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            <title type="main">Montag, der  1. Februar 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_01">Montag, 1. Feber 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_02">Der Justizminister <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wollte mit seinem zuständigen Sektions<lb break="no"/>chef und vor allem mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__135932">Dittrich</rs>, der die Kartellfragen,<lb/>
bei ihm behandelt, über die Abgrenzung im neuen Kompetenzgesetz<lb/>
mit mir sprechen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hat mehrere Varianten ausgearbeitet, die<lb/>
aber doch im grossen und ganzen darauf hinauslaufen, dass er – wie<lb/>
das <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gewünscht hat – auch die Kompetenz für das Kartellwesen<lb/>
bei ihm belässt. Nur betreffend des § 18 Kartellgesetz, wo die<lb/>
volkswirtschaftliche Bedeutung festgesetzt wird resp. nach § 36 l<lb/>
die Nettopreise zu erlassen sind, soll die Kompetenz, wie dies ja der<lb break="no"/>zeit auch schon ist, an das Handelsministerium übergehen. <rs type="person" ref="#per__135932">Dittrich</rs><lb/>
stimmte sofort meiner Auffassung zu, dass sie halt dann die ganze<lb/>
Kartellpolitik machen müssten. Ob es dann bei dem Gericht bleibt,<lb/>
oder ob eventuell ein Kartellamt, d.h. eine Verwaltungsbehörde<lb/>
in irgendeiner Form eingeschaltet wird, bleibt dem Justizministerium<lb/>
überlassen. <rs type="person" ref="#per__135932">Dittrich</rs> selbst war über diese Lösung gar nicht glück<lb break="no"/>lich, da er sagt, sie hätten keinen wie immer gearteten Apparat,<lb/>
um dieses Problem zu bewältigen. Sie wären ausserstande Monopol<lb break="no"/>kontrollen oder Fusionskontrollen durchzuführen. Sie haben eben<lb/>
das derzeit statische System mit den Kartellgerichten, wo das<lb/>
Justizministerium nur ein Staatsnotar ist, welches alles registriert<lb/>
was die Sozialpartner ausarbeiten. Wir werden bei der Besprechung<lb/>
in der Bundesregierung diese gemeinsame Stellungnahme noch einmal<lb/>
zur Diskussion stellen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> sagt selbst, er legt keinen Wert<lb/>
darauf, die Kartellpolitik in Zukunft zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> von der Deutschen Handelskammer wollte die nächsten<lb/>
Veranstaltungen, wo er mich sehr gerne haben würde, mit mir be<lb break="no"/>sprechen. Er schlug sogar vor, dass er jetzt nach Bonn fährt,<lb/>
wo er z.B. mit den deutschen Zeitungen ein Abendessen gibt und er<lb/>
würde mich sehr gerne dazu einladen. Andererseits ist er bereit,<lb/>
Wirtschaftsfachleute, die ich wünschen würde, zur Deutschen Handels<lb break="no"/>kammer-Besprechungen nach Österreich zu bringen. Ebenso meint er,<lb/>
könnten wir Artikeln schreiben, die er dann sehr gerne in seiner<lb/>
Zeitung publizieren möchte. Ich hatte ihm sofort mitgeteilt, dass<lb/>
<pb n="04-0118" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-01_0118.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich dafür kaum Zeit hätte. Ich könnte mir nicht vorstellen,<lb/>
dass ich extra nur wegen einem Abendessen nach Bonn fliege.<lb/>
Es müsste meiner Meinung nach schon eine bedeutenderer Grund<lb/>
sein, z.B. im Rahmen der deutsch-österreichischen Handelskammer<lb/>
in der BRD einen Vortrag zu halten, wie dies jetzt in der österr.-<lb/>
schweizerischen Handelskammer machen werde. Er spielte immer wie<lb break="no"/>der auf die politischen Verhältnisse an und möchte – wie er sich<lb/>
ausdrückt – ein Gegengewicht gegen die ansonsten zu konservative<lb/>
– auf <choice><choice><sic>gru</sic><corr>gut?</corr></choice></choice> österreichisch gesagt – ÖVP-Einstellung entgegenzuwirken.<lb/>
Er teilte mir auch mit, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__113031">Melis</rs> von der Bundeskammer bereits<lb/>
die Fahrpläne für die internationale Handelskammer vom l7.-23.4.<lb/>
festgelegt hat. Interessant ist, dass wir dieses Programm – zuminde<lb break="no"/>stens als Ministerbüro – oder ich persönlich noch immer nicht be<lb break="no"/>kommen habe. Er machte mir weiters die Mitteilung, dass er sehr ger<lb break="no"/>ne hätte, dass wenn ich nach Graz fahren würde, um die deutsche<lb/>
Handelskammervorstandsitzung in Graz – wo auch ein Wirtschafts<lb break="no"/>minister aus Saarland Dr. <rs type="person" ref="#per__135988">Schäfer</rs> kommt – und wo gleichzeitig die<lb/>
grosse Ankerfabrik eröffnet wird – als Gegengewicht gegen <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs><lb/>
mitzuwirken. Bei dieser Gelegenheit teilte er mir auch mit, dass<lb/>
ich den Flug zurück – die Route Graz-Wien-München wird jetzt<lb/>
auch von der Lufthansa scheinbar oder von der AUA beflogen – mit<lb break="no"/>machen sollte. Seine Herren werden auf alle Fälle zurückfliegen.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit wollte er gleichzeitig, dass ich mit den<lb/>
derzeitigen Direktoren rede, denn die alten Direktoren hätten<lb/>
von der AUA eine Krieg mit ihm gehabt und deshalb sei jetzt die<lb/>
deutsche Handelskammer in Österreich und die AUA eigentlich sehr<lb/>
wenig kooperativ. Bei dieser Gelegenheit machte er mich aufmerk<lb break="no"/>sam, dass das Donaueuropäische Institut in Berlin eine Tagung ab<lb break="no"/>gehalten hat und zum Hinflug zu dieser Tagung hätten auch <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs><lb/>
und andere Herren, die Interflug, d.h. die DDR-Gesellschaft be<lb break="no"/>nützt. Dies hätte in der BRD einen ganz grossen Wirbel ausge<lb break="no"/>löst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_04">Der Präsident der grossen amerikanischen Firma AMAX <rs type="person" ref="#per__136015">MacGregor</rs><lb/>
und sein Vizepräsident kam mit Dr. <rs type="person" ref="#per__135251">Ottl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von der<lb/>
ÖCI. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> hat grössten Wert darauf gelegt, dass ich den<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__136015">MacGregor</rs> erklärte, dass er ganz gross in das Treibacher Projekt einstei<lb break="no"/>gen wird. Er benötigt zwar noch dazu die Zustimmung seines Aufsichts<lb break="no"/>rates, ist aber überzeugt, dass er diese auch tatsächlich bekommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__114051">Beurle</rs> von der Brau AG kam mit dem Bürgermeister von Wieselburg<lb/>
und seinem Direktor, um mir ihr grosses Konzentrationsprojekt zu er<lb break="no"/>klären. Die Brau AG wird wohl bei einem Absatz von ca. 2 Mill. hl,<lb/>
von denen 1 Mill. im Osten, Liesing, Linz und Wieselburg produziert<lb/>
wird, eine Konzentration in diesen Brauereien in Wieselburg beabsich<lb break="no"/>tigen. Zu diesem Zweck hat sie ein Projekt für die erste Ausbaustufe,<lb/>
die ca. 600.000 hl und einen Investitionsaufwand von 225 Mill. S vor<lb break="no"/>gesehen. Es benötigt nun das Unternehmen vom Finanzministerium, vom<lb/>
Land- und Forstwirtschaftsministerium und vom Bautenministerium die<lb/>
Zustimmung für entsprechenden Grundtausch und -kauf. Sie ersuchten<lb/>
mich. ob ich nicht bereit wäre, die Minister zu ersuchen, dass sie<lb/>
ihren Beamten den Auftrag geben, diese Grundtransaktionen so schnell<lb/>
wie möglich zu erledigen. Ich habe bei der Ministerratsvorbesprechung<lb/>
dies auch dann mit den entsprechenden Ministern besprochen und deren<lb/>
Zustimmung dafür erhalten. In Liesing soll nach der Brau AG in Zu<lb break="no"/>kunft nur mehr die Mälzerei bleiben und vor allem die alkoholfreien<lb/>
Getränke erzeugt werden. Die Brau AG-Vertreter machten mich auch dann<lb/>
darauf aufmerksam, dass sie grössten Wert darauf legen in der gesamten<lb/>
Brauwirtschaft, dass bei der zukünftigen Mehrwertsteuer der Wein nicht<lb/>
anders behandelt wird als Bier. Diesbezügliche Versuche, die jetzt z.B.<lb/>
von den Bauern in Deutschland unter einen ermässigten Steuersatz für<lb/>
Wein zu bekommen, wurden auch dort abgelehnt. Der Bürgermeister wollte<lb/>
dann gleichzeitig noch von mir einer Zusage haben, dass ich ihn in<lb/>
seinem Ausbau des Wieselburger Volksfestes unterstütze. Sie haben<lb/>
jetzt eine Halle errichtet und ein Hochhaus soll in den unteren Etagen<lb/>
für dieses Wieselburger Fest herangezogen werden und deshalb erwartet<lb/>
er von mir entsprechende Zuschüsse. Ich habe ihm keinerlei Zusagen<lb/>
gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, den Fall mir vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_07">Sekt.Chef Dr. <rs type="person" ref="#per__134310">Milos Franc</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs> von der ÖIAG waren<lb/>
durch meine Bemerkung, dass auf dem Kohlensektor etwas geschehen müsste<lb/>
und dass ich eigentlich mir vorstellen könnte, dass Projekt WTK-Vorstandes<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134311">Zeininger</rs>, eine Einhand-Gesellschaft zu machen, weiter verfolgt werden<lb/>
sollte, sehr aufgeschreckt. Neben <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs>, der mir als Leiter der Sektion<lb/>
IV im BKA bereits eine diesbezügliche Stellungnahme geschickt hatte,<lb/>
kamen nun diese beiden, um mir vom Standpunkt der ÖIAG zu erklären,<lb/>
dass sie eigentlich gegen eine Einhand-Gesellschaft grösste Bedenken<lb/>
haben. Unter anderem meinten sie, dass es sich nur darum handelt, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134311">Zeininger</rs> von der WTK seine überschüssigen Beamten, die er in starkem<lb/>
Ausmass gehortet hat, in eine zentrale Verwaltungsstelle einbringen will.<lb/>
Ich glaube allerdings, wenn eine Einhand-Gesellschaft nun dazu führt,<lb/>
dass wir mehr Verwaltungsapparat haben, dann ist es von vornherein sinn<lb break="no"/>los, eine solche Zu errichten. Andererseits aber konnten sie auf meinen<lb/>
Einwand, welche Möglichkeiten sie darin sehen, dass die Verluste der<lb/>
Kohlenproduktionsbetriebe nicht ununterbrochen steigen und deshalb mit<lb/>
den Bergbau-Beträgen nicht das Auslangen gefunden wird, nur vorschlagen,<lb/>
es müssten eben Fohnsdorf, Pöchlingberger und Zanktal geschlossen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs> hätte diesbezüglich persönlich Briefe z.B. wegen Fohnsdorf an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs>, Generaldirektorstellvertreter der Österr. Alpine, gerichtet<lb/>
und von dort immer nur die Antwort bekommen, dazu könnten sie sich noch<lb/>
nicht aufraffen. Es müssten erst Untersuchungen geführt werden, in Wirk<lb break="no"/>lichkeit aber wollen sie dieses heisse Eisen nicht anpacken. <rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs> meinen allerdings, dass jetzt der günstigste Zeitpunkt<lb/>
wäre, da in der steirischen Fohnsdorfer Gegend selbst von der Alpine<lb/>
dringend Arbeitskräfte verlangt werden und man sogar die Absicht hat,<lb/>
Fremdarbeiter im Kohlenbergbau zu verwenden. Allein für das Jahr 1971<lb/>
erwarten die Betriebe und die ÖIAG einen Verlust von über 70 Mill. S,<lb/>
dem eine Bergbauförderung von maximal 40 Mill. S – soviel sind im Budget<lb/>
angesetzt – gegenübersteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_08">Im Wiener Ausschuss war das erste Mal <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit einem Referat. Da ich<lb/>
die Probleme bereits im Parteivorstand und in der Regierungsvorbe<lb break="no"/>sprechung höre, so ist es mir ungefähr erklärlich, wie man sich in<lb/>
einer so gehobenen Position fühlen muss, mehr oder minder immer wieder<lb/>
dasselbe mit anderen Worten vor anderen Gremien zu vertreten. Als<lb/>
<pb n="04-0121" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-01_0121.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einzigen neuen Gesichtspunkt aus der Bundesheerdebatte habe ich jetzt<lb/>
die Neutralitätsverteidigung entnommen. Ich habe bis jetzt immer ange<lb break="no"/>nommen, dass die Schweiz und wir auch mit allen uns zur Verfügung stehen<lb break="no"/>den Mitteln die Neutralität verteidigen müssten. Die Schweiz hat nun<lb/>
eine neue Formulierung gefunden, nämlich dass sie nur mit allen ihr zu<lb break="no"/>mutbaren Mitteln die Neutralität verteidigen würde. Mit allen zumutbaren<lb/>
Mitteln heisst, dass man auch die wirtschaftliche und finanzielle Si<lb break="no"/>tuation des Staates viel stärker berücksichtigen kann. Dass ein solches<lb/>
Verteidigungsinstrument existieren muss, glaubt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aus folgendem<lb/>
Grund: Sicherlich werden wir kaum in einer grossen militärischen Ausein<lb break="no"/>andersetzung mit dem Osten eine Möglichkeit haben, Österreich wirksam<lb/>
zu verteidigen. Der Osten wird aber, wenn er tatsächlich die Absicht<lb/>
hat. Österreich zu erobern, dieselben Methoden anwenden, wie er sie<lb/>
in Vietnam und anderen asiatischen Staaten gespielt hat. Es wird zuerst<lb/>
eine Befreiungsorganisation oder eine Befreiungsfront in irgendeiner<lb/>
kleinen beschränkten Gebiet errichtet, er könnte sich z.B. sehr gut<lb/>
vorstellen, dass doch irgendwelche Splittergruppen im Burgenland oder<lb/>
in Kärnten, seien es Kroaten oder Slowenen, bereit wären, eine unab<lb break="no"/>hängige Regierung zu errichten. In diesem Fall müsste dann auf diesem<lb/>
beschränkten Territorium eine Kampfmassnahme geführt werden und dies<lb/>
könnte nur eine Armee in welchem Masse immer sie auch eingebaut wird,<lb/>
sein. Bezüglich der Bundespräsidenten-Wahlkampfes machte er darauf auf<lb break="no"/>merksam, dass <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> einige Plus mitbringt. Er ist erstens ein Aka<lb break="no"/>demiker und der Doktor sagt bei den vielen Kleinbürgern in Österreich<lb/>
noch immer etwas, er ist zweitens in einem günstigen Alter, nicht zu<lb/>
jung, aber doch auch nicht so alt wie <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs>, drittens ist er für die<lb/>
bürgerlichen Wähler ein Alibi, dass wenn sie ihn wählen, dass nicht<lb/>
den VP-Streit, der derzeit in der Führungsspitze tobt, irgendwie unter<lb break="no"/>stützen und viertens ist er innerpolitisch überhaupt nicht belastet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_09">In der Ministerratsvorbesprechung und in der anschliessenden Besprechung<lb/>
der Regierungsmitglieder mit dem ÖGB-Fraktionspräsidium kamen keine<lb/>
besonderen Probleme zur Diskussion. Auch hier wurde nur festgestellt,<lb/>
dass die ÖVP in sich sehr zerstritten ist und <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> aber noch immer<lb/>
zu erkennen gibt, dass er solange er seine Funktion nicht endgültig<lb/>
abgetreten hat, der Verhandlungspartner innerhalb der ÖVP ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wird daher nicht, wie ihm von manchen Seiten empfohlen wurde, mit <rs type="person" ref="#per__97917">Schlein<lb break="no"/>zer</rs>, dem starken Generalsekretär, verhandeln, sondern wird selbstver<lb break="no"/>ständlich sich immer nur an den Obmann der ÖVP halten. Da – wie ich<lb/>
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zu seinem Obmann zu machen, versuchte ja noch immer Wien, NÖ und die<lb/>
Steiermark den NR <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> für eine Kandidatur als Obmann des ÖAAB zu gewin<lb break="no"/>nen. <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> hat sich noch nicht endgültig entschieden, er möchte noch immer<lb/>
sehr gerne auf der anderen Seite auch Generalsekretär der ÖVP werden,<lb/>
wenn er die notwendige Zustimmung bei den Wirtschafts- und Bauernbundleuten<lb/>
findet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gab einen Stimmenzuwachs von einer Meinungsumfrage bekannt.<lb/>
Ich nehme an, dass es sich um Ergebnisse von <rs type="person" ref="#per__97356">Charly Blecha</rs> handelt. Danach<lb/>
sollen die sozialistischen Stimmen in den Agrargemeinden um 4,8 %, in den<lb/>
Dienstleistungsgemeinden um 5,8 %, in den Industriegemeinden um 4,5 % und in<lb/>
den Mischstrukturgemeinden um 5,3 % zugenommen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte, mir diese Erhebung von <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> zu verschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-02-01_11">Eine Diskussion entwickelte sich, ob die Bundesanwaltschaft ein Kollegial<lb break="no"/>organ oder so wie in Dänemark der Ombudsmann eine Einzelperson sein sollte.<lb/>
Wenn es zur letzteren Lösung käme, würde das eine sehr starkes Gegengewicht<lb/>
gegen die Bundespräsidenten sein und deshalb von uns nicht gerade sehr er<lb break="no"/>strebenswert. Ausserdem glaubt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass niemand imstande ist, einen<lb/>
wirklichen Einzelmann zu finden, sondern es könnte seiner Meinung nach<lb/>
eben nur ein Kollegialorgan diese Funktionen wahrnehmen. Die ÖVP hat<lb/>
ja seinerzeit vorgeschlagen, es sollte nur ein Petitionsausschuss konsti<lb break="no"/>tuiert werden. Der Gesetzentwurf wird nun in die Begutachtung gehen und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hat angeregt, man solle im Nationalrat dann über dieses Problem<lb/>
diskutieren, er selbst würde sehr gerne eine Enquete veranstalten. Über<lb/>
die Werbung der Tabakregie, wo ein diesbezüglicher Wunsch des Klubs der<lb/>
soz. Abgeordneten vorliegt, nämlich es soll im Rundfunk und Fernsehen<lb/>
eine Tabak- und Alkoholwerbung verboten werden, gab es eine lange Diskus<lb break="no"/>sion. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und auch ich nahmen den Standpunkt ein, dass dies eine<lb/>
vollkommen falsche Politik ist, wenn man schon aus Gesundheitsgründen<lb/>
und aus moralischer sozialistischer Auffassung gegen das Tabakrauchen<lb/>
ist, dann müsste man auch die Tabakregie an private Firmen verkaufen<lb/>
und sie mit exorbitanten Abgaben belegen. Andererseits würde eine<lb/>
Einstellung der Werbung nur dazu führen, dass die Leute heute wahrschein<lb break="no"/>lich noch mehr an die billigen und für die Gesundheit viel schädlicheren<lb/>
Zigaretten wie z.B. Austria 3 rauchen würden, Nur durch die Werbung ist<lb/>
es geglückt, einen Grossteil der österr. Konsumenten auf leichte Filter<lb break="no"/>zigaretten umzulenken, dies allerdings nicht nur im Interesse der Gesund<lb break="no"/>heit sondern auch im Interesse der höheren Einnahmen für die Tabakregie<lb/>
und für den Staat. Der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__135185">Stark</rs>, dem Vorsitzenden des Auf<lb break="no"/><pb n="04-0123" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-02-01_0123.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sichtsrates der Tabakregie, man sollte einen Arzt in den Aufsichts<lb break="no"/>rat delegieren, fand die einhellige Ablehnung. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat die Ab<lb break="no"/>sicht zur Diskussion gestellt, ob er für die Anschlussgebühren für<lb/>
Telefon eine Pauschalierung einführen sollte. Ihm könnte vom Stand<lb break="no"/>punkt der Verwaltung nur zielführend sein, denn derzeit muss er jede<lb/>
einzelne Anschlusstelle mit dem Teilnehmer abrechnen. Wenn er nun für<lb/>
den ländlichen Raum eine Pauschale bis zu 5.000 S, alles was darüber<lb/>
geht, müsste auf alle Fälle einzeln abgerechnet werden, einführen kann,<lb/>
würde er sich viele Verwaltungsarbeit ersparen. Allerdings würde,<lb/>
wenn die Pauschalgebühr l.000 S beträgt die städtischen Telefonanschlüsse<lb/>
die derzeit 320 – 380.- S kosten, zugunsten der ländlichen Gemeinden<lb/>
benachteiligt werden. Aus diesem Grund wurde der Antrag, da es sich<lb/>
auch hier um eine Preiserhöhung handelt, abgelehnt. Betreffend den<lb/>
Zuckerpreisantrag wurde der Bundeskanzler ebenso von Präsident<lb/>
auch vom Inhaber der Hohenauer Zuckerfabrik <rs type="person" ref="#per__136114">Strakosch</rs> interpelliert<lb/>
und ersucht, er möge jetzt den Preisantrag ruhig auf Eis legen. Ich<lb/>
schlug <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> vor, er sollte, weil er jetzt eine umfangreiche und lang<lb break="no"/>fristige Prüfung einleiten wollte, solange keine Prüfung beginnen, als<lb/>
die Zuckerindustrie ihm nicht den Zuckerpreisnachweis für das vergangene<lb/>
Jahr vorgelegt hat. Dies habe ich mit der Zuckerindustrie vereinbart.<lb/>
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               <persName><surname>Strakosch-Feldringen</surname><forename>Hans</forename></persName>
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