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            <title type="main">Freitag, der  7. August 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Joseph Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band02_1970-08-07</idno>
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            <date when="1970-08-07">Freitag, 7. August 1970</date>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-08-07_01">Freitag, den 7. August</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-08-07_02">Kollege <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> der Betriebsratsobmann von der Anker-Brotfabrik<lb/>
und Bezirksverantwortlicher für den 10. Bezirk der Sozialistischen<lb/>
Gewerkschaftsfraktion kam mit Wienerberger Gewerkschaftskollegen.<lb/>
Die Wienerberger ist ein Konzernbetrieb mit 1127 Arbeitern und<lb/>
365 Angestellten. Die Mutter hat 780 Arbeiter und 230 Angestellte.<lb/>
Ein Teil des Konzerns ist die Tonwarenfabrik – beschäftigt ca. 265<lb/>
Arbeiter und 45 Angestellte. Die Kollegen waren nun der Meinung,<lb/>
daß die Tonwarenfabrik, wo ca. 130 in der Ofenproduktion und 130 in<lb/>
der Steinzeugproduktion verankert sind, deshalb aufgeteilt wurde, um<lb/>
die Betriebsräte zu schwächen. Sie hatten allerdings bereits zugestimmt,<lb/>
daß eine entsprechende Umorganisation der Tonwarenfabrik erfolgt.<lb/>
Die Direktion hat deshalb mit Zustimmung des Aufsichtsrates, aber<lb/>
auch mit Zustimmung der Gewerkschaft und des Betriebsrates, die<lb/>
Steinzeugerzeugung aus der Tonwarenfabrik herausgelöst und zur<lb/>
ÖSDG, das ist die Vertriebsgesellschaft, hinübergegeben, das heißt<lb/>
die Steinzeugfabrik an die Vertriebsgesellschaft verpachtet. Die<lb/>
Vertriebsgesellschaft selbst hat nur mehr 20 Angestellte, und jetzt<lb/>
130 Arbeiter. Die Absicht der Direktion ist – wie ich aus dem Gespräch<lb/>
entnehmen konnte – ich hatte das ja vermutet und den Betriebsräten<lb/>
sofort auf den Kopf zugesagt – ausschließlich, einen gesunden Betrieb,<lb/>
nämlich die Steinzeugerzeugung herauszulösen und die Ofenerzeugung<lb/>
in der Tonwarenfabrik zu behalten, die aber früher oder später sicher<lb/>
zu Grunde geht, weil derzeit 30 % nach Jugoslawien exportiert werden,<lb/>
und dieser Export auf die Dauer sicher nicht aufrechterhalten werden kann.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-08-07_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> , vom Konsumverband, und <rs type="person">Mittermayer</rs>, von der GÖC,<lb/>
kamen um darauf hinzuweisen, daß die in der Kennzeichnungsverordnung<lb/>
vorgesehene Kennzeichnung der spanischen Sardinen und Fischkonserven<lb/>
nicht möglich ist. Wenn das Sozialministerium auf diesem Verordnungs<lb break="no"/>punkt beharrt – die Verordnung wurde vom Handelsministerium 1968<lb/>
erlassen – dann könnten mit Ende des Jahres nicht mehr die Fische in<lb/>
der jetzigen Preislage abgegeben werden, da die Firma eine eigene<lb/>
Etikettierorganisation – entweder maschinell oder händisch – aufbauen<lb/>
müßte. Da <rs type="person">Mittermayer</rs> den Vorschlag machte, das Sozialministerium<lb/>
sollte die nicht auf die Lagerung und auf die Konservierung hinweisende<lb/>
Bestimmung verzichten, oder zumindest – wenn sie nicht darauf ist –<lb/>
tolerieren, hatte ich die Möglichkeit, sie an das Sozialministerium zu<lb/>
verweisen. Angeblich gibt es derzeit schon bei den kalifornischen<lb/>
Pfirsichen eine solche Tolerierung, denn dort ist Stärkesirup drinnen<lb/>
und dies ist nach österreichischem Lebensmittelrecht verboten.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-08-07_04">Wir besuchten die ZAE und Dr. <rs type="person">Bodenstein</rs> und der ehemalige Sekretär<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs>, führte uns durch das Haus. Ich hatte den<lb/>
Eindruck, daß dies dort noch alles sehr umständlich – allerdings sehr<lb/>
genau und exakt geführt wird, aber wir doch schauen sollten, durch<lb/>
Liberalisierung gegenüber dem Osten, so schnell wie möglich diese<lb/>
ganze Irrsinns -bürokratische Arbeit auflassen können.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-08-07_05">Der bulgarische Handelsrat und Attachés kamen um mich auch noch<lb/>
persönlich vom bulgarischen Außenhandelsminister zur Messe nach<lb/>
Sofia einzuladen. Ich konnte ihnen erklären, daß ich infolge des zu<lb/>
erwartenden Wahlkampfes im September unmöglich Wien verlassen<lb/>
könnte. Allerdings erwiderten sie, daß die nächste Gemischte Kommission<lb/>
unter Vorsitz des Außenhandelsministers in Bulgarien stattfinden müßte,<lb/>
denn die war für Februar 1970 in Wien geplant und wurde infolge der<lb/>
Wahlen auf den Herbst verschoben. Nach Rücksprache mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>,<lb/>
der mich ebenfalls aufforderte , unbedingt zuerst in ein kleines Land<lb/>
nach dem Osten zu fahren, schrieb ich einen Brief, wo ich in Aussicht<lb/>
stellte vom 8. bis 10. September in Sofia bei Abschluß des Vertrages<lb/>
anwesend zu sein. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> steht auf dem Standpunkt, es wäre sehr<lb/>
zweckmäßig, wenn ich vorher in ein kleines Land,wie Bulgarien, fahre,<lb/>
bevor ich im Jänner – zur Gemischten Kommission – nach Moskau fahre.<lb/>
Er glaubt überhaupt, daß meine Einstellung – mich überhaupt nie ins<lb/>
Ausland zu begeben – auf die Dauer vollkommen unhaltbar ist, und daß<lb/>
ich schon allein aus außenpolitischen und handelspolitischen Gründen<lb/>
auf alle Fälle mich in die ausländischen Städte begeben müßte. Er selbst<lb/>
bezeichnete dies treffend so, daß wenn man mit einem Staat Handel<lb/>
betreibt, auch der Handelsminister in diesem Staat in Erscheinung treten<lb/>
muß. Daß ich über diese Eröffnung überhaupt nicht glücklich bin, brauche<lb/>
ich hier nicht besonders zu betonen.</p>
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               <occupation>Konsum</occupation>
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               <occupation>BV Wien-Favoriten, Wr. SPÖ-GR-Abg., stv. LUGA-Vors., BRO
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               <occupation>Beamter HM (Rochusplatz), ehem. Sekr. Bock, Mitterer</occupation>
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