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            <title type="main">Mittwoch, der 20. Jänner 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_01">Mittwoch. 20. Jänner 1971<lb/>
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sagen, wenn die Arbeitsinspektorate auch den Bergbau kontrollieren<lb/>
sollten. Seiner Meinung nach hätten nur die Berghauptleute die ent<lb break="no"/>sprechende Ausbildung und Kenntnisse, um in den Bergwerken die not<lb break="no"/>wenidgen Kontrollen durchzuführen. Ich erwiderte, dass beim Verkehrs<lb break="no"/>inspektorat und beim Inspektorat über die Land- und Forstarbeiter<lb/>
ähnliche Verhältnisse existieren, dass aber selbstverständlich, wenn<lb/>
das Sozialministerium für den Schutz der arbeitenden Bevölkerung zu<lb break="no"/>ständig sei, dann eben auch die Bergwerke von ihm kontrolliert werden<lb/>
sollten. Interessant ist ja, dass wenn z.B. in den Elektrizitätswerken<lb/>
angeblich Stollenbohrungen vorgenommen werden, dafür das Arbeitsinspek<lb break="no"/>torat heute bereit zuständig ist und nicht die OB.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_03">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134821">Kammerhofer</rs> kam, um eine Rücksprache mit einem unbedeutenden<lb/>
Akt zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit erklärte ich ihm, warum<lb/>
die Entscheidung über seine Bewerbung zur Sektionsleitung nicht auf<lb/>
ihn gefallen ist. Ich konnte dann feststellen, dass er in Wirklichkeit<lb/>
auch wegen dieser Sache versucht hatte, bei mir vorzusprechen. Er er<lb break="no"/>zählte mit, dass er als seine Bewerbung bereits abgegeben war, mit<lb/>
dem Sekretär des BSA, Dr. <rs type="person" ref="#per__97958">Skotton</rs>, gesprochen hätte. <rs type="person" ref="#per__97958">Skotton</rs> soll ihm<lb/>
geantwortet haben, er wäre vor 17 Jahren einmal beim BSA gewesen, dann<lb/>
aber ausgetreten und deshalb käme er garantiert nicht dran. Ich zeigte<lb/>
mich über diese Entscheidung sehr empört und meinte, dass für uns aus<lb break="no"/>schliesslich sachliche Gesichtspunkte entscheidend waren und <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs><lb/>
ja auch nicht beim BSA oder gar der SPÖ angehört. <rs type="person" ref="#per__134821">Kammerhofer</rs> war über<lb/>
diese Entscheidung von mir sehr erfreut und erklärte, dass er keine<lb/>
andere erwartet hätte und nur deshalb so freimütig mit mir spricht,<lb/>
weil, wie er behauptet, hier im Hause dies mir sehr hoch angerechnet wird<lb/>
die Beamten jetzt viel freimütiger über solche Probleme reden. Er hat<lb/>
über diesen Vorfall mit niemandem im Hause gesprochen und will dies<lb/>
auch nicht tun, damit nicht Unruhe und gar vielleicht eine politische<lb/>
Kampagne deshalb entfacht wird. Er ermächtigte mich, dass ich in dieser<lb/>
Sache mit <rs type="person" ref="#per__97958">Skotton</rs> sprechen darf. Ich kann nur zusammenfassend zu dem<lb/>
Punkt feststellen, dass mir jetzt viel erklärlich ist, warum der BSA<lb/>
eine so schlechte Politik in Personalfragen aber auch überhaupt in<lb/>
der Tätigkeit innerhalb der Partei entwickelt hat. <rs type="person" ref="#per__134821">Kammerhofer</rs> meinte<lb/>
er betrachte den Vorfall als erledigt und will mit gar niemandem mehr<lb/>
darüber diskutieren. Ich glaube, er wollte letztlich doch noch doku<lb break="no"/><pb n="04-0064" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-01-20_0064.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mentieren, dass er eine grosse Loyalität uns gegenüber an den Tag legt,<lb/>
daß er eben niemals einem solchen Fall politisch ausschlachten möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_04">Im Statistischen Zentralamt hatte Präs. <rs type="person" ref="#per__114128">Bosse</rs>, Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__134823">Zeller</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133315">Schmidl</rs> unsere Delegation empfangen und uns vor allem einmal über ihre<lb/>
nächste Tätigkeit informiert. Ich hoffe, dass es gelingen wird, insbeson<lb break="no"/>dere dass Dr. <rs type="person" ref="#per__113619">Pschorn</rs>, unser Verbindungsmann zum Stat. Zentralamt, der<lb/>
interessanterweise dort 10 Jahre gearbeitet hat, imstande sein wird,<lb/>
alle offenen Fragen und Wünsche dort unterzubringen. Das Stat. Zentralamt<lb/>
bemüht sich natürlich sehr, alle statistischen Arbeiten bei sich zu kon<lb break="no"/>zentrieren. Ich glaube, wenn wir vernünftige Vorschläge dem Amt mitteilen,<lb/>
so können wir tatsächlich alle unsere Wünsche erreichen. Ich hoffe sogar,<lb/>
dass es in Zukunft möglich sein wird, mit Hilfe von technischen Möglich<lb break="no"/>keiten z.B. terminal, das Stat. Zentralamt nimmt sogar noch an, dass in<lb/>
absehbarer Zeit Monitore bei den einzelnen Ministerien stehen werden und<lb/>
jederzeit statistische Daten abberufen werden können. Wenn ein statisti<lb break="no"/>scher Sofortdienst vom Stat. Zentralamt ausgegeben wird, dann könnte sich<lb/>
die AK und andere Institution viel Arbeitsaufwand ersparen. Die Objektivität<lb/>
der vom Stat. Zentralamt gelieferten Ziffern würde in der Öffentlichkeit<lb/>
dann überhaupt nicht angezweifelt werden. Hier müsste eigentlich wirklich<lb/>
ein Konzept unserer Bedürfnisse entwickelt werden und ich bin überzeugt,<lb/>
dass wir das Stat. Zentralamt dazu gewinnen können, alle unsere Forderungen<lb/>
auch tatsächlich zu erfüllen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_05">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>: Ich glaube, man sollte mit <rs type="person" ref="#per__133326">Herbert Krämer</rs> ein solches<lb/>
Konzept besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_06">Beim Essen im Institut war auch diesmal Direktor <rs type="person" ref="#per__134309">Löw</rs> von der Gaskoks und<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__127100">Platzer</rs> von der VÖEST, die eine Erhöhung des Kokspreises mit mir<lb/>
besprechen wollten. Ich konnte <rs type="person" ref="#per__127100">Platzer</rs> erklären, dass wenn die Gaskoks<lb/>
bereit ist, einen Teil ihrer Spanne für die VÖEST abzutreten, ich eine<lb/>
ähnliche Lösung wie ich sie unverzüglich für den Giessereikoks in Angriff<lb/>
genommen hatte, auch für die Gaskoks-Hausbrand durchziehen würde. Eine<lb/>
Erhöhung aber der Verbraucherpreise käme im jetzigen Zeitpunkt nicht in<lb/>
Frage. Interessant war, dass <rs type="person" ref="#per__134309">Löw</rs> dann zugeben musste, dass er derzeit<lb/>
nicht einmal imstande ist, den Hüttenkoks, der mit 165.- S in Wien ver<lb break="no"/>kauft wird, anzubringen. Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs> empfohlen, nachdem <rs type="person" ref="#per__134309">Löw</rs><lb/>
für die Gaskoks ja keine Propaganda machen kann und vor allem auch nicht<lb/>
will, dass wir darauf hinweisen, nicht Gaskoks-Vertrieb gibt jetzt Koks<lb/>
um 165.- S ab, sondern es kann in Wien jede Menge Linzer Hüttenkoks um<lb/>
165.- S bei den Kohlenhändlern gekauft werden. Wir würden dann als AK<lb/>
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bestimmte Sort nur machen. Ich glaube, dass damit den Wiener Konsumenten<lb/>
sehr gedient ist, denn er muss heute noch vereinzelt zumindestens doch<lb/>
Händlern oft bis zu 2.20 für den Koks, der dort lagert, bezahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_07">Mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hatte ich eine Vorbesprechung wegen der Wirtschaftspolitischen<lb/>
Aussprache und der Tagesordnung zur PK. Bei dieser Gelegenheit erklärte<lb/>
ich ihm, dass es doch vielleicht zielführender wäre, wenn wir uns öfters<lb/>
treffen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn er informiert ge<lb break="no"/>wesen wäre über das Kompetenzgesetz, dass dann die Handelskammer dagegen<lb/>
so stark polemisiert hätte. Er selbst war davon nicht ganz überzeugt,<lb/>
d.h. er hätte auf alle Fälle dagegen polemisiert, weil er dies als eine<lb/>
politische Notwendigkeit betrachtet. Er selbst meint, dass eine solche<lb/>
grosse Konzentration im Handelsministerium auch unter meiner Führung<lb/>
sehr gefährlich wäre. Nach seiner Auffassung ist jedwede übertriebene<lb/>
Machtkonzentration von Gefahr für den Betreffenden. Ich glaube, ich<lb/>
konnte ihn insoferne beruhigen, dass ich ihm nachweisen konnte, dass<lb/>
ich wirklich keinerlei Machtgelüste habe, dass aber eine zielführende<lb/>
Reorganisation notwendig ist. Ich hatte auch insbesondere darauf ver<lb break="no"/>wiesen, dass der Aufbau des Ministeriums wesentlich geändert wird<lb/>
und dass man Nachfolger, wann immer er kommen wird, eine wesentlich<lb/>
andere Situation vorfinden wird als ich sie vorgefunden habe. Er be<lb break="no"/>stätigte mit, dass eine zielführende Reorganisation auf diesem Sektor<lb/>
zweifelsohne notwendig war. Ich erörterte weiter das Problem der DDR-<lb/>
Wirtschaftsvertragsvertretung und er gab zu, dass die jetzige Phase<lb/>
unmöglich wäre, die DDR in irgendeiner Weise anzuerkennen. Ich verwies<lb/>
insbesondere, dass wenn Brüssel zu keinem positiven Ergebnis führt, dann<lb/>
wahrscheinlich nicht nur die ÖVP sondern auch andere Stellen der Regierung<lb/>
vorwerfen würden, weil wir frühzeitig die DDR anerkannt haben. Er versprach<lb/>
mir die bisherige Politik der Bundeskammer in dieser Frage fortzusetzen,<lb/>
d.h. die Bundeskammer legt grössten Wert darauf, wirtschaftliche Bezie<lb break="no"/>hungen mit der DDR, Nordkorea aber auch mit China zu verbessern. Im<lb/>
letzteren Fall erklärte ich, dass die Bundesregierung – <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte<lb/>
sich bei mir in der Sitzung des MR offiziell darüber beschwert – die<lb/>
Politik der Handelskammer ebenfalls vertritt und NR <rs type="person" ref="#per__134826">Hilger</rs> dann dagegen<lb/>
polemisiert. Er wird mit <rs type="person" ref="#per__134826">Hilger</rs> über dieses Problem Besprechungen auf<lb break="no"/>nehmen, d.h. er erklärte mir, er wird <rs type="person" ref="#per__134826">Hilger</rs> auf den richtigen Weg<lb/>
bringen. Was die Bundeskammer jetzt als dringend notwendig im Zuge<lb/>
der Konjunkturpol. Aussprache verlangen wird, ist ein Gastarbeiter-Gesetz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_08">Mein Hinweis, dass die Sozialpartner hier doch endlich einen Ent<lb break="no"/>wurf vorlegen sollten, konterte er, dass <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> nicht bereit<lb/>
ist, auch nur eine Spur der Bundeskammer entgegenzukommen. <rs type="person" ref="#per__98063">Weissen<lb break="no"/>berg</rs> wünscht noch immer, dass Kontingente festgelegt werden und dass<lb/>
Einzelgenehmigungen in jedem Fall über das Arbeitsamt gehen müssten.<lb/>
Ich erwiderte, dass wir eine solche Regelung ohne Kontingentverein<lb break="no"/>barung bei der Lebens- u. d. Genussmittelarbeitergewerkschaft mit dem<lb/>
Fachverband getroffen haben und dass der Fachverband zuerst eine<lb/>
grosse Falle von <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> dahinter vermutete und nur mit Gewalt die<lb/>
Zustimmung erteilt, dass er jetzt aber bestätigt, dass dieses System<lb/>
sehr gut funktioniert. Ich empfahl ihm, dass er sich mit dem Fach<lb break="no"/>verband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ins Einvernehmen zu<lb/>
setzen, ob nicht wirklich ein solcher Weg gangbar wäre. Andererseits<lb/>
muss ich zugeben, dass <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> in dieser Frage oft wirklich sehr<lb/>
unbeweglich ist, weil er von einzelnen Gewerkschaften z.B. Bau- und<lb/>
Holzarbeiter in dieser Frage keinerlei Verhandlungsspielraum besitzt.<lb/>
Abschliessend stellte ich noch bei der Diskussion fest, dass die ÖVP<lb/>
scheinbar jetzt weiterhin mit der Schocktherapie arbeiten will, denn<lb/>
die Veröffentlichung des Fessel-Institutes über die derzeit so schlechte<lb/>
Lage innerhalb der Bevölkerung kann meiner Meinung nach nur den Sinn<lb/>
haben, die Bundespräsidentenwahlen zu präjudizieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gab mir recht<lb/>
in der Beziehung, dass die ÖVP eine autoritäre Führung dringendst be<lb break="no"/>nötigt, denn er selbst stellt jetzt bereits innerhalb seines Tätig<lb break="no"/>keitsbereiches fest, dass dieser momentane Streit und diese Führer<lb break="no"/>losigkeit der ÖVP auch jetzt bereits schwer zu schaffen machen. Es<lb/>
dürften also scheinbar die Unternehmer in der Handelskammer ebenfalls<lb/>
nicht nur rebellieren sondern immer mehr zu erkennen geben, dass in<lb/>
der ÖVP keine Führung vorhanden ist und deshalb auch natürlich die<lb/>
Handelskammer nicht mehr ihre wirksame Politik betreiben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_09">Dr. <rs type="person" ref="#per__134827">Hain</rs> und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134828">Eichler</rs> vom Landwirtschaftsministerium hatten<lb/>
eine Vereinbarung mit mir, wo ich ihnen Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> vorgestellt<lb/>
habe und gleichzeitig die ersten Besprechungen über die Fragenkomplexe<lb/>
Genossenschaft und Gewerbeordnung aufgenommen habe. <rs type="person" ref="#per__134827">Hain</rs> und insbe<lb break="no"/>sondere Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134828">Eichler</rs>, der Spezialist im LWM für juristische Fragen,<lb/>
waren mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> einer Meinung, dass man hier unverzüglich die Arbeit<lb/>
aufnehmen müsste. Da sie aber noch immer nicht genau wissen. ob<lb/>
die landw. Genossenschaftsfrage im Rahmen der Gewerbeordnung als<lb/>
Bundessache oder durch andere Gesetze präjudiziert Landessache wäre<lb/>
aber doch als Bundessache zu werten ist, ersuchten sie uns, ob wir<lb/>
nicht eine Feststellungsklage beim Verfassungsgerichtshof anstreben<lb/>
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würden selbst auf das Risiko dabei schlechter zu fahren, einen solchen<lb/>
Weg bevorzugen, weil sie dann endlich Klarheit über die Bundeskompetenz<lb/>
oder Länderkompetenz hätten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird sich dieses Problem – er<lb/>
steht auf dem Standpunkt, dass die Bundeskompetenz eindeutig sowieso<lb/>
gegeben ist und innerhalb der Gewerbsordnung deshalb alle diese Fragenkomplexe<lb/>
geregelt gehören – noch genau überlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_10">Die Wirtschaftspolitische Aussprache gab eigentlich keine neuen Ergeb<lb break="no"/>nisse, stellte nur übereinstimmend fest, dass die wirtschaftliche Lage<lb/>
im Jahre 1971 keinesfalls so trostlos ist, wie sie derzeit von der ÖVP<lb/>
immer wieder dargestellt wird. Sowohl <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> mussten<lb/>
zugeben, dass hier eine sehr positive Ausgangsposition vorhanden ist<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> musste sogar innerhalb der Diskussion dann bekennen, dass<lb/>
Vorschläge, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> als dritter Referent dann gemacht hat, sehr<lb/>
zielführend seien und der jetzigen wirtschaftspolitischen Gegebenheit<lb/>
anpasst. Das veranlasst mich, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zuzuflüstern, dass "das Bürscherl"<lb/>
sich sehr gut macht. Er selbst reagierte auf diese Stichelei nicht,<lb/>
aber ich war überzeugt davon, dass er die Meinung von <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> – er hat<lb/>
wie wir die Regierung übernommen haben, auf diese Weise geglaubt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> abwerten zu können, heute von ihm keinesfalls mehr geteilt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_11">Die Betriebsräteversammlung auf der Landstrasse veranlasst mich, die<lb/>
Wirtschaftspolitische Aussprache früher zu verlassen. Allerdings solange<lb/>
als Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> seinen Diskussionsbeitrag erledigt hatte, denn<lb/>
die Ausführungen <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburgers</rs> führen auf Seite<lb/>
der Handelskammer meistens zu irgendwelchen Ausbrüchen und ich muss dann<lb/>
immer beruhigt sowohl auf <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, der diesmal ja nicht anwesend war<lb/>
als auch auf <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> eingreifen. Die Betriebsräte waren über meine Aus<lb break="no"/>führungen, die ich natürlich immer in meiner humorvollen Weise bringe<lb/>
aber doch auf den Ernst der Lage und den politischen Hintergrundinformationen<lb/>
grössten Wert lege, ich glaube, wirklich begeistert. Ich habe ihnen zum<lb/>
Schluss klar und deutlich die ÖVP-Politik Schocktherapie so wie seiner<lb break="no"/>zeit bei den Kapuzenmännern auseinandergesetzt und ich muss zugeben,<lb/>
dass die Betriebsräte haben sehr grosses Verständnis für die Abwehr dieser<lb/>
Politik entgegengebracht haben. Sie sagen, dass das englische Beispiel<lb/>
klar und deutlich zeigt, wo eine Regierung hinkommt, wenn die Gewerk<lb break="no"/>schaften gegen sie arbeitet und dass andererseits aber auch die Ergeb<lb break="no"/>nisse der Meinungsumfragen in England auch die Bevölkerung getäuscht<lb/>
haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-20_12">Die Tankstellenstationäre hatten den ganzen eine Diskussion<lb/>
resp. eine Tagung gehabt, um über ihre Probleme und Kampfmass<lb break="no"/>nahmen zu beraten. Sie wollten dann zu mir eine Delegation<lb/>
schicken und ich hatte mit ihnen dann am späten Abend eine Be<lb break="no"/>sprechung vereinbart, da ich überzeugt war, wir müssten dich län<lb break="no"/>gere Zeit über diese Probleme mitsammen diskutieren. Die Delegation<lb/>
bestand aus dem Vorsitzenden der Tankstellen und Servicestellen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134831">Uthe</rs>, und vor allem ihrem Sprecher, dem Tiroler Stationär einer<lb/>
ESSO-Tankstelle, <rs type="person" ref="#per__134832">Dosenberger</rs>, sowie einem Oberösterreicher, ich<lb/>
glaube er heisst <rs type="person" ref="#per__134851">Meeraus oder Heinzer</rs>. Weiters dem Sekretär des<lb/>
Fachverbandes <rs type="person" ref="#per__134833">Bukowitsch</rs> und des Syndikus <rs type="person" ref="#per__134842">Ebner</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__134294">Zajicek</rs><lb/>
von der Bundeskammer. Die Situation für die Tankstellenstationäre<lb/>
ist nach Meinung der Delegation unhaltbar. Derzeit haben sie noch<lb/>
auf Diesel eine 4 %-ige und auch Vergasertreibstoff Benzin eine<lb/>
5 %-ige Provision. Was sie wünschte ich eine 10 Groschen Erhöhung<lb/>
ihrer Provision. Sie sagen aber gleichzeitig, dass sie mit jeder<lb/>
Groschen-Erhöhung zufrieden sind. Bei Diesel haben sie derzeit<lb/>
14 Groschen. Was sie aber unbedingt wünschen, ist, dass jedwede<lb/>
Regelung ihnen direkt zugemessen wird, denn z.B. hatten Ölgross<lb break="no"/>händler, das sind in dem Fall immer die internationalen Konzerne<lb/>
oder die ÖMV, <rs type="person" ref="#per__134875">Mayerhofer</rs>, ihnen erklärt, dass die Tankstellen<lb/>
maximal 1,5 Groschen kriegen können auch dann, wenn die Preis<lb break="no"/>behörde 10 Groschen die Preise für Diesel und Benzin erhöhen würde.<lb/>
1966 sagten sie hätte die Preisbehörde 5 Groschen Preiserhöhung<lb/>
zugestanden und sie selbst hätten nur für begrenzte Tankstellen<lb break="no"/>stationäre, d.h. nicht einmal alle, 1 – max. 2 Groschen davon er<lb break="no"/>halten. Die letzte Preiserhöhung wäre am 2.4.1952 gewesen, wo sie<lb/>
auch eine entsprechende Erhöhung ihrer Tankstellen erhalten haben.<lb/>
Ich erklärte ihnen, dass ich eine Preiserhöhung unter gar keinen<lb/>
Umständen für die Verbraucherpreise in Aussicht nehmen könnte und<lb/>
erwiderte nur, dass ich ihre Situation vollkommen verstehe und mit<lb/>
den Mineralölfirmen unverzüglich sprechen werde. BP hat an demselben<lb/>
Tag mitgeteilt, dass sie für 1 Mia. S Tankstellen in Österreich im<lb/>
vergangenen Jahr errichtet hat und im heurigen Jahr ebenfalls einen<lb/>
solchen Betrag in Aussicht nimmt. Mein Hinweis, dass vielleicht<lb/>
dieser Ausbau der Tankstellen nicht sehr zielführend sein kann,<lb/>
denn es wird wahrscheinlich kaum mit einer grösseren Absatzmenge<lb/>
gerechnet werden können als der normale Zuwachs durch eine weitere<lb/>
Motorisierung ist, fand die ungeteilte Zustimmung der gesamten<lb/>
Delegation. Von Graz bis Wien sagten sie, sei auf den 202 km<lb/>
bereits jetzt 238 Tankstellen und von Innsbruck nach Kufstein<lb/>
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so erzählte <rs type="person" ref="#per__134832">Dosenberger</rs>, ESSO, aber auch SHELL und MOBIL jetzt<lb/>
die Stationäre weiter benachteiligt. Die deutschen LKW, die<lb/>
über Innsbruck, Kufstein fahren, hätten von DKV Blockabrechnungen,<lb/>
d.h. Dieselgutscheine und wenn die deutschen Wagen in Österreich<lb/>
tanken, dann bekommen sie einen Abschlag von 5 Groschen, welche<lb/>
die Stationäre tragen müssen. Nach Auffassung der Mineralölfirmen<lb/>
handelt es sich hier um ein zusätzliches Geschäft und deshalb wird<lb/>
sofort die an und für sich schon unbefriedigende Spanne reduziert.<lb/>
Auch wenn es sich um sogenannte Produktenwerbung handelt, d.h. dass<lb/>
jetzt die grossen Firmen wieder eine neue Werbekampagne starten,<lb/>
so müssten die Stationäre vorerst das Werbematerial kaufen u.a.<lb/>
hat z.B. <rs type="person" ref="#per__134832">Dosenberger</rs> 7.000 S für die nächste ESSO-Werbung bereits<lb/>
bezahlen müssen. Dabei handelt es sich bei dieser Werbung nicht<lb/>
um die Stationswerbung, d.h. dass für seine Station mehr herausschaut<lb/>
sondern dass eben ESSO versucht, seinen Marktanteil zu halten oder<lb/>
vielleicht sogar um ein Tausendstel Prozent zu vergrössern. Mein<lb/>
Hinweis, dass bei den Verhandlungen vielleicht durch Ausdehnung<lb/>
der Handelsware eine Verbesserung der Einkommen der Tankstellen<lb break="no"/>stationäre erreicht werden könnte, weisen sie insoferne zurück,<lb/>
als die Treibstoffumsatzanteile 90 % betragen und die 10 %-igen<lb/>
Handelswaren auch derzeit von den Mineralölfirmen entsprechend<lb/>
genützt werden. Früher konnte sie irgendwelche Lieferanten für diese<lb/>
Handelsware suchen und haben dort durch entsprechende Verhandlungen<lb/>
günstige Einstandspreise erzielt. Derzeit müssen sie die Handelsware<lb/>
von den Mineralölfirmen kaufen, sodass die Gewinne aus dieser<lb/>
Branche, wie <rs type="person" ref="#per__134832">Dosenberger</rs> mir erzählte, z.B. für ESSO 1,5 Mill. S<lb/>
pro Jahr ausmacht. Nach einer ziemlich langen Debatte konnte ich<lb/>
aber doch den Eindruck bei den Delegierten erwecken, dass ich mich<lb/>
nicht nur um ihr Problem sehr interessiere, immerhin gibt es ja<lb/>
5.500 Tankstellen in Österreich, sondern dass ich auch bestrebt bin<lb/>
die Mineralölfirmen dazu zu verhalten, dass sie mit ihnen Verhandeln<lb/>
sollten. Auf Grund dieser Erklärung wollen sie jedwede Kampfmass<lb break="no"/>nahme unterlassen, auch die Oberösterreicher werden nur ihre Plakat<lb break="no"/>aktion fortführen und abwarten, was die Verhandlungen ergeben.<lb/>
Ich hatte am selben Abend noch Gelegenheit bei einer Einladung<lb/>
des Aussenministers zum Essen für den Schweizer Aussenminister <rs type="person" ref="#per__97482">Graber</rs><lb/>
den Vertreter der ausländischen Mineralölfirmen Dr. <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> von<lb/>
SHELL zu treffen. Ich erzählte ihm sofort von der Vorsprache und<lb/>
ersuchte ihn, dass er unverzüglich Verhandlungen mit den Tankstellen<lb break="no"/><pb n="04-0070" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-01-20_0070.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stationäre aufnehmen sollte. Er erklärte sich dazu bereit,<lb/>
wollte nur bei dieser Gelegenheit neuerlich die Forderungen,<lb/>
die der Mineralölgrosshandel oder die ausländischen Mineral<lb break="no"/>ölfirmen an mich richten werden, neuerdings unterstreichen.<lb/>
Ich sagte ihm zu, dass ich jederzeit zu seiner Verfügung stehe,<lb/>
insbesondere auch in der Frage der Raffinerie Lannach. Über diese<lb/>
Erklärung war er sehr erfreut, da er den nächsten Tag eine Be<lb break="no"/>sprechung mit Generaldirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von der ÖMV über dieses<lb/>
Problem haben wird. Ich rief auch am nächsten Tag sofort Gen.Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> an und verständigte ihn ebenfalls von meinem Wunsch und auch<lb/>
er sagte mir zu, dass er unverzüglich Verhandlungen mit den Sta<lb break="no"/>tionären aufnehmen wird und dann mir berichten wird. Er wird<lb/>
in der Angelegenheit Lannacher Raffinerie mit dem Generaldirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> von SHELL verhandeln u. d. dann werden sie wahrscheinlich<lb/>
gemeinsam zu mir kommen. Ich hatte beiden erklärt, dass ich be<lb break="no"/>reit bin, wenn sie mich als Streitschlichter oder wie ich es<lb/>
ausdrückte, als Katalysator für dieses Problem wünschen, jederzeit<lb/>
zur Verfügung stehen werde.<lb/>
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            <head>TAgesprogramm, 20.1.1971</head>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>[unklar, im Text steht NR Hilger, Nationalrat mit diesem Namen gibt es
                  nicht; Zusammenhang ist ein Gespräch mit Mussil von der HK; ev. MR?]</occupation>
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               <occupation>Vors. Fachverband der Garagen, Tankstellen- und
                  Servicestationsunternehmungen</occupation>
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                  Servicestationsunternehmungen [lt. Text Inh. einer Tiroler ESSO-Tankstelle;
                  Vorname könnte ev. Hans sein]</occupation>
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               <occupation>BHK, Gremium für den Brennstoffhandel 1971</occupation>
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                  Servicestationsunternehmungen [ev. Falschschreibung?]</occupation>
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                  offenbar OÖ]</occupation>
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