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            <title type="main">Montag, der 13. Juli 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Joseph Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band02_1970-07-13</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_01">Der Gastwirteverband, eine freie Vereinigung der Gast- und Schankstät<lb break="no"/>ten-Unternehmer, kam mit Präs. <rs type="person" ref="#per__146934">Krebs</rs>, VP <rs type="person" ref="#per__146173">Deutsch</rs> und Komm.Rat <rs type="person">Wild</rs><lb/>
und <rs type="person">Haxmann</rs>. Der Antrittsbesuch sollte dazu dienen, um dem blauen<lb/>
Gastwirteverband die Möglichkeit zu geben, seine Wünsche bei mir<lb/>
zu deponieren. Ich hatte gebeten, dass man mir die konkreten For<lb break="no"/>derungen gleich mitteilt. Leider hatte sie diese nicht mit, aber<lb/>
in Wirklihckeit geht ihr Problem immer nur darum, den Lokalbedarf<lb/>
für ihre Gaststätten zu erhalten. Ich konnte ihnen unter Anwesenheit<lb/>
von Sekt. Chef <rs type="person">Habel</rs> auseinandersetzen, dass sie doch als fortschritt<lb break="no"/>liche Unternehmen die Entwicklung kaum aufhalten könnten, das konser<lb break="no"/>vierende Element der Gewerbeordnung beseitigt werden muss, und deshalb<lb/>
sicher eine Art Befähigungsnachweis zweckmässig erscheint, aber keines<lb break="no"/>wegs in dem Umfang wie er bisher bestanden hat. Zielführend könnte nur<lb/>
sein eine Fähigkeitsprüfung, sei es durch eine Schulausbildung, sei es<lb/>
durch eine Lehrausbildung und Gesellenprüfung oder wie immer man sie be<lb break="no"/>nennen will, als Grundlage für ein Befähigungszeugnis anzustreben. Die<lb/>
Forderung ihrer Organisationen und der Bundeskammer auf strenge Ein<lb break="no"/>haltung der gesetzlichen Lokalprüfung und Befähigungsprüfungen hat<lb/>
ja nur dazu geführt, dass heute an die 280 Betriebsformen im Gast<lb break="no"/>und Schankgewerbe existieren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_02">Bauzentrumvertreter Präs. <rs type="person">Hrastnik</rs> von der Universale, VP KR <rs type="person">Quester</rs>,<lb/>
Dipl.Ing. <rs type="person">Durst</rs> und Dir. <rs type="person">Jirasko</rs> erklärten ihre Bereitschaft, unsere<lb/>
Konsumenteninformation nicht nur zu unterstützen, sondern auch noch<lb/>
zu fördern. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wird sich deshalb mit ihnen ins Einvernehmen setzen.<lb/>
Ich benützte diese Gelegenheit, um dieses neutrale Forum auf die<lb/>
notwendigen Massnahmen aufmerksam zu machen, die insbesondere bei<lb/>
der Baurationalisierung bestehen, um sowohl das Wohnbauprogramm als<lb/>
auch das Leasing-Verfahren für Sozialkapital – Schulen, Hochschul<lb break="no"/>institute, Krankenhäuser – usw. erfüllen zu können. Die Herren waren<lb/>
an unseren Ausführungen und Wünschen sehr interessiert und wiesen be<lb break="no"/>sonders auf folgende Entwicklung hin, dass endlich eine Normung in<lb/>
Österreich für die Fertigbauweise eingeführt werden müsste, weil sonst<lb/>
keine wie immer geartete Möglichkeit besteht, ein wirklich rationel<lb break="no"/>leres Bauen und damit eine höhere Bauleistung zu erbringen. Die Be<lb break="no"/><pb n="02-0356" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-07-13_0356.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schäftigung im Baugewerbe nimmt ununterbrochen ab, sodass der Vor<lb break="no"/>wurf, der gegen die Bauinnung erhoben wird, dass sie zu hohe Löhne<lb/>
zahlen, in Wirklichkeit nach Auffassung dieser Herren illusorisch<lb/>
ist. Ich werde im Einvernehmen mit <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, den ich bei der Ministerrat<lb break="no"/>vorbesprechung über dieses Problem eingehend informiert habe, und<lb/>
erdieselbe Meinung hat wie ich, dass wir nämlich unverzüglich das<lb/>
in Angriff nehmen sollen, einen Brief an die Bauforschung schreiben<lb/>
und sie um ganz konkrete detaillierte Vorschläge ersuchen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: Bitte, einen solchen Brief mit Büro <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
entwerfen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_04">Der britische Botschafter <rs type="person" ref="#per__98074">Wilkinson</rs> hatte bei seinem Antrittsbesuch<lb/>
die Absicht, auch auf das Problem der Unflottung der AUA auf engli<lb break="no"/>sche Maschinen zu sprechen zu kommen, worauf ich ihm allerdings so<lb break="no"/>fort erwiderte, dass dafür der Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> zuständig<lb/>
sei.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_05">Bei der Wirtschaftlichen Ministerkomiteesitzung teilt <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> mit, dass<lb/>
die AUA nun endgültig darauf wartet, eine entsprexhende Weisung zu<lb/>
bekommen, wie sie nun die Umflottung durchführen soll, wobei allerdings<lb break="no"/>neuerdings bekräftigt wurde, dass BAC – die britische Firma dafür über<lb break="no"/>haupt nicht in Frage kommt. Verhandlungen mit der Schweiz sind sehr<lb/>
weit gediehen und es hat den Anschein, als ob man wirklich zu einem<lb/>
Abschluss kommen könnte. Bezüglich des Leasingverfahrens hat Herr <rs type="person">Unger</rs><lb/>
mitgeteilt, dass nun 10 Stück Postämter im Leasingverfahren machen<lb/>
könnte und sieh die Kosten auf ca. 7.500 8 / m2 stellen würden gegen<lb break="no"/>über nach seinen Berechnungen 9 – 10.000 mit Einrichtungen wie sie der<lb break="no"/>zeit geplant werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bezweifelt diese Ziffer und es wird des<lb break="no"/>halb eine Überprüfung von <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> durchgeführt werden. Nach Angaben<lb/>
der Firma würden sich die Miete auf 72.- S/m2 stellen, während der<lb break="no"/>zeit 90.- /m2 bei der Post für Miete und Finanzierungsaufwand ge<lb break="no"/>rechnet werden muss. <rs type="person" ref="#per__140317">Schachinger</rs> hatte seinerzeit als Generalpost<lb break="no"/>direktor ein solches Leasingsystem bereits vorbereitet, aber <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs><lb/>
letzten Enedes dagegen Einsrpuch erhoben, weil der Rechnungshof<lb/>
dies als zu teuer betrachtet hat. Übrigens <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der in der<lb/>
Sitzung nicht teilnehmen konnte, hat ebenfalls dieselbe Meinung.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_06">Die Firma COMOS, die zu 55 % die CA besitzt und zu 45 % die Vereinig<lb break="no"/>ten Tanklager AG in Hamburg wünscht die CA derzeit ihren Anteil abzu<lb break="no"/>stossen. Das Grundkapital ist 35 Mio S. Die CA erwartet für ihre<lb/>
55 %, dass sie ebenfalls 35 Mio S bekommt. Das Verkehrsministerium<lb/>
hat dafür natürlich kein Geld, sodass auch die DDSG nicht ermächtigt<lb/>
werden kann, diesen Anteil zu kaufen. Es ist überhaupt noch nicht<lb/>
sicher, ob die CA wirklich einen konkreten Käufer derzeit hat, angeb<lb break="no"/>lich sind Deutsche oder Jugoslawen im Gespräch.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_07">Bezüglich des Baues des Kernkraftwerkes konnte kein endgültiges<lb/>
Beschluss gefasst werden, weil noch immer alle Vorarbeiten von Seiten<lb/>
der Gesellschaft offen sind. Die Rumänen-Verhandlungen über den<lb/>
zinsenlosen Kredit konnten ebenfalls nicht bereinigt werden, da nach<lb/>
Auffassung <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> zuerst ein Kreditvertrag mit der rumänischen National<lb break="no"/>bank und dem Finanzministerium abgeschlossen werden muss, zweitens<lb/>
die Verhandlungen nachher mit den Rumänen über die Wünsche und konkre<lb break="no"/>ten Waren geführt werden sollen und in dritter Phase dann eine Aus<lb break="no"/>schreibung zur Folge hätte, wer die Lieferungen abwickeln sollte.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_08">Bezüglich Krisengroschen wollte <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> von 7 auf 19 Groschen gehen,<lb/>
während <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf dem Standpunkt stand, dies sei viel zu viel,<lb/>
man müsste höchstens auf 15 Groschen den Krisengroschen erhöhen,<lb/>
um unter den seinerzeitigen Höchstsazt von 19 Groschen zu bleiben,<lb/>
den <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> auch schon seinerzeit dekretiert hatte. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
sprach sich mit Recht dagegen aus und man einigte sich dann auf<lb/>
17 Groschen. Damit könnte nach Berechnungen <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> noch das Auslangen<lb/>
gefunden. werden.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_09">Die Investorentätigkeit werde ich unverzüglichst in Angriff nehmen<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, es müsste jeder Brief über meinen Schreibtisch<lb/>
gehen. Am 15.Juni hat nämlich <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> einen Brief an das Handels<lb break="no"/>ministerium von einer Fa. Wild in Herbruck AG geschrieben, der Inter<lb break="no"/>esse hätte, bei uns in Österreich Investitionen durchzuführen. Ich<lb/>
werde mir den Akt natürlich jetzt kommen lassen, bin aber überzeugt<lb/>
davon, dass es sich nur um eine Dutzendanfrage handelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte<lb/>
auch, wir sollten eine ganzseitige Annonce in der Zürcher Zeitung<lb/>
aufgeben, ich halte von dieser Insertion gar nichts, da er aber so<lb/>
begeistert ist, glaube ich, wäre ein Versuch wert, eine mit seinen<lb/>
Leuten abgesprochene Public Relation-Seite in die Zürcher Zeitung<lb/>
zu geben und dann zuzuwarten.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_10">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte, einmal erheben, was diese eine Seite<lb/>
kosten würde, und womöglich Bundespresse<lb break="no"/>dienstbezahlung vorschreiben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_11">Bei der Ministeratsvorbesprechung schlug <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> vor, einen Bundes<lb break="no"/>schulbaufonds zu schaffen, um die ca. 5 Mia Aufwände, die in den<lb/>
nächsten elt Jahren fürSchulen notwendig sind, mit Hilfe von Ge<lb break="no"/>meindegeldern zu mobilisieren. Der Bund sollte dann im Leasing die<lb/>
Gebäude übernehmen. Als Kapitaleinzahlung hat sich <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> vorgestellt,<lb/>
die vorgesehenen 100 Mio S für den Schulbau, wovon 40 % auf Hochschu<lb break="no"/>len und 60 % auf Bundesschulen entfallen, 60 Mio 8 einzuschiessen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war bereit, über dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> zu verhandeln,<lb/>
er war nicht bereit, dass <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> einen Gesetzentwurf aussendet, wo er<lb/>
diesen Bundeschulbaufonds vorschlägt. Dies fällt in die ausschliess<lb break="no"/>lich Kompetenz des Finanzministers. Da bei den Wohnbaufonds in den<lb/>
Ländern derzeit 4 Mia S stillgelegt sind, wird <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> versuchen,<lb/>
an dieses Geld zur Zwischenfinanzierung heranzukommen. Diese Gelder<lb/>
müssen auf Grund der derzeitigen Rechtslage stillgelegt bleiben, da<lb/>
wenn eine Zusicherung für eine Genossenschaft erfolgt, sofort die<lb/>
Mittel gesperrt sind und die Auszahlung dieser Mittel aber erst nach<lb/>
Baufortschritt erfolgt. Den Zinsgewinn stecken die Länder ein.<lb/>
Gesamtwirtschaftlich zur Konjunkturdämpfung halte ich und habe dies<lb/>
auch gesamt, die Lösung für sehr günstig, weil dadurch eine Über<lb break="no"/>hitzung des Bauvolumens vermieden werden kann und wenn wir nicht<lb/>
zu einer wirklichen Normung kommen, die Bauunternehmungen ja kaum<lb/>
imstande sind eine grössere Bauleistung zu erbringen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_12"><rs type="person">Wondrack</rs> teilte mit, dass der tunesische Botschafter bei ihr war<lb/>
und ein Sozialabkommen zwischen beiden Staaten anstrebt. Er will<lb/>
1000 Fremdarbeiter nach Österreich bringen und <rs type="person">Wondrack</rs> hat die Bundes<lb break="no"/>kammer aufgefordert, ihr mitzuteilen, ob eine solche Anwerbung über<lb break="no"/>haupt beabsichtigt ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte mit, dass er mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> eine<lb/>
Aussprache gehabt hätte über dieses Problem und er auf dem Stand<lb break="no"/>punkt steht, hier müsste unbedingt abgewartet werden, was der Ge<lb break="no"/>werkschaftsbund zu diesem Problemen Fremdarbeiterbeschäftigung sagt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_13">Von der UNICEF hat Dr. <rs type="person">Kyrle</rs> und Dr. <rs type="person">Bermann</rs> bei ihr vorgesprochen<lb/>
und ersucht, es sollte der Beitrag von 116.000 $ erhöht werden,<lb/>
denn nach uns kommen fast keine Länder mehr, vor uns sei z.B. die<lb/>
Türkei und Finnland mit jeweils 220.000 $ . <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erwiderte, dass<lb/>
<pb n="02-0359" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-07-13_0359.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>er dafür kein Geld hat und selbst <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> musste zugeben,<lb/>
dass es für ihn ganz unmöglich ist, jetzt von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einen<lb/>
grösseren Betrag zu verlangen. Die UNICEF stellt sich vor, dass<lb/>
wir den Budgetansatz von 3 Mill. auf 4 Mill. im Jahre 1971 er<lb break="no"/>höhen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte im Einvernehmen mit dem Vetteidigungsminister<lb/>
<rs type="person">Freihsler</rs> die Offiziere, die unter 65 bereits in Pension gehen<lb/>
wollen, womöglich mit 60 schon in Pension schicken und versuchte,<lb/>
bei der Gelegenheit auch das Problem der alte Universitätsprofessoren,<lb/>
die derzeit bis 70 Vorlesungen halten könne, ebenfalls um 5 Jahre he<lb break="no"/>runterzudrücken. Da <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> aber bereits einen Gesetzentwurf ausgeschickt<lb/>
hatte, wo das Höchstalter von 70 auf 68 herabgesetzt wurde, wird<lb/>
auch versucht werden, Offiziere, die sich freiwllig melden, mit 63 in<lb/>
Pension zu schicken, wobei ihnen allerdings die Biennien, die sie<lb/>
noch zu erwarten hätten, angerechnet werden sollten. Ich glaube,<lb/>
dass sich diese Diskussion aus der Situation heraus ergeben hat,<lb/>
dass scheinbar die älteren Generäle im Verteidigungsministerium<lb/>
Widerstand geleistet haben oder noch leisten, und deshalb vorgezogen<lb/>
wird, sie mit allen ihren Benifizien, die sie sonst im aktiven Dienst<lb/>
noch erwerben könnten, bereits jetzt zu pensionieren, unter der Vor<lb break="no"/>aussetzung, dass dies auch von ihnen akzeptiert wird.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_14">Nach der Ministerratssitzung hatte ich noch Gelegenheit mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
zu sprechen und ihn insbesondere darauf aufmerksam zu machen, dass<lb/>
ich am Donnerstag bei unserer ganztätigen Sitzung von ihm konkrete<lb/>
Vorschläge erwarte, wie die weitere Zusammenarbeit resp. Arbeit über<lb break="no"/>haupt erfolgen sollte. Ich erklärte ihm, dass ich vollstes Verständ<lb break="no"/>nis dafür habe, dass es vielleicht einige Probleme gibt, die von<lb/>
uns nicht in Angriff genommen werden sollten, weil es sich umheilige<lb/>
Kühe handelt, die eben nicht geschlachtet werden könnten, er müsste<lb/>
mir dies mitteilen. Alles andere würde ich ansonsten in Angriff nehmen<lb/>
um hier endlich weiterzukommen, wie z.B. Frage Gewerbeordnung usw.<lb/>
Er erklärte sofort, dass eine der heiligen Kühe die Frage der Preistrei<lb break="no"/>berei- und das Preisregelungsgesetz ist. Ich liess ihn nicht um un<lb break="no"/>klaren, dass ich vom wirtschaftspolitischen Standpunkt z.B. auf eine<lb/>
Novellierung des § 3 a) bestehen werde und diesbezügliche Vorschläge<lb/>
dem Innenminister erstatten werde. Er erklärte sofort, dass dies ein<lb/>
Kriegsgrund sei, ich werde versuchen, ihm dies bei unserer ganztätigen<lb/>
Besprechung auszureden.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_15">Die Heizölsituation betrachtete er als genau so kritisch<lb/>
und ist überzeugt, dass Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ihn und mich<lb/>
falsch informiert. Er hat derzeit weder Heizöl, schwer, noch<lb/>
Heizöl, leicht, und wird auch im Winter beide Mengen und Sorten<lb/>
nicht zur Verfügung haben. Ich musste ihm bestätigen, dass ich<lb/>
z.B. vorige Woche wegen 57 t Öl die von der Austria Bäckerei der<lb/>
Konsumgenossenschaft benötigtwurden, intervenieren müsste, um<lb/>
die Brotversorgung für diese Woche sicherzustellen. Da ich mich<lb/>
wegen Freitag bei der ÖMV über die Schwefelverbrennung ange<lb break="no"/>meldet hatte, werde ich dieses Problem neuerdings zur Sprache<lb/>
bringen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-13_16">Der Delegationsleiter von SALT, <rs type="person" ref="#per__97940">Semjonow</rs>, hat sozialistische<lb/>
Regierungsmitglieder nach Baden eingeladen. <rs type="person" ref="#per__97940">Semjonow</rs> war vor<lb/>
15 Jahren wesentlich an der Gestaltung des Moskauer Memorandums<lb/>
beteiligt, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei einer Tischrede feststellte. Nach dem<lb/>
Essen zogen sich <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97940">Semjonow</rs> zurück und<lb/>
anschliessend teilte mir <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> mit, dass ihm <rs type="person" ref="#per__97940">Semjonow</rs><lb/>
gesagt hatte, dass nun Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> nach<lb/>
Wien kommt und er u s nur empfehlen kann, den Mann besonders<lb/>
zu behandeln, da er in Russland eine bedeutende Rolle spielt.<lb/>
Die Betreuung wäre auf gar keinen Fall den Beamten zu überlassen.<lb/>
Ich konnte <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> insofern sofort beruhigen, als ich ihm<lb/>
mitteilte, dass ich persönlich die ganze Zeit für <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs><lb/>
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               <persName><surname>Patolitschew</surname><forename>Nikolaj S.</forename></persName>
               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
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               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>Unterrichtsminister, Bgm. Wien</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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