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            <title type="main">Dienstag, der 12. Jänner 1971</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_02">Die ÖMV-Vertreter, Dkfm. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> als Kommerzialist und Ing. <rs type="person" ref="#per__134316">Schuh</rs><lb/>
ihr technischer Fachmann, bestätigten mir neuerdings, dass Heizöl<lb/>
nicht für Dieselantrieb verwendet werden dürfte. Richtig ist, dass<lb/>
die eingesandte Probe von Salzburg ein Heizöl gewesen ist, das dem<lb/>
Dieseltreibstoff gleich zu werten ist. Die ÖMV hat im Herbst aus Ver<lb break="no"/>sorgungsgründen Dieselöl auch als Heizöl abgegeben. Dadurch hat der<lb/>
ansonsten im Heizöl befindliche Petroleumzusatz nicht bestanden. Nach<lb/>
Mitteilung der ÖMV wurde dies aber bereits wieder eingestellt. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
teilte mit, dass er von einer Firma verständigt wurde, dass uns die<lb/>
ÖMV hier ja nicht 100 %-ig informiert. Sie hätte schon in der vergangenen<lb/>
Zeit und wird dies auch in Zukunft tun, Dieselöl als Heizöl verkauft<lb/>
und es könnte deshalb ohne weiteres das eingefärbte Heizöl für Diesel<lb break="no"/>treibstoff verwendet werden. Da ich mir über die Sache einen Überblick<lb/>
verschaffen muss, werde ich mich mit den Fachleuten der ÖMV aber auch<lb/>
der Untersuchungsanstalt, die das Gutachten geliefert hat, und anderen<lb/>
Fachleuten zusammensetzen, um eine endgültige Klärung herbeizuführen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wird allerdings vorerst recherchieren, ob unser Informant bereit<lb/>
ist, an dieser Sitzung teilzunehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_03">Im Ministerrat teilte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit, dass wir am kommenden Montag die<lb/>
Mitglieder der Bundesregierung, also kein Ministerrat, sich mit dem<lb/>
grossen Kompetenzgesetz, dem Verwaltungsreformbericht noch aus der<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs>-Ära, das Personalausschreibungsgesetz und über die IDV-Koordi<lb break="no"/>nation unterhalten werden. Ausserdem soll überprüft werden, wie weit<lb/>
ein Minister die Möglichkeit hat, in seinem Ressort Gesetzmässigkeit,<lb/>
Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit der Verwaltung<lb/>
zu überprüfen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> berichtete über die Pressemitteilung, dass für<lb/>
die Bundestheater ein neues Arbeitszeitgesetz gemacht werden sollte.<lb/>
Er teilte mit, dass dies eine falsche Auslegung ist. Im Einvernehmen<lb/>
zwischen den Arbeitgebern, d.h. der Bundestheaterverwaltung, und den<lb/>
Arbeitnehmern und der Gewerkschaft, ist es zuzuschreiben, dass ein<lb/>
Übereinkommen getroffen wurde, wonach 40–45 Tage 13 Stunden im Tag<lb/>
gearbeitet werden kann und 100 Tage mit zehn Stunden. Daraus ergibt<lb/>
sich, dass ca. 450 Überstunden pro Jahr anfallen würden gegenüber derzeit<lb/>
von 900 bis 1000 Überstunden pro Jahr. Die Bundestheaterverwaltung<lb/>
wird nun ein diesbezüglichen Ansuchen an das Arbeitsinspektorat um<lb/>
Ausnahmegenehmigung stellen. Ich hoffe, dass diese Regelung nicht<lb/>
<pb n="04-0032" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-01-12_0032.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in der gewerblichen Wirtschaft sehr bekannt wird, denn ansonsten<lb/>
werden natürlich viele Unternehmer kommen und ebenfalls eine solche<lb/>
Ausnahmeregelung wünschen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erzählte mir nach dem Ministerrat<lb/>
dass jetzt die Besprechungen zwischen den Ressorts Handel und Soziales<lb/>
betreffend des Dienstnehmerschutzes aufgenommen wurden und er möchte<lb/>
nur bitten, dass diese Verhandlungen sich nicht auf die lange Bank<lb/>
schieben. Daran haben auch wir kein Interesse, sondern war wir erreichen<lb/>
wollen ist, dass wir die grössten Unmöglichkeiten aus diesem sozial<lb break="no"/>politischen Gesetz herausbringe. Z.B. dass gesetzliche Regelungen ge<lb break="no"/>schaffen werden wie das Arbeitszeitgesetz und dann Fälle eintreten wie<lb/>
bei der Bundestheaterverwaltung, dann frage ich mich immer, ob hier<lb/>
die Sozialpolitiker wirklich den richtigen Weg gegangen sind oder<lb/>
ob sie nicht in Verblendung eines Zieles gar nicht auf die Wirklichkeit<lb/>
Rücksicht genommen haben. In der Vorbesprechung und im Ministerrat<lb/>
habe ich eine Schlacht im wahrsten Sinne des Wortes verloren. Die<lb/>
BBC, British Broadcasting Corporation will einen Film – Krieg und Frieden –<lb/>
in Österreich drehen und möchte 1.500 Soldaten vom Bundesheer geliehen<lb/>
haben. Der Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> konnte sich zu dieser Mass<lb break="no"/>nahme nicht entschliessen. Objektverweise hat er allerdings im Mini<lb break="no"/>sterrat berichtet, dass das Handelsministerium vom Standpunkt der Film<lb break="no"/>wirtschaft an dieser Aktion sehr interessiert ist, doch könnte er<lb/>
aus grundsätzlichen Überlegungen – es wird immer wieder behauptet, dass<lb/>
das Militär nicht einsatzfähig ist – einer solchen Regelung nicht zu<lb break="no"/>stimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_04">Bei der Sektionsleiterbesprechung ereignete sich zum ersten Mal ein<lb/>
Vorfall, der meiner Meinung nach bereits vor etlichen Monaten hätte<lb/>
– wenn es nach mir gegangen wäre – eintreten müssen. Wir besprachen<lb/>
den Umstand, dass Sektionsleiter Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> während meiner Abwesen<lb break="no"/>heit, ohne dass ich etwas davon wusste, obwohl mit mir in anderen Problemen<lb/>
telefoniert wurde, eine Verordnung unterschrieben hat über Dieselöl<lb/>
und Petroleum. Im Amtsblatt der Wiener Zeitung steht nur sein Name,<lb/>
nicht einmal für den Bundesminister. Da ich den Akt nicht unterschrieben<lb/>
habe, gibt es jetzt grosse verfassungsrechtliche Bedenken, ob dies<lb/>
gesetzmässig ist. Ich kritisierte natürlich auch in dieser Besprechung,<lb/>
dass man mich in einer anderen Sache angerufen hat und diese wichtige<lb/>
Frage mit mir nicht besprochen hat. Anhänger aber war, dass jetzt der<lb/>
Verordnungsnotstand behoben werden müsste. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> meinte, er<lb/>
könnte sich ohrfeigen, denn er hätte bevor er die Anordnung unter<lb break="no"/><pb n="04-0033" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band04/04_1971-01-12_0033.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schrieben hat, <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> hat sie ihm sozusagen vorgelegt und erklärt,<lb/>
es müsste unverzüglich von ihm unterschrieben werden, sich alle vorher<lb break="no"/>gehenden Verordnungen kommen lassen und festgestellt, dass es schon<lb/>
immer so gehandhabt wurde. In diese Phase der Diskussion mischte sich<lb/>
der neue Sekt.Chef Dr. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ein und gab gleich meiner Meinung nach<lb/>
eine sehr kurze, aber treffende Erklärung, wie man aus dieser Sache heraus<lb break="no"/>kommen könnte. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein<lb/>
Sektionschef in einer anderen Frage als die ihn unmittelbar betreffend<lb/>
das Wort ergriffen hätte. Scheinbar ist es in der Behördenbürokratie<lb/>
innerhalb der Sektionsleitungen so, dass einer dem anderen nicht<lb/>
ins Handwerk pfuscht, ja nicht einmal irgendwie insbesondere vor dem<lb/>
Minister Ratschläge erteilt oder Vorschläge erstattet. Dass eine solche<lb/>
Vorgangsweise vollkommen unmöglich ist, brauche ich nicht besonders zu<lb/>
erwähnen. Ich halte es für viel zielführender, wenn über Probleme offen<lb/>
diskutiert wird, <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> war sicher sichtlich angetan, dass man ihm jetzt<lb/>
helfen will und ich glaube, er wird es nicht als einen Eingriff in<lb/>
seine Recht auffassen. In den vergangenen Monaten konnte ich höchstens<lb/>
bei Sektionsleiterbesprechungen feststellen, dass wenn irgendwo ein<lb/>
Lapsus passiert ist oder eine Sache nicht zielführend erledigt wurde,<lb/>
andere hämisch in sich hineingegrinst haben und sich vielleicht sogar<lb/>
bübisch gefreut haben, dass der eine oder andere hier einen Schnitzer<lb/>
gemacht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_05">Der neue Vorsitzende des Bundesrates, Dr. <rs type="person" ref="#per__122904">Heger</rs>, der Bundesrat wechselt<lb/>
alle halben Jahr seinen Vorsitz, jetzt ist die ÖVP daran, wollte un<lb break="no"/>bedingt einen Antrittsbesuch bei mir machen. Als er in einer längeren<lb/>
Aussprache mit mir zu erkennen gab, dass er sich als Wirtschaftler fühl<lb break="no"/>te, er besitzt die immerhin sehr bedeutende Motorenvertretung Fa. Bauer,<lb/>
ist gleichzeitig der Vizepräsident der Handelskammer Salzburg, war<lb/>
mir klar, dass es hier nur um den persönlichen Kontakt zum Wirtschafts<lb break="no"/>minister handelt. Er bestätigte mir auch, dass er nur den Bundeskanzler<lb/>
und den Aussenminister, da er gleichzeitig Honorarkonsul von Belgien,<lb/>
glaube ich, ist, einen Antrittsbesuch machen wird. Seine grösste Sorge gilt der<lb/>
Aufwertung des Bundesrates. Ich konnte darauf hinweisen, dass diese<lb/>
österreichische Bundesregierung jetzt immer im Bundesrat ihre Minister<lb/>
vertreten hat und dass dies bei den vorhergehenden Regierungen keinesfalls<lb/>
der Fall gewesen ist. Er erwiderte sofort, dass er dies mit Freuden<lb/>
registriert habe. Er meinte allerdings, es wäre noch zielführender, wenn<lb/>
die Minister bei ihren Reden immer wieder darauf hinwiesen, was sie im<lb/>
Bundesrat dazu gesagt hätten oder daß der Bundesrat zur einen oder anderen<lb/>
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Ich muss zugeben, dass er ein sehr geschickter Vorsitzender ist, der<lb/>
es versteht, Public-Relations-Arbeit für den Bundesrat zu leisten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_06">Die Vertreter des Buchhandels, Dr. <rs type="person" ref="#per__134317">Morawa</rs>, der Präsident, Dr. <rs type="person" ref="#per__134318">Berger</rs>,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__134319">Tetter</rs> vom Verlag <choice><choice><sic>Herde</sic><corr>Herder</corr></choice></choice>, Herr <rs type="person" ref="#per__134320">Reisser</rs> vom Schrollverlag und der<lb/>
Gremialsekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__134321">Widhalm</rs> sowie Dr. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> von der Bundes<lb break="no"/>kammer kamen zu einer Besprechung über die Abgabe von Schulbüchern.<lb/>
Nach ihrer Meinung wäre es am zweckmässigsten eine geldliche Unter<lb break="no"/>stützung den Eltern zukommen zu lassen. Ich schlug ihnen vor, wir<lb/>
sollten von der Hypothese ausgehen, dass doch vielleicht das Parla<lb break="no"/>ment beschliesst, dass die Schulbücher unentgeltlich an die Schüler<lb/>
abgegeben werden soll und nicht die Eltern einem finanziellen Zuschuss<lb/>
in Form einer Geldprämie einmal im Jahr bekommen sollten. Ich würde<lb/>
mich für sie einsetzen, dass wenn sie ein brauchbares Verteilungs<lb break="no"/>konzept vorlegen könnten, dann der Unterrichtsminister darauf verzichten<lb/>
müsste, die Bücher über Verlage direkt mit den Lehrern an die Schü<lb break="no"/>ler abzugeben. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat mir bereits vor Wochen mitgeteilt, dass er<lb/>
diesbezügliche Überlegungen ausschliessen muss, da die Gewerkschaft<lb/>
der Lehrer sofort entsprechende Forderungen erhebt, die er nicht<lb/>
erfüllen kann. Er hat derzeit schon so wenige Lehrer und die Gewerk<lb break="no"/>schaft verlangt für jede zusätzliche Dienstleistung sofort weitere<lb/>
Freistunden. Da die Lehrerverpflichtung heute bereits schon teil<lb break="no"/>weise bis auf 18 Stunden pro Wochen zusammengeschrumpft ist, könnte<lb/>
er eine weitere Lehrverpflichtungskürzung nicht mehr zur Kenntnis<lb/>
nehmen. Er ist deshalb fest entschlossen, wenn ich mit den Buch<lb break="no"/>händlern ein zweckmässiges Verteilungssystem vorschlagen kann, dieses<lb/>
Verteilungssystem auch tatsächlich anzunehmen. Ich habe deshalb dem<lb/>
Buchhandel geraten, er sollte für alle Eventualitäten sich jetzt ein<lb/>
Konzept zurechtlegen und mir dies so schnell wie möglich zur Verfügung<lb/>
stellen. Zuerst hatte ich hart kritisiert, dass sie erst jetzt über<lb break="no"/>haupt den Weg zu mir gefunden hätten. Ich konnte darauf hinweisen,<lb/>
dass die Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__108321">Rameder</rs> bereits am 27. November mir eine diesbezüg<lb break="no"/>liche Information zukommen hat lassen, obwohl sie vom österreichischen<lb/>
Buchhandel überhaupt nicht dazu aufgefordert wurde. Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__108321">Rameder</rs><lb/>
bearbeitete bei Min.Rat <rs type="person" ref="#per__98100">Wohlgemuth</rs> eigentlich die kulturellen Belange<lb/>
des Ressorts. Sie hat die Ausstellungen, die Preisverleihungen und<lb/>
sonstige Fragen über. Sie war deshalb auch sehr erfreut, dass ich sie<lb/>
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dann erklärte, man möge jederzeit mit ihr den Kontakt aufrecht er<lb break="no"/>halten, dies sei genau so wie wenn man mit mir reden würde.<lb/>
Die Vertreter des Buchhandels, insbesondere Dr. <rs type="person" ref="#per__134319">Tetter</rs>, waren sehr<lb/>
erstaunt, dass ein Minister – und sie sagte dies auch – nicht nur<lb/>
Zeit hätte für die Delegation, sondern dieser sogar noch sagt, warum<lb/>
seid ihr nicht schön früher gekommen, ich hätte über dieser Problem<lb/>
schon gerne mit euch diskutiert. Bis jetzt hatten sie höchstens ge<lb break="no"/>hört, lasst mich mit euren Problemen in Ruhe. Bevor ein endgültiger<lb/>
Verteilungsplan erstellt werden kann, müssen natürlich noch einige<lb/>
Vorfragen gelöst werden. Z.B. ob das Leihsystem sich nur auf die<lb/>
Grundschulen und höhere Schulen beziehen soll. Ob die Wahlfreiheit<lb/>
aller approbierter Bücher bleibt, oder ob eine Listenbereinigung<lb/>
erfolgt. Ob letzten Endes alle Verlage herangezogen werden oder<lb/>
nur bestimmte Verlage. Insbesondere der letzte Punkt hat die Dele<lb break="no"/>gation sehr beunruhigt. Sie fürchten, dass die beiden Verlage<lb/>
Jugend &amp; Volk, ein rot angehauchter der Gemeinde Wien, oder der<lb/>
Bundesverlag, ein schwarz angehauchter des Bundes, ausschliesslich<lb/>
zur Verteilung herangezogen werden sollen. Ich beruhigte sie und erklär<lb break="no"/>te, je früher sie ein zweckmässiges Verteilungssystem uns vorlegen<lb/>
können und je einfacher und klarer und sicherer dieses Verteilungs<lb break="no"/>system wird, umso grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die<lb/>
Schulverwaltung dann auch dieses System zurückgreifen wird. Was<lb/>
die Frage der Kostenersparnisse betrifft, so waren wir uns<lb/>
einig, dass der Buchhandel nicht ganz ausgeschaltet werden kann,<lb/>
dass aber andererseits natürlich auch gewisse Kostenersparnisse dann<lb/>
Platz greifen, die in Form von verbilligter Abgabe an die Schulver<lb break="no"/>waltung erfolgen müsste. Betreffend der Forderung, dass Bücher in<lb/>
das Eigentum der Schüler übergehen sollten, konnte ich nur er<lb break="no"/>widern, dass es sich – soweit es sich um mehrjährige Bücher handelt –<lb/>
eine solche Möglichkeit besteht. Man kann selbstverständlich sagen,<lb/>
dass Atlanten, Wörterbücher usw. über eine vierjährige Periode ver<lb break="no"/>wendet werden. Aber alle Jahre allen Kindern neue Bücher zu geben,<lb/>
halte ich für vollkommen unmöglich. Es muss doch damit gerechnet<lb/>
werden, dass ein Buch mindestens 3–4 mal umgeschlagen wird, d.h.<lb/>
dass nur jedes vierte Jahr ein neues Buch in dem Gegenstand Ver<lb break="no"/>wendung finden kann. Als zweiten Wichtigen Punkt aber wollten die<lb/>
Vertreter unbedingt den festen Ladenpreis mit mir besprechen. Sie<lb/>
haben grosse Angst, dass im Zuge des Nettopreissystems auch die<lb/>
Bücher von dem festen Ladenpreis abrücken müssen. Laut Untersuchungen,<lb/>
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aus dem vorigen Jahrhundert. Unter Verkehrsordnung wird die Abgabe<lb/>
von Büchern vom Verlag an den Buchhandel und Verkaufsordnung die<lb/>
Abgabe vom Buchhandel an den Verkäufer verstanden. Dieser Handels<lb break="no"/>brauch, der etliche hunderte Jahre alt ist, findet in der Verkehrs-<lb/>
und Verkaufsordnung 1888 seinen Niederschlag. Man hat mich darauf<lb/>
aufmerksam gemacht, dass es für sie wichtiger ist, den festen Laden<lb break="no"/>preis zu erhalten als jedwede Änderung, die ich beabsichtige in der<lb/>
Gewerbeordnung. Mit anderen Worten, sie nehmen eine Liberalisierung<lb/>
ihres Handels lieber in Kauf als vom festen Ladenpreis abzugehen.<lb/>
Im Kartellgesetz wurden deshalb auch der Buchhandel ausgenommen und<lb/>
es sollte ihrer Meinung nach unbedingt dabei bleiben. Ich er<lb break="no"/>widerte, dass derzeit ja das Kartellgesetz noch nicht bei mir ressor<lb break="no"/>tiert, dass wir im Zuge der Untersuchungen, die anzustellen sind,<lb/>
aber auch im Hinblick auf die internationalen Verpflichten, die wir<lb/>
eingegangen sind, doch überlegen müssen, wie und in welchem Ausmass<lb/>
<choice><choice><sic>für</sic><corr>wir?</corr></choice></choice> entsprechende Änderungen vornehmen werden. Im Rahmen der OECD<lb/>
wurde von <choice><choice><sic>Englang</sic><corr>England?</corr></choice></choice> angeregt, dass sowohl die Apotheken als auch der<lb/>
Buchhandel, da sie gewisse Werte lagern müssen, die für die Bevölkerung<lb/>
von grösster Bedeutung sind, ausgenommen werden sollen. Für Apotheken<lb/>
wurde dies letzten Endes auch beschlossen. Der Buchhandel ist noch<lb/>
immer offen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_07">Ob.Mag.Rat Dr. <rs type="person" ref="#per__134322">Jager</rs>, als Ländersprecher der Österreichischen Fremden<lb break="no"/>verkehrswerbung und Dr. <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs>, der Geschäftsführer und Sprecher<lb/>
der Arbeitsgemeinschaft der Fremdenverkehrsdirektoren kamen, um die<lb/>
Nachfolge von <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> mit mir zu besprechen. Die Länder haben<lb/>
in den vergangenen Monaten, solange ich es beobachten kann, und mir<lb/>
wurde mitgeteilt, schon vor meiner Zeit, <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> immer sehr<lb/>
stark attackiert. Es wurde mir von allen fast mitgeteilt, dass<lb/>
mit ihm kein Auskommen sei. Jetzt versucht <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs>, einen seiner<lb/>
grössten Gegenspieler, eine Terminverlängerung um maximal ein halbes<lb/>
oder ganzes Jahr für ihn noch zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt hoffen<lb/>
sie dann, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__123822">Gaisbacher</rs> von der Steiermark sich bereit erklärt,<lb/>
als Geschäftsführer einzutreten. Ich erklärte, dass ich den Länder<lb break="no"/>vertretern das Vorschlagsrecht gerne einräume, aber verlangen muss,<lb/>
dass sie am 31. März einen neuen Geschäftsführer bestellen oder<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> für die weiteren drei Jahre akzeptieren. Ich halte eine<lb/>
solche Entscheidung. wie sie sie eventuell, d.h so viel mir <rs type="person" ref="#per__134322">Jager</rs><lb/>
vorher mitteilte, eigentlich nur <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> als einziger, gerne möchte,<lb/>
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zu beschäftigen und dann einen anderen Geschäftsführer zu bestellen,<lb/>
für unmöglich. Wenn <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> nicht die Zustimmung der Länder<lb/>
findet, wenn sich die Länder nicht dazu bekennen, dass sie ihn in<lb/>
Zukunft unterstützen werden, dann müssen wir auch für die Geschäfts<lb break="no"/>führung der Fremdenverkehrswerbung eine andere Lösung finden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> wies noch darauf hin, dass <rs type="person" ref="#per__123822">Gaisbacher</rs> sich so schnell nicht<lb/>
von der Steiermark lösen könne, er erklärte dann auch, dass <rs type="person" ref="#per__123822">Gaisbacher</rs><lb/>
jetzt angefangen hat, sich ein Haus in der Steiermark zu bauen, so dass<lb/>
ich eigentlich fast schon mit Sicherheit sagen kann, dass er wahrschein<lb break="no"/>lich gar nicht diese Funktion übernehmen will und wird. Wenn die Reor<lb break="no"/>ganisation der Fremdenverkehrswerbung fortschreiten soll, dann muss<lb/>
die Ländervertreter-Konferenz, die am 21. Jänner in Kitzbühel tagt,<lb/>
eine endgültige Entscheidung treffen. Zum Glück war der Sprecher<lb/>
der Länder, <rs type="person" ref="#per__134322">Jager</rs>, dieser Meinung und hat <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> sehr klar und deut<lb break="no"/>lich gesagt, dass eine solche Entscheidung jetzt eben wirklich am<lb/>
21. Jänner getroffen werden muss. <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> wollte dann noch wissen,<lb/>
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wird, und ich konnte ihm mitteilen, dass ja seine Abteilung derzeit<lb/>
noch verwaist ist, es ist ja nur Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mit der Führung be<lb break="no"/>traut, und er jederzeit diese Abteilung wieder bekommen kann.<lb/>
Was die Frage einer Sektion oder Gruppe betrifft, könnte ich der<lb break="no"/>zeit überhaupt noch nichts sagen, weil eben erst das Kompetenzge<lb break="no"/>setz geklärt und beschlossen werden muss und ja die alleinige Kompe<lb break="no"/>tenz für Fremdenverkehrsfragen im meinem Ressort ressortieren wird.<lb/>
Sicherlich könnte – wenn zu diesem Zeitpunkt <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> dann be<lb break="no"/>reits im Ministerium ist, eine Möglichkeit für ihn bestehen, eben<lb break="no"/>falls die Gruppe Fremdenverkehr zu bekommen. Eine endgültige Ent<lb break="no"/>scheidung habe ich aber auch in dieser Frage noch nicht getroffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band04_1971-01-12_08">Obwohl ich mich körperlich nicht sehr wohl fühlte, ging ich doch<lb/>
noch in unsere erste Ausschussitzung im dritten Bezirk, um die Ge<lb break="no"/>nossinnen und Genossen über die politische Lage zu informieren. Ich<lb/>
wusste ja nicht, dass <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> dort vielleicht dieses Referat<lb/>
übernommen hätte. Nach der Diskussion allerdings bin ich gleich<lb/>
nach Hause gefahren.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 36. Ministerratssitzung, 12.1.1971</head>
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               <persName type="label">Kreutler, Horst</persName>
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               <occupation>ÖMV, Dir. Fa. Semperit</occupation>
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               <persName type="label">Gaisbacher, Josef</persName>
               <persName><surname>Gaisbacher</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Landesfremdenverkehrsamt Stmk. (Tirol?)</occupation>
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               <persName type="label">Würzl, Anton</persName>
               <persName><surname>Würzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Widhalm, A</persName>
               <persName><surname>Widhalm</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Gremialsekretär Buchhandel (HK?) [Vorname ev. Karl,
                  unsicher]</occupation>
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               <persName type="label">Rameder, Maria</persName>
               <persName><surname>Rameder</surname><forename>Maria</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Manzano, Hans</persName>
               <persName><surname>Manzano</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Salzburger Landesverkehrsdir. [1971 als Gf. und Sprecher
                  Arbeitsgemeinschaft der Fremdenverkehrsdirektoren]</occupation>
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               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Berger, H</persName>
               <persName><surname>Berger</surname><forename>H</forename></persName>
               <occupation>Vertreter Buchhandel [1971; Geschichte d. Buchhandels in Österr. erw. S.
                  348 einen Gottfried Berger, Inhaber der später mit Morawa fusionierten Fa. Mohr;
                  möglich, aber unsicher; ev. ident mit Berger, G von 1981?]</occupation>
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               <persName type="label">Heger, Hans</persName>
               <persName><surname>Heger</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-BR-Abg., Sbg.</occupation>
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               <persName type="label">Schuh, A</persName>
               <persName><surname>Schuh</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>ÖMV [technischer Fachmann bzgl. Verwendung 1971]</occupation>
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               <persName type="label">Schleifer, Kurt</persName>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Jager, A</persName>
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               <occupation>Ländersprecher ÖFVW [1971; Ob.Mag.Rat; 7.9.1971 Vertreter der
                  Fremdenverkehrsreferenten genannt, also ev. solcher in einem
                  Bundesland?]</occupation>
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               <persName type="label">Waldbrunner, Karl</persName>
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               <persName type="label">Klaus, Josef</persName>
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               <occupation>BK 1966-70, ÖVP</occupation>
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               <persName type="label">Tetter, Otto</persName>
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               <occupation>Schroll-Verlag [offenbar mehrere Familienmitglieder, unklar,
                  welcher]</occupation>
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               <persName type="label">Wohlgemuth, A</persName>
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               <occupation>MR HM [ev. Falschschreibung; 1972 lt. JS bereits
                  pensioniert]</occupation>
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               <occupation>Vorsteher Bundesgremium Buchhandel</occupation>
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               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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