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            <title type="main">Montag, der 18. Jänner 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_01">Montag, 18. Jänner 1971<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_02">Der Bundeskanzler wollte in einer ganztägigen Ministerrats<lb break="no"/>vorbesprechung sowohl das grosse Kompetenzgesetz als das Aus<lb break="no"/>schreibungsgesetz, als auch die Verwaltungsakademie, den Bericht<lb/>
über die elektronische Datenverarbeitung und den Bericht der<lb/>
Regierung <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> über die Verwaltungsreform durcharbeiten und<lb/>
beschlussreif machen. In dem letzteren Bericht hat <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> einige<lb/>
wesentliche Reformen im Handelsministerium vorgesehen. U.a.<lb/>
sollten Sektionen zusammengelegt werden, Dienststellen der OB<lb/>
d.h. Berghauptmannschaften ebenfalls. Weiters war vorgesehen,<lb/>
dass auch die Gruppen und selbständige Referate womöglich aufgelassen<lb/>
werden sollten. Doppelarbeit in der ZAE wären ebenfalls abzustel<lb break="no"/>len. Da der Bericht von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in einer sehr schlechten Foto<lb break="no"/>kopie mir übermittelt wurde, habe ich den Bericht Sekt.Chef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs>, dem Präsidialisten vorgelegen, weil kaum ihm zuzu<lb break="no"/>muten ist, eine solche Kopie mit seinen kranken Augen zu lesen.<lb/>
Er bestätigte mir, dass diese Ideen vom Finanzminister-Vertreter<lb/>
bei der seinerzeitigen Überprüfung des Ressorts geäussert wurden.<lb/>
Er zeigte sich über die Vorschläge einmal gar nicht erschüttert,<lb/>
da er wahrscheinlich annahm, dass dies wahrscheinlich sowieso<lb/>
niemals verwirklicht wird. Ich konnte ihm nur bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit gleich mitteilen, dass die Energiesektion wahrscheinlich doch<lb/>
zu uns kommen wird und er schlug vor, die OB und die Energiesektion<lb/>
zu einer Sektion zusammenzuschliessen. Betreffend die ZAE wird<lb/>
ja jetzt von ihm sowieso eine Prüfung durchgeführt. Die Gruppen<lb/>
könnten nicht aufgelassen werden, da ja wenn die Gruppe Verkehr<lb/>
ans Verkehrsministerium abgetreten wird, dafür ja eine Gruppe<lb/>
Fremdenverkehr gemacht werden soll. Eine solche Gruppe hat es im<lb/>
Ministerium schon einmal gegeben, als die Abteilungen 23, 24<lb/>
Fremdenverkehr und die Förderungsabteilung 25 in einer Gruppe<lb/>
zusammengefasst waren. In konnte ihm bei dieser Gelegenheit gleich<lb/>
die Problematik des Geschäftsführer der Fremdenverkehrswerbung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> mitteilen. Er meinte, wenn <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> sich mit<lb/>
den Ländervertretern und scheinbar mit allen Ländervertretern zer<lb break="no"/>stritten hat, dann bleibt nichts anderes übrig als ihn natürlich<lb/>
in das Ministerium zurückzunehmen. Sein Abteilungsleiterposten<lb/>
ist ja noch offen und man wird ja sehen, ob er gegebenenfalls für<lb/>
eine Gruppenleitung in Frage kommt. Auf alle Fälle habe ich das<lb/>
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als dies <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> mit seinen Problemen tut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_03">Die Ministerratsvorbesprechung verlief wesentlich anders als<lb/>
wir befürchtet hatten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ja vorgesehen gehabt, zu dieser<lb/>
Sitzung Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> einzuladen. Ich hatte damals sofort<lb/>
vorgeschlagen, <choice><choice><sic>lieben</sic><corr>lieber</corr></choice></choice> den Dr. <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs>, unseren fraktionellen Vertrauens<lb break="no"/>mann, in diesen Fragen zuzuziehen. Ich war deshalb sehr positiv über<lb break="no"/>rascht, dass dies auch tatsächlich der Fall gewesen ist. Noch mehr<lb/>
aber war ich überrascht, als wir über das grosse Kompetenzgesetz<lb/>
zu diskutieren begannen. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hatte im Haus die wichtigsten und<lb/>
dennoch aber kleinsten Streichungen an dem <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> Entwurf<lb/>
vorgenommen. Dennoch war es unserer Meinung zielführender entweder<lb/>
diese Streichungen und Änderungen im <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf durchzusetzen<lb/>
oder wenn dies nicht möglich war, dann auf jedwede Novelle auch für<lb/>
den ersten Teil des grossen Kompetenzgesetzes zu verzichten und nur<lb/>
mehr die Kompetenzänderungen zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> begann die<lb/>
Diskussion damit, dass er den neuen § 6 des <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurfes<lb/>
zur Debatte stellte. Hier hatte er von <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> verlangt, dass<lb/>
auch der Minister Möglichkeiten haben müsste, sein Ministerium über<lb break="no"/>prüfen zu können, ohne dass gegen einen Sektionsleiter oder Abteilungs<lb break="no"/>leiter eine Disziplinaruntersuchung vorliegt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wies insbesondere<lb/>
auf seine derzeitigen Erfahrungen im Verteidigungsministerium hin.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> beschwerte sich aber, dass auch der Entwurf von <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> zu<lb/>
diesem Punkt nur eine Gebarungskontrolle ermöglicht und eigentlich<lb/>
dem Minister die Verantwortung überlässt, ohne dass er die ent<lb break="no"/>sprechenden Kontrollmöglichkeiten wirklich besitzt. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit griff ich ein, teilte unseren Entwurf aus und sagte, dass die<lb/>
<choice><choice><sic>Mindest-Novelle</sic><corr>?</corr></choice></choice> doch die von uns rot unterstrichenen Änderungen in<lb/>
unserem Entwurf gegenüber dem <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf unbedingt durchgesetzt<lb/>
werden müssten. Zu meiner grossen Freude und Überraschung stürzten<lb/>
sich alle Minister auf meinen Vorschlag und erklärte dann noch, dass<lb/>
dies viel zu wenig sei. Auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schwenkte um und meinte, dass<lb/>
man eben aus meinem Entwurf alle anstössigen Stellen streichen sollte.<lb/>
Ich war nicht nur damit einverstanden, sondern erklärte sofort, dass<lb/>
diese Minimum-Forderung, die in meinen Entwurf aufgenommen wurde, nur<lb/>
im Hinblick auf den unmöglichen <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf zu verstehen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_04"><rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> hat bekanntlicherweise versucht, hier für die nächsten<lb/>
Jahrzehnte die jahrhundertealte bürokratische Organisation zu retten.<lb/>
Nach seinem Entwurf gibt es nur Sektionen, Abteilungen, Referate und<lb/>
der Minister ist halt ein notwendiges Übel in der Behördenorganisation.<lb/>
Der jetzt vorliegende Abänderungsvorschlag ist derart revolutionär,<lb/>
dass nicht einmal ich mir hätte träumen lassen, dass man dies von uns<lb break="no"/>serer Seite wird vorschlagen. Ich bin ja nur neugierig, was <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs><lb/>
unternehmen wird, wenn er diesen Vorschlag letzten Endes wird bearbeiten<lb/>
müssen. Ich sagte dies auch ganz offen. Betreffend die Kompetenzver<lb break="no"/>teilung im Konkreten erlebte ich allerdings auch einige Überraschungen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> erklärte, da er früher weggehen musste, dass er selbstverständlich<lb/>
bereit sein, die Kartell- und Preistreiberei-Kompetenz ans Handels<lb break="no"/>ministerium zu übertragen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte betreffend der Kartelle müsste<lb/>
man sich das noch genau überlegen, denn letzten Endes sei das Handels<lb break="no"/>ministerium ein Interessensministerium und ich könnte den Schutz der<lb/>
Konsumenten nur ad personam garantieren. Wenn einmal ein <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> mir<lb/>
wieder nachfolgen würde, müsste dann eine so grosse Interessenkollision<lb/>
bestehen, die sich ausschliesslich zugunsten der mächtigen Kartelle<lb/>
auswirken würde, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> stellten sich auf meine<lb/>
Seite. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meinte, dass die politischen Möglichkeiten ausser Acht<lb/>
gelassen werden müssten, denn es sei das Handelsministerium und das<lb/>
Land- und Forstwirtschaftsministerium keine Interessensministerien,<lb/>
sondern ebenfalls Organe der Bundesregierung. Früher einmal war das<lb/>
Sozialministerium auch ein reines Interesensministerium und er bemüht<lb/>
sich auch, aus dieser Situation herauszukommen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte wieder,<lb/>
es müssten doch die wirtschaftspolitischen Agenden auf mehrere Ressorts<lb/>
verteilt werden. Wettbewerbspolitik aber sei doch ausschliesslich dem<lb/>
Handelsministerium zuzuordnen und deshalb müsste dies bei mir ressor<lb break="no"/>tieren, ein eventueller Nachfolger von mir - ein sogenannter <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> –<lb/>
müsste doch auch dann die Verantwortung für die Wettbewerbspolitik mit<lb/>
übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schlug dann noch vor, als Kompromiss gegebenenfalls,<lb/>
wie dies im Finanzstrafverfahren üblich ist, dass die kleineren Vergehen<lb/>
die Verwaltung und die grösseren Vergehen bei den Richtern verhandelt<lb/>
werden. Ein weiterer Punkt, der eigentlich schon bei den letzten Be<lb break="no"/>sprechungen erledigt war, ist die Frage des ERP-Büros. Hier hat<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__123329">Preglau</rs> über seinen Freund <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> im BKA alles<lb/>
mobilisiert, dass der angeblich sogar der österr.-amerikanische Vertrag<lb/>
gegen eine Verlegung der Kompetenz aus dem BKA in das HM widerspricht.<lb/>
Wegen der Abgrenzung gegenüber dem Aussenministerium gibt es deshalb<lb/>
<pb n="04-0053" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-01-18_0053.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jetzt neuerlich Schwierigkeiten, weil <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> nicht mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
reden konnte und deshalb die seinerzeitige Vereinbarung zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97725">Marquet</rs> noch nicht ihren Niederschlag in dem neuen Ent<lb break="no"/>wurf gefunden hat. Derzeit ist noch die EFTA ebenfalls dem Aussenmini<lb break="no"/>sterium nach <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf unterstellt. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat aller<lb break="no"/>dings zugegeben, dass unsere Vereinbarung dahingehend lautet, dass<lb/>
nur die aussenpolitischen Integrationsfragen bei ihm ressortieren sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst meinte, dass EFTA schon ein abgeschlossener Vertrag<lb/>
ist und deshalb in der Durchführung selbstverständlich beim Handels<lb break="no"/>ministerium zu verbleiben hat. Mit dem Landwirtschaftsminister er<lb break="no"/>geben sich neuerdings Abgrenzungsschwierigkeiten. Der Warenverkehr,<lb/>
der dem Landwirtschaftsminister unterstellt ist, soll nur auf Roh<lb break="no"/>produkte und eventuell dringend notwendige erste Phase der Verarbeitung<lb/>
bei ihm verbleiben. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wies darauf hin, dass es ihm unmöglich ist,<lb/>
wenn er nur die Milch hätte und nicht gleichzeitig auch die Molkerei<lb break="no"/>produkte ressortmässig bei ihm ressortieren. Hier müssen wir noch<lb/>
einen gemeinsamen Nenner finden. Sicherlich ist die derzeitige Ab<lb break="no"/>grenzung, die eine Einteilung nach dem Zolltarif ist, bis Kapitel<lb/>
24 sind landwirtschaftliche Produkte und gehören deshalb zum LWM<lb/>
nicht vorteilhaft und auch nicht zielführend. Mit dem Verkehrsressort<lb/>
gibt es deshalb keine Differenzen in der Auffassung, wohl aber in dem<lb/>
vorliegenden <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf. Im <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>-Entwurf ist zwar vorge<lb break="no"/>sehen, dass die gesamte Elektrizitätswirtschaft zu mir kommt, betreffend<lb/>
die Verkehrssektion aber würde der gewerbliche Güterverkehr, der Gelegen<lb break="no"/>heitsverkehr und der Werksverkehr nach wie vor bei mir ressortieren.<lb/>
Eine solche Vorgangsweise halte ich für ganz unmöglich, weil entweder<lb/>
ist das Verkehrsressort für den gesamten Verkehr zuständig oder man<lb/>
sollte an der jetzigen Kompetenzeinteilung überhaupt nichts ändern.<lb/>
Betreffend die neuen Kompetenzen, die eigentlich teilweise das BKA<lb/>
wahrgenommen hat, wie z.B. Raumordnung, Entwicklungshilfe, umfassende<lb/>
Landesverteidigung, aber vor allem Umweltschutz müssten nun General<lb break="no"/>kompetenzen zumindetens für die sachlich zuständigen Ministerien ge<lb break="no"/>funden werden. Betreffend Umweltschutz ist es so, dass das Sozialministe<lb break="no"/>rium ja durch Ministerratsbeschluss schon ersucht wurde, die zusammen<lb break="no"/>fassende Koordination durchzuführen. Betreffend Raumordnung hat das<lb/>
Bundeskanzleramt bereits eine Raumordnungskonferenz mit den Landes<lb break="no"/>hauptleuten vereinbart. Die Entwicklungshilfe soll Bundeskanzleramt<lb/>
und Aussenamt, zumindest will das <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, abbesprochen werden,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> allerdings beharrt darauf, dass Entwicklungshilfe ausschliessl.<lb/>
im BKA ressortieren wird. Die umfassende Landesverteidigung dagegen<lb/>
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wird beim Unterricht und die wirtschaftliche leider bei mir<lb/>
ressortieren müssen. Die Aufteilung der Kompetenzen bereitete<lb/>
in Wirklichkeit keinerlei grosse Schwierigkeiten. Es hat nur<lb/>
verständlicherweise das Landwirtschaftsministerium am meisten Kompe<lb break="no"/>tenzen abtreten müssen, da das LWM ja in den vergangenen Jahrzehnten<lb/>
ja vielleicht sogar Jahrhundert eine Sonderstellung eingenommen hat<lb/>
und bis jetzt verstanden hat, alle Agenden eben an sich zu ziehen,<lb/>
weil es eben die Land- und Forstwirtschaft betrifft. Z.B. war noch<lb/>
immer das Land- und forstwirtschaftliche Schulwesen beim Landwirt<lb break="no"/>schaftsminister, obwohl wir in unsrem Programm natürlich vorgesehen<lb/>
haben, dass die Schule nicht nur demokratisiert sondern reorgani<lb break="no"/>siert gehört und dafür das Unterrichtsministerium zuständig ist.<lb/>
Dasselbe trifft bei den sozialpolitischen Kompetenzen der Land- und<lb/>
Forstarbeiter zu. Weiters hat das Landwirtschaftsministerium bis jetzt<lb/>
entsprechenden unlauteren wettbewerbsgesetzlichen Kompetenzen als<lb/>
Bundeskompetenz für sich in Anspruch genommen, um Qualitätsverordnungen<lb/>
für Futtergetreide, Saatgut, Pflanzen usw. erlassen zu können.<lb/>
Diese Kompetenzen wird es deshalb weiter brauchen ohne dass natür<lb break="no"/>lich expressis verbis ausgedrückt wird, dass das UWG bei ihm ressor<lb break="no"/>tiert. Am wirklich meisten beschnitten wird das Landwirtschaftsmini<lb break="no"/>sterium, zumindestens im Regierungsentwurf. Ob dieser Entwurf, der<lb/>
jetzt aber weitgehend nach sachlichen Gesichtspunkten erstellt wird,<lb/>
auch tatsächlich Gesetz werden kann, ist noch sehr offen, ich per<lb break="no"/>sönlich fürchte, dass auch die FPÖ für eine solche weitgehende Reform<lb/>
kaum zu gewinnen sein wird. Ich habe mich nur sehr dafür eingesetzt,<lb/>
dass nicht die Idee <rs type="person" ref="#per__97700">Loebensteins</rs> durchdringt, dass vor allem aber<lb/>
auch die Begutachtung dieses Gesetzes gewährleistet wird. <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs><lb/>
selbst meinte, 1968 sei eine Begutachtung durchgeführt worden, und<lb/>
die würde vollkommen genügen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird dies noch einmal genau<lb/>
prüfen. Die Minister haben nur die Aufgabe, jetzt innerhalb von<lb/>
14 Tagen in bilateralen Besprechungen die Differenzen, die aufgetaucht<lb/>
sind, noch zu bereinigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_05">Als zweiter wichtiger Punkt konnte der EDV (Elektronische Datenverar<lb break="no"/>beitung) – Bericht erledigt werden. Wir werden in der Regierung<lb/>
diesen Bericht zur Kenntnis nehmen, gleichzeitig aber <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> als<lb/>
Staatssekretär beauftragen, die durchgeführte Bestandsaufnahme<lb/>
nun durch eine Programmabstimmung zu ergänzen. Da ein Komitee<lb/>
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Dr. <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs> als Experte von der Regierung für diese Fragen bestellt<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> wird dann die Koordinierung zwischen dem Komitee<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs> und den einzelnen Ressortvertretern soweit sie fraktionell<lb/>
nicht in dem Komitee vertreten sind und für diese Frage herangezogen<lb/>
werden sollen, herstellen. Auf alle Fälle müsste <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> die Program<lb break="no"/>me der einzelnen Ressorts abstimmen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wies sofort darauf hin,<lb/>
dass er jetzt seine elektronische Datenverarbeitungsanlage bestellen<lb/>
muss, er wird ja ein grosses Rechenzentrum neu errichten, und die<lb/>
frei werdende noch vorhandene Kapazität sowohl dem Bautenminister<lb/>
als auch dem Handelsminister zur Verfügung stellen. Ich glaube, dass<lb/>
mit der Einschleusung von <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs> dieses Problem auch zielführend in<lb/>
Angriff genommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_06">Wir kamen dann weiters überein, die Landeshauptleute-Forderungen<lb/>
über Kompetenzen, die vom Bund auf die Länder übertragen werden<lb/>
sollen, jetzt vor den Präsidentenwahlen auf alle Fälle neuerdings<lb/>
zu aktivieren und in Verhandlungen einzutreten. Es werden die<lb/>
Ressorts aufgefordert, <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> ihre Vorschläge zu den Wünschen<lb/>
der Landeshauptleute unverzüglichst zu übermitteln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_07">Die Ministerratsvorbesprechung war sehr kurz und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte<lb/>
nur mit, dass er die Bregenzer Festspiele möchte und alle beteiligten<lb/>
Ministerien, auch das Handelsministerium, von ihm eingeladen werden.<lb/>
Ebenso findet am Montag, den 1. Feber um 10 Uhr eine Entwicklungs<lb break="no"/>hilfesitzung bei ihm statt und alle beteiligten Ministerien, die sich<lb/>
dafür interessieren, können einen Vertreter entsenden. Die Frauen<lb/>
haben neuerdings bei ihm einen Lagebericht über die Frauen in<lb/>
Österreich gefordert und es wird deshalb <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> und <rs type="person" ref="#per__98105">Wondrack</rs> beauf<lb break="no"/>tragt, konkretere Vorschläge über einen solchen Bericht zu erstatten.<lb/>
Die von ihm angeregte Spendenkommissionsüberprüfung, um die Seriosi<lb break="no"/>tät der Werber wie z.B. in der BRD zu prüfen, werden jetzt dem Ver<lb break="no"/>fassungsdienst in seinem Haus übermittelt. Er soll einen diesbezüg<lb break="no"/>lichen Vorschlag unterbreiten. Die Kurzwellen-Wünsche des ORF,<lb/>
bekanntlicherweise sollte die Bundesregierung 35 Mill. S bereit<lb break="no"/>stellen, im Budget sind aber nur 10 Mill. S vorgesehen, werden<lb/>
neuerdings diskutiert. Da die ORF behauptet, er würde wenn er auf<lb/>
diesen Wellen nicht sendet, diese verlieren, habe ich vorgeschlagen,<lb/>
dann sollte man halt ein Normalprogramm auf diesen Wellen ausstrahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-18_08">Das ist noch immer besser, als das derzeitige abgestandene Kurz<lb break="no"/>wellenprogramm, das um einen Tag meistens später erst Aktuelles<lb/>
in die Welt sendet. Auch dagegen ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, denn er stellt sich vor,<lb/>
mit den 35 Mill., die die Kurzwellen kosten würden, ich glaube aller<lb break="no"/>dings, dass die reine Technik wesentlich billiger sein müsste, andere<lb/>
Massnahmen kultureller Art ergreifen zu können. Ihm schwebt ähnlich<lb/>
der Pro Helvetia die Pro Austria vor.<lb/>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Loebenstein, Edwin</persName>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Wondrack, Gertrude</persName>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
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