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            <title type="main">Donnerstag, der  8. Juli 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band06_1971-07-08</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_01">Donnerstag 8. Juli 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_02">In der Fraktionssitzung des ÖGB wendeten sich die Angestelltenvertreter<lb/>
gegen die Aufhebung der Ruhensbestimmung. Mich verwundert immer wieder,<lb/>
dass gerade Angestellten-Vertreter, die doch in Wirklichkeit für ihre<lb/>
Mitglieder eintreten müssen, diese gesamtwirtschaftlich und sozial<lb break="no"/>politisch verfehlte Massnahme ablehnen. Sowohl der Zentralsekretär<lb/>
der Privatangestellten <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> als auch der Obmann Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
erläuterten an Hand von Beispielen, was sich bei Aufhebung der Ruhens<lb break="no"/>bestimmungen, die insbesondere die FPÖ-Fraktion im Parlament verlangt,<lb/>
für Folgen ergeben würden. Derzeit ist es nicht so, dass wenn ein Ange<lb break="no"/>stellter über 65 Jahren oder eine Frau über 60 Jahren hinaus arbeitet,<lb/>
dass sie damit automatisch die gesamte Pension nicht bekommt. Der<lb/>
einzige Betrag, der ruht, sind die Grundbeträge, die bis 2.400 S gekürzt<lb/>
werden können. Derzeit muss mit dem Stichtag, wo er in Pension geht,<lb/>
versicherungsfrei sein, dann kann er eine Rente beanspruchen. Wenn<lb/>
nun die Ruhensbestimmungen aufgehoben würden, würde an diesem Tag die<lb/>
höheren Angestellten sich ohne weiters von der Firma kündigen lassen<lb/>
können und dann nach einiger Zeit, nachdem sie die Pension erlangt haben,<lb/>
sofort wieder arbeiten gehen. Bei 4.000 Angestellten würde dies derzeit<lb/>
120 bis 140 Mill. S ausmachen. Dieser Betrag wäre noch von der Sozial<lb break="no"/>versicherung resp. durch Staatszuschüsse dieser Versicherung leicht auf<lb break="no"/>zubringen. Doch sind derzeit 32.000 Angestellte über 65 resp. über 60<lb/>
Jahre alt. Wenn man nun die Ruhensbestimmungen aufhebt, würde dies<lb/>
einen Betrag von 1,3 Mia. S für diese ausmachen. Darüber hinaus müssten<lb/>
sich Auswirkungen auf die gewerbliche Versicherung resp. auf die land-<lb/>
und forstwirtschaftliche Versicherung ergeben. Bei den Gewerbebetrieben<lb/>
ist es derzeit notwendig, dass die Konzession zurückgelegt wird und<lb/>
bei der Landwirtschaft, dass der Hof übergeben wird. Wenn bei den Unselb<lb break="no"/>ständigen die Ruhensbestimmungen aufgehoben werden, dann müsste auch die<lb/>
Zurücklegung der gewerblichen Konzession resp. die Hofübergabe früher<lb/>
oder später fallen. Dadurch würde der Struktureffekt, der derzeit aufge<lb break="no"/>löst wird, wieder verschwinden. Eine grosse Ungerechtigkeit wäre<lb/>
aber, dass ein Pensionist, wenn er eine höhere Pension hat, dann ohne<lb/>
dass der Grundbetrag gekürzt wird, zusätzlich verdienen könnte. Wenn<lb/>
ein Pensionist, der unter dem Richtsatz eine Pension hat, wenn er ar<lb break="no"/>beiten gehen würde, dann automatisch diese Ergänzung auf den Richtsatz<lb/>
verlieren würde. Er hätte ein Pensionist, der Richtsatz beträgt derzeit<lb/>
1.621.– S mehr Anspruch auf einen Zusatzverdienst als ein höherer Ange<lb break="no"/><pb n="06-0840" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-08_0840.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stellter, so zumindestens argumentieren die Privatangestellten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_03">Eine grosse Debatte ergab sich über die Öffnung des Gewerkschaftsbundes<lb/>
für einzelne Gruppen. Die Kommunistische Fraktion, die sich Gewerk<lb break="no"/>schaftliche Einheit bis jetzt genannt hat, ist aufgespalten. Die be<lb break="no"/>deutenderen Funktionäre dieser Fraktion haben eine eigene Arbeits<lb break="no"/>gemeinschaft gegründet, da die Kommunistische Partei sie ausge<lb break="no"/>schlossen hat. Der Exponent im Gewerkschaftsbund ist der Angestellten-<lb/>
Sekretär der Gewerkschaftlichen Einheit <rs type="person" ref="#per__137242">Kodicek</rs>, dieser Arbeitsgemein<lb break="no"/>schaft gehören auch die drei kommunistischen Vertreter im Bundeskon<lb break="no"/>gress an. Die KP zieht nun eine neue Gewerkschaftsfraktion auf. Die<lb/>
einzelnen Gewerkschaften sollen nun diese neue Fraktion anerkennen.<lb/>
Die meisten Funktionäre aber in den Betrieben dürften sich doch für<lb/>
die bisherige Gewerkschaftsfraktion der gew. Einheit aussprechen.<lb/>
Die Fraktion Gewerkschaftliche Einheit wurde aber niemals vom Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund offiziell anerkannt. Bei der seinerzeitigen Gründung wurde<lb/>
den Christlichen Gewerkschaften und der kommunistischen Gewerkschaft<lb/>
2 Viril-Stimmen im Vorstand gesichert. Darüber hinaus wurde im Laufe<lb/>
der Jahre für die Parteifreien eine Viril-Stimme und für die katholi<lb break="no"/>schen Arbeiter auch eine Virilstimme beschlossen. Der Gewerkschafts<lb break="no"/>bund natürlich noch die Funktionäre, die noch in den Betrieben eine<lb/>
gewisse Verbindung haben, behalten, andererseits aber wenn die Kommuni<lb break="no"/>sten jetzt auf ihre kommunistischen Mandate drängen, wird es sehr<lb/>
schwer sein, sie vollkommen vom Bundesvorstand fernzuhalten. Gleich<lb break="no"/>zeitig soll der Bundeskongress im September Revirilstimmen bestimmen,<lb/>
damit auch wenn die Freiheitliche Organisation über mehr Betriebsräte<lb/>
verfügt, ein Vertreter im ÖGB aufgenommen werden kann. Ich selbst<lb/>
stimme mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> vollkommen überein, dass man den Gewerkschaftsbund<lb/>
für alle Gruppen offenhalten muss, damit die Überparteilichkeit immer<lb/>
wieder dokumentiert werden kann. Die Sozialisten haben dort eine der<lb break="no"/>artige überwältigende Mehrheit, dass einzelne Gruppen kaum an<lb/>
dieser Politik etwas ändern können. Es gibt auch keine wie immer ge<lb break="no"/>artete Möglichkeit, dass sich die einzelnen Splittergruppen zusammen<lb break="no"/>schliessen, um gegen die starke soz. Fraktion irgendetwas erreichen<lb/>
zu können. Ich selbst dränge auch bei der Lebensmittelarbeitergewerkschaft<lb/>
immer wieder darauf, dass im Präsidium ein Vertreter der KP ist. Aller<lb break="no"/>dings haben wir in meiner 10-jährigen Tätigkeit bei den Lebensmittel<lb break="no"/>arbeitern selbst bestimmt, wen wir als kommunistischen Vertreter aner<lb break="no"/>kennen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_04">Das Parlament hat ganz grosse Verspätungen, noch immer wurde die<lb/>
Strafrechtsnovelle diskutiert. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> legt grössten Wert darauf, dass<lb/>
alle seine Redner zum Einsatz kommen. Da auch das Verkehrsstrafrecht<lb/>
in die Debatte mit einbezogen ist, habe ich mich zeitweise neben ihn<lb/>
auf die Regierungsbank gesetzt, da meine Kompetenz mitverhandelt wurde.<lb/>
Als <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> seinen Diskussionsbeitrag hielt und sich nicht ganz genau auf<lb/>
die vereinbarten Formulierungen resp. auf die Themen beschränkte, die<lb/>
scheinbar <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> mit ihm besprochen hatte, meinte <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> ganz ungeduldig,<lb/>
das hat doch gar keinen Sinn, warum bringt er dies und es ist doch<lb/>
besser, das hätte er weggelassen und so weiter. Er selbst hat gestern<lb/>
mit dem Klubordner <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs> gewettet, dass er um den Zeitplan nicht<lb/>
zu sehr zu stören, in seinem Schlusswort nur drei Minuten reden wird. Für<lb/>
jeder weitere Minute zahlt er tausend Schilling. Ich habe mich sofort,<lb/>
weil ich darin eine gute Möglichkeit sah, in das Geschäft eingeschaltet<lb/>
und mit <rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs> vereinbart, dass wir uns den Betrag teilen. Zu diesem<lb/>
Zweck hatte ich eine Stoppuhr mitgenommen und <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs>, ein Freund<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97372">Christian Broda</rs> gefordert, er müsste unbedingt beim Schlusswort des<lb/>
Ministers neben mir stehen. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hatte grosse Angst, denn er glaube,<lb/>
ich hätte in Erfahrung gebracht, dass irgendein Wirbel gegen <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> beab<lb break="no"/>sichtigt sei. Den Plan eröffnete ich erst dann, als <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> bereits zu spre<lb break="no"/>chen begonnen hatte. Ich war beim Stoppen sehr fair, jeder Zwischenruf,<lb/>
jede Beifallsäusserung hatte ich sofort unterbrochen, es war also tatsäch<lb break="no"/>lich nur reine Redezeit und ich habe dann sogar noch abgerundet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> sagte nur immer wieder, <rs type="person" ref="#per__97372">Christian</rs>, hör doch auf, das kostet<lb/>
ja ein Vermögen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> redete genau 14 Minuten, d.h. minus drei Minuten<lb/>
musste er 11.000 Schilling bezahlen. 5.500 Schilling für den Wahlfonds<lb/>
der Landstrasse, 5,500 S für den Liesinger Wahlfonds.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_05">Bei dem Bericht des Verfassungsausschusses über unseren Antrag, § 3a<lb/>
des Preisregelungsgesetzes zu novellieren, passierte ein grosser geschäfts<lb break="no"/>ordnungsmässiger Lapsus. Der Bundeskanzler wurde zur Abgabe einer Erklä<lb break="no"/>rung vom Präsidenten aufgerufen, bevor die Berichterstattung erfolgt ist,<lb/>
dadurch konnte die ÖVP zuerst nur erklären, dies widerspräche den Verein<lb break="no"/>barungen, wie ich, da ich auf der ÖVP-Seite die Regierungsbank<lb/>
einnehme, sehr bald ihren Unmut gegen diesen Geschäftsordnungsfehler<lb/>
wenden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst begann den Streit, nachdem er ca. nach der<lb/>
halben Vorlesung in die Erklärung durch den Bundeskanzler plötzlich<lb/>
hineinschrie: Kann denn in dem Haus jeder machen, was er will?<lb/>
Darauf einstand ein Tumult und ein Teil der Abgeordneten verliess<lb/>
den Sitzungssaal. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> dagegen wollten mit einigen<lb/>
<pb n="06-0842" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-08_0842.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Abgeordneten drinnen bleiben, die Ordner der ÖVP kamen aber dann<lb/>
hereingestürzt und erklärten, sie hätten draussen beschlossen, dass<lb/>
alle den Saal verlassen sollten. Letzten Endes schloss sich sogar<lb/>
auch die FPÖ diesem Vorgehen an, d.h. die FPÖ hat sich zu Beratungen<lb/>
zurückgezogen. Präsident <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> erklärte, dass er sich vollkommen nach<lb/>
dem Kroki gehalten hat und deshalb auch auf einen Beschluss der Prä<lb break="no"/>sidialkonferenz. Durch diesen Formalfehler stand der Bericht des Bundeskanz<lb break="no"/>lers gar nicht zur Diskussion und die einzelnen Redner gingen auch gar nicht<lb/>
darauf ein. Die anderen Regierungsmitglieder zogen sich von der Regie<lb break="no"/>rungsbank zurück. Nur <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> blieb darauf sitzen, weil er seine eigene<lb/>
Vorlage vertreten musste und ich selbst blieb ebenfalls auf der Re<lb break="no"/>gierungsbank sitzen, weil ich auf dem Standpunkt stand, man sollte<lb/>
sich durch diesen Formalfehler jetzt nicht noch als Beleidigte zurück<lb break="no"/>ziehen. Schliesslich und endlich war ja auch <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> mit daran schuld,<lb/>
dass es zu diesem Formalfehler gekommen ist. Die Diskussion verlief ver<lb break="no"/>hältnismässig sehr lange und vor allem auch sehr lebhaft. Insbesondere<lb/>
hat Abgeordneter Dr. <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs>, der Molkereidirektor des Schärdinger<lb/>
Molkereiverbandes, der als Bauernabgeordneter ein sehr geschickter<lb/>
Redner ist, die Regierung hart attackiert. Insbesondere hat er die<lb/>
Indexkosmetik und falsche Ziffern in der Erklärung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den<lb/>
Abgeordneten in einer schönen Broschüre zur Verfügung gestellt wurden,<lb/>
angegriffen. Ich meldete mich deshalb zu Wort und habe einige Richtig<lb break="no"/>stellungen vorgenommen. Unglückseligerweise habe ich mich nicht nur<lb/>
auf diesen Teil der Erwiderung beschränkt, sondern bin dann auch in den<lb/>
Angriff übergegangen, indem ich die Forderung der Landeslandwirt<lb break="no"/>schaftskammer von NÖ, die sie in einer Vollversammlung gefasst hat,<lb/>
im Parlament zur Kenntnis brachte. Insgesamt habe ich davon 23 Punkte<lb/>
herausgearbeitet, die letzten Endes natürlich auch Verteuerungen und<lb/>
Staatsbelastungen mit sich bringen würden. Ich habe mich in eine Rage<lb/>
hineingeredet und habe auch wieder als Maschinengewehr im Parlament<lb/>
agiert. Es war mit einem Wort ein Rückfall in meine gute Oppositions<lb break="no"/>zeit. Ich glaube nicht, dass ich mir als Minister aber dies leisten<lb/>
kann oder leisten soll. Ich hatte vor allem ja gar keine Veranlassung,<lb/>
in ein anderes Ressort, nämlich in die Landwirtschaft <sic>überzusteigen</sic>,<lb/>
ich denke, dass es zielführender gewesen wäre, bei der Erwiderung<lb/>
der unberechtigten Kritik von dem Oppositionsredner zu enden und mich<lb/>
nicht dazu verleiten zu lassen, die Agrarfragen neuerdings anzuschneiden.<lb/>
Sicherlich habe ich keine Unwahrheit gesagt und durch meine Darstellungs<lb break="no"/>weise habe ich sogar nicht nur wahrscheinlich unsere Fraktion positiv<lb/>
<pb n="06-0843" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-07-08_0843.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dafür gewonnen, sondern auch die einen Teil der ÖVP-Abgeordneten.<lb/>
Doch ist es fraglich, ob es einen Sinn hat, mit der Landwirt<lb break="no"/>schaft anzulegen, obwohl ich unmittelbar ja gar nicht dafür zuständig<lb/>
bin und auch nicht von ihnen in dieser Frage angegriffen wurde.<lb/>
Ich erwähnte zwar auch, dass gewisse Forderungen berechtigt sind<lb/>
und eben von der Bundesregierung sogar aufgegriffen wurden und be<lb break="no"/>friedigend gelöst, wie z.B. die 300 Mill. für die Berggebiete, die<lb/>
in Hinkunft Jahr für Jahr der Landwirtschaft zusätzlich zur Verfügung<lb/>
gestellt werden sollen. Durch Zwischenrufe konnte ich trotz meines<lb/>
schnellen Redens entnehmen, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und einige Abgeordnete de<lb/>
SPÖ die ÖVP hart attackierten, weil eben der Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs><lb/>
durch seine unqualifizierten und unfairen Angriffe auf die Regierung<lb/>
eine solche Diskussion provoziert hatte. Niemand konnte mir eigentlich<lb/>
einen sachlichen Vorwurf machen, denn ich habe ja niemanden persönlich<lb/>
angegriffen und vor allem auch niemandem eine falsche Behauptung<lb/>
unterschoben. Dennoch hat abschliessend dann mir im Couloir der<lb/>
Präsident des Bauernbundes, Abgeordneter <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>, der mich sehr<lb/>
gut leiden kann, wie ich aus seinen früheren Äusserungen immer ent<lb break="no"/>nehmen konnte, betrübt gesagt, dass ich jetzt die Landwirtschaft<lb/>
unter die Preistreiber eingereiht hätte. Ich bestritt dies natürlich<lb/>
sofort, aber ich glaube, dass doch bei den Abgeordneten zumindestens<lb/>
dieser Eindruck entstanden ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_06">Die KFZ-Gesetznovelle, die ebenfalls heute zur Debatte stand, ging<lb/>
klaglos über die Bühne, wurde von allen Abgeordneten als besonders<lb/>
gute Leistung hingestellt und <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> selbst hoffte nur auf<lb/>
eine weiterhin so gute Zusammenarbeit. Er hatte insbesondere den<lb/>
Wunsch, dass der Kraftfahrbeirat immer mehr herangezogen wird, und<lb/>
ich konnte in meiner Antwort mitteilen, dass ich nicht nur auf dem<lb/>
Standpunkt stehe, ihn heranzuziehen, sondern auch bewiesen habe,<lb/>
dass ich diese in einem Umfang mache, wie das noch nie der Fall ge<lb break="no"/>wesen ist. In der vorhergehenden Legislaturperiode, die 4 Jahre<lb/>
gedauert hat, wurde der Kraftfahrbeirat dreimal einberufen. In der<lb/>
jetzigen Legislaturperiode wurde innerhalb eines Jahres bereits<lb/>
4-mal der Kraftfahrbeirat mit Problemen beschäftigt und immer Über<lb break="no"/>einstimmung letzten Endes durch langfristige Verhandlungen erzielt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_07">Dies ist meine Arbeitsmethode und dies soll auch mein Stil sein.<lb/>
Nämlich unter allen Umständen zu versuchen, Lösungen mit allen Be<lb break="no"/>teiligten zu erreichen und deshalb müssen auch meine Äusserungen<lb/>
dahingehend in Hinkunft lauten, dass ich nicht Berufsgruppen oder<lb/>
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stosse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_08">Mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> besprach ich, ob ich zielführend im Herbst<lb/>
zur Brünner Messe fahren sollte. Derzeit sind die Vermögensverhand<lb break="no"/>lungen auf einem Null-Punkt wieder angelangt und ich selbst wollte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unbedingt konsultieren, ob ich deshalb nach Brünn fahren<lb/>
sollte. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte allerdings ich müsste unter allen Umständen<lb/>
fahren, denn selbst als noch ein viel schlechteres Verhältnis mit<lb/>
der Tschechoslowakei war, sind die Handelsminister immer zur Brünner<lb/>
Messe gefahren. Wenn ich jetzt nicht komme, würden einige Firmen dann<lb/>
erklären, wenn sie schlechtere Geschäfte machen können, dass die Bundes<lb break="no"/>regierung daran schuld ist. Am 21. September wird von der BHK ein Öster<lb break="no"/>reich-Tag veranstaltet und ich sollte an diesem Tag zumindestens in<lb/>
Brünn sein. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst erklärte, dass ursprünglich beabsichtigt ist,<lb/>
zu diesem Zeitpunkt, dass sowohl <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als auch er nach China flie<lb break="no"/>gen, er würde deshalb, wenn er tatsächlich mitfliegt, <rs type="person" ref="#per__126971">Wakolbinger</rs><lb/>
zur Brünner Messe schicken. <rs type="person" ref="#per__126971">Wakolbinger</rs> ist sein Stellvertreter aber<lb/>
kein sehr starker Mann, dafür aber ein sehr liebenswürdiger Mensch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_09">Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dann anschliessend über meine Besprechungen mit<lb/>
den vorgeordneten Ministerialräten vor <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und erklärte ihm, dass<lb/>
ich Übereinstimmung mit drei erzielen konnte, nämlich <rs type="person" ref="#per__137246">Buchta</rs>, <rs type="person" ref="#per__136490">Zinnerth</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und dass <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> erkannt hat, dass er keine Chance hätte,<lb/>
auf diesen Posten zu kommen, denn <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> würde nur zugunsten <rs type="person" ref="#per__108322">Meisls</rs> ver<lb break="no"/>zichten, und wenn dann auch Grund der Anciennität, die <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> ver<lb break="no"/>tritt, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> als Stellvertreter berufen würde, hätte <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> niemals<lb/>
eine Chance, da <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> 4 Jahre jünger ist als er. Gleichzeitig erklärte<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, wenn <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> bestellt würde, wäre das ein Kriegsgrund mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> sei übrigens mit der Lösung <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> vollkommen ein<lb break="no"/>verstanden und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wird noch mit <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> darüber sprechen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
war sehr besorgt, ob ich <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> negativ über ihre Intervention in<lb break="no"/>formiert hätte. Ich konnte ihm zusichern, dass ich dies nicht getan<lb/>
habe, sondern im Gegenteil darauf hingewiesen habe, dass besonders<lb/>
er, aber auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> sehr schätzen, sondern nur die Intervention<lb/>
der Personalvertretung in der BHK diesen Schritt ausgelöst hat. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
gab zu, dass er zwar nicht mit <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> aber mit einem Personalver<lb break="no"/>treter gesprochen hatte. Für mich ist es gar keine Frage, dass dieser<lb/>
Mann <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> gewesen sein muss, denn <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat sich ja das letzte<lb/>
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verraten, dass er <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> kontaktiert hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-07-08_10">Mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hatte ich im Couloir eine kurze Besprechung<lb/>
wegen der zu erwartenden Mandatsverteilung. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
machte ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings darauf aufmerksam, dass wir uns<lb/>
nicht zu sehr z.B. nach Vorarlberg begeben sollten, um dort ein<lb/>
weiteres Grundmandat zu gewinnen, sondern dass es viel zielführender<lb/>
ist, sich auf die Wahlkreise resp. jetzigen Länder zu beschränken,<lb/>
wo tatsächliche Möglichkeiten eines Mandatsgewinnes im Grundmandat<lb/>
von Bedeutung ist. Das Vorarlberger Mandat kriegen wir im Reststimmen<lb break="no"/>verfahren im Wahlkreis West wahrscheinlich viel billiger als wir<lb/>
es im Grundmandat in Vorarlberg erkämpft wird. Ich rief auch noch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97356">Charly Blecha</rs> zu dieser Aussprache und <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> versicherte, dass<lb/>
wir in kürzester Zeit die notwendigen Rechnungen von ihm bekommen<lb/>
würden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> argumentierte nur andererseits auch richtig, dass<lb/>
Vorarlberg für ihn und daher auch für uns der Ausdruck unserer<lb/>
föderalistischen Gesinnung <choice><choice><sic>seu</sic><corr>sein?</corr></choice></choice> soll. Ich glaube, daß dies von<lb/>
ihm ein geschickter taktischer Rückzieher auch für ihn selbst<lb/>
ist. Wenn ich nämlich bedenke, was wir in letzter Zeit beabsichtigen<lb/>
in Vorarlberg alles zu machen, dann sind dies, wie ich vor etlichen<lb/>
Wochen bereits festgestellt habe, sehr teure Mandate.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 8.7.1971</head>
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