<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19710203.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19710202.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19710204.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Mittwoch, der  3. Februar 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Thomas Tretzmüller</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band04_1971-02-03</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1971-02-03">Mittwoch, 3. Februar 1971</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-07-26">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="04-0134" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0134.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-03_01">Mittwoch, 3. Feber 1971<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-03_02">Durch die Sektionsleiterbesprechung und dadurch, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> einen<lb/>
gewissen <rs type="person" ref="#per__136398">Redl</rs> vom Freien Wirtschaftsverband ins Parlament bestellt<lb/>
hat, konnte ich erst sehr spät zur Klubsitzung kommen. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> er<lb break="no"/>klärte mir allerdings, dass bisher keine interessante Mitteilung ge<lb break="no"/>macht wurde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst berichtete dann über die Probleme, die<lb/>
er bereits einige Male, sei es bei der Gewerkschaftsfraktionsbe<lb break="no"/>sprechung, bei der Regierungsvorbesprechung, beim Parteivorstand<lb/>
referiert hat. Nur <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meldete sich zu Wort und erklärte, dass<lb/>
er auf dem Standpunkt stehe, man sollte die Parteibesprechungen über<lb/>
die 6 Monate Bundesheer sehr kurz machen und dann dem Nationalrat<lb/>
als Regierungsvorlage vorlegen. Ich hatte bis jetzt immer angenommen,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> für eine längere Verhandlung mit der ÖVP in diesem Punkt<lb/>
wäre und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eigentlich für ein kürzeres Verfahren. Zu meiner<lb/>
grössten Überraschung muss ich nun bemerken, dass ich entweder eine<lb/>
falsche Auffassung in diesem Punkt gehabt habe oder es sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
in dieser Frage anders überlegt hat. Sicher ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit<lb/>
diesem Problem in den Parteivorstand gehen wird. Im Klub wurde dann<lb/>
eine einzige Frage diskutiert, wo es doch gut war, dass ich anwesend<lb/>
war. Klubvorstand hatte beschlossen, dass ein Antrag von <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131467">Metzker</rs> und <rs type="person" ref="#per__97863">Reinhart</rs> eingebracht werden soll, wonach die Werbung<lb/>
für Tabakwaren, ob Alkohol dabei ist, weiss ich nicht genau, durch<lb/>
Fernsehen und Rundfunk verboten werden soll. Ich meldete mich sofort<lb/>
zu Wort und wies auf die Sinnlosigkeit eines solchen Antrages hin.<lb/>
Vor allem versuchte ich das Argument besonders herauszustreichen,<lb/>
dass durch die Werbung in den letzten Monaten und Jahren schon die<lb/>
Bevölkerung dafür gewonnen werden konnte, anstelle der billigen und<lb/>
starken Austria 3 teurere, aber dafür wesentlich gesündere Filter<lb break="no"/>zigaretten zu kaufen. Durch diese Werbung wurde die Gesundheit der<lb/>
Raucher mehr berücksichtigt, aber darüber hinaus vor allem auch dem<lb/>
Finanzminister höhere Einnahmen aus der Tabaksteuer und dem Tabak<lb break="no"/>monopol von den teuren Filterzigaretten gesichert. Ich hatte <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs><lb/>
vorher bereits vorgeschlagen, er sollte doch viel eher verlangen,<lb/>
dass auf die Schädlichkeit des Rauchens auf jede Packung gedruckt wer<lb break="no"/>den müsse. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> selbst meldete sich auch unmittelbar zu Wort und<lb/>
meinte, man müsse in dieser Frage einmal mit ihnen reden und dies sei<lb/>
eben ein erster kleiner Schritt. Ich bin nicht sicher, ob ich mit<lb/>
meinen Argumenten durchgekommen wäre. Zum Glück meldete sich <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs><lb/>
<pb n="04-0135" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0135.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und meinte, man müsse dies auch vom Standpunkt der Öffentlich<lb break="no"/>keitsarbeit betrachten. Es würde nun die <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs>-Nummer des Öster<lb break="no"/>reich-Spiegels in drei Wochen erscheinen und darin sei eine ganze<lb/>
Seite der Tabakwerbung vorbehalten. Jetzt waren die Würfel ge<lb break="no"/>fallen und <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> erkannte sofort, dass hier am besten ein<lb/>
Rückzug angetreten wird, indem er sagte, dieses Problem müsste<lb/>
noch genau überlegt werden und man sollte jetzt zu keinerlei Ab<lb break="no"/>stimmung kommen, weder über den Antrag, die Tabakwerbung zu verbieten<lb/>
noch über meinen Antrag, den ich dann formulierte, nämlich durch<lb/>
entsprechenden Aufdruck auf die Packung auf die Schädlichkeit<lb/>
des Rauchens aufmerksam zu machen. Durch zwei dringliche Anfragen<lb/>
zog sich die Nationalratssitzung wesentlich länger als geplant<lb/>
gewesen ist. Ausserdem wurde in der ersten Fragestunde sowohl<lb/>
von der Beantwortung der Minister als auch vor allem von den langen<lb/>
Anfragen der Abgeordneten nur 10 Fragen erledigt und damit die gering<lb break="no"/>ste Anzahl von Fragen, die jemals in einer Fragestunde beantwortet<lb/>
wurden, festgestellt. <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> regte sich darüber sehr auf, wurde<lb/>
aber mit Recht von Präsidenten <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> auf die Gründe hinge<lb break="no"/>wiesen. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunners</rs> Meinung sollten sich eben die Anfrager kurz<lb/>
fassen. Ich hatte diesen Trend bereits seit Monaten erkannt und<lb/>
deshalb bereits bei meinen Antworten, soweit ich sie nicht durch<lb/>
Vorlesen von Erlässen lange machen muss, und da rede ich furchtbar<lb/>
schnell, äusserst kurz gefasst, indem ich eben frei nur ein oder<lb/>
zwei Gesichtspunkte bei meiner Antwort sage. Ich bin neugierig, ob<lb/>
ich wegen dieser Methode einmal eine Anstand haben werde, ich<lb/>
glaube aller eher nein. Wenn man nämlich das Problem wirklich bis<lb/>
zum Ende durchdiskutieren würde, dann müssten natürlich die ent<lb break="no"/>sprechenden Antworten bedeutend länger sein. Da die meisten Mini<lb break="no"/>ster sich an das vorbereitete Konzept, sei es der Bürokratie oder<lb/>
das sie sich selbst erstellt haben, halten, dauert es natürlich<lb/>
eigentlich sehr sehr lange, bis eine Frage wirklich von ihnen be<lb break="no"/>antwortet ist. Dann kommt die Gegenargumentation von Seiten des<lb/>
Fragenden und damit kommen wirklich nur maximal 15–16 Fragen<lb/>
in einer Fragestunde zur Verhandlung. Vor mir war <rs type="person" ref="#per__97450">Freihsler</rs> mit<lb/>
4 Anfragen. Er war in einem furchtbaren Zustand. Er hat einen aus<lb break="no"/>gesprochenen Horror vor dem Parlament und war deshalb sehr sehr un<lb break="no"/>sicher. Er befindet sich leider in einem so trostlosen geistigen und<lb/>
körperlichen Zustand, dass selbst <rs type="person" ref="#per__136421">Marwan-Schlosser</rs> auf eine Zusatz<lb break="no"/><pb n="04-0136" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0136.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>frage verzichtete. Da gerade bei ihm die erste Fragestunde<lb/>
abgelaufen war und er deshalb nach der dringlichen Anfrage<lb/>
erst zum zweiten Teil aufgerufen wurde, ergab sich, dass er<lb/>
von 11 Uhr bis ca. 2 Uhr an der Sitzung teilnehmen musste, Ich<lb/>
war die ganze Zeit neben ihm auf der Regierungsbank, um ihm auf<lb/>
der einen Seite Mut zuzusprechen und auf der anderen Seite aber<lb/>
ihn immer wieder aufzurichten und ihm seine Fragen entsprechend<lb/>
vorzubereiten und mit ihm durchzudiskutieren. Ich glaube, das<lb/>
hat jetzt selbst jeder von der ÖVP erkannt, dass er sich hier<lb/>
nicht um eine politische Krankheit handelt, sondern dass <rs type="person" ref="#per__97450">Freihsler</rs><lb/>
wirklich ein schwerkranker Mensch ist. Ich benützte deshalb die<lb/>
Gelegenheit, um <rs type="person" ref="#per__136421">Marwan-Schlosser</rs> nach der Fragestunde, als ich ihn<lb/>
im Couloir getroffen habe, zu danken für seine verständliche Haltung.<lb/>
Durch die Verlängerung des Parlamentes konnten wir die Besprechung<lb/>
zwischen Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und mir nicht<lb/>
abführen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, mit dem ich darüber sprach, meinte, wir<lb/>
müssen uns einen neuen Termin ausmachen. Da der Finanzminister<lb/>
zu einer Veranstaltung abfahren musste, habe ich ihm versprochen,<lb/>
für ihn auf der Regierungsbank zu sitzen. Dies war diesmal aber wirk<lb break="no"/>lich sehr günstig. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> benützte die Gelegenheit, um die kleine<lb/>
Novelle des Entwicklungs- und Erneuerungsfonds zu einem harten<lb/>
Angriff auf die Wirtschaftspolitik der Regierung zu starten. Er<lb/>
hatte in sehr geschickt formulierten Ausdrücken- wie z.B. das<lb/>
Kaffee-Kränzchen bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, oder dass der Genius Loci über die<lb/>
Ökonomische Konferenz kommen sollte, als die Bundeskammer den<lb/>
Kongressaal zur Verfügung stellte, natürlich die Lacher auf seiner<lb/>
Seite. In einem solchen Fall tut es mir unendlich leid, dass ich<lb/>
nicht als Abgeordneter darauf replizieren kann. Von der Regierungs<lb break="no"/>bank kann man ja nicht polemisieren, d.h. ich stehe auch dem<lb/>
Standpunkt, man sollte es so wenig wie möglich tun, denn es war<lb/>
bis jetzt immer so, dass von der Regierungsbank nur sachliche<lb/>
Erwiderungen oder Ergänzungen gemacht wurden oder werden sollten.<lb/>
Diese Möglichkeit nützte ich aber reichlich, indem ich einige<lb/>
Richtigstellungen vorgenommen habe. Wahrscheinlich würde man es<lb/>
mir auch durchgehen lassen, wenn ich stärker polemisieren würde.<lb/>
Ich glaube aber, dass dies wirklich nicht zielführend ist, zu<lb break="no"/>mindestens nicht für meine Person, solange ich mit dieser Methode<lb/>
auch noch sehr gut durchkomme. Als ich mich zu Wort meldete und<lb/>
<pb n="04-0137" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0137.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erklärte, dass ich einige Richtigstellungen zu den Ausführungen<lb/>
des Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> machen müsste, habe einige Abgeordnete<lb/>
der ÖVP, ich nehme nicht an, dass es im Protokoll vermerkt sein<lb/>
wird, aber doch laut und deutlich zu <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hingerufen: Richtig<lb break="no"/>stellungen? Er selbst hat sich aber sehr korrekt verhalten, indem<lb/>
er immer beifällig genickt hat oder erklärt: Ist in Ordnung, wenn<lb/>
ich eine wirklich sachliche Berichtigung seiner polemischen Aus<lb break="no"/>führungen gegeben habe. Es ist mir vollkommen klar, dass die ÖVP<lb/>
den gesamten Angriff derzeit auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> richtet. Mit dieser Tat<lb break="no"/>sache versuchte ich ja auch <rs type="person" ref="#per__97450">Freihsler</rs> aufzumuntern. Er hat die<lb/>
Befürchtung, dass er nach den nächsten Freitag, wo Parteienver<lb break="no"/>handlungen zwischen den Parteien wegen der 6-Monate-Heeresdienstzeit<lb/>
beginnen sollen, eine dringlich Anfrage zu erwarten hat. Ich erklärte<lb/>
ihm, dass sich doch die Angriffe wahrscheinlich nur auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
konzentrieren werden. Ich bin auch überzeugt, dass jetzt verstanden<lb/>
wird werden, warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht <rs type="person" ref="#per__97450">Freihsler</rs> zu den Besprechungen<lb/>
mitnehmen will. Wenn die Unterhändler den erbärmlichen Zustand<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97450">Freihslers</rs> sehen werden, dann nehme ich an, werden sie sich natürlich<lb/>
primär auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stürzen. Auch die zwei dringlichen Anfragen am<lb/>
heutigen Tag zeigen mir deutlich, dass man sich ausschliesslich<lb/>
auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> konzentriert. Beide waren nämlich an ihn gerichtet.<lb/>
Wie lange er dieses konzentrierte Feuer aushalten wird, weiss<lb/>
ich nicht. Nur seinem Geschick als Parlamentarier ist es zuzu<lb break="no"/>schreiben und dass er vor allem an dieser Art des Gefechtes und<lb/>
der Debatte Freude hat, dass er dies so gut bis jetzt überstanden<lb/>
hat.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-03_03"><rs type="person" ref="#per__136437">Vorhofer</rs> von der Kleinen Zeitung in Graz hat mit mir eine Be<lb break="no"/>sprechung in den Couloirs geführt, wo er Erklärungen sucht, wieso<lb/>
es zu den Spannungen zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gekommen ist. Er<lb/>
möchte – wie er mir sagte - eine Artikelserie verfassen über das<lb/>
Verhältnis zwischen Gewerkschaftsbund und Sozialistischer Partei.<lb/>
Ich versuchte ihn, ohne auf Details einzugehen, zu erklären,<lb/>
wie es überhaupt zu der differenten Auffassung in den einzelnen<lb/>
Punkten gekommen ist. Ich strich heraus, dass er leider und er<lb/>
entschuldigte sich dafür, dass er damals keine Zeit gehabt hat,<lb/>
bei dem Pressegespräch zwischen <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> im Institut für Gesellschafts<lb break="no"/>politik und den anwesenden Journalisten, ganz andere Aussprüche<lb/>
<pb n="04-0138" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gemacht wurden, als sie dann in der Presse am nächsten<lb/>
Tag gedruckt zu lesen waren. Daraus erklärt sich ein gewisses Unbe<lb break="no"/>hagen, das sowohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> derzeit über Probleme haben,<lb/>
die eigentlich gar nicht so different sind als sie in der öffent<lb break="no"/>lichen Meinung heute hingestellt werden. Natürlich hat der ÖGB seine<lb/>
Selbständigkeit zu wahren, er hat es auch seit dem Jahre 1945 gegenüber<lb/>
jeder Regierung getan, einen Gegensatz aber so herauszukristallisieren,<lb/>
wie ihn derzeit die öffentliche Meinung dargestellt bekommt, ent<lb break="no"/>spricht wirklich nicht den Tatsachen. Es geht meiner Meinung nach –<lb/>
erkärte ich <rs type="person" ref="#per__136437">Vorhofer</rs> – innerhalb einer Partei oder eines Gewerk<lb break="no"/>schaftsbundes gar nicht, dass immer alle Menschen einer Meinung sind<lb/>
und deshalb also muss und wird es sachliche Differenzen in dem einen<lb/>
oder anderen Punkt geben. Ich konnte aus dem Gespräch entnehmen, dass<lb/>
sowohl <rs type="person" ref="#per__136437">Vorhofer</rs> als auch einige andere Redakteure darauf brennen, eine<lb/>
entsprechende wunde Stelle innerhalb des Verhältnisses zwischen Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund und soz. Partei zu finden. Die Journalisten haben ein ganz<lb/>
feines Gespür dafür, wo wirklich eine schwache Nahtstelle ist. Ob aller<lb break="no"/>dings ihre Hoffnungen aufgehen werden, dass es hier wirklich zu einem<lb/>
Verhältnis wie zur Zeit <rs type="person" ref="#per__97793">Olahs</rs> zwischen ÖGB und SPÖ kommen wird, kann<lb/>
ich mit ruhigem Gewissen verneinen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ist nicht <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
viel gewandter als <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs>, obwohl dieser schon sehr schlau die<lb/>
Problematik zwischen Gewerkschaftsbundpräsident und Parteiobmann er<lb break="no"/>kannt hatte und auch sehr vorsichtiger operiert hat. Damals allerdings<lb/>
war die Parteiführung glaube ich noch nicht so einige wie sie derzeit<lb/>
ist. Damals hatte man auch sachliche Probleme bis in die mittlere<lb/>
Funktionärsschicht getragen und entsprechend wahrlich nicht in freund<lb break="no"/>schaftlicher Art ausdiskutiert. Ausserdem hat ja <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> – wie sich nachträg<lb break="no"/>lich herausstellte – wirklich alles daran gesetzt, um seinen persön<lb break="no"/>lichen Ehrgeiz, wenn nicht sogar Machtstreben, zu befriedigen. Dies<lb/>
trifft aber heute bei keinem der führenden Genossen zu. Die Journa<lb break="no"/>listen dagegen glauben, dass diese Spannungsverhältnisse etwas schein<lb break="no"/>bar natürliches innerhalb unserer Partei sein müssten und suchen jetzt<lb/>
eine solche Möglichkeit wieder aufzustöbern. Ich bin davon überzeugt,<lb/>
da werden sie sich aber kräftig irren. Ich glaube, dass mein Bonmot,<lb/>
das ich damals prägte, der Gruss Freundschaft wird abgeändert, indem<lb/>
das R gestrichen wird und des U in ein I, d.h. also Feindschaft heraus<lb break="no"/>kommt, niemals mehr in unserer Partei Platz greifen wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-03_04"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="04_0133_04" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0133-04.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 3.2.1971</head>
         </div>
         <pb n="04_0138_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <pb n="04_0138_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Bericht Pressekonferenz Kohlehandel, 3.2.1971</head>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="04_0138_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="04_0138_04" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-04.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         </div>
         <pb n="04_0138_05" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-05.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <pb n="04_0138_06" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-06.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Typoskript "Presseunbehagen"</head>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="04_0138_07" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-07.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="04_0138_08" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-08.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         </div>
         <pb n="04_0138_09" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-09.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Presseunterlage betr. Brennstoffhandel, 3.2.1971</head>
         </div>
         <pb n="04_0138_10" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-10.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Mitteilung Handelsministerium betr. Kokspreis, 1.2.1971</head>
         </div>
         <pb n="04_0138_11" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-11.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <pb n="04_0138_12" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-12.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Fernschreiben Löw, Fa. Gaskoks, an Koppe betr. Verfügbarkeit v. Koks, 1.2.1971</head>
         </div>
         <pb n="04_0138_13" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-03_0138-13.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Inst. f. Gesellschaftspolitik, Pressedienst Nr. 174, betr. Verfügbarkeit v. Koks, 21.1.1971</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__136398">
               <persName type="label">Redl, A</persName>
               <persName><surname>Redl</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>FWV [wird 1971 von Heindl zu einer Besprechung (?) ins Parlament
                  bestellt; hs. Notiz im Tagesprogramm ev. hilfreich?]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97913">
               <persName type="label">Schieder, Peter</persName>
               <persName><surname>Schieder</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97818">
               <persName type="label">Pittermann, Bruno</persName>
               <persName><surname>Pittermann</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118761595</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97356">
               <persName type="label">Blecha, Karl</persName>
               <persName><surname>Blecha</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/129507873</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97450">
               <persName type="label">Freihsler, Johann</persName>
               <persName><surname>Freihsler</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Verteidigungsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97525">
               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__131467">
               <persName type="label">Metzker, Maria</persName>
               <persName><surname>Metzker</surname><forename>Maria</forename></persName>
               <occupation>Vors. ÖGB-Frauenreferat, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97863">
               <persName type="label">Reinhart, Karl</persName>
               <persName><surname>Reinhart</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98043">
               <persName type="label">Waldbrunner, Karl</persName>
               <persName><surname>Waldbrunner</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/114650888</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97793">
               <persName type="label">Olah, Franz</persName>
               <persName><surname>Olah</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118937308</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__136437">
               <persName type="label">Vorhofer, Kurt</persName>
               <persName><surname>Vorhofer</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Journalist</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97607">
               <persName type="label">Jonas, Franz</persName>
               <persName><surname>Jonas</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Bundespräsident bis 1974</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112589">
               <persName type="label">Zeillinger, Gustav</persName>
               <persName><surname>Zeillinger</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>FPÖ-NR-Abg., Volksanwalt</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__136421">
               <persName type="label">Marwan-Schlosser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Marwan-Schlosser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>