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            <title type="main">Mittwoch, der 14. Oktober 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_01">Im renovierten Hueber-Haus hatte ich einen Vortrag bei Lebens<lb break="no"/>und Genussmittelarbeitern. Es war dies ein Grundkurs, wie wir ihn<lb/>
seit Jahrzehnten durchführen. Zu meiner grössten Überraschung hat<lb/>
sich das Niveau nicht nur wesentlich gebessert in den letzten Jahren<lb/>
sondern es kann auch festgestellt werden, dass diese Funktionäre<lb/>
die das erste Mal auf Kurs sind, eine ungeheures Verständnis für<lb/>
die derzeitige politische Situation aufbringen. Ich weiss natürlich<lb/>
nicht wie lange dieses Vertrauen anhält, doch ich glaube, dass die<lb/>
Arbeiterschaft zumindestens, wenn es sich um Funktionäre handelt, voll<lb break="no"/>stes Verständnis dafür hat, dass diese sozialistische Regierung, die<lb/>
Schwierigkeiten, die sie vorfindet, nur mir ihrer Unterstützung über<lb break="no"/>winden kann. Die einzige Frage, die ich wirklich leichten Herzens beant<lb break="no"/>worten konnte und die mir gestellt wurde, war, wie ich als Handelsmini<lb break="no"/>ster und Gewerkschaftsobmann Gewissensentscheidungen zu treffen hätte,<lb/>
wenn es zu Kampfmassnahmen kommen sollte. Ich erwiderte sofort, dass<lb/>
ich selbstverständlich in diesem Fall ausschliesslich nach den Inter<lb break="no"/>esse n der Lebensmittelgewerkschaft vorgehen würde, konnte aber diese<lb/>
jungen und neuen Funktionäre davon überzeugen, dass es die erklärte<lb/>
Politik der Lebensmittelarbeiter bis jetzt gewesen ist, dieses letzte<lb/>
aller Kampfmittel erst im wirklich allerletzten Moment einzusetzen.<lb/>
Bis jetzt war es immer wieder geglückt Auswege aus scheinbar heiklen<lb/>
Situationen zu finden, ohne dass ein Streik ausgerufen werden musst .<lb/>
An Hand von Beispielen konnte ich den Kolleginnen und Kollegen dar<lb break="no"/>legen, dass ich es als meine wichtigste Funktion seit ich in dieser<lb/>
Gewerkschaft wirke, erachte, ohne Streiks die Gewerkschaft doch zu ganz<lb/>
schönen Erfolgen zu führen. Allerdings sagte ich ihnen, dass bei uns<lb/>
nicht die Lohn- und Sozialpolitik an der Spitze gemacht wird, sondern<lb/>
dass die Verhandlungsführung bei gewählten Verhandlungskomitees liegt,<lb/>
die auf uhterster Ebene die Verhandlungen zu führen haben. Zum Unter<lb break="no"/>schied von anderen Organisationen hab mich noch niemals eine Lohnver<lb break="no"/>handlung geführt sondern höchstens , wenn es zu Stockungen bei diesen<lb/>
Verhandlungen gekommen ist, alles daran gesetzt, dass diese wieder<lb/>
flott wurde.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_02">Anschliessend an dieses Referat und die Diskussion hatte ich mittags<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97357">Blüml</rs>, <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__140390">Gludovatz</rs> eine Besprechung über die Forderung<lb/>
der Brotindustrie, das Bäckereiarbeitergesetz zu novellieren. Wir<lb/>
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auch die Gewerkschaft in Verhandlungen mit der Brotindustrie unverzüg<lb break="no"/>lich eintreten wird. Wenn ich mir vorstelle, dass vor Jahren noch es<lb/>
in der Bäckergruppe undenkbar gewesen ist, eine solche Idee durchzu<lb break="no"/>setzen und dass ich damals ganz behutsam erst diesen neuen Weg ange<lb break="no"/>deutet habe, aber doch systematisch verfolgt, so kann man jetzt fest<lb break="no"/>stellen, dass diese Politik Früchte getragen hat. Auch die Funktionäre<lb/>
sehen jetzt ein, dass eine Novelle des Bäckereiarbeitersetzes und<lb/>
der Industrie überhaupt erst eine Existenzmöglichkeit in Zukunft zu<lb/>
schaffen, dringendst notwendig ist.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_03">Gen.Dir. <rs type="person">Rüger</rs> von der Semperit AG wendete sich auf Empfehlung Dr. <rs type="person">Krenn</rs><lb/>
von der Creditanstalt an mich, da er befürchtete, dass es in seinem<lb/>
Betrieb jetzt zu Kampfmassnahmen kommen könnte. Ich erklärte ihm sofort,<lb/>
dass ich für diese Gewerkschaft nicht zuständig bin und als<lb/>
Handelsminister überhaupt nicht beabsichtige, mich in die Tarifhoheit<lb/>
der Sozialpartner einzumischen. Sein Vorbringen, dass die Gewerkschaft<lb/>
jetzt eine 12 %-ige Lohnforderung aufstellt, aber der Betriebsrat er<lb break="no"/>klärt hat, da müssten noch 10 % Lohnerhöhung in Traiskirchen drankommen,<lb/>
hatte ich mir nur angehört. Sein Hinweis, dass wenn es zu Streiks kommt,<lb/>
ihm pro Tag 3,5 Mill. S Verlust erwachsen, andererseits aber diese<lb/>
Lohnforderung 220 Mill. S im Jahr kosten würden, sind für mich ein<lb/>
Hinweis, dass man hier natürlich äusserst vorsichtig vorgehen sollte.<lb/>
ZS <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> hatte im zwar erklärt, dass er diese Aktion des<lb/>
Betriebsrates von Traiskirchen zwar nicht begrüsst, aber wenn es zu Kampfmass<lb break="no"/>nahmen kommt, diese unterstützen würde. Ich konnte ihn nur an <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
den Obmann der Organisation verweisen, resp. gegebenenfalls mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> oder<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> Kontakt aufzunehmen. Da er beide nicht kannte, ersuchte er<lb/>
mich, dass ich ihm vorzustelle. Da <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> abwesend war, vermittelt ich<lb/>
ein Gespräch bzw. Vorsprache bei <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>. Ich glaube, dass es mir<lb/>
geglückt ist, <rs type="person" ref="#per__137219">Rueger</rs> davon zu überzeugen, dass als Handelsminister ich<lb/>
mich in diese Sphäre niemals einlassen dürfte und auch gar nicht die<lb/>
Absicht hatte, mich einzulassen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_04">Ein Tankstellenbesitzer und seine Tankwarte hatten mir geschrieben,<lb/>
dass ich sie einmal besuchen sollte. Sie hatten den Prospekt vom Freien<lb/>
Wirtschaftsverband bekommen, wo mitgeteilt wurde, dass ich einmal<lb/>
unangemeldet bei den Ölbossen erschienen bin, um die Probleme mit<lb/>
diesen zu besprechen. Sie meinten nun, ich sollte genauso unangemeldet<lb/>
einmal bei ihnen vorüberkommen. Allerdings als ich dann erschien,<lb/>
<pb n="03-0639" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band03/03_1970-10-14_0639.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>waren die sehr erstaunt und wir führten eine interessante Diskussion.<lb/>
Hauptproblem für die Tankwarte ist, dass sie verhältnismässig – wie sie<lb/>
sagen – wenig verdienen – 10.- S Stundenlohn haben und in Wirklichkeit<lb/>
nur vom Trinkgeld leben können. Diese 10.- S-Stundenlohn erklärten sie<lb/>
könnten beim besten Willen nicht erhöht werden, weil der Pächter der<lb/>
Tankstelle nur 20 Groschen pro Liter Benzin bekommt. Die Ausdehnung des<lb/>
Sortiments bringt an und für sich, sagen sie, nicht viel, da es sich um<lb/>
keine Service-Station sondern nur um eine Tankstelle handelt. Es war<lb/>
richtig, dass sie wirklich das ganze Zimmer voll entsprechend anderen<lb/>
Bedarfsartikel für den Autofahrer hatten. Mein Hinweis auf das Heizöl<lb break="no"/>geschäft, die Tankstelle wird von AVIA-Flamina beliefert, erwiderten sie,<lb/>
dass dies ganz gut ginge und dass derzeit nur mehr 1000 Liter im Tank sind<lb/>
für die ganze Woche, erst nächste Woche bekommen sie erst eine neue<lb/>
Lieferung. Eine Rücksprache mit der ÖMV Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> ergab, dass<lb/>
es richtig ist, dass im Oktober kontingentiert für die ersten zwei<lb/>
Wochen nur eine geringe Auslieferung im östlichen Österreich betragen<lb/>
darf. Er rechnet ganz fest, dass Avia-Flamina die dritte Raffineriestufe<lb/>
diese Woche in Aktion treten kann und dann eine endgültige Ent<lb break="no"/>lastung auf dem Heizölsektor leicht und mittel erreicht ist. Bei die<lb break="no"/>ser Gelegenheit machte ich ihn aufmerksam, dass ich bereit wäre,<lb/>
wenn die Raffinerie dann in Produktion ist, zu erscheinen und den<lb/>
Arbeitern für ihr wirklich exaktes und temingemässes arbeiten meinen<lb/>
Dank anzusprechen. Bei dieser Gelegenheit könnte man dann in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit entsprechend darauf hinweisen, dass damit endlich die Versor<lb break="no"/>gungskrise gebannt ist. Dass die Public Relation-Leute der ÖMV nicht auf<lb/>
diese Idee gekommen sind, wundert mich sehr. Ich beschwerte mich auch<lb/>
gleich bei der ÖMV über das Verhalten zur zollfreien Einfuhr von 50.000<lb/>
t Heizöl leicht. Bekanntlich hat ja die Oberste Bergbehörde, MR <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs>,<lb/>
erst auf Wunsch der ÖMV festgestellt, dass eine rechtliche Möglichkeit,<lb/>
für die zollfreie Einfuhr dieses Öls nicht mehr gegeben sei und knapp<lb/>
drei Tage später die gegenteilige Meinung zu vertreten. Er hatte er<lb break="no"/>klärt, dass die ÖMV jetzt grünes Licht gegeben hätte. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtiger</rs> ver<lb break="no"/>sprach, mir in Zukunft Direktinformationen zu geben, da ich ihm er<lb break="no"/>klärte, wir sind nicht die Expositur oder die Erfüllungsgehilfen von<lb/>
der ÖMV.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_05">Die KELAG besitzt, so wie die Gemeinde Wien, eine Geräteaktion, Danach<lb/>
bekommt jemand, der sich an dieser Aktion beteiligt, von der KELAG<lb/>
für 1000 kWh einen Gutschein. Die KWh der Kelag kostet 55 Groschen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_06">An Elektrogeräten hat die Kelag nach Mitteilung des Direktors<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> einen Bedarf von 150 Mill. S pro Jahr. 50 Mill. S, das<lb/>
sind 9.000 Gerate, werden bei dieser Geräteaktion angeschafft, davon<lb/>
30 Mill. S in Elektrogeräteverkaufsgeschäften der KELAG. Die Kelag<lb/>
hat nun einen Vertrag, oder besser gesagt Besprechungen mit Siemens<lb/>
geführt, um grössere Mengen Geräte bei Siemens einzukaufen und dann<lb/>
anderen Abnehmern zur Verfügung zu stellen d.h. nicht dem Letztver<lb break="no"/>braucher sondern Fachhändlern, die sich an dieser Aktion beteiligen<lb/>
wollen. Da der Fachhandel aber von Siemens verlangte, dass er minde<lb break="no"/>stens 33 % – 1/3 – Handelsspanne gewährt, dass er weiters die Preise<lb/>
unbedingt einhält und dass niemand anderer an der Aktion teilnehmen<lb/>
soll, als der vom Fachhandel zugelassene Spezialhändler kommt diese<lb/>
Bestimmung einer Kartellbestimmung sehr nahe wenn sie nicht überhaupt<lb/>
eine Kartellbestimmung ist. Die einzelnen Genossen – <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> - hat<lb/>
von dieser Aktion erfahren – wollen deshalb diese Aktion sofort unter<lb/>
schweren Beschuss nehmen. Ich erklärte sofort, dass man zuerst der Ke<lb break="no"/>lag Gelegenheit geben müßte sich entweder aus dieser Aktion heraus<lb break="no"/>zuziehen oder zumindestens sie verständigen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_07">Die Vorbesprechung zur Paritätischen Kommission hatte in<lb/>
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mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass er und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ganz entschieden<lb/>
gegen die Errichtung von Branchenausschüssen im Handelsministerium<lb/>
seien, die BHK hatte sich ja vor Jahren bereits gegen solche Branchen<lb break="no"/>ausschüsse gewehrt, weil sie dadurch befürchteten, dass die Arbeit<lb break="no"/>nehmer Detailinformationen bekommen. Selbst im Wirtschafts- und<lb/>
Sozialbeirat hatten sie Branchenausschüsse ganz entschieden abge<lb break="no"/>lehnt. Ich erklärte deshalb, dass es nicht beabsichtigt ist, die<lb/>
Arbeitnehmerorganisationen, weder die Arbeiterkammer noch den Ge<lb break="no"/>werkschaftsbund, ins Ministerium zu laden, um bei diesen Branchen<lb break="no"/>ausschüsse mitzuarbeiten, überhaupt sind dies nicht Branchenausschüsse<lb/>
sondern Arbeitskreise, die nur die Industriepolitik vorzubereiten<lb/>
hätten. ohne einen wirksamen Informationsapparat ist es nämlich<lb/>
für einen Minister vollkommen unmöglich, eine wirkliche Politik be<lb break="no"/>treiben zu können. Nachdem <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bemerkte, dass ich diese Organi<lb break="no"/>sation, die ich mir aufgebaut hatte, um ähnlich wie in der Handels<lb break="no"/>kammerorganisation die Industrie wirklich nur zu informieren und<lb/>
letzten Endes dann natürlich aber zu beeinflussen, stimmte er dieser<lb/>
Überlegung zu. Er wird, so teilte er mir mit, mit Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
Besprechungen führen, da er jetzt in den nächsten Tagen in Bad<lb/>
Gastein die Wirtschaftsbundbesprechungen hat. Ich setzte ihm aus<lb break="no"/>einander, dass wer immer dieses Ministerium führt, nicht mehr mit<lb/>
der alten Methode dieses Ministerium auch tatsächlich führen kann.<lb/>
Ich glaube, er hat auch erkannt, dass eine Stabsführung nur durch<lb/>
ein Team möglich ist.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_08">In der Paritätischen Kommission legt er seine Funktion als Bericht<lb break="no"/>erstatter für die Anträge auf Preis- und Lohnsektor zurück. Er teilte<lb/>
mir mit, dass insbesondere die beleidigende Art, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihn im<lb/>
Wahlkampf desavuieren wollte, zu diesem Entschluss geführt habe.<lb/>
Die SK hätte ihn mit <rs type="person" ref="#per__98073"><sic>Oskar</sic> Wildes</rs> Stück<lb/>
"Dr. Jekyll und Mr. Hyde" verglichen. Und dies sagte, er, hätte<lb/>
dem Fass den Boden ausgeschlagen. Ich tröstete ihn sofort, und sagte,<lb/>
dann hätten wir jetzt in der Paritätischen Kommission mehr Gelegenheit<lb/>
zu tratschen, denn es wird jetzt für die Preisanträge Dr. <rs type="person" ref="#per__134294">Zajicek</rs> und für<lb/>
die Lohnanträge Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> referieren.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_09">Bei der Heimfahrt erzählte mir Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs>, dass er feststellen<lb/>
konnte, dass seine Mitarbeiter bei der Kontaktaufnahme mit den Han<lb break="no"/>delskammerleuten der Industriesektion auf Zurückhaltung gestossen<lb/>
sind. Ich setzte ihm meine Vorbesprechungsausprache mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ausein<lb break="no"/>ander und forderte von ihm neuerliche Versuche zu unternehmen. <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs><lb/>
war der Meinung, dass schon mit den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer<lb/>
ebenfalls auch Kontakt aufgenommen werden müsste, um die sozialpolitischen<lb/>
Fragen und die Lohnhöhen und die Lohnpolitik mit diesen zu besprechen.<lb/>
Dagegen vertrat ich die Meinung, dass dies nicht unbedingt notwendig sei<lb/>
wir würden die Informationen auch anders bekommen können. Überhaupt ver<lb break="no"/>suchte ich ihm zu erklären, dass die Bundesregierung und besonders ich<lb/>
selbst andere Auffassungen über die Tätigkeit des Ministeriums auf dem<lb/>
sozial- und lohnpolitischen Sektor hatte. <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> erzählte mir, dass<lb/>
jeder Minister bis jetzt seine eigene abgekapselte Lohn- und Sozialpolitik<lb/>
vertreten wollte und deshalb zumindestens die Beamten des Hauses<lb/>
wie z.B. Frau MR <rs type="person" ref="#per__97381">Carmine</rs> und andere auf dieses Problem ansetzte. Ergeb<lb break="no"/>nisse waren von dieser Politik allerdings nicht zu erwarten, denn<lb/>
wenn die politische Entscheidung in der Regierung, ob sie monochrom oder<lb/>
Koalitionsregierung war in einer Frage gefallen war, ist es ganz<lb/>
sinnlos dass Beamte dann Gutachten noch und noch ausarbeiten, die in<lb/>
Wirklichkeit nur bei den Akten abgelegt werden. Ich erörterte ihm des<lb/>
halb das System, welches diese Bundesregierung hat, nämlich jeder<lb/>
verantwortliche Minister muss in eigener Regie sein Konzept erstellen und<lb/>
auch durchsetzen. Wenn daher irgendwelche gravierende Einwände vom<lb/>
Wirtschaftsministerium kommen, so müssten diese bereits bei der<lb/>
Entstehung des Gesetzes im Haus des Sozialministeriums angebracht werden,<lb/>
denn wenn erst einmal der Entwurf fertig ist, ist kaum damit zu rech<lb break="no"/>nen, dass noch grundlegende Änderungen erfolgen werden. Als praktisches<lb/>
Beispiel wie sich auf die Erstellung von Gesetzentwürfen hin, wie wir sie<lb/>
bei uns jetzt im Haus ausgearbeitet haben auch da mussten bereits<lb/>
bei der Entstehung des Gesetzes die Handelskammer, resp. andere<lb/>
Stellen ihre Wünsche bekanntgeben. Ich hoffe, dass <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> verstanden<lb/>
hat, worauf es abkommt, nämlich nicht seitenlange Akte anzulegen,<lb/>
die vollkommen ergebnislos sind, sondern eben bereits Aktivitäten<lb/>
zu entwickeln, bevor noch Gesetze zu uns zur Stellungnahme von anderen<lb/>
Ressorts kommen.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band03_1970-10-14_10">Dr. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von der ÖCI teilte mir mit, dass Altmann nun<lb/>
endgültig an <rs type="person">Ganahl</rs> verkauft wurde, der Vertrag ist endgültig<lb/>
jetzt perfekt. Bei einem Schuldenstand von 267 Mill. S wird<lb/>
<rs type="person">Ganahl</rs> die Aktien um 1000 S erwerben, aber die Schulden mit 190<lb/>
Mill. S übernehmen und abdecken. <rs type="person">Ganahl</rs> selbst wird aber die Be<lb break="no"/>triebsstätte nicht stillegen, sondern im Gegenteil, Pinkafeld<lb/>
sogar noch weiter ausbauen.</p>
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            <head>Tagesprogramm, 14.10.1970</head>
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               <persName><surname>Gasser</surname><forename>Otto</forename></persName>
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               <persName type="label">Hrdlitschka, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Hrdlitschka</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>AK, ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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               <occupation>BV Wien-Favoriten, Wr. SPÖ-GR-Abg., stv. LUGA-Vors., BRO
                  Ankerbrot</occupation>
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               <occupation>Dir. KELAG</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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