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            <title type="main">Mittwoch, der 21. April 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band05_1971-04-21</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_01">Mittwoch, 21. April 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_02">Die Arbeitsgruppe Patente und Lizenzen im österr.-sowjetischen<lb/>
Handelsvertrag stattete mir heute den offiziellen Besuch ab.<lb/>
Der Vertreter der Böhlerwerke Dr. <rs type="person" ref="#per__137054">Banstädt</rs> erwähnte bei der Dis<lb break="no"/>kussion, das österr. Patentamt sollte doch zu einem europäischen<lb/>
Patentamt ausgebaut werden. In dieser krassen Formulierung hat<lb/>
noch niemand eine Aussage gemacht, mir war es aber sehr recht.<lb/>
Die Russen konnten dadurch erkennen, dass ich bei meiner gestrigen<lb/>
Aussprache eben auch gerne eine Kooperation mit der Sowjetunion<lb/>
anstreben würde. Von den Stickstoffwerken war Dr. <rs type="person" ref="#per__137055">Allgäuer</rs>, eine<lb/>
Frau, anwesend, ebenso von den Voith-Werken Dr. <rs type="person" ref="#per__137056">Krimm</rs>. Es ist das<lb/>
das erste Mal, dass Firmenvertreter, die mit Russland bereits koope<lb break="no"/>rieren, bei diesen Regierungsbesprechungen anwesend sind, die die<lb/>
SU, aber auch ich haben grösstes Interesse daran, dass wirtschaftsnahe<lb/>
diese Verhandlungen geführt werden und ich begrüsse es deshalb sehr,<lb/>
wenn Firmenvertreter bei solchen Fragen anwesend sind. Von der Han<lb break="no"/>delskammer waren Dr. <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__137058">Karsch</rs> dabei, <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> selbst<lb/>
bedankte sich über diese moderne und wie ich glaube auch zielführendere<lb/>
Zusammensetzung der Delegation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> ersuchte mich beim Hinausgehen, ob er<lb/>
zur Pressekonferenz über die Gewerbeordnung eingeladen wird. Ich bitte,<lb/>
dies unbedingt zu beachten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_04">Die Berichte der beiden Präsidenten waren sehr positiv gehalten, da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> erklärte, dass die SU auf die österreichischen Vorschläge weitest<lb break="no"/>gehend eingegangen ist. Eine einzige Differenz ergab sich am zweiten<lb/>
Verhandlungstag, die jetzt bereinigt wird, und zwar das Problem der<lb/>
Erfindervergütung. In der SU bekommen die Erfinder ihre Vergütung<lb/>
auf Grund von bestimmten Normen. Ein eigenes System berechnet die Er<lb break="no"/>sparnisse für die SU und danach richten sich die Erfindervergütungen.<lb/>
Die Frage ist nun, wie die gemeinsam ausgewerteten Erfindungen und auch<lb/>
die Erfindervergütungen für die österreichischen und die sowjetischen<lb/>
Erfinder abgerechnet werden sollen. Der Präsident des sowj. Patent<lb break="no"/>amtes erklärte, dass selbstverständlich ist, dass die sowj. Erfinder<lb/>
nur soviel bekommen werden als eben die österreichischen Gesetze resp.<lb/>
bei uns gibt es ja nur betriebliche Vereinbarungen vorsehen. Seiner<lb/>
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der Sowjetunion berechnet, wesentlich mehr bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_05">Botschafter <rs type="person" ref="#per__130572">Gruber</rs>, der auf Privaturlaub in Österreich weilt, stellte<lb/>
sich ganz kurz vor, um insbesondere die Anwesenheit des Aussen<lb break="no"/>handelsministers <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs> bei mir zu besprechen. Er schlug vor, wir<lb/>
sollten doch ein Memorandum überreichen, da er annahm, dass <rs type="person" ref="#per__136692">Stans</rs><lb/>
und seine Begleiter nur wenig Zeit und kein allzu grosses Interesse<lb/>
an Detailbesprechungen haben würden. Ich habe angenommen, dass <rs type="person" ref="#per__130572">Gruber</rs><lb/>
so lange in Österreich bleiben wird, bis der amerikanische Handels<lb break="no"/>minister am 1. Mai hieher kommt. <rs type="person" ref="#per__130572">Gruber</rs> erklärte aber, er würde jetzt<lb/>
wieder in die USA zurückfliegen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> war anschliessend bei<lb/>
einer Besprechung bei mir ebenso so erstaunt, dass eine solche Ein<lb break="no"/>teilung vom Botschafter getroffen wurde. Unerklärlich ist auch, denn<lb/>
jetzt hatte er den Urlaub und die Reise nach Österreich privat gemacht,<lb/>
muss sie auch selbst bezahlen, währenddem jeder andere Beamte unver<lb break="no"/>züglich eine solche Gelegenheit benützt hätte, auf Staatskosten in<lb/>
die Heimat fahren zu können. Noch unerklärlicher ist mir, dass er<lb/>
mir sagte, die Hausbesorgerin hätte doch die Wählerliste nicht in<lb/>
Ordnung gehalten und er würde deshalb am Sonntag auch gar nicht<lb/>
zur Wahl gehen. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass ein soz. Spitzen<lb break="no"/>funktionär und immerhin, da <rs type="person" ref="#per__130572">Gruber</rs> Aussenminister und Staatssekretär<lb/>
in mehreren Regierungen war, wenn er schon nicht zur Wahl geht, dies<lb/>
so freimütig bekennt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_06">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__137060">Senger</rs> von der Progress-Werbung berichtete mir, dass es das<lb/>
erste Mal gelungen ist, bei der ÖFVW ein Offert abzugeben, das, wie<lb/>
er sich ausdrückte, von <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> mit grosser Begeisterung akzep<lb break="no"/>tiert wurde. Tatsächlich hat die ÖFVW ihre Mittel sehr verzettelt,<lb/>
indem sie die Inserate von vielen Zeitungen doch nur ganz unbedeutend<lb/>
inserieren konnte. Nun hat Progress ein Gesamt-Konzept entwickelt,<lb/>
wo um nur 3 Mio. S in überregionalen Blättern in der BRD Faltprospekte<lb/>
eingelegt werden, die mit Preisausschreiben und anderen Möglichkeiten<lb/>
die Leute veranlassen sollte, sie auch tatsächlich zu lesen. Der<lb/>
Slogan, unter dem diese ganze Kampagne startet, heisst: Heile Welt<lb/>
und soll indirekt darauf hinweisen, dass es in Österreich noch Ruhe<lb/>
gibt, im physischen Sinne, d.h. schöne Landschaft, ruhige Plätzchen,<lb/>
aber auch im sozialen Sinne, dass nicht durch Streiks der Urlauber in<lb/>
seinem Komfort bedroht ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_07">Der ausserordentliche Ministerrat befasste sich mit dem Problem<lb/>
der Entführung unserer Angestellten beim Züricher Konsulat, Dr. <rs type="person" ref="#per__137053">Kneissl</rs>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137063">Müller</rs>, der sie in Gewalt hält, verlangt von den Schweizer Behörden<lb/>
1 Mill. sfr. und freies Geleit nach Frankreich. In Frankreich war<lb/>
er bei der Marquis und deshalb nimmt er an, dass man ihm dort Schutz<lb/>
gewähren wird. Wir beschäftigten uns mit den verschiedensten Varia<lb break="no"/>tionsmöglichkeiten ohne eigentlich wirklich helfen zu können. Es war<lb/>
dies die längste Ministerratssitzung, die wir seit Bestehen der Regierung<lb/>
gehabt haben, sie dauerte 1 1/2 Stunden, obwohl wir eigentlich keinen<lb/>
konkreten Erfolg wirklich erzielen konnten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, und das<lb/>
rechne ich ihm hoch an, war menschlich wirklich sehr erschüttert,<lb/>
wenn es nach ihm ginge, würden wir alle Vorschläge, die gegebenenfalls<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__137063">Müller</rs> kämen, sofort akzeptieren, nur um das Leben seiner Ange<lb break="no"/>stellten zu retten. Am Abend beim Empfang der Bundesregierung für<lb/>
den IHK-Kongress erschien er auch nicht im Smoking und ich hänselte<lb/>
ihn sogar zuerst, indem ich erklärte, ja Du bist also jetzt auch auf<lb/>
meine Linie eingeschwenkt. Er selbst erklärte mir allerdings, dass<lb/>
solange diese Angelegenheit nicht erledigt ist, er in keinem feierlichen<lb/>
Anzug mehr erscheinen wird. Er verabschiedete sich auch verhältnismässig<lb/>
sehr bald, um – wie er sagte – sich ins Büro zurückzubegeben, um gegebene<lb/>
falls neue Weisungen an den Botschafter resp. Generalkonsul zu erlas<lb break="no"/>sen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_08">Durch diesen ao. MR konnte ich ein Interview mit dem Kleinen Blatt<lb/>
das Frau Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__137061">Gibs</rs> und ein Kollege von ihr mit mir führte,<lb/>
auf eine minimale Zeit zusammendrücken. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hatte allerdings dieses<lb/>
Interview nicht nur sicherlich sehr hervorragend vorbereitet, sondern<lb/>
auch noch und dies erschien mir als viel wichtiger, sie vorher durch<lb/>
die lange Wartezeit mit entsprechenden Detailinformationen und Stories<lb/>
versorgt. Von dem ganzen Interview blieb mir nur eine Frage wirklich<lb/>
im Gedächtnis: Ob ich mir wirklich erträumt hätte, Handelsminister<lb/>
zu werden und ob ich eine solche Stellung angestrebt hatte. Ich weiss<lb/>
nicht, wie letzten Endes dieses Interview geschrieben wird und wie es<lb/>
ankommt, eines weiss ich, ich konnte mit vollkommener Offenheit erklä<lb break="no"/>ren, dass ich dies erstens nie angestrebt habe und zweitens überhaupt<lb/>
nicht verstehen kann, wie jemand einen so nervenaufreibenden Job wie<lb/>
ein Ministerposten anstreben. Vielleicht habe ich aber zu wenig Ehr<lb break="no"/>geiz, um ein solches Verhalten zu verstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_09">Direktor <rs type="person" ref="#per__137064">Teuschler</rs> von der Druckerei Styria, wo auch die<lb/>
Kleine Zeitung hergestellt wird, hatte eine Konzessionsange<lb break="no"/>legenheit. Die steirische Landesregierung hat ihm verboten,<lb/>
dass er sich eigene Druckstücke für den Buchdruck und für den<lb/>
Zeitungsdruck damit herstellt. Die Kleine Zeitung wird vom<lb/>
Katholischen Press-Verein herausgegeben, dem auch die Druckerei<lb/>
Styria mit 1.100 Beschäftigten gehört. § 5 des Kundmachungspaten<lb break="no"/>tes, wonach die Herausgabe von periodischen Druckschriften<lb/>
durch den Herausgeber der Gewerbeordnung unterliegt, trifft hier<lb/>
nicht zu, weil der Konzessionsträger die Universitätsbücherei<lb/>
Styria ist und nicht wie der Herausgeber eben der Press-Verein.<lb/>
Die Besitzverhältnisse spielen hier keine Rolle. Trotzdem ist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> der Meinung, dass wir ihm einen Brief schreiben können,<lb/>
dass auf Grund der Gewerbeordnung § 37 er das Recht hat, für<lb/>
sich selbst, d.h. nicht für Lohnaufträge Druckstöcke herzu<lb break="no"/>stellen, auch denn wenn scheinbar drei Klischeeanstalten in Graz<lb/>
hier als Konkurrenten aufgetreten sind und eben die steirische<lb/>
Landesregierung deshalb eine Konzession verweigert hat. <rs type="person" ref="#per__137064">Teuschler</rs><lb/>
war nicht nur begeistert, dass er so schnell bei mir vorgesprochen<lb/>
hat, sondern auch dass er auf so unbürokratische Weise sein An<lb break="no"/>suchen erledigt wurde. Wenn wir nicht schon mehrere solcher Wün<lb break="no"/>sche in genau derselben Art erledigt hätten, könnte jemand auf die<lb/>
Idee kommen, wir haben hier nur, um die Kleine Zeitung in Graz sehr<lb/>
wirksam für uns einzunehmen, so entschieden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_10">Die Wählerversammlung, wo <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> und dann der Bundespräsident und<lb/>
ich sprachen auf der Landstrasse, war ein einmaliger Erfolg. Ich<lb/>
konnte zwar nur einleitend reden, da ich dann zum Internationalen<lb/>
Handelskammerkongress fahren musste, aber ich war sehr erstaunt,<lb/>
dass so viele Zuhörer kamen. Der Saal war bei meinem Erscheinen<lb/>
bereits bummvoll und im Garten sassen hunderte von Menschen. Als<lb/>
ich nach meinen Ausführungen das Lokal verliess, bemerkte ich<lb/>
noch, dass der Hof vorne ebenfalls bummvoll war und Leute gar<lb/>
nicht mehr in den Garten hineingingen sondern den Bundespräsidenten<lb/>
bei der Einfahrt schon erwarteten. Ich habe noch niemals eine<lb/>
solche Veranstaltung auf der Landstrasse erlebt. Sicherlich darf<lb/>
man Versammlungen nicht überschätzen, die bisherigen Besuche in<lb/>
den Bundesländern haben auch dort die örtlichen Verantwortlichen<lb/>
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verzeichnet haben. Ich bin wirklich gespannt, wie die Wahlen am<lb/>
Sonntag ausgehen werden. Nach der Versammlungstour, und ich<lb/>
war in fast allen Bundesländern, müsste es ein guter Erfolg werden.<lb/>
Versammlungen können allerdings sehr täuschen. Die Prognosen, die<lb/>
allerdings nicht durch Meinungsumfragen bestätigt sind, ergeben<lb/>
von einem knappen Sieg <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs>' bis zu einem überwältigenden Sieg.<lb/>
Denn wenn <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> um 55 % der Stimmen erhält, die manche Genossen,<lb/>
insbesondere in den Ländern draussen prophezeien, würde dies einem<lb/>
Erdrutsch gleichkommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_11">Beim Empfang von Schönbrunn, wo man tausend Hände drücken musste,<lb/>
konnte ich feststellen, dass auch einige Delegierten die Gelegenheit<lb/>
nützten, um nur mit schwarzem Anzug zu kommen. Wir lockern also selbst<lb/>
in diesem Kreis das Protokoll schön langsam auf. Bei der Begrüssung<lb/>
gibt es zwei extreme Typen, die einen, die einem nicht einmal anschauen,<lb/>
sei es aus Minderwertigkeitskomplex oder weil sie so schnell wie<lb/>
möglich zum Buffet kommen wollen und die anderen, wie die Amerikanerinnen,<lb/>
die ihren vollen Namen und ihren Wohnort sagen. Ich hatte Gelegenheit,<lb/>
mit dem Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs>, der ansonsten sehr verlassen herumgestanden<lb/>
wäre, mich an einem Tisch zu setzen. Dadurch kam auch Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs><lb/>
mit seiner Frau und ersuchte, ob der Nachfolger von <rs type="person" ref="#per__137065">Abs</rs>, Herr <rs type="person" ref="#per__137067">Ulrich</rs>,<lb/>
an unserem Tisch Platz nehmen dürfte. Ich war darüber sehr erfreut,<lb/>
weil ich eine doch zuerst sehr interessante Diskussion mit ihm über<lb/>
die Weinbauprobleme ergab. <rs type="person" ref="#per__137067">Ulrich</rs> war am Vortag beim Heurigen und<lb/>
natürlich sehr angetan von dieser Einrichtung. Da er gleichzeitig<lb/>
im MAN-Aufsichtsrat sitzt, erzählte er auch von seinen Erfahrungen<lb/>
mit den Russen. MAN hätte sich deshalb von dem grossen LKW-Projekt<lb/>
das jetzt in der Nähe Moskaus errichtet werden soll, zurückgezogen,<lb/>
weil die Sowjetunion es sich hier zu einfach <choice><choice><sic>machet</sic><corr>mache? macht?</corr></choice></choice>. Sie will ein<lb/>
zehnmal so grosses Werk bauen wie die grösste LKW-Fabrik in Westeuropa<lb/>
ist. Sie glaubt, dies am besten dadurch erreichen zu können, dass<lb/>
sie einfach alles mit 10 multipliziert. <rs type="person" ref="#per__137067">Ulrich</rs> glaubt, dass die<lb/>
Unterdrückung des Individuum in der Sowjetunion, die wir uns nach<lb/>
seiner Meinung gar nicht vorstellen können – eine Ahnung hat dieser<lb/>
Mann – der Hauptgrund für das Versagen solcher Projekte in der SU wären.<lb/>
Ich vertrat meine Theorie, dass die SU ganz hervorragende technische<lb/>
Leistungen, wie z.B. die Raumfahrt, vollbringt und vollbringen kann,<lb/>
weil es eben punktuelle Einsätze macht. Natürlich wäre ein Anreiz,<lb/>
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auch in der SU von grösster Bedeutung, um die Effektivität des Arbeits<lb break="no"/>einsatzes zu fördern. Auf die wirtschaftliche Lage in der BRD angesprochen,<lb/>
erklärte <rs type="person" ref="#per__137067">Ulrich</rs>, dass er im heurigen Jahr eine riesige Mengenkonjunktur<lb/>
erwartet, dass aber die Unternehmungen äusserst knapp kalkulieren müssen,<lb/>
und durch die Kostensteigerungen insbesondere die Lohnerhöhungen keine<lb/>
wirklichen Reserven anlegen können. Mein Hinweis, dass z.B. Volkswagenwerk<lb/>
noch immer 18,5 % Dividende ausschüttet, wurde dahingehend beantwortet,<lb/>
dass es sich hier noch um Erträgnisse des Jahres 1970 handeln wird. 1971<lb/>
bereits im ersten Quartal muss festgestellt werden, dass die Gewinne<lb/>
rapid zurückgehen und stille Reserven überhaupt nicht mehr angelegt werden<lb/>
können. Die Chemische Industrie, er erwähnte Bayer – <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit dem ich<lb/>
nachher sprach, erklärte auch bei BASF ist es nicht anders – hat in dem<lb/>
ersten Quartal überhaupt keine Reservezuführung mehr machen können.<lb/>
Bayer hätte z.B. im Vorjahr 140 Mill. DM Rücklagen zugeführt und heuer<lb/>
wird es nicht einmal 1 Mill. DM werden. Für Deutschland sagte ich, wird<lb/>
in Hinkunft ebenfalls gelten, dass man bei jedem Stück draufzahlt, es<lb/>
nur der Umsatz es macht und dass am Sonntag gesperrt ist, dass man sich<lb/>
da von seinem Defizit erholen kann. <rs type="person" ref="#per__137067">Ulrich</rs> war über die – wie er sich<lb/>
ausdrückte – charmante Art von Problemdiskussion in Österreich sehr be<lb break="no"/>geistert. Auf die Währungspolitik angesprochen, erklärte er, dass auf<lb/>
dieser wirtschaftlichen Lage weder die Deutsche Bundesbank noch die<lb/>
Wirtschaft aber auch nicht die Bundesregierung daran dächten die DM aufzu<lb break="no"/>werten.<lb/>
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Mensch wahrscheinlich überhaupt nicht sein, weil er auf der einen Seite<lb/>
zwar auf dem Standpunkt steht, dass er <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> gerne alles machen liesse<lb/>
und er <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> nur nichts bis zu einem guten Ende führen kann, auf der<lb/>
andere Seite aber <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> vorwirft, dass dieser <rs type="person" ref="#per__98105">Wondrack</rs> nicht selbständig<lb/>
arbeiten lässt. In Wirklichkeit erklärte ich ihm, ohne mich besonders<lb/>
natürlich mit diesem Problem auseinandergesetzt zu haben, dass es ein<lb/>
jeder Staatssekretär bei jedem Minister glaube ich sehr schwer hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
widersprach dem selbstverständlich und meinte, ein jeder Minister könnte<lb/>
sehr gut einen Staatssekretär gebrauchen. Unsere Erfahrung zweigen aber<lb/>
genau das Gegenteil. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> ist immer besorgt, dass ich obwohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> bei Pressebesprechungen niemals ein gutes Haar an mir lässt,<lb/>
dass ich mich zu viel <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> einsetze. Er meint, ich sollte den Regen<lb break="no"/>schirm zuklappen und es halt auf ihn herabregnen lassen. Ich versuche<lb/>
nur, dieses Problem soweit ich es natürlich imstande bin, objektiv zu<lb/>
erfassen. und glaube, dass in beiden Fällen die Schuld nicht nur allein<lb/>
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erscheint es mir, die entsprechenden Ministerbüros tatsächlich mit<lb/>
einem Team von Genossen zu besetzen, die sich womöglich schon jahrelang<lb/>
vorher in ihrer Arbeit und in ihrer Arbeitsweise gegenseitig abgeschlif<lb break="no"/>fen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-04-21_13">Mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> besprach ich die Veröffentlichung im Express und erklärte<lb/>
ihm, dass wir jetzt eine Pressekonferenz für Anfang der nächsten Woche<lb/>
eingeladen haben, da wir ja – wie er sich ausdrückte – ein gemeinsames<lb/>
Vorgehen nicht mehr in Frage kommt und wir deshalb eine endgültige<lb/>
Präsentation dieses Gewerbeordnungs-Entwurf vornehmen müssen. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit werde ich die gesamte Arbeitsgruppe <rs type="person" ref="#per__97502">Habel</rs>-<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>-<rs type="person" ref="#per__137068">Mache</rs><lb/>
und deren Mitarbeiter vor der Presse präsentieren und sie vorstellen,<lb/>
ich werde bei dieser Gelegenheit auch besonders darauf hinweisen, dass<lb/>
ich eigentlich nur die Weichen stellen musste, aber kaum nachlegen musste<lb/>
der Zug ist mit Volldampf in diese Richtung gefahren, weil eben die<lb/>
Leute selbst das Bedürfnis gehabt haben und die Überzeugung gehabt haben,<lb/>
dass die jetzt vorgelegt Gewerbeordnung auch den Interessen der Wirt<lb break="no"/>schaft am besten entspricht.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 21.4.1971</head>
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               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName type="label">Teuschler, Willi</persName>
               <persName><surname>Teuschler</surname><forename>Willi</forename></persName>
               <occupation>Druckerei Styria</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Veselsky, Ernst Eugen</persName>
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               <persName type="label">Gruber, Karl (Außenminister)</persName>
               <persName><surname>Gruber</surname><forename>Karl
                  (Außenminister)</forename></persName>
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               <persName type="label">Senger, Fritz</persName>
               <persName><surname>Senger</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>GD Fa. Progress-Werbung</occupation>
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               <persName type="label">Abs, A</persName>
               <persName><surname>Abs</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Wirtschaftstreibender? Vorgänger von Ulrich, Empfang Schönbrunn
                  1971</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Treichl, Heinrich</persName>
               <persName><surname>Treichl</surname><forename>Heinrich</forename></persName>
               <occupation>Bankier</occupation>
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               <persName type="label">Mache, A</persName>
               <persName><surname>Mache</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM? Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">König, Franz</persName>
               <persName><surname>König</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Kardinal</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
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               <persName><surname>Habel</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Allgäuer, A</persName>
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               <persName type="label">Langer-Hansel, Harald</persName>
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               <occupation>Wirtschaftstreibender? Nachfolger von Abs, Empfang Schönbrunn
                  1971</occupation>
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