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            <title type="main">Donnerstag, der 19. November 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_01">Donnertag, 19. November 1970</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_02">Botschafter <rs type="person">Calice</rs>, der nach Portugal geht, wollte unbedingt<lb/>
seinen Abschiedsbesuch bei mir machen. Ich konnte bei dieser<lb/>
Gelegenheit wieder einmal feststellen, wie sinnlos diese Proto<lb break="no"/>kollvorschriften sind. Er hatte eigentlich in Wirklichkeit mir<lb/>
überhaupt nichts zu sagen und ich hatte sogar das Gefühl, dass<lb/>
er über die Einzelheiten der wirtschaftlichen Situation und ins<lb break="no"/>besondere was Portugal jetzt mit der EWG beabsichtigt, nicht in<lb break="no"/>formiert war. Es war daher auch nur ein 5-Minuten-Besuch und ein<lb/>
reines Blabla.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_03">Bei der Abteilungsleiterbesprechung der Sektion III konnte ich<lb/>
feststellen, dass wir bei Erlassung von Dienstzetteln sehr vorsich<lb break="no"/>tig vorgehen müssen. Wir hatten, um Vorbereitungsarbeiten zu er<lb break="no"/>möglichen, die Sektion angewiesen, die Dokumentation auszubauen.<lb/>
Erstens wollten wir erreichen, dass die Unterlagen der SEktion<lb/>
sich verbessern und vervollständigen, um die koordinierende In<lb break="no"/>dustrieproduktion starten zu können. Zu diesem Behufe wurden die<lb/>
Abteilungen um Einzelheiten gefragt, sie sollten sich die Unter<lb break="no"/>lagen alle beschaffen. Die Diskussion, die sich aus diesem Dienst<lb break="no"/>zettel in der Abteilungsleiterbesprechung abspielte, zeigte mir<lb/>
deutlich, dass wir viel genauere Aufträge geben müssen, und die<lb/>
vor allem zuerst in der Grundsatzabteilung bis ins letzte Detail<lb/>
durchdiskutiert haben müssen. Z.B. war es für die Abteilungsleitungen<lb/>
überhaupt nicht klar, was unter Industriepolitik oder was über<lb break="no"/>haupt unter Industrie zu verstehen ist. Die Abgrenzungen sind vom<lb/>
statistischen Standpunkt äusserst problematisch und eigentlich<lb/>
noch nicht allgemein zufrieden gelöst. Bekanntlich ist das Phänomen<lb/>
der Abgrenzung der Industrie gegenüber dem Gewerbe ein österreichi<lb break="no"/>sches Spezifikum. Überall anders gibt es dieses Problem nicht.<lb/>
Bei uns aber wird durch die Gewerbeordnung bedingt, nicht unter<lb break="no"/>schieden ob ein Industriebetrieb ein grosser Betrieb sein muss<lb/>
und ein Gewerbebetrieb ein kleiner, ob ein Industriebetrieb einen<lb/>
grossen Umsatz haben muss und ein Gewerbebetrieb einen kleines<lb/>
Umsatz. Ob ein Industriebetrieb viele Beschäftigte haben muss<lb/>
oder ein Gewerbebetrieb nur wenige Beschäftigte, nicht einmal<lb/>
ob ein Industriebetrieb eine starke Investitionsrate haben muss<lb/>
und ein Gewerbebetrieb ein handwerklicher Betrieb im wahrsten<lb/>
Sinne des Wortes ist. Aus diesem Grund gibt es eigentlich keine<lb/>
<pb n="03-0814" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-19_0814.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einheitliche Definition des Industriebetriebes. Die Zugehörigkeit<lb/>
zur Kammerorganisation kann wirklich kaum als Grundlage genommen<lb/>
werden. Die Abteilungsleiter kamen deshalb überein, man sollte die<lb/>
Summe der Produktion des Betriebes als Industriebetriebskriterium<lb/>
annahmen. Alles, was also produziert, ist automatisch Industrie.<lb/>
betrieb. Ich weiss nicht, ob diese Definition zweckmässig ist,<lb/>
ich glaube ehe nicht. Denn auf alle Fälle wird sie einen neuen<lb/>
Begriff der Industrie schaffen. Da das Ministerium ja kaum über<lb/>
die unmittelbaren Unterlagen verfügt, wurden die Landesregierungen<lb/>
von den verschiedensten Abteilungen jetzt angeschrieben, wenn auch da<lb/>
das nicht koordiniert wird, dann kann es passieren, dass eine Landes<lb break="no"/>regierung von einem Ministerium innerhalb von einigen Tagen ganz<lb/>
ähnliche Anfragen bekommt, oder was noch viel schlimmer ist, viel<lb break="no"/>leicht sogar dieselbe Anfrage nur mit anderem Wortlaut. Ohne die<lb/>
Sektionen und Abteilungen zu bevormunden,muss es also doch vorerst<lb/>
innerhalb des Hauses zu einer klaren Abgrenzung der Aufgaben<lb break="no"/>stellung und dann zu einem koordinierten Vorgehen insbesondere gegen<lb break="no"/>über auswärtigenStellen, d.h nicht hausintern oder nachgeordneten<lb/>
Dienststellen, kommen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_04">Die Abteilungsleiter, die wie <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> mitteilte, wünschten, dass<lb/>
bei den Abteilungsleiterbesprchungen sie auch Gelegenheit hätten,<lb/>
mir ihre Wünsche vorzutragen. Ich war leider unter Zeitdruck,<lb/>
konnte aber doch einige dieser Wünsche hören. Unter anderem hatte<lb/>
der Stv. v. der Textilabteilung, Abteilungsleiter <rs type="person">Dienzl</rs> war ver<lb break="no"/>hindert, mitgeteilt, dass die B-Beamten doch grössten Wert darauf<lb/>
legen, schriftlich einen entsprechenden Arbeitsauftrag zu bekommen.<lb/>
Es bezog sich diese Anfragen auf <rs type="person" ref="#per__114472">Giglinger</rs>, der ein B-Beamter ist<lb/>
und in Wirklichkeit als absoluter Spezialist und Fachmann für die<lb/>
Gruppe Leder gilt. Auf meinen Hinweis, dass in Zukunft nicht nur je<lb break="no"/>der ein Dekret bekommen wird, sondern auch in der Geschäftseinteilung<lb/>
entsprechend aufscheinen wird, war dieses Problem erledigt und ich<lb/>
glaube, alle waren damit hochzufrieden. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> ersuchte mich<lb/>
von der Berufung seiner Abteilung zur Dokumentation Abstand zu neh<lb break="no"/>men, da er wie er behauptete zwar sehr viele Leute hat, in Wirk<lb break="no"/>lichkeit aber einer beurlaubt, einer ständig krank und die anderen<lb/>
auch nicht imstande wären, diese zusätzliche Arbeit zu übernehmen.<lb/>
Selbst mein Hinweis, dass ja eine Reorganisation der Maschinenkom<lb break="no"/>mission vorgenommen werden soll, konnte ihn nicht dazu bewegen,<lb/>
<pb n="03-0815" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-11-19_0815.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>diesen zsätzlichen Arbeitsaufwand zu übernehmen. Angeblich<lb/>
ist in seiner Abteilung niemand bereit und fähig, diese zusätz<lb break="no"/>liche Aufgabe gewissenhaftest zu erfüllen. <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> wird, wie er mir<lb/>
abends dann versicherte, jetzt einige Tage in Moskau sein. Ich<lb/>
glaube man sollte die Gelegenheit benützen, nicht um seine Abtei<lb break="no"/>lung jetzt zu beunruhigen und umzubilden, aber doch umzuschauen,<lb/>
ob nicht vielleicht wirklich jemand für diese Arbeit in seiner<lb/>
Abteilung gefunden werden könnte. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__136485">Renner</rs> wollte mir mit<lb break="no"/>teilen, dass er doch daran denkt, für die Forschungsinstitute eine<lb/>
Finanzierung durch die Unternehmungen anzustreben. Seines Wis<lb break="no"/>sens nach sind von den 30 kooperierenden Forschungsinstituten nur<lb/>
3 vom Fachverband mit finanziert. Er meint nun, es wäre zweckmässig,<lb/>
einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, wo die Unternehmungen verhalten<lb/>
werden durch Forschungsumlagen hier eine Finanzierung vorzunehmen.<lb/>
Ich lehnte dieses Ansinnen ganz entschieden ab, weil ich sofort<lb/>
erklärte, die Bundeskammer würde einem solchen Gesetzentwurf nicht<lb/>
zustimmen. Man sieht aber, dass <rs type="person" ref="#per__136485">Renner</rs> scheinbar überhaupt,noch<lb/>
nicht zur Kenntnis genommen hat, dass es jetzt ein Wissenschafts<lb break="no"/>ministerium gibt, dem eigentlich die gesamtenForschungsaufgaben<lb/>
übertragen wurden und er so weiterarbetiet, als hätte sich an<lb/>
der Kompetenzverteilung überhaupt nichts geändert.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_05">Zwischen den Abteilungsleiterbesprechung musste ich noch ein<lb/>
Interview mit Dr. <rs type="person">Gysin</rs> von der Nationalzeitung von Basel be<lb break="no"/>treffend Integration machen. <rs type="person">Gysin</rs> meinte, dass es in der Schweiz<lb/>
Kreise gibt, die doch der Meinung sind, auchdie Schweiz könnte<lb/>
der EWG beitreten. Er wollte wissen, was Österreich zu einer solche<lb/>
Idee sagt. Ich erklärte, dass ich mir nicht vorstellen könnte, nach<lb break="no"/>dem die Schweizer Bevölkerung überhaupt sehr passiv sich zu jedem<lb/>
Gespräch mit der EG verhält, dann einen Beitritt mit einem Referendum<lb/>
bestätigen würde. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> ergänzte noch, indem er erklärte,<lb/>
dass diese Kreise nur unter der Bedingung an einem Beitritt denken,<lb/>
wenn die EG zu einem losen Gebilde hin entwickeln würde, in Wirk<lb break="no"/>lichkeit aber ist die Entwicklung genau die entgegengesetzte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_06">Bei der Verleihung von Staatswappen und den Orden konnte ich eine<lb/>
Anzahl von Firmen auszeichnen oder Personen, die ich schon aus<lb/>
meiner früheren Tätigkeit kannte. Ich konnte deshalb, obwohl<lb/>
der Rahmen wirklich nicht festlich war, doch – wie mir nachher<lb/>
sogar die Frau von Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versicherte – mit meinem<lb/>
Charme eine lustige und doch sehr würdige Feier als Alleinconference<lb/>
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dieser Feier. Als ich die Vöslauer Kammgarnfabrik auszeichnete<lb/>
und das Dekret dem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthof</rs> übergab, konnte ich<lb/>
mir natürlich nicht verkeifen zusagen, Herr Präsident, es ist gerade<lb/>
mir eine grosse Ehre, dass ich ihnen diese Auszeichnung überreichen<lb/>
darf- Allgemeiner Beifall und Gelächter, es hatten alle verstanden,<lb/>
wie ich dies meinte, da die Antwort. Ich konnte sofort darauf<lb/>
kontern, sie sehen Herr Präsident, die gesamte Festversammlung ver<lb break="no"/>steht, wie ich das gemeint habe. Bei diesen Begegnungen spielt<lb/>
natürlich immer die Eitelkeit der Menschen mit. Viele kenne ich<lb/>
zwar, aber bei den meisten tippe ich nur auf Grund der Firma<lb/>
ob ich nicht mit dem Mann schon irgendetwas zu tun gehabt haben<lb/>
könnte. Wenn ich deshalb nur anspiele und sage, wir kennen uns<lb/>
doch sicherlich aus meinen vorhergehendenTätigkeiten, dann rate<lb/>
ich in dem einen oder anderen Fall wirklich eine zufälliges Zu<lb break="no"/>sammentreffen mit dem Betreffenden, bin aber überzeugt, dass viele<lb/>
darauf reagieren,,dass sie stolz sind, schon einmal mit dem Handels<lb break="no"/>minister etwas zu tun gehabt zu haben und bereitwilligst auf eine<lb/>
solche Bemerkung eingeht. Die Hauptschwierigkeit bei solchen<lb/>
Ordensverleihungen aber liegt bei mir inden allgemeinen Einlei<lb break="no"/>tungserklärungen, da ich ja irgendwie die Ausgezeichneten, die<lb/>
mit Familien und Blumen und im festlichsten Aufzug erscheinen,<lb/>
doch begründend hervorheben muss, obwohl ich persönlich weder für<lb/>
Auszeichnungen noch für Orden irgendetwas übrig habe. Anschliessend<lb/>
an die Feier kam Präsident <rs type="person" ref="#per__136492">Kamler</rs> zu mir und erzählte mit, dass<lb/>
ich doch eigentlich alle Leute auf einen gewissen höheren Orden<lb/>
zu mir einladen sollte, zu einer kleinen intimen Ordensüberreichung.<lb/>
Er sagte mir, meine Vorgänger hätte dies – zumindestens Minister <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs><lb/>
immer so gehandhabt. Ich redete mich aus, indem ich er<lb break="no"/>klärte, es müsste doch auch für denAusgezeichneten eine ganz be<lb break="no"/>sondere Ehre sein, dass er hier in so einem grösserenRahmen die<lb/>
Auszeichnung erhält. In Wirklichkeit denke ich mit Schaudern daran,<lb/>
welche Studen da aufgeben würden, wenn ich jeden Einzelnen bei mir<lb/>
empfange und dann die Orden überreiche und mit ihm mindestens eine<lb/>
halbe Stunde plaudern müsste. Richtig finde ich aber ist die Kritik,<lb/>
dass wir aus Ersparungsgründen – wie ich andeutete – die Bundeshymne<lb/>
nicht mehr spielen liess. Ich redete mich deshalb, dass wir ja<lb/>
diesmal nicht im Marmorsaal diese Verleihung vornehmen konnte<lb/>
weil das Sozialministerium ihn bereits belegt hat. Das nächste Mal<lb/>
sollten wir glaube ich doch wieder die entsprechenden Musikeinlagen<lb/>
bestellen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_07">Im Parteivorstand kam ich zwar zu spät, konnte aber noch den<lb/>
Bericht von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die politische Lage mithören. In Wirklich<lb break="no"/>keit brachte er nichts anderes als einen Verhandlungsbericht mit der<lb/>
FPÖ über die Budgetfrage,an diesen Vortrag schloss sich fast<lb/>
keine Diskussion an und die Regierung wurde vom Parteivorstand<lb/>
ermächtigt, gegebenenfalls den Abschluss zu tätigen. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs><lb/>
berichtete, dass die ÖVP – wie <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> erklärte - im Unterausschuss<lb/>
die Punkte 7) Sondersteuer und 8) Steueränderungsgesetz vom Finanz<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> eingebracht, so behandelt wissen will, dass wenn<lb/>
die Sondersteuer mit der FPÖ und SPÖ beschlossen werden, die ÖVP<lb break="no"/>wird nur für den 3 %-igen Katastrophenfonds und die Mandatarsteuer<lb/>
stimmen – dann doch noch von Seiten der ÖVP entsprechende Zusätze<lb/>
und Ergänzungsanträge bei dem Steuerprogramm von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> von<lb/>
ihrer Seite zu erwarten sind. Auf der einen Seite müssen wir mit<lb/>
Ablehnung unserer Steuervorschläge rechnen, auf der anderenSeite<lb/>
aber mit entsprechenden populären Abänderungsanträgen bei der Ein<lb break="no"/>kommenssteuer-Reformgesetz, welches <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bekanntlicherweise<lb/>
für die kleineren und mittleren Einkommen eingebracht hat. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
berichtete über die Verhandlungen betreffend Wahlrechtsreform<lb/>
Die ÖVP verlangt in Wirklichkeit nichts anderes, als dass das<lb/>
jetzige Wahlverfahren womöglich in eine Verfassungsbestimmung um<lb break="no"/>gewandelt wird. Sie ist zwar bereit, die Wahlkreise von 25 auf 15<lb/>
keinesfalls aber auf 9, die Wahlkreisverbände von 4 auf 2 bis 4<lb/>
zu senken und die Grundmandate sowie die Briefwahl und die Kamm<lb break="no"/>bestimmung des zweiten Ermittlungsverfahrens in die Verfassung auf<lb break="no"/>zunehmen. Nicht aufgenommen sollte werden die mathematische Be<lb break="no"/>rechnung, d.h. also die Wahlzahlermittlung usw. und gegebenenfalls<lb/>
ist sie bereit, Vorzugsstimmen, d.h. anstelle von Streichungen in<lb/>
irgendeiner Weise zu berücksichtigen. Die Erhöhung der Mandatszahl<lb/>
von 165 auf max. 183 wäre sie ebenfalls bereit zu akzeptieren.<lb/>
Da sie in Wirklichkeit aber keine Wahlreform will, sondern nur<lb/>
die verfassungsmässige Verankerung ihrer derzeitigen Vorteile<lb/>
wird es zu dieser natürlich nicht kommen. Es wird die kleine Wahl<lb break="no"/>rechtsreform jetzt angestrebt, das beudetet, dass mit einfachem<lb/>
Gesetz, die Mandante auf l83 erhöht werden statt 25 9<lb/>
Wahlkreise gebildet werden, statt vier zwei Wahlkreisverbände,<lb/>
und dass bei der Ermittlung der Wahlzahl nicht die Formen<lb/>
Stimmen: Mandate + l , sondern in Zukunft Stimmen : Mandate<lb/>
zugrundegelegt wird.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_08">Da <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in ununterbrochenen Verhandlungen jetzt kaum Gelegenheit<lb/>
hat, beim Bundesrat anwesend zu sein, haben sich die Regierungsmit<lb break="no"/>glieder dauernd abgelöst, damit wenigstens ein Regierungsmittglied<lb/>
im Sitzungssaal anwesend war. Wäre nämlich keines anwesend gewesen,<lb/>
bin ich überzeugt, hätte die ÖVP sofort nach einem Minister gerufen.<lb/>
Ich war der letzte und <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, der zwar erklärt hat, er würde mich<lb/>
um 3/4 2 Uhr wieder ablösen, weil ich in die Gewerkschaft der Lebens<lb break="no"/>mittelarbeiter zur Vorstandssitzung fahren muss, hat entweder darauf<lb/>
vergessen oder keine Zeit gehabt. Ich musste deshalb bis zum Schluss<lb/>
bleiben, erlebte eine ganz interessante Diskussion, es ging um die<lb/>
Überstundenregelung betr. 25 oder 50 %-igen gesetzlichen Zuschlag.<lb/>
Über dieses Problem entspann sich zwischen dem ÖAAB-Mann, christl.<lb/>
Gewerkschaft aus Niederösterreich <rs type="person" ref="#per__113374">Gassner</rs> und dem Obmann der Bauar<lb break="no"/>beitergewerkschaft <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> eine lebhafte Diskussion. Durch Zwischenrufe<lb/>
versuchte immer die ÖVP zu fragen, und was sagt der Herr Handelsmini<lb break="no"/>ster dazu. Ich hatte natürlich nicht die Absicht, obwohl ich die ganzen<lb/>
Ziffern und Diskussion mitschrieb, auch mich nur ein einziges Mal<lb/>
zu Wort zu melden, sondern bemerkte nur immer so nebenbei hinüber<lb/>
naja ich bin halt hier um zu hören, was der hohe Bundesrat zu diesem<lb/>
Problem zu sagen hat.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-11-19_09">Das Büro funktioniert noch immer nicht klaglos, d.h. es kommt noch<lb/>
immer vereinzelte Fehler und Unterlassungen vor. So hatten wir<lb/>
für abends eine interne Sitzung über die Subventionsvergabe, d.h.<lb/>
wir hatten sie im Sekretariat besprochen und zu unserer grössten<lb/>
Verwunderung hat es niemand übernommen, die Abteilungsleiter davon<lb/>
zu verständigen. Am Abend war um 17 Uhr daher nur noch Sekt.Chef <rs type="person">Habel</rs><lb/>
anwesend. Der Vorteil war wieder, dass wir feststellen konnten,<lb/>
dass <rs type="person">Habel</rs> wirklich am Abend länger bleibt, dass aber die so sehr<lb/>
überlasteten Ministerialräte in Wirklichkeit wahrscheinlich abends</p>
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gerufen werden.</p>
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müsste zu dem Abendessen in die csl. Gesandtschaft. Ich fuhr mit<lb/>
<rs type="person">Simonsics</rs> dorthin und konnte während der Fahrt mich über die Ver<lb break="no"/>handlung genau informieren. Das war aber der einzige Vorteil. In<lb/>
der Gesandtschaft traf ich die Delegation,unter SEktionsschefführung,<lb/>
und den Botschafter. Wie mir aber vorher <rs type="person">Simonsics</rs> mitteilte, ist es<lb/>
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mir also wahrscheinlich diesen Abend ruhig ersparen können. Allerdings<lb/>
wies ich bei dieser Gelegenheit dem csl. Gesandter gleich nach,<lb/>
dass ich jederzeit bereit bin, wenn es um Probleme geht, auch in<lb/>
seine Gesandtschaft zu kommen, aber um Verständnis bitte, dass ich<lb/>
für die Repräsentationsaufwendungen kaum Zeit habe. Er versicherte<lb/>
mir, für diese Haltung volles Verständnis zu haben und meinte, er<lb/>
wundert sich sowieso, wie wir in so kurzer Zeit bei dieser<lb/>
harten Auseinandersetzung und vielen Arbeit so gut bestehen können.</p>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Koren, Stephan</persName>
               <persName><surname>Koren</surname><forename>Stephan</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Gassner, Johann</persName>
               <persName><surname>Gassner</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-Politiker, FCG/ÖAAB-Funktionär, ÖGB-Vizepräsident,
                  BR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Pittermann, Bruno</persName>
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               <persName type="label">Mayer-Gunthof, Franz Josef</persName>
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               <persName><surname>Giglinger</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Referent Schuhbranche HM</occupation>
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               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Böck, Hans</persName>
               <persName><surname>Böck</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Wr. Bau-SR, ÖGB-Vizepräs., Obmann Gew. Bau-Holz</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>HK; Falschschreibung?</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Römer, Wolfgang</persName>
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               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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