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            <title type="main">Freitag, der  8. Mai 1970</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-08_01">Die beabsichtigte Besprechung bei Minister <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> über den Gesetz<lb break="no"/>entwurf des ehelichen Güterrechtes, welcher im letzten Ministerrat<lb/>
auf meinen Antrag um acht Tage zurückgestellt wurde, fand im<lb/>
Justizministerium statt. Es kamen von der Bundeskammer Dr. <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Musil</sic></rs><lb/>
und Dr. <rs type="person" ref="#per__97353">Blaschek</rs>, und von der Präsidentenkonferenz der Landwirt<lb break="no"/>schaftskammer anstelle des verhinderten Generalsekretärs <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs><lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97756">Moskat</rs>. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wies darauf hin, daß es dringend notwendig sei<lb/>
sowohl das Uneheliche-Kinder-Recht als auch das Eheliche-Güter-Recht<lb/>
einer Novelle zu unterziehen. Er verwies darauf, daß jetzt eine –<lb/>
1968 wesentlich verbesserte – Vorlage im Ministerrat eingebracht<lb/>
wird. Bei der Diskussion stellte sich heraus, daß Musil einige<lb/>
Forderungen stellte die bereits im Entwurf berücksichtigt gewesen<lb/>
sind. Für mich ergibt sich die Frage ob es nicht zweckmäßiger ist,<lb/>
ihm in Zukunft den konkreten Gesetzentwurf zeitgerecht zuzustellen,<lb/>
damit er überprüfen kann, ob überhaupt ein Einwand von ihm dagegen<lb/>
erhoben werden soll. <rs type="person" ref="#per__97769"><sic/></rs> zeigte sich von der Vorgangsweise –<lb/>
zumindesten nach außen hin – befriedigt und erklärte,man würde<lb/>
gegebenenfalls im Parlament noch bei Beratung des Gesetzentwurfes<lb/>
entsprechende Abänderungsanträge stellen. Mein Hinweis, daß wenn<lb/>
die Bundesregierung entsprechende Vorschläge erstattet,es für uns<lb/>
von größtem Interesse ist zu erfahren, ob es unüberwindliche<lb/>
Schwierigkeiten im einen oder anderen Punkt bei den Interessensver<lb break="no"/>tretungen gibt, wurde scheinbar befriedigt zur Kenntnis genommen.<lb/>
Wir wissen allerdings noch nicht ob und inwieweit dies alles nur<lb/>
formelle Diskussionen sind und im Grunde genommen die ÖVP auch über<lb/>
die Interessensvertretungen versuchen wird, die Regierung so schwer<lb/>
wie möglich zu attackieren. Wenn die Ankündigungen stimmen, daß die<lb/>
ÖVP für jedes Ministerium einen Schattenminister mit einem Büro<lb/>
errichten wird, dann müßte über die Interessensvertretungen dieser<lb/>
Schattenminister, respective dessen Büro, entsprechend informiert<lb/>
und mit Angriffsmaterial ausgestattet werden. Wieweit dann unserer<lb break="no"/>seits eigenes Material an diesen Stellen abgegeben wird und dadurch<lb/>
Munition für den Kampf gegen uns geliefert, müßte dann natürlich<lb/>
im Konkreten noch untersucht werden. Eine Bemerkung von Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> ließ mich aufhorchen, denn er erklärte rundwegs, daß in<lb/>
Zukunft die Kartellfragen bei mir ressortieren würden. Ich hatte<lb/>
angenommen, daß Musil dies positiv vermerken würde, er erklärte nur,<lb/>
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Auf meinen Einwand, daß dies eine Forderung der Handelskammer<lb/>
gewesen ist, hat er nur erklärt man müßte eben die Lage neu über<lb break="no"/>denken.<lb/>
Bei meinem Antrittsbesuch beim Herrn Bundespräsidenten habe ich<lb/>
gleich die Frage angeschnitten, wieweit er Wert darauf legt dem<lb/>
Protokoll entsprechend die Kleidung und die Ordensverleihung<lb/>
einzuhalten. Der Bundespräsident zeigte größtes Verständnis für<lb/>
meinen Standpunkt, daß ich erstens weder beabsichtige mir einen<lb/>
Frack, Cut, Stresemann oder sonstige hochnoble protokollmäßige<lb/>
Kleidung anzuschaffen, noch bereit bin einen Orden anzunehmen. Er<lb/>
sagte, dies liege ausschließlich in meiner Ingerenz, er möchte<lb/>
allerdings nur bitten, daß ich ihn entsprechend verständigen würde.<lb/>
Dies hatte ich sowieso vor und erklärte,selbstverständlich in<lb/>
loyalster Weise auch diese Frage stets mit ihm zu besprechen. Was<lb/>
den Bundespräsidenten nur in der Vergangenheit geärgert hat war,<lb/>
daß manchmal Leute die zuerst erklärten kein Interesse an Orden zu haben, sich<lb/>
nachher darum rissen welche zu bekommen, oder zuerst die ganzen<lb/>
Protokollfragen und Protokollregeln gerne mitmachten um nachher<lb/>
dann zu erklären, dies sei alles Humbug. Ich erklärte dem Bundes<lb break="no"/>präsidenten, daß ich diese Vorgangsweise auch mißbillige sondern,<lb/>
wenn man schon eine abweichende Meinung in diesem Punkt hat, dann<lb/>
sollte man still und leise – ohne irgendwelche großen Ankündigungen,<lb/>
oder nachherigen Erklärungen – eben so vorgehen wie es das eigene<lb/>
Gewissen vorschreibt.<lb/>
Ich konnte andiesem Tag endlich damit beginnen die Damen und Herren<lb/>
meines Hauses in ihren Arbeitsstätten zu besuchen, das heißt ich<lb/>
begann mit Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> und meinem Büro in den Präsidial<lb break="no"/>abteilungen mich vorzustellen.<lb/>
Am Nachmittag ergab sich eine sehr peinliche Situation, da ich von<lb/>
einem Redakteur der "Presse", Kollegen <rs type="person" ref="#per__97927">Schuhmeier</rs>, angerufen wurde<lb/>
der mich fragte ob ich wüßte, daß auf der EWG-Ministerratssitzung,<lb/>
Mitte Mai, auch das Problem Österreich auch auf die Tagesordnung<lb/>
gesetzt wurde. Da in unserem Hause bis zu diesem Zeitpunkt nichts<lb/>
bekannt war veranlaßte ich, daß unmittelbar festgestellt wurde,<lb/>
wieso wir nicht verständigt wurden. Es stellte sich bei einer<lb/>
genaueren Untersuchung heraus, daß im Außenministerium bereits um<lb/>
10 Uhr bereits ein diesbezügliches chiffriertes Fernschreiben einge<lb break="no"/>laufen ist welches dort hängen blieb und nicht an uns weitergeleitet<lb/>
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höflich entschuldigte, sicherte mir zu, daß er sofort alle Veranlassun-<lb/>
gen treffen würde, daß dies in Zukunft nicht mehr der Fall sein wird.<lb/>
Ich ersuchte ihn, Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> von meinem Büro, bei dieser Frage zuzu<lb break="no"/>ziehen um eine wirkliche Informationslücke die für uns äußerst<lb/>
peinlich ist zu schließen.<lb/>
Da sich der Finanzminister mit den 200.000 Schilling, die wir zur<lb/>
Aufstockung der Forschung zur Verfügung stellten nicht zufriedengab,<lb/>
wurde aus einer anderen Post – nämlich Druckaufträge -ein weiterer<lb/>
Betrag von 200.000 Schilling flüssiggemacht. Die Hauptschwierigkeit<lb/>
liegt darin, daß das Budget für das Bundesministerium für Handel,<lb/>
Gewerbe und Industrie äußerst knapp gehalten ist und deshalb Frei<lb break="no"/>machung von Beträgen auf große Schwierigkeiten stoßen. Bei anderen<lb/>
Ministerien ist das sicher anders. Wenn z.B. das Bautenministerium<lb/>
1,5 Mio. Schillinge zur Verfügung stellt, so konnte ich feststellen,<lb/>
daß dort insgesamt 3 Mio. Schillinge auch für diese Zwecke budgetiert<lb/>
waren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band01_1970-05-08_02">Da ich noch immer mit einem Ersatzauto fahre, versuchte der Sekt.<lb/>
Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> jetzt eine Lösung dahingehend zu finden, dass er einen<lb/>
neuen Dienstwagen, der angeblich vorgesehen ist, für mich anschaffen<lb/>
wollte. Ihm schwebt ein Mercedes vor, wobei er sogar schon mit der<lb/>
Farbenskala in mein Büro kam, um endgültig dieses Problem zu fina<lb break="no"/>lisieren. Ich erklärte sofort, dass ich nicht daran denke, für mich<lb/>
einen neuen Wagen anzuschaffen, solange nicht eine Möglichkeit be<lb break="no"/>steht, diesen amerikanischen Schlitten gegen einen zweckmässigen<lb/>
Wagen zu tauschen, werde ich nach wie vor mit irgendeinem kleinen<lb/>
Dienstwagen weiterfahren. Ich bin überzeugt davon, dass dies erstens<lb/>
meinem Stil entspricht, zweitens wirklich mein unabdingbarer Wille<lb/>
ist und drittens sich sicher eine Möglichkeit finden lässt, die<lb/>
General Motors-Vertreter in dem Fall Opel Kandl, davon zu überzeugen,<lb/>
dass es zweckmässig ist, diesen neuen amerikanischen Schlitten, der<lb/>
unmöglich gross und teuer im Betrieb kommt gegen einen zweckmässigen<lb/>
Opel-Wagen zu tauschen, ohne dass wir,entsprechende Mittel dafür<lb/>
aufwenden müssen.</p>
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