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            <title type="main">Montag, der  7. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band03_1970-12-07</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-07_01">Die Transportunternehmer hatten neuerdings eine Demonstration in<lb/>
Wien und in den anderen Landeshauptstädten. Da die Dieselpreis<lb break="no"/>erhöhung bereits im Parlament beschlossen war, benützten sie jetzt<lb/>
die Gelegenheit, um ihre wie sie es bezeichneten, flankierenden<lb/>
Massnahmen der Bundesregierung zu unterbreiten. Bevor <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und ich,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte sich etwas verspätet, die Delegation empfingen, kam<lb/>
Sektionschef Dr. <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs> und erzählte mir, dass der Leiter der Dele<lb break="no"/>gation, Dr. <rs type="person" ref="#per__137113">Römer</rs>, ich kenne ihn von der Milchwirtschaft her, ihm<lb/>
erklärt hätte, das sei das letzte Mal, dass seine Leute so diszipli<lb break="no"/>niert führen könne. Ich erwiderte sofort dem Präsidialchef Dr. <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs>,<lb/>
dass die Gewerkschaften dies seit Jahrzehnten tun müssten und er soll<lb break="no"/>te halt solche Demonstrationen nicht organisieren, wenn er sie nicht<lb/>
beherrschen kann. <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs> meinte, er sei ja kein Vermittler in die<lb break="no"/>ser Angelegenheit, er hätte nur das Bedürfnis gehabt, mir dies mit<lb break="no"/>zuteilen. Die Delegation stand das letzte Mal unter Führung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>. Damals hatte die Bundesregierung der Delegation<lb/>
einige Ansatzpunkte von Verhandlungsbereitschaft gezeigt und vor allem<lb/>
auch konkrete Andeutungen gemacht. Da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> befürchteter<lb/>
dass wir zu einer positiven Ergebnis kommen könnte, hatten sie die<lb/>
Verhandlung verhältnismässig sehr rasch abgebrochen. Dies nützte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, um der neu vorsprechenden Delegation seine Verwunderung<lb/>
über dieses Verhalten mitzuteilen. Diesmal war weder <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> noch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, aber auch nicht der Obmann der Verkehrssektion Komm. Rat <rs type="person">Zander</rs><lb/>
anwesend. Zander hatte mir beim Kammertag der Bundeskammer bereits<lb/>
mitgeteilt, dass er in Graz an der Demonstration teilnehmen wird.<lb/>
Der Syndikus Dr. <rs type="person" ref="#per__134842">Ebner</rs> trug die konkreten Punkte ihres Forderungs<lb break="no"/>programmes vor. Die Reduzierung der Beförderungssteuer von 8 auf 3 %<lb/>
würde nach ihrer Meinung einen Ausfall von 20 Mill. S bringen, wofür<lb/>
allerdings nur dem Bund 6 Mill. verlustig gehen, weil 14 Mill.. die<lb/>
Post und die Bahn sich ersparen und damit ihr Defizit verringern.<lb/>
Betreffend des Gelegenheitsverkehrsgesetzes soll es aus dem Jahre<lb/>
l963 einen Schriftwechsel <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> und <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> geben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-07_02">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte, diesen Schriftwechsel für mich beschaffen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-07_03">In Kraftfahrlinienverkehr müssten die Sozialtarife den Transportunter<lb break="no"/>nehmungen abgegolten werden, die ungefähr 20 – 25 Mill. betragen.<lb/>
Das Güterbeförderungsgesetz müsste – wie sie sich ausgedrückt habe<lb/>
<pb n="03-0894" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-07_0894.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die erworbenen Rechte erhalten. Auch dann, wenn es zu einer Konzes<lb break="no"/>sionstrennung kommt, Ich konnte sofort als Gegenargument darauf<lb/>
hinweisen, dass wir monatelang über das Güterbeförderungsgesetz<lb/>
derzeit verhandeln und noch immer keine Stellungnahme von Seiten<lb/>
ihrer Interessensvertretung vorliegt. An der Delegation nahm auch<lb/>
der Sohn des Stadtrates <rs type="person" ref="#per__140512">Sigmund</rs> teil und er betätigte sich auch<lb/>
als Sprecher. Sein einziges Verlangen war allerdings, dass die<lb/>
1969 eingezogenen Baumaterialtransporte im Nahverkehr in die<lb/>
Beförderungssteuer wieder herausgenommen werden. Ein Tranportunter<lb break="no"/>nehmer <rs type="person">Cerwinek</rs> beschwerte sich, dass sie 200 bis 220 Tage im Jahr<lb/>
fahren müssen u d die Reparaturen nur am Samstag und Sonntag vornehmen<lb/>
könnten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwiderte, dass es gut ist, dass dann ein Fahrver<lb break="no"/>bot existiert, sonst könnten sie überhaupt nie ihre Fahrzeuge reparieren<lb/>
<rs type="person">Cerwinek</rs> sagte, am Samstag, Sonntag müssten sie sich alles selbst<lb/>
machen, da keine Werkstätten offen sind. Ich ersuchte ihn, auf diese<lb/>
Frage nicht näher einzugehen, denn sonst kämen wir darauf, dass sie<lb/>
mit Hilfe von Pfuschern ihre Autos einigermassen instandhalten.<lb/>
<rs type="person">Toder</rs>, der Vertreter der Taxileute, wies darauf hin, dass sie seit<lb/>
1951 nur eine 12 %-ige Tariferhöhung erreicht hätten. Den Vorschlag<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, die Beamten stärker zu Taxifahrten statt Dienstwagen heran<lb break="no"/>zuziehen, wird von der Innung derzeit geprüft und es werden insbe<lb break="no"/>sondere Erkundigungen eingeholt, wie es in der Schweiz und in Schweden<lb/>
und in sonstigen Staaten geschieht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte, dass die Re<lb break="no"/>gierung verhandlungsbereit sei und insbesondere der Handelsminister<lb/>
für ihre Wünsche zuständig, entsprechende Vorschläge von ihnen er<lb break="no"/>wartet. Ich erwiderte, dass auch das Verkehrsministerium und ganz<lb/>
besonders der Finanzminister zuständig sei. Auf alle Fälle könnten<lb/>
sie jederzeit mit uns sprechen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-07_04">Da mir beim Mittagessen mitgeteilt wurde, dass das FM auf dem Stand<lb break="no"/>punkt steht, bei der Bürges Gewerbestrukturverbesserungsgesetz<lb/>
dürften wir in den Fussnoten vorgesehenen Ansätze für Fremdenver<lb break="no"/>kehrszinsenzuschuss nicht überschreiten, hatte ich <rs type="person">Habel</rs> <rs type="person">Wohlgemuth</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> zu mir gebeten. <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> teilte ich bei dieser Ge<lb break="no"/>legenheit gleich meinen Beschluss über die Besetzung der Sektion II<lb/>
mit. Er seinerseits sagte mir, dass er sein Ansuchen um die Bewerbung<lb/>
der Sektionsleitung mit Wissen von Sektionschef <rs type="person">Babel</rs> mir übermittelt<lb/>
hatte. Die Bürgesgesellschaft hat eine Aufsichtsratssitzung am 2.12.<lb/>
gehabt und bei dieser wurden wieder andere Zahlen genannt als dem<lb/>
Ministerium bis jetzt bekanntgegeben wurden. Darüber hinaus soll<lb/>
<rs type="person">Korinek</rs> erklärt haben, dass er keine Chance sieht, alle die Fälle<lb/>
<pb n="03-0895" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-07_0895.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch tatsächlich noch heuer abfertigen zu können. Die Aufteilung der Rest<lb break="no"/>finanzierungsmitteln, die uns jetzt durch das Budgetüberschreitungsgesetz<lb/>
möglich wird, wird von <rs type="person">Wohlgemuth</rs> und seiner Abteilung in ihrem Sinne nach<lb/>
wie vor vorbereitet. Man hat zwar in der Angelegenheit Schukra mit der<lb/>
Bank gesprochen und die Bank hat sich bereiterklärt, der Fa. Schukra<lb/>
jetzt 1 1/2 Mill. S Betriebsmittelkredit zu geben, aber wieder nicht<lb/>
mit der Bundeskammer, ob die auch auf die 500.000 S Subventionzuwachs<lb/>
für die Wifi verzichten würde, wenn Schukra die 500.000 S, wie die Abteilung<lb/>
vorschlägt, bekommen sollte. Mir erscheint aber eine solche Ent<lb break="no"/>scheidung von der Bundeskammer ungeheuer wertvoll. Einerseits möchte ich<lb/>
testen, ob die Bundeskammer bereit ist, für einen Einzelbetrieb auf Subven<lb break="no"/>tionen für die Wifi zu verzichten und andererseits würde ich damit dokumen<lb break="no"/>tieren, dass ich auch hier im Einvernehmen mit der Bundeskammer vorgegangen<lb/>
bin. Ich brauche zwar von der Abteilung keine schriftliche Zustim<lb break="no"/>mung der Bundeskammer, aber ich möchte doch, dass es zumindest aktenmässig<lb/>
festgehalten ist, dass mit der Bundeskammer Besprechungen stattgefunden<lb/>
haben und die einer solchen Lösung zugestimmt hat. Ich selbst habe die<lb/>
grössten Bedenken, wenn solchen Einzelfirmen eine direkte Subvention in<lb/>
immerhin beträchtlichem Ausmass gibt. <rs type="person">Wohlgemuth</rs> teilte mit auch mit, dass<lb/>
noch zwei andere Firmen, eine Fa. <rs type="person">Landecker</rs> und eine dritte Firma, jetzt<lb/>
für solche Einzelsubventionen vorschlagen will. Ich frage mich immer,<lb/>
nach welchen Gesichtspunkten werden von den 220.000 Unternehmungen gerade<lb/>
drei ausgewählt und mit Einzelsubventionen bedacht. Ich bin sicher nicht<lb/>
ein Anhänger vom sogenannten Gieskannenprinzip, d.h. dass man jedem im<lb/>
gleichen Masse Subventionen geben sollte, aber andererseits wieder bin<lb/>
ich sehr dagegen, wenn man so ohne irgendwelche Richtlinien und Kriterien<lb/>
gerade eine oder die andere Firma herauspockt und gerade denen immerhin<lb/>
beträchtliche Beträge von etlichen Hunderttausend Schilling zur Verfügung<lb/>
stellt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-07_05">Da ich noch niemals den derzeit erkrankten Verteidigungsminister <rs type="person">Freihsler</rs><lb/>
besucht hatte und seine Frau mir vor zwei Tagen mitgeteilt hatte, dass er<lb/>
wieder im Spital liegt, so hatte ich die Absicht, ihn in Stammersdorf im<lb/>
Heeresspital zu besuchen. Zu meiner grössten Verwunderung war er nicht<lb/>
in diesem Spital. <rs type="person">Leschner</rs>, der beim Posten unbedingt erfahren wollte,<lb/>
ob er sich nicht doch vielleicht noch im Spital befindet, wurde angeblich<lb/>
in einen Empfangsraum geführt, wo ein grosses Buch aufliegt und dort nach<lb break="no"/>geschaut wurde, ob ein gewisser <rs type="person">Freihsler</rs> im Spital anwesend sei. Angeblich<lb/>
haben sie dann nur festgestellt, dass er vor einiger Zeit eingeliefert<lb/>
wurde, aber nicht mehr ausgeliefert. Major <rs type="person" ref="#per__139787">Schaffer</rs>, der Verbindungsoffizier<lb/>
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er aus Interesse, damit nicht die Heeresbeamten ihn ununterbrochen be<lb break="no"/>lästigen, nicht in Stammersdorf sondern am Rosenhügel liegt.</p>
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               <occupation>Vertr. Spediteure [26.1.1972 von JS als Unternehmer im 10. Bezirk,
                  Sprecher der Transportunternehmen und Sohn des ÖVP-BR Albert Römer genannt,
                  vorerst aber nicht eindeutig gefunden]</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Schaffler, A</persName>
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