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            <title type="main">Samstag, der 20. März 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band05_1971-03-20</idno>
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            <date when="1971-03-20">Samstag, 20. März 1971</date>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-20_01">Samstag, den 20. März 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-20_02">Die Bezirkskonferenz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes<lb/>
in Gänserndorf zeigte mir wieder deutlich, daß es zielführend<lb/>
ist, alle Fraktionen des ÖGB vereint zu haben. Es ergibt sich<lb/>
dadurch natürlich eine lebhafte Diskussion und es ist, so wie<lb/>
zum Beispiel im Ölgebiet sehr hart zwischen den Kommunisten und<lb/>
Linkssozialisten, der ÖVP diskutiert worden. Ich selbst bin sehr<lb/>
gut weggekommen, weil ich mich wirklich nicht wie in einer Wahl<lb break="no"/>versammlung benehme, im Gegenteil objektiv versuche zu berichten.<lb/>
In Gewerkschaften wird überhaupt wesentlich mehr Sachdiskussion<lb/>
und mehr Sacharbeit geleistet. Dies konnte ich auch bei der<lb/>
Lohnschlächterkonferenz in der Albertgasse feststellen. Da<lb/>
ich in meinem Referat auf die Viehsituation und insbesondere<lb/>
auf die Marktbeschickung von St. Marx sehr eingehend einge<lb break="no"/>gangen bin, entwickelte sich daran eine lebhafte Diskussion.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit mußte ich feststellen, wenn die Mit<lb break="no"/>teilung des Diskussionsredners stimmt, daß die Kundenfälschungen<lb/>
mit Exportbestätigung, d.h. auch mit entsprechenden Stempeln<lb/>
auf dem Fleisch durchgeführt wurden. So soll aus Mistelbach<lb/>
Fleisch exportiert werden, das mit Wiener Zertifikaten ver<lb break="no"/>sehen wurde. Angeblich soll dies auf Weisung des Landwirtschafts<lb break="no"/>ministeriums geschehen sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-20_03">Anmerkung für Dr. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>:<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-20_04">Bitte <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> verständigen und sofort überprüfen<lb/>
lassen. Der ÖVP-Sekretär in der Gewerkschaft, <rs type="person" ref="#per__136836">Robert Bauer</rs>,<lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__126918">Hans Zöchling</rs>, der Sekretär der Fleischergruppe,<lb/>
wissen mehr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-20_05">Parteiveranstaltungen am Nachmittag in Niederösterreich haben<lb/>
verschiedenes Niveau. Ich habe mich selbstverständlich sofort<lb/>
den Gegebenheiten angepaßt. Der Besuch ist sehr mäßig, was<lb/>
mich eigentlich weniger stört, da es ja wirklich kleine Ort<lb break="no"/>schaften sind, wo man eingesetzt wird. Rührig ist nur immer<lb/>
wie sich die Lokalfunktionäre dafür entschuldigen. Meistens<lb/>
wird ein Mädchen mit Blumen zum Empfang geschickt. Zum Glück<lb/>
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Stofftiere sind ja prompt nicht in meinem Auto. Außerdem<lb/>
glaube ich kaum, daß man die als Gegenleistung geben kann.<lb/>
Meine Frau, die sich einbildet die Wahlreisen mitzumachen,<lb/>
ich bin darüber sehr erfreut, hat auch ihre Schokolade<lb break="no"/>packung, die sie verteilen wollte, prompt vergessen. In<lb/>
Klosterneuburg waren abends dann doch einige ÖVP-Funktionäre<lb/>
bei der Versammlung. Ein Universitätsdozent, der angeblich<lb/>
ein Querulant innerhalb der ÖVP auch ist, beschwerte sich,<lb/>
daß ich nur einige Minuten über Klosterneuburg selbst ge<lb break="no"/>redet habe. Er meinte, wenn ein Bundesminister kommt, dann<lb/>
hätte er Klosterneuburger-Probleme zu behandeln. Ein<lb/>
zweiter Diskussionsredner wollte unbedingt die Wien–Nieder<lb break="no"/>österreich-Strukturprobleme besprochen haben. Ich konnte<lb/>
in der Antwort feststellen, daß es ja nicht die Sozialisten<lb/>
waren die Klosterneuburg von Wien getrennt haben. Wäre<lb/>
Klosterneuburg noch bei Wien, gäbe es keine Verkehrs- und<lb/>
Strukturprobleme zwischen den beiden Städten. Der Hinweis<lb/>
des Universitätsdozenten, daß Klosterneuburg keine reiche<lb/>
Stadt ist, konnte ich dadurch begegnen, daß ich bevor ich<lb/>
die Versammlung besuchte, die Babenberger-Halle der Stadt<lb/>
besichtigte, dort hatten die Zeugen Jehovas eine internationale<lb/>
Veranstaltung und die war bummvoll mit jungen aktiven Leuten.<lb/>
Dies erwähnte ich natürlich nicht, sondern sagte nur, daß<lb/>
eine Stadt, die sich eine solche Halle leisten konnte, als<lb/>
reich bezeichnet werden muß. Ich hatte damit ins Schwarze<lb/>
getroffen, denn ich ÖVP hatte diese Halle durchgesetzt und<lb/>
war damit angeblich in ein riesiges Defizit geschlittert.<lb/>
Ansonsten erwiderte ich, daß wenn ein Minister sich mit<lb/>
Detailproblemen einer Stadt beschäftigen müßte und sollte,<lb/>
dann wäre doch die Voraussetzung daß <choice><choice><sic>es</sic><corr>er</corr></choice></choice> sich zu<lb break="no"/>erst wahrscheinlich stundenlang mit den Problemen eingehend<lb/>
beschäftigen müßte. Dies kann doch aber von einem Bundes<lb break="no"/>minister nicht verlangt werden. Wenn er ohne diese gewissen<lb break="no"/>hafte Vorbereitung aber nur ein blah blah über die Beziehungen<lb/>
oder die Probleme einer Stadt macht, dann könnte man ihm<lb/>
mit Recht vorwerfen, er hat unverantwortlich sich überhaupt<lb/>
nicht auf die konkreten Fragen vorbereitet.<lb/>
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               <occupation>[ÖVP-Sekretär in der Gewerkschaft - ÖGB oder LUGA?; 1972 als Sekr. Gruppe
                  der Fleischer genannt und dass er nun Dir.sekr. bei der Sozialversicherung sei;
                  offenbar Bruder des Wr. ÖVP-Obmanns Franz Bauer]</occupation>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <occupation>LUGA, Sekr. Fleischindustrie [Vorname 1971 genannt]</occupation>
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