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            <title type="main">Montag, der  8. März 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_01">Montag, 8. März 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_02">Gen.Direktor Dr. <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs> entscheidet sich eindeutig für das<lb/>
Acrylfaser-Projekt der Lenzinger. Seiner Meinung hat die Stickstoff<lb break="no"/>werke nur eine Chance die <choice><choice><sic>monumäre Produktion</sic><corr>Monomer-Produktion?</corr></choice></choice> aufzunehmen und<lb/>
die Lenzinger könnte durch einen Rahmenvertrag verpflichtet werden,<lb/>
<choice><choice><sic>Monumäre</sic><corr>Monomere</corr></choice></choice> von den Stickstoffwerken zu übernehmen. Diese Lösung hatte<lb/>
ich ebenfalls vorgeschlagen, doch hat <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> dies abgelehnt, weil<lb/>
er auf dem Standpunkt steht, dass darin keine gewinnbringende Pro<lb break="no"/>duktion aufzubauen ist. <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs> sagt, für die Acrylfaserproduktion<lb/>
von 24.000 t, wie sie <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> in Linz beabsichtigt, gibt es weder eine<lb/>
Marktforschung noch seinen die Preise für das Jahr 1975 bis 1980 auch<lb/>
nur annähernd festzusetzen. Eine Rentabilitätsrechnung, die er der<lb/>
ÖIAG vorgelegt hat, sei nicht glaubhaft. Die zwischen <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> geführten Besprechungen über eine 25 %-ige Beteiligung<lb/>
von den Stickstoffwerken an Lenzing in einem Syndikatsvertrag wurden<lb/>
seinerzeit von <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> nicht als vertraulich behandelt. Er hat dieses<lb/>
Ergebnis in seinem Aufsichtsrat besprochen und nachher eine Briefbe<lb break="no"/>stätigung an den Vorstand der Länderbank geschickt. Übrigens wurde dann<lb/>
noch eine Presseverlautbarung ebenfalls herausgegeben, womit er als<lb/>
Partner unmöglich ist. <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs> sagte, man macht Geschäfte, aber<lb/>
man spricht nicht davon bevor sie beschlussreif sind. Die finanziellen<lb/>
Mittel 1,4 Milliarden Schilling kann deshalb <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> von niemandem<lb/>
bekommen. Die Idee, dass vielleicht die Girozentrale eine solche<lb/>
Finanzierung vornehmen würde, ist meiner Meinung nach nicht ziel<lb break="no"/>führend, da <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs> andeutete, er müsste in diesem Fall auf<lb/>
alle Fälle von den anderen Banken kontraktiert werden. Ein wirklich<lb/>
finanzielles Bild über die Stickstoffwerke kann ich mir allerdings –<lb/>
derzeit noch nicht machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_03">Mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> besprach ich die zu erwartende Auseinandersetzung über die<lb/>
Steuerfreiheit für Überstunden. Die nun zu erwartende Regelung, dass<lb/>
die ÖVP und die FPÖ gemeinsam beschliessen, dass die Überstundenzu<lb break="no"/>schläge ohne irgendeine Einschränkung, sei es betragsmässig oder<lb/>
sei es, dass sie an gewisse Verträge gebunden sind, steuerfrei sind,<lb/>
bedeutet, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> die Bestimmung über die Gestaltungsmöglichkeit<lb/>
der Steuern zur Anwendung bringen muss und wird. Dies bedeutet für<lb/>
die Unternehmer eine sehr starke Mehrbelastung, weil sie die ent<lb break="no"/>sprechenden Aufzeichnungen exakter und detaillierter führen müssen.<lb/>
als bisher. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst meint, er könnte sich aber jetzt nicht mehr<lb/>
<pb n="05-0302" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-03-08_0302.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für eine Beschränkung irgendwelcher Art einsetzen, da die<lb/>
Kampagne, die der ÖGB in dem Fall <rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> im Parlament<lb/>
gestartet haben, dazu führte, dass die ÖVP und die FPÖ nicht<lb/>
mehr bereit ist, irgendwelche vernünftige Beschränkungen zu akzep<lb break="no"/>tieren. Nach Auffassung von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> seien in den letzten Monaten sehr<lb/>
starke Änderungen in der Überstundenzuschlagsregelungen und vor<lb/>
allem einmal eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit erfolgt, sodass<lb/>
sich dadurch eine Verschlechterung für einzelne Arbeitnehmer ergeben<lb/>
hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_04">Betreffend das AUA-Lokal in New York wird <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mit <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> sprechen.<lb/>
Die Bundeskammer steht auf dem Standpunkt, dass ein Österreich-Haus<lb/>
sehr zielführend wäre, dieses Lokal aber zu klein ist und deshalb<lb/>
auf gar keinen Fall gemietet oder gekauft werden sollte. Dann erschien<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>. Er bedankte sich dann ganz besonders für die Auszeich<lb break="no"/>nung von Köchert und Hantak, was für mich der Beweis ist, dass auch<lb/>
dort die Auszeichnungen eine ganz grosse Rolle spielen. Ausserdem<lb/>
haben sie im Präsidium Vormittag eine Diskussion gehabt, ob die<lb/>
Auszeichnung nach § 58 Gew.O, wonach Firmen das Staatswappen führen<lb/>
dürfen, auch z.B. für Häusermakler gegeben wird. Die Bundeskammer<lb/>
glaubt eher nein, meint aber, dass wir die Bestimmungen verschärfen<lb/>
müssen. Ich wies darauf hin, dass in dem Arbeitsausschuss, der sich<lb/>
im Konsumentenbeirat mit dieser Frage beschäftigt, festgelegt wurde,<lb/>
dass die Auszeichnung nicht auf die Waren des Unternehmens gedruckt<lb/>
werden darf. Als Beispiel erzählte mir <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, hätten sie im<lb/>
Präsidium damit argumentiert, dass z.B. der VP <rs type="person" ref="#per__136642">Förster</rs>, ein Kunst<lb break="no"/>gegenstände- und Luxuswarenverkäufer, auf seine Schachteln die Aus<lb break="no"/>zeichnung aufdruckt. Ich erwiderte, dass derzeit der Arbeitsaus<lb break="no"/>schuss auf dem Standpunkt steht, den ich teile, dass jedwede Propa<lb break="no"/>ganda mit dem Staatswappen auf einer Ware verboten sein müsste.<lb/>
Die Schaustellung des Wappens aber im Schaufenster ist selbstver<lb break="no"/>ständlich erlaubt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_05">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> von den Böhler-Werken hatte ehe Frage bezüglich<lb/>
der DDR-Geschäfte. Böhler fährt seit 15 Jahren auf die Leipziger Messe<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> selbst hat auch ein goldenes Abzeichne als Auszeichnung<lb/>
dafür erhalten. <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs>, der Aussenhandelsminister, hat nun einige<lb/>
Male schon mit ihm versucht, das Gespräch dahingehend zu lenken,<lb/>
ob nicht die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und Öster<lb break="no"/>reich auf eine andere Basis gestellt werden könnten. Da Böhler 4 Mio. $<lb/>
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interessiert, eine Ausweitung der DDR-Geschäfte auf anderen<lb/>
Sektoren zu erreichen. Ich setzte <rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> auseinander, dass in<lb/>
der jetzigen Phase eine solche auch nur halblegale Anerkennung der<lb/>
DDR aus aussenpolitischen Gründen nicht in Frage kommt. Ein Rück<lb break="no"/>schlag bei den EWG-Verhandlungen würde dann von unseren politischen<lb/>
Gegnern sofort dahingehend ausgelegt werden, dass eben die BRD jetzt<lb/>
uns bezüglich der Anerkennung der DDR die Antwortnote in Brüssel ge<lb break="no"/>geben hat. <rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> wollte dann vor allem auch die Einstellung von<lb/>
mir bezüglich der Treibacher Werke wissen. Treibacher erzeugt aus<lb/>
Erzen Ferrolegierungen, die für die Böhler und Schoeller-Bleckmann<lb/>
von grösster Bedeutung sind. Unter anderen hat Böhler und auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller-Bleckmann</rs> in der Grössenordnung von 200 Mill. S Erze von<lb/>
Treibach bezogen. Es handelt sich dabei um Vanadium, Wolframerze und<lb/>
Molybdän. Zum Vergleich sagte er mir, hätte Böhler nur mit der Alpine<lb/>
einen Umsatz von ca. 100 Mill. S. Die amerikanische Firma <choice><choice><sic>Klimax</sic><corr>Climax?</corr></choice></choice><lb/>
und nicht wie ich immer angenommen habe AMAX bemüht sich nun bekannt<lb break="no"/>licherweise, das <choice><choice><sic>Degusa-Paket</sic><corr>Degussa-Paktet?</corr></choice></choice> mit 33 % Nominale um 85 Mill. S von<lb/>
der ÖCI zu erwerben. Nach Mitteilung des Herrn <rs type="person" ref="#per__136643">Saiko</rs> von der Treibacher<lb/>
befindet sich dieses Paket aber nicht – wie die ÖCI mir mitteilte –<lb/>
in der Schweiz sondern bei der CA. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> selbst bezeichnet die 85 Mio. S<lb/>
für diesen Anteil als Liebhaberpreis. Böhler möchte nun gemeinsam<lb/>
mit Schoeller-Bleckmann diesen Teil erwerben und letzten Endes auch<lb/>
von der ÖCI die 51 % von den Treibachern übernehmen. Ich erklärte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> sofort, dass es für mich immer darauf ankommt, was die<lb/>
übernehmenden Gesellschaften bereit sind für das Werk zu tun.<lb/>
<choice><choice><sic>Klimax</sic><corr>Climax?</corr></choice></choice> selbst will eine ganz grosse Investition starten. Die verstaat<lb break="no"/>lichte Industrie hat glaube ich nicht einmal das Geld, um die Aktien<lb break="no"/>pakete abzulösen. Das Werk von Böhler hat in Düsseldorf mit 3.500<lb/>
Beschäftigten und einem Umsatz von 1,7 Milliarden im Jahre 1969 nur<lb/>
18 Mill. S Dividenden gebracht und wird 1970 aber wahrscheinlich auch<lb/>
1971 überhaupt keinen Gewinn machen. Angeblich hat man Böhler dafür<lb/>
800 Mill. S geboten. <rs type="person" ref="#per__113065">Mikesch</rs> meint allerdings, dass es unvorstellbar<lb/>
wäre, einen Verkauf von verstaatlichten Unternehmungen zuzustimmen.<lb/>
Die Aufstockung vom Grundkapital über den Bund ist aber deshalb<lb/>
so unbefriedigend, weil wir nur immer das Nominelle zuwächst. d.h.<lb/>
wird der Bund das Kapital um 100 Mill. aufstocken, so bekommt Böhler<lb/>
de facto nur 100 Mill., Wenn dagegen Böhler in irgendeiner Weise<lb/>
Aktien ausgeben kann an Private, dann kann er sie mit einem<lb/>
Agio von 400 % verkaufen und erhält 400 Mill. für 100 Mill. Nominal<lb break="no"/>kapitalaufstockung. Böhler selbst wird in den nächsten Jahren sehr<lb/>
<pb n="05-0304" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band05/05_1971-03-08_0304.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stark Investitionen vornehmen müssen, pro Jahr wird ca. mit 288 Mill.<lb/>
1971 und in weiteren Jahren mit 300 Mill. S gerechnet. Die Abschreibung<lb/>
aber erbringt nur 140 Mill. S. Böhler selbst hat sich sehr stark jetzt<lb/>
dezentralisiert, in Kapfenberg sind 8.000 Beschäftigte mit einem<lb/>
Durchschnittslohn von 25 Schilling, in Waidhofen sind 1.800 Beschäf<lb break="no"/>tigte mit einem Durchschnittslohn von 23.50 S, in St. Ägyd sind<lb/>
800 Beschäftigte mit einem Durchschnittslohn von 24.– S und Hofherr-<lb/>
Schrantz-Trauzl in Wien hat derzeit ca. 400 Beschäftigte mit einem<lb/>
Durchschnittssohn von 26.– S. Bei Hofherr müssten aber jetzt 26. Mill.<lb/>
investiert werden. Die Verluste von diesem Betrieb haben 90 Mill. S<lb/>
den Böhlerwerken bis jetzt gekostet und die Bundessubvention von<lb/>
300 Mill. S ist für die Jahre 1965 bis 1970 ebenfalls aufgebraucht.<lb/>
Insgesamt macht Böhler heuer incl. Düsseldorf einen Umsatz von 5 Mia. S<lb/>
und ist mit 55 % bereits in der Finalfertigung. Treibach wird als<lb/>
gesunder Betrieb betrachtet und ich glaube nicht, dass dort grössere<lb/>
Investitionen von Böhler und Schoeller-Bleckmann getätigt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band05_1971-03-08_06">Die Ministerratsvorbesprechung bestätigte mir neuerdings, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
über die Österreichischen Stickstoffwerke verärgert ist, Angeblich<lb/>
führt <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> eine hinhaltende Verhandlung mit der Gründung der Toch<lb break="no"/>tergesellschaft. ÖSW und ÖMV sollten ja eine gemeinsam Petrochemie<lb/>
errichten. Am 26.7. soll der 25-jährige Bestand der verstaatlichten<lb/>
Industrie gefeiert werden, wofür die ÖIAG 3 Mill. S aufwenden wird.<lb/>
Da der Zeitpunkt sehr ungünstig ist, wird dieser Jahrestag auf<lb/>
Mitte September verschoben. Für die Raumordnungskonferenz will<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht den Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__107953">Buchauer</rs> machen, den <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs><lb/>
vorgeschlagen hat, sondern einen hohen Beamten aus der Sektion IV<lb/>
weil nur so die Gewähr gegeben ist, dass dieser mit den Landeshaupt<lb break="no"/>leuten entsprechend verhandeln und reden kann. Betreffend das UNIDO-<lb/>
Gebäude hat nun auch <rs type="person" ref="#per__136646">Rainer</rs> der Bundesregierung bestätigt, dass nach<lb/>
Ablehnung des englischen Projektes durch die UNIDO nur mehr das<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97981">Staber</rs>-Projekt in Frage kommt. Die Personalvertretung verlangt im<lb/>
Personalvertretungsgesetz eine Änderung, wonach nicht mehr der<lb/>
Minister als die zentrale Stelle und damit gleichzeitig auch als<lb/>
Aufsichtsbehörde bei einem Streit mit der Personalvertretung<lb/>
allein entscheiden kann. Derzeit ist <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> auf dem Standpunkt,<lb/>
dass der zuständige Minister für die Ministerverantwortung allein<lb/>
zuständig sei. Der Vergleich der Personalvertretung mit dem Betriebs<lb break="no"/>räte-Gesetz, wonach die Aufsichtsbehörde die Arbeiterkammer ist,<lb/>
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der Betriebsratskassen und gegebenenfalls die Einhaltung der Ge<lb break="no"/>setze überwachen kann. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schwebt nun vor, dass ein Fünfer-<lb/>
Senat bestellt wird, der aus einem Vertreter der Gewerkschaft,<lb/>
einem Vertreter für jeweils das in Frage kommende Ressorts und<lb/>
drei Richtern bestehen soll, die hätten das Problem oder den Streit<lb break="no"/>fall zu besprechen und dann gegebenenfalls den Verwaltungsgerichts<lb break="no"/>hof anzurufen. Das Aussenamt hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nun über die Neutralitäts<lb break="no"/>reserve für Kohle einen Bericht erstattet. In der Schweiz beträgt<lb/>
nach Auffassung des Aussenamtes der Vorrat ca. 9 Monate des Bedarfes.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird mir nun diese Stellungnahme geben und erwartet, dass<lb/>
wir jetzt ein entsprechendes Versorgungsprojekt vorlegen werden.<lb/>
Ich habe gleichzeitig darauf hingewiesen, dass neben den Neutralitäts<lb break="no"/>untersuchungen und dem Geld, das die Aufrechterhaltung des Bergbaues<lb/>
kostet, auch von mir von den Vorständen verlangt wird, für den<lb/>
Tag X die Vorbereitungen zu treffen, wenn es zu einer Stillegung<lb/>
von einzelnen Gruben kommen sollte. Die Tätigkeit der Bundesregierung<lb/>
auf Grund der Anfragen der ÖVP wird nun so begonnen, dass mit<lb/>
15. März das Landesverteidigungsministerium beginnt und dann jeden<lb/>
zweiten Tag ein anderes Ministerium dem Parlament mitteilt, was es<lb/>
bis jetzt von der Regierungserklärung erfüllt oder in Angriff ge<lb break="no"/>nommen hat. Man wollte zuerst das Handelsministerium ziemlich am<lb/>
Anfang setzen, ich verlangte aber, dass wir ganz am Schluß, d.h.<lb/>
am 7. April erst drankommen, bis zu diesem Zeitpunkt möchte ich,<lb/>
dass bereits die Gewerbeordnung in die Begutachtung geschickt ist.<lb/>
Interessanterweise hat die ÖVP vergessen, den Bundeskanzler über<lb/>
seine Tätigkeit zu befragen. Es wird deshalb die SPÖ diese Anfrage<lb/>
stellen. Die Frühjahrssession soll so viel wie möglich Gesetzentwürfe<lb/>
eingebracht werden. Die ÖVP wird bemüht sein, sich nur mit dem Budget<lb/>
1972 zu beschäftigen, wir dagegen müssten doch in irgendeiner Weise<lb/>
dokumentieren, dass die Bundesregierung arbeitet, aber das Parlament<lb/>
noch sehr zurückhaltend arbeitet. Es wäre die Absicht zu erklären,<lb/>
dass die ÖVP eben im Parlament die Arbeit sabotiert. Nur so kann man<lb/>
gegebenenfalls auf der einen Seite die ÖVP mit Neuwahldrohungen<lb/>
schrecken und auf der anderen Seite aber vielleicht tatsächlich<lb/>
wenn die Arbeit unmöglich ist, die Auflösung des Nationalrates selbst<lb/>
erreichen. Da bei dem Wahlgesetz aber die § 14 u. 15 die Bestellung<lb/>
der Verbandswahlbehörden vergessen wurden, muss jetzt unverzüglich<lb/>
eine neue Novelle eingebracht werden. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> wollte damit zuwarten,<lb/>
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wird, fertig ist. Da die Wählerevidenznovelle aber nicht für die<lb/>
Wahl unmittelbar notwendig ist, beschlossen wird die Sanierung des<lb/>
Wahlgesetzes bereits morgen einzuleiten. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wollte die Bäderpreise,<lb/>
für Schönbrunn, Alte Donau, Graz und Wiener Neustadt, die dem Bund<lb/>
gehören, von 16.– auf 19.– S erhöhen. Er wird beauftragt zu versuchen,<lb/>
diese Bäder der Gemeinde Wien zu verpachten. Eine Tariferhöhung<lb/>
kommt nicht in Frage, da sowohl aus Versehen der Innenminister als<lb/>
auch das Bundeskanzleramt die Landesregierung gebeten haben, sich<lb/>
zurückzuhalten. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> wird 150 ständige Arbeiter für die Post<lb/>
aufnehmen, wenn er sie bekommt, bisher hat er 300 Saisonarbeiter pro<lb/>
Jahr gehabt.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 8.3.1971</head>
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               <occupation>VP BHK bis 1975, Luxuswaren-/Kunsthändler,
                  Staatswappenträger</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>HK, Syndikus Bundessektion Fremdenverkehr, ÖFVW</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>Architekt</occupation>
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               <occupation>Architekt</occupation>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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