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            <title type="main">Freitag, der  4. Dezember 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_01">Der Verkehrsminister hatte zur 23. Verkehrstagung eingeladen.<lb/>
Noch niemals war ein Handelsminister bei dieser Verkehrstagung.<lb/>
Schon allein, um zu dokumentieren, dass zwischen dem Verkehrs<lb break="no"/>minister und mir das beste Einvernehmen auch in diesen Problemen<lb/>
besteht, hatte ich an dieser Tagung teilgenommen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> ersuchte<lb/>
mich auch ganz kurz eine Begrüssungsansprache zu halten. Ich wies<lb/>
darauf hin, dass wir eine Fremdenverkehrstagung vorbereiten, und<lb/>
ich überzeugt sei, dass wenn wir diese im nächsten oder übernächsten<lb/>
Jahr machen würden, auch der Verkehrsminister daran teilnehmen würde<lb/>
und gleichzeitig ebenfalls das Wort ergreifen würde. Die Verkehrs<lb break="no"/>tagung ist deshalb auch so gut besucht sowohl von Nationalräten<lb/>
aller Parteien als auch allen Fremdenverkehrsreferenten und Verkehrs<lb break="no"/>referenten der Bundesländer, weil die einzelnen Verkehrsträger,<lb/>
die ÖBB, die Post, die AUA, die Schiffahrt usw. ganz repräsentative<lb/>
Geschenke an die Teilnehmer austeilen. Wenn wir eine Fremdenverkehrs<lb break="no"/>tagung machen, wird sich <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> sehr anstrengen müssen, eine entspre<lb break="no"/>chende Leistung, die ähnlich der Verkehrstagung ist, aufzuweisen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_02">Die Landesfinanzreferenten trafen sich im Rathaus. Ich beabsichtigte<lb/>
den Landesfinanzreferenten ein neues Konzept für die Förderung zu<lb/>
besprechen. Zu diesem Zweck hatte ich ersucht, dass ich an dieser<lb/>
Sitzung teilnehmen könnte. Ich glaube, es ist auch das erste Mal,<lb/>
dass ein Handelsminister an einer solchen Besprechung teilnimmt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> selbst war im Bundesrat aufgehalten und hat mittags<lb/>
mit den Landesfinanzreferenten konferiert. Diese wollten von ihm eine<lb/>
Zusicherung, dass sie einen Ausgleich für die entfallenen Ertragsan<lb break="no"/>teile bekommen würden. Ich wollte von den Landesfinanzreferenten<lb/>
in vier Punkten eine konkrete Stellungnahme.<lb/>
1. waren sie nicht imstande auf Grund des Finanzausgleichsgesetzes die<lb/>
S 500.000, die allen Ländern zustehen, nicht nur so aufzuteilen, dass sie<lb/>
gerecht auf jedes Bundesland entfallen, sondern sie mussten auch entspre<lb break="no"/>chende Projekte für diese Subvention vorlegen. Dies haben sie bis jetzt<lb/>
noch nicht getan. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit schon vergangen<lb/>
und wieviel Arbeitssitzungen notwendig waren, um einen Auftei<lb break="no"/>lungsschlüssel zu finden, dem alle Länder zustimmten, dann fragt<lb/>
man sich, ob es überhaupt zielführend gewesen ist, S 500.000.-<lb/>
für alle 9 Länder bereitzustellen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_03">Die Länder sehen aber darin einen ersten Ansatzpunkt auf Grund des<lb/>
Finanzausgleichgesetzes und beharren nach wie vor auf die Aufteilung.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_04">2. wollten die Länder eine Klärung bezüglich der Fremdenverkehrswerbung.<lb/>
Ich konnte dort mitteilen, dass wir uns am Vortag bei der Generalvers<lb break="no"/>ammlung mit den Landesfremdenverkehrsreferenten 100 %-ige geeinigt<lb/>
hätten und ich in kürzester Zeit einen gemeinsamen Weg einschlagen<lb/>
werde. Die Fremdenverkehrsreferenten waren ja einverstanden, dass<lb/>
im Werbeausschuss in der Fremdenverkehrswerbung koordinierend alle<lb/>
entsprechenden Vorschläge besprochen und miteinander abstimmen werden.<lb/>
Bei der Finanzlandeskonferenz hat <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> darauf hingewiesen, dass in<lb/>
Wirklichkeit von der Fremdenverkehrswerbung nur Wien, Tirol und Salzburg<lb/>
profitieren. Seiner Meinung nach werden alle anderen Länder benachteiligt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_05">3. hatte ich vorgeschlagen, dass man über die Haftungen, welche der Bund<lb/>
und die Länder für die Wirtschafts- und Fremdenverkehrswerbung gibt,<lb/>
koordinierend ein System ausarbeiten müsse, was lückenlosen und zweck<lb break="no"/>mässiger gestaltet sein müsste. Ich erklärte den Finanzreferenten, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> beabsichtige, auf meinen Antrag gegebenenfalls ein Haftungs<lb break="no"/>gesetz mit einem Rahmen von 500 Mill. S. zur Verfügung zu stellen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_06">4. wies ich darauf hin, dass die Unzahl von Zinszuschussaktionen in den<lb/>
einzelnen Ländern und in den verschiedensten Sparten zweckmässigerweise<lb/>
koordiniert und konzentriert werden sollten. Da die Tagesordnung der<lb/>
Landesfinanzreferenten sehr stark überlastet war, war mir von allem Anfang<lb/>
klar, dass ich nicht über eine grundsätzliche Diskussion hinaus Ergebnisse<lb/>
erzielen konnte. An der Guundsatzdiskussion beteiligte sich sowohl der<lb/>
Landesrat Dr. <rs type="person" ref="#per__98037">Vogl</rs> vom Burgenland als auch der Landesrat <rs type="person">Haslinger</rs> von<lb/>
Salzburg und zuletzt Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>. Alle drei stimmten überein,<lb/>
dass es zielführend sei, hier Arbeit zu leisten und Koordinierungen<lb/>
in Angriff zu nehmen.<lb/>
Vor Eingang in die Tagesordnung hatte ich schon mit dem Vorsitzenden<lb/>
diesmal war es Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__134817">Gleihsner</rs> von OÖ. vereinbart, dass wir<lb/>
vielleicht einen Arbeitsausschuss bilden sollten. Dieser Vorschlag wurde<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__134817">Gleihsner</rs> auch in der Sitzung gestellt und fand die allgemeine Zustimmung<lb/>
Wie <rs type="person" ref="#per__134817">Gleihsner</rs> sich ausdrückte, wird nun eine Arbeitsgruppe<lb/>
von Seiten der Finanzlandesreferenten nominiert werden, die sich aus einem<lb/>
Mann vom Westen, einem Mann von Süden, einem vom Osten und einem aus der<lb/>
Zentrale und wie er sich ausdrückte, parteipolitisch 2: 2 zusammensetzen<lb/>
wird, die mit meinen Herren des Handelsministeriums diesbezügliche Ver<lb break="no"/>handlungen aufnehmen werden. Er meinte, sie könnten ja dann bei einer der<lb/>
nächsten Sitzungen der Finanzlandesreferenten berichten. Ich erwiderte<lb/>
<pb n="03-0884" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-04_0884.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sofort, dass ich hoffte, dass bei der nächsten Sitzung der Finanz<lb break="no"/>landesreferenten bereits ein vollständiges Elaborat zur Beschluss<lb break="no"/>fassung vorliegen wird.<lb/>
In der Sitzung selbst erlebte ich noch etwas sehr Positives. Ich hatte<lb/>
im Trubel der Geschäfte wahrscheinlich vergessen, vielleicht hatte<lb/>
ich es aber auch gar nicht beabsichtigt, einen Beamten meines Hauses<lb/>
zu dieser Besprechung mitzunehmen. Ich war daher sehr erstaunt, als<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> der sich mit diesem Problem sehr beschäftigt hatte,<lb/>
dort auftauchte. Ein anderer Minister hätte ihn vielleicht ange<lb break="no"/>schnauzt und gesagt, wieso kommen gerade sie, ich habe sie doch nicht<lb/>
eingeladen. Ich dagegen war , das muss ich ehrlich gestehen, sehr ange<lb break="no"/>nehm berührt, dass ein Beamter, ohne dass er dazu aufgefordert wird,<lb/>
ganz einfach erscheint, weil er der Meinung ist, dort hat er etwas<lb/>
zu erfahren, dort ist er notwendig, denn letzten Endes wird er ja auch<lb/>
diese Verhandlungen führen müssen. Natürlich gehört <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> zu den<lb/>
jüngeren und moderneren aufgeschlossenen Beamten, es wäre zweckmässig,<lb/>
wenn wir ein Dutzend solcher Leute hätten. Da ich aber andererseits<lb/>
überzeugt bin, dass wir ein Dutzend solche; Leute in dem grossen<lb/>
Haufen von Beamten besitzen, müssten man nur dieses Dutzend finden<lb/>
und ermuntern genauso vorzugehen, wie <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> in diesem Fall und<lb/>
sicherlich auch in vielen anderen gemacht hat. Nämlich initiativ<lb/>
ganz unabhängig wie das Protokoll über die Beamtenhierarchie dies<lb/>
verlangt oder erwartet.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_07">Da im Bundesrat einige Gesetzentwürfe vom Handelsministerium zur<lb/>
Verhandlung standen, machte ich einen Sprung in diese Sitzung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> waren, da Wahlrecht und Einkommenssteuerreform<lb/>
an der Spitze stehen, noch immer im Saal anwesend. Ich entschuldigte<lb/>
mich beim Vorsitzenden, dass ich die weitere Tagesordnung nicht abwarten<lb/>
konnte, da ich im Handelsausschuss entsprechende Gesetzesentwürfe zur<lb/>
Verhandlung habe. Da ich das letzte Mal einen Minister vertreten hatte,<lb/>
bin ich überzeugt, dass mir der Bundesrat meine Abwesenheit nicht übel<lb/>
vermerkt hat.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_08">In der Fraktion für den Handelsausschuss wurde mitgeteilt, dass im<lb/>
Justizausschuss in der Früh beim Preistreibereiproblem so vorgegangen<lb/>
wurde: Da die österr. VP, ich hatte auch diesbezügliche Verhandlungen<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> am Vortag geführt, bereits offiziell erklärt hat, dass sie<lb/>
einer Änderung , einer materiellen Änderung der Gesetze nicht zustim<lb break="no"/>men würde, haben alle drei Parteien einen Abänderungsanträge einge<lb break="no"/>bracht. In diesem Abänderungsantrag werden alle materiell-rechtlichen<lb/>
Bestimmungen, sowohl Preistreiberei- als des Preisregelungsgesetzes<lb/>
<pb n="03-0885" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-12-04_0885.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>als auch des Rohstofflenkungsgesetzes eliminiert aus der Regierungs<lb break="no"/>vorlage und nur eine um ein Jahr befristete Verlängerung beantragt.<lb/>
Dieser Abänderungsantrag fand dann, da er von allen drei Parteien<lb/>
beantragt wurde, die einhellige Zustimmung der Ausschüsse. Im Handels<lb break="no"/>ausschuss wurde dann genauso vorgegangen. Wie notwendig aber doch<lb/>
die Anwesenheit der Bürokratie von meinem Ministerium war, Dr. <rs type="person">Dienzl</rs><lb/>
und der für dieses Gesetz zuständige <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs> anwesend waren, ergibt<lb/>
sich , dass ansonsten ein grosser Fehler gemacht worden wäre. Im Artikel<lb/>
3 der Regierungsvorlage war die Bezugsklausel geändert worden und das<lb/>
Finanzministerium und das Justizministerium, da Änderung der Kompetenz in<lb/>
Artikel 2 vorgesehen waren, mit der Vollziehung betraut worden. Nun<lb/>
wurde der Artikel 2 gestrichen und wenn MinRat Dr. <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs> dies nicht<lb/>
bemerkt hätte, dann wäre eine ganz sinnlose Vollzugsklausel in die Novelle<lb/>
gekommen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_09">Da der Handelsausschuss nur so kurz tagte, konnte ich noch zur Ver<lb break="no"/>leihung der Grubenwehrehrenzeichen im Ministerium zeitgerecht erschei<lb break="no"/>nen. Ich stürzte mich sofort in den Saal III, da der Festakt für 11.30<lb/>
Uhr angesetzt war und es bereits 11.29 Uhr gewesen ist. Zu meiner<lb/>
grössten Verwunderung war dort aber nur Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139515">Dworak</rs> von der OB, der<lb/>
die Bergknappen der Reihe nach aufstellte. Ich sprach einige Worte mit<lb/>
den Herren von der ÖMV, es war sowohl Gen.Dir. Bauer als auch <rs type="person" ref="#per__97738">Kurt <sic>Mezaros</sic></rs><lb/>
anwesend, als mir erst eröffnet wurde, dass ich ja dann feierlich einzie<lb break="no"/>hen müsste. Ich verliess deshalb wieder den Marmorsaal und wartete, bis<lb/>
die Herren der OB kommen würden. Diese verspäteten sich aber, weil<lb/>
sie wieder oben im Stock warteten bis 11.45 Uhr, denn dann wollten<lb/>
sie auf alle Fälle, wie ich ihnen empfohlen hatte, mit der Feier be<lb break="no"/>ginnen. Statt dass ich sie sofort heruntergebeten hätte, warteten sie<lb/>
oben und ich unten. Zum Schluss kamen wir um 10 Minuten zu spät zur Feier, die<lb/>
sehr festlich verlief. Die ÖMV-Kapelle spielte in voller Uniform das<lb/>
Bergmannlied und ich hielt dann eine wie ich glaube wirklich gute An<lb break="no"/>sprache, weil ich davon innerlich überzeugt war. Bei allen anderen<lb/>
Auszeichnungen hatte ich eine wirkliche Abneigung gegen dieses Aus<lb break="no"/>zeichnen weil die Orden und Ehrenzeichen nicht nach Verdiensten<lb/>
sondern grösstenteils nach Rang und Stellung vergeben werden. Nur beim<lb/>
Grubenwehrehrenzeichen, eine Art Auszeichnung für die Feuerwehr der Berg<lb break="no"/>leute gibt es nur eine Klasse. Ich erwähnte dies auch in meiner Rede<lb/>
und erklärte, dass es hier keinerlei "Klassenunterschiede" gibt. Nach 15-jäh<lb break="no"/>riger ununterbrochener Tätigkeit oder bei einem Einsatz, wo es um Ent<lb break="no"/>scheidungen gegangen ist, oder bei einer Verhinderung einer<lb/>
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Überreichung resp. bei der Anheftung an den Bergmannskittel hatte<lb/>
ich selbstverständlich mit jedem ein paar Worte gesprochen. Hier hat<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> einmal eine Aktion gesetzt, die mir gut gefallen hat,<lb/>
er flüsterte mir, wer der Betreffende sei, resp. warum er das Ehren<lb break="no"/>zeichen bekommt. Dadurch konnte ich doch diese persönliche Auszeichnung<lb/>
auch mit ein paar persönlichen Worten begleiten. Anschliessend werden<lb/>
die Ausgezeichneten und die Musik zu einem Essen vom Handelsministerium<lb/>
eingeladen und ich beabsichtigte auf alle Fälle, an diesem Essen<lb/>
teilzunehmen. Ich schlug deshalb vor, dass wir uns jetzt gemeinsam<lb/>
mit dem Autobus zum Schwechaterhof begeben sollten. Der Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> meinte sofort, es stünde ja für mich ein Auto zur Verfügung,<lb/>
das ich aber lächelnd ablehnte. Im Autobus und beim Hinuntergehen<lb/>
konnte ich mit den Bergleuten noch einige Worten wechseln. Da mich der<lb/>
Kollege <rs type="person" ref="#per__116918">Reis</rs> vom Schwechaterhof abholte, sich dann dort auf meine Auf<lb break="no"/>forderung an einen Tisch setzte, die Leute ihn aber nicht kannten,<lb/>
konnte er aufschnappen, dass das erste Mal ein Minister sich so herab<lb break="no"/>lässt und nicht nur durch anerkennende persönliche Worte sondern sogar<lb/>
jetzt durch Mitfahren und Essen zum Ausdruck, wie sehr er den Bergknappen<lb/>
verbunden ist. Ich bin überzeugt, dass dieses Essen und meine Teilnahme<lb/>
für das Image des Ministeriums von grösserer Bedeutung war als das<lb/>
vorgesehene Mittagessen bei den Verkehrstagungsteilnehmern im Rathaus<lb break="no"/>keller.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_10">Ich hatte die sehr schwierige Aufgabe, um 15 Uhr in der Bundeskammer<lb/>
beim Kammertag der gewerblichen Wirtschaft den Präsidenten, den neuge<lb break="no"/>wählten Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu vereidigen. Bis jetzt war es in der<lb/>
109-jährigen Geschichte des Handelsministeriums noch nie der Fall<lb/>
gewesen, dass der Minister am Kammertag teilgenommen hat und dort die<lb/>
Vereidigung vorgenommen hat. Es war ein Ausfluss der Hierarchie und<lb/>
der ministeriellen Stärke, dass der Präsident, nachdem er gewählt<lb/>
wurde, ins Ministerium kam, um dort die Eidesformel abzulegen. Abge<lb break="no"/>sehen davon, dass es in der Arbeiterkammer immer so war, dass der<lb/>
Sozialminister, der allerdings gleichzeitig Kammerrat der AK war,<lb/>
erschienen ist und den Präsidenten vor der Vollversammlung vereidigt<lb/>
hat, halte ich einen solchen Vorgang auch für die Handelskammer auch<lb/>
für zielführend. Abgesehen davon aber glaube ich, dass es wirklich<lb/>
zielführender für mich ist, beim Kammertag immer anwesend zu sein.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_11">Dieser wurde aber von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und ganz besonders von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
bis jetzt abgelehnt. Nur bei der Vereidigung konnten sie dem<lb/>
nicht ausweichen und haben mich eingeladen. Auch hier aber war<lb/>
diese Einladung erst erfolgt, nachdem ich ihnen vor einigen Tagen<lb/>
vorgeworfen hatte, dass doch der Kammertag jetzt stattfindet und<lb/>
ich doch dort auf alle Fälle zur Vereidigung erscheinen müsste.<lb/>
Sie taten sehr verlegen, sie hätten nur darauf vergessen und<lb/>
würden mir jetzt sofort auf Büttenpapier persönlich die Einladung<lb/>
überbringen. Ich erklärte sofort, dass ich darauf keinen Wert lege<lb/>
aber doch bei diesem Kammertag anwesend sein möchte. Der Hinweis,<lb/>
dass nach dem Gelöbnisakt eine Pause eingelegt wird, so ich gegebe<lb break="no"/>nenfalls, ohne dass es auffällt den Kammertag verlassen könnte,<lb/>
wurde von mir nicht akzeptiert, sondern ich sagte, ich würde auf<lb/>
alle Fälle bleiben, wenn man mich nicht hinausschmeisst. Dies<lb/>
konnte natürlich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auch wieder nicht tun und<lb/>
so mussten sie sich abfinden, dass ich die ganze Zeit beim Kammer<lb break="no"/>tag anwesend war. Im Nachhinein erklärten mir einige Leute, und zwar<lb/>
nicht nur die von der sozialistischen Fraktion, d.h. vom Freien<lb/>
Wirtschaftsverband, dass sie sich sehr gewundert hätten, dass ich<lb/>
mir so viel Zeit genommen habe. Auch der Vertreter des Freien<lb/>
Wirtschaftsverbandes, NR <rs type="person" ref="#per__97656">Kostroun</rs>, der ins Präsidium kooptiert<lb/>
ist, fragte an. ob ich denn wirklich so lange bleiben würde. Er<lb/>
meinte sogar noch und für mich ist es ganz klar, dass er von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
oder <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> geschickt wurde, ob ich vielleicht gar beim Kammertag<lb/>
bei den Berichten das Wort ergreifen würde. Ich versicherte ihm,<lb/>
dass ich dies nicht tun würde, da ich doch klarer Weise<lb/>
kaum die erste Gelegenheit beim Kammertag dazu benützen würde, um<lb/>
gegen Ausführungen des Präsidenten oder des Generalsekretärs zu<lb/>
polemisieren. Wie mir der Wiener Obmann des Freien Wirtschafts<lb break="no"/>verbandes und kooptiertes Mitglied des Präsidiums der Wiener Kammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> mitteilte, hatte er sich für die Diskussion vorbereitet<lb/>
und von <rs type="person" ref="#per__97656">Kostroun</rs> aber ein Redeverbot erhalten. Meine Ansprache im<lb/>
Anschluss an das Gelöbnis war deshalb wie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> mir empfohlen,<lb/>
100%-ig ein Handelsminister mit aller Würde und ohne irgendwelche<lb/>
Polemik. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> dagegen meinte, ich sollte doch ein bisschen auf die<lb/>
Gewerkschaftsvergangenheit und auf die derzeitige Zusammenarbeit<lb/>
zwischen Gewerkschaften und Handelskammer hinweisen. Ich wählte<lb/>
ein Mittelding, ich hatte keine wie immer gearteten Gags und hatte<lb/>
nur die Tradition der Handelskammer und deren Bedeutung herausge<lb break="no"/>strichen. Andererseits aber hatte ich an die <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs>-<rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs>'sche<lb/>
Tradition, die gerade in diesem Raum ihnen Ausgang genommen hatte,<lb/>
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Zukunft übergeleitet. Ich beglückwünschte nur das neugewählte<lb/>
Präsidium und gab meiner Hoffnung Ausdruck auf eine gute Zusammen<lb break="no"/>arbeit. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hatte dies bereits bei der Begrüssung zum Ausdruck<lb/>
gebracht, indem er darauf hinwies, dass wir zwar politische Gegen<lb break="no"/>sätze hätten, aber doch in der Zusammenarbeit wahrscheinlich ein<lb/>
Maximum dessen leisten sollten und könnten. Das Referat von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>,<lb/>
aber insbesondere das von Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war äusserst<lb/>
interessant und enthält einige Punkte, die für uns von aller<lb break="no"/>grösster Bedeutung sind. Wir werden dieses Referat, das ja im Protokoll<lb/>
vorliegen muss, in den einzelnen Details noch analysieren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97645">KOPPE</rs>: Bitte, dieses Referat sofort beschaffen und<lb/>
dann in der Grundsatzabteilung besprechen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_15">Meinungsumfrage</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_16"><rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> berichtet über das Ergebnis einer Meinungsumfrage,<lb/>
bei der 1.500 einigermaßen repräsentative Personen<lb/>
befragt wurden. Ein Hauptthema war die Teuerung und<lb/>
ihre Bekämpfung.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_17">Auf die Frage um wieviel Prozent sind die Preise seit<lb/>
Herbst 1969 gestiegen, gab es folgende Antworten:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_18">0 % = 0<lb/>
1 - 2 % = 4<lb/>
3 – 5 % = 39<lb/>
5 – 10 % = 42<lb/>
10 - 20 % = 12<lb/>
20 und mehr = 6</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_19">Dies bedeutet, daß die Teuerung als ausgesprochen<lb/>
drückend empfunden wurde. Bemerkenswert und erfreulich<lb/>
waren die Antwort auf die Frage, wer ist in erster Linie<lb/>
daran schuld ?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_20">Konsumenten 13 %<lb/>
Weltentwicklung 35 %<lb/>
Bundesregierung 14 %<lb/>
Unternehmer 14 %<lb/>
ÖGB 4 %<lb/>
Kartelle 7 %<lb/>
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Sonstige 2 %<lb/>
weiß nicht 3 %<lb/>
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die Regierung sei schuld, 30 % die Weltentwicklung. Von<lb/>
den SPÖ Wählern waren 42 % der Meinung die Weltent<lb break="no"/>wicklung, 6 % der Meinung die Regierung. Bei den<lb/>
Neutralen waren 15 % der Meinung die Konsumenten,<lb/>
54 % der Meinung die Weltpolitik und Weltpreisent<lb break="no"/>wicklung und 11 % der Meinung die Bundesregierung.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_21">27 % der Befragten waren der Meinung die Entwicklung sei<lb/>
jetzt gefährlicher als in den 60er Jahren. 25 % hielten<lb/>
sie für genauso gefährlich wie in den 25er Jahren, 25 %<lb/>
waren der Meinung die Situation sei jetzt nicht viel<lb/>
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sei im großen und ganzen derzeit nicht gefährlich und<lb/>
4 % hielten die Entwicklung derzeit für weniger ge<lb break="no"/>fährlich als in den 60er Jahren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_22">Auf die Frage, ob die gegenwärtige Regierung die Teuerung<lb/>
energischer bekämpfe als die vorhergehende erwiderten<lb/>
41 % der Befragten mit ja und 39 % mit nein. Unter den<lb/>
SPÖ Anhängern waren 73 % ja, 15 % nein. Unter den ÖVP<lb/>
Anhängern waren 12 % ja und 70 % nein und unter den<lb/>
Indifferenten 23 % ja und 39 % nein.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_23">Verkehrstag</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-12-04_24">Die bemerkenswertesten Feststellungen am Verkehrstag:<lb/>
<rs type="person">Mannsparth</rs> (Tirol) preist die unvergleichlich günstige<lb/>
Entwicklung des Fremdenverkehrs in den letzten Monaten<lb/>
und betont, daß es praktisch keine "Jännerlücke" mehr<lb/>
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sich ein Vertreter der Fremdenverkehrswerbung zu Wort,<lb/>
ein Legationsrat aus London der die dortige Außen<lb break="no"/>stelle vertritt, und teilt in erfreulich kurzer und<lb/>
präziser Form Erfahrungen und Wünsche mit.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 4.12.1970</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Informationen für Rede anlässl. Sallinger-Vereidigung</head>
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