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            <title type="main">Mittwoch, der 16. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-16_01">Die Oberste Bergbehörde hatte die Berghauptleute zu einer Be<lb break="no"/>sprechung über das neue Berggesetz nach Wien geladen. Ich war<lb/>
brennend daran interessiert, die Berghauptleute kennenzulernen.<lb/>
Deshalb ist Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> mit ihnen um 9 Uhr mit ihnen bei mir<lb/>
im Parlament aufgekreuzt. Ich hatte allerdings die Absicht, nicht<lb/>
nur den Berghauptleuten vorgestellt zu werden, sondern natürlich<lb/>
auch die Diskussion, die sich auf Grund des neuen Berggesetzentwurfes<lb/>
ergeben würde, mitanzuhören. Zu meiner grössten Verwunderung hatte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> aber nur vorgesehen, dass die Berghauptleute mir vorge<lb break="no"/>stellt werden. Ich versuchte daher unverzüglich die anderen Kolle<lb break="no"/>ginnen und Kollegen von der OB, die an der Besprechung teilnehmen<lb/>
sollten, ins Parlament zu kommen. Die Zwischenzeit benutzte ich, um<lb/>
mir von den Berghauptleuten ihre einzelnen Revieren Bericht erstat<lb break="no"/>ten zu lassen. Dabei stellte sich heraus, dass ich richtig ge<lb break="no"/>tippt hatte, der Wiener Berghauptmann <rs type="person">Bornshold</rs> war scheinbar der<lb/>
aktivste. Bei der Barbara-Feier hatte er sich bereits dadurch bei<lb/>
mir gut eingeführt, dass er z.B. mir erklärte, er sei gegen ein<lb/>
Ausgiessen einer Sonde, die ÖMV hat in Laxenburg eine Sonde geteuft,<lb/>
und war nicht auf Öl, dafür aber auch auf schwedelhaltiges warmes<lb/>
Wasser gestossen. Dieses Wasser hätte oder kann eine Konkurrenz<lb/>
gegen Baden sein und letzten Endes auch gegen die Wiener Schwefel<lb break="no"/>quelle in Oberlaa, sodass sich das Land Niederösterreich mit der<lb/>
Badner Gemeinde aber auch die Gemeinde Wien gegen die Ausbeutung<lb/>
dieser Quelle ausspricht. Niemand will sie sozusagen haben, die ÖMV<lb/>
aber muss, um die Aufwendungen für diese Bohrungen in denen sie<lb/>
nicht ölfündig wurde, abschreiben zu können, eine Bestätigung von der<lb/>
Bergbehörde haben, dass sie zugeschüttet werden darf und wird. Der<lb/>
Berghauptmann meinte nun, dies sei ein Wahnsinn und hat deshalb<lb/>
eine solche Bestätigung auch noch nicht gegeben. Die Bohrung<lb/>
nämlich ist total verrohrt, d.h. sie könnte jetzt einmal, auf<lb/>
Jahrzehnte hindurch, ohne ausgebeutet zu werden, stilliegen. In<lb/>
Güssing, das auch zu seinem Revier gehört hat er nun seine Spione<lb/>
ausgeschickt, um zu erfahren, warum und in welchem Ausmass die<lb/>
Ungarn 150 m von der österr. Grenze entfernt Öl gebohrt haben und<lb/>
ob sie fündig wurden. Er teilte mir nun mit, dass tatsächlich die<lb/>
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angeblich 150 t Tagesmenge gewonnen. Dies ist eine sehr fündige<lb/>
Bohrung, da nur ganz wenige Bohrlöcher bei uns eine solche Tages<lb break="no"/>menge tatsächlich erbringen. Die Firma Brisok und Co KG in Wien,<lb/>
dessen Vertreter ich bei der Barbarafeier kennenlernte, bohrt nun<lb/>
tatsächlich in vielen österreichischen Gegenden und forscht nach<lb/>
Uran. So sollen in der Horner-Gegend, im Mürztal, in der Mandling<lb/>
und in Birkfeld Rettenegg tatsächlich Vorkommen festgestellt worden<lb/>
sein. Ob sie abbauwürdig sind, ist natürlich eine zweite Frage.<lb/>
Auch in Salzburg hoffen die Mitterberger, dass die Pechblende, die<lb/>
sie auf den Halden festgestellt haben, zu einem positiven Ergebnis<lb/>
kommen würde, d.h. mit anderen Worten, dass man in Mitterberg an<lb/>
Stelle von Kupfer in Zukunft Uran gewinnen könnte. In Tirol<lb/>
hat in Fieberbrunn ein Gastwirt 15 Freischürfe, insgesamt sollen<lb/>
470 Freischürfe auf Uran in Tirol ausgestellt sein, 15 Freischürfe<lb/>
nun hat ein gewisser <rs type="person" ref="#per__146984">Lechner</rs> an der Prof. <rs type="person" ref="#per__149297">Schulz</rs> von der Innsbrucker<lb/>
Universität , ein Geologe und Mineraloge, angeboten. Nun soll eine<lb/>
BRD-Firma namens Lingen eine Schacht und Tiefbohrgesellschaft , sich<lb/>
für diese Freischürfe interessieren. Mit Zustimmung des Landes<lb break="no"/>hauptmanns von Tirol wird derzeit im Pitztal nach Kupfer ebenfalls<lb/>
von einer deutschen Firma gesucht. Der Kärntner Berghauptmann erzählte<lb/>
dass in Hüttenberg der eine Stollen, wo Erz gewonnen wird, ziemlich<lb/>
bald ausgebeutet sein wird.Er hätte aber die freudige Nachricht ge<lb break="no"/>hört, dass <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> als er bei der Barbarafeier in Kärnten war,<lb/>
den Kärntnern mitteilte, es wird ein neuer Stollen aufgefahren. Die<lb/>
Qualität des neuen Erzes wird so schlecht sein wie das alte, näm<lb break="no"/>lich nur 36 % Erzgehalt, wobei noch 3 % Mangananteil dazukommt, für<lb/>
das LD-Verfahren ist das Mangan ausgesprochen ungünstig. Es kann nur<lb/>
im Siemens-Martin-Verfahren verwendet werden. Die Alpine wird den<lb/>
Stollen auffahren , obwohl sie damit eine neue Defizitquelle sich<lb/>
erschliesst. Nach Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, den ich fragte, ob dies<lb/>
tatsächlich beabsichtigt ist, wird der Verlust ca. 3 Mill. S pro<lb/>
Jahr präliminiert. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war von dieser Mitteilung sehr erschüt<lb break="no"/>tert. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> hat dann allerdings zugegeben, dass die Kärntner<lb/>
den Bundeskanzler und auch den Präsidenten des Gewerkschaftsbundes<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> für diese Aufschliessung gewonnen hat. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ge<lb break="no"/>sprochen und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meint, es sei den Kärntnern nicht zuzumuten, dass<lb/>
dort, nachdem jetzt die LAKOG geschlossen wurde, auch noch Hütten<lb break="no"/>berg stillgelegt wird. Man müsste eben für die 360 Beschäftigten ent<lb break="no"/><pb n="03-0923" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-16_0923.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sprechende Arbeitstherapie vorschlagen. <rs type="person" ref="#per__137232">Suchanek</rs>, der Landeshaupt<lb break="no"/>mannstellvertreter, erklärte zwar bei jeder Gelegenheit, dass sie<lb/>
keine Arbeitskräfte mehr in Kärnten haben, dann wird trotzdem ein<lb/>
solcher kostenungünstiger Betrieb weiter fortgeführt und<lb/>
durch eine neue Stollenanlage für Jahrzehnte mit Defizit belastet.<lb/>
Bekanntlich will die grösste slowenische Elektrogerätefabrik Goriza<lb/>
in Kärnten eine Kooperationsfirma mit Ing. <rs type="person" ref="#per__115647">Heiss</rs> schaffen. Die<lb/>
Kärntner sind angeblich dagegen und verzögern das Zustandekommen<lb/>
dieses joint <choice><choice><sic>advanger.</sic><corr>venture</corr></choice></choice> Nicht nur vom wirtschaftspolitischen sondern<lb/>
auch von aussenpolitischen Standpunkte wäre aber ein solches Werk<lb/>
in Kärnten von ungeheurer Bedeutung. Die Möglichkeit, darauf hin<lb break="no"/>zuweisen, dass Österreich nicht nur dem westlichen Kapital sondern<lb/>
auch den östlichen Gesellschaften die Möglichkeit gibt, in Öster<lb break="no"/>reich Betriebe zu errichten, dürfte nicht versäumt werden. Angeblich<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit den Kärntner Genossen diesbezüglich sehr ernst gesprochen<lb/>
und er steht auf dem Standpunkt, unter allen Umständen diesen Betrieb<lb/>
in Kärnten zu erreichten. Ich werde jede Gelegenheit benützen, um<lb/>
ebenfalls auf diese Frage hinzuweisen und darauf drängen, dass es<lb/>
zu einem diesbezüglichen Kooperationsabkommen kommt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-16_02">Mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> besprach ich auch noch, ob wir die restlichen 1,5 Mill. S<lb/>
die uns noch aus der Bergbauförderung Buntmetall und die 1,2 Mill. S<lb/>
die uns aus der Bergbauförderung Kohle für das Jahr 1970 übrigbleiben<lb/>
würden, nicht doch der WTK für Kohle und der BBU für Buntmetall ge<lb break="no"/>ben sollten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat zwar die richtige Einstellung, dass er sagt,<lb/>
ein Budgetansatz muss ja nicht unbedingt dazu führen, dass das Geld<lb/>
auch tatsächlich ausgegeben wird. Ich glaube allerdings, dass sowohl<lb/>
die WTK als auch die Bleiberger in derartig schlechte finanzielle<lb/>
Situation im nächsten Jahr kommen werden, dass es unzweckmässig wäre,<lb/>
die vom Parlament genehmigten Budgetansätze nicht voll auszunützen.<lb/>
Wir kamen deshalb dann auf meinen Vorschlag überein, dass wir der WTK<lb/>
und der BBU die Ansätze, die uns noch zur Verfügung stehen, aconto<lb/>
für das nächste Jahr heuer geben sollen. Die aconto-Leitung, die<lb/>
sie uns schriftlich bestätigen müssen, soll aber nicht so gegeben<lb/>
werden, dass sie nächstes Jahr dann um diesen Betrag überhaupt weniger<lb/>
bekommen, sondern es werden nächstes Jahr die Budgetansätze, wie sie<lb/>
jetzt beschlossen werden, voll ausgeschüttet, die Defizite der beiden<lb/>
Unternehmungen werden ja wesentlich höher liegen – sollte es dann zu<lb/>
einem Budgetüberschreitungsgesetz kommen, erst dann würden – da auch<lb/>
dann die Defizite nicht ganz abgedeckt werden, die aconto-Zahlungen<lb/>
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diese Lösung gemeinsam erarbeiten konnte. Natürlich seht mir<lb/>
eigentlich das Anweisungsrecht für die Ansätze glaube ich allein<lb/>
zu. Trotzdem bin ich bestrebt, mit ihm, auch dann wenn es sich<lb/>
um unbedeutende Beträge in seinem Gesamtbudgetrahmen handelt,<lb/>
das Einvernehmen herzustellen, denn es bewährt sich glaube ich<lb/>
immer wieder, wenn man nicht versucht, den anderen Kollegen nicht<lb/>
hineinzulegen, davon kann ja keine Rede sein, aber nicht versucht<lb/>
mit ihm über Fragen, von denen er sich vielleicht bereits irgendwie<lb/>
festgelegt hat, zu überfahren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-16_03">Das Budgetkapitel Bauten war gegen die Mittagszeit zu Ende und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs> sagte mir, ich könnte jetzt einige Stunden in mein Büro<lb/>
fahren. Zu meiner grössten Verwunderung wurde ich nach ganz kurzer<lb/>
Zeit von Institut sofort wieder ins Parlament berufen, da die Ab<lb break="no"/>stimmung bevorstand. In Wirklichkeit hatten die grossen Abstimmungs<lb break="no"/>strategen folgenden Plan gehabt. Die ÖVP hatte bereits drei Kontra<lb break="no"/>redner gemeldet und von unserer Seite war überhaupt noch niemand<lb/>
meldet worden. <rs type="person" ref="#per__112589"><sic>Zeilinger</sic></rs> hat nun die Schnapsidee, er würde ganz<lb/>
kurz nur sprechen, wenn sich dann kein neuer Redner von der ÖVP<lb/>
meldet, würde <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf seine Wortmeldung verzichten und man<lb/>
könnte Schluss der Debatte und Abstimmung damit erreichen. Ich<lb/>
hielt diese Taktik für vollkommen falsch, denn es würde auf eine<lb/>
Art Überrumpelung der ÖVP hinauslaufen und ich glaube, dass wir<lb/>
dann einmal in ähnlicher Situation auch von ihnen entsprechend<lb/>
überrumpelt werden könnten. Ich glaube, dass alle diese takti<lb break="no"/>sche Mätzchen in einem Parlament nichts zu suchen haben, sondern<lb/>
dass man natürlich den Gegnern alle Chancen geben muss, seine<lb/>
Angriffe auf die Regierungspolitik zu starten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-16_04">Der Justizminister teilte mir mit, dass die Verbände der Genossen<lb break="no"/>schaften, sowohl der Konsum wie der landwirtschaftlichen Genossen<lb/>
schaften und auch der Baugenossenschaften, bei ihm vorgesprochen<lb/>
haben und eine Änderung des Genossenschaftsgesetzes wünschen.<lb/>
Insbesondere wollen sie, dass das Nichtmitgliedergeschäft neu<lb/>
geregelt wird und dass sich Genossenschaften an Kapitalgesell<lb break="no"/>schaften beteiligen dürfen. Nachdem ich <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> mitgeteilt hatte,<lb/>
dass ich dies der Handelskammer sofort mitteilen müsste und er<lb/>
zustimmte, suchte ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu einem Gespräch in<lb/>
der ÖVP auf. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war sehr erschüttert, dass der Raiffeisen<lb break="no"/><pb n="03-0925" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-16_0925.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verband Besprechungen über diesen Punkt mit dem Justizministerium<lb/>
aufgenommen hat. Er war sich allerdings nicht sicher, ob nicht<lb/>
auch der Schultze-Delitsch, also hier so heisst der Handelskammer<lb break="no"/>verband, bei dieser Besprechung anwesend war. Wie ich nachträglich<lb/>
feststellen konnte, war dies nicht der Fall. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, hier<lb/>
müsste man innerhalb der ÖVP doch ein ganz ernstes Wort mit <rs type="person" ref="#per__97743">Minko<lb break="no"/>witsch</rs>, er verwendete seinen Vornamen, und mit anderen Herren<lb/>
reden. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass ich einer modernen Genossenschafts<lb break="no"/>novelle nicht entgegentreten würde, sondern ganz im Gegenteil im<lb/>
Zuge der Gewerbeordnung auch die Genossenschaftsfrage bereinigt<lb/>
wissen möchte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst war mit diesem Vorschlag einverstanden,<lb/>
wies aber dann darauf hin, daß es sich nicht nur allein um die<lb/>
Änderung der Gesetzeslage handelt, sondern, daß auch die Frage der<lb/>
Subvention und der steuerlichen Differenz bereinigt werden müßte.<lb/>
Betreffend der Subvention wies ich ihm nach, daß ich bereits vor<lb/>
Wochen den Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ersucht hatte, daß wir gemein<lb break="no"/>sam dieses Problem angehen. Bekanntlich habe ich ja mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> verein<lb break="no"/>bart, daß sein Sektionschef <rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> und mein Sektionschef <rs type="person">Habel</rs><lb/>
über dieses Problem Besprechungen aufnehmen sollten. Ich weiß nicht<lb/>
– fast bin ich überzeugt - daß im Trubel der Ereignisse, und <rs type="person">Habel</rs><lb/>
ist ja schon ganz auf Pension eingestellt, es wahrscheinlich noch<lb/>
nicht zu sehr konkreten Verhandlungen in diesem Punkt gekommen ist.<lb/>
Ich hoffe daher, daß <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> dies besser in Angriff nehmen wird. Die<lb/>
Absicht, die ich bei der Weisung gehabt habe, ist, daß wir genau<lb/>
untersuchen wollen, wie weit heute die Genossenschaften auf dem<lb/>
Subventionssektor bevorzugt werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> behauptet, daß sie den<lb/>
AIK – das heißt den Agrar Investitions Kredit – zu 3 1/2 % bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sagt, dies gilt nur für Forstbetriebe. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sagt weiter,<lb/>
daß seine Unternehmungen keinerlei Subvention oder Kredite kriegen<lb/>
und deshalb z.B. nur die landwirtschaftlichen Genossenschaften sich<lb/>
Silo bauen können und die Kellerei jetzt ausgebaut wird. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
bestreitet, daß jetzt überhaupt noch für den Silobau größere Mittel<lb/>
bereitgestellt werden, nur bezüglich der Kellereiausbau legt er<lb/>
größten Wert darauf, da die Lagerräume als zu klein bei diesen<lb/>
großen Weinernten empfunden werden und ausgebaut werden müssen. Er<lb/>
hat mir aber zugesichert, daß auch die privaten Händler entsprechen<lb break="no"/>de Kredite bekommen würden. Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vorgeschlagen,<lb/>
er soll mir unverzüglich mitteilen, wo und wann solche Ansuchen<lb/>
von privaten Firmen abgelehnt wurden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> weist noch weiter<lb/>
darauf hin, daß die Genossenschaften unter dem Titel "Vermarktungs<lb break="no"/><pb n="03-0926" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-16_0926.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hilfe" Subventionen bekommen, die sie dann in den Ausbau ihrer<lb/>
Lager hineinstecken. Betreffend die finanziellen Differenzen -<lb/>
das heißt die steuerliche Begünstigung der Genossenschaften –<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sein Steuerbüro beauftragen mir unverzüglich eine<lb/>
diesbezügliche Darstellung zu geben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-16_05">Bei dieser Besprechung kamen wir auch auf die gestrige Budget<lb break="no"/>debatte zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> entschuldigte sich, daß er so aggres<lb break="no"/>siv vorgegangen ist – ich bin allerdings der Meinung, es war<lb/>
garnicht so aggressiv und das habe ich ihm auch gesagt – und<lb/>
er erklärte dies deshalb, weil angeblich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> durch seine<lb/>
loyalen Erklärungen dem Handelsminister und insbesondere der SPÖ<lb/>
damit gegenüber auf heftigen Widerspruch innerhalb seiner eigenen<lb/>
Partei gestoßen ist. Einige Bauernbund-Abgeordnete, und dies<lb/>
wurde mir von unseren Genossen die vis a vis sitzen bestätigt,<lb/>
hatten in der Diskussion einige Male die Bemerkung gemacht "na<lb/>
die haben sich das ganz schön mitsammen abgesprochen". <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst machte auch mir gegenüber die Bemerkung – als ich so<lb/>
herausstrich, daß alles für die Handelskammer auch meinerseits<lb/>
geschieht, daß dies wahrscheinlich mir nicht gelohnt wird, er<lb/>
meinte, in dem Fall von der ÖVP. Ich mache diese Politik allerdings<lb/>
nicht um einen Lohn oder Anerkennung von der ÖVP zu bekommen,<lb/>
sondern weil ich davon überzeugt bin, in diesem Sinne auch für die<lb/>
Sozialistische Partei und für die Bundesregierung das bestmöglich<lb break="no"/>ste herauszuholen. Am Abend konnte ich dann endlich auch das<lb/>
Parlament – zeitweise zumindestens – verlassen, ich hatte im<lb/>
3. Bezirk eine Kindergärtnerinnen-Feier, eine Frauenfeier und<lb/>
außerdem drei Sektionsweihnachtsfeiern zu besuchen. Da mich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98056">Weikhart</rs> nur auf ca. eine Stunde entließ, mußte ich alle diese<lb/>
Feiern im Schnellzugstempo absolvieren - man kann hier wirklich<lb/>
nur sagen "Stille Nacht"-Feiern und fröhliche Weihnachtsfeiern<lb/>
waren dies für mich wahrlich nicht.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 16.12.1970</head>
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               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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