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            <title type="main">Dienstag, der 22. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_01">In der Ministerratsvorbesprechung wurde festgelegt die Parlaments<lb break="no"/>arbeit in den Frühjahrsmonaten, d.h. in der Herbstsession. Da die<lb/>
Bundespräsidentenwahl am 25. April sein wird, ist anzunehmen, dass<lb/>
Mitte März bereits die Herbstsession beendet sein wird. An grösseren<lb/>
parlamentarischen Arbeiten ist nur eine Verabschiedung der kleinen<lb/>
Strafrechtsreform zu rechnen. Ebenso muss unbedingt noch die Heeres<lb break="no"/>reform über die Bühne gebracht werden. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wird versuchen, die Schü<lb break="no"/>lerbeihilfe und Schülerorganisationsgesetz noch in dieser Session zu<lb/>
verabschieden. Auch <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> muss noch für die Bundespräsidentenwahl die<lb/>
Wahlordnung auf Grund der jetzt vorliegenden Wahlordnung zum National<lb break="no"/>rat modifizieren. Mit diesen Arbeiten kann sich das Parlament noch<lb/>
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Frühjahrssession nach der Bundespräsidentenwahl zustandekommen. Nachdem<lb/>
der Hauptausschuss aber noch den Wahltag bestätigen muss, die Bundes<lb break="no"/>regierung wird 25.4. vorschlagen, bleib offen, ob dieser auch schon<lb/>
endgültig ist. Wenn aber dieser Termin angenommen ist, so ist mit 1.Mai<lb/>
mit der Angelobung zu rechnen. Anschliessend tritt die Regierung zurück<lb/>
und müsste neuerdings vom Bundespräsidenten bestätigt werden. Wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> – was nicht anzunehmen ist – nicht mehr gewählt wird, dann wird<lb/>
sich natürlich eine ganz andere politische Situation ergeben. Selbst<lb/>
auch wenn <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> wiedergewählt wird, so kann dieser Regierungsrück<lb break="no"/>tritt ein formeller sein oder es können sich daraus irgendwelche Konse<lb break="no"/>quenzen abzeichnen. Da <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> bei seiner letzten Wiederwahl sehr stark<lb/>
beansprucht wurde, wird diesmal beabsichtigt, bei der Wiederwahl <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs><lb/>
ganz im letzten Moment, d.h. kurzfristig und nicht intensivst einzu<lb break="no"/>setzen. Deshalb werden die Regierungsmitglieder sehr stark herange<lb break="no"/>zogen werden. <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> allerdings glaubt, dass es zielführender wäre,<lb/>
bereits nach dem Parteirat, der am 8. Feber stattfindet, und <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs><lb/>
bitten wird, bestätigen wird, dass er neuerdings als Bundespräsident-<lb/>
Kandidat der sozialistischen Partei gilt, mit einer Kampagne bereits<lb/>
von den Ministern begonnen werden sollte. Die Regierungsfraktion kam<lb/>
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festlegen muss, wie die Partei in diesem Punkt vorgehen soll, dass<lb/>
eine Verquickung zwischen der Bundespräsidentewahl und der Tätigkeit<lb/>
der Bundesregierungsmitglieder nicht sehr ideal wäre. Nur <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs><lb/>
meinte, dass auf alle Fälle damit zu rechnen ist, dass die österr. VP<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> sehr angreifen wird, weil er eine Minderheitsregierung bestätigt<lb/>
hat. Es muss deshalb diese Regierung darauf hinweisen können und dies<lb/>
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sie nicht nur regiert hat, sondern auch einige Leistungen zu verzeichnen<lb/>
hat. Auf alle Fälle kann ich ja noch die Russlandreise, die ich unbedingt<lb/>
im Frühjahr absolvieren muss, Ende März/Anfang April über die Bühne bringen.<lb/>
Wir müssen nur schauen, dass die Termine zeitgerecht vereinbart werden,<lb/>
damit sie gesperrt werden können.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_02"><rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> regte an, dass der erste Entwurf des Rechnungshofes, den die Bundes<lb break="no"/>ministerien zur Stellungnahme bekommen, auch den ehemaligen Bundesmini<lb break="no"/>stern zugänglich gemacht werden sollen, damit sie eine Chance haben, gegen<lb/>
diese Rechnungshofberichte zu polemisieren, resp. eventuelle Angriffe<lb/>
ressortmässig noch zu begegnen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_03">Der Ministerrat war furchtbar kurz und der einzige wirklich mündliche<lb/>
Bericht, war, dass <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> mitteilte, dass er mit Swiss-Air-Vertretern<lb/>
jetzt Verhandlungen führt, um die Verkehrsabkommen zwischen Österreich<lb/>
und der Schweiz und Österreich und den anderen Ländern mit der Swiss-Air<lb/>
abzustimmen. Die Swiss-Air wird als Betriebsgesellschaft ja die AUA<lb/>
in kürzester Zeit übernehmen. Die AUA selbst wird zwar weiter bestehen<lb/>
bleiben, nicht zuletzt um die Vorteile der Verkehrsabkommen mit anderen<lb/>
Staaten zu wahren. Die Betriebsgesellschaft Swiss-Air – AUA aber wird<lb/>
de facto den gesamten Flugbetrieb in Österreich führen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_04">Die Verleihung der Dekrete im Marmorsaal ist eine viel feierlichere<lb/>
Angelegenheit als ich es angenommen hatte. Abgesehen davon, dass die<lb/>
meisten wirklich feierlichst gekleidet gekommen sind, glaube ich, ist<lb/>
es für die Beamten ein erhebender Augenblick, wo sie – sei es das sie in<lb/>
Pension gehen oder irgendwelche Titel kriegen, für die sie ja keine<lb/>
Mittel bekommen, sei es, dass die Neuernannten hier vor der versammelten<lb/>
Beamtenschaft von dem Minister ausgezeichnet werden. Zum Glück hatte<lb/>
ich verlangt, dass ich bei jedem Einzelnen eine kurze Beschreibung<lb/>
bekomme, was er bis jetzt gemacht hat und was beabsichtigt ist in weiterer<lb/>
Zukunft mit ihn zu tun. Ich hatte insbesondere auch verlangt, mir mitzu<lb break="no"/>teilen, wie und in welchem Rahmen er seine Tätigkeit bisher ausgeübt hat.<lb/>
Dadurch konnte ich ausser einer allgemeinen Erklärung über die Bedeutung<lb/>
der Beamtenschaft und der jahrzehntelangen Tradition bei der Dekret<lb break="no"/>übergabe auf jede Einzelne Person näher eingehen. Was die Ansprache be<lb break="no"/>trifft hat mich <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> nachher darauf aufmerksam gemacht, dass ich betref<lb break="no"/>fend der Tradition nicht so stark auftragen soll, denn dies wird mir nicht<lb/>
abgenommen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_05">Bei der anschliessenden Übergabe der Sektion II von dem in Pension<lb/>
gehenden Sekt.Chef <rs type="person">Habel</rs> an Dr. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hatte ich den Eindruck, dass<lb/>
eigentlich alle Abteilungsleiter der Sektions II mehr oder minder<lb/>
sich abgefunden hatten. Nur <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> – verständlicherweise, er hatte<lb/>
sich grosse Hoffnung ausgerechnet, dass er diese Sektion übernehmen<lb/>
könnte - war, das war ihm deutlich anzusehen, sehr sauer. Ich bin<lb/>
aber überzeugt und hoffe, dass es <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> gelingen wird, auch <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs><lb/>
mit der Zeit zu versöhnen. Ich hatte <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> die Berichte der einzelnen<lb/>
Abteilungen über ihre Tätigkeit zur Verfügung gestellt und er hatte<lb/>
dieses Material sehr genau studiert, sodass er jetzt, wenn er die<lb/>
einzelnen Abteilungen im Jänner besuchen wird, dann nicht mehr ganz<lb/>
unbeleckt deren Arbeit gegenübersteht, sondern schon die Hauptprobleme<lb/>
kennt. und damit auch natürlich einen entsprechenden Diskussions<lb break="no"/>anknüpfungspunkt hat.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_06">Ich hatte zum Glück die Sektionschefs, die anschliessend nach der<lb/>
Dekretverleihung zu mir ins Zimmer gekommen sind gebeten, sie mögen<lb/>
es sich einstweilen gemütlich machen, haben einige alkoholische Getränke<lb/>
und natürlich auch alkoholfreie Getränke kommen lassen und wir haben uns<lb/>
anschliessend nach der Sektionsübergabe doch wenigstens einmal auf eine<lb/>
Dreiviertelstunde gemütlich zusammengesetzt. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
konnte ich feststellen, dass einige Sektionschefs in ihrer früheren<lb/>
Funktion von den Ministern, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> sehr oft – zu einem Trink<lb break="no"/>gelage bei dieser Gelegenheit veranlasst und verhalten wurden. Angeb<lb break="no"/>lich und ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, waren sie darüber<lb/>
gar nicht sehr erfreut. Ich prägte deshalb – und ich sagte ausdrück<lb break="no"/>lich zu ersten und letzten Mals – den Ausdruck, was ich für ein guter<lb/>
Minister sei, denn ich würde sie als Antialkoholiker nicht einmal<lb/>
auch nur animieren auch nur ein Glas zu trinken. Ich verabschiedete<lb/>
mich dann und wünschte jedem einzelnen einen entsprechend guten<lb/>
Weihnachtsurlaub und ein glückliches Neues Jahr und ich glaube, dass<lb/>
es doch geglückt ist, innerhalb dieser kurzen Zeit die menschlichen<lb/>
Kontakte mit den Herren wesentlich zu verbessern. Ich sagte freimütig, dass<lb/>
man mir – als ich das Amt übernommen hatte – prophezeit hat, "na, du<lb/>
wirst schon sehen, was Du alles erleben wirst und ich muss freimütig<lb/>
gestehen, dass ich eigentlich gar nichts erlebt habe, sondern dass es<lb/>
wirklich geglückt ist, die loyale Haltung der Beamtenschaft auch mir<lb/>
gegenüber zu erhalten.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_07">Auch von meinen unmittelbaren in engstem Kontakt befindlichen Kolle<lb break="no"/>ginnen und Kollegen, das ist das Ministerbüro die Bedienerin und<lb/>
die Amtsgehilfen und Chauffeure konnte ich mich noch an demselben<lb/>
Tag verabschieden. Wir haben die Geschenke, die das Ministerium,<lb/>
d.h. in dem Falle eigentlich der Minister von allen möglichen und<lb/>
unmöglichen Stellen bekommt, gesammelt. Soweit es sich nicht um<lb/>
wertvolle Geschenke handelt, die selbstverständlich zurückgesendet<lb/>
wurden, wurden diese Geschenke nun von der Koll. <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> in einem<lb/>
Tombola fein säuberlich in Gruppen zusammengefasst und jeder einzelne<lb/>
konnte zweimal aus einer Schachtel Nummern ziehen und hat dann entweder<lb/>
etwas gewonnen, was er wirklich sich gewünscht hat und brauchen kann<lb/>
oder gegebenenfalls halt etwas, was er überhaupt nicht benötigt.<lb/>
<rs type="person">Leschner</rs> hat mir erklärt, dass so etwas noch niemals im Ministerium<lb/>
in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit vorgekommen ist. Ich persönlich<lb/>
stehe aber auf dem Standpunkt, dass man die Geschenke, die man als<lb/>
Minister bekommt, niemals der Person gelten, sondern immer der Funk<lb break="no"/>tion und deshalb sollen sie auch soweit sie im Ministerium für mich<lb/>
abgegeben werden, natürlich auch als Funktionsausfluss der Ministerien<lb break="no"/>bürokratie, d.h. dem Ministerbüro und allen Kollegen, die damit<lb/>
zusammenhängen, gegeben werden. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat auch und damit war ich<lb/>
nicht nur einverstanden und habe es sogar angeregt, die restlichen<lb/>
verrechenbaren Amtspauschalen nicht mit irgendwelchen unnötigen Aus<lb break="no"/>gaben verbraucht, sondern den Rest auf die Kolleginnen u d Kollegen<lb/>
des Ministerbüros aufgeteilt. Ich glaube, dass es damit möglich war, die<lb/>
Leistung, die gerade diese Kolleginnen und Kollegen, von der Bedienerin<lb/>
bis zu unseren Hochqualifizierten anzuerkennen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_08">Mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hatte ich eine letzte Besprechung, um ihnen<lb/>
ein frohes Fest und glückliches Neujahr zu wünschen. Ich nützte natür<lb break="no"/>lich noch die Gelegenheit, um die Frage der Managementausbildung zur<lb/>
Sprache zu bringen. Während <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf dem Standpunkt stand, er würde<lb/>
dies im Frühjahr über die Bühne gehen lassen, wie wir es wünschen,<lb/>
nämlich die Gründung eines Vereines, zeigte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> doch die Absicht,<lb/>
eventuell ohne eine Vereinsgründung auszukommen. Ich opponierte<lb/>
gegen diese Meinung und meinte, dass wir dann die notwendigen Mitteln,<lb/>
die wir bereitstellen wollen, nicht zur Verfügung stellen können. Der<lb/>
Hinweis, dass wir die Handelskammer oder eine sonstige Institution<lb/>
direkt subventionieren können, wurde von mir nicht goutiert. Ich<lb/>
brachte bei der Gelegenheit gleich meine Bedenken vor, dass wir heuer,<lb/>
weil die Zeit schon so weit vorgeschritten ist, eine Untersuchung, die<lb/>
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machen soll, über die Bundeskammer subventionieren. Dies kann nur<lb/>
ausnahmsweise geschehen und ich halte den Weg nicht für zielführend,<lb/>
dass wir der Bundeskammer 200.000 S überweisen, sie gibt 50.000 S<lb/>
dazu und sie gibt den Auftrag dem Institut an der Hochschule für<lb/>
Welthandel. Ich habe nicht dazu gesagt, dass wir gar keine andere<lb/>
Möglichkeit mehr hätten. Da das Institut an der Hochschule für Welthandel<lb/>
eine staatliche Stelle ist, könnten wir keinen direkten Auftrag an die<lb break="no"/>ses Institut geben, sondern wir hätten nur die Möglichkeit, mit<lb/>
einem Budgetüberschreitungsgesetz die Mittel bei uns wegzunehmen und<lb/>
dem Institut an der Hochschule für Welthandel zur Verfügung stellen.<lb/>
Bezüglich der Koordination zwischen der Österr. Fremdenverkehrsstelle<lb/>
d.h. den Zweigstellen im Ausland und den Handelsdelegierten im Aus<lb break="no"/>land wird <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> mir noch entsprechende Vorschläge unterbreiten.<lb/>
Betreffend die sektorale Industriepolitik hat <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> natürlich sofort dagegen polemisiert, dass wir scheinbar doch<lb/>
wieder aus dem Ausdruck sektorale Industriepolitik entnimmt er dies al<lb break="no"/>lein, hier eine gewisse Klassifizierung der einzelnen Branchen durch<lb break="no"/>führen wollen. Ausgelöst wurde dieses Misstrauen durch die Bemerkun<lb break="no"/>gen, die <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> in der Grundsatzabteilung in dieser Hinsicht gemacht<lb/>
hat. Weiters aber durch ein umfangreiches statistisches Erhebungs<lb break="no"/>formular, welches er für die einzelnen Branchenreferenten zusammenge<lb break="no"/>stellt hatte. Abgesehen davon, dass ich auf dem Standpunkt stehe,<lb/>
das wir technisch gar nicht in der Lage wären, dieses umfangreiche<lb/>
Ziffernmaterial auch zu verarbeiten, glaube ich, dass niemand von<lb/>
den Unternehmungen bereit ist, diese Fragen auch nur annähernd zu<lb/>
beantworten. Ich halte deshalb gar nichts davon, wenn man hier<lb/>
systematisch vorgeht und alles zuerst festlegt, was man wissen will<lb/>
und was man erheben will und was man verarbeiten will, wenn man<lb/>
keine Chance hat, erstens das Ziffernmaterial zu kriegen und selbst<lb/>
wenn man einen Teil des Ziffernmaterials bekommt, es auch tatsächlich<lb/>
zu verarbeiten. Ich glaube, dass wir auch hier den pragmatischen Weg<lb/>
gehen müssen und auf Grund der jetzt vorliegenden Ziffern der jetzigen<lb/>
Dokumentation, wie man sie von einzelnen Branchen kennt, entsprechend<lb/>
die Referenten so informieren und dort dann die notwendigen Sachkennt<lb break="no"/>nisse zu speichern. Diese Vorgangsweise hat <rs type="person" ref="#per__97498">Ossi Grünwald</rs> in der<lb/>
Arbeiterkammer mit einer Perfektion entwickelt, die ihn letzten Endes<lb/>
jetzt zu dem bestinformiertesten Mann von der Verstaatlichten Industrie<lb/>
gemacht hat. Nicht zuletzt deshalb hat er bei der Wirtschaftsprogramm<lb break="no"/>erstellung so wesentlich mitarbeiten können und jetzt vor allem<lb/>
einmal alle Voraussetzungen um Generalsekretär bei der ÖIAG zu werden.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_09">Wäre <rs type="person">Kothbauer</rs> nicht so frühzeitig verstorben, bin ich überzeugt,<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat es mir bestätigt, dass <rs type="person" ref="#per__97498">Ossi Grünwald</rs> ohne den Weg<lb/>
über das Generalsekretariat wahrscheinlich als Vorstandsdirektor<lb/>
in kürzester Zeit in die ÖIAG gekommen wäre.</p>
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Bundeshandelskammer in den seltensten Fällen mir Schützenhilfe gewährt<lb/>
wenn z.B. der ÖVP-Pressedienst oder sonstige ÖVP-Organisationen mich<lb/>
vollkommen unsachlich angreifen. Ich hatte dieses Vorbringen nur dem<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> unter die Nase gerieben, ohne auf wirkliche Unter<lb break="no"/>stützung zu rechnen. Ausgelöst und belegen konnte ich diesen Vorwurf<lb/>
mit der unsinnigen Bleibestandanteils des ÖVP-Pressedienstes und<lb/>
in weiterer Folge auch mit der passiven Haltung des Fachverbandes<lb/>
der Bergwerke gegenüber den Angriffen auf die gesamte Bergwerks<lb break="no"/>tätigkeit in Österreich – soweit sie sich in Fremdenverkehrsgebieten<lb/>
befindet. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, ich müsste mich halt mehr in dem Fall an<lb/>
die Bundeshandelskammer wenden und sie würden dann schon dafür eintre<lb break="no"/>ten, denn zweifelsohne sind die Entgleisungen die vollkommen falsch<lb/>
und unberechenbar sind. Ich weiss, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> darüber<lb/>
sich auch sehr geärgert haben, aber sie waren doch nicht bereit, was ich<lb/>
auch wieder verstehen kann, eine klare Stellungnahme abzugeben. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die Handelskammervertreter<lb/>
bei unseren Aussprachen im journalistischen Beirat nicht beigezogen wer<lb break="no"/>den Ich sagte ihm dies sofort zu, nachdem ich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> am Telefon Rück<lb break="no"/>sprache genommen hatte. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> erklärte allerdings dann bei meiner Rück<lb break="no"/>kunft, dass auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> einen solchen ähnlichen Kreis von Journalisten<lb/>
um sich versammelt. Ich nützte deshalb die Gelegenheit, um telefonisch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zu ersuchen, dass er sicherlich doch auch nichts dagegen hat,<lb/>
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hörte direkt wie seine Gehirnwindungen durch das Telefon arbeiteten,<lb/>
sagte er, na selbstverständlich würde er ach <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> als Gegenpart jetzt<lb/>
zur Einladung der Handelskammer in unseren journalistischen Kreis<lb/>
auf in seinem journ. Kreis einladen.</p>
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Tagesordnung war sehr umfangreich und wir hatten deshalb eine 3 Stunden<lb/>
lange Diskussion. Von den Arbeitskreisen funktioniert eigentlich nur<lb/>
der Kreis von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, der sich mit der Problematik der Programmierung und<lb/>
Prognosen beschäftigte. Eigentlich muss man sagen, er funktioniert nur<lb/>
insofern, dass er sich überhaupt mit den Problemen auseinandersetzt.<lb/>
In der praktischen Abwicklung haben wir eigentlich einen grossen Schiff<lb break="no"/><pb n="03-0950" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-22_0950.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bruch erlitten. Die vom Beirat installierte mittelfristige Prognose<lb break="no"/>gruppe ist zerfallen. Die Vertreter der Bundeskammer sind in das<lb/>
Wirtschaftsforschungsinstitut gegangen und die Vertreter der Arbeiter<lb break="no"/>kammern, es war ja Niederösterreich und Wien daran beteiligt, werden<lb/>
wieder in ihren Instituten arbeiten. Die Idee, dass wenn man hoch<lb break="no"/>qualifizierte Arbeitskräfte zusammensetzt, dass die untereinander ein<lb/>
Team bilden, ist damit als Experiment gescheitert. Es ergibt sich,<lb/>
dass auch bei Intellektuellen und vielleicht dort noch mehr als bei<lb/>
Arbeitern, es notwendig ist, einen Mann an der Spitze zu haben, der<lb/>
sei es entweder mit geistiger Überlegenheit oder mit guter Menschen<lb break="no"/>führung oder wie ich es immer mache mit dem Schmäh, die Leute nicht<lb/>
nur zusammenhält sondern auch letzten Endes anspornt in einer Richtung<lb/>
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befinden. Die Arbeiten sollen nun in der Ford-Foundation, d.h. im Ford-<lb/>
Institut fortgesetzt werden. Dieses Institut hat eine kurzfristige<lb/>
Prognose mit den sogenannten Modell Österreich erarbeitet. Es soll<lb/>
nun experimentell eine mittelfristige Prognose erstellt werden.<lb/>
Andererseits hat das Wirtschaftsforschungsinstitut aber bereits<lb/>
jetzt die Absicht zu erkennen gegeben, dass es eine stärkere ökono<lb break="no"/>metrische Ausrichtung ihrer Prognosen durchführen wird. Die Absichten<lb/>
besteht sogar von Seiten des Instituts einen eigenen Computer anzu<lb break="no"/>schaffen. Dies würde eine weitere Belastung von 3 Mill. S für die<lb/>
Subventionsgeber – Bund, Länder und Interessensvertretungen – bedeuten.<lb/>
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Investitionspolitik und Finanzierung. Dort wurde in 5 Untergruppen<lb/>
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über steuerliche Investitionsförderung und finanzierung der verstaat<lb break="no"/>lichten Industrie, über Exportförderung und über das Kreditwesengesetz<lb/>
ganz konkrete Vorschläge ausgearbeitet.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_12">Die einzelnen Ministeriumsvertreter berichteten über ihre Aktivitäten<lb/>
in der nächsten Zeit . Kritisch waren dabei nur die Vorschläge des<lb/>
Wissenschaftsministeriums von Sekt.Chef. <rs type="person" ref="#per__114127">Grimburg</rs>, <rs type="person" ref="#per__114127">Grimburg</rs> will ein<lb/>
Wissenschaftsprogramm erstellen und wollte ohne dass er vorher dies<lb/>
fraktionell mit den Genossen bespricht und in der Regierung sich einen<lb/>
diesbezüglichen Grundsatzbeschluss geben lässt, gleich interfraktionell<lb/>
mit allen Beteiligten auch ein Finanzierungskonzept vorschlagen und<lb/>
genehmigen lassen. Diese Vorgangsweise hätte die Partei und die Re<lb break="no"/>gierung insbesondere aber den Finanzminister irrsinnig präjudiziert.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-22_13">Ich hoffe, ich konnte ihn davon überzeugen, dass diese Vorgangsweise<lb/>
für ihn und die Partei tödlich wäre.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 22.12.1970</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 35. Ministerratssitzung, 22.12.1970 (Entwurf 17.12.)</head>
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            <head>Tagesordnung 35. Ministerratssitzung, 22.12.1970</head>
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            <head>Einladung Wirtschaftspolitische Kommission</head>
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            <head>Protokoll 2. Plenarsitzung AG "Investitionspolitik und Finanzierung", 23.11.1970</head>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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