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            <title type="main">Montag, der  3. Mai 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_01">Montag, den 3. Mai 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_02">Da sich Handelsminister <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs>, der beim Finanzminister einen<lb/>
Besuch abstattete, verspätete, erzählte mir <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> über die<lb/>
GATT-Konferenz. Ich muß ehrlich gestehen, daß ich nicht einmal<lb/>
genau gewußt habe, daß eine solche Konferenz stattgefunden hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> hatte sich zwar abgemeldet, ich habe ihn damals aber<lb/>
nicht gefragt, welche Konferenz dies in Genf überhaupt ist. Nach<lb/>
seinem Bericht den er jetzt gab, waren scheinbar von ziemlich viel<lb/>
Staaten Vertreter in Genf. Seiner Berichterstattung konnte ich<lb/>
entnehmen, daß es sich ausschließlich darum handelt, die nächste<lb/>
Ministerentscheidung vorzubereiten. Insbesondere sollen die<lb/>
spezifischen Probleme inklusive der Land- und Forstwirtschaft<lb/>
– wie Australien vorgeschlagen hat – in Verbindung mit den land<lb break="no"/>wirtschaftlichen Forderungen vorbereitet werden. Australien<lb/>
meint, daß die Überprüfung der GATT-Regeln notwendig sei, da sie<lb/>
1948 für die Land- und Forstwirtschaft aufgestellt wurden und<lb/>
heute längst überholt sind. Außerdem wurde ein Bericht der "drei<lb/>
Weisen" (wer das ist, weiß ich nicht) für die Entwicklungsländer<lb/>
diskutiert. Ich bedauerte <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> wieder einmal, daß er so oft<lb/>
wegfahren müßte und er selbst meinte, er reise noch viel zu wenig,<lb/>
seine Gegenparts – z.B. <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs> – sei jetzt sofort wieder nach<lb/>
Brüssel geflogen, um dort zu hören was es neues gibt. Ich bestätigte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> neuerdings, daß ich vollstes Verständnis dafür habe, daß<lb/>
er ununterbrochen unterwegs sein müsse, ich meinte nur, es müßte<lb/>
dann aber eine spezifische Lösung für die Sektionsführung gesucht<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_03">Mit dem amerikanischen Handelsminister <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> wurde unser Exposé kurz<lb/>
erörtert. Zu unserem Wunsch betreffend eventueller Importrestrik<lb break="no"/>tionen für Textilien und Schuhe, meinte er, daß <rs type="person" ref="#per__136699">Mells</rs><add>?</add> nur Kontin<lb break="no"/>gente für Textilien wünscht, erst der Kongreß hätte die Schuhe<lb/>
und einige andere Produkte dazugefügt. Bei den Textilien sei der<lb/>
Import aus Asien und Hongkong und insbesondere Japan für die<lb/>
amerikanische Textilindustrie verheerend. 1971 wären in den ersten<lb/>
drei Monaten die Bekleidungsimporte um 73 % gestiegen. Die Japaner<lb/>
hätten als Angebot keine Kontrolle ihrer Textilimporte zugesagt.<lb/>
Lediglich die Summe aller Mengen die sie nach Amerika liefern,<lb/>
könnte – nach japanischer Auffassung – begrenzt werden. Da aber<lb/>
nicht die Werte begrenzt werden, könnten sie tonnenmäßig dann<lb/>
wesentlich höherwertige Exporte nach Amerika bringen. Aus diesem<lb/>
Grund sei mit einer neuerlichen gesetzlichen Regelung doch zu<lb/>
rechnen. Er gab aber neuerdings die Versicherung ab, daß <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>-<lb/>
<pb n="05-0538" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-05-03_0538.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Zusagen noch gültig seien. Ich wiederholte diesen Satz ausdrücklich<lb/>
und er bejahte ihn. Betreffend unserer Käse-Exporte meinte er, daß<lb/>
in Amerika die Preisstützungen auch auf Laib Käse unter die 47 $<lb/>
Zins gewährt wird und deshalb sich für die Administration eine<lb/>
schwierige Situation ergibt. Er meint aber man sollte unbedingt<lb/>
erst die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses abwarten. Betref<lb break="no"/>fend unseres Wunsches Ford oder andere Firmen zu Investitionen nach<lb/>
Österreich zu veranlassen, reagierte er sehr positiv, weil er ja<lb/>
feststellen konnte, daß in anderen Staaten, insbesondere auch in den<lb/>
westlichen Staaten, eine große Abneigung gegen amerikanische In<lb break="no"/>vestitionen festzustellen ist. Er hätte jetzt mit Jugoslawien und<lb/>
Rumänien Besprechungen geführt, wie man auch in diesen Staaten<lb/>
amerikanische Investitionen zulassen würde. Er fragte mich welche<lb/>
Erfahrungen oder welche Ideen wir für Rumänien und Jugoslawien<lb/>
oder für die gesamten Oststaaten hätten. Ich erwiderte, daß die<lb/>
Hauptschwierigkeit darin besteht, daß diese Staaten nicht bereit<lb/>
wären, den Amerikanern irgendwelche entscheidende Kapitalbeteili<lb break="no"/>gungen zu geben. Bis jetzt sei man höchstens zu 49 % bereit. Wenn<lb/>
es irgendwelche Zusagen dieser Staaten gibt, dann nur bezüglichen<lb/>
eines eventuellen Gewinntransfers. In Österreich dagegen sei jedwede<lb/>
Investitionsmöglichkeit gegeben und bezüglich des Gewinntransfers<lb/>
bestehen überhaupt keine Schwierigkeiten. Er ersuchte uns, wir<lb/>
sollten ihm eine Liste zusammenstellen, wo wir die Branchen respek<lb break="no"/>tive gegebenenfalls die Produkte, die wir gerne in Österreich<lb/>
erzeugen würden und wo wir amerikanisches Kapital wünschten, über<lb break="no"/>geben. Er würde diese Liste dann in Washington veröffentlichen.<lb/>
Botschafter <rs type="person" ref="#per__97577">Humes</rs> und Botschaftsrat <rs type="person" ref="#per__136700">Geber</rs> bemerkten bei dieser<lb/>
Gelegenheit, daß es auch Schwierigkeiten gebe, amerikanisches<lb/>
Kapital nach Österreich zu bringen. Drei Fälle: 1.) Eine Versicherung<lb/>
der Amerikaner bemühten sich um eine Konzession. Ich konnte aus<lb/>
dem Zwischengespräch aber entnehmen, daß eine solche bereits ver<lb break="no"/>geben wurde und erklärte deshalb sofort, dies sei doch positiv<lb/>
erledigt, was Geber bestätigte. 2.) Die Ausschreibung bezüglich<lb/>
der Anschaffung von Computern hat sich Controlbad<add>?</add> nicht beteiligen<lb/>
können. Ich konnte ihnen mitteilen, nachdem sich auch andere Firmen<lb/>
bei mir über diese Ausschreibung beklagt hatten und der Finanz<lb break="no"/>minister mir erklärte, daß es sich nur um eine Ergänzungsausschrei<lb break="no"/>bung handelt, daß nicht nur amerikanische Firmen sondern alle ausge<lb break="no"/>schlossen wurden, da es sich nur um einen Anschlußauftrag handelte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_04">3.) Klimax. Hier hatte ich, wie ich <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> erklärte, bereits mit<lb/>
dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Besprechungen geführt und er<lb/>
hat erklärt, er wird jetzt in Amerika prüfen ob und inwieweit jetzt<lb/>
eine Investition bei den Treibachern durchgeführt werden soll, resp.<lb/>
wie sie das Aktienpaket <choice><choice><sic>von der</sic><corr>vom</corr></choice></choice> ÖCI erwerben würde. Seit diesem<lb/>
Zeitpunkt hätte ich von Klimax nichts mehr gehört. <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> gab sich<lb/>
mit diesen Auskünften zufrieden und versicherte mir, er würde alles<lb/>
daran setzen, um gegebenenfalls amerikanische Firmen nach Öster<lb break="no"/>reich zu bringen. Nach seiner Ankunftserklärung war er sehr inter<lb break="no"/>essiert zu erfahren, wie die Zukunft der Handels- und Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen mit den Oststaaten sich entwickeln würden. Ich verwies<lb/>
deshalb auf die Konferenz der Internationalen Handelskammer in der<lb/>
vergangen Woche und verwies auf die Absicht, den Osthandel zu inten<lb break="no"/>sivieren. Er stimmte mit mir vollkommen überein, dass dies eine<lb/>
der wichtigsten wirtschaftlichen Aufgaben der amerikanischen Handels<lb break="no"/>politik aber selbstverständlich noch viel mehr der österr. Handels<lb break="no"/>politik sei.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_05">Seine Informationswünsche umfassten insbesondere unser Vorgehen<lb/>
gegenüber Japan. Amerika hat mit Japan ein Stahl-übereinkommen, das<lb/>
bis 1971 läuft. Auf dieser freiwilligen Vereinbarung liefert Amerika<lb/>
Stahl in gewissen Mengen nach Japan. Die Japaner verwandeln nun diesen<lb/>
Stahl in Werkzeugstahl um und bedrohen damit die amerikanischen<lb/>
Produzenten sehr stark. Da ich über dieses Problem keine Detail<lb break="no"/>informationen hatte, wich ich auf die allgemeinen Schwierigkeiten<lb/>
der Verhandlungen mit Japan aus und erklärte insbesondere ihm unsere<lb/>
Verhandlungen über Reduzierung der Negativlisten, die wir von<lb/>
80 auf 60 Positionen jetzt gegenüber Japan zurückgenommen haben.<lb/>
Ich erklärte ihm noch, dass wir deshalb eine solche Negativliste bei<lb/>
Japan noch haben, weil Japan, als es dem GATT beigetreten ist, uns<lb/>
nicht die safeguard clause gegeben hat, die sie noch anderen Staaten<lb/>
zugestanden hatten. Wie ich nachher vom Vertreter der VÖEST<lb/>
erfuhr, handelt es sich darum, dass die Amerikaner alle Staaten dazu<lb/>
bringen wollen, dass sie mit Japan und Amerika einen Vertrag ab<lb break="no"/>schliessen, wonach sie sich bereit erklären, maximal bis 5 %, die<lb/>
Amerikaner wünschen aber nur 2 % des Umsatzes in der Stahlindustrie<lb/>
zu investieren. 5 % seien für die VÖEST akzeptabel, 2 % dagegen<lb/>
würde zu gering sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>:<lb/>
Bitte, kontrollieren, ob im Haus über dieses Problem niemand Be<lb break="no"/>scheid gewusst hat und wenn dies der Fall war, warum ich nicht infor<lb break="no"/>miert wurde.<lb/>
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EWG, die ich ihm natürlich restlos geben konnte. Abschliessend lud<lb/>
er nicht nur mich und meine Frau nach Amerika offiziell ein sondern<lb/>
wiederholte, dass er <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> bereits vorgeschlagen hatte, dass<lb/>
zwei bis drei Leute nach Amerika kommen sollten, um die Exportförderungs<lb break="no"/>möglichkeiten zu studieren. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat scheinbar mir vergessen<lb/>
diese Möglichkeit mitzuteilen. Beim Empfang der amerikanischen Handels<lb break="no"/>kammer hat mich der Präsident <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> ebenfalls ersucht, wir sollten<lb/>
der amerikanischen Handelskammer eine Liste von Unternehmungen mit<lb break="no"/>teilen, an denen Österreich grosses Interesse hätte. Er selbst würde<lb/>
dann versuchen, die Unternehmensvertreter zusammenzubringen, damit<lb/>
wir dann eine Diskussion mit ihnen zusammen im Rahmen der amerikanisch-<lb/>
österreichischen Handelskammer führen könnten, um ihnen die Vorteile<lb/>
ihrer Investitionen in Österreich zu erörtern.<lb/>
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Bitte, eine solche Liste resp. Studie vorzubereiten, damit wir sie<lb/>
beiden Mr. Stand und <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> baldigst überreichen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_09">Zum Glück war ich durch den Besuch Mr. <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> verhindert, an der<lb/>
gesamten Enquete über Heizöltanks in Wohnungen teilzunehmen. Ich weiss<lb/>
nicht, warum ich überhaupt eingeladen wurde, an diesem Massenauftrieb<lb/>
anwesend zu sein. Der einzige Vorteil war, dass wir den beteiligten<lb/>
Stellen zeigten, dass wir auf diesem Sektor die Initiative ergriffen<lb/>
hatten. Die Empfehlungen, die wir ausgearbeitet hatten, hatten die<lb/>
Aufgabe, die Länder zu veranlassen, ihre Verordnungen, die wie die<lb/>
Industrie sich ausdrückte, heizölfeindlich sind, zu verbessern.<lb/>
Der Industrievertreter von Tirol erklärte mir z.B., dass es leichter<lb/>
sie, eine gewerbliche Genehmigung für Lagerung von Heizöl zu Heiz<lb break="no"/>zwecken zu bekommen, als eine für den Haushalt. Wir werden ja sehen,<lb/>
ob die Länder jetzt ihre Verordnungen ändern werden. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> erfuhr<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, dass die Enquete nach seiner Auffassung saumässig vor<lb break="no"/>bereitet gewesen ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie<lb/>
überhaupt nicht vorbereitet war, sondern monatelange vorbereitet<lb/>
und ausgehandelt wurde eben nur von <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> den Enqueteteilnehmern<lb/>
nur zur Diskussion mitgeteilt wurde. Ich bin jetzt immer mehr auch<lb/>
der Überzeugung, dass diese Arbeitsmethode von <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> seit eh und je<lb/>
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Enquete zur Diskussion. Ähnlich wird es ja auch bei den Versorgungs<lb break="no"/>sitzungen gemacht. Wenn ich auch der Meinungen bin, dass Enqueten<lb/>
wesentlich besser vorbereitete gehören, detaillierte Programme, wie<lb/>
man sich auch den Ablauf vorstellt, erstellt werden sollten, so<lb/>
glaube ich doch, dass die Abhaltung von Enqueten wie es die OB macht,<lb/>
insofern zielführend ist, als die beteiligten Stellen sehen, dass<lb/>
wir uns mit den Problemen, sei es die Versorgung, sei es Einlagerung,<lb/>
sei es der Import usw. beschäftigten. Für die Information der be<lb break="no"/>teiligten Stellen, aber letzten Ende auch für die Optik der Aktivität<lb/>
des Handelsministeriums ist diese Art der Geschäftsführung einer Sektion<lb/>
nicht die schlechteste. Im Anschluss an diese Sitzung hat Dkfm.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> von der ÖMV mir einen Brief von <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs>, den er handgeschrie<lb break="no"/>ben in Triest abgegeben hat, überbracht. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> ersuchte, dass ich<lb/>
neuerdings die Betriebsgenehmigungsbestätigung für die TAL hinaus<lb break="no"/>zögere. Am 15. Mai wollen die TAL-Leute zusammenkommen und dann die<lb/>
endgültigen Angebote über Erhöhung der Durchsatzmengen für die AWP<lb/>
beschliessen. Die TAL verlangt bei 81 Mill. t Durchsatz 82,320.000 $<lb/>
die AWP hat am 26. November 1970 67,7 Mill. $ angeboten. Ich erklärte<lb/>
mich ausserstande, die an und für sich überhaupt nichtssagende Be<lb break="no"/>scheidbestätigung zu verwehren. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> meinte, wenn die TAL gut beraten<lb/>
wäre, würde sie auf diese Bescheidbestätigung, dass sie nämlich alle<lb/>
Auflagen erfüllt haben, überhaupt keinen Wert legen. Ich setzte <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs><lb/>
auseinander, dass es nicht meine Arbeitsmethode ist, irgendetwas<lb/>
immer wieder hinauszuzögern, wir könnten hoheitsrechtliche Akte nicht<lb/>
mit den Geschäftsinteressen der ÖMV so deutlich verbinden. Ich habe<lb/>
mit den Hauptbeteiligten bei der TAL, Herrn <rs type="person" ref="#per__135934">Celerin</rs> bei der ESSO,<lb/>
ESSO besitzt 20 % bei der amerikanische-österreichischen Handelskammer<lb break="no"/>empfang für <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> vereinbart, dass sie mir entsprechende Vorschläge<lb/>
machen werden, wie wir dieses offene Problem am besten bereinigen<lb/>
können. Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> gab ich klar und deutlich zu erkennen,<lb/>
dass ich den Eindruck habe, die Oberste Bergbehörde sei oft nur eine<lb/>
Expositur der ÖMV. Ich selbst aber müsste und könnte nicht nur allein<lb/>
wie er sich ausdrückte die einheimische Produktion schützen, sondern<lb/>
müsste auch die Wünsche der westlichen Ölgesellschaften berück<lb break="no"/>sichtigen. Ich selbst könnte nur als ehrlicher Makler zwischen beiden<lb/>
in Erscheinung treten. Mit dieser Vorgangsweise war <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> sehr<lb/>
einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_10">In der Ministerratsvorbesprechung berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings,<lb/>
dass er die ORF-Hauptversammlung einberufen wird, um die Prüfer<lb/>
zu bestellen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte mit Recht zu mir, es wäre höchste<lb/>
Zeit, wenn dieses ORF-Problem endlich einmal bereinigt wird, denn wir<lb/>
verbringen damit sehr viel Zeit bei unseren Ministerratsvorbesprechungen<lb/>
in erwiderte, dass es dann aber sicher ein anderes Problem bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geben wird, das er in der Ministerratsvorbesprechung so<lb/>
detailliert wie immer bespricht. Manche und er selbst, will ja<lb/>
den Eindruck erwecken, dass er alle Probleme mit den gesamten<lb/>
Ministerkollegen durchdiskutiert. In Wirklichkeit natürlich ist das<lb/>
ja nur ein ganz kleines Teilproblem, das uns aber immer wieder sehr<lb/>
viel Zeit genommen hat.<lb/>
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transportiert wurden, ohne dass wir scheinbar etwas davon wussten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> fragte unverzüglich bei seiner Zollabteilung nach und konnte<lb/>
am Schluss der Sitzung mitteilen, dass eine diesbezügliche Genehmi<lb break="no"/>gung betreffend der Durchfahrt vom Innenministerium gegeben wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> berichtete, dass die Firma Sofma<add>[?]</add> einen Kooperationsver<lb break="no"/>trag mit der Fa. Steyr-Saurer und VÖEST betreffend eines Panzergerätes<lb/>
anstrebt. Bei dieser Gelegenheit teilte ich dem Ministerrat mit,<lb/>
dass die ÖIAG abgelehnt hat, die Hirtenberger Fabrik zu kaufen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, die einzige Möglichkeit wäre, dass wir einen Brief<lb/>
an alle verstaatlichten Betriebe als Handelsministerium schreiben,<lb/>
wo wir unser Interesse an der Erhaltung dieses Betriebes in österr.<lb/>
Besitz bekunden sollten. Ich ergänzte, dass ich auch an die verstaat<lb break="no"/>lichten Banken ein diesbezügliches Schreiben richten werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte ein solches Schreiben zu veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_13">Die österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen hat für Sonntag<lb/>
die Bundesregierung eingeladen an ihrer Gedenkkundgebung teilzunehmen.<lb/>
Es meldete sich überhaupt niemand dafür und letzten Endes hiess es,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> sei für die Ruhe und Sicherheit verantwortlich und deshalb<lb/>
müsste er nach Mauthausen fahren. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> selbst war zwar in Salzburg,<lb/>
erklärte sich aber bereit, gegebenenfalls, wenn es die Zeit erlaubt,<lb/>
an dieser Feier teilzunehmen. In diesem Fall aber habe ich mich<lb/>
dafür gemeldet, denn ich sagte <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> anschliessend, dass es mir ge<lb break="no"/>fährlich erschiene, in der jetzigen kritischen Phase mit dem <rs type="person" ref="#per__134283">Eichmann</rs>-<lb/>
Jäger <rs type="person" ref="#per__136649">Wiesenthal</rs>, dass er zu dieser Veranstaltung fährt. Man könnte<lb/>
dann vielleicht neuerdings in den angeblichen nationalen Vergangenheit<lb/>
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Vereinbarungen absagen, um die Bundesregierung in Mauthausen zu ver<lb break="no"/>treten. Bei meiner eigenen KZ-Vergangenheit können sie beim besten<lb/>
Willen keine Kritik üben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_14">Vor der Ministerratssitzung informierte ich den Aussenminister, den<lb/>
Verteidigungsminister, den Finanzminister und den Innenminister über<lb/>
die Probebohrungen der Ungarn in Mörbisch. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> wird ver<lb break="no"/>suchen herauszukommen, um was es sich handelt. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meinte, wir<lb/>
sollten die österr.-ungarische Gemischte Kommission damit beschäftigen,<lb/>
was ich allerdings nicht für sehr zielführend halte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-05-03_15">Die Ministerratsvorbesprechung konnte nur sehr kurz sein, da der<lb/>
Gewerkschaftstag der Metallarbeiter die Bundesregierung für ihr<lb/>
80-jähriges Bestehen eingeladen hatte. Zu meiner grössten Verwunderung<lb/>
nahm wirklich fast die gesamte Bundesregierung daran teil, obwohl durch<lb/>
die vielen Begrüssungsansprachen die ganze Feier bis fast 8 Uhr<lb/>
dauerte. Ich konnte mir nicht verkneifen, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> zu sagen, ich bin<lb/>
neugierig, wenn die Lebensmittelarbeiter eine solche Sitzung haben,<lb/>
ob dann auch die gesamte Regierung erscheinen wird. Nebenbei bemerkt<lb/>
würde ich aber so etwas ja gar nie verlangen, denn normalerweise<lb/>
handelt es sich hier wirklich um eine Zeitverschwendung. Der Zeitpunkt,<lb/>
muss ich allerdings gestehen, was sehr gut gewählt, da wir ansonsten<lb/>
Ministerratsvorbesprechung hätten und natürlich die gesamte Bundes<lb break="no"/>regierung anwesend wäre. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> selbst erörterte bei seiner Begrüssungs<lb break="no"/>ansprache seine Sozialpolitik, ich fürchte nur, dass sie vollkommen<lb/>
untergehen wird. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erklärt, dass er sich um die Presse nicht<lb/>
kümmert und dass auch tatsächlich macht, hat er ja mit seinen Aus<lb break="no"/>führungen fast nie ein Presse-Echo. Die Erklärungen sind also nur fürs<lb/>
Protokoll bestimmt. Ich hatte ihn bei der Vorbesprechung diesbezüglich<lb/>
schon freundschaftlich kritisiert. Da <rs type="person" ref="#per__97525">Rudi</rs> aber ein sturer Panzerwagen<lb/>
ist, wird er sicherlich auch nicht von seiner bisherigen Methode durch<lb/>
meine Kritik abgeben. Als Handelsminister kann es mir nur recht sein,<lb/>
denn ich hätte ja sowieso nur zusätzliche Schwierigkeiten, wenn die<lb/>
Sozialpolitik in der Öffentlichkeit immer wieder ganz stark diskutiert<lb/>
würde und die Handelskammer natürlich umso vehementer dagegen Stellung<lb/>
nehmen müsste.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 3.5.1971</head>
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