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            <title type="main">Freitag, der 30. April 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-30_02">Auf der Fahrt zur Grazer Messe erzählte mir Min.Rat <rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs><lb/>
dass sie an einem Filmförderungsgesetz arbeiten und wollte Einzel<lb break="no"/>heiten vor allem Weisung, wie sie dieses Gesetz gestalten sollten.<lb/>
Er hat sich mit Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> ins Einvernehmen gesetzt und<lb/>
dieser meinte, es gäbe zwei Möglichkeiten: erstens eine Regelung<lb/>
wie beim Stärkegesetz, d.h. ein reines Subventionsgesetz oder<lb/>
zweitens ein richtiggehendes Filmförderungsgesetz mit einem Fonds.<lb/>
Die Einnahmen dieses Fonds wollen durch Erhöhung der Kinokarten<lb/>
um 1.– S hereinkommen. Vom Fernsehen stellt er sich vor, dass<lb/>
pro Laufmeter gespielten Film ein entsprechender Betrag an den<lb/>
Fonds zu leisten ist. Ich erklärte ihm sofort, dass an eine solche<lb/>
Erhöhung des Kinopreises nicht zu denken ist. Meiner Meinung nach,<lb/>
sollte man eher versuchen, einen geringen Prozentsatz maximal 2<lb/>
oder 3 % von den Kinobesitzern zu erhalten. Dieser Prozentsatz,<lb/>
erklärte ich ihm, müsste unbedingt als Vorabzugsposten wie die<lb/>
Opfer- oder Kriegsfürsorge-Abgabe verrechnet Werden. Nur bei einem<lb/>
solchen System wären wahrscheinlich die Kinobesitzer bereit,<lb/>
zuzustimmen. Der Verleih hat bereits zu erkennen gegeben, dass er<lb/>
ebenfalls bereit ist, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Mit<lb/>
dem Fernsehen soll er ein System vereinbaren, das ungefähr 10 Mio. S<lb/>
pro Jahr für die gesendeten Spielfilme als Abgeltung geleistet werden<lb/>
könnte. Bei der Verwendung der Mittel, wo er vorschlug, ob auch<lb/>
Kopieranstalten und Filmateliers, mit anderen Worten, die Wien-Film,<lb/>
eine Subvention bekommen können, lehnte ich von vornherein ab.<lb/>
Nach meiner Idee, die ich ja auch mit den entsprechenden Filmschaf<lb break="no"/>fenden und sonstigen Funktionären der Filmbranche besprochen habe,<lb/>
sollte ja eine Reginter-Zusage<add>[?]</add> vorerst ausreichen. Die Produzenten<lb/>
sollten sich, so wie es bisher der Fall war, bei ihren Banken,<lb/>
das ist in dem Fall ja die CA oder die Länderbank aber es könnten<lb/>
natürlich auch andere Banken dazukommen, um einen entsprechenden<lb/>
Kredit bewerben und der Fonds würde eine entsprechende Ausfalls<lb break="no"/>haftung gewähren. Dadurch könnten mehr Filme als derzeit in Angriff<lb/>
genommen werden. Das finanzielle Risiko und die Frage welcher Film<lb/>
und welcher Filmproduzent gefördert werden soll, würde in dem Fall<lb/>
auf die Banken fallen-. Für die Filmtheater sollte ja vorgesehen<lb/>
werden, dass sie entsprechende Ausstattungskredite eventuell ver<lb break="no"/>billigt bekommen sollten. <rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs> schwebt vor, dass Filmtheater<lb/>
<pb n="05-0530" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-04-30_0530.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>unter 300.000 S Umsatz von der Leistung ausgeschlossen sein<lb/>
sollten. Es erhebt sich somit die Frage, ob es dann zielführend<lb/>
ist, diesen Filmtheatern Kredite zu gewähren. Ich glaube allerdings<lb/>
dass man über diese Schwierigkeiten nicht hinwegkommen wird und man<lb/>
wird daher auch diesen Filmtheatern, die kleinere Umsätze als<lb/>
300.000 S haben, entsprechende Subventionen oder Kredite geben<lb/>
müssen. Das finanzielle Grundkonzept sollte sein, dass ca. 10 Mill.<lb/>
von Fernsehen, 10 Mill. von den Lichtspieltheatern und dem Verleih<lb/>
und 10 Mill. S vom Bund zugeschossen wird. Bei dem Fonds oder<lb/>
der Stelle, die geschaffen wird, schlimmstenfalls bei uns im<lb/>
Ministerium, sollte ein Beirat verankert werden, dessen Zusammen<lb break="no"/>setzung, aus dem Unterrichtsminister, den Interessenvertretungen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs> meinte die LWK könnte man ruhig ausschliessen – bestehen<lb/>
soll. Der Beirat wird nicht viel zu tun haben, da er die Ver<lb break="no"/>gabe der Mittel nach rein kommerziellen Gesichtspunkten erfolgen<lb/>
soll. Insbesondere sagte ich ihm ist nicht daran gedacht, eine<lb/>
Klassifikation der Projekte durch den Beirat vornehmen zu lassen.<lb/>
Ich würde mich ganz entschieden dagegen aussprechen, wenn wir<lb/>
eine Art der Zensur über die Filme durch die Subventions- oder<lb/>
Kreditvergabe durchführen würden. Durch die Filmförderung soll<lb/>
ja nur eine Art Starthilfe gegeben werden, <choice><choice><sic>um</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> und ob eine<lb/>
wirkliche Filmproduktion ausgebaut werden kann, steht ja noch<lb/>
in den Sternen. <rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs> meinte, ob er für die Budgetansätze 1972<lb/>
schon einen höheren Betrag verlangen sollte, ich lehnte dies deshalb<lb/>
ab, weil ich auf dem Standpunkt stehe, dass wir im Jahre 1972<lb/>
wahrscheinlich auch noch kein Filmförderungsgesetz bekommen werden.<lb/>
Ich erklärte nämlich dezidiert, ich würde ein solches Filmförde<lb break="no"/>rungsgesetz nicht gegen die Interessensvertretung mit aller Gewalt<lb/>
versuchen, durchzusetzen. Entweder es gelingt, einen Akkord zu er<lb break="no"/>zielen, d.h. Übereinstimmung auch mit der BHK herzustellen, oder<lb/>
ich lasse dieses Projekt einstweilen ruhen. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit musste ich feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs> über unsere Verhandlungen,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich geführt hatten, überhaupt nicht informiert<lb/>
war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-30_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte in Hinkunft die Fachreferenten doch zu<lb break="no"/>mindestens, wenn die Verhandlungsergebnisse eine gewisse Richtung<lb/>
erkennen lassen, über das Ergebnis zu informieren.<lb/>
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Ausschusses im Konsumentenbeirat nicht informiert sei, obwohl die<lb/>
Abteilung dafür zuständig ist. Er hätte sie bei <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> schon<lb/>
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Überlegungen, dass er die Abteilung nicht dabei haben, sei es<lb/>
aber – was eher ist – dass er sich nicht getraut hat, diese Forde<lb break="no"/>rung zu erheben, bis jetzt hat er überhaupt nicht dagegen protestiert,<lb/>
dass seine Abteilung ausgeschaltet ist. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wird nun veranlassen,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__136709">Pellech</rs> zu den Sitzungen des Beirates und zwar Arbeitsgruppe<lb/>
Werbung eingeladen wird. Wie soll denn ansonsten unser System<lb/>
wirken, wonach – wenn Arbeiten abgeschlossen sind, sei es der<lb/>
Grundsatzabteilung oder sei es irgendwelcher neugeschaffener<lb/>
Stellen wie z.B. den Konsumentenbeirat, dann von den einzelnen<lb/>
Abteilungen die Durchführung der Beschlüsse gewährleistet werden,<lb/>
wenn sie keine Ahnung haben, wie solche Beschlüsse zustande kamen.<lb/>
Ich glaube, dass wir mit unserer neuen Art zwar eine gewisse<lb/>
Reorganisation in unserem Hause eingeleitet hatten. Ich bin auch<lb/>
überzeugt davon, dass diese modernere Art der Führung und der<lb/>
Information wesentlich besser ist als die bisherige. Ich glaube<lb/>
aber genauso, dass es dringend notwendig ist, dass wir schwache<lb/>
Stellen und das ist der Informationsfluss zwischen unseren Spezial<lb break="no"/>gruppen und den durchzuführenden bestehenden Abteilungen baldigst<lb/>
beseitigt werden müssen. Sicherlich wird sich ein starker Sektions<lb break="no"/>chef bemühen, dass solche Zweigleisigkeiten nicht entstehen, d.h.<lb/>
dass seine Leute schon bei den entsprechenden Verhandlungen auch<lb/>
dabei sind oder zumindestens von dem Ergebnis dieser Verhandlungen<lb/>
<sic>unverzüglichst</sic> verständigt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-30_05">Bei der Eröffnung der Grazer Messe wurde diesmal die Situation<lb/>
umgedreht. <rs type="person" ref="#per__136789">Scherbaum</rs>, der Bürgermeister von Graz, benützte die<lb/>
Gelegenheit, um den Landeshauptmann anzugreifen, weil das Land<lb/>
nicht verschuldet ist, während die Stadt Graz unter der Schuldenlast<lb/>
sehr zu leiden hat. Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__136789">Scherbaum</rs> meinte nun, er müsste doch<lb/>
auf den Finanzausgleich, der nächstes Jahr verhandelt werden soll,<lb/>
entsprechende Abhilfe geschaffen werden. <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> versuchte zwar<lb/>
dieses Problem bei seiner Ansprache dann auf den Bund weiter zu<lb/>
wälzen, doch dagegen konnte man verhältnismässig bisher leicht<lb/>
parieren. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat eine Pressekonferenz organisiert, ich glaube,<lb/>
dass es Wirklich sehr zweckmässig ist, wenn man in einem Bundes<lb break="no"/>land irgendeine Messe-Eröffnung oder sonstige Tätigkeit aus<lb break="no"/>übt, die lokale Presse zu einer Pressekonferenz einzuladen. Dies<lb/>
zeigt, dass man sich auch um die sogenannten Provinzblätter kümmert<lb/>
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deutlicher erklären kann. Wir hatten während des Rundganges in<lb/>
der letzten Phase Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> verloren, ich bemühte mich<lb/>
zwar immer stets bei ihm zu bleiben und ich war deshalb schon bei der<lb/>
Pressekonferenz, als er ebenfalls erschienen ist. Er meinte dann zwar,<lb/>
dass er als weisungsgebundener Landeshauptmann von mir jetzt wieder<lb/>
hinausgeschmissen werden könnte, doch im Gegenteil erklärte ich ich,<lb/>
dass ich sehr froh sei, dass er an dieser Pressekonferenz teilnimmt.<lb/>
Da ich vor seiner Anwesenheit schon gefragt wurde, ob nicht die Philips-<lb/>
Gründung mit einer Investitionssumme von 400 Mill. S genau so leicht<lb/>
storniert werden könnte, wie das Ölprojekt Lannach, erwiderte ich,<lb/>
dass doch ein grosser Unterschied zwischen diesen beiden Investitions<lb break="no"/>vorhaben besteht. Lannach war zu kleinkariert ausgelegt, bei 2.3 Mill. jato<lb/>
war eine Lebensfähigkeit der Raffinerie nicht<lb/>
möglich, währenddem Philips ein Grossbildprojekt Farbfernseher-Bildröhren<lb break="no"/>werk errichtet, welches 70 % seiner Erzeugung weltweit in andere<lb/>
Philips-Unternehmungen exportieren wird. Ich hatte ja insbesondere schon<lb/>
bereits bei meiner Eröffnungsansprache auf diesen Tatbestand hinge<lb break="no"/>wiesen und vor allem damit keine Legendenbildung entsteht, erklärt,<lb/>
dass der Landeshauptmann mir den Dank ausgesprochen hat, weil<lb/>
wir so schnell das Raffinerieprojekt Lannach positiv erledigt hatten.<lb/>
Da ich von der Investorenwerbung, die in meinem Ministerium als einen<lb/>
positiven Betrag zur Industrialisierung berichtete, hatten sicher viele<lb/>
Teilnehmer den Eindruck, dass das Handelsministerium zu dieser Neu<lb break="no"/>gründung in der Steiermark auch wesentliches dazu beigetragen hat. Ich<lb/>
glaube, dass wir uns hier ein bisschen mit fremden Federn schmücken,<lb/>
aber ich glaube andererseits, dass dies gerade noch zulässig ist, ohne<lb/>
dass man sein Image als seriöser Minister verliert. Ich erwähnte auch<lb/>
die notwendigen Planungsarbeiten, die die Raumordnungskonferenz<lb/>
die jetzt unter Vorsitz des Bundeskanzlers im Fohnsdorfer Gebiet, d.h.<lb/>
Aichfeld-Murboden, welche ein grösseres Planungsgebiet sein wird als<lb/>
Fohnsdorf allein, in Angriff genommen hat. Auch hier sagte ich, dass<lb/>
wir mit der Landesregierung und den Landeshauptleuten einvernehmlich<lb/>
vorgehen wollen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Bestrebungen in<lb/>
den Fünfzigerjahren, um Fohnsdorf stillzulegen. Damals hatte sich die<lb/>
Gewerkschaftsbewegung, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst, aufopfernd dafür eingesetzt und<lb/>
in Fohnsdorf entsprechende Vorarbeiten geleistet. Dann kam Landeshaupt<lb break="no"/>mann <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> und erklärte, solange er Landeshauptmann ist, kann die<lb/>
Grube nicht geschlossen werden. <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> hat also hier dann den Ausschlag<lb/>
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Ich glaube deshalb, es ist ein einziger Weg zielführend, nämlich<lb/>
im engsten Einvernehmen mit den Landeshauptleuten Werks- oder auch<lb/>
Industrieprobleme zu besprechen. Die richtige Vorgangsweise ergab sich<lb/>
ja mit dem Problem des wahrscheinlich auch für das Burgenland inter<lb break="no"/>essante Abbaugebiet bei der Mörbischer Grenze. Ich wurde durch eine<lb/>
Indiskretion von einem Landesregierungsmitglied – <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> erwähnte<lb/>
dies nur so nebenbei – darauf aufmerksam, dass die Ungarn angeblich<lb/>
Tag und Nacht an der Grenze Bohrungen durchführen. Ich verständigte<lb/>
sofort den zuständigen Berghauptmann und veranlasste ihn, dass er die<lb/>
notwendigen Überprüfungen und Untersuchungen über diesen Raum in Angriff<lb/>
nimmt. <rs type="person" ref="#per__136385">Bornberg</rs> setzte sich sofort mit dem Landesregierungsbeamten<lb/>
der geologischen Anstalt ins Einvernehmen und nach deren ersten Aus<lb break="no"/>führungen handelt es sich bei den Bohrversuchen der Ungarn ganz nahe<lb/>
der österreichischen Grenze um den scheinbaren Versuch, dort Uran<lb/>
zu gewinnen. Hätten die Ungarn eine normale Bohrtätigkeit entwickelt,<lb/>
und uns wie es gutnachbarlich üblich ist, davon verständigt, hätten<lb/>
sie uns sagen können, dass sie irgendetwas anderes dort suchen. Durch<lb/>
ihre Geheimhaltung und insbesondere durch ihre Tarnung wurden wir<lb/>
jetzt sehr misstrauisch. Der Berghauptmann und die Fachleute glauben,<lb/>
dass es sich hier um eine Bohrung Priorität I handeln muss, denn es<lb/>
werden Ölgestänge verwendet, die normalerweise nur für grosse Tiefen<lb/>
in Frage kommen und die aufwandsmässig sehr viel Geld kosten. Es dürfte<lb/>
also für die Ungarn überhaupt keine Rolle spielen, was diese Bohrungen<lb/>
an Kosten verursachen. Daraus uns aus anderen Beobachtungen wird angenom<lb break="no"/>men, dass es sich eben um Uranbohrungen handelt. Was mich nur verwundert,<lb/>
dass die deutsch-finanzierte Firma Prisob<add>[Prisog?]</add> nicht noch in diesem Gebiet<lb/>
Freischürfe erworben hat. Ich habe sofort den Berghauptmann den Auf<lb break="no"/>trag gegeben, im Einvernehmen mit der Landesregierung, wenn diese<lb/>
Interesse zeigen sollte, die Freischürfe in dieser Gegend zu sichern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136385">Bornberg</rs> teilte mir mit, dass 50 Freischürfe bereits für das Land sicher<lb break="no"/>gestellt hat. Wenn es nun tatsächlich in dieser Gegeben zu tragbaren<lb/>
Funden kommen sollte, würde das Land, wenn es dann seine Freischürfe<lb/>
an irgendwelche Bohrgesellschaften abgibt, ganz gute Geschäfte machen<lb/>
können. Von unserem Standpunkt wäre aber auch noch neutralitätspolitische<lb/>
sehr wertvoll, wenn nicht eine aus der BRD finanzierte Gesellschaft die<lb/>
alleinige Bohrrechte dort hätte. Selbst wenn auch aus dieser ganzen<lb/>
Angelegenheit nichts werden sollte, so ist doch gegenüber einem Landes<lb break="no"/>hauptmann wieder dokumentiert, wie das Handelsministerium in engstem<lb/>
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ihre ganze bürokratischen Apparat dafür einsetzt, dem Land und damit<lb/>
auch natürlich der österreichischen Wirtschaft zu helfen.<lb/>
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wird, Betriebe zu finden. Die Unternehmer haben sich bis jetzt immer sehr<lb/>
negativ über diesen Standort ausgesprochen.<add>[Der]</add> Hauptgrund, glaubt <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs>, liegt<lb/>
darin, dass die Bergarbeiter doch verhältnismässig mit Hilfe von Zulagen<lb/>
gute Löhne haben. Wenn sie nun in einem Betrieb ober der Erde eingesetzt<lb/>
sind, so kommen sie in kürzester Zeit darauf, dass für diese und jene<lb/>
Tätigkeit auch im Bergbau Zulagen gezahlt wurden und stacheln – wie er sich<lb/>
ausdrückte – die Belegschaft auf, doch ebenfalls diese Zulagen zu verlangen.<lb/>
Darüber hinaus glaubt <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, dass es eine alte Tradition der Bergarbeiter<lb/>
ist, dass die Frauen nicht arbeiten gehen. In Fohnsdorf müssten deshalb<lb/>
weibliche Arbeitskräfte verfügbar sein. Ich glaube aber, dass die Tradition<lb/>
weniger, dafür aber das Alter der weiblichen Arbeitskräfte, die in Fohns<lb break="no"/>dorf zur Verfügung stehen, z.B. Philips abgeschreckt haben, ihre Fabrik<lb/>
im Fohnsdorfer Gebiet zu errichten. Da mich die SPÖ zu einer Maikund<lb break="no"/>gebung für abends eingeladen hat, benützte ich die Gelegenheit, um den Berg<lb break="no"/>bau zu besichtigen. Die Kohle hat dort nur eine verhältnismässig geringe<lb/>
Stärke. Sie hat maximal 120 Meter und nimmt bis zu drei Metern ab. Bei der<lb/>
Besichtigung mussten wir durch kilometerlange Sandsteinstollen fahren,<lb/>
bis wir endlich vor Tag kamen. Der Abbau ist mit eine Schrägmaschine<lb/>
vollkommen mechanisiert, doch werden durch die langen Transportwege doch<lb/>
wesentliche hohe Kosten auf die Kohle umgeschlagen. Die Aufbereitungs<lb break="no"/>anlage, die erst vor wenigen Jahren errichtet wurde, während des Baues<lb/>
hat man ja vom Zusperren des Bergwerkes gesprochen und deshalb sogar die<lb/>
Aufbereitungsanlage-Errichtung unterbrochen, ist zweifelsohne das beste<lb/>
Stück von Fohnsdorf. Ob sich allerdings ein Abbruch dieser Anlage und<lb/>
ein Errichten an einer anderen Stelle auszahlen würden, kann ich nicht<lb/>
beurteilen. Die Investitionen, die man in den Bergbau bis jetzt hineinge<lb break="no"/>steckt hat, sind sicherlich immens. Trotzdem sind die Maschinen, ob<lb/>
es sich um die Kompressoren oder um Elektrizitätsanlagen oder Heizungsanlagen<lb/>
handelt, schon sehr veraltet, Natürlich käme eine weitere Investition ja<lb/>
nur nach genaueren Kostenüberlegungen in Frage und die Rentabilität ist auch<lb/>
dann, wenn man wie der BRO <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs> dies wollte, beim besten Willen nicht<lb/>
zu verantworten. <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs> schwebt vor, dass die Streben, d.h. der Ausbau<lb/>
der einzelnen Stollen mechanisch gemacht wird und nicht wie dies derzeit<lb/>
der Fall ist, händisch. Nach der Besichtigung entwickelte sich eine rege<lb/>
Diskussion über die Probleme des Kohlenbergbaues. Die Betriebsräte sind<lb/>
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wieder die Kohle benachteiligt wurde. Man hätte ihrer Meinung nach<lb/>
wesentlich mehr investieren sollen, entsprechende Preise festsetzen<lb/>
und die Elektrizitätswirtschaft verpflichten, die Kohlenmengen abzu<lb break="no"/>nehmen. Wenn nur Stromkohle erzeugt werden müsste, d.h. keine Sor<lb break="no"/>tierung mehr Platz greift, dann hätten sie einen garantierten Absatz<lb/>
und die Kosten würden nicht allzu hoch sein. Sie bekritteln andererseits,<lb/>
dass Verträge abgeschlossen wurden, z.B. mit der ÖDK bis zum Jahre 1987<lb/>
ohne dass jetzt klar ist, ob die Kohle wirklich bis dorthin wird gefördert<lb/>
werden. Wirtschaftlich ist, wie mir der Bergdirektor allerdings versicher<lb break="no"/>te 1975 die letzte Kohle gefördert. Auch bis dahin wird die Bergbauhilfe<lb/>
wesentliche Zuschüsse leisten müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-30_07">Der Fackelzug am Abend und die anschliessende Versammlung war, wie<lb/>
mir der Bezirksobmann und einige andere Funktionäre versicherten, noch<lb/>
nie so gut besucht. Leichtverständlich, denn alle wollten hören,<lb/>
was der Handelsminister zur Bergbaufrage sagt. Ich konnte nur eine Er<lb break="no"/>klärung abgeben, dass die Bundesregierung mit der Raumplanungskonferenz<lb/>
Aichfeld-Murboden neue Arbeitsplätze schaffen wird und solange diese<lb/>
Arbeitsplätze nicht vorhanden sind, könnte oder würde eine Schliessung<lb/>
nicht in Betracht gezogen. Ich erklärte ihnen allerdings, dass ich<lb/>
ihnen nichts versprechen könnte. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> versuchte, dieses Problem psycho<lb break="no"/>logisch zu begründen und kam zu der Überzeugung, dass wir früher oder<lb/>
später ja doch Zugeständnisse machen müssten. Die Bevölkerung erwartet<lb/>
von der sozialistischen Regierung, dass unter gar keinen Umständen hier<lb/>
ein Notstandsgebiet wird. Sie hören, wie er sich ausdrückte, aus jeder<lb/>
auch noch so vagen Zusage bereits die Versicherung heraus, dass alles<lb/>
beim Alten bleibt. Ich glaube wirklich, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> recht hat, wenn<lb/>
er erklärt, dies wird unser Tennessee in dem amerikanischen Projekt<lb/>
hat damals <rs type="person" ref="#per__133016">Roosevelt</rs> bewiesen, dass eine New-Deal-Politik wirklich<lb/>
konkret Probleme lösen kann. Andererseits hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch mit Recht<lb/>
erklärt, dass wir in den vergangenen Jahren 220 Mill. S Bergbauförderung<lb/>
in die Grube gesteckt haben und wahrscheinlich die Alpine auch noch<lb/>
Dutzende Millionen investiert. Mit diesen hunderten von Millionen hätte<lb/>
man können sicherlich ein rentableres und zukunftsträchtigeres Werk<lb/>
errichten.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 30.4.1971</head>
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               <persName type="label">Römer, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Römer</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Pellech, A</persName>
               <persName><surname>Pellech</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>MR (HM?); vmtl. Falschschreibung [auch im März 1971 so geschrieben;
                  zuständig für Messwesen; im Okt. 1971 die Rede von seiner baldigen Pensionierung;
                  zuständig offenbar auch für Filmförderung]</occupation>
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               <persName type="label">Schwarz, Walter</persName>
               <persName><surname>Schwarz</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Sekt.R HM</occupation>
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               <persName type="label">Bornberg, Konrad</persName>
               <persName><surname>Bornberg</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>Wiener Berghauptmann</occupation>
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               <persName type="label">Roosevelt, Franklin D.</persName>
               <persName><surname>Roosevelt</surname><forename>Franklin D.</forename></persName>
               <occupation>US-Präs. 19331945</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Scherbaum, Gustav</persName>
               <persName><surname>Scherbaum</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>Grazer Bgm. bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Kokail, Siegfried</persName>
               <persName><surname>Kokail</surname><forename>Siegfried</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Krainer, Josef sen.</persName>
               <persName><surname>Krainer</surname><forename>Josef sen.</forename></persName>
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