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            <title type="main">Dienstag, der 29. September 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_01">Da ich Freitag nach Bern fahre, um mit dem Leiter des volkswir<lb break="no"/>tschaftlichen Departement Bundesrat <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> über die Zusammenarbeit<lb/>
zwischen der Schweiz und Österreich bezüglich des Ansuchens an die<lb/>
EWG musste ich mich wie das Protokoll vorsieht, beim Bundespräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> abmelden. Dienstag aber hat er die entsprechenden Vorsprachen<lb/>
der von ihm zu ernennenden und auszuzeichnenden Personen gehabt.<lb/>
ich ersuchte deshalb, ob ich nicht vor dem Ministerrat noch einen<lb/>
Termin bekommen sollte. Der Sekretär,Dr. <rs type="person" ref="#per__123307">Bandion</rs>, bemühte sich wirklich<lb/>
redlichst und nachdem ich eventuell vorgeschlagen hatte, telefonisch<lb/>
mich anzumelden, wurde mir dann doch ein Termin zugestanden. Es ist<lb/>
wirklich unerklärlich, warum hier das Protokoll hier ein so kompliziert<lb/>
tes Verfahren vorsieht. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass der<lb/>
Bundespräsident des öfteren Spezialinformation über ein Problem wünscht<lb/>
und man dies ohne weiteres telefonisch erledigen könnte. Wahrschein<lb break="no"/>lich wird das Protokoll überhaupt von den Staatsoberhäuptern aus<lb/>
Prestigegründen noch viel zu stark berücksichtigt oder darauf gedrängt,<lb/>
dass es eingehalten wird. So war es – wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mir mitteilte – aus<lb break="no"/>schliesslich der Wunsch von <rs type="person">Ceausescu</rs>, dass er nach demselben Protokoll<lb/>
empfangen wird wie seinerzeit die englische Königin, um zu dokumentieren<lb/>
dass Rumänien genau dieselbe Macht und Anerkennung geniesst wie dies<lb/>
Grossbritannien gebührt. Ich finde das alles unbegreiflich.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_02">Im Ministerrat musste ich einen schnell zusammengestellten mündlichen<lb/>
Vortrag über das Bergbaugesetz, welches ich beabsichtige, neu zu<lb/>
schaffen, halten. Bei dieser Gelegenheit konnte ich in aller Kürze<lb/>
die Entwicklung von Tirol noch einmal zusammenfassend darlegen.<lb/>
Der Entwurf fand die Zustimmung der Bundesregierung nur der Punkt 1,<lb/>
der vorsah die Ermöglichung einer stärkeren Einflussnahme von Land,<lb/>
Gemeinden sowie Interessensvertretungen in die bergbehördlichen Ver<lb break="no"/>fahren wurde durch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch durch den Satz: Was den Umweltschutz<lb/>
betrifft ergänzen. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> war nicht anwesend un zu meiner grössten<lb break="no"/>Verwunderung hörte ich dann spätabends im Fernsehen eine Stellungnahme<lb/>
von ihm zum Kooperationsvertrag zwischen Union Corporation und der<lb/>
Mitterberger, die er als äusserst gut bezeichnete. In Wirklichkeit<lb/>
sieht dieser Vertrag bekanntlicherweise vor, dass nur die Union Corp.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_03">einseitig der Vertrag gekündigt werden kann. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> erklärte angeblich<lb/>
auch, dass die Bohrungen unter allen Umständen durchgeführt werden.<lb/>
Dies steht in krassem Gegensatz zur Regierungsauffassung, insbesondere<lb/>
zu seinem Chef <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Ich muss sage, er hat ein ausgesprochenes<lb/>
Glück, entweder falsch informiert zu sein oder wenn er einigermassen<lb/>
informiert ist, ins Fettnäpfchen zu treten und den gegenteiligen<lb/>
Schluss abzuleiten, den sein Chef bzw. der zuständige Minister macht.<lb/>
Anschliessend an den Ministerrat hatte ich mit <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, aber insbeson<lb break="no"/>dere mit <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> eine Aussprache wegen der von ihnen zur Begutachtung<lb/>
geschickten Sozialgesetze. Beide erklärten übereinstimmend, dass sie<lb/>
einen festen Fahrplan hätten, die Begutachtungsfrist abgelaufen sei<lb/>
und deshalb eigentlich die beste Lösung ist, wenn wir gar keine<lb/>
Stellungnahme mehr abgeben. Bei der Sektionsleitersitzung musste<lb/>
ich auf diese Entwicklung im besonderen hinweisen und konnte folgendes<lb/>
feststellen: Im Haus wird irrsinnig viel gearbeitet, wenn ein<lb/>
Gesetz zur Begutachtung kommt. Die Präsidialabteilung C schickt<lb/>
unverzüglich an alle Sektionen oder an Stellen, die daran interessiert<lb/>
sind und verlangt im Hinblick darauf ,dass sie dann noch begutachten,<lb/>
zusammenkleben muss, denn mehr macht sie meistens nicht, eine<lb/>
Stellungnahme zu einem Termin, wo knapp 1 oder 2 Tage für den Mini<lb break="no"/>ster zur Bearbeitung d.h. zur Approbation Zeit sind ? Wahrscheinlich<lb/>
war es bisher üblich und gang und gäbe, dass der Minister die Stellung<lb break="no"/>nahme dieser Beamten ungesehen übernommen hat. Ich selbst hatte aber<lb/>
bereits der Sektion III und insbesondere dem Präsidium vor Wochen<lb/>
vorgeschlagen, dass mir dieser Weg vollkommen sinn- und zwecklos er<lb break="no"/>scheint. Wenn es nämlich schon z.B. Absprachen in der Regierung gibt,<lb/>
oder wenn es Probleme gibt, die in einem gewissen Sinn gelöst werden,<lb/>
dann hat es gar keinen Sinn, jetzt herzugehen und seitenlage Stellung<lb break="no"/>nahmen zu produzieren, die letzten Endes dann im Akt verschimmeln.<lb/>
Mit erscheint es viel zielführender, dass wenn ein Gesetzentwurf einla<lb break="no"/>ngt, der von Bedeutung ist,dass dieser zuerst bei mir und den be<lb break="no"/>teiligtenReferenten besprochen wird, dann unverzüglichster Kontakt<lb/>
mit den aussendenden Ministerien aufgenommen wird, um dort Einfluss<lb break="no"/>nahme auszuüben, die wahrscheinlich stärker und zielführender ist, als<lb/>
eine letzten Endes verspätet abgegebene Stellungahme. Ich weiss,<lb/>
dass in anderen Ministerien der Minister akzeptiert, dass sich die<lb/>
Beamten salvieren können, indem sie ihre Stellungnahme auf alle Fälle<lb/>
im Akt verankern und dann womöglich auf Weisung des Ministers eine<lb/>
andere abgeben. Bei uns wird die Abteilung C immer mehr in die Richtung<lb/>
<pb n="02-0587" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-29_0587.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>getrieben, mir entsprechende Alternativvorschläge vorzulegen.<lb/>
wo ich entscheiden soll, ob der Gesetzentwurf abgelehnt, ob er im<lb/>
Sinne des Referenten behandelt wird,ob er gegebenenfalls in meinem<lb/>
Sinne zu behandeln sei oder ob wir uns überhaupt verschweigen sollten.<lb/>
Auch eine solche Vorgangsweise halte ich nicht für zielführend und habe<lb/>
die Sektionsleitungen ersucht, im Hinblick auf die Notwendigkeit die<lb/>
Probleme doch unter allgemeinen politischen Gesichtspunkten zu be<lb break="no"/>handeln, zuerst mit mir und den Referenten entsprechende Fühlung aufzu<lb/>
nehmen. Politisch halte ich diesen Weg als einzig gangbaren, denn<lb/>
wir dürfen nie vergessen, dass im Parlament letzten Endes die Stellung<lb break="no"/>nahme aller begutachtenden Stellen, daher auch der Ministerien bekannt<lb/>
werden, die gegen die Gesetze Stellung genommen haben und damit natür<lb break="no"/>lich Munititon für die Debatten-redner im Parlament liefern.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_04">Die Aussprache beim Mittagesssen im Institut mit Dr. <rs type="person">Neuwirth</rs> von der<lb/>
Arbeiterkammer, Sekr. <rs type="person" ref="#per__137217">Mrkwitschka</rs> vom ÖGB, er ist Leiter der Jugend<lb break="no"/>abteilung, und dem Privatangestellten-Jugendvertreter <rs type="person">Braun</rs>, hat mir<lb/>
Gelegenheit gegeben, diesen jungen Genossen meine Politik auseinander<lb break="no"/>zusetzen. Sie hatten bezüglich der Berufsausbildung einige sehr<lb/>
zweckmässige Vorschläge und erwarteten, dass ich diese durchsetzen werde<lb/>
Ich versicherte Ihnen, dass ich dies gerne tun würde, aber der Weg<lb/>
sollte doch so sein, dass sie im Beirat jetzt bestrebt sein müssen,<lb/>
die Wünsche anzumelden und in Verhandlungen auch durchzubringen.<lb/>
Bezüglich des Hausvertreters, es ist dies MR <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs>, werde ich einen<lb/>
Dienstzettel verfassen, wo ich um seine Stellungnahme zu den Problemen<lb break="no"/>ersuche.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_05">In der ÖGB-Bundesfraktion wurde ich aufgefordert, ganz kurz nach einem<lb/>
Bericht von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch über die wirtschaftliche Situation<lb/>
zu referieren. Ich entwickelte ganz kurz mein Konzept: als die Haupaufgabe<lb/>
darin besteht, die Konjunktur aufrechtzuerhalten und das Wirtschaft<lb break="no"/>wachstum weiter an der Spitze steht. Dies geht auf Kosten der Stabilität<lb/>
und ich war der Meinung, dass insbesondere um die Konjunktur aufrecht<lb break="no"/>zuerhalten jetzt auchh das Wirtschaftsforschungsinstitut meine Theorie<lb/>
die ich vor Wochen in der deutsch-österr. Handelskammer gebracht hatte,<lb/>
nämlich dass die inländische Nachfrage, nämlich der private Konsum<lb/>
gestärkt werden müsste, nun auch von <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> bestätigt wird. Ich glaube<lb/>
deshalb dass die Lohnbewegungen, die in den nächsten Monaten kommen,<lb/>
auch gesamtwirtschaftlich begründet sind. Sowohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hatten scheinbar die Angst, dass meine Erklärungen von den Gewerkschaft<lb/>
<pb n="02-0588" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-29_0588.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dazu benützt werden würden, irrsinnige Lohnforderungen zu stellen und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> argumentierte daher dagegen und meinte, dies müsste doch die Konjun<lb break="no"/>turabflachung berücksichtigt werden, die Konsumgüterindustrie – hier<lb/>
sieht er immer wieder den Standpunkt scheinbar bei mir als Lebensmittel<lb break="no"/>arbeiter – Vertreter durchdringen – hätte natürlich eine Möglichkeit<lb/>
durch die inländische Nachfrage abgeheiztund die Konjunktur aufrechterhal<lb break="no"/>ten zu werden, aber die Exportindustrie – hier sieht er wahrscheinlich<lb/>
doch zu sehr vom Standpunkt des Metallarbeiter-Chefs – hätte starke Kosten<lb/>
belastungen zu erwarten, die letzten Endes dann den Export zusammen<lb break="no"/>schlagen könnten. Die Inflationsrate sei deshalb seiner Meinung nach<lb/>
als besonders gefährlich zu betrachten und man dürfe nicht vergessen,<lb/>
dass die Investitionen dann gegebenenfalls darunter leiden könnten<lb/>
und wenn die Leute nicht mehr sparen, dass müsste dies auch gesamtwirt<lb break="no"/>schaftlich von grösstem Nachteil sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder vermutet, dass es<lb/>
durch die Ausdehnung der inländischen Nachfrage zu weiteren Kostensteigerungen<lb/>
kommen könnte und wir dann in eine Deflation kämen auf der einen Seite<lb/>
auf der anderen Seite auf eine inflationistische Kostenausweitung.<lb/>
Seiner Meinung nach würden wir dann beide Nachteile haben, sowohl die<lb/>
Preisstteigerungen als auch die Deflationenerscheinungen. In erwiderte<lb/>
unverzüglich, dass ich diese Meinung nicht teile, weil meiner Meinung<lb/>
nach die Quantifizierung der Grössen von entscheidender Bedeutung ist.<lb/>
Die Unternehmer werden bei jeder Lohnbewegung, die die Gewerkschaften<lb/>
machen, unverzüglich den Deflationscharakter dieser Aktionen herausstrei<lb break="no"/>chen und die Belastungen in den Vordergrund stellen. Andererseits werden<lb/>
jetzt die Gewerkschaften Lohnbewegungen starten und es ist daher notwe<lb break="no"/>ndig, dass sich die Regierung und die offizielle Wirtschaftspolitik darauf<lb/>
einstellt. Unter der vollkommenen Stabilität ist nur zu verstehen, dass<lb/>
die Lebenshaltungskosten überhaupt nicht steigen, ein Zustand, den wir<lb/>
noch nie erreicht haben und der übrigens gar nicht erstrebenswert wäre.<lb/>
Ich persönlich erklärte, ich bin überzeugt, dass durch die Gewerkschaften eine<lb/>
vernünftige Forderung und letzten Endes auch eine Erhöhung in erträglichem<lb/>
Ausmass nur durchgesetzt wird werden, das gesamtwirtschaftlich vertret<lb break="no"/>bar ist. Mir selbst schwebt eine Zahl von maximal 10 in den Kollektiv<lb break="no"/>vertraglöhnen höchstens 12 % vor. Diese Ziffern liegen natürlich – und<lb/>
dies ist mir vollkommen klar – über dem Produktivitätszuwachs und werden<lb/>
daher weitere Preissteigerungen mit sich bringen. Allerdings halte ich es<lb/>
für vollkommen sinnlos, die Gewerkschaften zu verhalten, dass sie noch<lb/>
unter diese Ziffer wesentlieh darunter gehen, sie werden es in den Einzel<lb break="no"/>fällen vielleicht tun, aber keinesfalls sich in Grössenordnungen bewegen<lb/>
von 6 und 7 %, was die Unternehmer gerne hätten. Viel wichtiger scheint<lb/>
mir, dass es weiterhin gelingt die Dauer der Lohnbewegungen auf einen<lb/>
grösseren Zeitpunkt hinauszuschieben, d.h. zwischen 14 und 16 Monaten<lb/>
<pb n="02-0589" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-29_0589.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Abstand zwischenjeder Lohnbewegung zu lassen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_06">Im AEZ habe ich jetzt einige Tage eine Diskussion, ich glaube, dass<lb/>
dies sehr gut ankommt. Es kommen dort – wie ich in einer Sektionsleiter<lb break="no"/>sitzung die anschliessend daran stattfand, feststellen konnte -<lb/>
tausende Menschen vorüber und die Junge Generation teilte mir mit,<lb/>
dass angeblich über 6.000 Broschüren, die am Erdboden von ihnen dort<lb/>
aufgestapelt wurden, von einzelnen Passanten aufgenommen wurden,<lb/>
Es war nicht eine Aktion der ÖVP ,dass sie ganze Stösse verschleppten,<lb/>
sondern es war wirklich ein grosses Interesse von diesen durchflutenden<lb/>
Massen. Ich glaube, dass wir mit dieser Methode äusserst günstig<lb/>
liegen und ich bin froh, dass ich dies nicht nur immer vor den Wahlen<lb/>
sondern auch zwischen den Wahlen in jeder Form bei den Grotten-<lb/>
und Bahnhofsplätzen gemacht habe und beabsichtige dies auch unter<lb/>
allen Umständen fortzusetzen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_07">Anschliessend an die Sektionsleitersitzung hatte ich noch eine Aus<lb break="no"/>sprache zwischen <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mir wegen der Tchibo- Ge<lb break="no"/>schäfte. Wir kamen überein, dass es für den Freien Wirtschaftsverband<lb/>
viel zweckmässiger ist, wenn er von den offiziellen Handelskammer<lb break="no"/>vertretern wie z.B. dem jetzt gewählten neuen Sektionsobmann Komm.<lb/>
Rat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs>, zu einer Aussprache ins Ministerium mitgenommen wird,<lb/>
als wie dass ich darauf dränge, dass der Freie Wirtschaftsverband<lb/>
vertreten sein muss. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat es, glaube ich, sehr geschickt organi<lb break="no"/>siert sodass jetzt immer wesentlich mehr Vertreter des FWV an<lb/>
Besprechungen teilnehmen, dies aber hochoffiziell als Handelskammer<lb break="no"/>vertreter. <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> bestätigte mir auch – da unter anderem am Abend<lb/>
eine Genossin bei mir war und mich ersuchte, ich sollte jemandem einen<lb/>
Kommerzialrattitel verleihen, dass das jetzige System, das ich eingeführt<lb/>
habe, für den Freien Wirtschaftsverband wesentlich besser ist und<lb/>
wahrscheinlich auch zielführender für die Zukunft. Ich glaube es hat<lb/>
von dem derzeit bestehenden Kontingent von 50 Komm.Räten der<lb/>
Freien Wirtschaftsverband ganze 5 Stück bekommen, währenddem von<lb/>
den 10, die dem Minister zustehen und die ich der Handelskammer über<lb break="no"/>tragen habe, vier dem Freien Wirtschaftsverband zugesprochen wurden.<lb/>
Ich bin den Streit los und der Freie Wirtschaftsverband ist vernünftig<lb/>
genug – wie mir <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> gesagt hat – dass er davon zwei für die Ge<lb break="no"/>meinwirtschaft reservieren wird</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-29_08"><rs type="person" ref="#per__116918">Reis</rs> erklärte mir noch, dass es im Ministerium üblich ist, dass<lb/>
wenn ein Chaffeur kein Telefon besitzt und er selbst hat in der<lb/>
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Anschluss gleich zu bekommen – der entsprechende Minister die nächste<lb/>
Wachstube anruft und von dort ein Posten sofort zum Chaffeur geschickt<lb/>
wird, um ihm einen entsprechenden Auftrag auszurichten. Ich wider<lb break="no"/>sprach dieser Idee sofort und erklärte, dass unter gar keinen Umständen<lb/>
eine solche Massnahme bei mir in Erwägung gezogen wird und auch nur<lb/>
daran gedacht werden kann, so etwas im Ministerium für mich in Anspruch<lb/>
zu nehmen. Ich werde, wenn er das Telefon noch nicht hat entweder selbst<lb/>
zu ihm gehen oder hinfahren, oder gegebenenfalls einen Buben von mir<lb/>
sdhicken.</p>
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            <head>Tagesordnung 23. Ministerratssitzung, 29.9.1970</head>
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               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Jonas, Franz</persName>
               <persName><surname>Jonas</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Bundespräsident bis 1974</occupation>
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               <persName type="label">Nemschak, Franz</persName>
               <persName><surname>Nemschak</surname><forename>Franz</forename></persName>
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               <persName type="label">Mrkwicka, Franz</persName>
               <persName><surname>Mrkwicka</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. ÖGJ</occupation>
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               <persName type="label">Bandion, Josef</persName>
               <persName><surname>Bandion</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Präsidentschaftskanzlei bis 1973, ab 1975 Wr. Magistratsdir.</occupation>
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               <persName type="label">Brugger, Ernst</persName>
               <persName><surname>Brugger</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Schweizer BR f. Wirtsch.</occupation>
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               <persName type="label">Veselsky, Ernst Eugen</persName>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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