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            <title type="main">Freitag, der 28. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_01">Freitag, 28. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_02">Der bulgarische Botschafter <rs type="person" ref="#per__97833">Popow</rs> und sein Handelsrat kamen um<lb/>
mit ein neues Konzept über ein Fremdenverkehrsabkommen vorzu<lb break="no"/>legen. Die österreichisch-bulgarischen Verhandlungen sind derzeit<lb/>
unterbrochen und die gemischte Kommission soll im Juli die<lb/>
Verhandlungen positiv abschließen. In den Handels- und Schiffahrts<lb break="no"/>abkommen, das derzeit diskutiert wird und geändert werden soll,<lb/>
sind 2 Punkte offen. Die Bulgaren haben bisher eine eingeschränkte<lb/>
Meistbegünstigung gehabt und wünschen diese so wie bisher zu<lb/>
erhalten. Nun hat das Parlament im vergangenen Jahr eine GATT-Novelle<lb/>
beschlossen und deshalb müssen auch Ausnahmen im bulgarisch-<lb/>
österreichischen Handelsvertrag eingebaut werden. Betreffend<lb/>
die Schiffahrtsabkommen wünscht die DDSG, daß eine Frachtaufteilung<lb/>
zwischen Bulgarien und Österreich erfolgen soll. Bulgarien hat<lb/>
außerdem eine Verbalnote unseren Botschafter übergeben, wo sie<lb/>
sich selbst für die Industrie Zollsenkung im Rahmen des UNCTAD<lb/>
entscheidet. Österreich hat bekanntlicherweise vor etlichen<lb/>
Jahren in UNCTAD angeboten, daß sie für die Entwicklungsländer<lb/>
eine 30 %-ige Senkung für ihre Industrieprodukte zugestehen will.<lb/>
Jeder einzelne Staat kann sich selbst einstufen self-election<lb/>
ob er als Entwicklungsstaat gilt oder nicht. Ich hoffe, daß die<lb/>
offenen Probleme bis am 5. Juli bereinigt sind, dann wird der<lb/>
neue Handelsminister <rs type="person" ref="#per__97770">Iwan Nedew</rs> kommen um uns die gemischt<lb/>
österreichischer bulgarische Kommission zu präsentieren und den<lb/>
neuen Vertrag zu unterfertigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_03">Im Fernsehen und im Rundfunk wurde ich interviewt, wann der<lb/>
Benzinpreis in Kraft treten wird. Ich bin überzeugt und habe<lb/>
diese Überzeugung auch zum Ausdruck gebracht, daß der jetzige<lb/>
Zeitpunkt dafür nicht geeignet ist. Wenn die ÖMV und die ausländischen<lb/>
Ölimportfirmen derzeit auch darauf drängen, daß der Benzinpreis<lb/>
reguliert werden soll und aus ihren Anträgen hervorgeht, daß sie<lb/>
sogar 40 Groschen für Normalbenzin und 30 Groschen für Superbenzin<lb/>
verlangen so glaube ich trotzdem, daß sie noch einige Monate zuwarten<lb/>
können und sollen. Ich habe von ihnen verlangt, daß ich ein Tank<lb break="no"/>stellenprogramm bekommen möchte, nicht das ich die Absicht hatte, daß<lb/>
die Tankstellen in Hinkunft nur mehr mit der Genehmigung irgendeiner<lb/>
Behörde oder durch ein Gesetz beschränkt werden sollte. Ich habe aber<lb/>
<pb n="06-0655" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-28_0655.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gleichzeitig auch meinen Wunsch Ausdruck verliehen, daß ich doch<lb/>
von ihnen ein Konzept erwarte wie sie in Hinkunft ihre Tankstellen<lb break="no"/>politik aufbauen wollen. Ich habe damals, es ist jetzt etliche<lb/>
Monate her ihnen vorgeschlagen, wenn wir gemeinsam ein solches<lb/>
Konzept besprechen, dann würden sie vielleicht ihr schlechtes<lb/>
Image, das sie derzeit haben, wonach ununterbrochen neue Tankstellen<lb/>
errichtet werden verbessern könnten. Ich habe als Vergleich damals<lb/>
hingewiesen, daß die Banken mit der Errichtung einer Bankfiliale<lb/>
ebenfalls sehr stark von der Öffentlichkeit kritisiert werden.<lb/>
Die Ölgesellschaften haben mir versprochen ein solches Konzept<lb/>
zu liefern. Ich habe nicht sehr stark an dieses Versprechen ge<lb break="no"/>glaubt und deshalb den Auftrag gegeben ein eigenes Konzept auszu<lb break="no"/>arbeiten. Ich werde nun dieses Konzept diesen Ölgesellschaften<lb/>
zur Verfügung stellen, um eine Diskussion über dieses Problem<lb/>
auch in der Öffentlichkeit zu entfachen. So lange wir nicht über<lb/>
dieses Konzept ernstlich diskutieren möchte ich keinesfalls die<lb/>
Benzinpreise erhöhen. Ich habe dazu noch eine gute Ausrede, es<lb/>
wird im Parlament das Kraftfahrgesetz novelliert und dort bekomme<lb/>
ich eine Ermächtigung bleiärmeres Benzin zu verordnen. Ich werde<lb/>
deshalb mit gutem Recht solange zuwarten, bis ich diese Gesetzes<lb break="no"/>ermächtigung habe und dann eine bleiärmere Sorte nurmehr zuzulassen.<lb/>
Da ich aber ein solche Verordnung erst wieder erlassen kann bis<lb/>
der Platformer der ÖMV fertig ist, wird es sicherlich September<lb/>
werden. Ich glaube, daß wir hier eine gute Kombination vornehmen<lb/>
können ohne daß uns wer ernstlich wegen der Verschiebung der<lb/>
Preisbestimmung hart attackieren kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_04">Zur zweiten Besprechung über die Osthandelspolitik ist die erste<lb/>
Garnitur der Handelskammer erschienen. Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>,<lb/>
Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, Präsident <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> von der Industrie,<lb/>
Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleißner</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__112640">Deuring</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__113096">Placek</rs><lb/>
von der Handelskammer, von der Industriellenvereinigung Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs>. Unserer Seite war Sek.Chef <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs>, die Min.Räte <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und ich.<lb/>
Da ich die ganze Diskussion unter dem Zeichen Liberalisierung<lb/>
gegen den Westen durch eine Lösung mit der EWG, sollte durch eine<lb/>
Liberalisierung mit den Osten kompensiert werden, stellte, hat<lb/>
die Bundeshandelskammer auch mehr oder minder dem Grundkonzept<lb/>
zustimmen müssen. Sie hat nur natürlich so wie immer entsprechende<lb/>
Vorbehalte gemacht. Was sie erwartet, sind Schutzbestimmungen gegen<lb/>
ihre Industrie, wie sie das Marktstörungsgesetz und das Antidumpinggesetz<lb/>
vorsieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_05">Darüber hinaus will sie aber noch in sogenannten Hardcore-Fällen<lb/>
handelspolitische Objekte in die Zukunft hinüberretten.Der Handels<lb break="no"/>kammer und der Industriellenvereinigung schwebt vor, dass mindestens<lb/>
120 Positionen als Hardcore-Fälle gegenüber den anderen Oststaaten<lb/>
ausser der Sowjetunion bleiben sollten. Nur wenn entsprechende Ent<lb break="no"/>liberalisierungsklauseln in die Verträge aufgenommen werden, resp.<lb/>
wenn entsprechende Bestimmungen über unterpreisliche Angebote ausge<lb break="no"/>nommen werden, dann könnten sie einer Reduzierung dieser 120 Positionen<lb/>
zustimmen. Ich glaube – und <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs>, der ebenfalls anwesend war<lb/>
setzte ihnen auseinander, dass dies im Rahmen der GATT-Verhandlungen<lb/>
gar nicht möglich wäre, durchzusetzen. Trotzdem besteht die Handels<lb break="no"/>kammer wie ein Shylock auf den Schein nämlich diese 120 Positionen<lb/>
zu bekommen. Als richtiges Gegenargument meinte <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, er hätte immer<lb/>
wieder von ihnen eine solche Liste verlangt und diese nicht bekommen.<lb/>
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie auch in Hinkunft kaum<lb/>
imstande sein werden, eine solche Hardcore-Fälle-Liste zu erstellen,<lb/>
weil sie untereinander sehr grosse Streitereien bekommen, wenn eine<lb/>
Gruppe nicht mehr unter die Hardcore-Fälle fällt und eine andere<lb/>
Gruppe, die ebenfalls gar keinen Schutz bracht sondern nur als<lb/>
handelspolitisches Vertragsobjekt dann nach wie vor gegen eine Libera<lb break="no"/>lisierung aus dem Osten geschützt werden. Meistens sind ja solche Aus<lb break="no"/>sprachen in erstens so grossem Rahmen und zweitens mit so allgemeinen<lb/>
Themen kaum zielführend. Er hat deshalb <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sehr richtig auf die<lb/>
polnischen Besprechungen hingezielt, als er meinte, dort müsste doch<lb/>
jetzt eine Lösung für ein spezifisches Problem gesucht werden. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs><lb/>
selbst meinte, wenn es nicht gelänge, hier eine gute Formulierung für<lb/>
die österreichische Industrie durchzusetzen, man auf den Abschluss<lb/>
eines Vertrages verzichten Würde. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> konterte gleich sehr scharf,<lb/>
dass dies das erste Mal sei, dass ihm mitgeteilt wird, er sollte bei<lb/>
den Verhandlungen so desavouiert werden, dass er nicht einmal mehr<lb/>
den Abschluss eines Vertrages herbeiführen könne. Ich habe sofort aus<lb break="no"/>gleichend gemeint, dass <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> dies nicht so verstanden wissen will<lb/>
sondern dass er nur interessiert ist, eine Schutzbestimmung einzu<lb break="no"/>bauen, die ja auch wir entsprechend vorgesehen haben. Ich bin über<lb break="no"/>zeugt, dass wir im Laufe der Verhandlungen – wenn wir nur eine vage<lb/>
Lösung erreichen – die Handelskammer dazu bringen werden, dass sie<lb/>
letzten Endes dem Vertrag ebenfalls zustimmen wird. Es war bei den<lb/>
letzten Polen-Verhandlungen, die in Warschau geführt wurden, nach<lb/>
einer Unterbrechung und Herbeorderung von <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> nach Wien, wo wir<lb/>
an einer Sonntag-Sitzung ebenfalls eine ähnliche Situation gehabt haben,<lb/>
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müsste man einmal überlegen, wirklich einen vertragslosen Zustand<lb/>
einige Zeit mit einem Staat aufrechtzuerhalten, ich glaube, da würden<lb/>
sie dann sehr bald daraufkommen, dass sie gegenüber dem Oststaat<lb/>
den Kürzeren ziehen würden. Wenn ich nämlich kein Prestige entwickle,<lb/>
dass ich gegen die Handelskammer auch einen Vertrag abschliesse, dann<lb/>
muss es meiner Meinung nach der Handelskammer äusserst schwer sein,<lb/>
selbstverantwortlich eine Vertragsunterschrift zu verweigern. Nachdem<lb/>
ich zum Begräbnis des Kammeramtsdirektors Dr. <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> frühzeitig weg<lb break="no"/>gehen müsste und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ebenfalls sich verabschiedeten,<lb/>
musste ich Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> zum Vorsitzenden bestimmen. Wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> nachher mitteilte, hat er in den Verhandlungen überhaupt keine<lb/>
positive Note hineingebracht, hat auch keinesfalls irgendwelche Angriffe<lb/>
der Handelskammer abgewehrt, sondern wie <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sich ausdrückte,<lb/>
süffisant gelächelt und eine ausgesprochen miese Verhandlungsführung<lb/>
an den Tag gelegt. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> erklärt mir, es wäre immer unmöglicher, unter<lb/>
ihm arbeiten zu können. Da er es sich mit niemandem verscherzen will,<lb/>
andererseits aber auch keinerlei Führung an den Tag legt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_06">Beim Begräbnis von Kammeramtsdirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> waren sehr viele<lb/>
Leute, insbesondere war die gesamte Bauernbundführung, LH v. NÖ,<lb/>
sogar der Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97718">Marek</rs> und von der ÖVP <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> und Gen.Sekr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>, allerdings glaube ich dieser als Landwirtschaftsminister.<lb/>
Zum Glück war auch Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, sodass nicht ich<lb/>
allein als Regierungsvertreter anwesend war. Ich wäre allerdings auf alle<lb/>
Fälle zu dem Begräbnis gegangen, da <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> für mich ein bedeutender Mann<lb/>
in meiner Entwicklung gewesen ist. Ich war deshalb nicht überrascht aber<lb/>
dafür sehr erfreut, als die Witwe mir dort in mindestens einigen Minuten<lb/>
dauernden Versicherungen immer wieder erklärte: dass mein Mann so viel<lb/>
von Ihnen gehalten hat und ich kann Ihnen nur sagen, sie waren wirklich<lb/>
ein Freund von ihm. Ich habe ihr das ebenfalls bestätigt und ich kann<lb/>
mit ruhigem Gewissen dies sagen, da <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> mir selbst immer erklärt<lb/>
hat, er hätte nur zwei Schüler gehabt, auf die er stolz ist, das eine<lb/>
sei Dr. <rs type="person" ref="#per__123739">Korbl</rs> von der Präsidentenkonferenz und der zweite sei ich ge<lb break="no"/>wesen. Trotzdem hätte ich bei der Trauerfeier der ÖVP-Prominenz den<lb/>
Vortritt gelassen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> aber erklärte sofort mir, ohne dass die anderen<lb/>
es hörten, nachdem die nächsten Anverwandten sich eingereiht hatten,<lb/>
jetzt gehen wir. Vom Standpunkt des Protokolls hat er sicherlich recht<lb/>
gehabt, die aktiven Minister gehen sicherlich als erste. Wäre ich allein<lb/>
dort gewesen, hätte ich auf alle Fälle zuerst die ÖVP-Prominenz gehen<lb/>
lassen, obwohl ich glaube, dass ich mindestens bei <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> als Mensch<lb/>
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hätte. Wie auch bei seiner Spranz-sprache<add>[Ansprache?; unklar, wessen, Anm.]</add> am offenen Grabe betonte,<lb/>
geht mit <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> einer der letzten grossen Männer aus 1945 und der<lb/>
Aufbauperiode. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir 1946 mit<lb/>
den Preisabsprachen zum ersten Mal miteinander zu tun hatten und wie<lb/>
wir dann in den 5 Lohn- und Preisabkommen eng zusammengearbeitet<lb/>
haben. Damals war <rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> von der ÖVP- und Landwirtschaftsseite, <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs><lb/>
von der ÖVP- und Handelskammerseite und <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> und ich von der<lb/>
Arbeiterkammer und dem Gewerkschaftsbund die Ziffernspione, wie <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs><lb/>
uns bezeichnet hat. Wir hatten damals die Unterlagen für Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> und <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> auszuarbeiten gehabt und haben, glaube ich, damals wirklich<lb/>
freundschaftlich zusammengearbeitet. Als einmal <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs>, weil er verärgert<lb/>
war, die Ziffernspione rausgeschickt hat, haben wir beschlossen, die<lb/>
Gewerkschaft der Herren Experten die "<choice><choice><sic>GD Hex</sic><corr>GdHEx?</corr></choice></choice>" zu errichten. Wir haben<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137222">Müller</rs> sogar damals einen Bierzipf für seine Uhr gegeben, da er doch<lb/>
ein alter Kartellbruder gewesen ist. Am Grabe wurde auch von einigen<lb/>
Kartellvereinigungen ihm Nachrufe gehalten, die ja ebenfalls herausge<lb break="no"/>strichen hatten, dass er sie jederzeit zur Verfügung gestanden ist<lb/>
und vielen von ihnen einen Posten verschafft hat. Eines fiel mir bei<lb/>
diesem Begräbnis auf, dass <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> sich scheinbar<lb/>
nicht mehr anschauen können, denn beide haben sich sehr getrennt und<lb/>
distanziert ausgestellt und kaum ein Wort mitsammen gesprochen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_07">Der Schwiegersohn von <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>, Präsident <rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs>, kam nach Österreich,<lb/>
um hier einige Kooperationsverträge zu perfektionieren. <rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs><lb/>
ist heute scheinbar in der Sowjetunion ein bedeutender Industriemanager.<lb/>
Deshalb hat sich auch die ENI bei ihrem letzten Aufenthalt in Moskau bei<lb/>
ihm – wie er sich ausdrückte, zwar nicht beschwert, aber doch immerhin<lb/>
zum Ausdruck gebracht, dass die Verhandlungen über eine österreichisch<lb break="no"/>italienische Gesellschaft zur Errichtung einer Gaspipeline durch Öster<lb break="no"/>reich nicht weitergeht. Die ÖMV hat mir eine Darstellung gegeben, die<lb/>
ich ins Russische übersetzen liess, und habe diesen Sachverhalt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs> mitgeteilt. Er selbst nahm dies – wie ich glaube – mit<lb/>
Befriedigung zur Kenntnis. Ich glaube aber, dass es schön langsam wirklich<lb/>
Zeit wird, dass die ÖMV mit der ENI zu Rande kommt. Ich kann mir nicht<lb/>
vorstellen, dass es noch monatelange so hin und her gehen kann. Die<lb/>
ÖMV wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie so wie die Schweiz nur<lb/>
eine 51 %-ige Beteiligung an einer österr.-italienischen Gesellschaft<lb/>
erhalten kann. Ich werde natürlich die ÖMV solange es geht unterstützen,<lb/>
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es mir notwendig erscheint, dass so bald wir möglich jetzt konkrete<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_08">Pfingstfeiertage<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_09">Ich benützte meinen Urlaub in Kärnten, um mir einige interessante<lb/>
Projekte anzusehen. Ich hatte vor allem die Absicht, in St. Andrä mir<lb/>
das Dampfkraftwerk zu besichtigen, ohne dass ich dort gross angemeldet<lb/>
werde, ich weiss, dass ich in einem Betrieb ja nicht als <rs type="person" ref="#per__137230">Harun al Raschid</rs><lb/>
erscheinen kann, denn dann würde mich kaum wer hineinlassen. Ich hatte<lb/>
aber doch die Möglichkeit und das Glück, dass der Portier mich nicht er<lb break="no"/>kannt hat und dann ein Schlosser bereit war, mich in den Betrieb zu<lb/>
führen. Dieser allerdings kannte mich aus dem Fernsehen, wie er mir<lb/>
am Schluss versicherte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-28_10">Die Kärntner Landesregierung hat ein Entwicklungsprojekt für das obere<lb/>
Mölltal von Heiligenblut bis Winklern ausgearbeitet. In diesem Entwick<lb break="no"/>lungsprojekt spielen auch die Seitentäler, die für den Skilauf er<lb break="no"/>schlossen werden sollen, eine grosse Rolle. Der seinerzeitige Landes<lb break="no"/>hauptmannstellvertreter <rs type="person" ref="#per__137231">Kerstnig</rs> und der jetzige LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__137232">Suchanek</rs> haben<lb/>
in der Asten ein kleines Häuschen sich errichtet und nun hat man mich<lb/>
ersucht, ich sollte mir diese Skigebiete ansehen. Ich habe feststellen<lb/>
müssen, dass dort sehr grosse Investitionen notwendig wären, die wir jetzt<lb/>
kaum verantworten könnten. Landschaftlich ist die Gegend aber wirklich<lb/>
herrlich. Ich habe noch nie in meinem Leben eine solche gross ausgedehnte<lb/>
Enzianpracht gesehen. Die Wiese war – so wie bei uns – mit Sommerblumen<lb/>
übersät. Bürgermeister versicherte, da dieses Tal nach Süden offen ist,<lb/>
dass hier den ganzen Sommer hindurch die herrlichste Blumenpracht exi<lb break="no"/>stiert. Für jeden Enzian 1 Groschen und die Investitionen wären finanziert.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 28.5.1971</head>
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               <persName type="label">Seidl, Rudolf Hans</persName>
               <persName><surname>Seidl</surname><forename>Rudolf Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
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               <persName type="label">Marek, Bruno</persName>
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               <persName><surname>Kosygin</surname><forename>Aleksej N.</forename></persName>
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               <persName><surname>Peschke</surname><forename>A</forename></persName>
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               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Schleinzer, Karl</persName>
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               <persName type="label">Wirlandner, Stefan</persName>
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               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Gleißner, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gleißner</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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               <persName><surname>Korbl</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Gwischiani, Dschermen</persName>
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               <persName><surname>Römer</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
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               <persName><surname>Willenpart</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName><surname>Müller</surname><forename>Leo</forename></persName>
               <occupation>ehem. Kammeramtsdir. LWK NÖ u. Wien [1971 verst., JS beim Begräbnis am
                  Friedhof Ottakring]</occupation>
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               <occupation>ehem. ÖVP-FM</occupation>
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               <persName type="label">Böhm, Johann</persName>
               <persName><surname>Böhm</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>erster ÖGB-Präs.</occupation>
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               <occupation>bulgar. Außenhandelsminister</occupation>
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               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <occupation>bulgar. Botschafter [1971; in späteren Jahren, wo der Name vorkommt, ev.
                  in anderer Funktion oder doch verschiedene Personen?]</occupation>
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               <occupation>Ktn. LH-Stv., SPÖ</occupation>
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               <persName type="label">Deuring, Eduard Karl</persName>
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               <occupation>Stärkefabrik K. Deuring, Hörbranz</occupation>
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