">Der Vertrag zwischen ENI und ÖMV betreffend Gasleitung durch Österreich<lb/>
ist paraphiert. Bis zum 31. Jänner 1972 wird das Genehmigungsverfahren<lb/>
und die Grundablöse bereits in Angriff genommen werden, die endgültige<lb/>
Durchsatzmenge bis zu diesem Zeitpunkt zwischen den beiden vereinbart.<lb/>
Die Grössenordnung wird sich zwischen 6 Mia. und 10 Mia. m³ bewegen. Die<lb/>
Pipeline bleibt für 8 Jahre Eigentum der ÖMV und wird von einer Betriebs<lb break="no"/>gesellschaft betrieben. Nach diesem Zeitpunkt hat die ENI ein Options<lb break="no"/>recht auf 49 %. Die Betriebskosten wurden pro Jahr mit 24 Mio incl.<lb/>
2 Mio. overhead costs, d.h. die allgemeinen Verwaltungskosten festgelegt.<lb/>
Die ÖMV beabsichtigt mit der NAM, das ist die holländische Gesell<lb break="no"/>schaft, mit der Ruhrgas, das ist die westdeutsche Gesellschaft, weitere<lb/>
Besprechungen zu führen über einen eventuellen Abtausch von sowjetischem<lb/>
Gas gegen westeuropäisches Gas, sei es gegenüber Frankreich oder gegenüber<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_08">Italien vorzunehmen. In weiterer Folge wäre die ÖMV sehr daran inter<lb break="no"/><pb n="06-0861" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0861.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>essiert, dass eine Pipeline quer durch Österreich nach Westen gelegt<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_09">Die Gewerkschaftsjugend-Delegation mit <rs type="person" ref="#per__137216">Samlicki</rs>, dem neuen Obmann<lb/>
und dem neuen Sekretär <rs type="person" ref="#per__137217">Mrkwicka</rs>, überreichten mir ihr Forderungs<lb break="no"/>programm, welches sie am 11. Jugendkongress des ÖGB, der im September<lb/>
stattfindet, vertreten wollen. Erstens fordern sie, dass der Standard<lb/>
der Lehrlinge gehoben werden muss und die Propaganda jeder, der nur<lb/>
einigermassen intelligent genug ist, müsste studieren, was zu einer<lb/>
Übersetzung der Intellektuellen in Österreich führen kann und muss.<lb/>
Zweitens wünschen sie die Loslösung der Jugendfragen aus der Gewerbe<lb break="no"/>ordnung. Drittens möchten sie ein neues Modell der beruflichen Aus<lb break="no"/>bildung, viertens die Überprüfung der verwandtschaftlichen Lehrberufe<lb/>
und fünftens das Polytechnische Lehrjahr in eine berufsschulmässige Aus<lb break="no"/>bildung umzugestalten. Sechstens meinten sie, dass die Organisation der<lb/>
Lehrlingsstellen – derzeit gibt es 500 – von den Innungen weggenommen<lb/>
werden sollen und in eine Selbstverwaltung, gegebenenfalls sogar<lb/>
eine Kammer dafür errichtet werden sollte. Siebentens wünschen sie,<lb/>
dass auch bei der Berufsausbildung eine Aufsichts- und Inspektionsrecht<lb/>
geschaffen werden soll, wie es derzeit bei der Schule schon existiert.<lb/>
Achtens sollten die Prüfungen bei Lehrabschlussprüfungen wegfallen,<lb/>
wenn der Berufsschullehrer in der Berufsschule bereits eine theoretische<lb/>
positive Note festgestellt hat. Hauptsächlichen Grund für diesen Grund<lb/>
war, wie ich heraushören konnte, dass sie sehr schwer heute die Prüfungs<lb break="no"/>kommissionen besetzen können. Ich ersuchte um eine schriftliche Stellung<lb break="no"/>nahme des Forderungskataloges, den wir genau untersuchen werden. Ich<lb/>
wehrte mich aber ganz entschieden dagegen, wenn man jetzt dazu übergehen<lb/>
würde, Prüfungen, die die Befähigung nachweisen können, zum Verschwinden<lb/>
zu bringen. Wir werden in der Gewerbeordnung sehr liberal vorgehen und<lb/>
wenn sie noch Wünsche haben, werden sie sie im Begutachtungsverfahren<lb/>
über die Arbeiterkammer und den ÖGB sicherlich uns mitteilen, aber ich<lb/>
werde alles daran setzen, um die Mobilität zu vergrössern, aber die<lb/>
Befähigung muss wirklich entsprechend erworben und nachgewiesen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_10">Mit Recht wiesen sie allerdings darauf hin, dass die Berufsschulen in<lb/>
den Bundesländern, meistens in den entlegensten Orten angesiedelt<lb/>
werden und deshalb tüchtige Berufsschullehrer kaum bereit sind, dorthin<lb/>
zu gehen. Dies gilt insbesondere für die Steiermark. Anderseits wird<lb/>
eine entsprechend lange Lehrzeit von den Lehrlingen verlangt und in NÖ<lb/>
<pb n="06-0862" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0862.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>z.B. hat das Gast- und Schankgewerbe in St. Pölten im Wifi einen<lb/>
Kurs errichtet, wo nach zwei Jahren incl. d. polytechnischen Lehr<lb break="no"/>ganges eine Befähigungsnachweisprüfung erbracht werden kann. Ebenso<lb/>
wurden von den Malern und Anstreichern in Baden ein dreijähriger Lehr<lb break="no"/>gang incl. polytechnischem Jahrgang gegründet. In der Steiermark macht<lb/>
die Wifi einen 5- bis 6-monatigen Facharbeiter-Ausbildungskurs für Metall-<lb/>
und Holzberufe mit Facharbeiter-Prüfung. Überall wird von diesen Orga<lb break="no"/>nisationen zwar erklärt, dass dies kein Ersatz für die Lehre sei,<lb/>
aber man werde sich bemühen, dass dies bei der Meisterprüfung aner<lb break="no"/>kannt wird. Ich glaube, dass man wirklich die Lehrausbildung und<lb/>
Weiterbildung einer neuen Untersuchung und Überlegung unterziehen muss.<lb/>
Ich persönlich habe <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> schon einige Male gesagt, dass wir der Berufs<lb break="no"/>ausbildung wesentlich mehr Augenmerk zuwenden müsste, auch von der schuli<lb break="no"/>schen Seite her und nicht alles nur in die herkömmlichen Formen der<lb/>
humanistischen Mittelschulbildung investieren sollte. Dies gilt nicht<lb/>
nur allein für die materiellen Mitteln, die aufgewendet werden, sondern<lb/>
auch bezüglich der Lehrer, Viel mehr für die berufsausbildenden schu<lb break="no"/>lische Tätigkeit gewonnen werden müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_11">ANMERKUNG: Bitte, diesen Abschnitt Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> zur Verfügung<lb/>
stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_12">In der Ministerratsvorbesprechung teilte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit, dass er<lb/>
sich vorstellt, dass das Wahlthema Klarheit, d.h. klare Verhältnisse<lb/>
schaffen für ein modernes Österreich, lauten soll. Die Wahlpropaganda<lb/>
soll auf der einen Seite die noch offenen Punkte des Regierungsprogramms<lb/>
umfassen, darüber hinaus aber sollen die zusätzlichen Erkenntnisse,<lb/>
die man durch 14 Monate Regierung gewonnen hat, verarbeitet werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wünscht, dass man ihm unverzüglich jetzt einen Brief von<lb/>
jedem einzelnen Ressort schreibt, wo auf diese beiden Punkte Bezug<lb/>
genommen wird. Die Forderungen sollen sehr konkret sein, der Brief<lb/>
dafür aber umso kürzer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte, ein diesbezügliches Schreiben nach Rück<lb break="no"/>sprache mit den Sektionen, aber insbesondere mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und der Grund<lb break="no"/>satzgruppe verfassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_14">Das Ausscheiden des freien Samstags aus der Urlaubsregelung, wenn der<lb/>
Betreffende auch nicht gearbeitet hat, würde den Bund mindestens 80 Mio.<lb/>
S kosten. Die ÖBB würde 210 Beschäftigte mehr und die Post 110 Beschäf<lb break="no"/>tigte mehr benötigen. Da bis jetzt nur das Innenministerium und das<lb/>
<pb n="06-0863" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-12_0863.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Land- und Forstwirtschaftsministerium sowie das BKA eine solche Regelung<lb/>
getroffen haben, wird nicht erwartet, dass andere Ministerien sich diesen<lb/>
Regelungen anschliessen, sondern dass der Bundeskanzler nach Verhandlungen<lb/>
mit der Gewerkschaft erklärt, dass wir diese Regelung wieder zurücknehmen<lb/>
müssen. Beispielfolgen für die private Wirtschaft wären nämlich nicht<lb/>
von der Hand zu weisen und insbesondere wäre eine solche Lösung für die<lb/>
ÖBB, Post und sonstigen Betrieben verheerend. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auch einen Ge<lb break="no"/>setzentwurf über die Ausschreibung der Dienstposten vorgelegt und wird<lb/>
ihn morgen im Ministerrat einbringen, obwohl z.B. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> Bedenken dagegen<lb/>
gehabt hat, da er meint, es würde in Hinkunft äusserst schwierig sein,<lb/>
wenn jede Abteilung neu ausgeschrieben werden muss, die Besetzung von<lb/>
eigenen Leuten durchzubringen. Selbst in Ministerien würde fremde Be<lb break="no"/>werber dadurch eine grössere Chance haben, auf Positionen zu kommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat aber dieses Wahlversprechen einlösen wollen und seinerzeit<lb/>
wurde bereits unter <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs>, <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> gemeinsame Anträge im<lb/>
Parlament in den Fünfzigerjahren zu dieser Frage eingebracht. Der Gewerk<lb break="no"/>schaft wurde zugesichert, dass ein Gutachten einer Kommission eingeholt<lb/>
werden muss. Ob sich der Minister dann dieser Begutachtungskommission<lb/>
anschliesst, bleibt selbstverständlich ihm überlassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, es<lb/>
wird sowieso immer in Hinkunft die Opposition jede Personalbesetzung<lb/>
im Parlament zur Sprache bringen. Im Rahmen der Begutachtung können dann<lb/>
alle Bedenken und Wünsche noch geäussert werden. Er selbst möchte nur,<lb/>
dass unbedingt vor dem Herbst ein solches Ausschreibungsgesetz in die<lb/>
Begutachtung geht.<lb/>
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verhandelt wird, die österreichische VP nicht nur den Personalaufwand<lb/>
in Hinkunft mit 100 % vom Staat gedeckt wird, sondern auch den Sachaufwand<lb/>
in diesen Schulen ersetzen will. Innerhalb der SPÖ hat es im Wiener Aus<lb break="no"/>schuss gegen den 100 %-igen Personalaufwand schon heftigsten Widerstand<lb/>
gegeben und selbst innerhalb des Parteivorstandes hat man sich dann letzten<lb/>
Endes wirklich nur für die Personalaufwandslösung entschieden. Wenn nun<lb/>
die ÖVP den Sachaufwand ebenfalls verlangt, dass er den Schulen ersetzt<lb/>
wird, dann würde die SPÖ diesem Gesetz nicht zustimmen können und versuchen<lb/>
es zu Fall zu bringen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wurde beauftragt, dem Nuntius mit<lb break="no"/>zuteilen, dass das Konkordat, das mit 1. September in Kraft treten soll,<lb/>
damit nicht betroffen wäre, die soz. Regierung würde sich auf alle<lb/>
Fälle bemühen, die im Konkordat ausgehandelten Lösungen auch durchzu<lb break="no"/>setzen. Lizitieren könnte sie sich aber von der ÖVP in diesem Falle<lb/>
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wenn es zu keiner gesetzlichen Regelung kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_16">Ich konnte ganz kurz über Vorarlberg berichten, da ich bereits vor<lb break="no"/>her allen davon betroffenen Ministern bilateral alle Wünsche über.<lb/>
mittelt habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_17"><rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> berichtete, dass die Verkürzung der Wehrzeit für ihn eine<lb/>
Erhöhung der Prämie, die er für die Leute, die über 6 Monate freiwillig<lb/>
dienen, 39 Mio. S Personalaufwand ausmachen werden, die aber wo anders<lb/>
von seinem Budget eingespart werden können. Die Möglichkeit, die SAAB,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__110924">Prader</rs> bestellt hat, gegebenenfalls abzubestellen, besteht nicht,<lb/>
da bereits verbindliche Verträge abgeschlossen wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-12_18"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hatte mit seinem Verein die Industrievertreter und Bankenvertreter<lb/>
ins Palais Pallavicini zu einem Abendessen eingeladen, wo ich über<lb/>
die Industriepolitik referieren sollte. Ein Vortrag darf nicht länger<lb/>
als 15 Minuten bis maximal 20 Minuten dauern. Anschliessend daran<lb/>
soll eine Diskussion abgewickelt werden. Ich musste mich deshalb auf<lb/>
die organisatorischen Massnahmen, die wir ergriffen hatte und habe<lb/>
insbesondere auf die Studien hingewiesen und auf unsere Management<lb break="no"/>ausbildung und Investorenberatung. In der Diskussion meldeten sich<lb/>
ein Dutzend bedeutende Industriekapitäne oder Bankleute wie <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, <rs type="person" ref="#per__137219">Rueger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>, <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__110994">Stepski</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114655">Harmer</rs>, <rs type="person" ref="#per__137218">Anglan</rs>, dabei wurde mir nur eine einzige Frage wirklich pein<lb break="no"/>lich. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> nämlich wollte von mir wissen, wie das Instrumentarium für<lb/>
meine Industriepolitik in fünf bis zehn Jahren ausschauen wird. Als<lb/>
ich erklärte, für so lange Zeit keine Prognose machen zu wollen und<lb/>
zu können, meinte er, er sei auch schon zufrieden, wenn ich ihm sagen<lb/>
könnte, wies es in drei Jahren ausschaut. Ausser der lehrbuchartigen<lb/>
Aufzählung von Zollpolitik, Lohnpolitik usw. was ich verhindert habe<lb/>
und nur angedeutet habe, ging ich deshalb, um dieser Frage auszu<lb break="no"/>weichen auf die konkreten Massnahmen. Ich erklärte, dass wir die<lb/>
Exportindustrie untersuchen würden, einen Hemmniskatalog feststellen<lb/>
und dass für industriepolitische Tätigkeit 60.000 Zollermässigungen<lb/>
im Jahr zu geben meiner Meinung nach sinnlos sind. Mit solchen prag<lb break="no"/>matischen Lösungen suchte ich mich aus der Schlinge zu ziehen.<lb/>
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