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            <title type="main">Sonntag, der  9. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_01">Sonntag, 9. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_02">Bei der Befreiungsfeier in Mauthausen, wo ich die Bundesregierung<lb/>
vertrat, sollte ursprünglich <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> daran teilnehmen. Ich war aber<lb/>
eingesprungen, weil ich befürchtete, dass <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> oder einer<lb/>
seiner Leute ihn anstänkern würde. Tatsächlich waren Sandwich-Männer<lb/>
dort, die auf Plakaten die Zeitungsbehauptungen, wonach in der öster<lb break="no"/>reichischen Bundesregierung so und so viele Nazis sitzen aufgezogen<lb/>
hatten. Da sehr viele ausländische Delegationen gekommen waren, ersuchte<lb/>
ich Landesrat <rs type="person" ref="#per__135197">Enge</rs>, er sollte den Festredner Dr. <rs type="person" ref="#per__136650">Soswinsky</rs> mitteilen,<lb/>
dass ich z.B. in der Bundesregierung als ehemaliger KZ-ler aus Buchen<lb break="no"/>wald daran teilnehme. Normalerweise widerspricht mir dies, doch im<lb/>
Hinblick auf die vielen ausländischen Delegationen und insbesondere<lb/>
des diplomatischen Corps erschien mir eine solche Vorgangsweise<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wieso war nicht einmal ein Kranz der öster<lb break="no"/>reichischen Bundesregierung vorgesehen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_04">Zum Glück hat der Bundesvorstand der Soz. Partei einen riesigen Rote-<lb/>
Nelken-Kranz geschickt und ich konnte deshalb hinter diesem mit Landes<lb break="no"/>rat <rs type="person" ref="#per__135197">Enge</rs> diesen faux pas kaschieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_05">Vor der Ministerratsvorbesprechung abends konnte ich <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> informieren,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> zeigte mir einen Bescheid der steirischen Landesregierung, den<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> gezeichnet hatte, wo er aus der Registrierliste wieder ge<lb break="no"/>strichen wird.Begründung war, dass <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> in keinem einzigen Fall seine<lb/>
Zugehörigkeit zur NSDAP in irgendwelchen schriftlichen Ansuchen oder<lb/>
Lebensläufen festgehalten hat. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meint, wenn er schon früher keinen<lb/>
Vorteil aus der angeblichen NSDAP-Mitgliedschaft gehabt hat, so will<lb/>
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übrigens einmal über einen Mittelsmann, der sich für dieses Problem<lb/>
sehr interessiert, <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> vorgeschlagen, er sollte sein Dossier<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> würde seine Unterlagen dem Betreffenden zur Verfügung stellen,<lb/>
damit er objektiv prüfen kann. <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs> hätte abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_06">Bei der Ministerratsvorbesprechung, die sich ausschliesslich mit dem<lb/>
Problem der Aufwertung beschäftigte, berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, dass er nach<lb break="no"/>mittags mit dem Nationalbankpräsidium und mit dem Kreditapparat-Ver<lb break="no"/>tretern verhandelt hätte. Die OeNB sei einstimmig zu folgenden Vorschlägen,<lb/>
die auch mit ihm behandelt wurden, gekommen:<lb/>
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wird von 26.– S auf 24.75 S für den $ festgelegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_07">2.) Die Bandbreite, die derzeit 0,75 % nach oben und nach unten be<lb break="no"/>trägt, wird auf 1 % erhöht. Dies widerspricht zwar dem Europäischen<lb/>
Währungsabkommen, was aber mit 1.7. sowieso ausläuft und an das<lb/>
sich in Wirklichkeit viele andere Länder auch nicht mehr halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_08">3.) Um die spekulativen Dollarzuflüsse zu verhindern, haben die Kredit<lb break="no"/>institute ein Gentlemen's-Agreement abgeschlossen, wonach sie bei<lb/>
Hereinnahme von Devisenverpflichtungen davon 40 % unverzinsliche<lb/>
<choice><choice><sic>Investreserven</sic><corr>Investitionsreserven?</corr></choice></choice> bei der Nationalbank anlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_09">Interessanterweise hat sich nur die Bank of Amerika bis jetzt dieser<lb/>
Vereinbarung nicht angeschlossen und im November 1969 sind ebenfalls<lb/>
durch diese Bank 200 Mill. S zugeflossen. Die Nationalbank wird diese<lb/>
Massnahmen setzen, da sie erstens selbst zur Überzeugung gekommen ist,<lb/>
dass dies richtig ist und zweitens, da sie zwar auf Grund des Devisen<lb break="no"/>gesetzes diese Massnahmen durchzuführen hat, aber im Nationalbankgesetz<lb/>
statuiert ist, dass sie auch auf die Wirtschaftspolitik der Bundesre<lb break="no"/>gierung Rücksicht nehmen muss. Der OeNB werden durch die Aufwertung 1,5<lb/>
Mia. S Aufwertungsverluste entstehen. Davon ist 1,05 Mia bereits durch<lb/>
Rücklagen bedeckt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_10">OeNB-Präsident <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> ergänzte noch den Bericht, in dem sich die Kredit<lb break="no"/>institute verpflichtet haben, Fremdwährungsbeträge, die sie im Ausland<lb/>
haben, derzeit nicht nach Österreich hereinzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlug vor,<lb/>
dass der Ministerrat jetzt unterbrochen werden sollte, um mit den<lb/>
Sozialpartnern und den Oppositionsvertretern zu beraten. Ich glaube,<lb/>
dies war ein sehr geschickter Schachzug, damit die nicht den Eindruck<lb/>
haben, es wird hier nur eine bereits beschlossene Sache ihnen mitgeteilt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_11">Die Bundeshandelskammer hatte nachmittags ebenfalls Besprechungen. Ich<lb/>
wurde zu diesen Besprechungen nicht zugezogen. Daraus sieht man, dass<lb/>
sie auch ein solches verhältnismässig unpolitisches Problem niemals<lb/>
mit mir besprechen wollen, sie möchte sozusagen unter sich bleiben.<lb/>
Ich weiss nicht. ob der Freie Wirtschaftsverband, der Präsident <rs type="person" ref="#per__97656">Kostroun</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, versuche festzustellen, wer an diesen<lb/>
Besprechungen teilgenommen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_13">Die Sozialpartner hatten vorher auch eine kurze Besprechung, ich weiss<lb/>
allerdings nicht, wie sie gelaufen ist. Beim Nachhausefahren hat mich<lb/>
nur <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass eine solche Besprechung<lb/>
ebenfalls war und man sich eigentlich im Prinzip nicht sehr viel mit<lb/>
diesen konkreten Details beschäftigt hat, sondern gemeint hat, es müsste<lb/>
auf alle Fälle etwas geschehen.<lb/>
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nur einige dazu bereit sind. Er hat auch noch nicht gewusst, dass die<lb/>
BRD durch die Floaten, d.h. durch die freien Wechselkurse eine Aufwertung<lb/>
um ca. 5 % anstrebt. Er wies insbesondere auf die Schwierigkeiten der<lb/>
Exportindustrie und des Fremdenverkehrs hin und verlangte flankierende<lb/>
Massnahmen sowie eine Lösung des Problems des Verrechnungsdollars.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ergänzte und meinte, 4 % Bruttoaufwertung sei genug. Dem könnte<lb/>
auch nur zugestimmt werden, wenn eine Investitionsbegünstigung die Ab<lb break="no"/>schreibung auf den Wiederbeschaffungswert und ein Abschlag auf das<lb/>
Vorratsvermögen steuerlich akzeptiert wird. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wies darauf hin, dass<lb/>
primär die Vollbeschäftigung gesichert werden müsse, dass aber auch<lb/>
die Aufwertung gegen die Preisauftriebstendenzen vorzugehen hätte. Er<lb/>
verwahrte sich dagegen, dass auf Grund der letzten Paritätischen-Kommissions-<lb/>
Beschlüsse die Österreichische Politische Korrespondenz (ÖPK), das nö.<lb/>
Volksblatt hat es übernommen, die Preissteigerung 1,7 % betragen würde.<lb/>
Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs> von der Nationalbank wies darauf hin, dass die Parität<lb/>
durch die offiziellen Durchschnittskurse nicht so hoch aufgewertet wird,<lb/>
Die Schweiz wird – wie er sich ausdrückte – ebenfalls um 7 % brutto auf<lb break="no"/>werten, faktisch aber nur – da auch dort der Dollar bereits am unteren<lb/>
Interventionspunkt angelangt ist – mit 5,09 % de facto aufwerten. Die<lb/>
Nationalbank wird nicht nur den unteren Interventionspunkt nicht mehr<lb/>
auf Grund der neuen Dollarparität erreichen, sondern wird sich bemühen,<lb/>
eine de-facto-Aufwertung von 3,3 ca. zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> verlangte ein<lb/>
wirtschaftspolitische Begleitprogramm. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> meinte, dass die FPÖ 1969<lb/>
zugestimmt hat und nachher in der Partei grosse Bedenken, wegen des<lb/>
Nicht-Aufwertens entstanden. Er erklärte, seine Partei hätte kein wirt<lb break="no"/>schaftspolitisches Instrumentarium, um festzustellen, ob 5 oder 4 %<lb/>
richtig wären. <rs type="person" ref="#per__132167">Korp</rs> wies darauf hin, dass die Nationalbank die zwei<lb/>
Gründe, warum es vielleicht für die Bundesregierung zur Aufwertung kommt,<lb/>
für sie nicht gelten. Es gibt nach seiner Auffassung keinen strukturellen<lb/>
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Gesichtspunkte seien nicht ausschlaggebend. Nur ein währungspoliti<lb break="no"/>scher Notstand veranlasst die OeNB die Aufwertung durchzuführen.<lb/>
Wenn die Devisenbörse Montag wieder aufgesperrt wird, dann müssen<lb/>
Sicherheitsmassnahmen vorgekehrt werden und das Direktorium und der<lb/>
Generalrat seien einhellig zur Auffassung gelangt, dass die Auf<lb break="no"/>wertung die einzig mögliche sei. Ein kleiner Staat könnte sich ein<lb/>
Floating, d.h. Wechselkursfreigabe nicht leisten, andererseits aber<lb/>
müsste ein Aufwertungsfaktor von 5 % gewählt werden, da man nicht<lb/>
kurzfristig sondern eine dauernde Regelung anstreben müsste. Ein<lb/>
Kleinstaat wie Österreich müsste glaubwürdig sein und deshalb sei<lb/>
auch das Gentlemen's-Agreement mit den Kreditinstituten notwendig, denn<lb/>
sonst wären die 5 % Aufwertung zu klein gewesen. Sollte sich der Staat<lb/>
nicht auf diese marktkonforme Vorgangsweise einigen können, dann müsste<lb/>
die Nationalbank dirigistische Massnahmen wie Devisenbewirtschaftung<lb/>
usw. ergreifen und dies sei doch noch viel weniger im Interesse der<lb/>
österreichischen Wirtschaft gelegen. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> bestätigte, dass die<lb/>
Auffassungen von <rs type="person" ref="#per__132167">Korp</rs> richtig waren, er aber möchte festhalten, dass<lb/>
erstens die Währungspolitik bisher ausser dem Parteienstreites ge<lb break="no"/>wesen ist und dass dies auch in Zukunft geschehen sollte und zweitens<lb/>
flankierende Massnahmen jetzt bereits grundsätzlich nicht nur gefor<lb break="no"/>dert sondern auch bereits in den Grundsätzen beschlossen werden sollten.<lb/>
Er selbst möchte haben, dass in der Nationalratssitzung am Mittwoch<lb/>
nicht eine kontroversielle Auffassung in diesem Punkt zutage tritt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und ich replizierten während der Debatte<lb/>
auf die einzelnen Vorschläge resp. Angriffe. Wir wiesen insbesondere<lb/>
darauf hin, dass die Arbeitskräfte im Weste-n Österreichs bei einer<lb/>
Nichtaufwertung noch lieber in die BRD arbeiten gehen und dass der<lb/>
Fremdenverkehr doch zu 80 % aus BRD-Deutschen, Niederländern und<lb/>
Schweizern in Österreich getragen werden. Dadurch ergibt sich für<lb/>
den Fremdenverkehr keine Benachteiligung. Ebenso würden durch die<lb/>
Importe von Produktionsmitteln aus der BRD, der Schweiz und teilweise<lb/>
aus den Niederlanden keine Verteuerung für die Industrie entstehen.<lb/>
Anerkannt wurde und wir haben dies in der Vorbesprechung schon ange<lb break="no"/>schnitten, ich habe <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass insbeson<lb break="no"/>dere für die <choice><choice><sic>V$</sic><corr>?</corr></choice></choice> eine Lösung gefunden werden muss. Auf Grund der von<lb/>
mir vorgelegten Ziffern konnten wir feststellen, dass maximal mit<lb/>
400 Mio. S dieses Problem infolge unseren geringeren Exporte nach<lb/>
dem Osten zur Debatte gestellt werden würde. Betreffend den Wunsch<lb/>
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die wir den Schweden und Schweizern machen würden, ist <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
ja bereit und hat es auch angekündigt, dass er diesbezügliche Ver<lb break="no"/>handlungen noch vor meiner Abreise nach Island mit den Unternehmer-<lb/>
Vertretern führen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat die seinerzeitigen Ministerratsprotokolle genau stu<lb break="no"/>diert und konnte deshalb der ÖVP mitteilen, dass auch sie nicht<lb/>
unmittelbar mit dem Beschluss nicht aufzuwerten sofort entsprechende<lb/>
Massnahmen gesetzt haben, sondern dass erst später der Finanzminister<lb/>
erklärt hat, er würde jetzt mit den Sozialpartnern über diese Mass<lb break="no"/>nahmen verhandeln und eigentlich erst Wochen später konkrete Vor<lb break="no"/>schläge resp. Durchführung von Zollsenkungen, Liberalisierung usw.<lb/>
ergriffen wurden. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> replizierte insbesondere auf die Behaup<lb break="no"/>tung <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthofs</rs>, dass die Nichtaufwertung der DM im Jahre 1959<lb/>
nur ein Teil des Kostenauftriebes aber insbesondere die über die<lb/>
Produktivität hinausgehende Lohnabschlüsse 1970 und die hohen<lb/>
Lohnnebenkosten sowie die exorbitanten Lohnabschlüsse im ersten<lb/>
Quartal 1971 den Preisauftrieb noch verstärken werde und wies ins<lb break="no"/>besondere auf die Ergebnisse des Wirtschaftsforschungsinstituts<lb break="no"/>berichtes, wonach die Lohnforderungen unter den Bruttonationalpro<lb break="no"/>dukt oder Produktivitätszuwachs geblieben sind. Die ÖVP-Seite<lb/>
verlangte dann eine Unterbrechung der Sitzung, ich hatte den Ein<lb break="no"/>druck, dass sie nur ein Rückzugsgefecht geführt haben, um später<lb/>
einmal ihren Leuten zu sagen, dass sie sich für sie sehr eingesetzt<lb/>
hatten. Sie waren sich alle vollkommen klar, auch die Vertreter der<lb/>
Handelskammer, dass unter gar keinen Umständen damit zu rechnen<lb/>
ist, dass die Nationalbank oder die Bundesregierung von den gefassten<lb/>
Prozentziffern abweichen würden. Geschickt hat aber <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier ihnen<lb/>
die Möglichkeit eröffnet, doch noch vereinzelte Vorschläge dazu zu<lb/>
erstatten. Die Angriffe werden sich ja in Hinkunft, wenn es wirklich<lb/>
zu einer kleinen Abschwächung der Konjunktur kommen sollte, dann<lb/>
von der ÖVP darauf konzentrieren, uns vorzuwerfen, dass wir nicht<lb/>
entsprechend genug Begleitmassnahmen oder flankierende Massnahmen<lb/>
gesetzt haben. Nach Wiederaufnahme der Sitzung fragte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> an, ob es<lb/>
zweckmässig ist, dass im Nationalrat eine Währungsdebatte abgeführt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwiderte, dass die Regierung nur eine kurze neutrale<lb/>
Mitteilung geben muss. 1969 hätte er erklärt, er würde keine Schilling<lb break="no"/>debatte im Parlament führen und deshalb wäre auch eine diesbezügliche<lb/>
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Bundesregierung keine Aufwertung durchgeführt hat. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> meinte, er<lb/>
würde die Regierungspartei nicht hindern, dem Parlament Bericht zu<lb/>
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aber nur festhalten, dass wenn es zu einer Erklärung der Bundesregierung<lb/>
kommt sich dann selbstverständlich eine Debatte entspinnen wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> wies darauf hin, dass die Nationalbank gar kein Interesse daran<lb/>
hat, im Parlament eine öffentliche Diskussion über Währungspolitik zu<lb/>
hören. Man kam überein, dass die Regierungserklärung sehr neutral sein<lb/>
wird und man auch innerhalb der Debatte versuchen wird, die Währungs<lb break="no"/>problematik auszuschalten. Die Forderungen der Wirtschaft fasste <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
dann noch einmal zusammen, indem er ersuchte, man sollte versuchen,<lb/>
die Währung de facto nur um 4 % maximal aufzuwerten, dass bezüglich der<lb/>
Abschreibung der Wiederbeschaffungswert berücksichtigt wird, dass die<lb/>
Verkürzung der Abschreibungsfristen insbesondere für unbewegliche Güter<lb/>
erreicht wird, dass man für den Verrechnungsdollar eine besondere Regelung<lb/>
braucht und dass man in der EFTA-Freihandelszonenregelung der Wirt<lb break="no"/>schaft entgegenkommt. Ausserdem müsste noch das Werkwohnungsproblem<lb/>
bezüglich der Abschreibung und der Finanzierung in Angriff genommen<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagte zu, dass über alle diese Probleme gesprochen<lb/>
werden kann, dass bezüglich der EFTA sogar der Ministerrat mich<lb/>
ersucht hat, nach Island zu fahren, obwohl ich – wie er sich ausdrückte<lb/>
– am liebsten nur bis St. Marx reise. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wies noch darauf hin, das<lb/>
man als man die DM 1969 nicht aufwertete, preispolitische Massnahmen<lb/>
dringend schnell in Angriff nehmen musste, während es sich jetzt darum<lb/>
handelt, in Wirklichkeit längerfristig wirkende steuerliche Massnahmen<lb/>
zu setzen. Da im Verbändekomitee über diese Probleme diskutiert wird,<lb/>
wird man dort versuchen, die neuen Gesichtspunkte ebenfalls zu berück<lb break="no"/>sichtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-09_16">Aus der ganze Vorgangsweise habe ich folgende Überlegung angestellt.<lb/>
Ich glaube, dass auch in Hinkunft die Entscheidung für diese wichtige<lb/>
währungspolitische Massnahme ausschliesslich beim Finanzministerium<lb/>
liegt. Ich halte gar nichts davon, bei uns im Haus eine Art<lb/>
währungspolitische Konzeption zu entwickeln. Wenn auch <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> in<lb/>
seiner Kompetenz Geld- und Währungspolitik hat, so haben wir<lb/>
weder die entsprechenden Verbindungen und auch nicht die entsprechenden<lb/>
Unterlagen, noch haben wie – und das erscheint mir noch am wichtigsten –<lb/>
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entsprechenden Beschlüsse auch nur beeinflusst werden können.<lb/>
Ich habe zwar, als mich in der Früh <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> von Brüssel anrief,<lb/>
um mir mitzuteilen, wie die Verhandlungen in der EWG gelaufen<lb/>
sind, dafür vorgesorgt, dass ein Chiffrierbeamter im Aussenamt<lb/>
den Bericht übernimmt, damit er im Ministerrat am Nachmittag<lb/>
vorgelegt werden kann. Dies ist auch tatsächlich geschehen,<lb/>
doch war das ein kalter Kaffee, denn kaum hat mich <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> ganz<lb/>
vertraulich über die Ergebnisse der EWG berichtet, hatte ich dann<lb/>
um 9 Uhr im Radio Gelegenheit, einen sehr ausführlichen und detail<lb break="no"/>lierten Bericht mit einer sehr guten Inhaltsabgabe zu hören. Ich<lb/>
glaube also, dass die internationalen Mitteilungen heute über das<lb/>
Fernsehen und Radio viel schneller erfolgen als dies durch einen<lb/>
Bericht der Botschaft möglich ist. Andererseits waren die Vertreter<lb/>
der Bundeshandelskammer scheinbar nicht bereit, mit mir Kontakt<lb/>
aufzunehmen, um diese für sie so eminente Frage zu besprechen.<lb/>
Sie erkennen nämlich ebenfalls ganz genau, dass unser Mini<lb break="no"/>sterium ausserstande wäre, ihnen Hilfe zu leisten. Sie wenden<lb/>
sich daher nicht an den Schmiedl, sondern gleich an den Schmied<lb/>
in dem Fall gleich an das Finanzministerium. Solange zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und mir das gute Einvernehmen herrscht und ich bin über<lb break="no"/>zeugt, davon, dass sich dies nicht ändern wird, ich hoffe dies<lb/>
zumindestens sehr inständig, dann glaube ich, wird es auch zwischen<lb/>
den beiden Ministerien keine Schwierigkeiten geben. Ich könnte mir<lb/>
allerdings sehr gut vorstellen, dass wenn jetzt Vertreter des<lb/>
Handelsministeriums beginnen sich anzumassen, Währungspolitik zu<lb/>
machen, oder gar vielleicht <choice><choice><sic>jeinige</sic><corr>jene?</corr></choice></choice> Beamte dann irgendwo auf<lb break="no"/>scheinen oder auftauchen und erklären, dass sie jetzt die Währungs<lb break="no"/>politik koordinieren und letzten Endes Wirtschaftspolitisch ausrich<lb break="no"/>ten, dass die Beamten des Finanzministeriums hier sehr negativ<lb/>
reagieren würden, sie würden dann selbstverständlich auch versuchen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auf ihre Seite zu bekommen und ich kann mir sehr gut<lb/>
vorstellen, dass er dann ebenfalls in diese Kampfesreihe seiner<lb/>
Beamten eintreten würde. Wenn ich mir vorstelle, dass Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs>, der kompetenzmässig die Geld- und Währungsfragen zu<lb/>
bearbeiten hat, aber davon wahrscheinlich keine blasse Ahnung<lb/>
hat, mit den Vertretern des Kreditapparates oder des Finanzministeri<lb break="no"/>ums diskutieren soll, so steigt mir der kalte Schweiss am Rücken<lb/>
auf. Oder wenn ich mir vorstelle, dass Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__136677">Sandig</rs>, der im<lb/>
Hause als äusserst faul beschrieben wird und der sich auch in<lb/>
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einmal ein Anzeichen von Aktivität entwickelt hat, dass der<lb/>
jetzt, wenn er es geistig vielleicht kapiert, dann in Hinkunft eben<lb break="no"/>falls nur als Kompetenzwahrung bei allen Sitzungen dabei sein wird,<lb/>
dann frage ich mich natürlich, wozu dies gut sein soll. Ich kann<lb/>
mir sehr gut vorstellen, dass die Ministerialbürokratie im Finanz<lb break="no"/>ministerium auf diesem Sektor unserem Haus haushoch überlegen ist<lb/>
und uns sehr bald aufs Glatteis führen würde resp. wir in der Wirt<lb break="no"/>schaft dann nur ein negatives Image <choice><choice><sic>einheischen</sic><corr>einheimsen?</corr></choice></choice> müssten. Solange<lb/>
nämlich die Unternehmerseite sich nicht an uns wendet und uns auf<lb break="no"/>fordert, hier an ihrer Seite zu kämpfen, solange glaube ich, sollten<lb/>
wir uns neutral verhalten. Das Handelsministerium hat in den vergangenen<lb/>
111 Jahren auf diesem Sektor keine Politik machen können, weil das<lb/>
Finanzministerium glaube ich seit eh und je in dieser Hinsicht nicht<lb/>
nur die Kompetenz gehabt hat, sondern auch die entsprechend besser<lb/>
geschulten Beamten.<lb/>
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