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            <title type="main">Dienstag, der 22. September 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_01">Bei der Ministerratsvorbesprechung wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersucht,<lb/>
dass einzelne Bundesminister nicht bereits Genehmigung von Ver<lb break="no"/>folgungen von Verspottungen oder irgendwelche Anklagen gegen einzelne<lb/>
Gruppe oder Personen erheben sollen, ohne dass es nicht vorher in der<lb/>
Regierungsfraktion besprochen wird.Auslösender Faktor war, dass das<lb/>
Bundesheer bei einer Demonstration in NÖ angeblich mit Bezeichnungen,wie<lb/>
Scheisse, Dreck, Teuer, usw. verspottet wurde. Ich glaube auch, dass<lb/>
es vollkommen falsch ist, wenn die Regierung oder einzelne Mitglieder<lb/>
sich dagegen Beleidigungen wehrt, ich halte es nur für zweckmässig,<lb/>
wenn tätliche Angriffe auf Personen erfolgen, dass man dann einer<lb/>
Verfolgung in irgendeiner Weise zustimmt. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, der neben<lb/>
mir sass und mit dem ich über diese Frage auch sprach, ist genau<lb/>
derselben Meinung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wies auch darauf hin, dass die familien<lb break="no"/>politischen Massnahnen, die wir jetzt anStelle der Erhöhung von<lb/>
Kinderbeihilfe um 50.- S anstreben wollen, doch noch entsprechend<lb/>
in der Öffentlichkeit publizistisch und propagandistisch gefördert<lb/>
werden müssten. Er sieht darin eine grosse Erziehungsaufgabe. Ausserdem<lb/>
könnten wir die Gemeinden entsprechend entlasten, da doch der Bund<lb/>
in der letzten Zeit für die Gemeinden grössere Belastungen gebracht<lb/>
hat. Wenn man den Gemeinden jetzt für Arbeiten, die sie wie Z.b. von<lb/>
Errichtung von Kindergärten, für Transportmöglichkeiten für ihre<lb/>
Kinder, gibt, dann müsste es möglich sein, dass diese Gemeinde als<lb/>
befriedigt abziehen, weil sie ja ansonsten aus dem eigenen Budget<lb/>
allein diese Aufgaben übernehmen müssten.</p>
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ersucht hatte, dass er in Wirtschaftsfragen zu hören sein. Ich hatte<lb/>
mich sofort gemeldet und erklärt, dass das sowieso der Fall ist<lb/>
und konnte feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies auf die anderen Ministerien<lb/>
wie z.B. Sozialministerium und sonstige Ministerien, die wirtschaft<lb break="no"/>liche Aktivitäten entfalten, gemünzt hatte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_03">Die Soz. Frauen verlangen nach wie vor, einen Frauenbericht um über<lb/>
die Lage der Frauen entsprechend die Öffentlichkeit zu informieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erwiderte, dass 1967 und 1968 der sogenannte Rote Bericht<lb/>
nicht an den Nationalrat gegangen ist, dass aber jetzt l969-Bericht<lb/>
an den NR geht und dort auch über die Frage der Frauen schon im<lb/>
<pb n="02-0557" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-22_0557.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Gesamtbericht über die soziale Lage der Bevölkerung entsprechende An<lb break="no"/>merkungen gemacht werden können. Ich – da ich den Finanzminister vertrat –<lb/>
konnte mit umso grösserer Vehemenz darauf hinweisen, dass jeder Bericht<lb/>
bis jetzt noch entsprechende finanzielle Mittel gekostet hat, nämlich<lb/>
nicht die Erstellung des Berichtes, sondern die Forderungen des Berichtes,<lb/>
die auf Grund eines solchen Berichtes ergeben. Ich sagte als Beispiel<lb/>
den Bericht der Land- und Forstwirtschaft, der letzten Endes im nächsten<lb/>
Jahr im Grünen Jahr 810 Mill. S den Bund kostet. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> wollte – und<lb/>
auch <rs type="person">Wondrack</rs> – mir erklären, dass es primär eine Aufgabe der Auf<lb break="no"/>zeigung der Nachteile der Frauen ist, dass sie in dem Bericht entsprechend<lb/>
verlangen, doch ich erklärte, dass letzten Endes es auch auf die finanziel<lb break="no"/>len Aufwendungen hinausläuft, die man dann infolge eines solchen Berichtes<lb/>
für die Frauen zusätzlich wird erbringen müssen. Diese Meinung fand auch<lb/>
die Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und auch andere Genossen nickten zumindestens<lb/>
zu meinen Ausführungen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> allerdings ist der Meinung, es müsste<lb/>
unbedingt auf diesem Sektor etwas geschehen und er verlangte deshalb,<lb/>
dass ein Komitee jetzt noch inonffiziel, bestehend aus Bundeskanzler,<lb/>
Wissenschaftsministerium, Sozialministerium, Finanzministerium und Staats–<lb/>
sekretär <rs type="person">Wondrack</rs> gebildet werden soll. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wies darauf hin,<lb/>
dass das öster.-spanische Sozialabkommen unterzeichnet werden sollte<lb/>
und fand auch die Zustimmung. Von New York berichtet er, dass er mit der<lb/>
EWG-Vertretern Besprechungen geführt hat, u.a. hat er mit Luns, Nieder<lb break="no"/>lande, über die Erweiterung der EWG gesprochen und dort eine 100 %-ige<lb/>
Zustimmung für diese Erweiterungswerber festgestellt. Bezüglich des<lb/>
Interimsabkommens von Österreich wurde von Luns ausgeführt, dass er<lb/>
dem positiv gegenübersteht. wenn es gattkonform ist. Betreffend des<lb/>
Vertreters <rs type="person">Schuhman</rs>, Frankreich, konnte er feststellen, dass dieser<lb/>
ein Interimsabkommen eigentlich sehr negativ um nicht zu sagen ablehnend<lb/>
gegenübersteht. Betreffend unsere Kandidatur im Sicherheitsrat sind<lb/>
derzeit die Karten sehr gut verteilt, da die Gegner bei uns nicht kandi<lb break="no"/>dieren können, glauben, dass wir viel mehr Stimmen auf uns vereinen, als<lb/>
die s tatsächlich der Fall ist. ? stellte fest, dass der<lb/>
Klub die Regierungsmitglieder neuerdings gefragt hat, welche Tätigkeit<lb/>
sie entfaltet haben und entfalten werden und kamen überein, dass dies<lb/>
der Bundeskanzler, der ja das gesamte Material in den letzten Tagen be<lb break="no"/>kommen hat,gemeinsam für alle beantworten wird.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_04"><rs type="person">Freihsler</rs> teilte mit, dass die amerikanischen Streitkräfte in West<lb break="no"/>deutschland um Genehmigungen ansuchen, dass sie Transportmaschinen<lb/>
mit Sanitätsmaterial über Österreich führen dürfen. Dies ist eine<lb/>
<pb n="02-0558" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-22_0558.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>alt eingesessene Übung und widerspricht nicht der Neutralität,<lb/>
weil sie ja Ansuchen um Überfliegung unseres Hoheitsraumes stellen<lb/>
und gleichzeitig eigentlich nur Sanitätsmaterial befördern.<lb/>
Demgegenübers stellte allerdings <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ergänzend fest,<lb/>
dass er dem US-Botschafter zu sich gebeten hatte, um ihm mitzu<lb break="no"/>teilen, dass nicht der Fehler von 1959 wiederholt werden soll und<lb/>
sie unser Hoheitgebiet bei Operationen, die sie gegebenenfalls im<lb/>
Nahen Osten durchführen, ohne unsere Genehmigung – und eine solche<lb/>
könnten sie für Kriegsmaterial nicht bekommen – überfliegen werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_05"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> wehrte sich dagegen, dass ihm auch für Fernsprech<lb break="no"/>investitionen-Gesetz 20 Mill. S gesperrt werden sollten und<lb/>
er wies darauf hin, dass ihm doch mit Wien jetzt erst gelungen ist,<lb/>
eine Arrangement zu erreichen, wo er mit Hilfe der Vorfinanzierung<lb/>
der Stadt Wien in Höhe von 82 Mill. S die ca. 48.000 Telefonan<lb break="no"/>schlüsse versuchen wird, frühzeitig zu bauen. Ich erwiderte sofort,<lb/>
dass dies in der letzten Zeit einige Male besprochen wurde und<lb/>
diesbezüglich sogar ein Beschluss gefasst wurde, zumindestens kann<lb/>
ich mich daran erinnern und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> selbst bestätigte meine Aus<lb break="no"/>sagen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machte darauf aufmerksam, dass er im Ministerrat<lb/>
den Antrag stellen wird, für die Mountains Club of Kenia für die<lb/>
Rettung des Österreichers <rs type="person">Harmann</rs> eine entsprechenden Antrag auf<lb/>
finanzielle Unterstützung des Klubs zu stellen. Ihm schwebt ein<lb/>
Betrag von höchstens 25.000 S vor. Es soll aber nicht jetzt bereits<lb/>
konkret beschlossen werden, in welcher Form dieser Zuschuss gegeben<lb/>
wird, sondern Ing. <rs type="person">Morawec</rs> soll als Berater der Regierung entsprechen<lb break="no"/>de Vorschläge erstatten. Da ich als Vertreter des Finanzministers<lb/>
versuchen musst, womöglich keine Belastungen ihm zurückzulassen,<lb/>
auch dann, wenn es sich nur um unbedeutende Beträge handelt, hatte<lb/>
ich mich zwar nicht dagegen ausgesprochen, aber sowohl der Innen<lb break="no"/>minister als auch das Äussere erklärte, dass sie ca. 5 – 10.000 S<lb/>
freimachen können für diesen Zweck, der, und das muss ich bestätigen<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine sehr gute propagandistische Wirkung auslösen wird.<lb/>
Ich muss überhaupt zugeben, dass soweit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch Massnahmen<lb/>
setzt, die ja gesamtwirtschaftlich wahrscheinlich nichtgeraede sehr<lb/>
zielführend sind und wie ich z.B. bei der Bergbauernhilfe mit den<lb/>
36 Mill. doch glaube, dass es hier nicht um eine wirkliche Lösung<lb/>
des Problems handelt, dass er trotz alledem aber alle diese Mass<lb break="no"/><pb n="02-0559" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-22_0559.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nahmen mit einem ungeheuren G'spür setzt und dadurch dokumentiert<lb/>
ein phantastischer Politiker zu sein.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_06">ANMERKUNG: Bitte, den Sachbericht aus der Ministerratsvorbesprechung,<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> fertigmachen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_07">In der Arbeitsbesprechung mit <rs type="person">Ceausescu</rs> und seinen Herren wurde zuerst<lb/>
über die bilateralen Fragen mit Österreich und Rumänien gesprochen.<lb/>
Hauptsächlich wollte <rs type="person">Ceausescu</rs> die Wünsche, die bereits der Aussen<lb break="no"/>handelsminister in der Arbeitbesrepc hung mir mitgeteilt hat. Als<lb/>
einzige Ziffer erwähnte <rs type="person">Ceausescu</rs>, dass die österr. Zollbelastung sehr<lb/>
hoch sei, sie beträgt bis zu 60 % und er der Meinung ist, man müsste<lb/>
doch die Zölle auch zwischen unseren Ländern so weit wie möglich senken<lb/>
um sie in kürzester Zeit ganz abzubauen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ging auf die wirt<lb break="no"/>schaftlichen Argumente sehr geschickt ein, ohne sich irgendwie zu<lb/>
binden, bestritt allerdings die 60 %-ige Zollhöhe, meinte, dass dies<lb/>
nur bei Agrarprodukten, wo man eine besondern Schutz benötige, der<lb/>
Fall sein könnte. Ich schwieg natürlich dazu, allerdings machte ich<lb/>
ihn nachher darauf aufmerksam, dass bei einigen Textilien durch die<lb/>
absoluten spezifischen Zollsätze solche perzentuelle Belastungen<lb/>
möglich sind. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mich aufforderte, seine Ausführungen zu er<lb break="no"/>gänzen, musste ich das Wort ergreifen und habe mich ausschliesslich<lb/>
auf die Besprechungen mit <rs type="person">Burtica</rs> berufen, wo wir einvernehmlich fest<lb break="no"/>gestellt haben, dass erstens wir die technischen Komitees arbeiten<lb/>
lassen sollten, um zu klären, wie weit Zollsenkungen im Rahmen unserer<lb/>
internationalen Verpflichtungen möglich sind und dass wir zweitens<lb/>
im Hinblick auf die notwendige Kooperation der österreichischen Firmen<lb/>
eine Regierungsdelegation einsetzen werden, die unter Führung der<lb/>
Minister stehen wird. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> wollte ebenfalls unbedingt das Wort<lb/>
ergreifen und zeigte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> UNterlagenmaterial, von dem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> der<lb/>
Meinung war, es sollte nicht diskutiert werden. Trotzdem meldete<lb/>
er sich zu Wort, um nichtssagende Aussagen und Bemerkungen zu machen.<lb/>
Ich verstehe dieses Verhalten von <rs type="person" ref="#per__98034">Ernstl</rs> nicht, denn er muss doch bemerken<lb/>
dass er mit dieser Art sich in den Vordergrund zu drängen in Wirklich<lb break="no"/>keit auf grösstenWiderstand und entsprechenden Missmut seines einzigen<lb/>
Protegés, nämlich Kreiskys, stosst und er letzten Endes doch mit<lb/>
dieser Art und Weise in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ja<lb/>
auch in seinem Freundeskreis entsprechende Ablehnung gefunden hat.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_08">Bei der Sektionsleiterbesprechung musste ich das Verhalten der<lb/>
Obersten Bergbehörde und insbesondere der Berghauptmannschaft<lb/>
Innsbruck zur Sprache bringen und ich glaube, dass alle Anwesenden<lb/>
mit mir einer Meinung waren, auch dann, wenn sie aus Solidarität<lb/>
gegenüber einer andere Sektion nichts dazu sagten, dass diese<lb/>
Vorgangsweise unmöglich gewesen ist. Ich komme überhaupt darauf, dass<lb/>
in dieser Sektionsleiterunde nicht diskutiert wird sondern maximal<lb/>
von mir Wünsche vorgetragen werden, die zwar zur Kenntnis genommen<lb/>
und ich hoffe mit der Zeit auch wirklich durchgeführt werden. Ich<lb/>
muss eben vielleicht doch noch mehr Zeit aufwenden, um mit Einzelbe<lb break="no"/>sprechungen der Sektionen oder zumindestens des Sektionsleiters<lb/>
zu erreichen, dass hier ein neuer Arbeitsstil durchbricht. Ich bin<lb/>
mir allerdings vollkommen klar, dass letzten Endes nicht eine solche<lb/>
Debattierrunde werden soll, wie dies bei den Dienstbesprechungen<lb/>
unter dem seinerzeitigen Kammeramtsdirektor Dr. <rs type="person">Borkowetz</rs> im der<lb/>
Arbeiterkammer der Fall gewesen ist. Auch hier ist es furchtbar<lb/>
schwierig, eine mittlere Linie zu finden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_09">Der Redakteur des ORF in Bonn, <rs type="person" ref="#per__97417">Klaus Emmerich</rs>, wollte eine Aussprache,<lb/>
wo er mir mitteilte, dass Österreich überhaupt nicht darauf vorbe<lb break="no"/>reitet ist, mit Brüssel Verhandlungen zu beginnen. Er hätte mit den<lb/>
verschiedensten Stellen, sei es staatlicherseits in meinem Ministerium<lb/>
oder in anderen Ministerien als auch der politischen Parteien Be<lb break="no"/>sprechungen geführt und auch in der Handelskammer hat er nicht den<lb/>
entsprechendenWiderhall gefunden, dass nämlich Österreich sich im<lb/>
Detail auf die Verhandlungen vorbereiten müsste. Ich konnte ihn<lb/>
ohne dass ich hier wirklich etwas verraten habe oder gar ihm unbe<lb break="no"/>dingt irgendwie recht geben wollte, mitteilen, dass ich diese Mei<lb break="no"/>nung seit eh und je besitze. Ich musste ihm zugestehen, dass ich<lb/>
bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt habe, weder bei den Interessens<lb break="no"/>vertretungen im Wirtschafts- und Sozialbeirat oder in Direktgesprächen<lb/>
mit der Handelskammer zu erreichen, dass entsprechende Vorarbeiten<lb/>
geleistet werden, obwohl ich dies seit Jahren verlangte. Die einzige<lb/>
Arbeit, die geglückt ist seinerzeit im Wirtschafts- und Sozial<lb break="no"/>beirat durchzusetzen, waren die Branchenstudien, die allerdings jetzt<lb/>
bereits ziemlich überaltertt sind und neu überarbeitet werden müssten.<lb/>
Er verwies auch darauf, dass wir uns personell erst durch Ausbau<lb/>
der Fachreferate im Hause die notwendigen Stellen schaffen, um überhaupt<lb/>
<pb n="02-0561" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-09-22_0561.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in den einzelnen Branchen mitreden zu können. <rs type="person" ref="#per__97417">Emmerich</rs> wies<lb/>
auch noch darauf hin, dass die Mission vollkommen unfähig sei,<lb/>
die Vorarbeiten oder gar dann die Verhandlungen im Einzelnen zu<lb/>
führen und der einzig positive Mann ist <rs type="person">Raushofer</rs> , der allerdings<lb/>
sehr verärgert ist, weil er jetzt angeblich letzten Endes von<lb/>
seiner Dienststelle – er ist bei <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> in der Wikord – wieder<lb/>
zurückgerufen werden soll. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> konnte <rs type="person" ref="#per__97417">Emmerich</rs> erwidern, dass<lb/>
er mit <rs type="person">Kraushofer</rs> bereits Besprechungen geführt hat, weil wir -?<add/><lb/>
diesen tüchtigen Mann in unser Ministerium ziehen wollen und dass<lb/>
<rs type="person">Kraushofer</rs> damals noch nicht so weit war, er glaubte noch immer<lb/>
dass er bei Wikord eine bessere Aufstiegschance hat, Wir hoffen<lb/>
allerdings, erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97417">Emmerich</rs>, der ihm dies sicher ausrichten<lb/>
wird, dass er letztenEndes bei uns im Ministerium landen wird, weil<lb/>
wir glaube ich die einzigen sind, die seine Arbeitskraft richtig<lb/>
einschätzen und ihn auch dringend benötigen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-09-22_10">Die Festveranstaltung in der Staatsoper war eine ausgesprochen<lb/>
durchschnittliche Aufführung und zu meiner Schande muss ich geste<lb break="no"/>hen, dass ich teilweise sogar geschlafen habe.</p>
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               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
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               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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