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            <title type="main">Donnerstag, der  4. Februar 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_01">Donnerstag, 4. Feber 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_02">Im Unterausschuss des Handelsausschusses über das Kraftfahrgesetz<lb/>
konnte ich endlich die derzeitige Situation bei den Bleizusätzen<lb/>
für Benzin referieren und Unterlagen vorlegen. Dadurch hatte ich<lb/>
den Unterausschuss für dieses Problem interessiert und gleichzeitig<lb/>
ohne dass ich mit der ÖMV auch nur ein Wort geredet hatte, erreicht,<lb/>
dass der gesamte Unterausschuss die Versuchsanstalt der ÖMV besichti<lb break="no"/>gen wird. Ich glaube, dass damit eine Objektivierung dieses Problems<lb/>
erreicht wurde. Da nun die ÖVP eine meiner Meinung nach vollkommen<lb/>
unsachliche Kampagne gestartet hat, wird sie es schwer haben, ihre<lb/>
Leute, wenn sie die entsprechenden Unterlagen und Erkenntnisse<lb/>
gewonnen haben, dann noch auf diese Linie zu vergattern. Mit scheint<lb/>
dies der beste Weg zu sein, um auch sachliche Weise Behauptungen und<lb/>
Falschmeldungen der ÖVP zu dementieren. Wie allerdings dann die Frau<lb/>
Abgeordnete Dr. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> oder Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> von ihnen noch in Zukunft<lb/>
werden mit diesem Problem Kapital schlagen wollen als Umweltschützer,<lb/>
ist mir ein Rätsel. Die Verhandlungen über das Kraftfahrgesetz gehen<lb/>
nur sehr schleppend weiter. Ich kann mir nicht helfen, ich glaube,<lb/>
wir werden in kürzester Zeit eine Änderung unserer verfassungsrecht<lb break="no"/>lichen Bestimmungen erreichen müssen. Ich kann mir nicht erklären,<lb/>
wieso es jemals dazu gekommen ist, dass in Gesetzen z.B. Details<lb/>
über die Anordnung von Begrenzungslichtern und zwar der Zentimeter<lb break="no"/>abstand usw. festgestellt werden müssen, wenn nämlich in wirtschaftlichen<lb/>
aber auch in technischen Problemen eine solche genaue Fixierung in<lb/>
Gesetzen notwendig, dann muss der Gesetzgeber mit seinen Regelungen<lb/>
immer hinter der Wirklichkeit weit zurückbleiben. Hier müssten Ver<lb break="no"/>ordnungsermächtigungen vollkommen ausreichen und dem Minister die<lb/>
Möglichkeit geben, solche Detailbestimmungen dann mit der Verordnung<lb/>
zu erlassen. Der Obmann des Ausschusses – ÖVP-Abgeordneter Dr. <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> –<lb/>
erwiderte auf meine diesbezüglichen Bemerkungen, dass wirklich unabhän<lb break="no"/>gig jeder Parteirichtung die Regierung die ÖVP bei der ersten Er<lb break="no"/>stellung des Kraftfahrgesetzes eine solche Verordnungsermächtigung<lb/>
vorgesehen hat, dass aber damals <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> und andere Oppositionsange<lb break="no"/>hörige verlangt hätten, dass auf Grund der verfassungsrechtlichen<lb/>
Situation in Österreich alle diese Bestimmungen in die Gesetze aufge<lb break="no"/>nommen werden müssen. Ein Wahnsinn!!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_03">Direktor <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> von der Briko, einer der grössten Kohleimporteure<lb/>
wollte ein Arrangement für seine abgeschlossenen Verhandlungen zwischen<lb/>
Lieferung ungarischer Braunkohle an das Wärmekraftwerk-Fernheizwerk<lb/>
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dass für Braunkohle eine Umsatzausgleichsteuer von 6,25 % zu bezahlen<lb/>
ist. Nun wünscht das Kraftwerk Pinkafeld, dass die Braunkohle umsatzaus<lb break="no"/>gleichsteuerbefreit wird, d.h. sie müsste im VO-Weg vom Finanzministerium<lb/>
auf die Freiliste 1 gesetzt werden. Dies ist eine furchtbar langwierige<lb/>
Prozedur, da die Interessensvertretungen sowohl die AK als auch insbe<lb break="no"/>sondere der Fachverband der Braunkohleproduzenten, d.h. der Bergwerke,<lb/>
Geschäftsführer Dr. <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs>, ganz entschieden im Interesse des heimischen<lb/>
Braunkohlenbergbaues gegen eine solche Regelung ist. <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> glaubte<lb/>
nun, er könne sich erinnern, dass seinerzeit eine Bestimmung möglich<lb/>
war, wonach für die verstaatlichte Industrie alle Importe umsatzaus<lb break="no"/>gleichsteuerfrei durchgeführt werden. Ich hatte grosse Mühe, ihn mit<lb/>
Hilfe von etlichen Zeugen z.B. von der Kohleimport oder vom Finanz<lb break="no"/>ministerium davon zu überzeugen, dass es so etwas nie gegeben hat.<lb/>
Die einzige Möglichkeit besteht darin, ein bestimmtes Produkt so zu<lb/>
klassifizieren und die Verwendung so zu spezifizieren, dass es nur auf<lb/>
eine gewisse Produktionsfirma zugeschnitten ist. Z.B. kann man natürlich<lb/>
einen Brennstoff einführen und dafür verlangen, dass er nur zu Verwendung<lb/>
in Kupol-Ofen eingeführt werden darf, wenn er umsatzausgleichsteuerfrei<lb/>
sein soll. Dann kann natürlich niemand anderer diesen Brennstoff umsatz<lb break="no"/>ausgleichsteuerfrei einführen, wenn er nicht gleichzeitig die Verwendung<lb/>
im Kupol-Ofen nachweist. Als <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> bemerkte, welche Schwierigkeiten es<lb/>
auf diesem Wege gibt, so schlug er dann vor, er wird die Braunkohle,<lb/>
die in Wirklichkeit nicht braun sondern schwarz ist, als Glanzkohle<lb/>
deklarieren und damit automatisch in die Umsatzausgleichsteuerfreiheit<lb/>
fallen. Wenn er geschickt gewesen wäre, hätte er diese Lösung vor Beginn<lb/>
der Lieferungen bereits gemacht, dann hätte er wahrscheinlich wesentlich<lb/>
leichter sein Ziel erreicht als wenn er diesen Vorschlag und diese Lö<lb break="no"/>sung erst jetzt in Angriff nimmt, wo bereits die entsprechenden Liefe<lb break="no"/>rungen seit Wochen eingesetzt haben. Ich fragte <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> auch, welche<lb/>
Politik er in Zukunft bezüglich der Preisgestaltung von Koksimporten<lb/>
beabsichtige. Er teilte mir mit, dass die Importeure sich jetzt zusammen<lb break="no"/>gesetzt hätten und festgestellt haben, dass sie durch meine Taktik<lb/>
Verlautbarung der entsprechenden VÖEST-Preise – in wie er sich aus<lb break="no"/>drückte - ins Eck gestellt wurden. Sie hätten jetzt keine andere Chance<lb/>
als zuzuwarten und mit ihren Lieferfirmen, d.h. den ausländischen Gruben<lb/>
neue Verhandlungen zu beginnen. Er ist sich vollkommen klar, dass er<lb/>
um 50 $ keinen Koks mehr wird in Zukunft importieren können. Er hat<lb/>
<pb n="04-0145" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-04_0145.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>deshalb die Absicht, noch diese Woche nach Moskau zu reisen und eine<lb/>
entsprechende Revision seines Vertrages zu erreichen versuchen. Derzeit<lb/>
kann er aus dem Donez-Gebiet keine Koksimporte tätigen. Die anderen<lb/>
Importeure befinden sich in einer ähnlichen Situation. Er glaubt nun,<lb/>
dass es möglich sein wird, dass um 44 $ herum sich die Importe einpen<lb break="no"/>deln könnten, das einen Verbraucherpreis von unter S 2.- pro kg ergeben<lb/>
würde. Die VÖEST, die einen Antrag gestellt hat, Koks in Zukunft um<lb/>
45,90 $ im Inland zu produzieren, resp. gegebenenfalls wenn es nicht<lb/>
anders geht, zu exportieren, wird wahrscheinlich auch – wie er sich<lb/>
ausdrückt – einiges von diesem Wunschpreis nachlassen müssen. Ich<lb/>
schlug <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> vor, er sollte – nachdem er mit seinen Lieferanten ver<lb break="no"/>handelt hatte – unverzüglich mit den anderen Importeuren ein anderes<lb/>
Arrangement versuchen, das zielführend und zweckmässig ist, dann könnte<lb/>
er sich jederzeit an mich wenden und ich wäre bereit, eine entsprechende<lb/>
Regelung für das kommende Jahr anzustreben. Seiner Meinung nach werden<lb/>
die Kohlenhändler deshalb so schwer, d.h. die Letztverteiler, für ein<lb/>
neues Arrangement zu gewinnen sein, weil sie sich nämlich mit nicht nur<lb/>
teureren Kokssorten sondern vor allem aber mit Anthrazit-Eiern eingedeckt<lb/>
haben. Der normale Bedarf in Österreich ist maximal 40.000 t, es hat<lb/>
Jahre gegeben, wo man nicht einmal 15.000 verkaufen konnte, und derzeit<lb/>
haben die Kohlenhändler grosse Lager davon. In Wien allein schätzt er<lb/>
das Lager auf mindestens 60.000 t. Im Jahre 1970 wurden nämlich 220.000 t<lb/>
Anthrazit-Eier importiert und die müssen erst jetzt schön langsam ver<lb break="no"/>kauft werden. Er erinnert sich, dass eine ähnliche Situation vor ca.<lb/>
8 Jahren gewesen ist, wo dann die Händler 5 Jahre hindurch diese ver<lb break="no"/>teuerten grossen Mengen Anthrazit-Eiern erst schön langsam abverkaufen<lb/>
konnten. Bei dem Besuch <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmers</rs> entschuldigte ich mich auch, dass wir<lb/>
seine Uhr, die Kollegin <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> geglaubt hat, dass sie eine goldene<lb/>
ist, mit dem Brief zurückgeschickt haben. Er hat mir ja dann bekanntli<lb break="no"/>cherweise geantwortet, dass es sich hier um eine ganz billige Reklame<lb break="no"/>uhr handelt, die einen Wert von maximal 150 S darstellt. Ich erklärte<lb/>
ihm, wenn wir dies gewusst hätten, wäre diese Uhr natürlich so wie<lb/>
viele andere Geschenke <choice><choice><sic>und</sic><corr>in?</corr></choice></choice> <choice><choice><sic>unser</sic><corr>unsere</corr></choice></choice> Tombola einbezogen worden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_04">Der Verband der kaufmännischen Betriebe Österreichs, deren Präsident<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__112635">Mailath-Pokorny</rs>, deren Generalsekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__136473">Trautmann</rs> der Ver<lb break="no"/>treter des Kaffee-Verbandes sowie vom Herzmansky-Gerngross-Konzern<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__136474">Albrecht</rs>, kamen um mir mitzuteilen, dass sie bereit wären, im eng<lb break="no"/>sten Kontakt mit dem Ministerium vorzugehen. Sie wollten von mir in irgend<lb/>
einer Weise einen Weg wissen, wie sie zu Gesetzentwürfen kommen können,<lb/>
<pb n="04-0146" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-04_0146.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>um dazu Stellung zu nehmen, bevor sie den normalen Weg in der<lb/>
Bundeshandelskammer und im Begutachtungsverfahren dort vielleicht<lb/>
oder vielleicht sogar nicht gehört werden. Ich konnte ihnen und<lb/>
wollte ihnen auf diesem Gebiet natürlich keine Zusage machen. Ich<lb/>
verwies sie aber an Dr. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der im Konsumentenforum grösstes Inter<lb break="no"/>esse daran hat, im engsten Kontakt auch mit allen freien Vereinen<lb/>
zu kommen, um im Interesse von Handel, Gewerbe und Industrie eine<lb/>
zweckmässige Politik zu machen. Dort hätten sie Gelegenheit, bei<lb/>
ihrer Mitarbeit auch die entsprechenden Intentionen auch des Handels<lb break="no"/>ministeriums kennenzulernen. Wenn im Rahmen dieser Tätigkeit sie<lb/>
Gesetze begutachten und dazu Stellung nehmen, so glaube ich, kann<lb/>
die Handelskammer kaum etwas dagegen haben und wir können vielleicht<lb/>
einen Verein an uns binden. Der wirkliche Grund der Vorsprache war<lb/>
aber, dass sie wissen wollten, wie es mit dem Ladenschlusszeiten-Gesetz<lb/>
weitergehen sollte. Dr. <rs type="person" ref="#per__112635">Pokorny</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__136474">Albrecht</rs> wiesen sofort<lb/>
darauf hin, dass es sich jetzt um eine verfahrene Situation handelt.<lb/>
Durch den Initiativ-Antrag seien alle Gruppen aufgescheut und sie möch<lb break="no"/>ten jetzt gerne wissen, was das Handelsministerium zu tun gedenkt.<lb/>
Ich konnte daher sehr leicht erwidern, es handelt sich jetzt um ein<lb/>
reines Politikum und wer die Situation kennt, weiss ganz genau, dass<lb/>
diese total verfahren sei. Die Herren stimmten dem sofort zu. Sie be<lb break="no"/>stätigten mir auch, dass nicht nur allein von seiten der Gewerkschaft<lb/>
und zwar <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs>, d.h. der Angestelltenhandelssektion, ein entspre<lb break="no"/>chender Widerstand zu erwarten ist, sondern dass auch die vielen tau<lb break="no"/>senden von Kleinhändlern schärfsten Widerstand gegen ein solches Ge<lb break="no"/>setz haben würden. Als sie nach wie vor darauf drängten, wie ich die<lb/>
Situation beurteile und was nach meiner Meinung nach notwendig sei<lb/>
erwiderte ich, dass vor allem erst organisatorische Vorbereitungen<lb/>
und Aufklärung der Beschäftigten notwendig gewesen wäre. Schritt für<lb/>
Schritt hätte man müssen systematisch ohne dass sie sofort auf Widerstand<lb/>
sei es der Unselbständigen im Handel Beschäftigten oder der Selbständigen<lb/>
Zehntausenden von Kleinhändlern gekommen ist, versucht werden, die<lb/>
organisatorischen Probleme zuerst zu lösen. Die Herren gaben mir<lb/>
recht, konnten aber eigentlich nur mit Bedauern feststellen, dass die<lb/>
ÖVP-Initiativantrag alle diese Möglichkeiten derzeit verschüttet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__134049">Hoess</rs>, ein ehemaliger Sekretär des Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> geht nach<lb/>
Berlin als Konsul und wollte sich bei mir verabschieden. Ich hatte<lb/>
bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit, auch wieder Einblick zu be<lb break="no"/><pb n="04-0147" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-04_0147.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kommen in die Schwierigkeiten, die <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> gehabt hat. Nach Auffassung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__134049">Hoess</rs> müsste der Bundeskanzler nicht Primus inter Pares sein, sondern<lb/>
in Wirklichkeit müsste er eine übergeordnete Stellung haben, um die<lb/>
Richtlinien und die Politik in seinem Kabinett bestimmen zu können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> hat – wie er sich ausdrückte – zu einem viel zu späten Zeitpunkt<lb/>
dies erkannt, und war daher nicht mehr imstande, das Ruder herumzu<lb break="no"/>reissen, aus diesem Grund ist er innerhalb der Bünde und innerhalb der<lb/>
von diesen nominierten Ministern mehr oder minder zerrieben werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134049">Hoess</rs> meint, es müsste eigentlich verfassungsmässig vorgesehen werden,<lb/>
dass der Bundeskanzler noch in seinem Ressort Möglichkeiten hat, durch<lb/>
entsprechende Errichtung von Abteilungen jedes einzelne Ministerium<lb/>
mehr oder minder zu kontrollieren. Er sagt, es ist unmöglich, dass der<lb/>
Kanzler allein durch Aussprachen mit den Ministern, die sich auf seine<lb/>
Vorschläge oder Wünsche gar nicht einlassen müssen, die einzige Möglich<lb break="no"/>keit hat, Politik zu machen. Mein Hinweis, dass der Kanzler ja die Mög<lb break="no"/>lichkeit hat, einen renitenten Minister auszuwechseln, hat <rs type="person" ref="#per__134049">Hoess</rs> nicht be<lb break="no"/>antwortet, aber aus seiner Miene konnte ich entnehmen, dass <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> vielleicht<lb/>
einige Male daran gedacht hat, aber dann natürlich an den bündischen Inter<lb break="no"/>essen gescheitert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_06">Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__134236">Kokeil</rs>, der <choice><choice><sic>Bürgermeister</sic><corr>?</corr></choice></choice> von Fohnsdorf und gleichzei<lb break="no"/>tig auch bedeutender Funktionär der Belegschaftsvertretung vom Berg<lb break="no"/>werk Fohnsdorf sowie der Zentrale Betriebsratsobmann und Gen.Dir.-Stv.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__135906">Steflitsch</rs> vom Alpine Konzern kamen, um mir die Situation infolge<lb/>
der Streiks auf der Facharbeiterebene im Rahmen der GKB vorzutragen.<lb/>
In Wirklichkeit wollte sie von mir eine Zustimmung, dass ich die er<lb break="no"/>höhten Ausgaben, die die Alpine jetzt durch die zu erwartenden Lohnrege<lb break="no"/>lungen in einer Grössenordnung von 15 Mill. erwachsen aus dem Bergbau<lb break="no"/>förderungsfonds bezahlen sollte. Ich hörte mir zwar dies alles sehr genau<lb/>
an, aber erklärte dann unumwunden, dass ich keine wie immer geartete<lb/>
Zusage machen könnte. Die Budgetmittel sind festgelegt, es stehen für<lb/>
den Bergbau 58,2 Mill. S zur Verfügung und die muss und kann ich nur<lb/>
zwischen der WTK, SAGOK und der GKB aufteilen. Die GKB hat im vergangenen<lb/>
Jahr und wird wahrscheinlich auch heuer sowieso den grössten Anteil<lb/>
bekommen, ich könnte aber unmöglich jetzt noch weitere zusätzliche Voraus-<lb/>
Erklärungen abgeben. <rs type="person" ref="#per__135906">Steflitsch</rs> wies darauf hin, dass der Vorstand<lb/>
er ist damit beauftragt – vollkommen vorbereitete Pläne, die im Ein<lb break="no"/>vernehmen mit <rs type="person" ref="#per__134236">Kokail</rs> erstellt wurden, wonach die Arbeitsplätze im Berg<lb break="no"/>bau schön langsam in andere Arbeitsplätze von der Alpine umgewandelt wer<lb break="no"/>den sollen. Nach seiner Meinung müsste Fohnsdorf doch in den nächsten<lb/>
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Mund genommen, hat aber immer wieder auf Massnahmen hingewiesen,<lb/>
die dies ermöglichen könnten. Interessant war, dass der Bergbau<lb/>
jetzt allerdings wahrscheinlich auf Drängen der Belegschaft nicht<lb/>
in drei oder vier Jahren stillgelegt werden soll infolge Auskohlung<lb/>
sondern dass man jetzt neuerdings Felder abzubauen gedenkt und<lb/>
dadurch bis zum Jahre 1980 noch die Sicherung für einen entsprechenden<lb/>
Kohlenabbau glaubt in Fohnsdorf gefunden zu haben. Allerdings würden<lb/>
dann die Defizite, die auf 250 Mill. S allein pro Jahr anwachsen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_07">Von der VÖEST kam Dr. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und von der Wiener Brückenbau<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97983">Stanek</rs>, um über die EFTA-Handelskonferenz ihre Vorschläge<lb/>
und Wünsche anzubringen. Die VÖEST aber insbesondere der Wiener<lb/>
Brückenbau brauchen die Möglichkeit über Freihandelszonen ihre<lb/>
Geschäfte abwickeln zu können. Dadurch kommen sie in den Genuss<lb/>
von Umsatzsteuerrückvergütungen, die natürlich weit über die tat<lb break="no"/>sächlich bezahlte Umsatzsteuer hinausgeht. Sie befürchten nun,<lb/>
dass die EFTA-Staaten alles daran setzen werden, dass dieses<lb/>
System, d.h. die Freihandelszonenregelung verschwindet. Dies würde<lb/>
für sie einen furchtbaren Schlag bedeuten. Ich hatte ihnen bereits<lb/>
mitgeteilt, dass ich mit der Industrie und Handelskammer konform<lb/>
gehe und <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> versuchen müsste für die nächsten zwei Jahre<lb/>
eine Ausnahmeregelung zu bekommen. Da wir ja jetzt sehr konkret<lb/>
an einem Mehrwertsteuergesetz arbeiten, müssten die Vertragsstaa<lb break="no"/>ten innerhalb der EFTA dies auch tatsächlich positiv vermerken und<lb/>
uns diese Fristerstreckung noch geben. Nach Auffassung von <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs><lb/>
könnte, wenn es nicht anders geht, der Veredlungssatz, der derzeit<lb/>
33<add>33,3?</add> % betragen soll, auf 50 % für EFTA-Staaten erhöht werden. Dies<lb/>
ist für die Stahlindustrie eine Lösung, sicherlich aber nicht für<lb/>
die Textilindustrie, die bekanntlicherweise eine viel geringere<lb/>
Wertschöpfung oft nur in Annähen von Knöpfen und Adjustieren von<lb/>
Hemden oder Bekleidungsstücken besteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_08">Mit <rs type="person" ref="#per__97925">Philipp Schoeller</rs> hatte ich eine Besprechung wegen des Verhält<lb break="no"/>nisses Industriellenvereinigung-Handelskammer. Da er der Obmann<lb/>
der Sektion Industrie ist und gleichzeitig aber Industriellenverei<lb break="no"/>nigung ein bedeutendes Wort mitzureden hat, versuchte ich ihm klar<lb break="no"/>zumachen, dass er alles daran setzen muss, damit nicht das Handels<lb break="no"/>ministerium in Schwierigkeiten kommt, wenn sie die Industriellen<lb break="no"/><pb n="04-0149" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-04_0149.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vereinigung entweder zu viel oder zu wenig protegiert. Er selbst<lb/>
hat ja dieses System genau erkannt und wird sich in dieser Hinsicht<lb/>
bemühen. Bei einem Mittagessen, das ich dem maltesischen Handels<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__136478">Spiteri</rs> gegeben hatte, konnte ich feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-<lb/>
Gunthof</rs> der derzeitige Präsident der Industriellenvereinigung dieses<lb/>
Problem entweder nicht sieht oder nicht sehen will. Er machte nur<lb/>
die Bemerkungen dahingehend, dass er nicht verstehen kann, dass sich<lb/>
Zeitungsleute dazu hergeben, etwas aufzubauschen und hier etwas zu<lb/>
beschreiben, das in Wirklichkeit gar nicht so arg sei. Er selbst<lb/>
hätte diesen Artikeln, ich glaube es waren welche im Profil oder auch<lb/>
in anderen Zeitungen, erst jetzt gelesen und könnte sich nur wundern,<lb/>
dass es darüber überhaupt eine Debatte gibt. So sehr ich <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthof</rs><lb/>
als den letzten grossen, vielgebildeten und vielsprachigen bedeutenden<lb/>
Humanisten der Industriellenvereinigung schätze, von der politischen<lb/>
Arbeit und von dem Kräftespiel hat er überhaupt keine Ahnung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_09">Dass man als Funktionär und insbesondere selbstverständlich ich als<lb/>
Bezirksobmann in sehr viele Versammlungen gehen muss, finde ich<lb/>
für absolut richtig. Dass man aber bei Jahresversammlungen sich<lb/>
die ganzen Berichte und sonstige notwendige Neuwahlen usw. mitanhören<lb/>
muss, finde ich für sehr hart. Auf der einen Seite versuche ich natür<lb break="no"/>lich die Zeit zu nützen, indem ich Akte oder sonstige Unterlagen studiere.<lb/>
Auf der anderen Seite aber wieder ist dies sicherlich sehr unhöflich<lb/>
gegenüber den Einladenden. Ich glaube deshalb ich werde in Zukunft<lb/>
es mir zeitmässig so einteilen, dass ich entweder nur zu dem Referat<lb/>
hingehe und dann sofort wieder verschwinde, wenn ich den Gedanken jetzt<lb/>
aber doch noch einmal durchdenke, würden wahrscheinlich unsere Genossinnen<lb/>
und Genossen wenig Verständnis für eine solche Vorgangsweise haben, da sie<lb/>
natürlich auch ihre Tätigkeit entsprechend herausstreichen wollen und dies<lb/>
unter Anwesenheit eines doch immerhin für ihre Begriffe bedeutenden<lb/>
Funktionärs. Ich werde deshalb an dem jetzigen Zustand kaum etwas ändern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-04_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat mich im Laufe des Tages angerufen und bei dieser Gelegenheit ge<lb break="no"/>fragt, ob er – wie ihm einige seiner Nationalratskollegen mitgeteilt<lb/>
haben – mich zu hart gestern attackiert hat. Ich konnte ihm nur erwidern,<lb/>
dass dies keinesfalls der Fall gewesen ist, sondern es im Gegenteil ich<lb/>
diese Auseinandersetzungen sehr begrüsse. Leider bedauere ich, dass ich<lb/>
von der Ministerbank nur antworten kann und daher die guten Polemiken<lb/>
nicht mehr starten kann, die wir früher im Haus immer geführt hatten.<lb/>
Sein Vorteil liegt eben jetzt in der polemischeren Art seines Diskussions<lb break="no"/>beitrages und ich kann nicht wie gewohnt daraus eine Doppelconference<lb/>
machen wie dies in den vergangenen Jahren wie ich noch nicht Minister war,<lb/>
gang und gäbe gewesen ist.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 4.2.1971</head>
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               <persName type="label">Albrecht, Jürg W.</persName>
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               <occupation>Dir. Gerngross-Herzmansky, Handelsverband</occupation>
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               <occupation>Fa. Briko, Kohleimporteur für BP</occupation>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Vizepräs. Wr. HK</occupation>
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               <occupation>GF Fachverband Bergwerke; evtl. Falschidentifikation</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Generalkonsul in Berlin, später Botschafter, dann Abteilungsleiter im
                  Außenministerium, dann Leiter der steirischen Delegation in Wien</occupation>
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               <occupation>Justizminister</occupation>
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               <occupation>Vorst.-Vors. Ankerbrot, Präs. Handelsverband</occupation>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Waagner-Biro, Wiener Brückenbau- und Eisenkonstruktions AG</occupation>
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               <occupation>maltes. Handelsminister [bis 1971]</occupation>
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               <occupation>Generalsekr. Handelsverband, Kaffee-Verband [Vorname ev. Otto, aber
                  unsicher]</occupation>
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               <occupation>Obmann Sekt. Ind. BHK</occupation>
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