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            <title type="main">Montag, der 30. November 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band03_1970-11-30</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_01">Die interministerielle Sitzung über die EG-Verhandlungen kam zu<lb/>
keinem bedeutenden Ergebnis. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> meinte als Vorsitzender des Vorbereitungskomitees würde er<lb/>
erst in diesem seine Vorschläge betreffend die neuen Arbeitskreise<lb/>
erstatten. Ich verlangte von ihm, dass er bei dieser interministeriel<lb break="no"/>len Sitzung bereits mitteilte, wie wir uns eine weitere Arbeit<lb/>
für das Globalabkommen vorstellen. <rs type="person" ref="#per__140905">Pfusterschmid</rs> entwickelte eine,<lb/>
wie ich glaube, vollkommen richtige Taktik, nämlich jetzt bereits<lb/>
der EG unsere Vorschläge konkret in Plänen und Papieren 2 – 3 Stück<lb/>
vorzulegen. Die EG selbst wird ja kaum irgendwelche Vorschläge er<lb break="no"/>statten, sondern höchstens immer wieder erklären, was sie an unseren<lb/>
Vorschläge für nicht gangbar hält. Dadurch kommen wir nicht in die<lb/>
Situation, dass wir eventuelle Vorschläge der EG als für uns unakzep<lb break="no"/>tabel zurückweisen müssen. Dann wären wir erst in der Defensive.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_02">Mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> hatte ich die erste Besprechung wegen der Be<lb break="no"/>rufung von Senatsrat <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> zur Sektionsleitung. <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> teilte mir<lb/>
mit, dass er sich persönlich gar nicht an irgendjemanden gewendet<lb/>
hatte, sondern dass er von zwei Stellen, nämlich dem Präsidium und<lb/>
der Personalvertretung eben für diesen Posten vorgeschlagen wurde. Ich<lb/>
erklärte ihm, dass er auch in der Arbeiterkammer einen sehr guten<lb/>
Ruf hat und Kammeramtsdirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> ihn bestens empfohlen hat.<lb/>
Ich teilte ihm mit, dass mir <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> gesagt hatte, dass er für die Leitung<lb/>
der Abteilung der Frau Min.Rat <rs type="person" ref="#per__137068">Mache</rs> nach deren Pensionierung, d.h.<lb/>
auch die Zusammenlegung der Abteilungen 11 und 11 a, vorgesehen sei.<lb/>
Diesen Plan begrüsste ich und fragte ihn, wie weit er überhaupt Inter<lb break="no"/>esse daran hätte, wenn Frau Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97381">Carmine</rs> in Pension geht, er ge<lb break="no"/>gebenenfalls diese Agenden mit übernimmt. Ein diesbezüglicher Vorschlag<lb/>
so erzählte ich ihm, war mir von <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> gemacht worden und er sollte<lb/>
sich mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs>, dem Leiter der Personalabteilung, ins Einver<lb break="no"/>nehmen setzen. Der Hinweis, dass ich nicht zuletzt, um im Hause eine<lb/>
entsprechende Ruhe zu haben, einen Mann von ausser Haus zur Sektions<lb break="no"/>leitung berief, beantwortete er, dass er diese Entscheidung selbstver<lb break="no"/>ständlich zur Kenntnis nehmen müsse.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_03">Das Büro hat mir wieder einmal einen falschen Termin angegeben,<lb/>
die 10-Jahresfeier der amerikanischen Handelskammer mit Anwesen<lb break="no"/>heit und Ansprache des US-Finanzminis-ters <rs type="person">Kennedy</rs> fand nicht<lb/>
statt und ich war glaube ich der einzige Gast, der im Hotel Inter<lb break="no"/>continental diese Veranstaltung suchte. Das Positive daran war, dass<lb/>
ich an Stelle des mir wirklich zuwideren internationalen SCHLICK<lb/>
die gute Arbeiterkammer-Werksküche geniessen konnte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_04">Der Nationalrat setzte die unterbrochene Tagesordnung fort und da ich<lb/>
bei zwei Punkten direkt mich angesprochen fühlte oder sogar angesprochen<lb/>
wurde, musste ich zur Klarstellung als Minister das Wort ergreifen.<lb/>
In dem einen Fall behauptete <rs type="person">Zigmeier</rs>, dass wir die Margarine-Steuer<lb break="no"/>Absenkung von 5,5 auf 1,7 nur aus politischen Gründen machten und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
wies in seinem Diskussionsbeitrag sogar darauf hin,,dass wir die Roh<lb break="no"/>stofflieferanten für Margarine und Öle aus den ehemaligen Kolonial<lb break="no"/>gebieten besser behandeln als die Erdäpfelbauern im Waldviertel.<lb/>
Ich stellte fest, dass die derzeitige österreichische Regierung nur<lb/>
wieder gut macht, was die vorhergehende den Konsumenten angetan hat<lb/>
und dadurch eine Preiserhöhung für Margarine nicht wie <rs type="person">Zigmeier</rs> um<lb/>
20 Groschen sondern um 30 Groschen das Viertel verhindert werden konnte<lb/>
Der zweite Angriff war eine Behauptung von Abg. <rs type="person" ref="#per__97912">Scherer</rs>, dass eine<lb/>
Vereinbarung zwischen Finanzminister und Handelsminister bestand,<lb/>
durch das Budgetüberschreitungsgesetz die notwendigen Mitteln freizugeben,<lb/>
die durch das Gewerbestrukturverbesserungsgesetz der Bürges genommen<lb/>
wurden. Ich stellte sofort klar, dass eine solche Vereinbarung nicht<lb/>
aktenkundig sei und deshalb mein Vorgänger in Verantwortung seiner<lb/>
damaligen Ministerschaft noch am 20. April 1970 eben die Bürges-Aktion<lb/>
vorläufig einstellte. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> meldete sich dann zu Wort und erklärte<lb/>
nur, dass es auch mündliche Vereinbarungen gäbe, dass andererseits<lb/>
man hoffen würde, dass die SPÖ-Regierung immer alle ÖVP-Vorschäge<lb/>
akzeptieren würde. Dies war ein sehr schwacher Rückzug.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_05">Im wirtschaftlichen Ministerkomitee legte <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> das erste Mal<lb/>
Unterlagen vor. Punkt 1) Bericht über die mittelfristige Wirtschafts<lb break="no"/>prognose 1970 – 1974 des Österr. Instituts für Wirtschaftsforschung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte diesem Institut einen diesbezüglichen Auftrag gegeben.<lb/>
Jetzt bei Vorlage des Berichtes, den alle das erstemal jetzt sahen,<lb/>
kamen ihm Bedenken über die Zweckmässigkeit, diesen zu veröffentlichen,<lb/>
<pb n="03-0857" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-30_0857.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Er befürchtet, dass wenn jetzt die Abschwächungstendenzen, die der<lb/>
Bericht zum Ausdruck bringt, tatsächlich bekannt werden, Unternehmungen<lb/>
sich in ihren Investitionsentscheidungen z.B. mehr zurückhalten würden<lb/>
als sie es vielleicht auf Grund der wirtschaftlichen Situatuion tun müssten.<lb/>
Dadurch würden die wirtschaftliche Abschwächung nur noch verstärkt.<lb/>
Mein Einwand gegen diesen Bericht war, dass erstens wir überhaupt<lb/>
nicht hätten das Wirtschaftsforschungsinstitut beauftragen sollen,<lb/>
da es eine Arbeitsgruppe über mittelfristige Prognose von der AK<lb/>
und der HK gibt und dass zweitens das Wirtschaftsforschungsinstitut<lb/>
jetzt mit Plausibilitätsbeweisen ohne eine wirklich konkrete wissen<lb break="no"/>schaftliche Methode entwickelt zu haben, einen Bericht erstellt, von<lb/>
dem kein Mensch sagen kann, wie weit er wissenschaftlich einwandfrei<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> behauptete, er hätte die Arbeitsgruppe heranziehen wol<lb break="no"/>len, aber der Arbeitsgruppenleiter Dr. <rs type="person" ref="#per__98060">Weissel</rs> von der Arbeiterkammer<lb/>
hätte sich ausserstande erklärt, irgendwelches Material liefern zu<lb/>
können. Da das Institut bereits jetzt überall herumerzählt, dass es<lb/>
eine solche Wirtschaftsprognose gibt, müssen wir meiner Meinung nach<lb/>
und dies schlug ich auch vor, diese Prognose zur allgemeinen Diskus<lb break="no"/>sion freigeben. Wenn wir diese Prognose dem Fordinstitut und den ein<lb break="no"/>zelnen Wirtschaftsverbänden zustellen, womöglich über die Paritätische<lb/>
Kommission, dann werden wir sicher eine fachliche Kritik und Diskussion<lb/>
in den nächsten Monaten über diesen Bericht haben. Die Bundesregierung<lb/>
ist dann ausser Obligo und kann dann abwarten, was die einzelnen Dis<lb break="no"/>kussion ergeben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_06">Als zweiter Punkt war ein Entwurf für ein Wohnbauprämiengesetz vorge<lb break="no"/>sehen. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> erkärte, der Finanzminister sei grundsätzlich damit<lb/>
einverstanden, er müsse nur erst überprüfen, was es kostet. Ich hatte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vorher gefragt, was er zu diesem Punkt sagte und er erklärte<lb/>
mir, er sei mit dieser Lösung überhaupt nicht sehr glücklich. Seiner<lb break="no"/>zeit musste die Soz. Partei, weil die Experten den Einbau und die<lb/>
Abschaffung des Bausparens geforderte hatte, als Gegenzug Prämien<lb/>
für die Wohnbausparer in Aussicht stellen. Dies war aber nur gedacht<lb/>
als Ablöse des Bausparens. Unsere seinerzeitige Grundidee war, an<lb/>
Stelle von steuerlichen Absetzbeträgen für das Bausparen, Bauspar<lb break="no"/>prämien zu geben.Der jetzige Entwurf würde beide Möglichkeiten vor<lb break="no"/>sehen und damit den Finanzminister natürlich wesentlich mehr Mittel<lb/>
kosten.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_07">Der dritte Punkt war die Refinanzierung der österr. Kommunalkredit AG.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> wollte mir einreden, dass wir aus dem Budget des Handels<lb break="no"/>ministeriums 2 Mill. S der Kommunalkredit AG für ein Jahr als Zinsen<lb break="no"/>zuschuss für 100 Mill. S Kapital zur Verfügung stellten sollten.<lb/>
Er hoffte damit, da ja <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> seinerzeit bei der österr. Kommunal<lb break="no"/>kredit AG ein bedeutender Funktionär war, dass er die Unterstützung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> haben würde. Interessanterweise gelang <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> dies nicht<lb/>
einmal in diesem Fall. Mein Einwand, dass ich an Banken doch keinen<lb/>
Zinszuschuss geben könnte, sondern höchstens an Betriebe, wurde sofort<lb/>
akzeptiert. Ich verwies auch noch darauf, dass ich seinerzeit die<lb/>
im Gesetz vorgesehenen 3 Mill. S Zuschuss zur Kontrollbank dadurch<lb/>
begründen konnte, dass diese Mittel für die zusätzliche Kredithilfe,<lb/>
die Österreich den Rumänen im Zuge der Hochwasserkatastrophe geben<lb/>
will, der Kontrollbank überweisen würde. Die Kontrollbank erwartet<lb/>
1970 für 23 Mill. S Rückflüsse und hat vom ERP-Fonds in den vergan<lb break="no"/>genen Jahren 10 Mill. und in diesem Jahr 20 Mill. S bekommen. Aller<lb break="no"/>dings hat sie 1969 nur insgesamt 70 Mill. Darlehen gegeben und 1970<lb/>
bereits im ersten Halbjahr 77 Mill. S. Insgesamt seit dem Jahr 1958<lb/>
hat die Bank ca. 700 Mill. S Volumenkredithilfe gegeben, sodass, wenn<lb/>
man das Dreifache rechnet, 2,1 Milliarden Schilling damit mobilisiert<lb/>
werden konnten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_08">Der letzte Punkt Wirtschaftsannoncen Österreichs in ausländischen Zei<lb break="no"/>tungen konnte nicht mehr behandelt werden, da wir zwischendurch im<lb/>
Sitzungssaal wegen der Abstimmung abwesend sein mussten und dann be<lb break="no"/>reits die Vorbesprechung zum Ministerrat stattfand.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_09">Die Ministerratsvorbesprechung befasste sich eigentlich nur mit einer<lb/>
wichtigen Wirtschaftsfrage, nämlich wie man die Preisregelung-. Preis<lb break="no"/>treiberei- und Rohstofflenkungsgesetze über die Nationalratsbühne<lb/>
bringt. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mich fragte, wie die ganze Gesetzesmaterie be<lb break="no"/>handelt wird, erklärte ich, ich glaube, dass die ÖVP bereit ist, einer<lb/>
befristeten unveränderten Verlängerung der Gesetze zuzustimmen. Da<lb/>
dies Verfassungsgesetze sind, benötigen wir dazu die Zweidrittelmehr<lb break="no"/>heit. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> meinte, dass dies alles nicht sicher sei und er<lb/>
deshalb Besprechungen mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> aufnehmen würde. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wieder war<lb/>
der Meinung, man sollte versuchen, ob die FPÖ diesem Gesetz zustimmen<lb/>
würde. Ich persönlich glaube, dass die FPÖ nicht bereit ist, diesen<lb/>
Gesetzesänderungen ihre Zustimmung zu geben, schon allein um zu be<lb break="no"/></p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_10">haupten und zu beweisen, dass sie eine selbständige Wirtschafts<lb break="no"/><pb n="03-0859" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-30_0859.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>politik betreibt und andererseits aber wir aber von einer Zustimmung<lb/>
gar nichts haben, weil für Verfassungsbestimmungen die Zustimmung der<lb/>
ÖVP notwendig ist. Wir werden ja sehen, wie sich die Frage weiter ent<lb break="no"/>wickelt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_11">Nach Schluss der Haussitzung um 21 Uhr hatte die ÖGB-Fraktion und<lb/>
die Regierungsmitglieder mit dem Präsidium der Partei eine Bespre<lb break="no"/>chung in der Hohenstaufengasse. Selbstverständlich kam insbsondere<lb/>
die Express-Problematik zur Diskussion. Es stellte sich auch dort<lb/>
heraus, dass es einige Genossen gibt, die nicht verstehen können,<lb/>
dass alle finanziellen Transaktionen in Wirkkichkeit nur von einem<lb/>
kleinen Kreis gemacht werden können. Da sowohl der Express als auch<lb/>
– wie am Samstag diskutiert – die Neue Zeitung entsprechende Verlust<lb break="no"/>träger sind, die die Partei auf die Dauer unmöglich mitschleppen<lb/>
konnte und kann, muss eine entsprechende neue Konstruktion gesucht<lb/>
werden. Da andererseits insbesondere der Express aber ans Pressehaus<lb/>
gebunden werden musste, um entsprechende Druckaufträge zu haben<lb/>
blieb gar nichts anderes übrig als den einzigen potenten Käufer dieser<lb/>
Zeitung nämlich <rs type="person" ref="#per__97392"><sic>Dichant</sic></rs> und <rs type="person">Falk</rs>, auch tatsächlich zu überantworten.<lb/>
Ich erlebe nun zum zweitenmal wie in meinem erlernten Beruf und<lb/>
im graphischen Gewerbe und in der Journalistik und der Zeitungsheraus<lb break="no"/>habe, die wirtschaftliche Macht, nämlich der Druckauftrag, den Be<lb break="no"/>sitzer einer Druckerei zwingt, sich mit den Zeitungsherausgebern zu<lb/>
arrangieren. Beim Kreis, dem seinerzeitigen Pächter von Waldheim-Eberle,<lb/>
wo ich Präsident des Aufsichtsrates war, ist dies bei <rs type="person">Polsterer</rs> seinem<lb/>
Kurier so gegangen. Beim Pressehaus muss derzeit die INGEBE, d.h.<lb/>
in Wirklichkeit die BAWAG alle Anstrenungen unternehmen, um die<lb/>
Kronen-Zeitung und den Express im Pressehaus als Druckauftrag zu er<lb break="no"/>halten. Der von <rs type="person" ref="#per__126929">Molden</rs> abgeschlossene Druckauftrag mit der Kronen<lb break="no"/>zeitung hätte einen jährlichen Verlust von 20 Mill. S gebracht. Aus<lb/>
diesem Grund musste der auf 5 Jahre abgeschlossene Druckauftrag umge<lb break="no"/>wandelt werden und dies war nur möglich, indem man <rs type="person">Falk</rs> und <rs type="person">Dichant</rs><lb/>
an dem Pressehaus beteiligte. Was nun aus dem Prozess <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs>, <rs type="person">Dichant</rs>, <rs type="person">Falk</rs><lb/>
<rs type="person">Piatnik</rs> herauskommt, weiss noch keiner. Zum Glück hat der ÖGB seinerzeit<lb break="no"/>auch die Kausa Kronenzeitung dem Gericht angezeigt und es bleibt nun<lb/>
in der Öffentlichkeit hoffentlich nicht der Eindruck zurück, dass<lb/>
der ÖGB hier mit unsauberen Karten gespielt hat. Das Gericht hat damals<lb/>
auf Grund der Rechtslage die Angelegenheit Kronenzeitung aus dem Ver<lb break="no"/>fahren gegen <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> ausgeschieden. Ich fürchte nur, dass diese verzwickten<lb/>
<pb n="03-0860" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-30_0860.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Verhältnisse, die für einem kaum zu überblicken sind und natürlich<lb/>
in der Öffentlichkeit nur ungute Stimmung machen können, von der<lb/>
breiten Masse unserer Funktionäre oder gar Mitglieder nicht verstanden<lb/>
w erden kann und wird.</p>
            <pb n="03-0861" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-30_0861.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_12">Tagebuchaufzeichnung vom 30. November 1970</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_13">Im Folgenden wieder einige Vorschläge zur weiteren<lb/>
Überlegung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_14">1. Befragung der Wirtschaftstreibenden über das Handels<lb break="no"/>ministerium</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_15">Einem Meinungsforschungsinstitut sollte der Auftrag<lb/>
erteilt werden das "Image" das das Handelsministerium<lb/>
unter den Wirtschaftstreibenden genießt zu erforschen,<lb/>
sowie festzustellen welche Erwartungen diese an den<lb/>
Slogan "Service für die Wirtschaft" knüpfen – welche<lb/>
Wünsche sie diesbezüglich haben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_16">Begründungen:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_17">– Die seinerzeitige Arbeiterkammerumfrage ähnlicher<lb/>
Art hat heilsame Wirkungen gezeitigt; man sollte<lb/>
es auch hier versuchen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_18">– Den Beamten würde ein Spiegel vorgehalten aus dem<lb/>
sie entnehmen könnten, daß das Sozialprestige auf<lb/>
das sie so erpicht sind weniger von der formellen<lb/>
Stellung abhängt, als vielmehr von der Leistung.<lb/>
Das Schlechteste für das Image ist es, sich auf's<lb/>
hohe Roß zu setzen.<lb/>
– Aus den Umfrageergebnissen wären wahrscheinlich<lb/>
"Schwachpunkte" in der Organisation erkennbar, die<lb/>
die Handhabe und Legitimation liefern könnten organi<lb break="no"/>satorische und personelle Änderungen herbeizuführen.<lb/>
– Die Frage nach den Wünschen könnte neben vielen<lb/>
unbrauchbaren auch einige brauchbare Ideen und An<lb break="no"/>regungen liefern.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_19">– 2 -</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_20">– Die Tatsache der Veranstaltung einer solchen Umfrage<lb/>
käme dem Ruf des Handelsministers zugute, legte sie<lb/>
doch Zeugnis ab von seiner Aufgeschlossenheit und<lb/>
seinem Bemühen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_21">Zur Durchführung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_22">– Dem uns nahestehenden IFES – Institut würde es<lb/>
endlich die Möglichkeit geben, seinen gefährdeten<lb/>
Interviewerapparat einzusetzen; daneben sollte aber<lb/>
auch das FESSEL-Institut eingeschaltet werden<lb/>
a) um die politische Balance herzustellen und<lb/>
b) weil das FESSEL – Institut in Wirtschaftskreisen<lb/>
wahrscheinlich etwas besser eingeführt ist, als<lb/>
das IFES – Institut</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_23">– die Umfrage sollte gemeinsam mit der Personalvertretung<lb/>
geplant werden; diese müßte für den Plan durch auf<lb break="no"/>klärende Gespräche vorher gewonnen werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_24">2. Berichterstattung über die EWG-Verhandlungen</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_25">a Bericht an den Nationalrat</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_26">Der Usus, daß die Regierung den Nationalrat periodisch<lb/>
über den Stand der Integrationssituation berichtet, sollt<lb/>
in etwas abgeänderter Form, wieder aufgenommen werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_27">Begründung<lb/>
– Das Parlament sollte sich gut "bedient" fühlen (Pflege<lb/>
der Beziehungen zu den Volksvertretern)<lb/>
- Die Wahrnehmung der Kompetenzen durch das ho. Ressort<lb/>
kann darin dokumentiert werden.<lb/>
– Innerhalb des Hauses geht von solchen Berichten der<lb/>
heilsame Zwang aus, sich mit der ganzen Komplexität<lb/>
der Integration zu beschäftigen; bisher wird die Inte<lb break="no"/>gration viel zu sehr nur unter handelspolitischen Ge<lb break="no"/>sichtspunkten gesehen; so könnten z.B. auch die industrie<lb/>
politischen Bestrebungen der EWG stärker in das Bewußtsein<lb/>
<pb n="03-0863" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-30_0863.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>- 3 -</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_28">der Herren hier im Hause gebracht werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_29">– Man könnte auch aus der Tätigkeit der EWG jene Aktivi<lb break="no"/>täten herausstreichen, an welchen wir ein besonderes<lb/>
Interesse haben. Das heißt, Aktivitäten die zeigen,<lb/>
daß die EG-Organe in sehr fortschrittlicher und moderner<lb/>
Weise an die Lösung verschiedener Probleme herangehen;<lb/>
dadurch könnten erstarrte innerösterreichische Fronten<lb/>
durch den immer recht wirksamen Hinweis auf aus<lb break="no"/>ländische Beispiele aufgelockert werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_30">Als solche Gebiete bieten sich z.B. an: Die Industrie<lb break="no"/>politik und die Wettbewerbspolitik sowie die<lb/>
ver<lb break="no"/>schiedenen Mitbestimmungsmodelle die innerhalb der EWG<lb/>
zur Diskussion stehen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_31">Hier könnte auch der Gedanke des "Vorvollzuges" bereits<lb/>
angedeutet werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_32">b b Verhandlungsprotokolle</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_33">So wie bei den vorangegangenen acht Verhandlungsrunden<lb/>
mit der EWG unter <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> sollten auch über die jetzigen<lb/>
Verhandlungen minutiöse Protokolle geführt werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> legte seinerzeit größten Wert darauf und er wußte<lb/>
auch genau warum.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_34">Im Gegensatz zu früher sollten diese Verhandlungsproto<lb break="no"/>kolle aber tatsächlich allen Herren im Hause zur Ver<lb break="no"/>fügung stehen die mit der Integration zu tun haben, also<lb/>
auch außerhalb der Sektion I kursieren. Immer wieder be<lb break="no"/>klagen sich Herren außerhalb der Sektion I, daß sie zwar<lb/>
für Integrationsarbeiten herangezogen werden, daß Ihnen<lb/>
aber der Gesamtüberblick fehlt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_35">Auch hier kann nur immer wieder herausgestrichen werden,<lb/>
daß die Integration weit mehr ist als ein bloß handels<lb break="no"/>politischer Tatbestand.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_36">Ein Gedanke zur Verhandlungsführung für das Globalab<lb break="no"/>kommen mit der EWG:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_37">Die Beziehungen zwischen <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> und <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> sind so<lb/>
emotionell aufgeladen, daß eine Teamarbeit nie zustande<lb/>
kommen wird, wenn einer der beiden über den anderen gesetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_38">wird (noch dazu wenn wie dies bei <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> der Fall ist,<lb/>
der Rangniederere dem Höheren gewissermaßen überge<lb break="no"/>ordnet wird).</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_39">Ich halte es daher für bedenklich, einen der beiden<lb/>
zur Verhandlungsführung zu bestimmen. Die Wahl sollte<lb/>
auf einen D r i t t e n fallen. Wenn kein anderer in<lb/>
Frage kommt, dann ist <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> unter diesen Gesichts<lb break="no"/><lb/>
punkten jedenfalls die bessere Lösung als <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> müßte dafür auch Verständnis haben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_40">3. Personelle Rotation für verschiedene Dienstposten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_41">Man sollte fallweise einzelne Personen unterhalb der<lb/>
Abteilungsleiter-Ebene wechselseitig austauschen und<lb/>
auch temporär auf anderen Gebieten im Hause arbeiten<lb/>
lassen.<lb/>
Begründung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_42">- Gegen Betriebsblindheit; Förderung der geistigen Mobili<lb break="no"/>tät (es muß ja zu einer geistigen Verknöcherung führen,<lb/>
wenn man durch Jahre, ja durch Jahrzehnte immer nur den<lb break="no"/>selben kleinen Arbeitsabschnitt behandelt. Es führt<lb/>
besonders bei den jüngeren Kräften zu Frustrations<lb break="no"/>erscheinungen).<lb/>
- Leistungsvergleiohs-Möglichkeiten; bessere Kontroll-<lb/>
Möglichkeiten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_43">- Förderung des wechselseitigen Verständnisses, der Koordi<lb break="no"/>nation und der Zusammenarbeit.<lb/>
- Auf unauffällige Weise könnte man ungeeignete Personen<lb/>
von wichtigen Gebieten abservieren, weil das bei einem sol<lb break="no"/>chen Changement nicht so auffällt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_44">Durchführung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_45">- Bekanntgabe dieses Gedankenganges in einer Sektions<lb break="no"/>leiterbesprechung; Vorschläge der Herren Sektionsleiter<lb/>
und Abteilungsleiter können direkt dem Minister oder<lb/>
seinem Büro übermittelt werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_46">- Später könnte man überlegen dieses Verfahren auch auf<lb/>
Abteilungsleiter auszudehnen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_47">- 5 -</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_48">4. Konsumentenpolitik<lb/>
Bei der Präsentation dieser Politik müßten wir, so<lb/>
scheint mir, erst geschickte und zweckmäßige Formulierun<lb break="no"/>gen finden. Vom Standpunkt der Aufgabenstellung dieses<lb/>
Ressorts kann Konsumentenpolitik natürlich nicht<lb/>
Konsumentenschutzpolitik sein ( daher scheint mir auch<lb/>
die diesbezügliche Bezeichnung einer Arbeitsgruppe<lb/>
als nicht sehr glücklich).</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_49">Man müßte Formulierungen finden, die es allen Erzeugern<lb/>
völlig einsichtig machen, daß das eine Politik in ihrem<lb/>
Interesse ist. Dabei müßte man auch zu Begründungen aus<lb/>
der Wirtschaftstheorie greifen und unsere Absichten mit<lb/>
gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft untermauern.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_50">Durchführung:<lb/>
Prof. <rs type="person" ref="#per__98014">Theuer</rs> von der Hochschule für Welthandel wäre<lb/>
zu beauftragen ein kurzes Arbeitspapier zu liefern,<lb/>
(gegen entsprechende Honorierung). Dieses Mansukript<lb/>
sollte nach entsprechender Überarbeitung in einer<lb/>
führenden Fachzeitschrift untergebracht werden, wobei<lb/>
man diesen Artikel je nach Bedarf dann immer wieder<lb/>
zitieren könnte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_51">5. Analyse des Zustandekommens von Gesetzen und Ver<lb break="no"/>ordnungen im Aufgabenbereich des ho. Ressorts</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_52">Fragestellung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_53">– Ist die Initiative zum Zustandekommen der betreffenden<lb/>
legistischen Akte von auswärts an das ho. Ressort von<lb/>
einer Organisation herangetragen werden und wenn ja von<lb/>
wem?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_54">Oder aber</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_55">– ist die Initiative aus dem Schoße dieses Hauses heraus<lb/>
geboren worden?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_56">Begründung:<lb/>
Die beschämende Bilanz, daß praktisch alle Initiativen<lb/>
von der Handelskammer ausgegangen sind, könnte den<lb/>
Ehrgeiz der Beamten anstacheln und sie zu initiativerem<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_57">Verhalten anspornen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_58">6. Dienstreisen</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_59">a) Um zu dokumentieren, daß initiatives Vorgehen<lb/>
und gute Arbeit in dem Sinne honoriert wird, daß<lb/>
dem Betreffenden dann höhere Verantwortung über<lb break="no"/>tragen wird sollte Dr. <rs type="person" ref="#per__114800">Michitsch</rs>, dem Leiter des<lb/>
Büros für die Integrationsvorbereitungsarbeiten,<lb/>
die Entscheidungen ob und wann er nach Brüssel<lb/>
fahren soll in die eigene Verantwortung übertragen<lb/>
werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_60">Begründung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_61">– Demonstrationsbeispiel</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_62">– Weiterer Schachzug gegen das " Abmauern" durch <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>.<lb/>
– Für die Verhandlungen ist das gute Zusammenspiel<lb/>
zwischen der Mission und dem Hause hier von essentieller<lb/>
Bedeutung. Ein Liaison-Dienst ist daher ohnedies notwendig<lb/>
b) Den Dienstreiseanträgen sollte in Zukunft in der Regel<lb/>
auch eine kurze Notiz beiliegen, aus der hervorgeht<lb/>
.) welche Vorbereitungsarbeiten getroffen wurden ( Ab<lb break="no"/>haltung interministerieller Sitzungen zur Abstimmung<lb/>
des österreichischen Standpunktes usw.)</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_63">.) welche Linie der ho. Vertreter zu vertreten gedenkt.<lb/>
Begründung:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_64">Folgende Mentalität ist leider weit verbreitet:</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-30_65">Eine Materie beginnt erst dann interessant zu werden,<lb/>
wenn eine Dienstreise am Horizonte auftaucht. Nach<lb/>
Absolvierung der Dienstreise wird dann ein Einlegeakt<lb/>
produziert und damit ist die Angelegenheit erledigt.<lb/>
Die proponierte Vorgangsweise könnte dieser Mentalität<lb/>
entgegenwirken.</p>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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            <person xml:id="per__97358">
               <persName type="label">Bock, Fritz</persName>
               <persName><surname>Bock</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-Vizekanzler, Präs. Donaueurop. Institut, AR-Vors.
                  Leykam</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Marquet, Alois</persName>
               <persName><surname>Marquet</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Botschafter, Onkel v. Louis Marquet; evtl.
                  Falschidentifikation</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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