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            <title type="main">Donnerstag, der  9. Juli 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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               <persName>Gustav Graf</persName>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-09_01">Im Nationalrat kam Präs. <rs type="person">Graf</rs>, ein ÖVP-Abgeordneter, und ersuchte<lb/>
mich für das nächste Jahr ein grösseres Kontingent für ihn an<lb/>
Kommerzialrattiteln bereitzustellen, Burgenland hat dann die 50-Jahr<lb/>
Feier und er möchte bei dieser Gelegenheit – wie er sich ausdrückte –<lb/>
natürlich auch proporzmässig verteilt, doch seine Leute mehr auszeich<lb break="no"/>nen. Ich musste ihn insofern enttäuschen, als ich ihm mitteilte, dass<lb/>
ich die Kommerzialratkontingente der Bundeskammer übertragen hatte,<lb/>
aber mich selbstverständlich einsetzen würde, dass alle seine Vor<lb break="no"/>schläge dann tatsächlich durchgeführt werden. Ich versicherte ihm,<lb/>
dass ich sowohl mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als auch mit <rs type="person">Konstroun</rs> diesbezüglich<lb/>
sprechen würde. Bei der Gelegenheit ersuchte ich ihn, doch mir eine<lb/>
Möglichkeit zu geben, im Rahmen der burgenländischen Handelskammer<lb/>
tätig zu werden. Er erwiderte, dass ja auch vergangene Woche <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
bei ihm im Handelskammergebäude begrüsst hatte. Ich sagte allerdings,<lb/>
dass ich mir nicht vorstelle, dass ich mit der Fraktion des Freien<lb/>
Wirtschaftsverbandes allein einen Vortrag oder Besprechungen halten<lb/>
würde, sondern ich möchte, das mit seinem gesamten Vorstand oder<lb/>
in seiner gesamten Vollversammlung tun..Ich möchte doch den Herren und<lb/>
Damen meine Politik versuchen zu erörtern und mich ihrer Kritik stel<lb break="no"/>len. Er erkannte natürlich sofort meine Absicht und erklärte, dass ich<lb/>
dies ja sehr geschickt einfädle, aber als gefährlichster Mann doch<lb/>
nicht damit rechnen könnte, dass sie damit sehr einverstanden wären.<lb/>
Allerdings sagte er mir nicht endgültig ab, sondern sagte, er würde<lb/>
sich dies noch überlegen, da er mich besonders gut leiden könnte.<lb/>
Ich kann aus diesen Äusserungen feststellen, dass die ÖVP insbesondere<lb/>
die Handelskammerleute zwar sehr wohlwollend mir gegenüber auftreten,<lb/>
mich aber natürlich nach wie vor entsprechend abmauern. Umso mehr<lb/>
bemühen wir uns, die Devise "Service für die Wirtschaft" in Einzel<lb break="no"/>fällen immer wieder zum Durchbruch zu verhelfen. So war es möglich,<lb/>
dass Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> von Steyr-Daimler-Puch AG, der mit Direktor<lb/>
Dr. <rs type="person">Tied</rs> gekommen ist, sofort meine Unterstützung zugesagt erhielt.<lb/>
Die Steyr-Daimler-Puch AG will in Griechenland ein <choice><choice><sic>joint-adventure</sic><corr>Joint Venture</corr></choice></choice><lb/>
mit italienischen Firmen gemeinsam aufrichten. Die CONTI, VENTURI<lb/>
CARRACOSTAS-Gruppe will eine LKW-Traktoren-Werkmaschinen- u. Moten<lb break="no"/>produktion aufbauen. Für die Anlaufphase dieser Gesellschaft ist<lb/>
<pb n="02-0345" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-07-09_0345.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Kapitalbedarf von ca. 3 1/2 Mill. $ veranschlagt. 500.000 $ hat<lb/>
Steyr-Daimler-Puch bereits angezahlt. In den ersten Jahren wird<lb/>
ein Kreditrahmen von ca. 15 Mio $ erforderlich sein, die ausschliess<lb break="no"/>lich zur Lieferung von Traktoren von Österreich in die griechische<lb/>
Gesellschaft beinhalten. Dadurch würde die Steyr-Produktion auf ein<lb/>
internationales Niveau bezüglich der Menge zu erzeugender Traktoren<lb/>
in Österreich angehoben werden. Die Steyr würde bei Anfang der<lb/>
Lieferung pro Jahr ca. 6 Mio $ Erzeugnisse nach Griechenland liefern<lb/>
können.Ich konnte sofort bei den ersten Sätzen feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs><lb/>
doch nicht sehr sicher ist, ob diese Gruppe, die PKW sollen von Alfa<lb break="no"/>Romeo geliefert werden, entsprechend finanzielle abgesichert ist,<lb/>
resp. ob das Geld dort nicht irgendeiner nebulosen Firma zur Verfügung<lb/>
gestellt wird. Ich sagte deshalb, indem ich ihn unterbrach, da würden<lb/>
wir eben über unsere Organisationen versuchen, eine entsptchende Auskunft<lb/>
zu bekommen. Ich erklärte, dass er genau dies von mir erbeten hätte<lb/>
und teilte mir noch mit, dass der Koordinationsminister <rs type="person">MAKAREZOS</rs><lb/>
dagegen sei, dagegen sein Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__97463">FTHENAKIS</rs> sehr dafür für diese<lb/>
Gruppe. <rs type="person">MAKAREZOS</rs> hätte allerdings erklärt, dass dies den Stellver<lb break="no"/>treter seinen Posten kosten wird. Ich wendete dagegen ein, dass jede<lb/>
Militärregierung bestrebt ist, Traktoren und LKW-Produktionen im<lb/>
eigenen Lande aufzubauen und wenn dies noch auf ein königliches Dekret<lb/>
die ganze Prodjektsgruppe beruht, dann zeigt dies nur, dass hier<lb/>
irgendetwas faul ist. Die Steyr-Werke bestätigten mir, dass angeblich<lb/>
nur ganz kurzfristig mehr mit einem Arrangement gerechnet werden<lb/>
kann, weil die Ermächtigung des königlichen Dekretes mit Ende Juli<lb/>
ablaufen sollte. Mein Hinweis, dass <rs type="person">Onassis</rs> auch einmal versucht hatte,<lb/>
eine solche Produktion in Griechenland aufzuziehen und er doch viele<lb/>
ausländische Verbindungen und kapitalkräftiger ist als die Steyr-Werke<lb/>
wurde dahingehend beantwortet, dass <rs type="person">Onassis</rs> den falschen Gruppe Geld<lb/>
gegeben hätte, d.h. Bestechungsgelder an griechische Interessens<lb break="no"/>gruppen bezahlt hätte, die dann von der anderen Gruppe verraten wurde.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unverzüglich danach angerufen und ihn gebeten,<lb/>
ein diesbezügliches verschlüsseltes Kabel an unsere Botschaft in Athen<lb/>
zu geben und unverzüg-lichs um einen Bericht zu ersuchen. Er war so<lb/>
liebenswürdig, dass er gleich, da er Steno sehr gut beherrscht, meine<lb/>
Wünsche übers Telefon zur Kenntnis genommen hat und ein diesbezügliches<lb/>
Kabel runtergegeben. Der Botschafter <rs type="person" ref="#per__97991">Steiner</rs> ist allerdings derzeit<lb/>
<pb n="02-0346" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band02/02_1970-07-09_0346.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in Wien und er hat erklärt, er wird versuchen, ihn zu erreichen,</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-09_02">um mich dann mit ihm in Verbindung zu bringen. Wenn dies heute nicht<lb/>
mehr der Fall ist, werde ich am Freitag abends bei ihm aufkreuzen,<lb/>
um meine Wünsche dem Botschafter noch persönlich mitteilen zu können.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-09_03">Zwei Landesproduktenhändler, nämlich ein gewisser Herr <rs type="person">Bruck</rs>, den<lb/>
zweiten Namen hatte ich nicht verstanden, beide waren aber aus NÖ,<lb/>
hatten den Wunsch geäussert, mit mir zu reden, und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hatte<lb/>
ihnen Gotte sei Dank auch sofort einen Termin freigemacht. Dadurch<lb/>
entstand bei den beiden der Eindruck, dass es ein grosser Unter<lb break="no"/>schied ist, ob ein Sozialist ein Minister ist oder ein ÖVP-Ler, denn<lb break="no"/>sie sind wie sie zugegeben haben, beide anderer Coleur, aber sie<lb/>
konnten feststellen, dass es früher für sie fast unmöglich war, mit<lb/>
dem Minister zu reden und andererseits angeblich jeder Akt monate<lb break="no"/>lang unbeantwortet im Ministerium liegen blieb. Sie waren hauüt<lb break="no"/>sächlich gekommen, um mir mitzuteilen, dass die Vorfracht für LKW<lb/>
von ihren Aufkaufgebieten zu den Speichern ebenfalls in die Fracht<lb break="no"/>aktion des Getreideausgleichsfonds, d.h. gegen Vergütung aufgenommen<lb/>
werden sollte. Da ich nicht weiss, ob <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> diese Forderung erfüllen<lb/>
kann, versuchte ich noch eine Kleinigkeit von ihnen zu erfahren, wo<lb/>
ich sie unterstützten könnte. Da die derzeitigen Erzeugerpreise für<lb/>
Gerste 2.20 für Hafer 2.10 und für Mais 2.25 unverbindlich festgelegt<lb/>
wurden in dem Erlass, aber gleichzeitig damit festgelegt wurde, dass<lb/>
diese Erzeugerpreise – es sei denn es sei eine riesige Überproduktion<lb/>
kaum unterschritten werden können, so teilte sie mir mit, dass die<lb/>
Hauptschwiergikeiten derzeit für ihre Abgabepreise bestehen, weil diese<lb/>
kaum erzielt wrden könnten. Für Gerste beträgt sie 2.35, für Hafer 2.25<lb/>
und für Mais 2.40. Die ihnen nun zur Verfügung stehende Spanne von<lb/>
15 Groschen muss aufgeteilt werden, wie ich ja aus der Preisregelung<lb/>
ja noch weiss zwischen Aufkäufer und Grosshandel. Ich erklärte nun<lb/>
den Vertreter, es wäre doch zweckmässig, damit sie noch so sehr unter<lb/>
einem Druck der Abnehmer kommen, man sollte die Aufkäuferspanne mit<lb/>
10 Groschen und die Grosshandelsspanne mit 5 Groschen festlegen und<lb/>
dies würde ich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gegenüber mit allem Nachdruck vertreten. Ich konnte<lb/>
dann tatsächlich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> zu dieser Besprechung bringen, er hörte sich das<lb/>
Ganze an und verlangte von ihnen einen schriftlichen Vorschlag, wie<lb/>
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dass er den zweiten Vorschlag akzeptiert und bei dem ersten Vorshlag<lb/>
ihne halt dann einen abschlägigen Bescheid gibt, wenn eine Möglich<lb break="no"/>keit nicht gegeben ist, allerdings ihnen wurde vorher ein diesbezüg<lb break="no"/>liches Ansuchen teilweise erfüllt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-09_04">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: Bitte, die ganze Angelegenheit.mit <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs><lb/>
besprechen und weiter verfolgen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band02_1970-07-09_05"><rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs>, der vom Städtetag zurückkam und mir mitteilte, dass wenn die<lb/>
österreichische Bundesregierung ihnen nicht entsprechend mehr Mittel<lb/>
im nächsten Jahr für die grösseren Gemeinden und die Städte zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen kann, dann von Städteorganisationen angegriffen werden<lb/>
wird, hatte ich darauf hingewiesen, dass ich leider verpflichtet wäre,<lb/>
die Sparmassnahmen, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> eingeleitet hat, auch tatsächlich<lb/>
durchzuführen. Ich hatte ihn allerdings dann mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zusammen<lb break="no"/>gebracht und er müsste halt versuchen, das nicht nur – wie er sich<lb/>
ausdrückt – wohlwollende Erklärungen von Seiten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> und<lb/>
anderer Genossen immer wieder den Städten und den Gemeinden gegenüber aus<lb/>
gesprochen sondern auch entsprechende mehr finanziellle Mittel zur<lb/>
Verfügung gestellt. Der Städtebund stellt sich vor, dass die jetzt<lb/>
vorgesehen 2 Mio, die ich allerdings derzeit gar nicht ausgeben kann,<lb/>
weil ich in einem finanziellen Engpass andere Verpflichtungen damit<lb/>
gegebenenfalls damit fianzieren muss, 4 Mio S im nächsten Jahr zu<lb/>
erhöhen. Die Zinsenzuschüsse, die daraus bezahlt werden sollten, wurden<lb/>
seinerseits mit 2 1/2 % festgelegt, obwohl <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> – wie er mir<lb/>
mitteilt – bereits in-offiziell in den vergangenen Monaten den<lb/>
Städten und Gemeinden einen 4 1/2%-igen Zinsenzuschuss zugesichert<lb/>
oder zumindestens in Aussicht gestellt hat. Ich kann immer wieder fest<lb break="no"/>stellen, dass leichtfertigst Zusagen gemacht werden, die dann kaum<lb/>
zu effektuieren sind oder wenn dies der Fall ist, dann meistens<lb/>
Konzepte wie z.B. jetzt das Streichungskonzept von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dadruch<lb/>
vollkommen über den Haufen geworfen wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sagte mir auch,<lb/>
dass nach seinen bis jetzt vorliegenden Wünschen noch ca. 14 Mia S<lb/>
ungedeckt wären. Aus der ganze Debatte im Nationalrat war vielleicht<lb/>
nur eine Detailinformation sehr interessant, es hat <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> die Regierung<lb/>
deshalb stark angegriffen, weil er von der OECD verständigt wurde,<lb/>
dass der Österreich-Bericht über Wunsch der österr. Bundesregierung<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> dies im Haus offiziell öffentlich erklärte, darauf aufmerksam<lb/>
gemacht hatte, bekam zur Antwort, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> angeblich ge<lb break="no"/>warnt hat, eine Änderung dieses Berichtes in Paris zu beantragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> allerdings konnte dann in der Antwort-erklärung sich einige<lb break="no"/>rmassen herausreden, indem er darauf hinwies, dass die von uns bean<lb break="no"/>standeten Stellen auch im Nationalölkonomischen Kreis und er zählte<lb/>
eine ganze Reihe von Leuten der anderen Seite auf, wie <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> und <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs><lb/>
die ebenfalls der Meinung waren, dass die Bestimmung, die hier die<lb/>
OECD dann änderte, doch den Tatsachen nicht entsprochen hat.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> seine Rede herunterlas und vorher schon bei den Journalisten<lb/>
verteilt hatte, kann man annehmen, dass er in Zukunft weniger frei<lb/>
sondern mehr nach festen Manuskripten reden wird. Das ist glaube ich<lb/>
für uns sehr günstig, weil dies zweifelsohne einer parlamentarischen<lb/>
Gefplogenheit widerspricht und gute Redner in Wirklichkiet sich immer<lb/>
nur Stichworte aufsetzen. Als er <rs type="person" ref="#per__97346">Banya</rs> auch bezüglich der Preispolitik<lb/>
angegriffen hatte, hat sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> unverzüglich zu Wort gemeldet und<lb/>
hat nachdem er kein Manuskript zur Verfügung gehabt hat, phantastisch<lb/>
auf die entsprechenden Angriffe reagiert und ich glaube, es ist sehr<lb/>
zweckmässig, wenn man doch dazu übergeht, alle unsere Abgeordneten davon<lb/>
zu überzeugen, dass es viel besser ist, frei zu reden, auch denn wenn sie<lb/>
vielleicht das Gefühl haben eine nicht so geschliffene Rede aufs Par<lb break="no"/>kett zu legen wie dies der Fall ist, wenn man eine Rede herunterliest.<lb/>
Die Argumentation, die <rs type="person">Reinhart</rs> einmal bei seiner Jungfern-Rede gebracht<lb/>
hat, Besser G'scheit gelesen, als blöd g'redt, gilt hier in dem<lb/>
Falle wirklich nicht. Aus der Wigel-Wagel-Politik, die die ÖVP jetzt<lb/>
im Parlament aufführt, zuerst eine dringliche Anfrage, dann das Zurück<lb break="no"/>ziehen der Dringlichkeit aus den Vorschlägen <rs type="person" ref="#per__98091">Withalms</rs>, zuerst das Parla<lb break="no"/>ment nicht mehr arbeiten zu lassen, dann das Zugeständnis, doch, zeigt<lb/>
sich, dass <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> nicht mehr der Eiserne sondern gegebenenfalls der<lb/>
Papierene ist, der derzeit mit grössten Schwierigkeiten zu kämpfen hat,<lb/>
seinen Klub und seine Partei auf eine Linie zu bringen. Ich glaube aber,<lb/>
dass wenn sich die ÖVP nicht sehr bald fängt, und wir zu einer zweckmässi<lb break="no"/>geren Arbeit kommen, erleben werden, dass die Verhandlungen, sei es im<lb/>
Parlament oder ausserhalb des Parlamentes, noch schwieriger werden und<lb/>
noch weniger Ergebnisse zeitigen, sodass damit eine konstruktive Arbeit<lb/>
kaum möglich sein wird.</p>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Schweda, Otto</persName>
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