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            <title type="main">Montag, der 14. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-14_01">Da die Tiroler Zeitung über den Angriff von Landesrat <rs type="person">Basseti</rs><lb/>
berichteten, rief ich ihn unverzüglich in Innsbruck an.<lb/>
<rs type="person">Basseti</rs> gab zu, dass er zu spät informiert wurde und deshalb eine<lb/>
falsche Darstellung über die Zusammensetzung des Verhandlungskomitees<lb/>
mit dem Handelsministerium gegeben hatte. Er wird, so versichert<lb/>
er mir, mir volle Genugtuung leisten. Ich bin neugierig, wie er<lb/>
dies zustandebringen will. In Wirklichkeit glaube ich will er gar<lb/>
nichts anderes als irgendwo halt sagen, die Zusammensetzung ist<lb/>
ohne das Mitwirken des Handelsministeriums zustandgekommen. Kein<lb/>
Mensch wird dies dann noch irgendwie registrieren. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs>,<lb/>
der bei der Fremdenverkehrstagung anwesend war, wurde von mir aufgefor<lb break="no"/>dert dazu Stellung zu nehmen, dass er über die falsche Information<lb/>
von <rs type="person">Basseti</rs> nicht sofort erwidert hat. <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> selbst brachte mir<lb/>
dann einen Bericht, aus dem hervorging, dass er sich sowieso mit<lb/>
Leib und Seele für das Handelsministerium eingesetzt hat. Die<lb/>
Information, die wir haben, sagt allerdings, dass er nur sehr lenden<lb break="no"/>lahm dort agiert hat. Ich glaube, es wird zielführend sein, eine<lb/>
Weisung – und hier gebrauche ich das erste Mal das Wort Weisung –<lb/>
an die Abteilungen des Hauses ergehen zu lassen, dass sie unverzüglich<lb/>
bei irgendwelchen Angriffen auf das Handelsministerium, sei es bei Vor<lb break="no"/>trägen oder bei Tagungen, sofort sich mit dem Ministerbüro ins<lb/>
Einvernehmen zu setzen hatten,um entsprechendes Material zu bekom<lb break="no"/>men, das sie dort noch erwidern können.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-14_02">Beim Zollausschuss wurde das EFTA-Abgabengesetz und des BG über<lb/>
zollrechtliche Massnahmen gegenüber Staaten, die dem GATT nicht<lb/>
angehören und auf die GATT-Bestimmungen angewendet werden sollten,<lb/>
ohne Debatte akzeptiert, weil eben bis Jahresende diese neuen<lb/>
Bestimmu gen in Kraft treten müssen. Österreich hat aber noch eine<lb/>
Konvention über den Zollwert von Waren 1955 eingegangen, die 1956<lb/>
in Kraft traten. Diese Konvention wurde nun nicht dem National<lb break="no"/>rat zur Genehmigung vorgelegt, da man annahm, dass das Wertzoll<lb break="no"/>gesetz 1955 vom NR ja beschlossen und grösstenteils ja diese<lb/>
Konventionsbestimmungen beinhaltet. Nun stellt sich heraus, dass<lb/>
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Nationalrat genehmigen zu lassen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> teilte mir mit, dass<lb/>
er grosse Schwierigkeiten gehabt hat, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs><lb/>
davon zu überzeugen, dass diese Punkte noch auf die Tagesordnung<lb/>
gesetzt werden, weil kein Präsidium des NR darüber entschieden hat.<lb/>
Erst durch 3 Stunden lange Verhandlungen und Telefonate ist diese<lb/>
im Interesse Österreichs gelegene Regelung dann doch gelungen. Ebenso<lb/>
musste natürlich dann das Wertzollgesetz 1955 der internationalen<lb/>
Konvention angepasst werden und gleichzeitig natürlich einige<lb/>
formelle auf Grund der Datenverarbeitung notwendige Korrekturen<lb/>
durchgeführt. Die ÖVP im Ausschuss fragte, warum man das alles jetzt<lb/>
machen müsste, stimmte aber letzten Endes dann doch zu. In diesem<lb/>
Fall wir mit unserem EFTA-Gesetz wenigstens zeitgerecht noch über<lb/>
die Bühne gekommen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-14_03"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hatte ich eine längere Diskussion. ob es zielführender ist,<lb/>
die gesamten Bergbauförderungsmittel auszuschöpfen. Bei Kohle würde<lb/>
uns auf Grund der Berichte und Überprüfungen des Komitees – ein<lb/>
solches Komitee besteht aus Vertretern des FM, des BKA und des HM,<lb/>
ein Betrag von 1,2 Mill. S verfallen und bei Metallen würde uns ein<lb/>
Betrag von 1,5 Mill. S verfallen. Ich persönlich stehe auf dem<lb/>
Standpunkt, es wäre zielführender, diese 1,2 Mill. für die Kohle<lb/>
der Wolfsegg-Traunthaler zukommen zu lassen und die 1,5 Mill. S<lb/>
der BBU – Bleiberger Bergwerksunion für ihre neue Zinkanlage zur<lb/>
Verfügung zu stellen. Die BBU hat sonst heuer überhaupt nichts<lb/>
aus der Bergbauförderungssubvention zu erwarten, da sie aktiv<lb/>
abschliessen wird. Andererseits wird sie im Jahre 1971 ein Defi<lb break="no"/>zit von – wie mir der Direktor <rs type="person" ref="#per__97929">Zitzelhofer</rs> mitgeteilt hat – von<lb/>
14 Mill. S haben, da die neue Bleiverzinkungsanlage ca. 70 Mill. S<lb/>
betragen wird. Auch die Wolfsegg-Traunthaler Kohlenförderungsgesell<lb break="no"/>schaft würde, wenn die 1,2 Mill. S verfallen, heuer wesentlich defizi<lb break="no"/>tärer gebaren als erwartet. Durch die Schwemmsandeinbrüche hat<lb/>
sie grössere Verluste erlitten. Rechnungsmässig hat allerdings<lb/>
die Kommission nur 4 Mill. S errechnet, dass die WTK bekommen sollte.<lb/>
Ich versicherte allen Bergbauunternehmungen, dass ich die Konstruk<lb break="no"/>tion des Bergbauförderungsgesetzes und insbesondere die Richtlinien<lb/>
nach denen die Kommission heute vorgeht als nicht zielführend be<lb break="no"/>trachte. Hier werden nur die Defizite von Bergbauen abgedeckt, u.zw.<lb/>
nur teilweise abgedeckt, Wenn man nun die Förderung ausschliesslich<lb/>
nach diesen Gesichtspunkten ausrichtet, so muss jeder Betrieb darauf<lb/>
<pb n="03-0915" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-14_0915.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verzichten, sich besonders anzustrengen, weil er dadurch, wenn er<lb/>
einmal in einer Defizitsituation drinnen ist die entsprechenden<lb/>
Zuschüsse erst bekommt. Wir werden für das Jahr 1971 Überlegungen<lb/>
anstellen müssen, ob wir nicht zielführendere Richtlinien erstellen<lb/>
sollten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> steht noch auf dem Standpunkt, dass es nicht<lb/>
zielführend ist, wenn man automatisch alle im Budget vorgesehenen Mitteln<lb/>
ausschöpft. Sein Vertreter, Min.Rat <rs type="person">Waltersdorfer</rs>, hat zwar unsere<lb/>
Herren informiert, dass der Finanzminister einverstanden ist, dass wir<lb/>
die Bergbauförderungsmitteln restlos ausschöpft, er selbst hatte<lb/>
allerdings vor der Sitzung und vor der Besprechung mit den Unternehmungen<lb/>
mitgeteilt, dass er eigentlich einen gegenteiligen Standpunkt vertritt.<lb/>
Ich habe deshalb, obwohl mir die Anweisung so glaube ich zumindestens –<lb/>
allein zusteht, diese zurückgestellt und den Bergbauunternehmungen nur<lb/>
die einvernehmlich festgelegten Ziffern und Subventionen mitgeteilt.<lb/>
Insbesondere Direktor <rs type="person">Zeiniger</rs> von der WTK und <rs type="person" ref="#per__97929">Schützelhofer</rs> von<lb/>
der BBU reagierten sofort auf folgende Art: Sie hätten jetzt sowieso<lb/>
eine Diskussion und Verhandlungen über die Löhne der Metall- und<lb/>
Bergarbeiter und sie würden halt sofort aus dieser Lohnverhandlung aus<lb break="no"/>steigen, da sie keine Möglichkeit sähen, hier noch irgendwelche Zuge<lb break="no"/>ständnisse machen zu können. Ich bin überzeugt davon, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und ich<lb/>
selbst werden dadurch von der Gewerkschaft unter einen entsprechenden<lb/>
Druck gestellt werden. Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__97311">Hannes</rs> auf diese Entwicklung<lb/>
besonders aufmerksam gemacht und ihn ersucht, er sollte sich doch<lb/>
noch einmal seine Stellungnahme überlegen. Ich selbst bin eigentlich<lb/>
entschlossen, den Bergbauen, sowohl der BBU als auch der WTK, die<lb/>
1,5 resp. 1,2 Mill. S mit Jahresende anzuweisen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-14_04">Der Arbeitsausschuss der ÖFVW hatte seine Routinesitzung und ich selbst<lb/>
war zeitweise zumindestens anwesend. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, aber auch ich hatten total<lb/>
vergessen, dass wir diesen Arbeitsausschuss in das Parlament eingeladen<lb/>
hatten. Zum Glück entdeckte ich es dann um 1/2 2 Uhr und habe mich dann<lb/>
mit Entschuldigung dann zur Sitzung begeben, die natürlich schon begon<lb break="no"/>nen hatte. Interessanterweise ist es niemandem aufgefallen, dort bei<lb/>
dieser Arbeitsausschussitzung zu fragen, sollen wir nicht fragen, ob der<lb/>
Minister nicht irgendwo im Hause ist und ihn fragen, ob er nicht zu<lb/>
unserer Sitzung kommen Will. Die Sitzung selbst beschäftigte sich mit eine<lb/>
Menge Routinefragen, die alle sehr kostspielig waren, wie z.B. wie man<lb/>
das Lokal in der Fifth Avenue in New York erhält, oder wie man die<lb/>
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Einzelfall löst. Im Prinzipiellen wollte bei seinem Bericht <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs><lb/>
wieder darauf zurückkommen, dass er doch jetzt entsprechende Verkaufs-<lb/>
Werbung im nächsten Jahr betreiben müsste und jetzt deshalb Grundsatz<lb break="no"/>beschlüsse bräuchte oder entsprechende Massnahmen setzen müsste, die<lb/>
im Gegensatz zu den Beschlüssen der 75. Arbeitsausschussitzung standen.<lb/>
Bei dieser 75. Arbeitsausschussitzung wurde das Konzept auch vom<lb/>
Arbeitsausschuss, das sich weitgehend auf die seinerzeitigen Punkte,<lb/>
die ich vorgeschlagen hatte, aufbaut, einstimmig genehmigt.. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-<lb break="no"/>Hansel</rs> will nun immer wieder eine Korrektur in der praktischen Arbeit<lb/>
dieses Konzept durchführen. Ich brauchte mich in diesem Fall aber<lb/>
nicht besonders zu exponieren, alle Vertreter im Arbeisausschuss waren<lb/>
der Meinung, er sollte nach dem Konzept vorgehen und nicht neuerlich<lb/>
Ideen und Verwässerung in dieses Konzept mit Gewalt einbauen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-14_05">Um 4 Uhr wurde die Parlamentssitzung unterbrochen, da um 5 Uhr in der<lb/>
Hofburg die staatliche <rs type="person" ref="#per__97869">Renner</rs>-Feier angesetzt war. Mir ist es vollkommen<lb/>
unerklärlich, warum man um 4 Uhr die Sitzung unterbricht, wenn man<lb/>
10 Minuten hinübergeht und in der Hofburg dann die <rs type="person" ref="#per__97869">Renner</rs>-Feier zu absol<lb break="no"/>vieren. Die Nationalräte waren dort auch um 1/2 5 Uhr oder knapp<lb/>
danach schon versammelt. Die <rs type="person" ref="#per__97869">Renner</rs>-Feier, die nur aus der Rede <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
bestand und der 5. Symphonie von <rs type="person">Beethoven</rs> war um 18.05 Uhr bereits<lb/>
zu Ende und um 19.00 Uhr war erst wieder die Fortsetzung des National<lb break="no"/>rates vorgesehen. Hier war zweifelsohne mindestens 1 Stunde Zeitver<lb break="no"/>schwendung. Da das Kapitel Äusseres gegen 8 Uhr zu Ende gehen sollte,<lb/>
man wolle unbedingt noch das Kapitel Handel beginnen, hat der Aussen<lb break="no"/>minister noch nach Auffassung vieler Abgeordneter über Gebühr lang<lb/>
aber doch sehr konzentriert geantwortet. Zu meiner grössten Verwunderung<lb/>
meldete sich dann <rs type="person" ref="#per__97613">Karasek</rs> noch einmal und verlange, dass das Minister<lb/>
auf jede Frage antworten müsste. Er beschwerte sich insbesondere, dass<lb/>
der Unterrichtsminister bei seinem Budgetkapitel die Abgeordneten nur<lb/>
darauf vertröstet hatte, schriftlich ihre Anfragen zu beantworten. In<lb/>
der SPÖ-Fraktion fand sich niemand, der sofort darauf reagiert hätte,<lb/>
nur <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> brüllte hinaus, dass dies eine Vereinbarung des Präsidiums<lb/>
gewesen ist und der Unterrichtsminister sogar ersucht wurde, er sollte<lb/>
sich kurz fassen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> selbst erwiderte ebenfalls, dass ihm<lb/>
die Mitteilung zugegangen ist, er sprach sogar von einer Weisung, dass<lb/>
er sich sehr kurz fassen sollte. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hatte nämlich im Präsidium dem<lb/>
zugestimmt. Bekanntlicherweise wollen ja die Abgeordneten der Bundes<lb break="no"/>länder, insbesondere Freitag auf alle Fälle mit der Budgetdebatte und<lb/>
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Wenn die ÖVP ihre Mitglieder des Klubs aber so wenig in der Hand hat,<lb/>
dass die Minister dann wegen Nichtbeantwortung der einen oder anderen<lb/>
Frage vom Redner in einer zweiten Wortmeldung angeschossen werden,<lb/>
dann ist dies vollkommen unmöglich. Ich werde daher, wenn mein Kapitel<lb/>
morgen zur Sprache kommen wird, auf jede Anfrage konkret eingehen,<lb/>
allerdings nur sehr kurz und sehr schnell reden.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 14.12.1970</head>
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