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            <title type="main">Montag, der 24. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band06_1971-05-24</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_01">Montag, 24. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_02">Beim Arbeitsgespräch mit dem iranischen Handelsminister <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs><lb/>
war von seiner Seite nur der Botschafter und der Handelsrat an<lb break="no"/>wesend, er hat nicht einmal seinen Delegationsleiter mitgenommen.<lb/>
Ich selbst hatte nur Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und zur Übersetzung <rs type="person" ref="#per__114990">Wessely</rs>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> wünschte, dass wir ausser der Tagesordnung, die bereits mit<lb/>
seiner Delegationsleitung und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> abgesprochen gewesen ist, doch<lb/>
nur die grundsätzliche zukünftige Zusammenarbeit besprechen. Ihm<lb/>
schwebte im Prinzip vor, dass ähnlich wie er dies mit Belgien er<lb break="no"/>reicht hat, eine österreichische-iranische Investitionsgesellschaft<lb/>
gegründet wird. Diese Gesellschaft sollte in Iran entsprechende Fa<lb break="no"/>briken errichten und die Produkte dieser Fabriken sollten zur Abzah<lb break="no"/>lung nach Österreich exportiert werden. Ohne dass ich von den Firmen<lb/>
entsprechende Informationen bekommen habe, jetzt nach der Sitzung<lb/>
der Gemischten Kommission kam Dr. <rs type="person" ref="#per__137170">Kreidler</rs> von der Chemie zu mir<lb/>
und ersuchte mich, ich sollte auf alle Fälle hart bleiben, erwiderte<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> sofort, dass eine Verpflichtung, die Ware in Österreich<lb/>
zu übernehmen, niemand abgeben könnte. <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> wollte dann erklärt<lb/>
haben, wie die Einfuhrlizenzen bei uns ausgestellt werden. In der<lb/>
Information, die ich bekommen hatte, wurde erklärt, dass seit 1957<lb/>
ein Meistbegünstigungsabkommen zwischen Iran und Österreich besteht.<lb/>
Dadurch bekommt Iran die österreichischen GATT-Zölle. Da nicht be<lb break="no"/>sonders ausgeführt war, dass sich dieses Meistbegünstigungsabkommen<lb/>
ausschliesslich auf die Zölle beschränkt, hätte ich eigentlich ange<lb break="no"/>nommen, dass auch die Liberalisierungsregeln vom GATT in der Meistbe<lb break="no"/>günstigung beinhaltet sind. Zum Glück schaltete ich schnell genug und<lb/>
erklärte nur, dass wir so wie bisher die liberale Einfuhr aus Iran fort<lb break="no"/>setzen werden. In Hinkunft glaube ich, müsste dafür Vorsorge getroffen<lb/>
werden, dass ich nicht seitenlange Informationen über nebensächliche<lb/>
Fragen bekomme. Es müsste das Referat mir doch eine Unterlage geben<lb/>
in Stichworten, wo ich aber die wichtigsten Tatbestände aufgezeichnet<lb/>
hat, z.B. dass Iran kein GATT-Mitglied ist, dass die Meistbegünstigung<lb/>
sich nur auf die Zölle bezieht, dass wir kein Öl aus Iran bis jetzt ein<lb break="no"/>geführt haben, dass in Hinkunft beabsichtigt ist, 300.000 t zu importieren,<lb/>
dass diese Importe aber nicht wie gewünscht CIF sondern nur FOB von<lb/>
Iran geboten werden, dass dieses Öl aber mit iranischer Unterstützung<lb/>
über die Pipeline Eilat-Mittelmeer von den Israeli durchgeführt wird,<lb/>
dass die österreichischen Firmen, die Kooperationen mit iranischen Firmen<lb/>
durchführen, nicht verpflichtet werden können, die Waren, die sie dort<lb/>
<pb n="06-0632" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-24_0632.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erzeugen, auch abzunehmen. Dies alles hätte in Stichworten vielleicht<lb/>
eine Seite ausgemacht, die hätte ich lesen können und wäre bestens<lb/>
informiert gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte vorsorgen, damit das nächste Mal und insbesondere<lb/>
bereits jetzt in der Russlandverhandlung eine solche Art der Vorbereitung<lb/>
gesichert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_04">In der Gemischten Kommission hatte ich unsere Delegation vorzustellen.<lb/>
Da einige Herren noch zusätzlich dazu kamen, hatte ich Schwierigkeiten,<lb/>
sie vorzustellen. Ich glaube auch hier muss vorgesorgt werden, dass ich<lb/>
beim Eintritt in den Saal eine vollkommene vollständige Liste der an<lb break="no"/>wesenden österreichischen Delegationsmitglieder erhalte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte hier entsprechende Vorsorge zu treffen, dass<lb/>
in Hinkunft tatsächlich die notwendigen Unterlagen immer zur Verfügung ste<lb break="no"/>hen, ob es sich dabei um die Ankunft in Schwechat oder um die Kommissions<lb break="no"/>mitglieder handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_06">Die Sitzung verlief insoferne ganz normal, als wir ja nicht auf die Details<lb/>
eingingen, sondern nur uns von den beiden Leitern der Expertenvorbespre<lb break="no"/>chungen berichten liessen. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> fragte mich anschliessend, ob man dem<lb/>
Wunsch der Iraner entgegenkommen sollte und Verhandlungen über einen Han<lb break="no"/>delsvertrag zu beginnen. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man selbstver<lb break="no"/>ständlich, wenn eine uns doch befreundete Nation einen Handelsvertrag<lb/>
mit uns wünscht, wir diesbezügliche Verhandlungen aufnehmen müssen. Ich<lb/>
werde sehen, was im Protokoll resp. in dem Verhandlungsergebnis dann<lb/>
letzten Endes herauskommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_07">Am Abend hat mir <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> einen Akt von der Staatspolizei vorgelegt, in dem<lb/>
über die Gerüchte über Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, daß er für den sowjetischen Geheim<lb break="no"/>dienst arbeiten soll, nichts Konkretes vorliegt. Die Staatspolizei wollte<lb/>
nun im Einvernehmen mit dem Sicherheitsbeauftragten <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> mit diesen<lb/>
Gerüchten konfrontieren. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> wollte dazu meine Zustimmung. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> wird<lb/>
in diesem Akt, den sicherlich auch <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> zumindestens teilweise ge<lb break="no"/>sehen hat oder den Tatbestand kennt, als linksverdächtig dargestellt.<lb/>
Er soll in seiner Jugend in der Falkenbewegung gewesen sein und wird<lb/>
allein schon deshalb <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> als verdächtig gelten. Ausserdem ist<lb/>
er geistig <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> natürlich turmhoch überlegen und ich kann mir sehr<lb/>
gut vorstellen, dass ihm als Sicherheitsbeauftragten deshalb eine solche<lb/>
Untersuchung über <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sehr gelegen kommt. Ich habe deshalb meine Zu<lb break="no"/>stimmung zu einer Konfrontation gegeben, allerdings nur mit der Staats<lb break="no"/><pb n="06-0633" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-24_0633.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>polizei unter Ausschaltung unseres Sicherheitsbeauftragten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich glaube, es wird höchste Zeit, dass wir doch<lb/>
einmal dieses Problem der Sicherheitsbeauftragten in den Ministerien und<lb/>
ganz besonders unseres Ministeriums-Sicherheitsbeauftragten klären. Er<lb/>
hat sich bis jetzt weder bei mir als solcher vorgestellt, noch hat er mir<lb/>
irgendwelche Berichte über seine Tätigkeit zukommen lassen. Ich glaube,<lb/>
es ist unerträglich, dass in einem Ministerium eine Art geheime Staatspo<lb break="no"/>lizei mit Sonderaufträgen direkt einem anderen Minister unterstellt ist,<lb/>
ohne dass der Ressortminister davon über dessen Tätigkeit Kenntnis hat.<lb/>
Ich bitte deshalb mit den anderen Ministersekretären dieses Problem vor<lb break="no"/>fühlend besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_09">Im wirtschaftlichen Ministerkomitee wurden zuerst Probleme der verstaat<lb break="no"/>lichten Industrie, teilweise dann sogar unter Anwesenheit von Sekt.Chef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs>, Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, Direktor <rs type="person" ref="#per__134310">Milos Franc</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> be<lb break="no"/>sprochen. Die chemische <choice><choice><sic>Petro-Chemie-Tochter</sic><corr>Petrochemie-Tochter?</corr></choice></choice> soll bis 1.7. im Prinzip<lb/>
jetzt stehen. Entweder es kommt jetzt zwischen der ÖMV und der ÖSW eine<lb/>
Koordination und ein Vertrag zustande, oder es werden gegebenenfalls Fusions<lb break="no"/>beschlüsse gefasst. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird mit den Parteistellen in Linz neuerdings<lb/>
sprechen, um eine Lösung jetzt endgültig zu erreichen, da wir mit schärf<lb break="no"/>sten Angriffen von Seiten der ÖVP im Parlament rechnen müssen. Die ÖIAG<lb/>
plädiert aber derzeit eigentlich mehr für eine Tochtergesellschaft, da sie<lb/>
darin eine Lösungsmöglichkeit sieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_10">An der neu zu gründenden österreichischen Siemensgesellschaft wird nicht<lb/>
die Elin beteiligt mit dem 40 %-igen WSW-Anteil, sondern die ÖIAG. Gen.<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> wird deshalb auch in den Aufsichtsrat entsandt, SPÖ-seitig noch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> und <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> von der Gemeinde Wien, Stadtwerke, <rs type="person" ref="#per__113020">Haindl</rs>, <rs type="person" ref="#per__113018">Kohlruss</rs><lb/>
von der ÖVP und als Elin-Männer sowie <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> als Aufsichtsratsvorsitzender-<lb/>
Stellvertreter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_11">Die Hauptschwierigkeiten der ÖIAG liegen aber derzeit bei der Finanzierung<lb/>
der verstaatlichten Industrie. <rs type="person" ref="#per__137178">Derdak</rs>, der Finanzreferent, hat ein Konzept<lb/>
ausgearbeitet, das vollkommen unbrauchbar ist. Es sieht vor, dass die Ver<lb break="no"/>luste der Finanzminister deckt, die bei den Betrieben entstehen, und ca.<lb/>
1,2 Milliarden S im Jahre 1971/72 ausmachen würden, während die Gewinne<lb/>
der Betriebe durch das System Schütt aus – Hol zurück zur Kapitalerhöhung<lb/>
der einzelnen Betriebe verwendet werden sollen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> weiss aber, dass<lb/>
ein vollkommen anderes Konzept seit dem 25. März fertig bei <rs type="person" ref="#per__137178">Derdak</rs> liegt,<lb/>
dass dieser nicht einmal noch <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> gesagt hat. In der Geschäftsordnung<lb/>
steht zwar drinnen, dass finanzielle Probleme einvernehmlich mit dem<lb/>
<pb n="06-0634" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-24_0634.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Generaldirektor geregelt werden können, aber es steht nichts drinnen,<lb/>
dass er auch alle Konzepte dem Generaldirektor vorlegen muss, wenn<lb/>
er nicht selbst diese Absicht hat. Sicher ist, dass <rs type="person" ref="#per__137178">Derdak</rs> seine Ab<lb break="no"/>teilung mit guten Leuten in der bisherigen Ära ausstatten konnte, so<lb/>
soll ein gewisser <rs type="person" ref="#per__137179">Kern</rs> bei ihm sein, der alles für ihn arbeitet.<lb/>
Der zweite ÖVP-Direktor <rs type="person" ref="#per__135126">Fröhlich</rs> hat nur sehr viele Leute aufgenommen,<lb/>
er hat eine eigene Marketing-Abteilung und eine riesige statistische<lb/>
Abteilung unter sich, aber in Wirklichkeit nicht die potenten Männer<lb/>
wie dies das Finanzreferat <rs type="person" ref="#per__137178">Derdak</rs> besitzt. Die den soz. Direktoren<lb/>
unterstehenden Abteilungen werden von guten Genossen geführt, die aber<lb/>
kaum Paroli bieten können. Für <rs type="person" ref="#per__137182">Knoll</rs> aus der Handelsabteilung, er spricht<lb/>
vier Sprachen, wird ja bereits eine andere Beschäftigung gesucht, man<lb/>
wollte ihn ja auch ins Handelsministerium gegebenenfalls transferieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs> selbst führt die technische Abteilung, obwohl er kein Techniker<lb/>
in diesem Sinne ist und daher auch keine wirkliche Koordination mit den<lb/>
Betrieben durchführen kann. Ausserdem hat er persönliche Umgangsformen,<lb/>
die ihn überall anecken lassen. <rs type="person" ref="#per__123164">Zimmermann</rs> wieder bemüht sich um die<lb/>
Leitung der Energiesektion im <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>-Ministerium. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> und auch<lb/>
ich erklärten, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er ohne eine<lb/>
Techniker zu sein, diese Sektion wirklich führen könnte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
irgendwer hätte ihm diesbezügliche Zusagen gemacht. Ich selbst lehnte<lb/>
ab, für solche Zusagen einzutreten und auch <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> erklärte, dass er<lb/>
nicht daran denke, <rs type="person" ref="#per__123164">Zimmermann</rs> die Sektionsleitung zu übertragen. Die<lb/>
ÖIAG wird also wegen ihrer hohen Personalkosten angeschossen und müsste<lb/>
dringend einige gute Leute aufnehmen, dafür aber eine ganze Anzahl von<lb/>
Leuten eigentlich an die Ministerien wieder zurückgeben. Die ÖIAG hat in<lb/>
der Kantgasse gar keinen Platz mehr, sie hat deshalb bereits zwei<lb/>
Aussenstellen, und versucht nun die Sektion IV, die ebenfalls in der<lb/>
Kantgasse sitzt, herauszubringen oder sie müsste sich ein eigenes Haus<lb/>
bauen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verglich diesen Wunsch mit der Elin, die bekanntlicherweise<lb/>
auch ein solches Bürohaus in Penzing errichtet hat. obwohl alle anderen<lb/>
Massnahmen dringend notwendig gewesen wären. Im jetzigen Zeitpunkt kommt<lb/>
eine solche Lösung überhaupt nicht in Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_12"><rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> bemerkte, dass die Betriebe erklären, dass sie durch die Auf<lb break="no"/>wertung grosse Verluste erleiden, z.B. die Schoeller-Bleckmann Stahlge<lb break="no"/>sellschaft 40–50 Mill. insgesamt rechnet er mit Aufwertungsverlusten von<lb/>
ca. 70–80 Mill. S. Dieser Betrag wird dann bei den Dividendeneinnahmen,<lb/>
die die ÖIAG mit 400–500 Mill. geschätzt hat, sich niederschlagen<lb/>
und deshalb dann für die Reorganisation der verstaatlichten Industrie<lb/>
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war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte für die nächste Möglichkeit, wenn ich ins<lb/>
Institut essen komme, <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> zu einer Aussprache bestellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_14"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> teilte mir, dass er die Verbundtarifwünsche bis in den Winter<lb/>
zurückstellen wird. Die ÖBB hat aber einen Vorstandsbeschluss gefasst,<lb/>
dass die Tarife entsprechend erhöht werden sollten. Ihnen schwebt vor, dass<lb/>
die fünf Klassen auf vier Klassen bei den Gütertarifen reduziert werden<lb/>
und ausserdem noch entsprechende Erhöhungen durchgeführt werden. Ich erklärte,<lb/>
dass auch bei mir ein solcher Antrag für die Strassengütertarife liegt,<lb/>
ich aber nicht beabsichtige, diesen jetzt tatsächlich in Kraft zu setzen,<lb/>
ich glaube, dass sowohl die Gütertarife der ÖBB als auch die der Strasse<lb/>
in der jetzigen Phase nicht erhöht werden können und sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_15">Mein Hinweis bezüglich der Index-Kosmetik ging eigentlich unter. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
wird über die KFZ-Versicherung in der Öffentlichkeit über das Fernsehen mit<lb/>
den Kraftfahrorganisation diskutieren. Ich schlug ihm vor und <rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs>,<lb/>
den ich spät abends noch anrief, weil ich feststellen musste, wo eigentlich<lb/>
der Start stattfindet, teilte meine Meinung, dass es zielführender ist,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bereits Zugeständnisse bei der Fernsehsendung macht und<lb/>
nicht erst am Ende der Begutachtungsfrist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_16">Das neu auszuarbeitende Budget wird grosse Schwierigkeiten bereiten. <rs type="person" ref="#per__97311">An<lb break="no"/>drosch</rs> referierte, dass ihm 3,8 Milliarden S fehlen. An dem Gesamtausgaben<lb break="no"/>rahmen von 120 Milliarden würden für das Personal 5,6 Milliarden Mehrkosten<lb/>
für die gesetzlichen Verpflichtungen 6 Mia. und für 5 % Ermessenskrediter<lb break="no"/>höhung, um den realen Ermessenskreditrahmen zu erhalten 1 Mia. S notwendig<lb/>
sind, dies macht 15,3 Mia., dem stehen gegenüber Mehreinnahmen ausser den<lb/>
zu erwartenden daher präliminierten Steigerungen, wenn man so will, soge<lb break="no"/>nannte Pluseinnahmen von 1 Mia. S. Gegebenenfalls könnte die Schulden<lb break="no"/>tilgung geschoben werden, was 2 Mia. S Ersparnis bringt. Weitere 500 Mill.<lb/>
könnten sonst noch angenommen werden, sodass ein effektives Mehrerfordernis<lb/>
von 11,8 Mia. S verbleiben. Mehrausgaben, die für die Land- und Forstwirt<lb break="no"/>schaft vorgesehen sind, sowie für den Bahnhof Wolfurt und für Forschungs-<lb/>
und Unterrichtszwecke sowie für die Kriegsopferfürsorge betragen 1,5 Mia.,<lb/>
sodass insgesamt 13,3 Mia. S zu bedecken wären. Da das Defizit nicht über<lb/>
10 Mia. S wahrscheinlich sogar noch ein bisschen darunter bleiben müsste,<lb/>
sind 3,8 Mia. S ungedeckter Aufwand. Im Finanzministerium hätte man in<lb/>
der Bürokratie glaube ich, ich nehme an, dass dies von <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> stammt, fol<lb break="no"/>gende Überlegungen: eine 1 %-ige Erhöhung des Pensionsbeitrages würde dem<lb/>
<pb n="06-0636" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-24_0636.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bund 1 Mia. S Zuschuss zu den Renteninstituten ersparen. Eine 10-Groschen-<lb/>
Erhöhung der Zigaretten würde 600 Mill. bringen, eine Erhöhung der 10 %-igen<lb/>
Gütertarife bei der ÖBB ebenfalls 600 Mill. Der Fernsprech-Sockelbetrag<lb/>
auf Grund des Fernsprechinvestitionsgesetzes könnte mit 500 Mill. S Ab<lb break="no"/>fuhr an den Bund festgesetzt werden. Durch Gebührenerhöhungen bei den<lb/>
Fernsprechgebühren könnten 300 Mill. hereinkommen. Die inländischen Post<lb break="no"/>gebühren erhöht würden 560 Mill. S bringen. Ebenso könnte von der ÖNB noch<lb/>
mit 500 Mill. gerechnet werden. Wenn der Pensionsbeitrag für die Arbeiter<lb/>
und Angestellten erhöht wird, müssten auch die Pensionsbeiträge der Bundes<lb break="no"/>bediensteten erhöht werden, die ebenfalls 100 Mill. S erbringen. Aus diesen<lb/>
Einnahmen könnten 4,2 Mia. S erwachsen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte, diese Unterlagen vertraulich <rs type="person" ref="#per__97868">Reithofer</rs><add>[ev. Falschidentifikation]</add> zur<lb/>
Verfügung stellen und, sobald er zurück ist, eine Besprechung im Institut<lb/>
vereinbaren. Vertraulich müssen diese Unterlagen deshalb behandelt wer<lb break="no"/>den, weil ich nicht weiss, wie weit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dieses Material bereits <rs type="person" ref="#per__112010">Bla<lb break="no"/>ha</rs> freigegeben hat resp. wie weit <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> vielleicht, von dem ich annehme,<lb/>
dass diese Unterlagen stammen, <rs type="person" ref="#per__97868">Reithofer</rs> sowieso konsultiert hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_18"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird für die Bergbauern ein Symposium einberufen, an dem <rs type="person" ref="#per__98066">Weihs</rs><lb/>
entsprechende Vorschläge bringen wird. Die Absicht ist, 350 Mill. S pro<lb/>
Jahr den 125.000 Bergbauern-Betrieben zur Verfügung zu stellen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
meinte nur, hier müsste vorsichtig vorgegangen werden, damit wir nicht<lb/>
eine Fehlkonstruktion aufbauen. Insgesamt seien in der Landwirtschaft ja nur<lb/>
mehr 520.000 selbständige Berufstätige, interessant ist, dass davon 420.000<lb/>
im Bauernbund organisiert sind und er bezweifelt, dass die 125.000 Berg<lb break="no"/>bauern überhaupt erhalten werden können, selbst wenn wir grössere finan<lb break="no"/>zielle Beträge aufwenden, immerhin werden dies fast 3.000 S pro Bergbau<lb break="no"/>ernbetrieb sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schwebt vor, dass hier aber den Bergbauern<lb/>
doch als Kulturerhalter entsprechende Subventionen gegeben werden sollen,<lb/>
damit sie bereit sind, ihre Höfe weiter zu bewirtschaften. Mit Hilfe die<lb break="no"/>ser Unterstützungen sollen nicht <choice><choice><sic>nue</sic><corr>neue?</corr></choice></choice> Produkte oder überhaupt, die Produk<lb break="no"/>tion erhöht werden, ihm schwebt höchstens neue Käsesorten oder Produktionen<lb/>
oder eventuell Fleischschafe vor, er sollen aber primär eine Infrastruktur<lb/>
damit finanziert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_19"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat bei einer Metallarbeiter-Konferenz festgestellt, dass die<lb/>
Metallarbeiter-Gehilfenausschüsse, die derzeit im Fachausschüssen in der<lb/>
Arbeiterkammer organisiert sind, doch immer wieder erklären, dass<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_20">für das Gewerbe nichts geschieht. Es werden deshalb in den Baunebengewerben<lb/>
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Tischlergewerben usw. viel zu wenig für den Nachwuchs getan. Anderer<lb break="no"/>seits möchte er nicht nur für die Bergbauern sondern scheinbar auch<lb/>
für die Gewerbebetriebe eine gezielte Förderung unverzüglich starten.<lb/>
Ich habe ihm zugesagt, dass wir uns dies jetzt sehr kurzfristig überlegen<lb/>
werden und ich entsprechende Vorschläge ihm unterbreiten werde. Das<lb/>
einzige, was ich mir derzeit vorstellen kann, was im Hinblick auf<lb/>
die Liberalisierung der Gewerbeordnung unsererseits jetzt für das<lb/>
Gewerbe ein entsprechender Gewerbeplan erstellt wird, wo tüchtige Unter<lb break="no"/>nehmer gefördert werden. Im Hinblick auf den Befähigungsnachweis, der<lb/>
in Zukunft eine bedeutendere Rolle spielen wird, könnte ich mir vor<lb break="no"/>stellen, dass man entsprechende Vorschläge unverzüglich ausarbeitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_21">Bei der Ministerratsvorbesprechung wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur festgehalten,<lb/>
dass die Formel 1957 verwendet wird, d.h. die Bundesregierung die<lb/>
Bereitschaft zur Demission ausdrücken wird. Ein solcher Beschluss<lb/>
wird in der Bundesregierung gefasst werden. <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> wird von der Bundes<lb break="no"/>regierung dann aufgesucht und wird erklären, dass eine Demission nicht<lb/>
notwendig sei. Ich stellte auch in der Vorbesprechung fest, dass ich<lb/>
nicht anwesend sein werde und mich beim Bundespräsidenten bereits dies<lb break="no"/>bezüglich entschuldigt habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_22">Bei der Landeshauptleutekonferenz hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgeteilt, dass von<lb/>
den 44 Forderungen, die die Landeshauptleute erstellt haben, 18 erfüllt<lb/>
wurden, 12 teilerfüllt, 5 offen und 9 nicht erfüllbar sind. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs><lb/>
hätte als einziger ÖVP-Landeshauptmann stark polemisiert, insbesondere<lb/>
sei er als die von den 18 erfüllten die Naturhöhlen als erstes genannt<lb/>
wurden, in ein Gelächter ausgebrochen, was allerdings dann von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
richtig repliziert wurde, diese Forderung kam ja von den Landeshaupt<lb break="no"/>leuten. <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> und <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs> hätten dann allerdings erklärt, dass die<lb/>
Zugeständnisse doch eine Diskussionsgrundlage darstellen. Am 27. wird<lb/>
jetzt auf Beamtenebene weiter verhandelt und dann wird ein Komitee,<lb/>
bestehend aus den Landeshauptleuten oder deren Beauftragten von Wien,<lb/>
NÖ, Burgenland und Vorarlberg am 17.6. die Verhandlungen endgültig<lb/>
finalisieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-24_23">Dr. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> vom Klub fragte an, ob die Subventionen im Parlament<lb/>
diskutiert werden im Finanzausschuss, alle Mitglieder der Bundes<lb break="no"/>regierung wieder ihre Subventionskapitel dort vertreten, wie dies<lb/>
beim Rechnungshofbericht der Fall ist. Es wurde beschlossen, dass<lb/>
uns nur der Finanzminister vertritt.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <occupation>Handelsabt. ÖIAG [1971; offenbar SPÖ; soll ev. ins HM wechseln,
                  vielleicht dort später zu finden?; vmtl. auch am 21.7.1971 gemeint?]</occupation>
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               <occupation>Mitarb. Finanzreferent Derdak, ÖIAG [1971; i. O. Kenr geschrieben; so zu
                  finden in Handb. d. öff. Lebens 1965]]</occupation>
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               <occupation>Finanzreferent ÖIAG [1971; so zu finden in Handb. d. öff. Lebens
                  1965]</occupation>
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               <occupation>AR ÖIAG; evtl. Falschidentifikation [Mai 1971 bereits ÖIAG?; auch am
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