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            <title type="main">Donnerstag, der 17. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_01">Der Fachverband der Filmindustrie und Gewerkschaft Kunst und Freie<lb/>
Berufe wollten eine Vorsprache, um ihre Forderungen dem Staat gegen<lb break="no"/>über mir darzulegen. Komm.Rat Dkfm. <rs type="person" ref="#per__136829">Kammel</rs>, der Obmann des Fachver<lb break="no"/>bandes der Filmindustrie, und Prof. <rs type="person" ref="#per__97401">Otto Dürer</rs>, der umstrittene<lb/>
neue Gesellschafter von der Austria Wochenschau und Sozialist,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98103">Fritz Wollesko</rs>, den ich überhaupt nicht kannte, und Dr. <rs type="person" ref="#per__97371">Wilfried<lb break="no"/>Brauneis</rs>, der Sekretär des Fachverbandes waren mit dem neuen Obmann<lb/>
der Gewerkschaft Kunst und freie Berufe <rs type="person" ref="#per__97881"><sic>Rössl-Maydan</sic></rs> sowie ZS <rs type="person">Schwein<lb break="no"/>zer</rs>, dem Sekretär <rs type="person" ref="#per__125297">Weber</rs> u. <rs type="person" ref="#per__149046">Wies</rs> gekommen und hatten natürlich nur eine<lb/>
Absicht, eine Subvention dieser Branche einzuleiten. <rs type="person" ref="#per__136829">Kammel</rs> meinte,<lb/>
ich sollte ihm mitteilen, wie ich d.h. die Bundesregierung sich vor<lb break="no"/>stellt. wie man ihnen helfen wird. Ich selbst konnte aber sofort da<lb break="no"/>rauf kontern, indem ich feststellte, dass ich ja vor längerer Zeit<lb/>
an die Bundeskammer geschrieben hatte, man sollte mir einen entspre<lb break="no"/>chenden Vorschlag unterbreiten und trotz schriftlicher und mündlicher<lb/>
Urgenz sei bis heute dieses Schreiben nicht beantwortet. <rs type="person" ref="#per__136829">Kammel</rs> meinte,<lb/>
ich würde auch niemals von der Bundeskammer eine positive Antwort<lb/>
oder einen Vorschlag bekommen, da die Bundeskammer dazu nicht fähig<lb/>
sei. Er selbst würde empfehlen, dass wir den seinerzeitigen Vor<lb break="no"/>schlag der Gewerkschaft Kunst u. Freie Berufe annehmen sollten, sie<lb/>
selbst würden diesen hundertprozentig unterstützen. Da wir in dem<lb/>
Budget 1971 für die Filmförderung keine Ansätze haben – die Vertreter<lb/>
des Fachverbandes meinte allerdings wir könnten die 20 Mill. S Indu<lb break="no"/>strieförderung dafür heranziehen , was ich natürlich ganz entschieden<lb/>
abgelehnt habe – so musste ich entsprechend zögernd variieren. Ich er<lb break="no"/>klärte deshalb, ich könnte nicht als Handelsminister ausschliesslich<lb/>
von Vorschlägen der Gewerkschaft Kunst Freie Berufe zur Grundlage<lb/>
meiner Politik machen. Ich würde deshalb empfehlen, dass der Fach<lb break="no"/>verband doch noch einmal innerhalb der Bundeskammer versucht, zu<lb/>
einem gemeinsamen Vorschlag zu kommen und wenn das nicht gelingen<lb/>
sollte, er halt mir dann seine Unterlagen zur Verfügung stellen sollte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136829">Kammel</rs> erwiderte darauf, dass dies als eine Art Aufforderung an den<lb/>
Fachverband meinerseits ist. Ich verneinte dies entschieden, sondern<lb/>
erklärte nur, dass wenn der Fachverband ein solches Gutachten oder<lb/>
einen solchen Vorschlag, den er nicht innerhalb der Bundeskammer durch<lb/>
bringt, mir zur Kennntnis bringt, dann würde ich natürlich auch<lb/>
diesen Brief zu bearbeiten haben. Ich glaube nämlich, dass es unzweck<lb break="no"/>mässig wäre, wenn ich und ich erklärte dies auch wortwörtlich, zwischen<lb/>
den Fachverbänden und der Bundeskammer von vornherein schon immer einer<lb/>
<pb n="03-0928" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-17_0928.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Streitsituation annehme und mich in diesen Streit einmische, so wie<lb/>
es unzweckmässig wäre, wenn ich mich ausschliesslich nur nach Gewerk<lb break="no"/>schaftsvorschlägen richten würde. Innerhalb der Filmproduzenten gibt<lb/>
es nämlich einen ganz grossen Streit zwischen einzelnen Gruppen<lb/>
und z.B. hat <rs type="person" ref="#per__97314">Franz Antel</rs> einen sehr konkreten Vorschlag uns vorge<lb break="no"/>legt. Da weder Min.Rat <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs> noch Min.Rat <rs type="person">Pellech</rs>, die bei der<lb/>
Sitzung dabei waren, den Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97314">Antel</rs> im Detail kannten – zweifels<lb break="no"/>ohne ein Fehler vom Büro , dass wir ihnen diesen nicht sofort in<lb/>
Fotokopie zur Verfügung gestellt haben, wurde über dieses Problem<lb/>
weder hausintern noch mit der Delegation diskutiert. Die Kino<lb break="no"/>besitzer, d.h. die Filmvorführer haben zwar 1964 mit der Filmin<lb break="no"/>dustrie vereinbart, dass wenn die Vergnügungssteuer auf 10 % sinkt<lb/>
und dies ist jetzt in Österreich in den meisten Kinos der Fall,<lb/>
dann würden sie bereit sein, einen Förderungsgroschen, der angeb<lb break="no"/>lich einen Schilling betragen sollte, zuzustimmen. Da in der Zwi<lb break="no"/>schenzeit aber die Besucher von 100 Mill. auf unter 40 Mill. abgesun<lb break="no"/>ken sind, hat die Filmtheatervertretung eine solche Belastung jetzt<lb/>
ganz entschieden abgelehnt. Bei dem Gewerkschaftstag Kunst Freie Be<lb break="no"/>rufe hat der Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> erklärt, dass das Land bereit<lb/>
ist, entsprechende Subventionen zu gewähren und die Delegation wird<lb/>
deshalb jetzt beim Land Wien urgieren, wie und in welchem Ausmass<lb/>
von dort Mittel bereitgestellt werden. Ich selbst werde mit Finan<lb break="no"/>zminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dieses Problem erörtern.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_02">Da das Jahr ziemlich bald zu Ende geht und wir auf Grund des zweiten<lb/>
Budgetüberschreitungsgesetzes jetzt auch die Subventionen flüssig<lb/>
machen können, musste ich einige Male bereits über die Aufteilung<lb/>
mit den einzelnen Fachabteilungen diskutieren. In Wirklichkeit<lb/>
stellt sich heraus, dass diese nicht den neuen Stil der Subven<lb break="no"/>tionsverteilung durchziehen konnten. Bis jetzt war es üblich, wie<lb/>
dies auch in der Arbeiterkammer früher der Fall war, jede einzelne<lb/>
Subventionsempfängerstelle Jahr für Jahr einen Betrag, der sich<lb/>
womöglich automatisch erhöhte, angewiesen bekommen hat. Ich selbst<lb/>
bin aber der Meinung, dass man konkrete Projekte subventionieren soll<lb/>
und verlange deshalb von den einzelnen Subventionswerbern solche Pro<lb break="no"/>jekte. Im Ministerium aber bedeutet dies, dass entsprechende Akte<lb/>
angelegt werden und deshalb sind die Abteilungen , es sind ja<lb/>
sowohl Fremdenverkehrs- sowie Gewerbeförderungsabteilungen betroffen,<lb/>
nicht imstande, diese in den letzten Schilling zu legen. Deshalb<lb/>
hat die Budgetabteilung, Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, vorgeschlagen, man sollte<lb/>
<pb n="03-0929" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-17_0929.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sich jetzt wirklich über die Budgetaufteilung einigen. Die Gewerbe<lb break="no"/>abteilung, <rs type="person">Wohlgemuth</rs>, hat deshalb vorgeschlagen, einen Betrag von<lb/>
5,8 Mill. S für die Wirtschaftsförderungsinstitut, die Wifi, auszuschüt<lb break="no"/>ten. Noch nie hat vom Handelsministerium das Berufsförderungsinstitut<lb/>
des Gewerkschaftsbundes eine Förderung erhalten. Ich habe veranlasst,<lb/>
dass die BfI entsprechende Projekte einreicht. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> hat vorgeschla<lb break="no"/>gen, dass wir über die Aufteilung der Wifi. Beträge auf die einzelnen<lb/>
Länder eine Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> einholen sollten.<lb/>
Ich hatte die beiden geholt und habe am Gang Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> getrof<lb break="no"/>fen. Es ergab sich in der Diskussion zwischen uns vier, dass <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
auf dem Standpunkt stand, wenn die Saozialpartnerschaft nicht nur ein<lb/>
Lippenbekenntnis ist und er sagte, er hätte das einzige Mal jetzt das<lb/>
Wort Sozialpartnerschaft überhaupt in den Mund genommen, er selbst<lb/>
spricht ja immer von Wirtschaftspartnerschaft, dann müsste natürlich<lb/>
auch die Mitteln zwischen Wifi und BfI 1:1 aufgeteilt werden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
meinte sofort, mit ihm könnte man ja nicht diskutieren und wir drei<lb/>
gingen deshalb in die Sitzung. Vorher meinte allerdings <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, man<lb/>
könnte sagen, dass die BfI ungefähr ein Zehntel dessen leisten, was<lb/>
die Wifis leisten und er erklärte sich aber bereit, einen Aufteilungs<lb break="no"/>schlüssel von 5 : 1 zu akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst war auch dieser Meinung.<lb/>
Es wird deshalb das BfI zum ersten Mal mit Zustimmung der Handelskammer<lb/>
eine wesentliche Subvention bekommen und dadurch Arbeiterkammer und Ge<lb break="no"/>werkschaftsbund entsprechend entlasten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_03">Die Hotel-Treuhand AG hat für Sekt.Chef <rs type="person">Habels</rs> Verabschiedung aus dem<lb/>
aktiven Dienst – er ist auch gleichzeitig in der ERP-Fremdenverkehrs<lb break="no"/>kommission führend tätig – ein Essen im Hotel Imperial gegeben. Ich<lb/>
konnte bei dieser Gelegenheit auf die Leistungen <rs type="person">Habels</rs> hinweisen, ins<lb break="no"/>besondere, dass es mir unerklärlich ist, dass man mit ihm nicht aus<lb break="no"/>kommen kann und hoffe, dass er auch in Zukunft als freier Mitarbeiter –<lb/>
wie er es selbst bezeichnet, zur Verfügung stehen wird. <rs type="person">Habel</rs>, der zuerst<lb/>
dieser Idee sehr abgeneigt war, erzählte bei seiner Erwiderung, dass es<lb/>
ihm eigentlich wirklich komisch vorkommt, dass wenn er in der Früh ins<lb/>
Büro jetzt kommt und die Akte sieht und sich dann vorstellt, dass er<lb/>
nichts mehr wissen wird, was mit den Akten geschieht, er eigent<lb break="no"/>lich todunglücklich ist. <rs type="person" ref="#per__134288">Millwisch</rs> meinte bei seiner Tischansprache,<lb/>
er würde halt jetzt seine Hobbies in der Pension pflegen, ich erklärte<lb/>
Hobby des <rs type="person">Habel</rs> wäre die Gewerbeordnung. Ich glaube, dass wir ihn für<lb/>
eine Mitarbeit werden gewinnen können.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_04">Die Lebensmittelarbeitergewerkschaft hatte die letzte Vorstands<lb break="no"/>sitzung und <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> berichtete von einer Konferenz der Molkerei<lb break="no"/>arbeiter, die beschlossen hatten, dass die Lohnbewegungen für ihre<lb/>
Gruppe wieder freigegeben werden soll. Ich konnte <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> in den<lb/>
Vorstand davon überzeugen, dass es nicht zielführend wäre, jetzt<lb/>
vor Weihnachten mit dieser Lohnbewegung zu beginnen, d.h. sie nicht<lb/>
einmal einzuleiten, da dies letzten Endes nur in den Zeitungen<lb/>
wieder ganz gross herauskommen würde- Die Privatangestellten hatten<lb/>
ja bereits vor etlichen Wochen – obwohl die letzte Lohnbewegung<lb/>
erst mit 1. Dezember des vergangenen Jahres abgeschlossen wurde –<lb/>
neuerliche Forderungen auf Gehaltserhöhungen gestellt. Die Angestell<lb break="no"/>tengewerkschaft hat dies nicht so dezidiert machen müssen, da sie<lb/>
ja für alle Angestellten der Nahrungs- und Genussmittelbranche ent<lb break="no"/>sprechende Regulierungen verlangt hat. Wenn die Lebensmittelarbeiter<lb/>
aber jetzt für die Gruppe Molkereiarbeiter und die Fleischerei- und<lb/>
Bäckereiarbeiter kommen ja dann unbedingt auch nach vor Weihnachten<lb/>
diese Forderungen angemeldet hätten, wäre dies wahrscheinlich nicht<lb/>
sehr günstig in der Öffentlichkeit aufgenommen worden. Wir werden<lb/>
deshalb im nächsten Jahr diese Lohnbewegungen nach 14 Monaten star<lb break="no"/>ten. Da die Bauern aber bereits jetzt erklärt haben, sie wünschen<lb/>
einen höheren Milcherzeuger-Preis wird dies zu ganz harten Ausein<lb break="no"/>andersetzungen führen. Ich selbst sehe die einzige Möglichkeit,<lb/>
über die Klippe zu kommen, dass man versuchen müsste, den Milchpreis<lb/>
und den Getreidepreis als Verbraucherpreis zumindesten freizugeben.<lb/>
Eine anschliessende kleine Weihnachtsfeier zeigte genau das selbe<lb/>
Bild wie am Vortag in der Partei. Kaum Zeit, ein paar Worte zu sagen<lb/>
und jedem die Hand zu schütteln und dann schon wieder auf zur nächsten<lb/>
Sitzung.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_05">Im Parteivorstand brachte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im politischen Bericht das erste<lb/>
Mal auch den Vorschlag, dass Dipl.lng. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> von der Deutschen Rohr<lb break="no"/>stahl AG als Geschäftsführer zur ÖIAG berufen werden sollte. Die<lb/>
österreichischen Manager hatten es nämlich abgelehnt, in die ÖIAG<lb/>
zu gehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst ist über deren Haltung in diesem Punkt<lb/>
einigermassen verbittert. Als neuer Generalsekretär wird von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> von der AK in Aussicht genommen. Sehr zum Unterschied von<lb/>
den sogenannten "guten" Genossen in den verstaatlichten Betrieben, die<lb/>
in führender Topmanagement-Position sind, hat bis jetzt jeder AK<lb break="no"/>Mann, wenn an ihn die Aufforderrng gekommen ist, auch in ungünstige<lb/>
Positionen einzurücken, dieser Aufforderung stets Rechnung getragen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_06">Ich bin seht stolz darauf, dass erstens es in den vergangenen Jahr<lb break="no"/>zehnten mir gelungen ist, durch zusätzliche Aufnahme von Studenten<lb/>
in das Expertenverhältnis oder als Volontäre, ein gewisses Reservoir<lb/>
an Leuten dort aufzubauen und andererseits der Geist dieser Leute<lb/>
so ist, dass sie wirklich bereit sind, Opfer auf sich zu nehmen.<lb/>
Allerdings ist das Reservoir der AK jetzt wirklich schon sehr erschöpft<lb/>
und ich glaube, es wird höchste Zeit, dass man dort versucht, die<lb/>
Lücken die dadurch gerissen wurden, wieder aufzufüllen. Die Diskussion<lb/>
über den politischen Bericht, wie z.B. Bundesheer-Reform, Express-<lb/>
Verkauf, ÖIAG-Besetzung, war so wie immer sehr flau. D.h. es sprechen<lb/>
in Wirklichkeit ein oder zwei Mitglieder des Parteivorstandes und<lb/>
sicher <rs type="person" ref="#per__98080"><sic>Hertha</sic> Winkler.</rs> und <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs>. <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> selbst wollte, dass der<lb/>
Parteivorstand viel öfters einberufen wird und man über die Probleme<lb/>
im Vorhinein, wie z.B. Express-Verkauf, diskutieren soll. <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs><lb/>
hat dieses Problem auch in Wiener Ausschuss schon zur Sprache gebracht<lb/>
wo es um die Kleine Zeitung gegangen ist. Ich glaube, dass er hier<lb/>
vollkommen falsch liegt, denn man kann unmöglich kommerzielle Verhand<lb break="no"/>lungen über Projekte noch führen, wenn man vorher in einem so grossen<lb/>
Kreis auch nur zu erkennen gibt, dass man eine Änderung beabsichtigt.<lb/>
Er blieb deshalb auch mit seiner Kritik allein und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> konnte<lb/>
ihm sagen, man kann den Vertretern der Bundesländer nicht zumuten,<lb/>
dass sie so oft nach Wien hereinfahren. In Wirklichkeit dürfte <rs type="person">Czer<lb break="no"/>netz</rs> nur verärgert sein, dass er von diesen Verhandlungen ausge<lb break="no"/>schaltet ist und deshalb darauf drängen, dass in diesem grösseren Forum<lb/>
viel mehr diskutiert werden soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass<lb/>
er, den ich seit 1945 in diesem Forum beobachten konnte, ernstlich<lb/>
glaubt, dass man eine Partei oder eine Gewerkschaft oder wie immer<lb/>
führen kann, indem man wirkliche Probleme zuerst in einem so grossen<lb/>
Forum diskutiert. Diese Foren sind zwar Beschlussforen, aber dort<lb/>
müssen entsprechende Vorschläge gebracht werden, die nur mehr zur<lb/>
Kenntnis genommen werden können.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-17_07">Beim Empfang des Nationalratspräsidenten für die Abgeordneten und<lb/>
deren Frauen und der Hochbürokratie konnte meine <rs type="person">Frau</rs> dem Vizekanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erklären, wie wir derzeit in der Sozialversicherung, d.h.<lb/>
als Krankenversicherte agieren. Sie besitzt nämlich einige Kranken<lb break="no"/>scheine von der Krankenversicherung, obwohl wie sich jetzt her<lb break="no"/>ausstellt, ich gar nicht versichert bin. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, der den Vertretern der<lb/>
Arbeiterkammer <rs type="person">Scheer</rs> als auch <rs type="person"><sic>Weissenberg</sic></rs> erklärte, dass ich<lb/>
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ihnen heftigste Vorwürfe, dass sie mich in eine solche Situation<lb/>
gebracht haben. Er wird dies in Ordnung bringen. Rein formell<lb/>
haben wir allerdings einen Versicherungsbetrug begangen. Eine<lb/>
schöne Bescherung.</p>
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               <persName type="label">Wagner, Georg</persName>
               <persName><surname>Wagner</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>MR HM [1971 zuständig für das Messwesen; gemeinsam mit Pellech genannt;
                  evtl. Falschidentifikation]</occupation>
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               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Filmproduzent, Regisseur</occupation>
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               <occupation>Generaldir. Österr. Verkehrsbüro [?]</occupation>
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               <persName type="label">Staudinger, Franz</persName>
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               <occupation>LUGA-Sekr., stv. Obmann Milchwirtschaftsfonds</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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