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            <title type="main">Mittwoch, der 19. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band06_1971-05-19</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_01">Mittwoch, 19. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_02">In der Gewerkschaftsfraktion berichtete ich über die zu erwartenden<lb/>
Preissteigerungen auf dem Lebensmittelsektor. Da ich seit Jahrzehnten<lb/>
immer die These "mässig aber regelmässig" sollen die Preise steigen<lb/>
vertrat, glaube ich hat man mir auch die jetzige Stellungnahme<lb/>
abgenommen, weil man eben bereits gewohnt war, dass ich in jeder<lb/>
Phase immer die Preissteigerungen als ein notwendiges Übel betrach<lb break="no"/>tet habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_03">Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> berichtete als Vorstandsmitglied der<lb/>
Volksfürsorge über den Plan, in Hinkunft die Gewerkschaftsmitglieder<lb/>
über den Gewerkschaftsbund automatisch an einer Freizeitversicherung<lb/>
teilhaben zu lassen. Von den Einnahmen des ÖGB von 500 Mill. gehen<lb/>
ca. derzeit nicht ganz 10 % in die Unterstützungen. Da aber die Ge<lb break="no"/>werkschaften die verschiedensten Unterstützungen gewähren und jedes<lb/>
Gewerkschaftsmitglied bei der Fachgewerkschaft immer wieder urgiert,<lb/>
warum bei anderen Gewerkschaften dies gewährt wird, was bei jener<lb/>
Gewerkschaft nicht der Fall ist, soll versucht werden, über die<lb/>
Volksfürsorge eine einheitliche Lösung zu finden. Der Gewerkschafts<lb break="no"/>kongress im September soll dafür bindende Beschlüsse erlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_04">Während der Sitzung kam <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, der Sprecher und Verhandlungs<lb break="no"/>leiter aller Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes, und nachher alle<lb/>
Genossen des öffentlichen Dienstes zu mir, um zu erfahren, wer denn<lb/>
eigentlich diesen Urlauberlass beschlossen hätte. Unter der seiner<lb break="no"/>zeitigen ÖVP-Regierung hätte die Postgewerkschaft einen Rechtsstreit<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> gehabt, da <rs type="person" ref="#per__137159">Hackl</rs>, der damalige Sektionschef im BKA, der die<lb/>
Personalfragen bearbeitete, sich weigerte, einem öffentlichen Bedienste<lb break="no"/>ten den Urlaubstag zusätzlich zu gewähren, da an einem Samstag ein<lb/>
Feiertag gefallen ist und der Betreffende ein Fünftagewochen-Mann war.<lb/>
Sektionschef <rs type="person" ref="#per__135724">Markovics</rs>, der jetzt dieses Personalreferat im BKA<lb/>
führt, hat nun <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> soviel ich mich erinnern kann, darauf aufmerk<lb break="no"/>sam gemacht, dass eine Lösung notwendig sei. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat soviel ich<lb/>
mich erinnern kann, in einer Regierungsvorbesprechung diesen Tatbe<lb break="no"/>stand nur flüchtig erwähnt und vorgeschlagen, es sollte jetzt ein<lb/>
Erlass hinausgehen, wonach alle Leute, die 5-Tage-Woche haben für<lb/>
den Urlaubstag, der am Samstag fällt einen anderen Urlaubstag be<lb break="no"/><pb n="06-0615" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-19_0615.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kommen, wenn der Samstag ein Feiertag ist. Auch dann, wenn der<lb/>
Betreffende in dieser Woche gar nicht auf Urlaub geht. Wie jetzt<lb/>
mit der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes vereinbart wurde<lb/>
und wie alle anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes wie<lb/>
Post, Bahn und Gemeindebedienstete mit Überraschung feststellten,<lb/>
wird angeblich am Jahresanfang festgestellt, welches Samstage<lb/>
Feiertage sind und dann automatisch diese Tage den öffentlichen<lb/>
Dienst als zusätzliche Urlaubstage gewährt, nicht allerdings<lb/>
glaube ich für die Betriebe und für nicht alle nachgeordneten Dienst<lb break="no"/>stellen. Dadurch ergibt sich eine Urlaubsausweitung, die ja nicht<lb/>
einmal von der Gewerkschaft verlangt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, Tatbestand genau prüfen und mir berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_06">Nach fast einem Jahr war ich wieder einmal ausser bei den Vorstands<lb break="no"/>sitzungen in der Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter. Wenn man be<lb break="no"/>denkt, dass ich früher etliche Male in der Woche mich in der Organi<lb break="no"/>sation aufgehalten habe und mit den Sekretären und den Angestellten<lb/>
über Probleme diskutiert habe und sie besprochen habe, so sieht man,<lb/>
wie ich mich jetzt um die Organisation überhaupt nicht kümmern kann.<lb/>
Wenn dort nicht ZS <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> wäre, mein guter Freund und ausgesprochen<lb/>
geschickter Manager würde es wahrscheinlich drunter und drüber gehen.<lb/>
Gut, dass ich seit eh und je auf dem Standpunkt gestanden bin, die<lb/>
Seele der Organisation ist der Zentralsekretär und ihm vollkommen freie<lb/>
Hand gegeben habe. Alle meine Vorgänger haben dies bei den Zentral<lb break="no"/>sekretären nie getan, vielleicht auch deshalb, weil sie befürchteten,<lb/>
dass die dann nichts mehr in der Organisation zu reden haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_07">Im Institut für Gesellschaftspolitik hatten wir wieder ein Arbeits<lb break="no"/>essen mit den Journalisten. Zum ersten Mal waren ausser den ständigen<lb/>
Gästen, die aber auch ununterbrochen wechseln, die besten Wirtschafts<lb break="no"/>redakteuren Prof. <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs> von den Finanznachrichten, <rs type="person" ref="#per__137160">Grabner</rs> von der<lb/>
Presse und Zürcher Zeitung und Dr. <rs type="person" ref="#per__135868">Nussbaum</rs> vom ORF erschienen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> versuchte neuerdings den Journalisten, insbesondere den neuen,<lb/>
klarzumachen, dass der Facts-Pressedienst nicht der offizielle<lb/>
Pressedienst der AK ist und deshalb bitte auch eine solche Unterschei<lb break="no"/>dung zielführend in den Zeitungen gemacht werden sollte. Journalisten<lb/>
sollten eben unterscheiden zwischen Pressedienst der AK, FACTS-Presse<lb break="no"/>dienst und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat dies nicht erwähnt, Pressedienst des Handelsmini<lb break="no"/>steriums. Richtig stehen hinter diesen drei ganz verschiedene Personen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_08">De facto aber hat die Regie und führt sie <rs type="person" ref="#per__97646">Fritz Koppe</rs>. Ich<lb/>
glaube, dass dies auch de Journalisten ganz genau wissen und deshalb<lb/>
immer wieder – vielleicht sogar mit Absicht – die genaue Unter<lb break="no"/>scheidung in den Zeitungen unterbleibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_09"><rs type="person" ref="#per__98060">Weissel</rs> berichtete über den gerade zu Ende gegangenen Gruppenbeirat<lb/>
im Sozialministerium. Dort ist <rs type="person" ref="#per__98060">Weissel</rs> Mitglied und hat in den ver<lb break="no"/>gangenen Jahren grosse Schlachten geliefert. Jetzt konnte er nur be<lb break="no"/>richten, dass auf Grund der neuen Berechnungsmethode, die gesetzlichen<lb/>
Bestimmungen wurden ja geändert, es zu keinerlei Streit gekommen ist,<lb/>
sondern in sehr kurzer Zeit man sich auf den Aufwertungsfaktor von<lb/>
7,4 % geeinigt hatte. Während es früher über die Richtzahl über die<lb/>
eine heftige Diskussion gegeben hat und Kampfabstimmungen erfolgten,<lb/>
wurde diesmal – da die Berechnungsmethode jetzt nach den Wünschen<lb/>
der Arbeiterkammer und des Gewerkschaftsbundes abgeändert wurden –<lb/>
von allen einstimmig der neue Anpassungsfaktor mit 7,4 % beschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_10">Ich berichtete über die EFTA-Tagung in Reykjavik und über die Ver<lb break="no"/>handlungen auf Grund der Schillingaufwertung, ohne mich über die<lb/>
einzelnen Zeitungsberichte zu beschweren, machte ich doch Bemerkungen<lb/>
über Angriffe oder über Kommentare, die nach meiner Meinung nach<lb/>
nicht dem Tatbestand genau wiedergegeben haben, da die Vertreter<lb/>
dieser Zeitungen anwesend waren, werde ich beobachten können, ob<lb/>
sie auf diese Vorhaltungen reagieren. Ich werde auch allerdings<lb/>
genau beobachten müssen, ob sie nicht vielleicht einschnappen und<lb/>
beleidigt sind, dann müsste auch diese leichte und wie ich glaube<lb/>
charmant vorgetragene Kritik unterlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_11">Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> berichtete seine persönliche Ansicht über die Massnahmen,<lb/>
die getroffen werden müssen, damit die Aufwertungsgewinne an die<lb/>
Letztverbraucher weitergegeben werden. Dass sich gerade an dieses<lb/>
Referat eine sehr lebhafte Diskussion anschloss, war selbstverständ<lb break="no"/>lich. Der härteste Vorwurf, der uns eigentlich gemacht wird, geht<lb/>
von den Journalisten dahin, dass wir Index-Kosmetik betreiben. Mein<lb/>
Hinweis, dass wir z.B. den Volkswagen, der auch im Index drinnen ist,<lb/>
deshalb nicht erhöhen, da es sich hier um den meistgekauften Typ handelt,<lb/>
wurde nur wahrscheinlich mit entsprechender Skepsis wenn überhaupt<lb/>
geglaubt. Ich habe bis jetzt immer abgelehnt, Preispolitik nach Index<lb break="no"/>gesichtspunkten zu betreiben und ich glaube, dass ich auch in Hinkunft<lb/>
<pb n="06-0617" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band06/06_1971-05-19_0617.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>diese Stellungnahme stärker herausstreichen sollte. Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>,<lb/>
der in der Vergangenheit immer nach Index-Gesichtspunkten seine<lb/>
Preispolitik betrieben hat, glaubt z.B. jetzt auch nicht mehr,<lb/>
dass es möglich ist, die Haftpflichtversicherung bei Volkswagen<lb/>
nur auf die Prämiengleichheit aufzubauen. Er hat dort ganz offiziell<lb/>
erklärt, dass unbedingt auch die Selbstbehaltsquote, d.h. die Prä<lb break="no"/>mienerhöhung, damit diese Selbstbehaltsquote nicht wirksam wird,<lb/>
berücksichtigt werden muss. Wenn dies der Fall ist, dann hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
der immer sehr nach Index-Gesichtspunkten seine Politik betreibt,<lb/>
sich umsonst um das neue System bemüht. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> dann mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> gemeinsam auf diesen Wunsch des Finanzministeriums aufmerksam<lb/>
gemacht, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat allerdings mit Recht gesagt, dass es sich hier<lb/>
um eine glatte Verfälschung des Indexes handeln würde, wenn die<lb/>
Prämienerhöhung, damit die Selbstbehaltsquote, nicht in den Index<lb/>
eingebaut wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_12">Der Fleischerinnungsmeister <rs type="person" ref="#per__113100">Kuntner</rs>, der bis jetzt gegenüber der<lb/>
vorhergehenden Innungsleitung in strenger Opposition gestanden<lb/>
ist, wollte eine Vorsprache über die Fleischsituation im Zusammen<lb break="no"/>hang mit dem Lebensmittelgesetz. In Wirklichkeit kam er nur, um<lb/>
sich zu beschweren, dass obwohl der Codex jetzt ziemlich einvernehm<lb break="no"/>lich festgelegt wurde, <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> noch immer Anzeigen erstattet.<lb/>
In zwei Fällen hätte sogar <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> bestätigt, dass die Wurst den<lb/>
Coedex-Bestimmungen, was die Perzentziffern des Fleischanteiles usw.<lb/>
entspricht, sei durch die Anzeige doch eine Verurteilung der Fleischer<lb/>
erfolgt. Mein Hinweis, dass in ein laufendes Gerichtsverfahren –<lb/>
die Betreffenden haben gegen die Verurteilung Berufung eingelegt –<lb/>
doch nicht eingegriffen werden kann und von mir sicherlich nicht<lb/>
wird, hat <rs type="person" ref="#per__113100">Kuntner</rs> mit mehr oder minder saurem Gesicht zur Kenntnis<lb/>
genommen. Ich empfahl ihm nur, beim Sozialministerium vorstellig<lb/>
zu werden, damit die Untersuchungsmethoden vielleicht nach einheit<lb break="no"/>lichen Gesichtspunkten festgelegt werden können. <rs type="person" ref="#per__113100">Kuntner</rs> behauptet<lb/>
nämlich, dass die Werte jetzt meistens stimmen, nur verschiedene<lb/>
Untersuchungsmethoden zu verschiedenen Ergebnissen führen. Wenn<lb/>
dies zutrifft, dann glaube ich, sollte wirklich das Sozialministeri<lb break="no"/>um über die Codex-Kommission oder aus eigener Initiative Untersuchungs<lb break="no"/>methoden genau beschreiben, damit keinerlei differenzierte Auffassung<lb/>
und Ergebnisse herauskommen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte, dieses Problem mit Sozialministerium<lb/>
besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_14">Frl. <rs type="person" ref="#per__137161">Steinhauser</rs>, eine Bekannte Genossin von Prof. <rs type="person" ref="#per__97728">März</rs>, bemüht<lb/>
sich, die Hirtenberger Fabrik für <rs type="person" ref="#per__117013">Mandl</rs> zu verkaufen. Sie war sehr<lb/>
erstaunt, von mir zu erfahren, dass ausser ihr auch Staatssekretär<lb/>
a.D. <rs type="person" ref="#per__136763">Stephani</rs> von <rs type="person" ref="#per__117013">Mandl</rs> beauftragt wurde, den Verkauf durchzuführen.<lb/>
Da sie glaubte ein Alleinverkaufsrecht zu besitzen. Dies glaubt<lb/>
übrigens <rs type="person" ref="#per__136763">Stephani</rs> ebenfalls. Tatsache ist, dass diese 6 Munitionsstras<lb break="no"/>sen und die sonstige Produktion in Hirtenberg sehr schlecht ist<lb/>
und deshalb der Verkauf nur äusserst schwer gelingen wird. Die<lb/>
österr. Firmen, die wir angesprochen haben, haben abgelehnt und es<lb/>
kommen deshalb nur mehr die deutsche Firma QUANT resp. die Schweizer<lb/>
Industriegesellschaft in Frage. Die Investment Trust International<lb/>
Inc., die in Amerika ihren Sitz hat, und wo Frau <rs type="person" ref="#per__137161">Steinhauser</rs> ange<lb break="no"/>stellt ist, versucht nun ebenfalls ihr Glück und verhandelt mit<lb/>
diesen beiden ausländischen Firmen. Ich verwies darauf, dass die<lb/>
österreichische Regierung interessiert wäre, wenn dieser Betrieb<lb/>
in österreichischen Händen bliebe, wenn es aber nicht gelingen<lb/>
sollte, wir den Schweizer Firmen selbstverständlich absolute<lb/>
Priorität geben wollten. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, die<lb/>
mich dann zu der Besprechung zuzogen, werden sich bemühen, die<lb/>
Frau <rs type="person" ref="#per__137161">Steinhauser</rs> zu unterstützen. Fr. <rs type="person" ref="#per__137161">Steinhauser</rs> hat die Bewertung<lb/>
der Gesellschaft durchgeführt und festgestellt, dass 70 Mill. S<lb/>
den Verkaufswert rechtfertigen, allein schon durch den Besitz an<lb/>
Grund und Boden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_15">Der Verband der reisenden Kaufleute wollte eine Subvention für seine<lb/>
Schulungsunterlagen. Von ca. 20.000 Handelsreisenden, die zu 80 %<lb/>
Angestellte und zu 20 % selbständige Handelsvertreter sind, sind<lb/>
ungefähr 5.000 in dem Verband als Mitglieder organisiert. 800 haben<lb/>
bis jetzt Prüfungen abgelegt. Ein Ansuchen über die Subvention von<lb/>
Schulungen wurde von meinem Vorgänger mangels einer entsprechenden<lb/>
Kompetenz abgelehnt. Auch ich habe der Delegation keinerlei Zusagen<lb/>
gemacht. Ich ersuchte nur Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der anwesend war, mit<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97895">Salzbrunn</rs> von Wifi zu verhandeln, ob nicht diese Institution sie<lb/>
tatkräftiger unterstützen könnte. Eine Lösung zu finden wird nicht<lb/>
leicht sein, weil sie alle diese Verbände eigentlich ausserhalb der<lb/>
Handelskammer bewegen und die Handelskammer natürlich im Wifi eine<lb/>
sehr starke Stütze hat und deshalb nicht ausser der Handelskammer be<lb break="no"/>findliche Verbände wahrscheinlich finanziell unterstützen will.<lb/>
Sekr. <rs type="person" ref="#per__137162">Wild</rs>, der gleichzeitig auch Sekretär des Gastwirteverbandes ist,<lb/>
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haben und will deshalb sogenannte wilde Organisationen aufziehen. Ich ver<lb break="no"/>wies die einzelnen Schulungsteilnehmer auf die Möglichkeit der<lb/>
Arbeitsmarktförderung im Sozialministerium. Auf Grund des Arbeitsmarkt<lb break="no"/>förderungsgesetzes können nämlich für Umschulungen und Weiterbildungen<lb/>
Subventionen und Unterstützungen gewährt werden. Allerdings scheitert<lb/>
dies wahrscheinlich bei den Verbandsmitgliedern an der verhältnis<lb break="no"/>mässig geringen Einkommensgrenze, nämlich 5.000 S. Da sie hauptsäch<lb break="no"/>lich einen Videorecorder wünschen, könnte doch die Möglichkeit bestehen,<lb/>
dass das Wifi einen solchen besitzt oder anschafft und ihnen zur<lb/>
Verfügung stellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_16">Die Bundeskammer hat ihre Stellungnahme an das Finanzministerium be<lb break="no"/>treffend die Rückreihung zur Verminderung von Überkompensationen<lb/>
sehr negativ gehalten. Obwohl <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, den ich sofort anrief, zugab,<lb/>
dass er in der Verbändekomiteesitzung zugestimmt hat und auch die<lb/>
Industriellenvereinigung – wie mir <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mitteilte – mit dem<lb/>
Vorschlag, den er erstattet hat, einverstanden war, haben sie<lb/>
jetzt versucht, in der Stellungnahme wieder zurückzukurbeln. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
war mir gegenüber sehr empört über diese Vorgangsweise, weil letzten<lb/>
Endes gerade ich mich sehr bemüht habe, dieses Kompromiss, welches<lb/>
dann auch die Annahme gefunden hat, zu erreichen. Ich habe deshalb<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass ich in Hinkunft nicht mehr<lb/>
werde Kompromisse anstreben, die letzten Endes dann wieder von der<lb/>
Handelskammer oder der Industriellenvereinigung desavouiert werden.<lb/>
Ich glaube, dass diese Vorgangsweise wirklich nicht zielführend sein<lb/>
kann, man verliert ja als Verhandlungspartner sein Gesicht und aber<lb/>
doch für mich von grossem Nutzen ist. Wenn nämlich in Hinkunft ich<lb/>
Wünsche, die die Bundeshandelskammer oder die Industriellenvereinigung <choice><choice><sic>ah</sic><corr>hat?</corr></choice></choice><lb/>
ich nicht durchsetzen kann, so werde ich auf diesen einen Präzedenzfall<lb/>
verweisen können, wo wir eine einvernehmlich Regelung erzielt haben<lb/>
und dann die BHK wie mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt hatte, keine positive Stellung<lb break="no"/>nahme abgeben konnte, weil die Fachverbände, resp. die Landeskammern<lb/>
und insbesondere die Industriellenvereinigung ganz scharf gegen dieses<lb/>
Kompromiss aufgetreten sind. Als Ausweg hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> offeriert, er wird<lb/>
die Industriellenvereinigung dazu bringen, dass weder diese noch die<lb/>
Handelskammer gegen den Gesetzentwurf öffentlich polemisieren werden<lb/>
und im Parlament man letzten Endes ohne grosse Diskussion zustimmen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, mit dem ich während dieses Telefonstreites laufend<lb/>
kontaktierte, meinte letzten Endes, man sollte halt abwarten, nachdem<lb/>
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hat, dass es nicht sehr zielführend ist, jetzt die ganze Verein<lb break="no"/>barung wieder über den Haufen zu werfen. Ich habe also nach<lb/>
beiden Seiten hin jetzt offenes Feld und kann mich jeweils ent<lb break="no"/>scheiden, wie ich in Hinkunft Wünsche, die unangenehm sind und<lb/>
die ich nicht durchbringen kann, im Hinblick auf diesen Präzedenz<lb break="no"/>fall, ausschliesslich nach meinen Überlegungen entscheiden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band06_1971-05-19_17">Bei der öffentlichen Diskussion in der Passage des AEZ wurden ins<lb break="no"/>besondere natürlich die Preisentwicklung immer wieder in den Mittel<lb break="no"/>punkt der Diskussion gestellt. Auch hier haben die Diskussionsredner<lb/>
den Eindruck, dass die Bundesregierung Index-Kosmetik betreibt und<lb/>
insbesondere nach dem Bundespräsidentenwahlen jetzt eine Preiserhö<lb break="no"/>hungswelle loslässt. Ich konnte mich nur mit dem Hinweis retten,<lb/>
dass auch vor der Bundespräsidentenwahl die Preise annähernd mit<lb/>
4,4 und nach den Bundespräsidentenwahlen mit 4,7 eine ziemlich<lb/>
gleichmässige Steigerung der Preise ergeben hat. Alle administrativen<lb/>
Preisregelungen werden in der Öffentlichkeit immer wieder viel<lb/>
stärker diskutiert, weil sie eben in der Zeitung und in den Massen<lb break="no"/>medien viel eingehender kommentiert werden als dies bei den sonstigen<lb/>
Preiserhöhungen, die sich in genau demselben Rahmen vollziehen, der<lb/>
Fall ist. Schon allein aus diesen Gründen müsste uns ein anderes<lb/>
System besser gelegen sein und wir sollten wirklich alles daran<lb/>
setzen, um hier eine bessere und zweckmässigere Preispolitik auch<lb/>
vom optischen Standpunkt betreiben zu können. Die wichtigste Auf<lb break="no"/>gabe wäre, so bald wie möglich die administrative behördliche<lb/>
Preisfestsetzung zum Verschwinden zu bringen. Andererseits aber<lb/>
wieder gibt es doch der Behörde die Möglichkeit, bei diesen admini<lb break="no"/>strativ preisgeregelten Waren, wie z.B. Benzin und Dieselöl<lb/>
jetzt eine gewisse Zeitlang die Preiserhöhung zu verhindern und<lb/>
zwischendurch vielleicht einige Probleme wie Verbesserung der<lb/>
Bleigehalte im Benzin oder das Tankstellenproblem in Angriff zu<lb/>
nehmen. Wer findet den Stein der Weisen?<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 19.5.1971</head>
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               <occupation>Kr, stv. Bundesinnungsmeister d. Fleischer</occupation>
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               <persName type="label">Weissel, Erwin</persName>
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               <occupation>wirtsch.wiss. Abt. AK Wien, VWL-Doz. AK-Sozialakad., Doz. f. Sozialpol.
                  Uni Wien</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Journalist, Presse und NZZ</occupation>
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               <occupation>BK 1966-70, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Sts. im Verteidigungsministerium 1956-1959 (SPÖ), Beauftragter Verkauf
                  Hirtenberger Patronenfabrik</occupation>
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               <occupation>GD Hirtenberger Patronenfabrik</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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               <occupation>Sektionschef und Personalleiter BKA; lt. Sten. Prot. 14, 5051 Vorname
                  Peter</occupation>
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               <occupation>Sektionschef im BKA unter Klaus, zuständig für Personal</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>FSG-Vors., SPÖ-Klubobmann, Volksanwalt</occupation>
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               <occupation>Frl. Steinhauser (Delores W.?), eine Bekannte Genossin von Prof. März,
                  neben Stephani und ohne dessen Wissen mit dem Verkauf von Hirtenberger Patronen
                  beauftragt, tätig für Investment Trust International</occupation>
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               <occupation>Sekr. Verband reisender Kaufleute Österreichs, zugl. Sekr.
                  Gastwirteverband [Vorname in Zush. mit der Verbandszeitschrift genannt, sollte
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