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            <title type="main">Dienstag, der  4. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_01">Dienstag, 4. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_02">Beim Abflug von <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> hatte ich noch Gelegenheit, den amerika<lb break="no"/>nischen Botschafter zu erklären, dass ich sehr froh war, dass<lb/>
Mr. <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> zu uns gekommen ist. Ich wies darauf hin, dass wir viel<lb/>
zu wenig Kontakt mit den westlichen Ministern haben und dass<lb/>
dadurch leicht der Eindruck entstehen könnte, dass wir doch<lb/>
sehr nur dem Osten zugeneigt wären. Ich versuchte, ihm zu erklären,<lb/>
dass es eben mit den westlichen Staaten kaum bilaterale Besprechun<lb break="no"/>gen gibt und dass deshalb natürlich wesentlich mehr mit den Ost<lb break="no"/>staaten verhandelt werden muss. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97577">Humes</rs> anerkannte<lb/>
diesen Standpunkt und sagte, er sei auch sehr froh gewesen, dass<lb/>
dieser Aufenthalt so geglückt ist und Mr. <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> sei ebenfalls<lb/>
mit diesem Besuch sehr zufrieden gewesen, es wäre also ein voller<lb/>
Erfolg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_03">Vor dem Ministerrat informierte ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch über die Bohrver<lb break="no"/>suche der Ungarn bei Mörbisch. Ich erzählte ihm selbstverständ<lb break="no"/>lich, dass auch der Finanzminister der Innenminister, der Aussen<lb break="no"/>minister und der Verteidigungsminister von mir gestern informiert<lb/>
wurden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, aha und er bekäme als letzter erst die<lb/>
Information, womöglich müsste er es noch aus den Zeitungen erfahren.<lb/>
Schnippisch, wie ich bin, antwortete ich sofort, so gehört sich<lb/>
das auch und sollte sich darüber nicht allzu sehr ärgern. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
schnappte hier im wahrsten Sinne des Wortes ein, sagte, dass er<lb/>
sich zwar nicht ärgere, aber dennoch diese Vorgangsweise nicht für<lb/>
richtig halte. Ich glaube, es wäre am zweckmässigsten, wenn er sich<lb/>
die Zeit nimmt, ihm unsere Tagebuchaufzeichnungen zur Verfügung<lb/>
zu stellen. Dadurch hätte er eine vollkommene Information unserer<lb/>
Arbeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_04">Im Ministerrat wurde der Gesetzesbeschluss des burgenländischen<lb/>
Landtages über die Errichtung eines Fonds zur Vorfinanzierung<lb/>
des Baues einer Bundesstrasse im Abschnitt Mörbisch-Illmitz<lb/>
d.h. also die Neusiedlersee-Brücke nicht behandelt. Wenn wir<lb/>
uns bis 10. Mai nicht äussern, haben wir uns verschwiegen und<lb/>
damit dem Gesetzentwurf zur Kenntnis genommen. Der Finanzminister<lb/>
sprach sich insbesondere gegen eine Zustimmung, weil zwar keine<lb/>
rechtliche, dafür aber faktische oder moralische Bindung des Bundes<lb/>
<pb n="05-0545" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-05-04_0545.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>damit geschaffen wird, eine Strasse resp. diese Brücke zu finan<lb break="no"/>zieren. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> meinten, dass sogar ein Einspruch möglich<lb/>
wäre, da die Bundesstrassen im Gesetz genau bestimmt sind und ins<lb break="no"/>besondere auch die Linienführung der Bundesstrassen ausschliessliche<lb/>
Bundessache ist. Wenn nun ein Land hier Bundesstrassen bereits durch<lb/>
Fonds finanzieren lassen will, in Hinkunft die nicht einmal noch<lb/>
im Bundesstrassengesetz genau bestimmt ist, muss es dazu kommen,<lb/>
dass in Hinkunft die Länder selbst über diese Methode unsere Strassen<lb break="no"/>führung bestimmen können. Der OECD-Bericht musste neuerdings zurück<lb break="no"/>gestellt werden. Da die Handelskammer diesen Bericht noch nicht ge<lb break="no"/>sehen hat, hat <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> <rs type="person" ref="#per__114676">Zuk</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> den Auftrag gegeben, eine intermini<lb break="no"/>sterielle Sitzung noch einmal einzuberufen und den Interessensvertre<lb break="no"/>tungen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Wenn nämlich die ÖVP<lb/>
erfährt, dass dieser Bericht Prof. Dr. <rs type="person" ref="#per__97728">März</rs> zur Kenntnis genommen<lb/>
ist, würde sie mit Recht im Parlament dagegen scharf auftreten.<lb/>
Bereits im Vorjahr hatte ja die ÖVP <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> resp. den Bundeskanzler<lb/>
hart angegriffen, weil er angebliche Änderungen an dem Bericht vorge<lb break="no"/>nommen hat. Die zweite internationale Verkehrssicherheitskonferenz<lb/>
in den Schulen wird in Wien abgehalten und sich mit dem Problem der<lb/>
Schulwegsicherung beschäftigen. Der Unterrichtsminister hat nun<lb/>
die Nominierung der österr. Delegation vorgeschlagen. Zweifelsohne<lb/>
gehört diese Kompetenz ausschliesslich in das Handelsministerium<lb/>
Meine Herren haben deshalb ersucht, ich sollte deshalb doch unser<lb/>
Interesse an dieser Sache bekunden. Ich habe ihnen sofort zugesichert,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> bestimmt nichts dagegen hat, wenn wir hier im Einvernehmen<lb/>
gemeinsam vorgehen. Ich habe mich nicht getäuscht, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat sofort<lb/>
erklärt, den Bericht einvernehmlich mit dem Handelsministerium abzu<lb break="no"/>geben. Er meinte, das Wort Schulwegsicherung beginnt mit Schule und<lb/>
deshalb sei er auf alle Fälle dafür zuständig. Dies allerdings war<lb/>
ein sehr gutes Bonmot und diese Äusserung auch nur im Sinne eines<lb/>
Bonmots und nicht im Sinne eines wirklichen Kompetenzstreites von<lb/>
ihm zu verstehen. Bei der Aufnahme von Vertragsbediensteten für die<lb/>
Post- und Telegraphenanstalt im Ausmass von 1.200 handelt es sich<lb/>
ausschliesslich um Ferialpraktikanten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_05">Bei den mündlichen Berichten berichtete <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> über das Eisenbahn<lb break="no"/>unglück. Ich muss gestehen, als ich die ersten Nachrichten hörte,<lb/>
und dort mitgeteilt wurde, dass der Streik in Italien eine gewisse<lb/>
Schuld daran hat, dass ich dies bezweifelte und zwar nicht als eine<lb/>
Ausrede, aber immerhin als eine sehr schlechtes Argument betrachtete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_06">wenn man nun die Details kennt, dass z.B. der Güterzug zuerst<lb/>
nach Arnoldstein durchfahren sollte, dann aber im letzten Moment<lb/>
nicht angenommen wurde, dann die verschiedenen menschlichen Versagen<lb/>
berücksichtigt, dann kann man wirklich von einer Tragik reden.<lb/>
Nachher lässt sich halt alles viel leichter erklären und man ist<lb/>
weiser als man dies im Zeitpunkt des Unglücks gewesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_07">Die ORF-Behauptung, dass die Post Schonzeit gibt, stimmt nicht,<lb/>
sie muss und kann nur nach den gesetzlichen Bestimmungen – wie <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
ausführte – vorgehen. Allerdings wurde auch bis jetzt noch niemand, wenn<lb/>
er sich anmeldete, gefragt, wann er den Radio oder das Fernsehgerät<lb/>
gekauft hat. Strafanzeigen, 6.000 pro Jahr, sind derzeit nicht wesent<lb break="no"/>lich höher, im April waren es im Vorjahr 125 und heuer 136. Die An<lb break="no"/>meldungen dagegen haben wesentlich zugenommen. Gegenüber 4.700 sind<lb/>
jetzt 50.000 im April und gegen 1.900 Zusatzbewilligungen 22.000<lb/>
im April angemeldet worden. Im Fernsehen wurde ebenfalls 60 % mehr<lb/>
Anmeldungen festgestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_08">Ich berichtete über die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs>, der uns zusicherte,<lb/>
dass wir auch bei Erlassung einer neuen Mill's Bill geschützt werden<lb/>
würden, über die Wünsche unseres Käseexportes und insbesondere über<lb/>
die Investitionstätigkeit amerikanischer Firmen in Österreich, die<lb/>
wir sehr begrüssten, bemerkte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> mit ihm insbesondere<lb/>
über die Ost-West-Beziehungen gesprochen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> legte eine Liste von Fachleute vor, die in österr. Raumord<lb break="no"/>nungsbeirat von Seiten des Bundes geschickt werden. Hier zeigt sich<lb/>
deutlich der Vorteil der Regierungstätigkeit, es können nämlich jetzt<lb/>
Fachleute von unserer Seite, die über wirkliche Fachleute sind, in<lb/>
diese Positionen gebracht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_10">Ich ersuchte <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, mich vom 12. bis 16. Mai zu vertreten und teilte<lb/>
dies dem Ministerrat mit. Launig erwiderte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass dies nicht<lb/>
einmal ihm gelungen sei als Aussenminister nach Island zu fahren und<lb/>
ich erklärte ihm, dass ich schon traurig sei, wenn ich über die Grenzen<lb/>
Wiens hinaus müsse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_11">Im Unterausschuss des Handelsausschusses betreffend das Kraftfahr<lb break="no"/>gesetz konnte ich erst nach dem Ministerrat erscheinen. Den Vorschlag,<lb/>
den <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> gemacht hat, man soll den Gesetzentwurf noch einmal<lb/>
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Vorbereitungen treffen könnte, damit dieser Gesetzentwurf dann im<lb/>
Handelsausschuss nicht neuerdings im Detail abgeändert werden muss,<lb/>
wurde diesmal nicht akzeptiert. Man ging also in der materiellen Be<lb break="no"/>sprechung weiter und konnte wieder nur einige Paragraphen erledigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs>, aber auch ich fürchten, dass wir bei dieser Vorgangsweise<lb/>
noch längere Zeit mit dem Gesetz zu tun haben werden. Es besteht dann<lb/>
die grosse Gefahr, dass wir vielleicht überhaupt nicht mehr zeitgerecht<lb/>
ins Haus ins Plenum kommen können. An und für sich ist es schon nicht<lb/>
sehr zielführend, alle diese Details im Gesetz zu regeln, die immer<lb/>
wieder vom Ausschuss selbst vorgeschlagen werden. Ich glaube, dass<lb/>
früher oder später überhaupt eine Wendung in unseren Auffassungen wird<lb/>
kommen müssen. Derzeit besteht, um die verfassungsrechtliche Seite<lb/>
sicherzustellen, das Bestreben, recht viele Details im Gesetz bereits<lb/>
zu regeln. Nun ergibt sich aber aus der praktischen Arbeit immer<lb/>
wieder die Notwendigkeit, hier Änderungen vorzunehmen. Wenn nun die<lb/>
Wirtschaftsgesetze, oder Gesetze, die eine dynamische Entwicklungs<lb break="no"/>materie behandeln, immer wieder im Gesetz novelliert werden müssen,<lb/>
um den Veränderungen Rechnung zu tragen, wird das Haus sehr bald in<lb/>
einer Gesetzesflut ersticken. Ich kann mir nicht einreden, dass die<lb/>
Staatlichkeit Österreichs gefährdet erscheint, wenn man Details in<lb/>
der Kraftfahrtechnik durch Verordnungen regelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_12">Vertreter des deutschen Landkreistages wurden von Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> über<lb/>
die österreichischen Fremdenverkehrsprobleme informiert. Ich selbst<lb/>
konnte leider nur ganz kurz an der Debatte teilnehmen. Ich glaube aber<lb/>
trotzdem, dass solche Besprechungen sehr nützlich sind und meine An<lb break="no"/>wesenheit gibt ihnen immerhin die Möglichkeit bei Ihrer Rückkunft zu<lb/>
sagen, dass sie auch mit dem Minister eine Aussprache gehabt haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_13">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__136696">Nicolai</rs> von 3M hatte ein Ansuchen, nämlich dass die<lb/>
Sicherheitskennzeichen für KFZ rückstrahlend gemacht werden sollen.<lb/>
3M hatte alle Beschichtungsprobleme, die sich irgendwo ergeben, auf sein<lb/>
Programm gesetzt und deshalb eine Folie entwickelt, die in einigen<lb/>
Staaten z.B. in der BRD zur Anwendung gelangen. Dort allerdings hat<lb/>
es einen Sinn 97 %-igen Marktanteil, <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs>, der bei der Aussprache<lb/>
anwesend war, wird die weiteren Verhandlungen mit 3M führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_14">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über das weitere taktische Vorgehen und<lb/>
er strich heraus die Prioritätenliste, die jetzt in der Sommer-Session<lb/>
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festgelegt. Im Sozialbereich hatte man bei der Aufzählung scheinbar<lb/>
die Urlaubsgesetzregelung und die Arbeitszeitgesetzregelung vergessen<lb/>
und nur das Lebensmittelgesetz erwähnt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> verwahrte sich dagegen,<lb/>
dass man jetzt einen anderen Schwerpunkt setzt und <rs type="person" ref="#per__98080">Herta Winkler</rs><lb/>
begann verzweifelt zu erklären, warum man doch das Lebensmittel<lb break="no"/>gesetz auf Priorität I geben sollte. Ich persönlich glaube, dass nur<lb/>
ein bescheidener Teil der Gesetzte wird erledigt Werden können. Rein<lb/>
aus zeitökonomischen Gründen. Das Parlament wird wegen des Europa-<lb/>
Tages in Strassburg nicht die ganze Maien-Zeit hindurch tagen können.<lb/>
Ausserdem hat dann Anfang Juni die ÖVP ihren Parteitag. In Wirklichkeit<lb/>
würde das Parlament erst Mitte Juni bis 17. Juli in Fahrt kommen. Sicher<lb break="no"/>lich könnte, wenn in den Unterausschüssen und Ausschüssen alle die<lb/>
Probleme schneller beraten werden, das Plenum dann noch eine ganz<lb/>
grosse Anzahl von Gesetzen tatsächlich beschliessen. Wir werden ja<lb/>
sehen, wie es in der Frühjahrssession weitergeht. Ich habe mich ja in<lb/>
meiner Regierungstätigkeit darauf eingestellt, dass ich ja fast<lb/>
überhaupt kein Gesetz unbedingt brauche. Wenn daher die Gesetzesvor<lb break="no"/>lagen steckenbleiben oder überhaupt nicht behandelt werden, wird das<lb/>
eigentlich bei mir einen ganz geringen Einfluss haben. Ich gebe<lb/>
allerdings zu, dass es bei anderen Kollegen in den Ministerien anders<lb/>
aussieht. Der Finanzminister und viele andere brauchen unbedingt eine<lb/>
gesetzliche Regelung von gewissen Materien, um überhaupt regieren zu<lb/>
können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-04_15">In der Bezirksausschussitzung wurde <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> vorgestellt und sehr ange<lb break="no"/>nehm und freudig begrüsst. Bei der Debatte über den 1. Mai, die sich<lb/>
unweigerlich nach jeder 1.-Mai-Kundgebung immer wieder bei uns ab<lb break="no"/>spielt, prallten die Meinungen, so wie in den Vorjahren, aufeinander.<lb/>
Die einen sind für die Abschaffung des Aufmarsches, die anderen wol<lb break="no"/>len ihn unter allen Umständen beibehalten. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> versuchte zu er<lb break="no"/>klären, dass wir eine andere Art der Maifeiern anstreben sollten,<lb/>
denn interessanterweise sind die Wahlen meistens vor den 1.-Mai-Feiern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> erwiderte sofort, dass dies gar nichts damit zu tun hat, dass<lb/>
vielleicht die Mai-Feier einen negativen Einfluss auf die Entschei<lb break="no"/>dung der Wähler hätte, sondern dass sich dies nur aus reinem Zufall<lb/>
immer wieder so ergeben hat. Diese Diskussion war, seitdem ich sie<lb/>
kenne, und die ist im 3. Bezirk schon über 10 Jahre alt, wie ich sie<lb/>
selbst miterlebt habe, immer emotionell geladen und scheidet die Gei<lb break="no"/>ster. Ich schlug deshalb zum Schluss vor, wir hätten ja zwei Vertreter<lb/>
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eine Mai-Feier stattfindet oder nicht und es würde sich deshalb<lb/>
Frau Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> und Herr Präsident <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> jetzt ein<lb/>
genaues Bild machen können, was der dritte Bezirk eigentlich will<lb/>
und dort die Meinung entsprechend vertreten. Da im Wiener Vorstand<lb/>
aber ebenfalls geteilte Meinung herrscht, wird diese Diskussion,<lb/>
ich schätze, noch etliche Jahre weitergehen. ohne eine endgültige<lb/>
Entscheidung herbeizuführen. Interessant ist nämlich schon das Phänomen,<lb/>
dass in der Koalitionszeit die Teilnehmerzahl bei den Mai-Feiern<lb/>
beim Mai-Aufmarsch abgenommen hat. Nach der Niederlage 1966 hat<lb/>
man eine starke Aufwärtsentwicklung feststellen können und insbeson<lb break="no"/>dere im Vorjahr war natürlich ein triumphaler 1. Mai, nachdem es<lb/>
eine erste sozialistische Bundesregierung gegeben hat. Hätte es<lb/>
heuer nicht geregnet, bin ich überzeugt davon, wäre auch der<lb/>
Mai-Aufmarsch für den <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs>-Erfolg geworden. Es war immerhin un<lb break="no"/>wahrscheinlich, dass trotz dieses schlechten Wetters so viele der<lb/>
braven Genossen gekommen sind. Allerdings glaube ich, dass es sich<lb/>
hier wirklich um ein Gemisch von Verpflichtung gegenüber dem Sek<lb break="no"/>tionsleiter handelt, warum noch einige Genossen an diesem Mai-<lb/>
Aufmarsch teilnehmen. Andererseits bin ich aber fest überzeugt,<lb/>
dass auch wirklich neue Mitglieder und Mitarbeiter zum Mai-Aufmarsch<lb/>
kommen, weil sie ihn eben das erste oder zweite Mal miterlebt haben.<lb/>
Im Laufe der Jahrzehnte wird dann die Begeisterung dieser jungen<lb/>
und neuen Mitarbeiter natürlich für den Mai-Aufmarsch genauso er<lb break="no"/>lahmen, wie dies bei der Mehrzahl unserer alten Funktionäre fest.<lb/>
gestellt werden muss. Die endgültige Lösung kann glaube ich nur<lb/>
durch ein äusseres Ereignis gefunden werden. Würde z.B. der Rathaus<lb break="no"/>platz nicht fertig geworden sein, wie man die Tiefgarage gebaut hat<lb/>
oder wird er nicht fertig bei der Erweiterung der Tiefgarage,<lb/>
dann könnte auch ein Aufmarsch vor dem Rathaus nicht mehr statt<lb break="no"/>finden und es wäre das Problem vielleicht auf diese Art und Weise<lb/>
gelöst. Die ausländischen Genossen, die von der Mai-Kundgebung<lb/>
immer begeistert sind, ist selbstverständlich, weil es auf der<lb/>
ganzen Welt so etwas nicht mehr gibt. Die Holländer die heuer<lb/>
Gast bei uns waren, haben sich allerdings den Zug auch nicht bis<lb/>
zum Ende angesehen, weil sie viel zu leicht gekleidet waren, daher<lb/>
froren und waschelmass gewesen sind. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wollte nun keinesfalls<lb/>
gegen die Mai-Feiern an sich auftreten, meinte nur, man müsste eine<lb/>
neue Form finden. Ich weiss nicht, wie weit hier <rs type="person" ref="#per__97646">Fritzl</rs><add>[die]</add> revolutio<lb break="no"/>näre sozialistische oder sozialdemokratische Partei richtig ein<lb break="no"/><pb n="05-0550" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-05-04_0550.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schätzt, die in Wirklichkeit in all diesen Formen irrsinnig konser<lb break="no"/>vativ ist.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Veselsky, Ernst Eugen</persName>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Dipl.Ing.</occupation>
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